Einzelbild herunterladen

I

AZ

I

's» .

MM" W

-Mj

0-

AMxr' V'fp r V!^v^

WW?-

**;4 *AZf V J

W «ö«

^erschiedgjj iSi^T

SS" USG

MKMW

»Ift!-,r iflunon^ SBC

nach Südosten zu, über dem Hafen. Es hat dieselben düsteren Gassen wie alle diese mittelalterlichen See­städte, es hat seine Mauerwälle, die über dem Meer hinlaufen und eine weite Sicht auf die hohe See freigeben. Es ist immer von großem Reiz, in diesen Winkeln umherzustreifen: ober die Eindrücke wie- Verholen sich leicht und verlieren an Gegenwärtig- feit, wenn sich das eigentliche Leben einer Stadt bewußt in andere Viertel hinüberflüchtet. Ich habe ganz im Gegensatz zu Neapel in diesem alten Bari immer den Eindruck gehabt, daß seine Bewohner nur noch ungern in ihren engen Gassen und engen Häusern wohnen. Auch habe ich bei ihnen niemals eine besondere Liebe zu den beiden groß­artigen Kirchen entdecken können, welche dort mitten aus dem Giebelgewirr aufragen: zu der Kathedrale San Sobino und zu der Basilika von S Nicola. Und doch sind es nur diese beiden Bauten, um deret- willen der Fremde hierherkommt, dem kein Geschäft, sondern die niemals müde Sehnsucht nach Schön­heit den Weg weist. Was ihn erwartet, kann er kaum ahnen, sofern er nicht weiß, daß die Kathedrale feit fünfundzwanzig Jahren von der namenlosen ba­rocken Verunstaltung, welche sie sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts gefallen taffen muhte, befreit wird. Die Arbeiten find noch nicht beendet, aber was schon getan ist, läßt erkennen, welches Wunder an Raum diese Gliederung von Mauern und Bögen öarftellt und welche Beglückung allen zuteil werden wird, die den Tag der endlichen Befreiung erleben. Das Wort - uni) sei es das dichterischste - muh hier versagen Man lasse dem Steine, was nur der Stein künden kann, und dem Bilde, was nur das Bild als Ahnung einer Wirklichkeit zu vermitteln vermag Die Kathedrale steht in Hauser eingeklemmt aber man kann sie dennoch im Viereck umgehen Immer wieder bleibt man stehen, hingerissen von der Schönheit der romanischen Fenster, die wie große Blumen in den Wandflächen ruhen, wie ein Form-Duft, der gewaltiges Mauerwerk belebt Am unvergeß­lichsten blieb mir von je ein Doppelfenster im Turm Der Rhythmus seiner beiden inneren Bögen, die ein schlicht verzierter äußerer Bogen nochmals überwölbt, klingt über alle Zeit und allen Raum in meinem Herzen nach und fast ebenso mächtig der Gesang jener üppigen Rundung aus tierbelebtem Rank- und Blattwerk, wie sie das eine Fenstertor der Apsis aufweist Hymne aber bleibt der Seele, welche Fläche und Linie in Musik zu wandeln weih, die gewaltige Einheit von S. Ricola. Auch hier ist ein Befreiungswerk im Gang und geht feiner Vollendung entgegen. Auch hier wird eine un- sahliche Sunde wieder gut gemacht, wie sie nur

war ein großer Tumult auf dem Markte von Carpentas. »Spuck das Geld aus!" bettelte der Inhaber, der nicht die Ziege behalten und auch noch ein Paket 500-Frankenscheine bezahlen wollte. »Sofort spuck aus!" versuchte er zu be­fehlen. Die Ziege starrte stumm. Den beiden wurde warm. Roch immer waren ihre Be­mühungen ohne Erfolg. Da kam einer der um­stehenden Bauern auf die Idee, die Ziege mit einem Pserdehaar am Gaumen zu kitzeln. Das war auch der papierliebenden Geiß zu viel. Sie öffnete ihr Maul und gab das Geld et­was feucht, aber vollzählig wieder stolz in dem Bewußtsein, dah die Menschen auch eine Ziege manchmal um etwas bitten müssen.

Meo- postume ks

M

Oie Ziege frißt ihren preis.

Es gibt Leidenschaften bei Tieren, die man als Kenner und als Mensch, der täglich mit solchen Bestien zu tun hat, wohl beachten sollte. Was die Ziege angeht, so behauptet man, daß sie einmal leidenschaftlich gern Papier fräße und ferner durch ein Streicheln über ihren Hals zu gesteigerter Frehlust angestachelt werde. Hät- ten der Inhaber und der Händler, die mit der hier in Frage kommenden Ziege zu tun hatten, diese Momente beachtet, so wäre ihnen viel Angst und Sorge erspart geblieben Unb nie würde Monsieur Baragaud vor einer Geiß aus den Knien gelegen und sie um eine Gefällig­keit angebettelt haben. Also: die beiden Män­ner, der Besitzer und der Händler, waren sich einig geworden über die Ziege, die ihren In­haber wechseln sollte. Es handelte sich nur noch darum, den Preis um einige Franken zu drücken.

Herbst in Apulien.

Von Albert H. Rausch.

VIII.

Bari.

Dieses ist Bari, die Hauptstadt Apuliens: Ein neues flaches Viertel, sich nach Südwesten zu er- streckend, mit schönen, breiten Straßen und Häusern, wie man sie seit einigen Jahrzehnten in Süditalien errichtet. Viel Stein, viel Balkone, viel Ornament (bas sich aber fast niemals oorbrängt), weite, kühle Vestibüle, lange Zimmerfluchten, sehr hohe Räume. So gebaut, wie es bie viele Sonne und bie oft lange Trockenheit verlangen Murat hat bie Neu- stabt gegrünbet, am Anfang bes 14. Jahrhunderts. Es gibt heute in ihr viele schöne, viele reiche Läben, deren Auslagen sich in Lichtfluten breiten. Auffallend wenig einladende und leicht erkennbare Speifehäufer, ein paar durchaus provinzhafte Gasthöfe und einen, der 'war bie große Gebärbe zu machen versteht, aber roeber in feiner geräuschvollen Halle noch m seinen lauten unb luftlosen Zimmern ein Gefühl Der Heimatlichkeit zu schenken vermag Ein Gasthof für Durchreifenbe, bie es sehr eilig haben. Rur zum Wohnen, nicht einmal zum Essen. Reiche Leute blei­ben ba eine Nacht Die wohlhabenben jungen Herren bes Laubes nehmen ihn zum Aufenthalt, wenn sie zu ihrem Vergnügen in bieGroßstadt" kommen. D<. Wunsch Baris, bas Neapel ber Abria au wer­den, ist sehr groß und auch sehr begreiflich Wie- weit er nur ein Wunsch ist, mögen spätere Ge­schlechter entscheiben. Bari ist Hanbelsstabt,.unb sehr bebeutenbe. Seine Seele ist sein geräumiger Hafen. Eine besondere Atmosphäre, ein befenberescachet" hüt bie Stabt nicht Man finbet in ihr alles, was man als Mensch dieser Zeit braucht, man finbet es leicht und reichlich Inwieweit ihrAufschwung" an­bauern wirb, hängt von Entwicklungen bes Welt- honbels ab, bie nicht zu umschreiben sinb, hangt auch von ber Machtstellung ab, welche sich Italien - vor allem in ber östlichen Mittelmeerwelt - zu erwerben unb zu bewahren verstehen wirb Der Wille zur Macht ist heute bei allen Italienern sehr groß Die Geschlossenheit unb Einheitlichkeit des staatlichen und onlfbaften Bewußtseins ebenfalls Es ist ost er­greifend zu sehen, mit welcher Leidenschaft des Ge­fühls ber Italiener an bie bebeutenbe Zukunft fernes Lonbes glaubt, ja wie er sich nicht nur eine beson­dere mittelmeermäfjige, sondern sogar weltmahige Sendung" zuerkennt. Und e? ist immer beakicfenb, mit so gläubigen und zukunftsfrohen Menschen in Austausch unb.Umgang zu sein. O1 ...

Das alte Bari aber hebt sich auf leichter Anhohe

plumper Unverstand eines aufgedunsenen Lebens­gefühles begehen konnte an durch sich selbst ge­heiligter Form. Es wird die ewige Schmach des Barock bleiben, daß es kein Gefühl dafür besaß, wo es Halt zu machen hatte: daß es die Göttlich­keit ihm fremder Rhythmen nicht verspürte und als ewig-gültigen Urklang unbesudelt lieh: die­selbe Göttlichkeit, an der sein ganzer Schwulst zu Schanden wird. Das Hauptportal von S. Ricola schwer und reich in schlichtester Fassade ruhend - ist eines der edelsten in ganz Apulien . . Ein anderes, das Löwentor (porta dei Leoni), trägt einen Streifen mit ritterlichem Turnier un­ter einem Bogen mit Akanthusomamenten von solcher Einheit und Zurückhaltung der Maße, daß hier ein Aeuherstes an künstlerischer Bändi­gung erreicht erscheint .. Welche stumme, selbst­lose Hingabe an ihr Werk hatten die Stein­bildner jener abgeklungenen Zeiten. Welche hün­dische Eitelkeit hat das Kunstgetue der un­seren, das schon die kleinste Leistung mit einem lautgenannten Ramen überdecken muß ..

Am linken Seitenschiff des Jnnenraumes steht der Sarkophag des Mannes, der Konradin dem Beil des Henkers überlieferte: des Robert Chyurlia. Er führte den Prozeß im Auftrag Karls von Anjou Auf seinen Ramen fleckt der Mord der niedrigste, der je an einem halben Kind geschah, selbst wenn er. den Todesspruch, den ein Provenzale sällte, den der König gut- hieh, nicht gebilligt haben lallte .. So steigt auch hier in jedem deutschen Herzen der Schatten jenes kaiserlichen Knaben auf und hüllt den Abschied ein ..

Lockend hielt der Käufer die Paketchen mit den 500 Frankenscheinen hin, um durch die Sug­gestion des Geldes das Besiherherz zu erweichen. Der Bauer aber treulte seiner Geiß freundlich den Racken. Sie wußte ja nicht, um was es hier ging, handelte also so, wie es ihre Vor­eltern wohl auch getan haben. Sie wollte, an­geregt durch daS Halskraulen, fressen und nahm das Raheliegende: das Geld aus der Hand des Käusers. Zweimal bewegte sich ihr Kiefer und dann blickte sie harmlos wie vorher in die Welt.Mein Geld Mein Geld! Die Ziege hat ihren Preis aufgefressen I" Es

Lochschulnachrichten.

Der ordentliche Professor Dr. jur. Hellmuth von Weber in Jena hat einen Ruf als ordentlicher Prosessor für Strafrecht und Prozeß­recht an die Universität Rostock erhalten. 1926 erhielt Weber die Ernennung zum Extraordi­narius an der deutschen Universität in Prag, von wo er zwei Jahre später als Rachfolger von Professor M. Grünhut und planmäßiger a. o. Professor nach 3ena übersiedelte und dort die Ernennung zum persönlichen ordentlichen Pro­fessor erhielt. Cs haben Rufe abgelehnt: Professor Dr. Ernst Hoffmann in Heidelberg auf den Lehrstuhl der Philosophie an der Uni» versität 3en a als Nachfolger von Professor M. Wundt, Professor Dr. Oskar Weigel in Marburg auf den Lehrstuhl der Mineralogie, Petrographie und Kristallographie an der Uni­versität (Jena als Rachfolger von Geheimrat Sind, Professor Dr. Günter Scheibe in Er­langen auf den Lehrstuhl der physikalischen Chemie an der Universität Kiel und Professor Dr. Wilhelm Weber in H a 11 e auf den Lehr­stuhl der alten Geschichte an der Universität Tübingen.

Tiichliae f

Periöoferm (Kürz.. Weib- ü-oIllvareo),DH ,ocht z. 1-^..fM pflpw auch and Branche. (Uph nach Uebcreint Wttl'chrMSed.

Wohnung

°n 6« mieten n«

X.@dml,L 1

'M oni3 Üljen Wien, Aiu.

Möbliertes nnabhincffet Zimmer

M mufepar.eitt, jun von btiieittn kamen a^t. entralbeUuna tie« «W. ^dmltlidje rngebvir mltVxtti tuet VM an ben flieh. Anz. erbeten.

Jüngeres l0 Mchen vom Lande in klein, vauebnlt gelnchi. Iran Elle Metzer, SteotzaniwMb

wir warnen

Sie

JlmZrottbuMtnal Snjdgn otnt jfantr

faß Mtyte Mm Mjutögci; Vs-Nsta ctnüqtn jer CinMhng D SW/OT^Mrfafflt» untat Cfttflun^ba ÜuhtoMtHtimbtiroti wdmWmMwttw ntn oli nW« hin fit d.Wrdmrlangnngho LwotMgtuMaga Gießener Anzeiger

8* I

*u fetm I

Psgr ML

ttb vif "Ms? [uiofcfänme, ttfon?na9rn für ?Qflen SÖlt' krger »

'«Lrx

M» I LLtz

Dienstag, !8. Zebruar (930

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Hr.41 Zweites Blatt

Die Konferenz der Finanzminister der Länder: Sitzend von links: Reichsfinanzministsr Moldenhauer, Dr. H. Schmelzte (Bayern), H. Weber (Sachsen), Frohn (Anhalt). Stehend ganz links: Dr. I. Schmitt (Baben). Stehend von rechts: Dr. H. Jasper (Braunschweig) und W. Kromayer (Thüringen).

bei denen er geringer ist, und die infolge­dessen gezwungen sind, Kapital einzuführen. Zu der ersteren Gruppe gehören Grohbri annien, Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Amerika, Tschechoslowakei und Schweden, während Oester­reich, Ungarn, Deutschland, Polen, 3apan usw. gezwungen sind, Kapital einzuführen. Für Deutschland ergibt sich eine Kapitaleinfuhr von 6 Prozent des Volkseinkommens, das jetzt un- ge ähr 68,5 Mil LrJen Mark nach den Feststellun­gen für das 3ahr 1928 und 71 Milliarden Mark nach denjenigen für das 3ahr 1929 beträgt. Diese Schätzungen sind dabei vym Statistischen Reichs­amt gemacht worden, das für das 3ahr 1928 ein Volkseinkommen auf den Kopf der Be­völkerung umgerechnet von 1077 Mk. errech­nete. Das Volksvermögen ist für Deutschland für das 3ahr 1928, berechnet nach der Helsfe- richschen Methode, mit 350 Milliarden geschätzt worden, während eine andere Schätzung nur auf annähernd 280 Milliarden kommt. Hierbei muß man selbstverständlich beachten, daß nach dem Kriege die Auswechselung der politischen Zu­gehörigkeit des Volksvermögens Europas, wo von rund ein Achtel ersaht wurden, eine große Rolle spielte. Rußland und Deutschland haben dabei die allergrößten Verluste erlitten. Unmöglich ist es aber zur Zeit, an der Hand dieser Feststellungen etwa Ausblicke auf die kommende Gestaltung des Volkseinkommens so­wohl in Deutschland als auch in der ganzen Welt zu unternehmen.

Das Volkseinkommen.

Das Einkommen eines Volkes ist wichtig, um seine Existenzbedingungen werten zu können. Dor dem Kriege betrug das gesamte Volkseinkommen Europas etwa 240 Milliarden Mark oder aus den Kops der Bevölkerung umgerechnet rund 490 Wk. Run könnte man annehmen, daß die Rachlriegszeit hier eine starke Verminderung ge­bracht hat. Dem ist aber nicht so. Gewiß setzte in der Zeit des Krieges ein außerordentlicher Rückgang ein, ber aber bald wieder ausgeglichen worden ist. Und heute darf man bereits fest­stellen, daß das Volkseinkommen beinahe in allen europäischen Ländern den Vorkriegsstand schon wieder überschritten hat. Das liegt selbstver­ständlich in der Hauptsache an der gesamten Steigerung aller Vermögenswerte, die zum großen Teil auch daraus zurückzuführen ist, daß die rationellere technische Ausnutzung eine quantitative Förderung zur Folge hatte. Aber auch die außereuropäischen Staaten haben durchweg umfangreiche Steigerungen ihres Volks­einkommens aufzuweisen, die in den Vereinigten Staaten und in Kanada bald 100 Prozent pro Kops der Bevölkerung ausmachen, wobei sogar noch die Goldentwertung mit eingerechnet ist. Das Volkseinkommen der Vereinigten Staaten, das vor dem Kriege ungefähr zwei Drittel des gesamten europäischen Volkseinkommens aus­machte, und damals etwa 150 Milliarden Mark betrug, hat jetzt Europas Volkseinkommen bei weitem überflügelt. Hier ist am allerbesten d i e transkontinentale Verschiebung der Weltgeltung ersichtlich. Denn schätzt man das gegenwärtige Volkseinkommen der ganzen Welt auf rund 900 Milliarden Mark, so entfällt davon auf Amerika mehr als zwei Fünftel, während Europa noch nicht ganz zwei Fünftel erreicht und die anderen Länder zusammen un­gefähr nur ein Fünftel aufweisen.

Naturgemäß stellt die3nlandproduktion bei allen Ländern den Hauptanteil des Volks­einkommens dar, doch muß man von Anfang an zwei Ländergruppen unterscheiden, nämlich solche, deren Kapitalneubildung größer als der Bedarf an Reukapital und solche,

Taten für Mittwoch, 18 Februar

Sonnenaufgang 7.07 Uhr, Sonnenuntergang 17.22 Uhr - Mondaufgang 0.21 Uhr, Mond­untergang 9.30 Uhr.

1473: der Astronom Rikolaus Kopernikus in Thom geboten (gestorben 1543); 1731: Frau Rat, Goethes Mutter, in Frankfurt a. M geboren (gestorben 1808); 1745; der Physiker Graf Volta in Como geboren (gestorben 1827); 1859; der Astronom und Physiker Svante Ar- rhenius in Wyk bei Upsala geboren (gestorben 1927); 1865: der Forschungsreisende Sven Hedin in Stockholm geboren.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 14. Febr. Zwei junge Leute, die für ein Privatunternchmen von Kriegsbeschädig­ten gefertigte Holzschnitzereien, in der Hauptsache Aschenbecher und Schreibzeuge, verkauften, wobei ihnen selbst ein erheblicher Teil des Kaufpreises als Verdienst in die Tasche floß, erweckten durch die Art ihres Auftretens den Anschein, als seien sie Vertreter einer sozialen Wohltätigkeits­einrichtung; dabei hatten sie auch für milde Ga­ben eine offene Hand. 3n einem mitgeführten und für sie bestimmten Buch ließen sie die gespen­deten Beträge eintragen. Es wurde ihnen außer­dem nachgewiesen, dah sie in'hiesiger Stadt min­destens zwei Einträge verfälscht hatten, um die von ihnen aufzusuchenden Personen zur Zeich­nung höherer Beträge oder zur geneigteren Ab­nahme von Waren zu veranlassen. Wegen ge­meinschaftlicher schwerer Privat- urkundensälschungin Tateinheit mit ver­suchtem Betrug wurden sie zu je 1 Woche Gefängnis verurteilt.

Ein wiederholt vorbestrafter Arbeiter, der vom hiesigen Wohlfahrtsamt für sich und seine Fa­milie laufend durch Geld und Naturalleistungen unterstützt wurde, stand unter der Anklage der schweren Fälschung einer öffent- lieben Urkunde in Tateinheit mit Rück- s a 11 s b e t r u g. Wie von jeüem arbeitsfähigen Empfänger der Wohlsahrtsunterstühung, so wurde auch von ihm zwecks Prüfung der Ar­beitswilligkeit an drei Tagen in der Woche die Ableistung von Pflichtarbeit verlangt und hier­von die Auszahlung der Unterstützung abhängig gemacht. Der Nachweis wird durch Vorlage der vom Wohlfahrtsamt ausgestellten Kontroll­karte geführt, in welcher der betreffende Auf­seher die geleistete Arbeit einträgt. Gelegentlich der Wiedervorlage der dem Angeklagten aus­gestellten Kontrollkarte stellte sich heraus, daß die Karte gefälschte Eintragungen enthielt. Das Gericht erklärte die Kontrollkarte für eine öffent­liche Urkunde und verurteilte den Angeklagten int Sinne der Anklage zu 3 Monaten Ge­fängnis.

Ein aus dem Ruhrgebiet kommender Sattler, der im Vogelsberg als Dienstknecht eine Stelle hatte benutzte die Gelegenheit, als sein früherer

Dienstherr mit feiner Familie in der Kirche war, um diesen zu bestehlen. Vom Keller aus stieg er durch eine im Boden des Wohnzimmers befind­liche Luke ein, offete einen dort stehenden Se­kretär und entwendete daraus etwa 140 Mk. Von dem Geld kaufte er sich einen neuen Anzug und ein Paar Lackschuhe. Wegen schweren Dieb- stahls wurde er zu vier Monaten Ge- s ä n g n i s verurteilt.

Großfeuer in Marburg.

WSR. Marburg. 16. Febr. Gestern abend kurz vor 10 Uhr wurde die gesamte hiesige Feuerwehr alarmiert. 3n der erst vor wenigen Jahren erbauten Gr ohgarage und Au t o - mobilreparaturwerk statt Hermann, an der Ecke der ZimmermannstraßeKasieler Straße (nahe dein Hauptbahnhof), war aus bis jetzt noch unaufgeklärter Ursache Feuer aus- gebrochen, das sich infolge der dort lagernden feuergefährlichen Stoffe (Benzin, Oel, Gummi usw.) rasch ausbreitete. Die nach kurzer Zeit aus dem Drandplatz eintreffende Feuerwehr ging mit der Motorspritze dem Brand energisch zu Leibe; nach und nach waren sechs Schlauch­leitungen in Tätigkeit. Die Garage und die Reparaturwerkstätte brannten im 3 n n e r n völlig aus, nur die Betonmauern stehen noch. Eine große Zahl von Automobilen konnte noch aus dem brennenden Gebäude gerettet werden. Sieben b i s acht Wagen fielen jedoch dem Feuer zum Opfer. Ferner wurden wert- volle Reparaturmaschinen und das Gummilager vernichtet. Die anstoßenden Häuser, auf die der Brand schon übergegriffen hatte, konnten gerettet werden. Kurz nach zwölf Uhr konnte ein Teil der Feuerwehr wieder ab­rüden. Der durch das Grohfeuer angerichtete Schaden dürste 100 000 Mk. übersteigen.

Starkenburg.

WSR. Darmstadt. 16. Febr. Heute wurde hier die erste zweistödige Grohgarage der Firma Haas L Bernhard in der Rhein- straße eröffnet. Die in freitragendem Eisenbeton ausgeführte Garage ist 60 Meter lang und 21 Meter breit

Die Riesen-Gläubigeroersammlung der zusammengebrochenen Bank für Deutsche Beamte in der Autohalle am Berliner Kaiserdamm.

* _