Ausgabe 
18.8.1930
 
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Nr. W Erster Blatt

180. Jahrgang

Montag, 18. August 1950

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Dr. Jnebr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.Tdyriot; für den übrigen Teil Emst »lumfchein und für den Anzeigenteil Ma^ Filler, sämtlich in (Stehen.

Gießener Anzeiger

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polnische I^eden.

Polen Hot in den letzten Tagen wieder einmal gefeiert und dabei viele Reden gen Himmel steigen kiffen. Schön waren fit nicht, aber fie waren deutlich, meistenteils sehr massive Ant­worten an den Minister TreviranuS, dem Geschichtsfälschung, Rationalismus und mancherlei andere gute Dinge zum Dorwurf gemocht wurden; auch da- in Anwesenheit deS Ministerpräsidenten und englischer wie französischer Döste. Wenn die deutsche Diplomatie Sinn für politische Bos­heiten Hütte, könnte fie die Delegenheit benutzen, um eine entsprechende Demarche einzuleiten; aber es hat ja keinen rechten 3toed. Die Polen find die geborenen Subjektivisten, alles was f i e tun, ist gut und friedensfreundlich, alle-. waS Deutschland tut, dagegen gehässig und kriege­risch. Also schließen wir die Akten über den Fall und nehmen höchstens zur Kenntnis, daß dabei die offizielle ParoleFront gegen Westen" auSgegcben wurde. Immerhin ist eS trostreich, dah die inneren Derhältniffe Polens den kriegerischen Ehrgeiz stark dämpfen werden. P i l f u d f k i hat auch bei feinen Legionären viel an Boden verloren, eS ist eine eigene Organisa­tion gegen ihn gegründet worden. DaS polnische Parlament hat beinahe schon wieder den Ruf erreicht, der ihm vor der Teilung Polen- den Fluch der Lücherlichkeit verlieh. Und wenn nicht die Stützen der Bundesgenossen, vor allem Frankrei ch, wären, dann würde Polen heute schon wieder in das ThaoS eine- Kampfes aller gegen alle zurückgesunken fein.

Der preis für ein Ostlocarno.

Ein Vorschlag zur Aufhebung deS Danziger Korridors.

Paris, 18. Aug. (WTD. Funkfpruch.) Mit der Frage de- Danziger Korridor- beschäftigt fich in der »Volonte" der Schriftsteller Ernest 3 u b e L Er schreibt: Wenn Polen, als es die kostspielige Anlage deS Hafens von Gdin­gen in Angriff nahm, sich nicht vorwiegend von militärischen Erwägungen. statt von wirtschaftlichen leiten liest und wenn da- wirtfchastliche Problem nicht durch militärische Fragen verfälscht worden ist, täte eS gut daran, sich nach den Erfahrungen anderer umzusehen; da- System, nach dem dieTschecho- slowakei handelt und bei dem sie sich Wohl befindet, indem fie den ihr zugebilligten Frei­hafen in den Hamburger Gewässern benutzt, würde uns von einer politischen Ser­vitut befreien, die weder den wahren Derhält- nissen, noch unseren Interessen entspricht. Da- ist eine der Mahnungen, die da- zweite Memo­randum Briand- sicher nicht unbeachtet lassen wird. Rach dem West-Loearno must man den Preis für da- Ost-Locarno erlegen.

Litauische Diktatur im Memelgebiet.

Wo bleibt der Völkerbund?

Die litauische Reg ierung hält eS im Augenblick offenbar für günstig, wieder einmal die Autonomie der Deutschen im Me­mel gebiet etwa- abzudrosseln. Sie hat zwar die .AuSlegung-gesctzemit denen fie durch den Litauischen Landtag die Autonoinierechtc der Deutschen -erschlagen wollte, auf ausländischen Protest wieder zurückgezogen. Aber dafür steuert sie jetzt im Memelgebiet selbst einen Kurs, der auf den Konflikt berechnet ist. Der Gouverneur MerkyS hat einen neuen Landespräsidenten berufen und da- alte Direktorium für abgcfctzt erklärt, da- noch sehr gut seine- Amtes waltet, und hat die Deutschen zwingen wollen, min­desten- zwei Litauer in das Direk­torium aufzunehmen. Als die deutschen Parteien da- ablehnten, hat er da- Direkto­rium einfach gegen fie ernannt, das nun voll­kommen in der Luft schwebt und unter Aus» schaltung des Parlaments rein diktatorisch regieren will. Die Derhältnisse sind nachgerade wieder so unhaltbar geworden, dah der Völ - k e r b u n d fich darum kümmern must. Die Be­schwerde der Deutschen liegt ihm vor. und wenn der Dölkerbund sich nicht selbst überflüssig machen toll. kann es für ihn gor keine andere Dahl geben, al- dafür Sorge zu tragen, dah Litauen ute Beipflichtungen, die es den Deutschen gegen­über etngegongen ist, auch wirklich erfüllt

Dle Verewigung -es Haffes.

LtratzburgS Kampf um eine Inschrift.

Straßburg ,16. Aug. (541) Der Ltrastbur- aer Beigeordnete Haas hatte auf daS dringende Verlangen der von der Stadtverwaltung emp­fangenen Mitglieder der.Internationalen Liga für Frieden und Freiheit" ver­brochen, die Inschrift der Statue, die im Empfangssaal des Rathauses seit zehn Sohren steht, zu beseitigen. Ss handelt sich um ein G e schenk der Pariser Zeitung Le Z a *1 V 6me symbolische Statue des franzöfi- sthen Bildhauer- Guillaume verherrlicht den fron-

Die Ausstellung der Kandidaten für den neuen Reichstag.

DieMrtschast sord. rt Sammlung

Sine Mahnung des NeichSverbando der deutschen Industrie.

Berlin, 16. Aug. (ERB.) Der R e i ch - v e r- band der deutschen Industrie richtet zu den Wahlen ein Rundschreiben an seine Mitglieder, in dem eS u. a. hecht: Die Entwick­lung deS letzten IahreS. insbesondere der letzten Monate hat unwiderlegbar gezeigt, zu welchen verheerenden Folgen für Volk. Staat und Wirt­schaft eine falsche WirtschaftS- und Finanzpolitik führt. Ein Wandel ist nur möglich, wenn eine arbeitsfähige und reformwillige Regierung auf 6rei­te r Grundlage gesichert ist, die vom Dertrauen aller am Wiederaufbau mitarbei» tenden Schichten de- deutschen Volkes getragen wird. Es ist die höchste Zeit, alle aufbauen­den Kräfte zu sammeln und in einer Re­gierung zur Auswirkung zu bringen, die das Gebot der Stunde begreift und entschlossen ist, mit durchgreifenden Maßnahmen Ordnung in unsere Finanz- und Wirtschafts­führung zu bringen.

Der Reichs verband der Deutschen Industrie richtet daher an seine Mitglieder die ernsthafte Mahnung, zu dieser Sammlung der aufbauenden Kräfte mit allen Kräften und Mitteln beizutra­gen. Er erwartet von seinen Mitgliedern, dah fie da- Wah lrech t unbedingt als eine slaats- bürgerlich und wirtschaftspoli­tische Pflicht auffassen und es bei den kom­menden Wahlen im Sinne dieses Aufruf- auS- üben. Er erwartet ferner, dah seine Mitglieder sich darüber hinaus auch aktiv an der Dorberei­tung der Wahlen beteiligen.

Getreu der staats- und wirtschaftspolitischen Linie, die der Reichsverband seit seinem Bestehen stets befolgt hat. glaubt er, von feinen Mitglie­dern fordern zu follen, daß fie ihre Enterstützung durch Mitarbeit und Stimmabgabe nur solchen Parteien zuwenden, die auf dem Boden der Verfassung fte^en, und die unzweideutig für die Erhaltung und Entwicklung der Privatwirtschaft sowie für dasPri- nateigentum eintreten. Im Rahmen dieser allgemeinen Grundsätze empfiehlt der Reichs­verband insbesondere die Unterstützung derjenigen Parteien, die entschlossen sind, bei der Lösung der bevorstehenden Aufgaben dieGrundsahe der wirtschaftlichen Vernunft zur Geltung zu bringen, alle kollektivistischen Experimente ab­zulehnen und durch entschiedene Reformen die Grundlagen für eine Gesundung der deu t- f che n Wirtschaft und damit auch für einen Rückgang de r Arbeitslosigkeit zu legen.

Wahlgememschast im Wahl­kreis Frankfurt-Oder.

Erfreulicher Erfolg der Lammluugsbcwegung.

Frankfurt a. d. 0., 16. Aug. Die Organi- falionen der Wirtschaft des Wahlkreises Frank­furt a. d. 0., Grenzmark Posen-lveslprcuhen, hatten unter Führung der Arbeitsgemeinschaft der Rieder- lousitzer Wirtschaft Vertreter aller bürger­lichen Parteien nach Frankfurt a.d. 0. geloben mit dem Ziel, über die vorhandene Parteizersplitte­

rung hinweg eine Einheitsfront im Wahl­kreis V und damit eine gemeinsame Platt­form für d i e Wahlbewegung zu schaffen. Heber den Verlaus der Sitzung wird von beteilig­ter Seite mitgeteilt: Mit lebhaftem Bedauern wurde das bisherige Scheitern der zentralen Einheitsbe- ftrebungen feffgefteHt. Die Wähler verstehen nicht, daß es angesichts der allgemeinen Rotlage nicht möglich sein sollte, das Trennende zu über­brücken. Erfreulicherweise ist e» den Bestrebungen der Wirtschaft gelungen, die Vertreter der bürger­lichen Parteien des Wahlkreises V zu einer weit­gehenden Einigung zu bringen. Man einigte sich darauf, einen gemeinsamen wohlauf- ruf zu erlassen und den Wahlkampf ge­meinsam durchzuführen. Die fo gewonnene Gemeinschaftsarbeit zwischen Wirtschaft und bürger­lichen Parteien soll auch über die Wahlen hinaus aufrechterhalten bleiben.

Demokraten und Gtaatspartei in Hessen.

Der Mainzer Bürgermeister Ehrhardt staatsparteilichcr Spitzenkandidat.

Frankfurt a.QU., 17. Aug. (WSR.) Der Landesausschust der Deutschen Demokratischen Partei Hessens nahm zur Gründung der Deut­schen Staatspartei und den kommenden Reichs- tagswahlen Stellung. Landessekretär Dr. Reu­bauer bezeichnete die Gründung der StaatS- partei als naturnotwendig, da man dazu kommen müsse, größere, aktionsfähigere Parteien in den Reichstag zu schicken. StaatSanwalt Dr. M a y berichtete über die Verhandlungen mit der Volks- nationalen Reichsvereinigung. Er erkannte dabei die Berechtigung der Forderung dieser Kreise an, nach neuen Männern und Führern zu rufen. Der Vorsitzende der Landtagsfraktion erllärte. daß er angesichts der gegebenen Lage nunmehr a u f die Kandidatur verzichten müsse. Rach langen, oft sehr lebhaften Auseinander­setzungen wurde folgende Resolution an­genommen: Der Landesausschuh billigt die Stellungnahme des ReichsparteiauSschusses aus Anlaß der Gründung der Deutschen Staatspartei

und erhofft von ihr einen machtvollen Zusam­menschluß der sreiheitlich, fortschrittlich und sozial gesinnten Staatsbürger zur Schaffung eines wahren DolkSstaateS. Als Reichstags­kandidat wurde dann Bürgermeister Dr. Ehrhardt (Mainz) als Qkrtrcter deS Wahl­kreises Darmstadt nominiert.

Professor Soetzsch konservativer Spitzenkandidat in Hessen.

Mainz, 17. Aug. (WSR.) In einer auS allen Teilen des Landes Hessen besuchten Versamm- tung in Mainz wurde der LandeSverbanb Hessen der Konservativen VolkS- Partei «gründet. Mit der Leitung deS Lan- deSverbanoeS wurde OberregierungSrat Lanz (Mainz) beauftragt, der namens der Partei­leitung einen Lieberblick über die Entstehung und Aufgaben der Partei gab. In der anschlie­ßenden Diskussion, in der Vertreter der drei Provinzen und Angehörige der verschiedensten Berufsstände daS Wort ergriffen, zeigte sich völlige Ucbereinftimmung über Wege und Ziele der Partei. AIS Spitzenkandidaten im Wahlkreis Hessen-Darmstadt sind für die Konserv. DolkS- partei Professor Dr. Otto H o e tz s ch und Rechts­anwalt Lr. R e e n (Mainz) ausgestellt worden,

Oie sozialdemokratischen Kandidaten für Hessen. Staatspräsident Ulrich kandidiert nicht mehr.

WSR. Frankfurt a.M., 16. Aug. Ein außer­ordentlicher Parteitag der Sozialdemokratischen Partei von Hessen befaßte sich mit der Lage vor den Wahlen und der Aufstellung der Reichstagskan­didaten. Reichstagsabgeordneter Reichsminister a. D. Dr. David (Berlin) hielt das Referat über die Krise des deutschen Parlamentarismus und die kommenden Reichstagswahlen. Die Krise des Par- lameniarismus liege nicht im System des Par­lamentarismus selbst; die Derantwortung, auch an den Kabinettskrisen der letzten Jahre, falle den Wäh- lern zu, die einen unfähigen Reichstag nach Berlin schickten. Die Absatzkrise in Deutschland habe ihre Ursache in der Rot des Volkes; ryit der Hebung

Jmchlbares kraslwageiiimM im Siefengebirge.

Gin Postautobus in die Elbe gestürzt. Acht Todesopfer.

Am Sonnlagnachmitlag ereignete sich a u f der Straße oon S p i n d l e r m ü h l e nach hohen- e l b e ein furchlbares Kraftwagenunglück, bei dem acht Personen getötet und sechs schwer ver­letzt wurden. Der Autobus, der um 13.30 Uhr mit 13 Fahrgästen von Spindlerinüssle abgefahren war, geriet in einer Kurve auf der nassen Straße ins Schleudern, durchbrach eine über einen Meter hohe Mauer neben der Straße und stürzte in die Elbe. Sämtliche Passagiere und der Wagen­führer wurden ins Wasser geschleudert. Rur der Schaffner konnte sich durch Abspringen retten. Die Feuerwehr von hohenelbe und Militär nahmen sofort die Bergungsarbeiten auf. Ls wur­den acht Leichen und sechs Schwerverletzte geborgen.

Unter den Toten befinden sich die Gattin de, Berliner Arzte» Mendelsohn, die in Spindtermühle jur Kur weilte, ein weiterer Kurgast au» Spindler- mühle, zwei Kinder im Alter von acht und 14 Jahren und der Wagenführer. Die übrigen loten sind Bürger au» Spindtermühle und hohenelbe. Der Baier der beiden gelöteten Kinder befindet sich gleichfalls unter den Todesopfern. Er hatte den Autobus benutzt, um feinen Kindern die über­schwemmte Talsperre zu zeigen. Die sechs verletzten wurden sofort Ins Krankenhaus geschafft. Drei von ihnen haben lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Die Straße Splndlermühle-hohenetbe war Infolge der Aufräumungsarbeiten zwei Stunden lang ge­sperrt.

zösischen »Sieg" mit» folgender Inschrift: »Zur Erinnerung an den Sieg des Rechts über d ie Gewalt und der Zivilisa­tion über die Barbarei." Das Derspre- chen des Beigeordneten Haas hat aber sofort große Entrüstung bei dem Straßburger französi­schen »Iournal d Qllsace et de Lorraine' und erst recht beim .Matin" ausgelöst. Die Redaktion des Pariser nationalistischen Blattes hat sofort den Bürgermeister von Straßburg von seinem Willen in Kenntnis gesetzt, »die Befveiungs- statue in ihrem ganzen Aeußern re­spektiert zu sehen, so wie sie am 19. Oktober 1919 vom Straßburger Gemeinderat angenom­men worden ist. Andere Städte, die diese Statue gleichfalls erhalten hätten, täten desglei­chen. Unter diesen beschenkten Städten werden neben Lille, Qkrbun und Brüssel auch Kolmar und Metz genannt. Der .Matin" droht damit,

er se in Geschenk zurückfordern werde, wenn seiner Forderung nicht entsprochen werde und ruft das Urteil der französischen Oef- fentl.chkeit darüber an, ob er da nicht in seinem Recht seu

Während das ..Journal d'AIsace" diese Wög- lichkett tote überhaupt diesen ganzen Fall als eine Schande für Straßburg" empfindet für --diese alte demokratische 6tabr*, meint die aulo- nomistischeElsaß-Lothringer Zeitung", dah man das Ding schön verpackt demMatin" zurückschicken solle......Denkmäler

des Hasses will Straßburg nicht." U^>er bte bombastische Inschrift könne man nur lachen, wenn man Die Folgen deSRechts- friedens" von Versailles sehe und insbesondere am elsässischen Schicksal feststellc wie hohl alle die Reden vom Selbstbestimmungsrecht der Völler waren. Es werde sich im Gemeinde- ral leicht eine Mehrheit finden, um die Desei- tigung diesesUeberbleibfels deS Krregsgeist eS" zu beschließen. Danz an­

derer Meinung ist natürlich der offiziöseEl­sässer Bote", der entrüstet ist, daß man in Straßburg heuteauf einer Statue nicht einmal wehr die Wahrheit in Form einer Inschrift sagen öenrf. Die Entwicklung der Angelegenheit werde sicherlich der jetzigen autonomistifch-kommunisti- schen Verwaltung der Stadt Straßburg nicht zur Ehre gereichen".

Frankreichs Rüstung immer noch ungenügend.

Nach der Turchfül.rung der einjährigen Tienstjeit.

Paris, 16. Aug. (TU.) Kriegsminister M a- g i n o t hat einem Vertreter des .Ioumal" eine Unterredung gewährt, in der er sich über den Stand der französischen Armee nach der Durchführung der einjährigen Dienst­zeit äußerte. Maginot eAärte zunächst, daß dadurch eine Reihe von Fragen aufgeworfen wurde, zu deren Lösung Geld notwendig sei. Das Hauptaugenmerk richtete der Kriegsminister dairn auf die Stärke der französischen Armee. Das aktive Heer genüge jetzt nicht mehr, einem plötzlichen Einfall standzuhalten, wenn es nicht durch die sofortige Einberu­fung der Reserve verstärkt würde. Das solle natürlich nicht heißen, daß die französische Armee nicht in der Lage sei, einen Angriff ab* zuwehren und sogar nach einem gewissen Zeit­punkt die Ueberhand zu gewinnen. Die fran­zösische Armee, die ein ausschließliches DerteidigungSinstrument sei, habe vielleicht nicht die Mittel, die zu einem Angriff notwendig seien. Eie sei aber auch lediglich zu dem Zweck geschaffen, eine reine Dertel- digungsarmee darzustellen.

Krisis in Argentinien.

Lebhafte Oppojition gegen den Präsidenten Zrigoycn.

Buenos Hirt», 16. Aug. (Tel-Un.) Die argentinische Regierung hat die Berboppclung der berittenen Polizei der Haupisladt von 500 auf 1000 Mann angeordnet. Die Maßnahme, die großes Aufsehen hervorruft, steht im Zusam. menhang mit der innerpolitischen Gärung, die sich fast täglich in Demonstrationen ge­gen den Präsidenten Irigoyen äußerl. Dor einigen Tagen haben sich 44 Abgeordnete oer- schiedener Oppositionsparteien der Abgeordneten- fammer, darunter so entgegengesetzte Richtungen wie Konservative und Unabhängige Sozialisten, zu einem festen Block zusammengeschlos» s e n. Zwar verfügen die Anhänger des Präsidenten, die Personallsten, mit hundert Mandaten für sich allein über die notwendige Mehrheit in der Kam­mer. Die Bildung eines Oppositionsblockes kann aber doch den Anstoß zu einer Umschichtung der ^^politischen Macht Verhältnisse geben. Der Haupt- adjliAe Dorwurf, der gegen den Präsidenten und «eine Partei erhoben wird, ist die systematische Aus- s ch o 11 u n g des Parlaments. In der Ab­geordnetenkammer verhindern die Perfonalisten durch Obstruktion die Beschlußfähigkeit, so daß keine ori öentlidjen Sitzungen stattfinden können. Im Senat liegen die Dinge allerdings anders, doch kann der Lenat für sich allein ohne die Mitwirkung der Kammer nicht arbeiten. Es laufen Gerüchte über ttbrungen der Ordnung, die vielleicht von der Pro­vinz E n t r e Rios ausgehen könnten, wo die Per,onalisten nicht die Mehrheit und auch nicht die Stegieningsgeroalt besitzen, um. Dort sind kurzer- banö die Mandate von 6 personalistischen Abgeord- neten, die systematisch Obstruktion trieben, für un­gültig erklärt und Reu wähle u ausgeschriedM worden.