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Die Stadtverwaltung beantragt mit vollem De- backt und im Bewußtsein ihrer Verantwortung, mehr als die Hälfte des im Rechnungsjahr 1930 weiterhin vorhandenen Fehlbetrags durch Er­höhung der Real steuern mit Wirkung vom l. April 1930 zu decken. Die Gewerbe­steuer vom Ertrag soll von 220 auf 2 8 0 Pfennig erhöht und dadurch eine Mcckrein- nahme von 52 200 Mk erzielt werden. Der durch­schnittliche Steuersatz in den hessischen Städten be­trägt 326.2 Pfennig. Die Gewerbe­steuer vom Kapital soll von 55 aus 60 Pfennig erhöht werden und somit ein Mehr von 14 900 Wk. einbringen. Der durchschnitt­liche Steuersatz beträgt 7 9.61 Pfennig. Die Grund st euer von Gebäuden soll von 27 aus 33 Pfennig erhöht werden und eine Mehreinnahme von 60 000 Mk. liefern. Der durchschnittliche Steuersatz beträgt 3 9,25 Pf.

Die Stadtverwaltung beantragt ferner, vom 1. Januar 1931 ab das Wassergeld von 25 auf 28 Pf. je Kubikmeter zu erhöhen, um da­durch eine Mehreinnahme im letzten Vierteljahr des Rechnungsjahres von 9000 Mk. herbeizu­führen. Me von dem Stadtrat beschlossene An- schluhgebühr soll damit in Wegfall kommen. 3n anderen Städten bestehen seit längerer Zeit höhere Tarise, wie der hier vorgeschlagene.

ilm den Hausbesitzern für die Erhöhung der Gebäudesteuer und des WasiergeldeZ einen Aus­gleich zu bieten, beantragt die Stadtverwaltung, den Hundertsatz der gesetzlichen Miete vom 1 Januar 1931 ab um 2 Prvz. zu erhöhen. Durch diese Mieterhöhung wird, auf das volle Jahr berechnet, den Hausbesitzern in Zukunft nicht nur die Erhöhung der Gebäude­steuer. sondern auch die Erhöhung des Wasser- aeldes voll ausgeglichen. Für das gegenwärtig laufende Rechnungsjahr ist allerdings dieser volle Ausgleich nicht vorhanden, da die Erhöhung der gesetzlichen Miete und des Wassergeldes mit rückwirkender Kraft nicht möglich erscheint, sondern erst am 1. Januar 1931 in Kraft treten kann.

Die Stadtverwaltung bedauert lebhaft, daß sie eine Erhöhung der Realsteuern in einer Zeit be­antragen muh. in der das Wirtschaftsleben einen wenig günstigen Stand aufweist. Wenn also die Stadtverwaltung offen zugibt, daß die Zeit für Steuererhöhungen gegenwärtig wenig günstig ist. so muh sie mit der gleichen Offenheit und mit besonderem Rachdruck feststellen. daß für die ge­schaffene Lage die Stadtverwaltung keinesfalls verantwortlich ist. Denn bereits seit Jahren hat die Stadtverwaltung in der eindringlichsten Weise urrd bei >eder sich bietenden Gelegenheit daraus hingewiesen, welche nachtelligen Folgen die vom Stadtrat in den letzten Jahren verfolgte Finanz­politik und insbesondere die systematische Riedrig- Haltung der Steuersätze eines Tages für die Stadt Gießen herbeiführen wer^e. Aachäem zusvtge der neuesten Gesetzgebung oie Lage sich nunmehr so gestaltet hat. daß nach dem 31. Dezember 1 930 eine Erhöhung der Realsteuern nicht mehr möglich ist, wird der Zustand der städtischen Finanzen ein geradezu katastropha­ler werden, wenn der Stadtrat nicht unverzüglich weitere Einnahmequellen durch Erhöhung der Realsteuern erschließt. Denn der Stadtrat wird bei dem Voranschlag 1931 vor der Aufgabe stehen, die Deckungsmittel für einen Fehlbetrag von min­destens 750 000 Mk. zu beschaffen. Diese Auf­

gabe würde geradezu unlösbar werden, wenn die­ser Fehlbetrag durch Mitübernahme des im Rech­nungsjahr 1930 vorhandenen Fehlbetrags noch um ein Beträchtliches vergrößert werden würde. Da­bei muß die Stadtverwaltung, die von einer vor­sichtigen und soliden Finanzpolitik in keiner Lage abirren wird, schon jetzt betonen, daß sie niemals die Hand dazu bieten wird, auch nur einen Teil des Fehlbetrags durch einen sogenannten Ueberbrückungslredit zu decken. Fehl­beträge im laufenden Betriebe durch einen Lleber- brückungskredit. also durch Schuldaufnahme zu Lasten der Vermögensrechnung zu decken, ist eine verwerfliche Maßnahme, die eine gesunde Finanz­politik weit von sich weisen muß. Ein Lleber- brückungskredit kann nur eine alleräußerste Rot» Maßnahme darstellen, und nur in solchen Städten in Betracht kommen, die alle Einnahmequellen, insbesondere auch die Realsteuern, bis zum äußer­sten ausgeschöpft haben. Da nach den Beschlüssen des Stadtrats die Realsteuersätze in Gießen unter dem Durchschnitt aller übrigen hessischen Staute festgesetzt sind, kann nicht davon gesprochen wer­den, daß alle Einnahmequellen bis zum äußersten erschlossen worden sind. Deshalb kann auch aus diesem Grunde eine Abdeckung des Fehlbetrags durch einen Lleberbrücknnaskredit für Gießen nicht in Frage kommen.

Auch eine Herabminderung deS Fehlbetrags durch weitere Senkung der Ausgaben ist untunlich, da die Stadtverwaltung bereits seit Jahren die Ausgaben auf das Allernotwendigste beschränkt hat, sogar so weit beschränkt hat, daß bereits im laufenden Rechnungsjahre erhebliche Rachbewilligungen eintreten muhten. Eine Aus- gabcer'parnls wäre nur dadurch zu erzielen, dah sämtl.chefre willigen" Le stungen der Stadt rück» sichtslos eingestellt werden. Die Stadtverwaltung wird in Kürze den Stadtratsmitgliedern ein Verzeichnis der freiwilligen Leistungen der Stadt zugehen lassen und es den Stadtratsmitgliedern Überlassen, Anträge auf Streichung oder Kür­zung zu stellen. Es to:rb sich dann ergeben, dah mit solchen Abstrichen nur sehr wenig gewonnen sein wird.

Die Stadtverwaltung ersucht zum Schlüsse drin­gend darum, der Stadtrat möge die gestellten Anträge annehmen, um zu retten, was noch zu retten ist. Jetzt noch hat der Dtadtrat die Mög­lichkeit, weitere nachteilige Auswirkungen seiner Finanzpolitik zu mildern. Versagt der Stadt­rat in diesem letzten Augenblick, so werden schwerwiegende Folgen für die Stadt Giehen in Zukunft daraus entstehen.

gez. Dr. Keller.

SJl.-'fpOTt

(Skilauf-Hochschulmeisterschasten in parienkirchen.

Der Winter ist in den Gebirgen über Rächt eingezogen und hat allenthalben die Hoffnungen auf ein fröhlichesSki-Weihnachten" g.hoben. Die offizielle Terminliste ist soeben durch Veröffent­lichung der akademischen Beran st altun- g e n der neuen Saison ergänzt worden. Aus An­trag der Technischen Hochschule München wird die Deutsche Hochschulmeisterschaft im Skilauf 1931 am 17. und 18. Januar in Partenkirchen abgehalten. Angeschlossen an diese Veranstaltung ist der 2. Akademische Sli-Länderkamps Deutschland - Schweiz. - Die 7. Akademischen Skiwettkämpfe aller Länder werden dagegen mit den schweize­rischen Winter-Hochschulmeisterschaflen v.-rbunden und vom 11. bis 15. Februar - diesmal nicht im Engadin, sondern in Gstaad (Zweisiimmengebiet) - durchgeführt. St. Rloritz wird aber trotzdem nicht ohne akademische Konkurrenzen bleiben, il a. werden die älniversitäts-Slirennen OxfordCam­bridge mit Abfahrts- und Slalom-Lang- und Sprunglauf vom 23. bis 25. Dezember abgehalten.

Fußballklub 1926 Großen-Buseck

DfD. Aßlar FC. 26 Grotzen-Duseck.

Die Ligamannschaft des VfB. 1920 Aßlar ge­wann am Sonntag auf eigenem Platze, auf Grund der besseren Stürmerleistungen, verdient. Ob­wohl die Hintermannschaft der Grohen-Busecker Liga, und besonders der Torhüter, saubere Ad- wehrarbeit leisteten und auch die Läuferreihe auf ihrem Posten war, so konnte der Sturm in keiner Weise befriedigen. Die Reuaufstellung er­wies sich als ein Fehlschlag. Das Spiel wurde äußerst flott und fair ausgetragen. Richt zuletzt

war aber die 3:0-Riederlage auf die schlechten Bodenverhältnisse zurückzufuhren, mit denen die Grohen-Busecker nicht fertig wurden.

(Sportverein 1928 Garbenteich.

Garbenteich l Daubringen 11 8:2.

Die beiden Mannschaften standen sich im Ver­bandsruckspiel gegenüber; die Daubringer ver­zichteten jedoch auf die Punkte, da einige Spieler der ersten Mannschaft mitwirkten. Der Kampf wurde sodann als Gesellschaftsspiel ausgetragen, das der Gastgeber mit 8:2 für sich entscheiden konnte und damit unter Beweis stellle, dah er auf eigenem Platze keinen Gegner zu fürchten braucht.

Arbeiter-Turn- und (Sportbund.

Gießen I Wieseck Ib 8:3.

Auf einem Schneefeld trafen sich die beiden Mannschaften am Sonntagvormittag in Wieseck. Der glatte Boden lieh aber eine volle Entfal­tung der Gegner nicht zu. Ueberraschend führten die Einheimischen nach kurzer Zeit bereits mit 0:3. Zugleich wurde viel Scharfe in das Spiel ge­tragen. Gießen gelang es sodann, zwei Tore auf- zuholen und auch den Ausgleich zu erzielen. Rach Wechsel zeigte sich Giehen etwas im Vorteil und erhöht das Ergebnis aus acht Tore. Der Schieds­richter, dem das Spiel völlig entglitt, brach bei diesem Stande den Kampf ab.

Wieseck I - Rieder-Florstadt l 1:11.

Der Dezirksmeister des 6. Bezirkes. Rieder- Florstadts 1., war am Sonntag in Wieseck zu Gast. Die Gäste stellten eine kräftige und flinke Mann­schaft ins Feld, die in allen Teilen gut besetzt war. Vom Anstoß ab entwickelte sich ein flottes Spiel.

Die Gäste sanden sich bald mit den schlechten Platz- verhältniisen ab und gingen durch einen Flach­schuh in Führung. Wohl schuf auch Wieseck kri­tische Momente vor dem Tore d.r Gegner, vergab jedoch die sichersten Chan en. Die Gaste erhöhten dann das Ergebnis auf 2:0, und ein Selbsttor der Platzbesiher schuf den Pausenstand. Rach Wechel lagen die Gäste wieder in Front und wurden dem Tore- der Einheimischen immer gefährlicher. In gleichmäßigen Abständen und nachdem zwei Wiesecker Spieler ausschieden, erhöhten die Gäste auf 11:1 und das Schicksal der Einheimischen war besiegelt.

Daubringen 1 Marburg I 1:0.

Die beiden Mannschaften trafen sich in Daubrin­gen zu einem Fußballspiel. Die Elf des Platzbesitzers trat reichlich geschwächt und nur mit 10 Mann an, vermochte aber doch nach einem flotten Spiel be­reits in der ersten Halbzeit mit 1:0 zu führen. Ein Elfmeter-Ball wurde nicht ausgewertet Nach dem Wechsel zeigte sich das gleiche Bild, trotz aller Anstrengungen der Daubringer gelang es nicht, einen weiteren Erfolg zu erzielen, obwohl die Feld­überlegenheit die Platzbesitzer klar in Front zeigte. Das Spiel wurde unter den schlechten"Plstzverhalt- Nissen doch sehr flott und fair durchgeführt. Dem Spielverlauf nach mußte Saubringen mit einer höheren Torzahl gewinnen.

Handball.

Bor dem Spiel der ersten Mannschaften von Wieseck und Rieder-Florstadt standen sich die ersten Handballmannschaften beider Vereine im Freundschaftsspiel gegenüber. Die Wiesecker er­wiesen sich vor dem Tore entschlojsener und führ­ten bei Halbzllt bereits mit 2:0. Rach dem Seiten­wechsel erhöhte Wieseck in gleichmähigen Abstän­den auf fünf Tore, denen die Gäste kurz vor Schluß das Ehrentor entgegensetzten.

Marga von Etzdorf auf dem Heimflug.

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Die deutsche Fliegerin Marga von Etzdorf hat auf ihrem Alleinflug, der sie von Berlin über Frank­reich und Spanien nach den Kanarischen Inseln führte, den schwierigsten Tell der Strecke in Nord­afrika über das Atlasgebirge bereits bewältigt und traf am Dienstag in Algier ein. Morgen soll der Start nach Tunis erfolgen.

Oer Dreizehnte.

Roman von Anny von panhuys

Copyright 1929 by Verlag Bechthold Braunschweig

30 Fortsetzung Nachdruck verboten

Wie gelangten die blauen Brillanten in Ihren Besitz, die Sie Ricolaas Sneek verpfändeten?"

Zwei Glassteine habe ich ihm verpfändet. Dort liegen sie auf dem Tisch. Wie können Sie diese Glassteine Brillanten nennen."

Aha, auf diese Weise wollte sie sich aus der Schlinge ziehen!

Ricolaas Sneek betrog Sie um die echten Steine, die ihm jedenfalls unzweifelhaft von Ihnen verpfänoet wurden. Ich muh wissen, wo­her Sie die Brillanten erhielten, weil die Steine meinem Vater von seinem Mörder gestohlen wurden."

Die Frau antwortete nicht, aber im nächsten Moment war sie an Primo Duero vorbeigestürzt und rih die Tür auf. Er war aber, schnell gefaßt, gleich bei ihr und rih die Fliehende mit Gewalt ins Zimmer zurück.

3eßt haben Sie sich nur noch stärker verdächtig gemacht", sagte er, und seine Augen ruhten unablässig auf dem Gefickt der Frau, das dem seinen so nahe war. Woher kannte er nur diese Züge, woher nur? Die Lider mit den langen dunklen Wimpern der Frau lagen tief über den Augen, als schlafe sie.

Er faßte sie fest an den Schultern.

Reden Sie, ich fordere es von Ihnen: Wie kamen Sie zu den Brillanten? Bedenken Sie. ein Mord fordert Sühne. Wissen Sie, wer den Word beging? Gestehen Sie es, sonst lasse ich sogleich die Polizei rufen. Ich will das Leben des Mörders für das Leben meines Vaters."

Die $rau rührte sich noch Immer nicht. Wie ein Sternbild stand sie da.

Reden Sie, sonst, beim Himmel, behandle ich Sie, als wenn Sie für die Tat verantwortlich wären. Roch einmal, zum letzten Male: Woher haben Sie die Brillanten mit dem seltenen bläu­lichen Schimmer?"

Sie tun mir weh", stöhnte die Frau unter seinem harten Griff und unwilllürlich zuckten dabei ihre Lider hoch. Zwei große, dunkle Augen von seltener Schönheit tauchten mit einem Blick entsetzlicher Angst in die seinen.

Primo Duero war plötzlich zumute, als wan­dele sich das Blut in seinen Adem zu Eis. Die Augen kannte er sogar genau, er meinte fast, es gäbe nur ein einziges solches Augenpaar auf der Welt.

Montserrat'" drängte es sich über seine L:ppen, während seine Finger die Schultern der vor ihm Stehenden freigaben. Er wiederholte:Mont­serrat!" und ihm war es, als könne es nicht wahr fein, was er doch sah. Konnte denn Mont­serrat auch nur das geringste mit dieser grau­haarigen Frau gemeinsam haben? War es Teufelsspuk, der dieser Frau Montserrats Augen, ihre Züge und ihre Stimme gegeben? Trieb seine Phantasie ein jedes Maß überschreitendes Spiel mit ihm? Er verharrte wie gelähmt, und als die Frau abermals auf die Tür zuschnellte, sand er nicht die Kraft, sie festzuhalten.

Doch schon prallte die Frau wieder von selbst

zurück, denn vor der Tür stand Jan, der ein­äugige Riese, und fein Anblick genügte, ihr die Aussichtslosigkeit des Fluchtversuches zu zeigen.

Inzwischen aber hatte sich Primo Duero gefaßt. Er schloß die Tür und stellte sich davor.

Montserrat, tue die Perücke herunter und ziehe den weiten Mantel aus, damit ich sicher bin, du bist es, damit ich mich überzeuge, daß da oben in meinem Kopf noch alles in Ordnung ist. Ich muß ja um meinen Verstand fürchten." Plötzliche Wut befiel ihn.Stehe nicht da, als verständest du unsere Sprache nicht, gib dir keine Mühe, dich zu verstellen. Tust du es nicht frei­willig ab, dann reihe ich dir dos falsche Haar herunter, ich will mich überzeugen davon, Mont­serrat Duero steht vor mir, sie, die mich Vater­mörder geschimpft und doch die einzige zu sein scheint, die den Mörder meines Vaters kennt." Er schrie, am ganzen Körper bebend:Herunter mit dem falschen Haar, schnell, Ich habe keine Geduld mehr."

Die Frau hatte noch kein armseliges Wort der Erwiderung gefunden. Jämmerlich geduckt stand sie da, schien nicht zu wissen, was sie tun sollte, ilnö dann hoben sich ihre Hände mechanisch, mit ein paar Griffen löste sie die grauen Scheitel, die sich zu kleinen Knoten im Racken zusammen- f außen.

Glattes glänzendes Schwarzhaar lag jetzt über der schmalen Stirn und veränderte das Gesicht vollständig. Der Mann fühlte, wie eine Kälte­welle nach der anderen über seinen Körper hin- strich. Jetzt hatte er Gewißheit.

Montserrat die er niemals mit dem furcht­baren Geschehnis am Rosenmontag vor nun fast drei Jahren in Zusammenhang gebracht hätte, mußte genau wissen, wer seinen Vater getötet.

Du bist also die Komplizin eines Mörders", sagte er, und seine Stimme klang heiser,furcht­bar ist das, furchtbar ohnegleichen. ilnö nun nenne mir den Ramen des Menschen, der die Tat beging.

Sie schüttelte den Kops:Das kann ich nicht!" Gr trat einen Schritt auf sie zu.

Du wirst mir den Ramen nennen, sonst foltere ich ihn aus dir heraus. Mir ist jedes Mittel recht." Seine Augen blickten sie drohend an. Sage mir den Ramen des verdammten Mör­ders, säße mir diesen verfluchten Ramen."

Sie wrch zurück.

Laß mich gehen", keuchte sie, als säßen seine schlaff niederhängenden Hände an ihrem Halse.

Du kommst nicht aus diesem Zimmer, wenn du mir nicht den Ramen nennst!" knirschte et. ilnö als sie auch jetzt noch nicht die verlangte Antwort gab, fuhr er sie an:Aber schwelg nur, schwelg, du bist mir zu miserabel, um mich an dir zu vergreifen. Ich schicke jetzt zur Polizei, damit vor allem die Mitwisserin an dem Mord ins Gefängnis kommt."

Er wollte die Tür öffnen, doch schon löste es sich wie ein Schrei von ihren Lippen:Ich will ja sprechen, ich will die Wahrheit bekennen."

Er wandte sich langsam um und sah Mont­serrat, die noch eben so geduckt dagestanden, in fast herausfordernder Haltung vor sich.

Run ist ja alles gleich", murmelte sie wie zu sich selbst, und etwas lauter:Ich sitze ja doch in einer Mausefalle. Din selbst hineingelaufen." Sie fuhr sich mit der Rechten über die Stirn. >3ch will erzählen, wie alles gekommen ist, ganz wahr will ich fein.

Cr drängte:Wer ist der Mörder meines Vaters?"

Der Reihe nach will ich erzählen."

Den Ramen!" drängte er abermals,meine Geduld ist zu Ende. Der Polizei wirst du ihn nennen müssen."

Seine Hand lag schon auf der Türklinke.

3n ihren Augen glimmte es auf.

3d) habe es getan, ich!" schrie sie ihn plötz­lich an.

3ch habe keine Stimmung für derartigen Un­fug. Wen willst du mit dieser blöden und un­glaubwürdigen Selbstbeschuldigung retten? Du versprachst vorhin, die Wahrheit zu sagen."

3ch bin grausam wahr, ich gebe mich ja selbst preis. Ich wiederhole es: Ich tötete deinen Va­ter, ich tötete ihn in einem Moment völligen Be- nommenseins, in einem Moment, in dem jede Vernunft, jedes Denken in mir ausgeschaltet war."

Primo Duero war es, als würge ihn ein furchtbarer Schrei Im Halse, den er mit aller Kraft unterdrücken muhte. Er sank auf einen Stuhl, denn seiner Deine war er nicht mehr sicher Er begriff einfach nicht, was er eben ge­hört, es überflieg alles, was cr erwartet hatte.

Sie stand aufrecht vor ihm da.

Dein Vater hat mich von jeher eingeschüchtert und mir immer wieder allzu deutlich gezeigt, dah ich nur von seiner Gnade abhing. Richts hatte ich vorn Leben, immer war ich das Aschenbrödel. Und in mir lebte auch Verlangen nach Freude. Sogar sehr viel Verlangen. Doll Sehnsucht habe ich gesteckt, bis zum Halse, zu genießen, wie andere Mädchen, aber was ich mltmachen durfte war Abfall von dem, was man Vergnügen nen­nen könnte." Ihre Stimme war schwingend.Aus dich setzte ich mein Hoffen, aber du liehest mich im Stich, warst feige vor deinem Vater. Als der Rosenmontag nahe war, machte ich mir heimlich einen roten Clownsanzug, um mitzufahren auf dem Auto. Ich wollte Maske sein unter Masken, wollte einen Scherz machen. Ich stand schon hinter dem einen Flügel der Haustür verborgen in der Maske, als ihr euch versammeltet, als ihr die Mitfahrenden zähltet. Es glückte mir auch, mich unbemerkt unter euch zu mischen. Rur ein Scherz sollte es fein, ein paar amü­sante Stunden wollte ich mir verschaffen. Alles ging gut. Ich wollte dir unterwegs meinen Streich erzählen, aber du unterhieltst dich fort­während mit der blonden, deutschen Verkäuferin, und ich wagte mich keinem der anderen Clowns zu entdecken. Mir wurde plötzlich Angst, es käme deinem Vater zu Ohren, was ich getan, und er würde zornig werden. Ich bemerkte, dah dir oder der Deutschen anscheinend schon auf- gesallen war, es befanden sich statt zwölf Clowns dreizehn aus dem Auto, und ich verlor die Lust, dir zu erklären, wer der Dreizehnte war. 3ch traute dir auch nicht mehr. Schließlich wür­dest du vielleicht deinem Vater etwas verraten oder die Deutsche würde es tun. Ich war ver­stimmt. Das Vergnügen, das ich mir versprochen, sand ich nicht, die Clowns waren albern und langweilig, das Publikum nicht minder. Ich at­mete auf, als das Auto vor der Bar hielt. Es ward mir dort leicht, mich über den Hof durch einen Ausgang in eine Rebenstraße zu entfernen. Ein Clown fiel an dem Tage nicht auf. Ich hatte damit gerechnet, von dir ins Haus geschmuggelt zu werden, nun du aber nichts wußtest von allem, konntest du mir auch nicht Helsen. Ich nahm

bestimmt an, dein Vater würde um die Zeit meines Rachhausekommens im Laden sein, der Hund meldete ja nicht, wenn einer von uns heim» kam. War ich dann erst in meinem Zimmer, würde ich in fünf Minuten umgezogen fein, dachte ich, und ich wollte dann schnell ein paar Schritte fortgehen, um gleich danach offiziell wiederzukommen. Dah ich einen heimlichen Woh­nungsschlüssel besah, wußte niemand. 3ch hatte zuerst das Pech, als ich aufschloß, von der Por» tera gesehen zu werden. Da ich fast gleich groß bin wie Du, hielt sie mich für dich, und ich sand das ganz praktisch. Die Maske schützte meine Züge. Wenn ich erst einmal umgezogen sein würde, wäre für mich alles erledigt. Schließlich hatte ich ja auch gar nichts Besonderes getan, nichts, als einer törichten Laune nachgegeben, die mir nicht Die kleinste Freude eingebracht."

Sei nicht so weitschweifig", unterbrach Prim« Duero Montserrat,deine Empfindungen sind Rebensache."

3a, das waren meine Empfindungen für dich wohl immer. Auch für deinen Vater. Die Haupt­sache wäret ihr selbst, nur ihr. Ich öffnete mit meinem Schlüssel leise die Wohnungstür und stand in Der Diele Deinem Vater gegenüber. Auch er hielt mich für dich, sprach mich als Primo an, fragte, warum ich wiedergekommen sei. Mir fiel keine Ausrede ein. In der nächsten Sekunde aber hatte er mir schon Die Waske heruntergezogen, und als er sah, wenn er vor sich hatte, schimpfte er mich zornig, ich sei eine Vergnügungsnärrin, eine Leichtsinnige, und als ich etwas entgegnen wollte, hob er Die HanD gegen mich. Ich floh in Der Richtung meines Zimmers. Er mir nach mit geballter Faust. Es gelang mir, in mein Zimmer zu kommen, aber er hatte seinen Fuß zwischen die Tür gesetzt. Ich war außer mir. All der Hah gegen ihn als Unterdrücker und Peiniger, der sich seit 3aF>ren in mir aufgespelchert, war zum lodernden Brand geworden. Ich langte ganz unbewußt und nur Instinktiv nach der Luft­pistole, die ich mir einmal gekauft hatte in einer verzweifelten Stimmung, mit der ich meinem Leben einmal ein rasches, lautloses Ende hatte bereiten wollen. Dein Vater wich zurück vor mir wie vor einer Irren. Und das war ich auch. Richts anderes als eine Irre war ich in jener Stunde. Er wich zurück, aber ich drückte ab und traf. Traf ihn nur zu gut Er taumelte und stürzte, war auf der Stelle tot. Der Hund kam erst jetzt aus Dem Laden, und ich erkannte, nun begann eine böse Gefahr Er konnte mich an» fallen, laut heulen. Ich lud neu und schoß auch auf ihn. Das arme Tier tat mir leid. Als es stumm am Boden lag, kam ich überhaupt erst zum Dewuhtsein, was ich getan hatte. Da setzte mein Verstand erst wieder ein. Und von der Sekunde an dachte ich scharf und logisch. In ra­sender Hast schloß ich vor allem erst den Laden, damit kein Kunde eintreten konnte, und dann packte ich ein Kleid und einen Mantel in einen großen Bogen Packpapier und wollte davoneilen. Ich sah den Kassenschrank im Bureau offen. Dein Vater war wohl gerade daran gewesen, als er mich kommen hörte. Ich nahm Das bare Geld, das ich fand und Die blauen Brillanten, die Dec Marques de Palma am gleichen Tage abholen wollte, und stürzte fort. Auch Diesmal sah mich öle Portera. Ao er Ich hatte mein Gesicht wieder mit der Waske bedeckt, und sie konnte mich nicht erkennen. Ich" tFortletzultg folgt)