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Nr. 217 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheflen)

Oie Parteien nach der Wahlschlacht.

Unsere Berliner Redaktion hat Veranlassung genommen, bei einer Reihe von führenden Persönlichkeiten verschiedener Parteien eine Umfrage über den er ft en Eindruck, den daS Wahlergebnis des 14. September bei ihnen hinterlassen hat, anzustel­len. Wir bringen nachstehend verschie­dene dieser Aeußerungen, wobei es selbstverständlich ist, dah sie in der Bewertung der Ergebnisse voneinander abweichen. Gerade deshalb aber wer­den sie unzweifelhaft für den Leser von besonderem Interesse sein.

Nicht den Mut verlieren und lernen.

Don Dr. Joseph Winschuh (Deutsche Staatsp.)

Wie nicht anders zu erwarten war, hat diese Wahl die radikalen Flügelgruppen g e st ä r k t, aber sie hat sie über Erwarten vergrößert. Sozialdemokraten und Zentrum ha­ben ih^en Bestand behauptet, die bürgerliche Mitte hingegen ist zusammengedrückt wor­den. Folgende Tendenzen haben sich ausgewirkt. Der Radikalismus rechts und links hat auf der ganzen Linie gesiegt. Don den staatsbejahen­den Parteien haben sich die behauptet, die ent­weder ausgesprochene Interessen» und Klasscn- parteien sind wie die Sozialdemokra­tische Partei mit ihrem starken Block der Freien Gewerkschaften im Rückhalt, oder die DolkSgemeinschaftsparteien, deren Grundlage und Kitt konfessioneller Art ist wie das Zentrum, dessen Zunahme besonders bemerkenswert ist. Bei diesen beiden Parteien hat sich ferner die straffe und schlagkräftige Organisation bewährt. Dasselbe gilt von Hugenberg: hier hat die sture Vradheit der politischen Linienführung im Verein mit der rücksichtslosen Ausnutzung der Oppositionsstellung und einem intakten Partei­apparat sich als wirksamer erwiesen, als der Ausbruch neuer Kräfte in der konservativen Partei, die ohne Maschine in die Wahl­schlacht ziehen mußte. Bemerkenswert ist auch die Widerstandskraft des berufsständischen Ge­dankens und der materialistischen Haltung in der Wirtschaftspartei. Zweifellos liegt eine Riederlage der bürgerlichen Weltanschauungs­parteien vor. Am besten hat unter ihnen noch die Stoatspartei abgeschnitten, well sie eine politische Erneuerung und Dlutauffrischung vorstelle und im Raum der bürgerlichen Mitte am stärksten aufrüttelte. Die Parole der Samm­lung und Erneuerung hat ihre Feuerprobe be­standen und sich im Tumult dieses Wahlkampfes bewährt. Die Mitte hätte sich ganz anders hal­ten können, wenn die Dolkspartei die Samm­lung und Erneuerung mitgemacht hätte.

Die Koalitionsbildung ist nun mehr denn je eine Sphinx geworden: der deutsche Parlamentarismus steht zur Zeit vor seiner stärksten Belastungsprobe. Wird er sie bestehen, wird staatsmännische Kraft den jetzt entstandenen Wirrwarr formen und meistern können? Das ist die schwere Frage, die nur gelöst werden kann, wenn man nicht die Rerven verliert und sich von Prinzipienreiterei und Traditionalismus frei macht. Darüber hinaus gilt es für das Bürgertum, aus dieser Wahlschlacht zu lernen. Diese Lehre heißt. Weiterführung der staatsbürgerlichen Sammlung. Bil­dung einer großen Partei der Mitte, bei gleich­zeitiger Erneuerung der Haltungen und vor allem auch der Köpfe. Die Mitte kann sich nicht mehr den Luxus erlauben, zersplittert zu sein und die Waffen des politischen Kampfes gegen sich selbst zu kehren. Sie muß zum Karree zu­sammentreten und die Stacheln nach außen richten.

Oer Vagabund.

Don Frank Highman.

Er trägt an seinem Leibriemen einenJacky, so wird dieser Blechtopf genannt, der aber auch eine leere Cornedbeefdose oder eine alle, ver­beulte Zwiebackschachtel sein kann. Das ist fein ganzes Kochgerät. Auf seinem Rücken hängt ein aufgerolltesBlankett", eine grobwollene Decke. Das ist alles, was er für die Rächt braucht. So wandert er durch den riesigen nord­amerikanischen Kontinent, durch flimmernde Salz- wüstcn und donnernde Mammutstädte, durch die glühenden Einöden von Texas und die kristallenen Eisfelder Alaskas, durch die lichten Palmen­haine Floridas und die schweigsamen Llrwälder der Felsengebirge. So durchwandert er ruhelos die Staaten, durchstreift rastlos diese Kontraste: das Wandern wird schließlich fein Lebenszweck. Dicr-ig, fünfzig Jahre mit der Sonne in die ^Unendlichkeit. Das ist der Tramp.

Es gibt unter ihnen Menschen, die Jahr­zehnte in keinem Bett geschlafen, Menschen, die ihren Geburtsort, ihren Ramen vergessen ha­ben. Die vergessen haben, daß sie überhaupt einmal Menschen waren ...

So ein Tramp war Hadrian. Er mochte An­fang der Fünfziger stehen, als ich ihn tennen- lernte. Das war in Dankton am Missouri, in der Dar des dicken Whals. Diese Gaststätte steht am Flusse und ist eine armselige Bretter­bude mit einer ungehobelten Kellertüre als Tisch­platte und einigen alten Whiskykisten als Sitz­gelegenheiten. Möglich, daß Freund Whals jetzt schon eine Malachittafel und l-ouis-seire-Etühle hat, dann will ich nichts gesagt haben.

Mac Hutton, der Eisenindustrielle, führte mich dort ein. Da Hutton ein gutes Destillations- Produkt zu würdigen weih, er ist Schotte, und die Dar am Flusse ein giftgrünes Gebräu führte, das, im Gegensatz zur Einrichtung, hoch nobel zu nennen war, ist diese Tatsache weiter gar nicht verwunderlich. Als wir nun eines Tages WhalsEtablissement" betraten, sah dort ein Mann auf einem Haufen alter kanadischer Weizensäcke. Zwischen seinen Beinen stand ein großes Schafs, in das er langsam und bedächtig kleine braune Früchte warf, die er vorher mit einem Messer von den Kernen und einem myste­riösen haarigen Innern befreit hatte. Als wir eintraten, sah er einen Moment von seiner De- Ichäftigung auf, und vir blickten in em troll

Zusammenschluß auf breitester Grundlage".

Don Staatssekretär z. D. A. KempteS (Deutsche Dolkspartei.)

Unter einer an die Zeit der Rationalversamm- lung erinnernden Wahlbeteiligung hat das deutsche Dolk seine Entscheidung getroffen. Eie ist dahin ausgefallen, daß sich die Zahl der natio­nalsozialistischen Mandate von 12 auf 107 ver­mehrt hat und dah die Rationalsozialisten damit die zweitstärkste Partei des Reic^tagS gewor­den sind. Ob die meisten sich bei der Wahl über die realen Rotwendigkeiten der näch­sten Zeit klar geworden sind, mag dahingestellt bleiben. Ebenso mag dahingestellt bleiben, ob diejenigen Parteien und ihre Führer, die im Juli die Auslösung des Reichstags herbeigeführt haben, auf den damals gefaßten Beschluß mit einer besonderen Befriedigung zurückblicken wer­den und ob sie auch wirklich heute noch der Meinung sinh, ihr damaliges Verhalten hätte zu einer Besserung der außen- oder innenpoliti­schen Situation Deutschlands beigetragen.

Diesem Eiegeszug der nationalsozialistischen Bewegung gegenüber treten die Betrachtungen über Erfolge und Mißerfolge der übrigen Par­teien stark zurück. Die Deutsche Dolks­partei hat mit 30 Mandaten ein Drittel ihrer Stimmen eingebüßt und die Staatspartei mit 20 Mandaten ein Fünftel der früheren demo­kratischen Stimmen trotz des angeblichen oder wirklichen Zustromes von Anhängern aus den anderen Lagern, insbesondere aus der politi­schen Jugend. Ist er wirklich so stark gewesen, wie die Etaatspartei in ihrer Wahlagitation dies behauptet hat, fo würde allerdings ein Rückgang der Demokratischen Partei auf über die Hälfte der bisher innegehabten Mandate eingetreten und sie nur noch als Splitterpartei in Betracht ge­kommen sein. Auch die Wirtschastspartei hat gegenüber früher gehegten Hoffnungen ihren Bestand nur erhalten, also unter Berücksichtigung der stärkeren Wahlbeteiligung Derluste davonge­tragen. Diese in der Mitte eingetretenen erheb­lichen Rückgänge dürften unzweifelhaft auf die vielfach ruinöse Wirtschaftslage zurückzuführen sein, bei der der Hinweis auf die Richtigkeit einer die Staatsnotwendigkeiten bejahenden Politik der egozentrischen Einstellung des interessierten Wäh­lers gegenüber versagt.

Rückblickend beweisen gerade die vorher er­örterten Ergebnisse die Richtigkeit der von der Deutschen Dolkspartei betriebenen Samm­lungspolitik, die zum Ausgangspunkt ihrer Aktion das Erfordernis des Zusammenschlusses von Parteien auf breitester Grund­lage nahm. Heute werden auch diejenigen, die glaubten, in engerer Zusammenfassung unter Her­vorhebung politischer Trennungslinien eine Sammlung" betreiben zu müssen, sich der Einsicht nicht verschließen, daß solche Sammlungen ange­sichts der eingetretenen Entwicklung praktischen Wert nicht mehr besitzen.

Zwang zur Gemeinschaft.

Don Dr. Heinrich Krone (Zentrum.)

Der Stimmenzuwachs des Zentrums zeigt, daß im Gegensatz zu unseren Rachbarparteien ganz zu schweigen von den radikalen Parteien unser Wählervolk für den Ernst der Stunde und für das Rettungswerk der Regierung Brüning Derständnis gezeigt hat. Mit dieser Einsicht verband sich Glaube und Dertrauen, die der Persönlichkeit des Reichskanzlers entgegenge­bracht wurden, seiner offenen und ehrlichen Sprache, die über die kritische Lage keinen Zwei­fel ließ, seiner mutigen und verantwortungs­bewußten politischen Handlungsweise.

einem schlohweißen Stoppelbart umrahmtes Ge­sicht mit klaren, vergnügt blinzelnden Schelmen­augen. Reben ihm lag ein kleiner schmutziger Köter, dessen Rasse zu bestimmen selbst dem raffiniertesten Kynologen eine Unmöglichkeit ge­wesen wäre, und knabberte mit Hingabe an einem undefinierbaren Gebein.

Zwei Töpfe Gift", bestellte Mac Huttvn, und der dicke Whals beeilte sich, mit Hilfe seiner Lungenkraft den Etaubbelag des Tischplatten- ersahes wie ein Blasengel in alle Winde zu zerstreuen.

Drei Töpfe, Mister Huttvn! Für mich auch einen!" Der Dagabund auf den Weizensäcken hatte es gesagt und dabei seine lustigen Aeuglein auf Mac Huttvns Bullenbeißergesicht gerichtet.

Was? Zum Teufel, wo habe ich diese Disage schon gesehen? Woher kennen Sie mich, Alter?" rief mein Begleiter erstaunt, und man merkte, daß er angestrengt nachdachte. Der Mann hinter dem Schaff streichelte langsam den Kops des Hundes neben ihm, dann meinte er lächelnd:

Wetten wir, daß Sie nicht darauf kommen, Hutton! Einen Topf extra, wenn Sie es in fünf Minuten noch nicht wissen."

Hutton gab keine Antwort. Er kramte sichtlich noch immer in seinen Erinnerungen. Da dies ohne jeden Erfolg blieb, wandte er sich an den Wirt:

Wie heißt der Bursche, Whals?"

Keine Ahnung, Mister Hutton! Es ist ein Tramp! Dor einer Stunde kam er und fragte, ob ich nicht für einen Hund einen Knochen und für ihn selbst ein Stück Brot hätte, da versprach ich beiden eine komplette Mahlzeit zu geben, wenn er mir diese langweilige Arbeit da ab­nehmen würde", stotterte der dicke Wirt und blickte ^ratlos' auf den Tramp, den Hund und dann auf Mac Hutton.

Zweimal sind wir uns begegnet, lieber Mister Hutton", fuhr der Mann auf den Weizensäcken fort,das erstemal wär es in den Kohlenrevieren von Pennsylvanien und das zweitemal war eS in Washington bei dem Bankett, das Teddy Roose­velt. unserem damaligen Präsidenten zu Ehren, anläßlich seiner Rückkehr von der Afrikadurch­querung gegeben wurde. Sind auch schon wieder zweiundzwanzig Jahre her. Yes, so vergeht die Zeit, wenn man immer der Sonne nachgeht."

Ja, ja! das stimmt! Ich war längere Zeit in den Kohlenrevieren und war auch bei diesem Präsidenten-Dankett, aber ich kann mich trotz­dem nicht erinnern.

Die Freude über den Ausgang der Wahl für die Zentrumspartei wird auch bei uns übertönt von der Sorge wegen des Gesamtausganges der Wahlen. Die sich zu einer vernünftigen, den Gegebenheiten und der Lage entsprechenden Realpolitik bekennenden Parteien haben sämtlich mit Ausnahme des Zentrums und der Baye­rischen Dolkspartei verloren. Der uto­pische Radikalismus hat überall ge­hegt. Diese Wahlen haben ganz deutlich ge­zeigt. daß diejenigen Parteien, besser gesagt, politischen Bewegungen, in einem siegreichen Aufmarsch begriffen sind, die letzte politische Ideale Herausstellen, an die sich der Glaube und die Hoffnung der Massen klammern. Die Zeit des politischen Individualismus ist vor­über. Hierüber sollten wir uns keinem Zweifel Hingaben, auch dann nicht, wenn, wie wir hoffen, spätere Wahlen eine wesentliche Korrektur des jetzigen Wahlergebnisses zeitigen. Mit der Rot der Stunde und den Sorgen, die schwer drücken, ist diese Erscheinung in erster Linie nicht zu erklären. Diejenigen Parteien und Bewegungen werden die politische Zukunft bestimmen, die eine weltanschauliche und soziolo­gische Gemeinschaft bilden. Uns hierfür einzurichten ist wichtiger und realpolitischer, als verstaubte Ideologien neu aufzupuhen. Wir stehen vor einer Bewährungsprobe unseres po­litischen Systems, wie wir sie bedeutungsvoller bisher kaum gehabt haben. Ohne eine Hin­wendung auch aller Parteien, die sich zum deut­schen demokratischen Dolksstaat bekennen, zu einer verantwortungsbewußten Politik, die par­teipolitische Opfer einschließt, wird die Bewäh­rungsprobe nicht bestanden.

Oer erste Eindruck.

Don Or.Z W. Reichert (Konservative Dolksp.)

Der neue Reichstag wird voraussichtlich 80 Abgeordnete mehr zählen, als der letzte. Es ist sicher, daß dadurch seine Arbeitsfähigkeit xiicht zunimmt. Ramentlich ist das Hauptziel Hugenbergs, eine Schaukelpolitik mit dem Zentrum als Mittelpunkt unmöglich zu machen, nicht erreicht. Mehrheiten lassen sich auch im neuen Reichstag nur mit Hilfe des Zen­trums erreichen.

Den Wahlkampf haben nicht diejenigen Par­teien gewonnen, die fachlich und aus vaterländi­schem Verantwortlichkeitsgefühl gehandelt haben. Die Erwartung, daß Hitler seine Gefolgsleute von der Linken holen und die marxistischen Parteien zerschlagen würde, hat sich nicht erfüllt. Dank Hugenbergs und Hitlers Arbeit ist die Mitte geschwächt. Es bleibt den bürgerlichen Mittel- und gemäßigten Rechts­parteien nichts anderes übrig, als für den fol­genden Wahlkampf schon jetzt einen vollständigen Zusammenschluß der Bürger- und Bauern­parteien herbei^usühren. Ein Zusammenschluß, be­stehend aus Deutscher Dolkspartei, Wirtschafts­partei, Landvolkpartei. Christlichem Dolksdienst. Konservativen, Deutschen Dauern und Deutsch- Hannoveranern sowie Aufwertungspartei könnte nahezu acht Millionen Stimmen vertreten. Das wäre also eine Partei von über 130 Abgeordne­ten. Schließlich, aber nicht zuletzt, ist zu be­tonen, daß die sozialistischen Par leien zusammengenommen, nämlich Sozialdemokraten (143), Kommunisten (76) und Rationalsozialisten (106) zusammen 325 Sitze haben, also für sozia­listische und sozialpolitische Experimente eine erdrückende Mehrheit. Kurz, auch dieser Hinweis zeigt, welch schwere Schuld diejenigen Parteien auf sich geladen haben, die den alten Reichstag vorzeitig gesprengt haben. Es hängt außerordentlich viel davon ab, welche Haltung d i e Rationalsozialisten im kommenden Reichstag einnehmen. Sollten sie, wie sie es bisher getan haben, in ihrem Radikalismus mit

Der Tramp erhob sich, kam auf Hutton zu und setzte sich gemächlich auf eine dieser Whischkisten neben den Eisenindustriellen: Ich werde Ihnen aus dem Traum helfen. In Pennsylvanien waren Sie damals Grubeningenieur, Mister Hutton, nicht wahr? Da kam ich eines Tages zu Ihnen und brachte einen Mann mit, der das Geben in den Kohlenseldem stud eren wollte. Sinclair hieß der Mann, Lipton Sinclair. Er soll mittlerweile, wie ich hörte, ein ganz bedeutender Schriftsteller geworden sein und ich ..."

Zounds! ! 1, entfuhr es Mac Hutton,der Herr, der damals mit Sinclair kam, war ja... dann sind Sie ja das ist nicht möglich ... Sie sind John Wa ...?"

Hadrian heiße ich feit zwanzig Jahren, Mister Hutton, und ich will an keinen anderen Ramen mehr erinnert werden. Hadrian nennen mich meine Freunde von der Landstraße und von der Pacisic-Küfte bis zum Atlantischen kennt jeder alte Tramp diesen Ramen."

Lind nun erfuhren wir die Geschichte dieses merkwürdigen Mannes.

Hadrian, wie ich ihn weiter nennen will, ent­stammte einer angesehenen Familie, deren Vor- sahren schon mit derMay Flower nach Amerika gekommen waren. Sein Dater war einer der bedeutendsten Kohlenbarone des Rordens ge­wesen und hatte ihm, außer Dutzenden von Der- waltungsratsstellen, auch ein selbst für ameri­kanische Verhältnisse achtunggebietendes Ver­mögen hinterlassen. Da trat das Weib in Ha­drians Leben. Eie war schon, jung und ver­gnügungssüchtig. Hadrian, ein stiller Träumer, lieh ihr vollkommen freie Hand, und so kam es zur Katastrophe. Als er Gewißheit hatte, daß sie ihn hundsgemein betrog, verließ er bei Rächt und Rebel das Haus, um nie wieder zu- rückzukehren. Was er am Leibe trug und einiges Kleingeld war sein ganzer Besitz. So wanderte er tage- und wochenlang, immer mit der Sonne. Das Wandern ließ ihn alle die bittern Gedanken ersticken. Er erfuhr nicht, daß seine Frau wegen böswilligen Derlassens die Scheidungsklage gegen ihn eingebracht hatte. Er erfuhr nicht, dah er entmündigt und feine Habe der treulosen Gattin zugesprochen worden war. Er wanderte immer weiter gegen Sonnenuntergang und sand dabei langsam sein inneres Gleichgewicht wieder

Lind so wurde Hadrian ein Tramp. Ein ganz gewöhnlicher, verachteter Tramp: aber er war glücklich wie nie zuvor. Er durchquerte als blin­der Passagier, yjmngings nennt man Liese

Mittwoch, 17. September 1950

den Kommunisten zusammengehen, dann bleibt nur eine Große Koalition übrig. Wollen sie jedoch verantwortungsbewußte, vaterländische und nationalpolitische Arbeit leisten, dann müssen sie ihr halb sozialistisches und halb nebelhaftes Par­teiprogramm a u f g c b c n und in wahrhaft konservativem Sinne arbeiten.

Rückblick und Ausblick.

Don Otto Schmidt, Hannover (Oeutschnationale Dolkspartei.)

Lieber allen parlamentarischen Kombinationen muß heute die Erkenntnis stehen, daß ein neuer Abschnitt der deutschen Revolutions­geschichte beginnt. Es wird in ihm Vielleicht we­niger mit Zahlen als mit Energien gerechnet werden müssen. Die Front gegen den OJoung- Bctrug ist in Fortsetzung unseres bisherigen, über die Enge der Parteigrenzen hinaus ge­tragenen Kamvses entscheidend verstärkt. Ju­gend drückt auf der ganzen Linie nach.

Die klar erkennbare Isolierung Frankreichs, die damit verbundene Llmgruvpierung der Welt­mächte, die gesteigerte Weltwirtschasts- und Kulturkrise, die zunehmende Zer'etzung des Der- failkr Systems haben größte außen­politische Möglichkeiten für Deutsch­land eröffnet. Eine Regierung, die heute noch zu erklären wagt, daß der außenpolitische Kurs keine Veränderung erfahren würde, zeigt, daß sie die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Die ang ft geborene Politik des Fort wur­st e l n s wird nur s.'hr kurzlebig sein, und in fortgesetzten Reichstagsauflösungen in Wahlen am laufenden Bande wird inzwischen die ge­samte Mitte ebenso wie die Sozialdemokratie ein Haar gefunden haben. Das ft ar le Anwach­sen der Rationalsozialisten, die von Dr. Hugen- berg vorausgesagte natürliche Reaktion gegen jahrelange staatliche Mißwirtschaft und verderb­liche Schwäche.

Schwere Krisenmonate stehen bevor. Sie kön­nen die Rotwende bringen, wenn sich über alle hemmenden organisatorischen Schranken hinweg diejenigen Kräfte zu großzügiger Zusammen­arbeit finden, die mit nationalrevvlutionärem Angriffsgeist politische Beherrschtheit und wirt­schaftspolitische Erfahrung verbinden. Die Schaf­fung einer solchen Arbeitsfront ist das drängende Gebot der Stunde.

172 000 M. Lleberschreitungen beim Marburger Hallenschwimmbadbau.

3 C Marburg, 12. Sept. In der heutigen ersten Sitzung der Stadtverordneten nach den Sommerferien lag u. a. ein Antrag des Magi­strats zur Deckung von 172000 Mark für das neue Hallenschwimmbad vor, um welche der Betrag der veranschlagten Bau­summe von 750 000 Mk. überschritten worden ist. Als Deckung hatte man bereits früher be­willigte Beträge vorgesehen, und zwar die zum Bau einer Berufsschule vorgesehenen 108 000 Mark, 59 000 Mk., für die städtische Wohnun­gen gebaut werden sollten, und 5000 Mk. aus Anleiheersparnissen. Aus LIniversitätskreisen ist weiterhin eine Schenkung von 13000 Mk. für das Bad gemacht worden. Es entspann sich eine erregte Aussprache, nach der der Magistrats­antrag mit dem Zusatz angenommen wurde, daß die für die Berufsschule vorgesehenen 108 000 Mark beim Akutwerden der Schulbaufrage wie­der beschafft werden sollen. Der Magistrat hat u. a. die Lleberschreitungen mit zu niedrig aus­gefallenen vorherigen Schätzungen, Frostschäden während des Baues im Winter 1928 29 und anfänglich nicht vorgesehenen Verbesserungen während des Bauens begründet.

Daten für Donnerstag, 18. Leptember.

1426: Der Maler H. van Eyck in Gent gestor­ben: 1786: Der Dichter I. Kerner in Lud­wigsburg geboten; 1806: Der Schriftsteller Heinrich Laube in Sprottau geboten.

Ttampgewohnheit, den amerikanischen Kontinent kreuz und quer. Sprang heute in Kalifornien auf einen Güterzug, um ihn in einer Woche in Kanada wieder zu vetlafsen. Immer in Gefahr, unter die Räder zu kommen oder vom Bahn- Personal heruntergeworfen zu werden. Zwanzig Iahte hindurch! Aber er wat restlos glücklich. Rahtung bekam er ausreichend von den Far­mern, die es zufrieden sind, hin und wieder von dem Getriebe der großen Welt erzählen zu Horen. Diesbezüglich braucht fein amerikanischer Vaga­bund ernstliche Sorgen zu haben. Manchmal arbeitet er auch, aber nie länger als zwei Tage, am selben Ort. Das ist oberstes Trampgebot.

Aber das ist ja furchtbar", entsetzte sich Mac Hutton, nachdem Hadrian geendet halte.Da muß sofort etwas geschehen. Ich werde Ihnen gleich morgen eine Anstellung vetscha..."

Lim Gotteswillen, sind Sie toll oder wollen Sie meinen Tod? Wenn Sie durchaus den Wohl­täter spielen wollen, dann bestellen Sie noch so ein Teufelsgetränk", schrie lachend der alte Va­gant. Lind indem er den zottigen Kopf seines Hundes zart kraulte, sagte er zu diesem:Was würden wir beide wohl mit einer Anstellung an­fangen, alter Pompejus? Ja, wenn die Sonne nicht wäre ..." Dann wieder zu uns:Sehen Sie, meine Herrn, dieses Hundevieh läuft mir nun schon zwei Jahre nach. Seit zwei Jahren kann ich wegen diesem Biest keine Jumpings mehr machen, weil ich fürchten muß, dieser Tolpatsch kommt mir unter die Räder. Aber was soll ich mit dem Strolch tun?"

Da sah Pompejus mit den klugen braunen Hundeaugen vorwurfsvoll auf seinen Herrn, als wollte er sagen: Vater: Hund, Mutter: Hund, wie also hätte aus mir ein Gott werden 'ollen...

Hochschulnachrichten.

Der dem Diplomhandelslehrer Dr. Fr. Feld in F r a n k f u r t a. M. erteilte Lehrauftrag zur Vertretung der Handelsschulpädagogik und der Handelsschulmethodik in der wirtschasts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der dortigen Llni- versität ist wegen der Berufung Dr. Felds an die Handelshochschule Berlin zurückgezogen worden.

Der Landgerichtspräsident Dr. Alexander Bergmann in Wiesbaden ist beauftragt worden, in der rechtsw.ssenschaftlichen Fakultät der Llniversitäl Frankfurt a. M. das Bürger­liche und Internatwnale Privalrecht in Vt>r- lefungen und, .Hebungen zu vertreten.