44 Stellen, hierunter 3,5 Stellen, für die bisher die Kosten ganz von den Gemeinden zu tragen waren. Reben den abgesehten Stellen fällt für acht Stellen an den höheren Bürgerschulen der Staatszuschuh weg. Insgesamt werden also eingespart für den Staat 48,5, für die Gemeinden 3,5 Stellen, zusammen 52 Stellen. Dabei ist es noch fraglich, wieweit die bisher von den Gemeinden voll unterhaltenen Stellen von diesen künftig beibehalten werden. Für das höhere Schulwesen sind im Staatsvoranschlag 1930 insgesamt 1054 Stellen vorgesehen gegen 1098 in 1929. Don den für 1930 vorgesehenen Stellen sind 1003,5 Stellen staatliche Stellen, d. h. Staat und Gemeinden tragen für sie anteilmäßig die Kosten, 50,5 Stellen fallen voll den Gemeinden zur Last. Zum Vergleich kann darauf hingewiesen werden, daß 1924 (vor dem Beginn des Abbaues) vorhanden waren 1157 staatliche und 17 gemeindliche, zusammen 1174 Stellen. Zum Schluß sei darauf hingewiesen, daß im Sofortprogramm d i e Einsparung von etwa 200 Polizei- beamten stellen vorgesehen ist, nachdem bisher schon eltoa 350 Stellen eingespart worden sind.
Die Führer derDeuWnationalen heim Reichspräsidenten.
Hindenburg bchäli sich seine persönlichen Entschließungen vor.
Berlin, 17.Jebr. (L.R.B.) wie wir erfahren, empfing der Reichspräsident heute mittag den Vorsitzenden der Deutschnationalen Partei, Geheimrat hugenberg und den (Führer der deutschnationalen Reichstagsfraklion Dr. Oberfohren. Staatssekretär IN e ihn er wohnte der Unterredung bei. von unterrichteter Seite verlautet, daß der Reichspräsident Ende voriger Woche bereits den Vorsitzenden der Deutschen volksparlei Dr. Scholz und den (Führer der Reichstagsfraktion des Zentrums Dr. Brüning empfangen hat.
Geheimrat hugenberg und Dr. Oberfohren trugen ihre Auffassung über die mit dem Zoungplan zusammenhängenden Probleme vor und insbesondere ihre Bedenken hinsichtlich des deutsch-polnischen Liquidationsabkommens, der Sanktionsfrage und der Richlerledigung der Saarfrage sowie der Untragbarkeit der dem deutschen Volke aus dem Poungplan erwachsenten L a st e n. Der Reichspräsident Hot diese Ausführungen mit Aufmerksamkeit entgegen- genommen und erklärt, sich seine persönlichen Entschließungen bis nach Beendigung der Beratungen und der Beschlußfassung des Reichstags Vorbehalten zu müssen.
Stockende Etatsverhandlungen.
Die Biersteuer — Pro est gegen die Streichungen.
Berlin, 17. Febr. (ERB) Die Besprechungen über die Etatsfragen gehen nur stockend weiter. Im intersrakii-nellen Ausschuß hat der Reichsfinanzminister nur über die Verhandlungen mit den Finanzministern der Länder Bericht erstattet. Daraus ist von besonderem Interesse, welche Firm der Biersteuer jetzt im Vordergründe steht. Man denkt nun an ihre 7 5 - v. H. - Erhöhung, wovon 50 v. H dem Reich und 25 v S) den Ländern zugute kommen sollen. Aus Antrag Bayerns soll die Verteilung unter den Ländern jedoch nach dem Maßstab des Aufkommens erfol-, gen, so daß also die Länder, die den größten Teil der Steuer aufbringen, auch Anspruch aus die stärkste Quote bei der Verteilung haben. Rach der Sitzung des interfraktionellen Ausschusses ist abends 7 Uhr das Reichskabinett zusammengetreten: es berät den Reichs- Haushalt weiter.
Das nächtliche Treffen der Reichsminister, das der Sanktion der Ersparnisse am neuen Haushaltsplan galt, fand bereits eine Situation vor, die alle Voraussetzungen für schwierige Be - r'a t u n g e n geschaffen hatte. Da verschiedene Minister bereits vorher hatten durchblicken lassen, daß sie ihren Rücktritt nehmen würden, wenn die Kürzungen an ihrenRes- s o r t e t a t s aufrechterhalten blieben. So hat der R e i ch s w e h r m i n i st e r die stärksten Bedenken gegen die Streichungen an seinem Etat, der Deichsarbeitsminister glaubt es nicht verantworten zu können, mit seinen beschränkten Mitteln die sozialen Aufgaben lösen zu müssen und der Reichsfinanzminister hat bereits damit gedroht, zurückzutreten, wenn seine Pläne abgelehnt werden. Der stärkste Widerstand ging aber vom Minister für die besetzten Gebiete aus, der auf der Einsetzung der 20 Millionen für das Westprogramm in seinem Etat bestand, die Moldenhauer gestrichen hatte.
Vottsparteiliche Bedenken gegen die neuen Steuern.
Bremen, 17. Febr. (ERD.) Die Deutsche Volkspartei Bremen hat an den Reichs» sinanzminister Dr. Moldenhauer und an den Fraktionsführer Dr. Scholz nachstehendes Telegramm gesandt: Rach Zeitungsberichten beabsichtigt Reichsminister Dr. Moldenhauer ein neues Programm zur Sanierung der Reichskasse vorzubringen und dazu anstatt der seit Iah- resfrist in Aussicht gestellten Steuersenkungen neue Steuern in erheblichem Umfange porzuschlagen. Dieses Vorgehen ist für die Vollspartei untragbar. Die Rot der Wirtschaft fordert gebieterisch Beginn des Abbaues der Steuern. Wirtschaft muß sehen, daß Reichsregierung anerkennt, daß Kulminationspunkt in steu erlicher Beziehung überschritten ist und Abbau begonnen wird. Dann wird billiger werdendes Geld den Beginn eines Aufstieges ermöglichen. Sonst führt 1930 zu weiterer Krise und Vermehrung der Arbeitslosigkeit Grundlegende Reform der Erwerbslosenversicherung ist un- vermci dbar und muh erzwungen werden.
Gesandter Dr. Köster schwer erkrankt.
Belgrad, 18. Febr. (WTB. Funkspruch.) Der deutsche Gesandte Dr. Köster ist an einer Blinddarmentzündung, die eine sofortige Operation nötig machte, schwer erkrankt. Prof. Wenkebach aus Wien, der als Spezialist an das Krankenlager des Gesandten oerufen worden war, begab sich sofort nach der Ankunft In daS Sanatorium, in dem Dr. Köster
liegt, und hielt mit den behandelnden Aerzten ein anderthalbstündiges Konzilium ab. Der Zustand des Gesandten wird am Dienstagfrüh als unvermindert e r nst angesehen. In der vergangenen Rächt um 12 Uhr wurde eine neue Operation vorgenommen, die durch Oessnung der Bauchhöhle eine Verminderung des starken Druckes herbeiführen sollte, der infolge der fehlenden Darmfunktion entstanden war. Der Kranke befand sich zwar unmittelbar nach der Operation Wohler, hat aber die Rächt etwas unruhig verbracht.
Die Teilnahme an dem Befinden des Gesandten ist andauernd sehr groß. Unter anderen Persönlichkeiten sprach auch der Vertreter des Außenministers Dr. Kumanudi im Sanatorium vor, erkundigte sich nach dem Zustande des Gesandten und übermittelte die besten Wünsche der Regierung für sein Genesen. König Alexander begab sich letzte Rächt persönlich ins Sanatorium, um sich nach dem Kranken zu erkundigen.
Das preußische Wahlgesetz verfassungsmäßig.
Die Klage der kleinen Parteien vom Staaisgerichi Hof '»nriickgemiescn
Leipzig, 17. Febr. (WTB.) In der Verfassungsstreitsache des Völkisch-Nationalen Blocks und der Volksrechtspartei gegen das Land Preußen auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit von Bestimmungen des preußischen Landeswahlgesetzes wurde vom Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich die Entscheidung verkündet. Sie ging dahin, daß die Klageanträge zurückgewiesen und damit die Verfassungsmäßigkeit des preußischen Wahlgesetzes anerkannt wurde. 3n der Begründung der Entscheidung führte der Vorsitzende, Reichsgerichtspräsident Dr. B u mke, u. a. aus: Die Entscheidung muß deshalb zu Ungun ft en der A n -
t r a g st e l l e r ausfallen, well die von ihnen als mit dem Grundsatz der Gleichheit unvereinbar und daher als verfassungswidrig bezeichneten Bestimmungen des preußischen Landeswahlgesetzes m i t den entsprechenden Vorschriften des Reichswahlgesetzes genau überein- stimmen. Diese ist aber als verfassungs- mäß ig zustande gekommen anzuerkennen. Nach Artikel 22 Absatz 1 der Reichsoerfassung werden die Abgeordneten zum Reichstag und nach Artikel 17 Abs. 1 ebenso die zu den Volksvertretungen der Länder — gewählt in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl.
Der Dersassungsgeber hat dem ordentlichen Gesetzgeber die Befugnis übertragen, das zur Ausführung der in Absatz 1 des Artikels 22 aufgestellten Grundsätze Erforderliche zu bestimmen. Diese Grundsätze sollen im Rahmen der Verhältniswahl verwirklicht werden. Ihre Erfüllung ist aber nur möglich, wenn dem Wahlgesetz ein gewisser Spielraum bei der Durchführung der großen Wahlgrundsätze gewährt wird, wenn es von ihnen nötigenfalls auch abweichen darf. Eine starke Bindung des künftigen Wahlgesetzgebers an jedem einzelnen dieser Grundsätze bis zur letzten Konsequenz durchzusühren, kann die Verfassung nicht bezweckt haben.
Die strittigen Bestimmungen haben ihre Grundlage in der Erwägung, daß eine gewisse Zu rück- drängung der kleinen Parteien erforderlich sei, um die Bildung einer parlamentarischen Regierung nicht übermäßig zu erschweren. Diese Erwägung vermag der Staatsgerichtshof nicht als unsachlich zu bezeichnen. Man kann auch nicht sagen, daß die aus diesem Grunde eingeführte Beschränkung der Wahlgleichheit über das vom Der- fassungsgesetzgeber zugelassene Maß hinausgeht. Daraus ergibt sich, daß die von den klagenden Parteien gestellten Anträge zurückzuweisen sind.
KabLnettskrr'sis in Frankreich.
Finanzminister Charon in der Kammer geschlagen. - Gcsamidrmission des Kabinetts Tard'eu.
Die Niederlage in der Kammer.
Chörons Steuerfordcrungen werden abgelchnt
Paris, 17. (Febr. (lel.-Un.) 3n der namentlichen Abstimmung über die vom (Finanzminister Lheron gestellte Vertrauensfrage bezüglich der Abtrennung eines Artikels vom gesamten (Finanzgeseh blieb die Regierung m i f 2 8 1 gegen 286 Stimmen in der Minderheit. Die große Mehrheit von 60 bis 70 Stimmen, die die Regierung larbleu bisher bei fast allen Vertrauensfragen erzielte, war schon bei der Beratung des (Finanz- gesehes fast auf Rull zusammengeschrumpft, wenn man berücksichtigt, daß die Abstimmung über die Vertrauensfrage bei dem Artikel über Steuerherabsetzung für unbebaute Grundstücke nur dank der 23 Mini st er st Immen zugunsten der Regierung ausfiel.
Rach der ersten Abstimmung ging man zu der Beratung des Artikels Illb über, in dem die Einstellung der nachträglichen Einziehung derjenigen Industriegewinn steuern gefordert wird, die noch rückständig sind. (Finanzminister Lheron betonte, daß er auf diese Summen nicht verzichten könne und verlangte die Abtrennung des Artikels. Bei der Abstimmung wurde jedoch mit großer Mehrheit durch händeauf- heben für den Artikel gestimmt. Ein weiterer Artikel behandelte die S!euererklärungen der Kaufleute. Der (Finanzausschuß verlangt, daß der selbständige Kaufmann, dessen (Frau mit im Geschäft tätig ist, ein entsprechendes Gehalt für diese Mitarbeit auf Unkosten ko nto buchen und bei der Steuererklärung a b z i e h e n kann. (Finanzminister Lheron, der bei der Abstimmung der vorhergehenden Artikel geschlagen worden war, stellte wieder die Vertrauensfrage. Um einer Entziehung des Vertrauens vorzubeugen, betonte der (Finanzminifler, daß die Aussprache nunmehr auf das Gebiet der allgemeinen Politik übergegangen fei. Er wandte sich an die Regierungsmehrheit und forderte sie zur Unterstützung der Regierung auf. Einen Artikel vom Gesamtgeseh abtrennen hieße nicht, ihn zurückweisen. Die Kammer schritt darauf zur Abstimmung über die Vertrauensfrage. Bei der ersten gewöhnlichen Abstimung ergab sich Stimmengleichheit, so daß nunmehr zur namentlichen Abstimmung geschritten wurde, die Lheron das vertrauen verweigerte.
Am Krankenbett Tardieus.
Präsident Toumergue nimmt die Gcsamt- demission an.
Paris, 17. Febr. (WD.) Die Mitglieder des Kabinetts haben nach der Abstimmung in der Kammer eine kurze Beratung im Kammergebäude abgehalten und sich daraufhin zum Minister- vräsidenten Tardieu, der bekanntlich das Bett hüten muß, begeben, um ihn von dieser Abstimmung in Kenntnis zu sehen und im Einvernehmen mit ihm das Demissions schreiben abzufassen. Finanzminister Cheron und Krieqsminister Maginot haben Tardieu über die Ereignisse in der Kammer unterrichtet, während sämtliche in Paris anwesenden übrigen Minister in einem Nebenzimmer warteten. Ministerpräsident Tardieu verfaßte das Demissionsschreiben, und gegen 9,30 Llhr französischer Zeit begaben sich sämtliche in Paris anwesenden Minister mit Ausnahme des Ministerpräsidenten, der das Bett hüten muh, und mit Ausnahme des in London weilenden Marineminister Lehguos und des in Genf weilenden Handelsministers Flandin ins Clysse, wo sie dem Präsidenten der Republik das Demissionsschreiben des gesamten Kabinetts überreichten.
Der Präsident der Republik Dou- m e r g u e hat die Demission des Kabinetts a n - genommen und die zurückgetretenen Minister gebeten, die Erledigung dor laufenden Geschäfte zu gewährleisten. Beim Verlassen des Elysees erhärte Briand den Iournalisten, die ihn wegen seiner Abreise nach London befragten, er reise nicht nach London. Auf eine Frage nach dem Verbleib des Marineministers LevaueS in
London erwiderte Briand, es sei möglich, daß der Marineminister nach Paris zurückkehre.
Sie presse zum Sturz Tardieus.
Paris, 18. Febr. (WTB. Funkspruch.) Zum Sturze des Kabinetts Tardieu schreibt der „Ma- tin": Die Stunde scheint gekommen zu sein, das Kabinett der republikanischen Konzentration zu bilden, das seit Beginn dieser Legislaturperiode bisher nicht zu verwirklichen war. Ietzt muß man den Führer wählen. — „Echo de Paris" erklärt: Tardieu muh zweifelsohne das Kabinett bilden. Gr geht aus dieser überraschenden Abstimmung keineswegs in seinem Prestige gemindert hervor, ganz im Gegenteil, der schmähliche Angriff, dessen Opfer er geworden ist, verschafft ihm die Sympathie und das Vertrauen des Landes. Die Verschwörer werden es in wenigen Tagen mit einem MinisteriumTardieu-Maginot, das gestärkt aus der Feuerprobe hervorgegangen ist, zu tun haben. — Das Blatt des Radikalen Daladier „La R 6 p u b l i q u e" schreibt: Für den oberflächlichen Beobachter ist das Kabinett das Opfer eines Zufalles, für den aber, der nachdenkt, war es durch seine Zusammensetzung selbst verurteilt. Seit gestern ist der Beweis erbracht, daß die Kammer sich nicht der Reaktion auszuliefern gedenkt. Die Vereinigung der Linken hat das Kabinett gestürzt, die Vereinigung der Linken muß die Regierung übernehmen. — Die „®re Rouvelle", das Organ der akademischen Linkskreise, schreibt, das gestürzte Kabinett stützte sich auf eine Rechtsmehrheit. Diese Mehrheit entsprach nicht den tiefgreifenden Wünschen des Landes. Die Bildung einer linksgerichteten Mehrheit zwingt sich auf. Eine solche Mehrheit wird eine ausgesprochen republikanische Regierung unterstützen müssen.
Was wird?
Die Schwierigkeiten der parlamentarischen Lage.
Paris, 17. Febr. (ERD.) Das Unbehagen, das seit etwa vierzehn Tagen in der Kammer festzustellen war, hat sich in den letzten Tagen dermaßen verstärkt, daß selbst, wenn der Ministerpräsident nicht die Absicht gehabt hätte, für einige Tage aus London nach Paris zuruck- zukehren, er dazu im Interesse des Fortbestehens seines Kabinetts genötigt gewesen wäre. Die älrsache der Spannungen liegt in dem Fiska- lismus, mit dem Finanzminister C h e r o n die Debatte innerhalb des Finanzausschusses über das Einnahmebudget führte. um jedeSteuer- erleichterung über das geringe Maß hiraus, das die Regierung zugestanoen hatte, zu vereiteln. Richt nur in der Frage der Pensionen für die ehemaligen Frontkämpfer und in der Erhöhung der Staatsbeamtenpensionen, sondern auch hinsichtlich der Korrekturen an der steuerlichen Belastung der Industrie und des Handels bei der augenblicklich nicht gerade sehr rosigen Wirtschaftslage zeigte die Regierung unter Hinweis auf die Notwendigkeit des Budgetausgleiches eine unnachgiebige Haltung. Die Begründung dieser Ablehnung konnte selbst bei den rechtsstehenden Parteien nicht ernst genommen werden angesichts der Thesaurie- rungspolitikdesSchahamtes, das nach einem Zugeständnis des Finanzministers selbst etwa 17 bis 18 Milliarden aufgespeichert hat. Die maßgebenden Finanzpoli- tiEer im Finanzausschuß der Kammer vertraten immer wieder den Standpunkt, es sei ein schlechtes Finanzgebaren, wenn man auf der einen Seite Milliarden aufstapele und auf der anderen ab- lehne, den gerechten Wünschen des werktätigen Volkes nach Steuerermäßigungen Genüge zu tun.
Die Stimmung war deshalb aufs höchste gespannt, und was sich heute abend ereignet hat, liefert den Beweis, daß es sich, wie der Vorsitzende des Finanz- ausfchusses der Kammer, der radikale Abgeordnete M a l o y, mit Recht ausdrückte, nicht um eine politische Manipulation handell, sondern um eine steue rt. chnische Frage. Der Antrag auf Pauschalermäßigung der Steuer auf industriellen und kaufmännischen Gewinn für die im Betriebe ihres Mannes arbeitende Frau ging von einem der reaktionärsten Abgeordneten aus, von dem Abg. Denais, der der Marin-Gruppe angehört und
jahrzehntelang als Chefredakteur der „Libre Parole* in der Pariser Presse tätig war. Die Tatsache, daß der Abg. Denais selbst, als er die kritische Lage erkannte, erklärte, er werde gegen seinen eigenen Antrag ftimmen, ändert nichts an der Situation. Die Regierung ist mit fünf Stimmen in der Minderheit geblieben.
Wie es scheint, hat die gestrige Kampfansage des Abg. Chautemps, des Vorsitzenden der radikalen Kammerfraktion, einen großen Eindruck auf die Regierung gemacht, vermutlich aber auch auf die Gruppe Loucheur, von der bekanntlich etwa 15 bis 18 Abgeordnete nicht gewillt sind, eine rechtsgerichtete Politik S3N8 phrase zu betreiben. Nach den parlamentarischen Gepflogenheiten müßte der Präsident der Republik den Abg. Chautemps mit der Kabinettsbildung betrauen. Ist das möglich? Darüber kann im Augenblick keine Auskunft gegeben werden, da bei der Lösung der Kabinettskrise unter Umständen die Tatsache mitspielen könnte, daß man mitten in der Londoner Seeab - rüstungskonferenz steht. Der Präsident der Republik könnte unter diesen Umständen dies zum Vorwand nehmen, um Tardieu zu bitten, die Kabinettsbildung wieder zu übernehmen. Geschieht das nicht, dann liegt es nahe, einen Versuch zu machen wie den, der der rechtsradikale Senator C16- m e n t e l bei der letzten Kabinettskrisis unternommen hat, ohne daß unter den Nachwirkungen der mißglückten Versuche Daladiers ein Kabinett der Linken zu bilden, feine Bemühungen Erfolg hatten.
Auf alle Fälle hat die Erfahrung der letzten Monate gcz:igt, daß eine Ausschaltung der stärksten bürgerlichen Partei, der Radikalen, nur dann möglich ist, wenn man absichtlich eine wenig stabile Lage schaffen will. Der Präsident der Republik, wird also logischerweise, auch wenn Tardieu nochmals die Kabinettsbildung übernehmen sollte, di:sem e.npfehlcn, seine Bemühungen darauf zu richten, die Radikalen in das neue Ministerium ein- zubegreifen. Der Verlauf der heutigen Sitzung hat dies jedoch erschwert. Es lassen sich bestimmte Voraussagen nicht machen, da nach der Zusammensetzung der Kammer ein unter radikaler Leitung stehendes Konzentrationskabinett nur dann möglich ist, wenn es bis in die Reihen der M a g i n o t - G r u p p e hin- ein Tlnterstühung findet, da ja die Sozia- listen sich fe st gelegt haben und wohl die jetzige Situation nicht als die außergewöhnliche Situation ansehen werden, die der nationale Kongreß als das Kriterium für die Beteiligung an einer bürgerlichen linksgerichteten Regierung festgelegt hat. Sollte der Präsident der Republik, wenn eine Konzentration nach links keine Aussicht auf Erfolg hat, etwa an Poincar 6 denken? Das wäre sicher nur der äußerste Notbehelf, wie ja bi brr letzten Kabinet.s- bildung die Konzentration auch der äußerste Notbehelf war.
Das Vergleichsverfahren
bei der Bank für deutsche Beamte angenommen.
In der Gläub'.gerversammlung der Dank für deutsche Beamte stimmten von 6393 Genossenschaftsgläubigem, die ein Kapital von 3 215 648 Mark vertraten, 3848 mit einem Kapital von 2 583 712 Mark f ü r bie ßiquibation. Dm ben reinen Gläubigem, deren Zahl 8591 mit zusammen 7 574 000 Mark Forderungen betrug, stimmten 6350 mit 6 166 932 Mark Forderungen für die Liquidation. Der Vergleich ist damit angenommen.
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Wettervoraussage.
Das Hochdruckgebiet hat sich sowohl verstärkt, als auch wesentlich an Ausbreitung über Zentraleuropa gewonnen. Sein Kern über Südskandinavien läßt Barometerstände von über 780 mm erkennen. Der Hochdruckeinfluß bringt Deutschland kontinentale Luft, in deren Bereich namentlich später bei gleichzeitiger südöstlicher Verlagerung des Hochs außer stellenweiser Rebelbildung, vielfach Aufheiterung zu erwarten ist. Die neue Störung, welche vom Ozean heranrückt, dürfte das Hoch zwar an seiner Nordseite wieder abbaum, jedoch wirkt sich zunächst der Hochdmckeinfluh selbst die nächsten Tage auf unsere Wetterlage aus.
Wettervoraussage für Mittwoch: Dewölkt mit Aufheiterung, weiter Nachtfrost, meist trocken.
Amtliche Wintersportnachrichten.
Vogelsberg. Hoherodskopf: Klar, minus 6 Grad, 26 bis 27 Zentimeter Pulverschnee, Spvrtmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. — Herchenhaincr Höhe: Klar, minus 4 Grad, 21 Zentimeter Schnee, verharscht, Sport- moglichkeit für Ski und Rodel sehr gut
Sauerland. Winterberg: Dewölkt, minus 6 Grad. 25 Zentimeter Pulverschnee. Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut
Schwarzwald. Feldberg: Rebel, minus 7 Grab, 115 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.


