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44 Stellen, hierunter 3,5 Stellen, für die bisher die Kosten ganz von den Gemeinden zu tragen waren. Reben den abgesehten Stellen fällt für acht Stellen an den höheren Bürgerschulen der Staatszuschuh weg. Insgesamt werden also ein­gespart für den Staat 48,5, für die Gemeinden 3,5 Stellen, zusammen 52 Stellen. Dabei ist es noch fraglich, wieweit die bisher von den Gemeinden voll unterhaltenen Stellen von diesen künftig beibehalten werden. Für das höhere Schulwesen sind im Staatsvoranschlag 1930 ins­gesamt 1054 Stellen vorgesehen gegen 1098 in 1929. Don den für 1930 vorgesehenen Stellen sind 1003,5 Stellen staatliche Stellen, d. h. Staat und Gemeinden tragen für sie anteilmäßig die Kosten, 50,5 Stellen fallen voll den Gemeinden zur Last. Zum Vergleich kann darauf hingewiesen werden, daß 1924 (vor dem Beginn des Abbaues) vor­handen waren 1157 staatliche und 17 gemeind­liche, zusammen 1174 Stellen. Zum Schluß sei darauf hingewiesen, daß im Sofortprogramm d i e Einsparung von etwa 200 Polizei- beamten stellen vorgesehen ist, nachdem bis­her schon eltoa 350 Stellen eingespart worden sind.

Die Führer derDeuWnationalen heim Reichspräsidenten.

Hindenburg bchäli sich seine persönlichen Entschließungen vor.

Berlin, 17.Jebr. (L.R.B.) wie wir erfahren, empfing der Reichspräsident heute mittag den Vorsitzenden der Deutschnationalen Partei, Geheim­rat hugenberg und den (Führer der deutsch­nationalen Reichstagsfraklion Dr. Oberfohren. Staatssekretär IN e ihn er wohnte der Unterredung bei. von unterrichteter Seite verlautet, daß der Reichspräsident Ende voriger Woche bereits den Vorsitzenden der Deutschen volksparlei Dr. Scholz und den (Führer der Reichstagsfraktion des Zen­trums Dr. Brüning empfangen hat.

Geheimrat hugenberg und Dr. Oberfohren trugen ihre Auffassung über die mit dem Zoungplan zusammenhängenden Probleme vor und insbeson­dere ihre Bedenken hinsichtlich des deutsch-pol­nischen Liquidationsabkommens, der Sanktionsfrage und der Richlerledigung der Saarfrage sowie der Untragbarkeit der dem deutschen Volke aus dem Poungplan erwachsenten L a st e n. Der Reichspräsident Hot diese Aus­führungen mit Aufmerksamkeit entgegen- genommen und erklärt, sich seine persönlichen Entschließungen bis nach Beendigung der Beratun­gen und der Beschlußfassung des Reichstags Vor­behalten zu müssen.

Stockende Etatsverhandlungen.

Die Biersteuer Pro est gegen die Streichungen.

Berlin, 17. Febr. (ERB) Die Besprechun­gen über die Etatsfragen gehen nur stockend weiter. Im intersrakii-nellen Ausschuß hat der Reichsfinanzminister nur über die Verhand­lungen mit den Finanzministern der Länder Bericht erstattet. Daraus ist von besonderem Interesse, welche Firm der Bier­steuer jetzt im Vordergründe steht. Man denkt nun an ihre 7 5 - v. H. - Erhöhung, wovon 50 v. H dem Reich und 25 v S) den Ländern zu­gute kommen sollen. Aus Antrag Bayerns soll die Verteilung unter den Ländern jedoch nach dem Maßstab des Aufkommens erfol-, gen, so daß also die Länder, die den größten Teil der Steuer aufbringen, auch Anspruch aus die stärkste Quote bei der Verteilung haben. Rach der Sitzung des interfraktionellen Aus­schusses ist abends 7 Uhr das Reichskabi­nett zusammengetreten: es berät den Reichs- Haushalt weiter.

Das nächtliche Treffen der Reichsminister, das der Sanktion der Ersparnisse am neuen Haus­haltsplan galt, fand bereits eine Situation vor, die alle Voraussetzungen für schwierige Be - r'a t u n g e n geschaffen hatte. Da verschiedene Minister bereits vorher hatten durchblicken lassen, daß sie ihren Rücktritt nehmen wür­den, wenn die Kürzungen an ihrenRes- s o r t e t a t s aufrechterhalten blieben. So hat der R e i ch s w e h r m i n i st e r die stärksten Be­denken gegen die Streichungen an seinem Etat, der Deichsarbeitsminister glaubt es nicht verantworten zu können, mit seinen be­schränkten Mitteln die sozialen Aufgaben lösen zu müssen und der Reichsfinanzminister hat bereits damit gedroht, zurückzutreten, wenn seine Pläne abgelehnt werden. Der stärkste Widerstand ging aber vom Minister für die besetzten Gebiete aus, der auf der Einsetzung der 20 Millionen für das Westpro­gramm in seinem Etat bestand, die Molden­hauer gestrichen hatte.

Vottsparteiliche Bedenken gegen die neuen Steuern.

Bremen, 17. Febr. (ERD.) Die Deutsche Volkspartei Bremen hat an den Reichs» sinanzminister Dr. Moldenhauer und an den Fraktionsführer Dr. Scholz nachstehendes Tele­gramm gesandt: Rach Zeitungsberichten beab­sichtigt Reichsminister Dr. Moldenhauer ein neues Programm zur Sanierung der Reichskasse vor­zubringen und dazu anstatt der seit Iah- resfrist in Aussicht gestellten Steuersenkungen neue Steuern in erheblichem Umfange porzuschlagen. Dieses Vorgehen ist für die Vollspartei un­tragbar. Die Rot der Wirtschaft fordert ge­bieterisch Beginn des Abbaues der Steuern. Wirtschaft muß sehen, daß Reichs­regierung anerkennt, daß Kulminations­punkt in steu erlicher Beziehung überschritten ist und Abbau begonnen wird. Dann wird billiger werdendes Geld den Beginn eines Aufstieges ermöglichen. Sonst führt 1930 zu weiterer Krise und Vermehrung der Arbeitslosigkeit Grundlegende Reform der Erwerbslosenversicherung ist un- vermci dbar und muh erzwungen werden.

Gesandter Dr. Köster schwer erkrankt.

Belgrad, 18. Febr. (WTB. Funkspruch.) Der deutsche Gesandte Dr. Köster ist an einer Blinddarmentzündung, die eine sofor­tige Operation nötig machte, schwer er­krankt. Prof. Wenkebach aus Wien, der als Spezialist an das Krankenlager des Gesandten oerufen worden war, begab sich sofort nach der Ankunft In daS Sanatorium, in dem Dr. Köster

liegt, und hielt mit den behandelnden Aerzten ein anderthalbstündiges Konzilium ab. Der Zu­stand des Gesandten wird am Dienstagfrüh als unvermindert e r nst angesehen. In der vergangenen Rächt um 12 Uhr wurde eine neue Operation vorgenommen, die durch Oessnung der Bauchhöhle eine Verminderung des starken Druckes herbeiführen sollte, der in­folge der fehlenden Darmfunktion entstanden war. Der Kranke befand sich zwar unmittelbar nach der Operation Wohler, hat aber die Rächt etwas unruhig verbracht.

Die Teilnahme an dem Befinden des Ge­sandten ist andauernd sehr groß. Unter anderen Persönlichkeiten sprach auch der Vertreter des Außenministers Dr. Kumanudi im Sanatorium vor, erkundigte sich nach dem Zustande des Ge­sandten und übermittelte die besten Wünsche der Regierung für sein Genesen. König Alexander begab sich letzte Rächt persönlich ins Sanatorium, um sich nach dem Kranken zu erkundigen.

Das preußische Wahlgesetz verfassungsmäßig.

Die Klage der kleinen Parteien vom Staaisgerichi Hof '»nriickgemiescn

Leipzig, 17. Febr. (WTB.) In der Verfas­sungsstreitsache des Völkisch-Nationalen Blocks und der Volksrechtspartei gegen das Land Preußen auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit von Bestim­mungen des preußischen Landeswahlgesetzes wurde vom Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich die Entscheidung verkündet. Sie ging dahin, daß die Klageanträge zurückgewiesen und damit die Verfassungsmäßigkeit des preußischen Wahlgesetzes anerkannt wurde. 3n der Begrün­dung der Entscheidung führte der Vorsitzende, Reichs­gerichtspräsident Dr. B u mke, u. a. aus: Die Ent­scheidung muß deshalb zu Ungun ft en der A n -

t r a g st e l l e r ausfallen, well die von ihnen als mit dem Grundsatz der Gleichheit unvereinbar und daher als verfassungswidrig bezeichneten Bestim­mungen des preußischen Landeswahlgesetzes m i t den entsprechenden Vorschriften des Reichswahlgesetzes genau überein- stimmen. Diese ist aber als verfassungs- mäß ig zustande gekommen anzuerken­nen. Nach Artikel 22 Absatz 1 der Reichsoerfassung werden die Abgeordneten zum Reichstag und nach Artikel 17 Abs. 1 ebenso die zu den Volksvertretun­gen der Länder gewählt in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grund­sätzen der Verhältniswahl.

Der Dersassungsgeber hat dem ordentlichen Gesetzgeber die Befugnis übertragen, das zur Ausführung der in Absatz 1 des Artikels 22 auf­gestellten Grundsätze Erforderliche zu bestimmen. Diese Grundsätze sollen im Rahmen der Verhältniswahl verwirklicht werden. Ihre Erfüllung ist aber nur möglich, wenn dem Wahl­gesetz ein gewisser Spielraum bei der Durchführung der großen Wahlgrundsätze ge­währt wird, wenn es von ihnen nötigenfalls auch abweichen darf. Eine starke Bindung des künftigen Wahlgesetzgebers an jedem einzelnen dieser Grundsätze bis zur letzten Konsequenz durchzusühren, kann die Verfassung nicht be­zweckt haben.

Die strittigen Bestimmungen haben ihre Grund­lage in der Erwägung, daß eine gewisse Zu rück- drängung der kleinen Parteien er­forderlich sei, um die Bildung einer parlamen­tarischen Regierung nicht übermäßig zu erschweren. Diese Erwägung vermag der Staatsgerichtshof nicht als unsachlich zu bezeichnen. Man kann auch nicht sagen, daß die aus diesem Grunde eingeführte Be­schränkung der Wahlgleichheit über das vom Der- fassungsgesetzgeber zugelassene Maß hinausgeht. Daraus ergibt sich, daß die von den klagenden Parteien gestellten Anträge zurückzuweisen sind.

KabLnettskrr'sis in Frankreich.

Finanzminister Charon in der Kammer geschlagen. - Gcsamidrmission des Kabinetts Tard'eu.

Die Niederlage in der Kammer.

Chörons Steuerfordcrungen werden abgelchnt

Paris, 17. (Febr. (lel.-Un.) 3n der nament­lichen Abstimmung über die vom (Finanzminister Lheron gestellte Vertrauensfrage bezüglich der Ab­trennung eines Artikels vom gesamten (Finanzgeseh blieb die Regierung m i f 2 8 1 gegen 286 Stim­men in der Minderheit. Die große Mehr­heit von 60 bis 70 Stimmen, die die Regierung larbleu bisher bei fast allen Vertrauensfragen er­zielte, war schon bei der Beratung des (Finanz- gesehes fast auf Rull zusammenge­schrumpft, wenn man berücksichtigt, daß die Abstimmung über die Vertrauensfrage bei dem Ar­tikel über Steuerherabsetzung für unbebaute Grund­stücke nur dank der 23 Mini st er st Immen zugunsten der Regierung ausfiel.

Rach der ersten Abstimmung ging man zu der Beratung des Artikels Illb über, in dem die Ein­stellung der nachträglichen Einziehung derjenigen Industriegewinn steuern gefordert wird, die noch rückständig sind. (Fi­nanzminister Lheron betonte, daß er auf diese Sum­men nicht verzichten könne und verlangte die Abtrennung des Artikels. Bei der Abstimmung wurde jedoch mit großer Mehrheit durch händeauf- heben für den Artikel gestimmt. Ein weiterer Ar­tikel behandelte die S!euererklärungen der Kauf­leute. Der (Finanzausschuß verlangt, daß der selb­ständige Kaufmann, dessen (Frau mit im Geschäft tätig ist, ein entsprechendes Gehalt für diese Mitarbeit auf Unkosten ko nto buchen und bei der Steuererklärung a b z i e h e n kann. (Finanzminister Lheron, der bei der Abstim­mung der vorhergehenden Artikel geschlagen worden war, stellte wieder die Vertrauensfrage. Um einer Entziehung des Vertrauens vorzubeugen, betonte der (Finanzminifler, daß die Aussprache nunmehr auf das Gebiet der allgemeinen Politik übergegangen fei. Er wandte sich an die Regierungs­mehrheit und forderte sie zur Unterstützung der Re­gierung auf. Einen Artikel vom Gesamtgeseh ab­trennen hieße nicht, ihn zurückweisen. Die Kammer schritt darauf zur Abstimmung über die Vertrauens­frage. Bei der ersten gewöhnlichen Abstimung er­gab sich Stimmengleichheit, so daß nunmehr zur namentlichen Abstimmung geschritten wurde, die Lheron das vertrauen verweigerte.

Am Krankenbett Tardieus.

Präsident Toumergue nimmt die Gcsamt- demission an.

Paris, 17. Febr. (WD.) Die Mitglieder des Kabinetts haben nach der Abstimmung in der Kammer eine kurze Beratung im Kammergebäude abgehalten und sich daraufhin zum Minister- vräsidenten Tardieu, der bekanntlich das Bett hüten muß, begeben, um ihn von dieser Ab­stimmung in Kenntnis zu sehen und im Ein­vernehmen mit ihm das Demissions schrei­ben abzufassen. Finanzminister Cheron und Krieqsminister Maginot haben Tardieu über die Ereignisse in der Kammer unterrichtet, wäh­rend sämtliche in Paris anwesenden übrigen Minister in einem Nebenzimmer warteten. Mi­nisterpräsident Tardieu verfaßte das Demissions­schreiben, und gegen 9,30 Llhr französischer Zeit begaben sich sämtliche in Paris anwesenden Mi­nister mit Ausnahme des Ministerpräsidenten, der das Bett hüten muh, und mit Ausnahme des in London weilenden Marineminister Lehguos und des in Genf weilenden Handelsministers Flandin ins Clysse, wo sie dem Präsidenten der Republik das Demissionsschreiben des gesam­ten Kabinetts überreichten.

Der Präsident der Republik Dou- m e r g u e hat die Demission des Kabinetts a n - genommen und die zurückgetretenen Minister gebeten, die Erledigung dor laufenden Geschäfte zu gewährleisten. Beim Verlassen des Elysees er­härte Briand den Iournalisten, die ihn wegen seiner Abreise nach London befragten, er reise nicht nach London. Auf eine Frage nach dem Verbleib des Marineministers LevaueS in

London erwiderte Briand, es sei möglich, daß der Marineminister nach Paris zurück­kehre.

Sie presse zum Sturz Tardieus.

Paris, 18. Febr. (WTB. Funkspruch.) Zum Sturze des Kabinetts Tardieu schreibt derMa- tin": Die Stunde scheint gekommen zu sein, das Kabinett der republikanischen Kon­zentration zu bilden, das seit Beginn dieser Legislaturperiode bisher nicht zu verwirklichen war. Ietzt muß man den Führer wählen. Echo de Paris" erklärt: Tardieu muh zweifelsohne das Kabinett bilden. Gr geht aus dieser überraschenden Abstimmung keineswegs in seinem Prestige gemindert hervor, ganz im Gegen­teil, der schmähliche Angriff, dessen Opfer er ge­worden ist, verschafft ihm die Sympathie und das Vertrauen des Landes. Die Verschwörer werden es in wenigen Tagen mit einem MinisteriumTardieu-Maginot, das gestärkt aus der Feuerprobe hervorgegangen ist, zu tun haben. Das Blatt des Radikalen DaladierLa R 6 p u b l i q u e" schreibt: Für den oberflächlichen Beobachter ist das Kabinett das Opfer eines Zufalles, für den aber, der nach­denkt, war es durch seine Zusammen­setzung selbst verurteilt. Seit gestern ist der Beweis erbracht, daß die Kammer sich nicht der Reaktion auszuliefern gedenkt. Die Ver­einigung der Linken hat das Kabinett ge­stürzt, die Vereinigung der Linken muß die Re­gierung übernehmen. Die®re Rouvelle", das Organ der akademischen Linkskreise, schreibt, das gestürzte Kabinett stützte sich auf eine Rechts­mehrheit. Diese Mehrheit entsprach nicht den tiefgreifenden Wünschen des Landes. Die Bil­dung einer linksgerichteten Mehrheit zwingt sich auf. Eine solche Mehrheit wird eine ausge­sprochen republikanische Regierung unterstützen müssen.

Was wird?

Die Schwierigkeiten der parlamentarischen Lage.

Paris, 17. Febr. (ERD.) Das Unbehagen, das seit etwa vierzehn Tagen in der Kammer festzustellen war, hat sich in den letzten Tagen dermaßen verstärkt, daß selbst, wenn der Minister­präsident nicht die Absicht gehabt hätte, für einige Tage aus London nach Paris zuruck- zukehren, er dazu im Interesse des Fortbestehens seines Kabinetts genötigt gewesen wäre. Die älrsache der Spannungen liegt in dem Fiska- lismus, mit dem Finanzminister C h e r o n die Debatte innerhalb des Finanzausschusses über das Einnahmebudget führte. um jedeSteuer- erleichterung über das geringe Maß hiraus, das die Regierung zugestanoen hatte, zu ver­eiteln. Richt nur in der Frage der Pensionen für die ehemaligen Frontkämpfer und in der Er­höhung der Staatsbeamtenpensionen, sondern auch hinsichtlich der Korrekturen an der steuerlichen Belastung der Industrie und des Handels bei der augenblicklich nicht gerade sehr rosigen Wirt­schaftslage zeigte die Regierung unter Hinweis auf die Notwendigkeit des Budgetausgleiches eine unnachgiebige Haltung. Die Be­gründung dieser Ablehnung konnte selbst bei den rechtsstehenden Parteien nicht ernst genom­men werden angesichts der Thesaurie- rungspolitikdesSchahamtes, das nach einem Zugeständnis des Finanzministers selbst etwa 17 bis 18 Milliarden aufge­speichert hat. Die maßgebenden Finanzpoli- tiEer im Finanzausschuß der Kammer vertraten immer wieder den Standpunkt, es sei ein schlechtes Finanzgebaren, wenn man auf der einen Seite Milliarden aufstapele und auf der anderen ab- lehne, den gerechten Wünschen des werktätigen Volkes nach Steuerermäßigungen Genüge zu tun.

Die Stimmung war deshalb aufs höchste gespannt, und was sich heute abend ereignet hat, liefert den Beweis, daß es sich, wie der Vorsitzende des Finanz- ausfchusses der Kammer, der radikale Abgeordnete M a l o y, mit Recht ausdrückte, nicht um eine politische Manipulation handell, sondern um eine steue rt. chnische Frage. Der Antrag auf Pauschalermäßigung der Steuer auf industriellen und kaufmännischen Gewinn für die im Betriebe ihres Mannes arbeitende Frau ging von einem der reaktionärsten Abgeordneten aus, von dem Abg. Denais, der der Marin-Gruppe angehört und

jahrzehntelang als Chefredakteur derLibre Parole* in der Pariser Presse tätig war. Die Tatsache, daß der Abg. Denais selbst, als er die kritische Lage er­kannte, erklärte, er werde gegen seinen eige­nen Antrag ftimmen, ändert nichts an der Situation. Die Regierung ist mit fünf Stim­men in der Minderheit geblieben.

Wie es scheint, hat die gestrige Kampfansage des Abg. Chautemps, des Vorsitzenden der radi­kalen Kammerfraktion, einen großen Eindruck auf die Regierung gemacht, vermutlich aber auch auf die Gruppe Loucheur, von der bekanntlich etwa 15 bis 18 Abgeordnete nicht gewillt sind, eine rechtsgerich­tete Politik S3N8 phrase zu betreiben. Nach den parlamentarischen Gepflogenheiten müßte der Präsi­dent der Republik den Abg. Chautemps mit der Kabinettsbildung betrauen. Ist das möglich? Dar­über kann im Augenblick keine Auskunft gegeben werden, da bei der Lösung der Kabinettskrise unter Umständen die Tatsache mitspielen könnte, daß man mitten in der Londoner Seeab - rüstungskonferenz steht. Der Präsident der Republik könnte unter diesen Umständen dies zum Vorwand nehmen, um Tardieu zu bitten, die Ka­binettsbildung wieder zu übernehmen. Geschieht das nicht, dann liegt es nahe, einen Versuch zu machen wie den, der der rechtsradikale Senator C16- m e n t e l bei der letzten Kabinettskrisis unternom­men hat, ohne daß unter den Nachwirkungen der mißglückten Versuche Daladiers ein Kabinett der Linken zu bilden, feine Bemühungen Erfolg hatten.

Auf alle Fälle hat die Erfahrung der letzten Monate gcz:igt, daß eine Ausschaltung der stärksten bürgerlichen Partei, der Radikalen, nur dann möglich ist, wenn man absichtlich eine wenig stabile Lage schaffen will. Der Präsident der Republik, wird also logischer­weise, auch wenn Tardieu nochmals die Kabi­nettsbildung übernehmen sollte, di:sem e.npfehlcn, seine Bemühungen darauf zu richten, die Ra­dikalen in das neue Ministerium ein- zubegreifen. Der Verlauf der heutigen Sit­zung hat dies jedoch erschwert. Es lassen sich be­stimmte Voraussagen nicht machen, da nach der Zusammensetzung der Kammer ein unter radi­kaler Leitung stehendes Konzentrationskabinett nur dann möglich ist, wenn es bis in die Reihen der M a g i n o t - G r u p p e hin- ein Tlnterstühung findet, da ja die Sozia- listen sich fe st gelegt haben und wohl die jetzige Situation nicht als die außergewöhnliche Situation ansehen werden, die der nationale Kongreß als das Kriterium für die Beteiligung an einer bürgerlichen linksgerichteten Regierung festgelegt hat. Sollte der Präsident der Repu­blik, wenn eine Konzentration nach links keine Aussicht auf Erfolg hat, etwa an Poincar 6 denken? Das wäre sicher nur der äußerste Notbehelf, wie ja bi brr letzten Kabinet.s- bildung die Konzentration auch der äußerste Not­behelf war.

Das Vergleichsverfahren

bei der Bank für deutsche Beamte angenommen.

In der Gläub'.gerversammlung der Dank für deutsche Beamte stimmten von 6393 Genossen­schaftsgläubigem, die ein Kapital von 3 215 648 Mark vertraten, 3848 mit einem Kapital von 2 583 712 Mark f ü r bie ßiquibation. Dm ben reinen Gläubigem, deren Zahl 8591 mit zusammen 7 574 000 Mark Forderungen betrug, stimmten 6350 mit 6 166 932 Mark Forderungen für die Liquidation. Der Vergleich ist damit angenommen.

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Wettervoraussage.

Das Hochdruckgebiet hat sich sowohl verstärkt, als auch wesentlich an Ausbreitung über Zentraleuropa gewonnen. Sein Kern über Südskandinavien läßt Barometerstände von über 780 mm erkennen. Der Hochdruckeinfluß bringt Deutschland kontinentale Luft, in deren Bereich namentlich später bei gleichzeitiger südöstlicher Verlagerung des Hochs außer stellenweiser Rebelbildung, vielfach Auf­heiterung zu erwarten ist. Die neue Störung, welche vom Ozean heranrückt, dürfte das Hoch zwar an seiner Nordseite wieder abbaum, jedoch wirkt sich zunächst der Hochdmckeinfluh selbst die nächsten Tage auf unsere Wetterlage aus.

Wettervoraussage für Mittwoch: Dewölkt mit Aufheiterung, weiter Nachtfrost, meist trocken.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherodskopf: Klar, mi­nus 6 Grad, 26 bis 27 Zentimeter Pulver­schnee, Spvrtmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. Herchenhaincr Höhe: Klar, minus 4 Grad, 21 Zentimeter Schnee, verharscht, Sport- moglichkeit für Ski und Rodel sehr gut

Sauerland. Winterberg: Dewölkt, minus 6 Grad. 25 Zentimeter Pulverschnee. Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut

Schwarzwald. Feldberg: Rebel, mi­nus 7 Grab, 115 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee, Sportmög­lichkeit für Ski und Rodel sehr gut.