Ausgabe 
17.10.1930
 
Einzelbild herunterladen

Es wird mehr gebaut.

Ueberraschend günstige Ergebnisse der Wohnbautätigkeit im ersten Halbjahr 1930

Berlin. 16. Ott. (DD.) Man hatte all­gemein angenommen, daß sich schon im erjtcri Halbjahr 1930 ein außerordentlich starker Rück­gang des Wohnungsbaues bemerkbar machen würde. Auf Grund der vorliegenden Zahlen des Deutschen Städtetages erfährt man aber die Lleberraschung, dah im Vergleich zum ersten Halbjahr 1929 in der Zeit vom 1. Januar 1930 bis 1. 3uli 34 217 Wohnungen mehr errichtet wurden. Die Gesamtzahl der neu­erstellten Wohnungen beträgt 77 823. Der Haupt­anteil der Neubautätigkeit entfällt auf bic Großstädte über 200 000 Einwohner, wo auf 1000 Einwohner ein Anteil von 4,1 an neuen Wohnungen entfällt, während bei der Gruppe der Städte von 100 000 bis 200 000 Einwohner der Tausendanteil nur 2,6 und in der Klasse von 50 000 bis 100 000 Einwohnern nur ein Anteil von 2,3 entfällt. 3m Durchschnitt beträgt der Tausendanteil 3,6. so dah d i e G r o h st ä d t e den Durchschnitt weit überragen.

Sehr deutlich zeigt sich schon bei den Feststel­lungen über die Wohnungsgröhe derReu- bauten im ersten Halbjahr 1930, dah die Tendenz, die Wohnungsgröße zu verringern, die seit dem Sommer planmäßig von der Reichsregierung gefördert wird, immer mehr an Wirkung gewinnt. Dei den Großstädten ist der Anteil der 4- bis 6-Zimmerwohnungen von 67,6 auf 47,1 gesunken. Merkwürdigerweise ist bei den Städten von 50 000 bis 100 000 Einwohnern im Gegensatz zu den anderen Gruppen eine Zunahme der größeren Wohnungen von 50,4 auf 56,9 Prozent festzu- stellen. Aber das Gesamtbild ergibt doch die Tatsache, daß die Hundertanteile bei den 1- bis 3-Zimmerwohnungen von 40,1 auf 49,5 stiegen, während sie bei den 4- bis 6-Zimmerwohnungen von 56,2 auf 48,2 sanken. Der Wohnungsbau richtet sich immer mehr nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der minderbemittelten Kreise.

Für Aufrechterhaltung der Gtaatspartei.

Der lin, 16. Ott. (CAD.) Auf Antrag des Reichsfinanzministers Dietrich hat der Haupt- vorstand der Deutschen Demokratischen Partei beschlossen, für die Aufrechterhaltung der Staatspartei einzutreten. 3n dem Deschluh heißt es u.a.:Der Ausgang der Wahlen gefährdet Staat, Gesellschaft und Wirt­schaft. Doch sieht unser Volk die ihm drohende Gefahr nicht. 3hr rechtzeitig unerschütterlichen Widerstand entgegenzusehen, ist unsere Aufgabe. Die Deutsche Staatspartei ist gegründet worden aus dem ernsten und festen Willen, den Kampf um die Dehauptung und um die verfassungs­mäßige Weiterentwicklung der Republik zu führen. Wir sind gesonnen, auf diesem Wege zu bleiben und werden daher dem Parteitag Vorschlägen, den Liebergang in die Deutsche Staatspartei zu vollziehen."

Reichsminister a. D. Koch-Weser hat an den geschäftsführenden Vorsitzenden einen Drief gerichtet, in dem es heißt:3ch habe die Zu­versicht, daß es gelingen wird, in der Staats- Partei das notl. enbige Sammelbecken für bic- jenigen zu gewinnen, die auf dem Doden der Republik d^tc Konzessionen an die national­sozialistischen Staatszerstörer die deutsche Zu- hmft gestalten wollen. Ich selbst ober fühle mich nach den schweren politischen Entscheidungen der letzten Monate nicht mehr imstande, an dieser Arbeit führend und im Parlament mitzuarbeiten. 3ch werde deshalb mein Reichstagsman­dat niederlege n." Auf der Reichsliste wird nunmehr der 3ungvolksparteiler Wind- s ch u h an die Stelle Koch-Wesers rücken.

Or. Scholz plötzlich erkrankt.

Berlin, 17. OK. (WLD. Funkspruch, i Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Deutschen Volksportei, Dr. Scholz, hat an der Reichs- tagssihung am Donnerstag nicht teilgenommen. Wie wir erfahren, ist er Mittwochabend plötzlich erkrankt. Es scheint, daß bieEr­krankung mit seinem Darinleiden zusammenhängt, wegen dessen er bekanntlich vor einiger Zeit ope­riert werden mußte. Sein Krankheitszustand wird sich aber erst aus der genauen Untersuchung er­geben. Sicher ist jedoch schon jetzt, daß Dr. Scholz wahrscheinlich für die kommenden fünf Wochen der aktiven Politik fern- bleibt. Wie wir erfahren, hat die Fraktion be­schlossen, den Abg. D a u ch mit der Führung der Geschäfte zu betrauen.

Revisionskanipagne in Frankreich.

Hen>6 stellt die Sorhcrung auf Revision des Versailler Diktats.

Pari», 16. Oft. (CJIB.) Der Herausgeber des Soir", Gustave herv^, macht heule Vorschläge für die Revision de» Versailler Ver­trages, reell feine Richtrevision Jcanfreid) s ü r einen kommenden Krieg, der an Trüm­mern nnd Menschenmord den Krieg von 1914 bei weitem übersteigen reerde, verantreortlich machen würde, hervs tritt für die Annullie­rung der deutschen Reparalionrlasten ein, sobald Amerika dieinteratlierten Schul­den gestrichen habe, für den Verzicht auf die Volksabstimmung im Saargebiet, reas Frankreich übrigens im Jahre 1935 eine öffent­liche Demütigung ersparen würde, denn die Volks­abstimmung werde unfehlbar zugunsten Deulschlands ausgehen, für die Ermächtigung Deutschlands, sich die sieben Millionen Oe st erreichet anzugliedern, weil dadurch im Grunde genommen nichts geändert werde und weil doch der Anschluß moralisch bereits vollzogen sei, für die Rückgabe der französischen Mandatsgebiete Togo und Kamerun an Deutschland, für die Revision des deutschen Militär st atuts. Deutschland solle das gleiche Militärstatut erhalten wie Frankreich und Lffektiobeslände in Stärke der im französischen Mutterlonde stehenden Truppen. Herve tritt ferner ein für eine freundschaftliche In­tervention Frankreichs bei Polen zwecks Rückgabe des Korridors an Deutschland, wenn Deutsch­land Litauen bewegen könnte, mit Polen wieder wie einst einen polnisch-litauischen Staat zu bilden. Für alle diese Aenderungen müßte die gegenseitige militärische Garantterung des neuen europäischen Status quo gegeben werden. Man dürfe die Bewilli­gung auch nicht davon abhängig machen, dah Deutsch­land die republikanische Staatsform beibehalte.

Schacht über den Nationalsozialismus

Rcuy ork, 16. Oft. (TU.) Der frühere Reichs- bankpräsibent Dr. Schacht sprach am Mittwoch vor den Professoren und Studenten der Columbia- älniversität ähnlich wie am Tage vorher an der Bale-älniversität über die Paneuropa-Frage. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache. Auf die da­bei gestellte Frage, wer die Hitler-De- wegung finanziert habe, erklärte Dr. Schacht wörtlich:Ich weiß, worauf Sie orrspielen. Seien Sie überzeugt, daß der Rationalsozialis­mus eine rein deutsche Bewegung ist. Sechs Millionen Deutscher, die gegen zwölf­jährige unwürdige Behandlung Pro­testieren, brauchen nicht durch auslän - bische Wohlgelder gewonnen zu werden." Die Erklärung Dr. Schachs wurde mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 16. Oft. (WHP.) Der Finanz­ausschuß des Hessischen Landtags genehmigte die Regierungsvorlage über die Unterstützung des oberhessischen Eisenerzbaues, wofür weitere 27 000 Mark angefordert werden. Der Antrag der Regierung, für maschinelle Ein­richtungen im Physikalischen Institut an der Landesuniversität Gießen den Be­trag von 43 968 Mark bereitzustellen, wurde mit ficbcn gegen drei Stimmen bei drei Enthaltungen angenommen. Die zunächst ablehnende Haltung des Ausschusses änderte sich erst, als die Regierung die dringende Rotwendigkeit dieser Wiederherstellungsarbeiten barlegte, weil sonst auch Schäbigungen von Personen zu befürchten seien. Der weiter angesorberte Betrag von 60 000 Mark für Ergänzungen der Apparate- ausstattung bes Instituts wurde vom Aus­schuß a b g e l e h n t, da zur Zeit die -Notwendig- feit dieser Einrichtungen nach seiner Meinung nicht gegeben sei. Der volksparteiliche Antrag aus Her­absetzung der Stempelgebühren für bas Auf stellen vonDreschma sch inen würbe durch bie entgegenkommende Erklärung der Re­gierung für erledigt erklärt. Die Regierung will die Stempels,ebühr dadurch vermindern, baß den Dreschmasch'nenbesitzern gestattet wird, Sammel-

heroe erklärt, er beschäftigt sich seit zwei Jahren mit diesen Fragen und gebe seine Gedanken bekannt, um fein Gewissen zu erleichtern. In einem zweiten Artikel erklärt hervs, man müsse den Versailler Ver­trag revidieren und ihn der neuen Loge a n - passen, die durch dos versagen von Frankreich» ehemaligen Alliierten Rußland, Amerika, Italien und England, durch die auf den Krieg folgende Mirt- schastsnot, durch dos Ehaos, In dos Deutschland zu sollen Im Begriffe stehe, und durch die eiternde Wunde, die bolschewistische Revolution, geschossen worden ist. wir waren, so erklärt hervö, vier große Rattonen, um in Versailles dos Urteil gegen Deutschland zu fällen, heute bleibt nur Frankreich übrig, um den Gerichtsvollzieher und Gendarmen zu spielen, wie will man unter derartigen Umständen eine Zwongspolltik an­wenden?

Oer Sächsische Landtag fordert Revision des ^onngptanS.

Dresden, 16. Oft. (WTB.) Zur Frage der Revision des Boungplanes wurde in der heutigen Landtagssihung ein bürgerlicher Antrag mit 82 gegen 12 kommunistische Stimmen an­genommen, die Regierung zu ersuchen, auf die Rcichsregierung einzuwirken, angesichts der wirtschaftlichen Lage mit allem Rachdruck und Beschleunigung sich zu bemühen, Verhand­lungen für die Revision deS Boung- planes einzuleiten. Ein kommunistischer Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, alle Zahlungen aus dem Voungplan so­fort ein zu stellen, wurde gegen die Stim­men der Rationalsozialisten und Kommunisten abgelehnt.

anmeldungen mit einmaliger Deurkundungsge­bühr einzureichen. Der demokratische Antrag auf erneute Behandlung der Frage der Kinderzu- schläge für Kinder über 16 Jahren wurde zurück- gestellt, bis die Verhandlungen über das Pro­gramm der Reichsregierung einen Lieberblick ge­statten.

Kein Kurswechsel in Südtirol.

Es gibt keine Umkehr in Liidtirol.

Rom, 16. Ott. (TLl.) Auf eine vor einigen Tagen durch die deutsche Presse gegangene Mel­dung, wonach der Präfekt von Bozen angeblich den deutschen P r i v a t s ch u l u n t e r r i ch t in vollem Umfange wieder zugelassen habe, schreibt die faschistische Zeitung31 Bren­ners" wörtlich:Es ist überflüssig zu sagen daß diese Meldung absolut jeder Grundlage entbehrt und daß die deutsche Presse das Opfer einer Ente geworden ist, deren Ur­sprung man sich leicht denken kann. Die direkte und gradlinige Politik der Herrschaft gegen­über Südtirol wie auch gegenüber allen andern Gebieten 3taliens läßt keine Umkehr zu. Auch hinsichtlich der Aufhebung der deutschen Schulen, die ein Herd des Anti-Italienertums waren, gibt es keine Umkehr. Es genügt das Beispiel der kürzlichen Schließung der sloweni­schen Schule in Triest, die ein wahres 3nfek- tionszentrum für bie moralische Gesundheit der jungen Seelen war, um zu verstehen, wie ge­fährlich dergleichen Kultur-Oasen in dem ruhigen und ernsten Leben der italienischen Grenzpro- vinzen sind."

Bauer und Fünfjahresplan. Fiasko der bolschewistischen dlgrarpolitik.

K o w n o, 15. Oft. (TU.) Meldungen aus Mos­kau besagen, daß der Liefer streik der Bauern, der im Frühherbst einsetzte, allen Druckmaßnahmen zum Trotz auch weiter an­hält. Die Bereitwilligkeit der Dörfer, das Ge­treide an den Staat zu verkaufen, wird in den Veröffentlichungen des Volkskommissariats für bie Lanbwirtschaft als a u h e r o r b e n t l i ch ungenügenb bezeichnet. So finb in ben ersten zehn Tagen bes Oktober nur 24,2 v. H. der für ben ganzen Monat vorgesehenen Getreibemenge abgeUefert worben. Die Lage wird besonders

bedrohlich, weil bte au« ben einzelnen Pro­vinzen gemeldeten Zahlen eine absteigende Tendenz zeigen. Während Sibirien und bic deutsche Wolgarepublik in dem Bericht lobend erwähnt werden, ist das für bic Drotverforgung des Lanbes wichtigste Gebiet der Ukraine be­sonders weit zurückgeblieben. Gegenüber dem für die Ukraine vorgesehenen Iahresplan hat diese Provinz bisher nur 44,5 v. H. Getreide dem Staat zur Verfügung gestellt.

Da auch zu gleicher Zeit die Herbstaus- s a a t nach wie vor ungenügend verläuft und die Dauern bisher insgesamt nur 73 v. H. des Iahresplans durchgesührt haben, werden die Ver­geltungsmaßnahmen gegen bic Leiter des Ge- treibefelbzugs an Ort unb Stelle verschärft. In einem wichtigen Gebiet in Zentralrußlanb ist der gesamte Vorstand des GebietSvoll^ugsauS- schusses aus der Partei ausgeschlossen und dem Gericht übergeben worden. 'Der neue Feld­zug für die Durchführung der staatlichen Pläne wird wiederum unter der LosungKamps gegen den Kulaken" geführt. Gleichzeitig hat das Volks­kommissariat für den Handel besondere Fonds geschaffen, aus denen Belohnungen an solche Dauern und Kollektivwirtschaften gezahlt wer­den sollen, die den Plan voll durchgesührt haben.

Oie Wetterlage.

Abcrdj

15(

QtfolKenios. <3 neuer Omid Deder*t »woiKig. eotdecitiKeflea »Schnee & dreupem MeDei "K 6e*niier.(§)wind$tiiie. sehr leichter Ost y *ni>S|Oer Südsüdwest Q jturmrjchei «ordwesl Ole Mene fliegen mit dem winde Die oernen Stationen jtenenden Zaft- len gelten die lemperatur an Die Linien veromden Orte mit gleichen» auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage

Durch das Vordringen der Warmluftwelle über Deutschland hin, was besonders in höheren Luft­schichten geschah, hat sich nunmehr eine geschlossene Nebel- und Dunstdecke gebildet. Auch heute moraen werden besonders aus Frankreich und Westdeutsch­land wie bisher hohe Temperaturen mit über 16 Grad gemeldet. Da weiterhin ein Austausch zwischen der kalten Bodenluft und den sich darüber lagern- den Warmluftmassen stattfindet, so dürft« noch mehr Nebel, teilweise auch Wolkenbildung die Folge sein. Jedoch wird das Wetter im Bereich des hohen Druckes vorerst noch trocken bleiben.

Aussichten für Samstag: Reblig-wvl- kig, tagsüber auch aufheiternd, Temperaturen we­nig verändert.

Lufttemperaturen am 16. Oktober: mittags 16,2 Grad Celsius abends 8,5 Grad; am 17. Oktober: morgens 6,9 Grad. Maximum 16,4 Grad, Minimum 4,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 16 Oktober: abends 11,9 Grad; am 17. Oktober: morgens 8,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1% Stunden._________________________________

Eine mifldß Salbe \ gegen Hautjucken,

Wundsein u.

£\\V\ Rissige Häuf PenatenCreme ir^potM^rogDo4euTub«60 Pfg.LM

Sunlicht Seife luxseifenhdcken

SUNLICHT GESELLSCHAFT AG. MANNHEIM - BERUH

Hl w» das schonende Seifeftpulver

M U Ä Pfund Paket "45'pfg, 40»»

% Pfund DoppekfOcfc . . . ,-40Hg. 30 Pfg.

Der große Würfel......'SS'Pfg., jettl 25 Pfg.

Das praktische HondstOdc. 4'5'pfg., jetet 12 Pfg.

Die Normalpackung . . . . *40*rfg., 30 Pfg,

Die Handpockung . . ... .*2'5'IPfg, JeM 20 Pfg.

BW s< .... . ; :

G«

* G«A>cn

Ao'o®*

5e"*e

in **