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ist dauernd von einer Menge Schaulustiger über­füllt. An bestimmten, für die Besichtigung frei­gegebenen Tagen sind unsere Schiffe voll von Spaniern, die grohes Interesse zeigen und für deutsche Art viel Sinn haben. An Land finden die Seeleute herzliche Aufnahme, teils bei den wenigen Deutschen, die hier wohnen, zum Teil «aber auch bei den Einheimischen. Wenn auch die Verständigung sehr erschwert ist, so ist sie doch nicht unmöglich. Sehr spaßig ist manchmal eine solche Untergattung anzusehen, die nicht nur mit einigen Brocken Englisch, Französisch oder Spanisch, vermischt mit deutschem Grundtext, son­dern auch mit Händen und Füßen geführt wird.

3m Palmenhain von Elche.

Das Sehenswerteste dieser Gegend ist der Pal­menhain von Elche. Elche ist ein kleiner Ort südlich von Alicante, im Innern des Lan­des gelegen. Cs ist dies der nördlichste Punkt dcr Erde, wo Dattelpalmen in großen Mengen wachsen. Die Bevölkerung hat diesen unendlich weiten Palmenhain sich nutzbar gemacht und in viele kleine Distrikte eingeteilt, welche persön­liches Eigentum geworden sind. Dadurch wird eine rationelle Bewirtschaftung erzielt, von der die Leute gut leben können. Elche selbst macht noch einen typisch maurischen Eindruck. Die lange Maurenherrschaft hat hier dem Baustil noch bis in die heutige Zeit ihren Stempel aufgedruckt. Von der Trockenheit des Landes kündet ein gro­ßes, ausgettocknetcs Flußbett. Die Straßen sind, sobald sich ein Windstoß erhebt, von einer dün­nen Sandschicht überdeckt.

In einem der schönsten Palmengärten machen wir Halt. Eine jede Palme trägt ihren Va­rn en, über jede wird genau Buch geführt. Auf kleinen Pfaden, die von künstlich bezogenen Pal­mendächern überdeckt sind, kann man stunden­lang wandeln. Die Palmen werden, sowie sie et­was älter sind, ihrer unteren Blätter beraubt, damit sich die ganze Kraft auf die Kronen über­tragen kann. Die langen, von ihren Zweigen entblößten Stämme reizen natürlich den See­mann zum Entern, und es ist kein seltenes Bild, Daß man deutsche Mattosen an dem Palmen­stamm wie an einem Topp eines Schiffes auf­entern sieht. Abends bringen von der spanischen Eisenbahn eingelegte Sonderzüge dann die deut­schen Ausflügler wieder an Bord, wo sie mit langen Palmwedeln, Strohhüten oder ähnlichen Andenken an die Eigenart des Landes wieder ein treffen.

In der Stadt Alicante selbst ist jetzt am Tage wenig Betrieb, wir befinden uns ja mitten in der Santa Semana" (der heiligen Woche), den höch­sten Festtagen des Landes. Vur abends wacht die Stadt auf; große Prozessionen, deren Vorbei- zug mehrere Stunden dauert, bewegen sich un­ter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung durch die Stadt. Schon lange vorher, bevor die Pro­zession durch eine Straße kommt, sitzen Frauen auf Stühlen oder Bänken dicht nebeneinander vor ihren Türen, um beim Vahen des Aller heiligsten ehrfurchtsvoll in die Knie zu sinken.

Gtierkampf in Murcia.

Am Ostersonntag ist eine Abordnung der bei­den Linienschiffe nach Murcia zum Stierkampf eir^jelaben. Durch eine typisch spanische Land­schaft von Oliven und Apfelsinenbau, deren frisches Grün auf die Vähe eines Flusses schließen läßt, bringt ein Sonderzug 700 deutsche Seeleute zu einer Stadt, die noch weit mehr als Elche sich den maurischen Charakter bewahrt hat. Hier steht alles im Zeichen des heute zum ersten Male wieder stattfindenden Stierkampfes. Mit klingen- Idem Spiel rücken die Deutschen durch die Stra­ßen der Stadt, von der Bevölkerung überall aufs lebhafteste begrüßt. Beim Einmarsch in die Placa de Toros (Stierkampfarena) steigert sich dieser Beifall, der seinen Höhepunkt erreicht, als die deutsche Abordnung unter Sttllstehen die spa-

Konstanz«.

Romern von Karl Heinz Voigt.

Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau.

14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Konstanze thronte in der Mitte der Tafel neben Kurt Helbing. Rechts von ihr sah ein junger Komponist, ein vielversprechendes Genie. Leider hatte er bei der Presse noch nicht viel Anerken­nung gefunden. Kurt rühmte seine Fähigkeiten und fang wahre Lobeshymnen über feine Kompo­sitionen, so daß schließlich der junge Mensch mit dem genialen blonden Haarschopf errötete. Dieser junge Musiker war ein bescheidener Mann und sehr wortkarg. Er schielte Konstanze nur ab und zu von der Seite an.

Von sämtlichen anwesenden Mannern wurde dieser junge Komponist beneidet. Er durfte an Konstanzes Seite sitzen.

Konstanze bildete den Mittelpunkt. Das merkte sie und es verwirrte sie. Sie fühlte sich nicht heimisch in diesem Kreis. Aach Tisch wurde ge­tanzt.

Diese Zigeunerkapelle entdeckte ich in einem kleinen Restaurant an der Isar. Es ist die beste Kapelle der ganzen Umgebung, sagte Kurt Hel­bing zu Konstanze, mit der er sich in langsamen Schritten nach dem Takt dieser lärmenden Musik bewegte.Sie müssen dieses Lokal kennenlernen, rief er mit Lebhaftigkeit,es ist idyllisch und ganz einsam gelegen. Wir wollen einmal dort­hin gehen. Es gibt da einen herrlichen Tiroler Landwein.

Die Kapelle hörte auf zu spielen. Wie üblich, blieben die Paare stehen und klatschten. Die Musiker begannen dasselbe Stück von neuem und schon klangen wieder die schlürfenden Schritte der Tanzenden.

Wie töricht ist dies alles, dachte Konstanze. »Ja, wenn man tanzen könnte, bis man hinstürzt und alles zu Ende ist!"

Ein paar Bildhauer umringten sie nach dem Tanz. Der eine von ihnen, em großer Mensch mit tadelloser Figur, bat Konstanze um den nächsten Charleston.

Ich bin hier zum Tanz, empfand sie.Man mußte tanzen, das war hier Pflicht."

Aber auch die Damen warben scheinheilig um ihre Gunst. Man wollte es nicht verderben mit Kurt Helbing, dem reichen Lebemann. Das war das ganze Geheimnis.

Konstanze widerten diese Frauen an. Sie rochen wie gesalbte Mumien nach allen Parfüms Ara­biens. Ihre Schönheit war korrigiert.Wozu malen sich diese Frauen die Lippen und wozu pudern sie das Gesicht? fragte sich Konstanze.

nische Ration durch ihre Oandeshymne grüßt. Eine spanische Militärkapelle erwidert mit dem Spielen des Deutschlandliedes.

Die Arena hat sich inzwischen gefüllt, fast 15 000 Zuschauer sind erschienen, um dieses Aa- tionalspiel sich anzuschauen. In den obersten Logen des Balkons haben die vornehmen Spa­nierinnen Platz genommen. Die weit über die Brüstung heruntergehängten Matons (Tücher) von wunderbarer Farbenpracht und wertvollster Stickerei geben dem Ganzen einen äußerst stil­vollen Rahmen. In besonderen Ehrenlogen haben der Alkade (Bürgermeister) von Murcia und der deutsche Admiral mit Gefolge Platz genommen. Aw ein Signal beginnt der Stierkampf Es geht zwar etwas blutig zu; doch bei weitem sind nicht mehr so viele Pferde unter den Opfern des Stieres, da sie jetzt durch einen Panzer gut ge­schützt sind. Besonders erwähnenswert ist, daß drei von den Stieren durch die Matadore der deutschen Abordnung persönlich gewidmet wur­den, und daß letzterer nachher der Schwanz ober ein Ohr des getöteten Stieres aus Auf­merksamkeit überreicht wurden. Mit dem Aus- marsch der deutschen Abordnung schloß die Ver­anstaltung.

Ich hatte hier Gelegenheit, einen typisch-spani­schen Abendbummel kennenzulemen, neben den unser deutscher kaum bestehen kann. Jung und alt füllt die engen Straßen in der Abendzeit, daß ein Verkehr mit Fahrzeugen überhaupt nicht in Frage kommt. Dafür gibt es in Murcia einen so­genannten Autobummel. Auf einer großen Schleife, die quer durch die Anlagen führt, und die zu beiden Seiten von Holzterrasfen eingefaßt ist, schiebt sich eine lange Kette von Automo­bilen dicht hintereinander her. In jedem dieser Wagen sitzen die hübschen Spanierinnen in ihrer Aationalttacht, mit ihrem Kopfschmuck und den schönen großen, seidenen Tüchern.Blumen- fchlacht wird eine solche Rundfahrt genannt. Den schönsten vorbeifahrenden Damen werden nämlich von den Zuschauern Blumen zugeworfen.

Am Ostermontag finden auf Einladung der Spanier in Alicante Fußballspiele der Schiffs­mannschaften mit einheimischen Gegnern statt. Wer die Seele der Spanier kennt, weiß, daß diese mit ihrer ganzen südländischen Begeiste­rung bei einem solchen Spiel sind. Aach den offiziellen Begrüßungen und Lieberreichung von Andenken finden dann zwei lebhafte Kämpfe statt, von denen dieHessen ihren gewinnen, die Schlesien dagegen verlieren sollte.

An den restlichen Tagen machen die Urlauber der Freiwache Einzelausflüge mit und ohne ein­heimische Begleitung in die Berggegend; Ge­birgsdörfer, die ganz auf hohen steinigen Berg­kuppen aufgebaut sind, regen zur Bewunderung an. Wild zerklüftete, jedoch ausgetrocknete Fluh­täler erzählen von der Wasserarmut des Landes. Am Strand wird zum ersten Male hier in 17 Grad Celsius warmem Wasser gebadet, wäh­rend dahcim noch alles unter den Frühlings­stürmen ächzt und nur mit Schaudern an ein Bad in kalten Fluten denkt.

Mit Kurs auf Neapel.

Gar zu schnell sind die Tage im gastlichen Spanien vergangen. Wir müssen scheiden, denn unser Reiseplan sieht wiederum eine Woche von Seetagen vor, in denen der eben durch die vielen Feiertage etwas zu kurz gekommene Dienst wieder zu seinem Recht kommen soll. Dank­baren Herzens für die Gastfreundlichkeit im schönen Spanien scheiden wir von Alicante. Aördlich führt uns der Kurs, bis wir mit den anderen Teilen der Flotte, die Valencia bzw. Almeria besucht haben, wieder zusammentteffen. Dann wird Westkurs aufgenommen, und unter steten Hebungen sowohl für das einzelne Schiff wie für den ganzen Flottenverband nähern wir uns Italien. Ruhig ist das tiefblaue Meer, kein Wölkchen am Himmel vermag der Sonne Strahlen zu hemmen, die unbarmherzig jetzt auf

uns herniederbrennen. Anzugserleichterungen und möglichst viel Durchzug wird im ganzen Schiff geschaffen. Da noch genügend Zeit bis zum Ein­laufen in unseren nächsten Hafen, Palermo, ist, beschließt der Flottenchef, etwas nördlicher zu halten und am Golf von Aeapel vorbeizu­steuern. Leider glückt es uns nicht, den Vesuv in seiner vollen landschaftlichen Schönheit zu sehen. Wir stehen zu weit ab und müssen uns mit seinem in Wolken verhangenen Gipfel be­gnügen. An der Insel Capri vorbei, die sich uns im schönsten Sonnenschein darbietet, geht unser Kurs südlich an der Küste Italiens ent­lang zum Stromboli, den wir abends er­reichen. Dieser ist einer der wenigen dauernd tätigen Vulkane. Eben, während ich diese Zeilen schreibe, passieren wir ihn an Backbord, ileberall auf dem Schiff, auf der Back, auf der Brücke, auf der Schanze und bis oben in den Masten hat sich die schaulustige Besatzung zusammenge­funden. Es ist ja auch ein wunderbares Bild, das man hier schaut. Ein prächtig klarer Sternen­

himmel über unS, an der Seite die dunklen Llmrisse eines hohen Berges, der unten nur ver­einzelte Lichter zeigt, der oben jedoch gewisser­maßen als Krönung eine leuchtende Fackel trägt, die sich weithin auf dem Meere widerspiegelt. In kurzen Abständen verdunkelt sich der Feuer­schein dort oben in der Höhe etwas, um kurz darauf zu einer Feuerwolke auszuwachsen die mit ungeheurer Wucht eine Säule von Feuer und Funken aussprüht, die sich langsam nach unten in einen Feuerregen ergießt und deren größte Stücke noch weiterhin sichtbar als kleine feurige Punkte den Berg herniederrollen. Immer und immer wieder bietet sich dasselbe Schau­spiel. Schwer wird es einem, sich hiervon zu trennen, überwältigt von der Gewalt und Gröhe der Aatur.

Morgen früh laufen wir in Pal^rmo ein, um hier und in Syrakus Sizilien k?nnenzu- lernen. Danach besuchen wir als erstes deutsches Kriegsschiff nach dem Kriege Venedig, von wo ich das nächstemal berichten werde.

Ser Gießener Voranschlag für 1930.

I.

Im Gegensatz zu dem bisherigen Brauch, daß die Stadtverwaltung von sich aus den Haus­haltsvoranschlag fertigstellt, dieser dann als Vorlage der Verwaltung an den Stadtrat kommt, hierauf dem Finanzausschuß zur Durchberatung überwiesen wird und schließlich mit den ent­sprechenden Aenderungen an den Stadtrat zur endgültigen Entscheidung zurückgelangt, ist die Stadtverwaltung bei dem Haushaltsvor­anschlag für 1 9 30 einen neuen Weg gegan­gen. Sie hat die Voranschläge der einzelnen Verwaltungszweige aufgestellt und diese Teil­stücke des Gesamthaushaltsplanes zunächst durch die zuständigen Stadtrats-Kommissionen und zum Schluß durch den Finanzausschuß beraten lassen, ehe der Voranschlag überhaupt an das Stadttats­plenum gelangte. Der Zweck dieses Vorgehens war, die Mitglieder des Stadttates und insbeson­dere den Finanzausschuß stärker als bisher an der Vorarbeit zu beteiligen und ihnen dadurch die Möglichkeit zu bieten, Wünsche und Abänderun­gen noch vor der abschließenden Drucklegung des Haushaltsplanes geltend machen zu können. Da­neben sollte den Stadtratsmitgliedern Gelegen­heit gegeben werden, ihrerseits den bei Öen früheren Voranschlagsberatungen bekundeten Wil­len zu verstärkter Sparsamkeit in der städtischen Wirtschaft in die Tat umzusehen. Der neue Weg der Doranschlagsausarbeitung mag hinsichtlich der fettigeren Einschaltung der Stadtratsmitglieder m die gestaltende Arbeit im großen und ganzen befriedigende Ergebnisse gebracht haben, schneller als in früheren Jahren ist die Arbeit aber auch nicht gerade vonstatten gegangen, und hinsichtlich der erhofften stärkeren Sparsamkeit sind gewiß nicht alle Erwartungen erfüllt worden. Die letzt­genannte Tatsache ist nicht überraschend, da ja leider der weitaus größte Teil der Ausgaben zwangsläufig durch die Auswirkungen der Reichs- gesetzgebung festgelegt ist und sich mithin einer totalen Einwirkung im großen und ganzen ent­zieht. Dazu kommt noch, daß man bei den von hier aus zu bestinnnenden Voranschlagsteilen nicht übersehen darf, welche Rückwirkungen ein allzu scharfes Bremsen der städtischen Betätigung auf die heimische Wirtschaft, insbesondere auf das Handwerk und Gewerbe, bringt. Erfahrun­gen nach dieser Richtung hin haben wir ja leider im verflossenen Jahre und noch bis zum heutigen Tage zur Genüge machen können.

Aach wochenlangen Verhandlungen und sorgen­vollen Lieberlegungen hat nun der Finanz­ausschuß des Stadttates am vorigen Montag den Haushaltsvoranschlag für 1930 verabschie­det. Die Stadtverwaltung hat den Etatentwurf in den letzten Tagen dem Stadttat zugeleitet, der

sich am kommenden Dienstag damit beschäftigen soll. Der Voranschlag schließt, wie wir am Don­nerstag schon berichteten, in der Gesamt­summe mit einer Einnahme und Ausgabe von je 7 773 885,90 Mk. gegen 8 643 211,57 Mk. im Vorjahre ab. Davon entfallen auf die Be­triebsrechnung in Einnahme und Aus­gabe je 6 331 610,37 Mk. gegen 5 622 644,38 Mk. im Jahre 1929, auf die Vermögensrech­nung 1 442 275,53 Mk. gegen 3 020 567,19 Mk. im Jahre vorher. Wenn es auch gelungen ist, den Gesamtvoranschlag um die ansehnliche Summe von 869 325,67 Mk. yu senken, so darf man doch die Tatsache nicht übersehen, daß die Verringe­rung vor allem auf die Vermögensrechnung, . h. auf die Schaffung neuer Anlagen und Werte mit entsprechender Arbeitsmöglichkeit für öie heimischen Wirtschaftskreise entfällt, während die Detriebsrechnung die beachtenswerte Steige­rung um 708 965,99 Mk. aufweist. Daß der Finanzausschuß, in dem die führenden Männer der verschiedenen Stadtratsfraktionen sitzen, die­ser Steigerung der Detriebsrechnung zugestimmt hat, beweist die Richtigkeit der bisherigen Hin­weise der Stadtverwaltung auf die zwangsläu­fige Gebundenheit des größten Teiles unserer städtischen Ausgaben.

Soweit wir in den paar Tagen der Vor­anschlag mit den entsprechenden Unterlagen ging uns wie auch den Stadtratsmitgliedern erst am Mittwochabend zu der Prüfung des Ent­wurfs feststellen konnten, ist der neue Haushalts­plan ganz außerordentlich stark an­gespannt. Der Finanzausschuß hatte für einen Fehlbetrag von 402 000 Mark Deckung zu be­schaffen, nachdem u. a. eine zunächst ins Auge gefaßte Erhöhung des Wassergeldes abgelehnt worden war und der Ertrag aus unseren Wal­dungen infolge der stark gesunkenen Holzpreise und der ungünstigen Derkaufslage auf dem Holz­markte eine wesentliche Verringerung gegenüber dem Vorjahre erfahren wird. Zur Erzielung des Ausgleichs hat sich der Finanzausschuß auf eine Reihe von Maßnahmen geeinigt, die in einem Antrag an den Stadtrat formuliert sind und voraussichtlich auch die Zustimmung der Stadtratsmehrheit finden werden. Der Ausgleich in der Rechnung ist durch die Finanzausschuß- beschlüsse zwar erzielt worden, wie sich aber an­gesichts der schlechten Wirtschaftslage, für die eine Besserung heute leider noch nicht zu be­merken ist, das Ergebnis des rechnungsmäßigen Ausgleiches in der Praxis stellen wird, ver­mag zur Zeit niemand auch nur einigermaßen zuverlässig zu beurteilen. Wir sind überzeugt davon, daß die Stadtverwaltung und der Fi­nanzausschuß mit größter Gewissenhaftigkeit und peinlichster Vorsicht gearbeitet haben, aber wir

War es nicht ganz gleich, ob man eher ober später alt wurde und verfiel? Bei einem Mannequin wollte sie sogar heimlich wetten, daß er sich die Aase hatte künstlich korrigieren lassen, bei Professor Verbot in Paris vielleicht oder sonstwo in der Welt. Wenn man genau hinsah, konnte man die Paraffinfüllung erkennen, so raf­finiert sie auch mit Puder und Schminke ver­deckt war.

Konstanze kam sich wie in einem Wachsfiguren­kabinett vor. Was war hier eigentlich? War dieses Bild hier ein Ausschnitt aus dem Gemälde unserer Zeit?

Ein Herr mit riesiger blonder Mähne, der hohen Stirn eines Beethoven und den zarten Händen eines Geistesarbeiters setzte sich jetzt an Öen Flügel und präluöierte in leichten Akkorden.

Man bat eine junge Sängerin, derer Formen bereits die Aeigung zu künftiger Fülle zeigten, um einige Gesangsdarbietungen. Sie weigerte sich wie alle großen Künstlerinnen energisch. Sie deutete auf ihren Hals, schüttelte den Kopf, räusperte sich und winkte entschieden ab.

Da lief plötzlich ein Raunen durch öie Gesell­schaft. Die meisten Blicke toanöten sich Konstanze zu und schon wurde sie aufgefordert, zu singen. Man hätte erfahren, sie besäße eine geschulte Altstimme. Man bat sie eindringlich. Schließlich schritt sie zum Flügel, besprach sich mit dem blon­den Musiker.: der öie Stirne Beethovens besaß, unö begann.

Sie fang ein rührend einfaches Volkslied. Ein Lied von Liebe und Leid.

Während ihres Vortrages fühlte sie die Blicke der Männer auf sich. Ein Augenpaar aber ver­brannte sie besonders heiß. Es waren die Augen Helbings.

Als sie geendet hatte, küßte er ihr die Hand. Seine Augen waren kalt und öie Hand war feucht und krank. Seine Augen aber schimmerten in einer wollüstigen grausamen Farbe, in einer ver­langenden Farbe und waren voll von Begierde.

Alles klatschte.Ich hätte nicht fingen sollen", dachte sie, und ihre Wangen brannten.

Ihr Blut stürmte. Sie war wie berauscht. Sie trank ein Sektglas leer. Bald ertönten wieder die Iazzklänge der Zigeunerkapelle aus dem klei­nen Lokal an der Isar, wo es einen guten Tiroler Landwein zu trinken gab.

Konstanze stürzte sich ganz hinein in diesen Rausch von Musik, Duft und Licht. Wie blen­deten öie eleganten, am Rücken tief ausgeschnit­tenen Roben der Damen! Wie einfach war da­gegen Konstanzes Toilette! Wie gut aber passend doch zu ihrer ganzen schlichten, rührenden Schön­heit!

_ Ein älterer Herr tanzte mit Konstanze. Er lächelte sie stereotyp an unö seine Blicke hingen an ihrem Mund. Er wartete auf die Antworten, die sie auf feine törichten Bemerkungen geben

werde. Konstanze aber schwieg. Auch dieser Sana war ja einmal zu Ende, nicht wahr?

Während sie ihren schlastken Körper im Schrei­ten zu dieser sinnlos-tollen Musik wiegte und ihre Blicke über öie Zusehenden schweifen ließ, war es ihr plötzlich, als stocke ihr Blut. Zwischen diesen fremden, blasierten oder genialen Ge­sichtern tauchte plötzlich ein bekannter Kopf auf. Rein mechanisch nahm sie das wahr. Da wurden ihre Augen hypnotisiert. Dort stand ein großer, breitschulteriger Mann an der Tür im Gespräch mit Kurt Helbing. Ihre Augen saugten sich förm­lich fest an diesem Manne. Dieses etwas blasse, aber nicht krankhaft wirkende Gesicht war ein Magnet.

Sekundenlang tauchten huschende Erinnerungen auf. Ein üppig blühendes Beet roten Mohnes Sommerlust. Es roch nach Heu und frischge- mähten Wiesen. Irgendwoher klang das Den­geln einer Sense. Eine Lerche jubelte. Die Bilder versanken, andere tarnen. Wie Schemen huschten sie vorüber: Winterliche Stürme brau­sten Schneelandschoften machten Wettlauf mit einem klirrenden Schlittengespann. Vorbei! Vorbei! Die Gegenwart regierte. Ohne Zwei­fel: Dieser Mann war Peter Llhlstädt.

Ihr Tänzer machte eine Bemerkung. Sie ant­wortete mit weißen Lippen. Ein Schwindel über­kam Konstanze. Was für Phantasmagorien wurden ihr hier vorgegaukelt? Hatte sie der Wein berauscht? Sie wandte den Blick nicht von dem Manne dort neben Helbing. Wie hatte sie ihn, gerade ihn plötzlich aus diesen Men­schen allen erkennen können? Vielleicht war er ihr dadurch aufgefallen, daß er nicht in Ge­sellschaftstoilette war. Mit elegantem Sttahen- anzug war er bekleidet. Er trug sogar den Hut in der Hand.

Endlich war der Tanz beendet. Wieder kam das unbegreifliche Klatschen. Wieder begann die Mu­sik. Wieder preßte ihr Tänzer Konstanze an sich. Er schien wohl nicht zu merken, daß sie dem Tanze keinerlei Aufmerksamkeit schenkte.

Der Schemen dort neben Helbing redete auf ihn ein. Er schien zu bitten. Ein verzerrter Zug lag um den Mund des Schemen. Das konnte Kon­stanze erkennen. Helbing zuckte einige Male mit den Achseln, schien zu widersprechen. Plötzlich drehte sich der Schemen um und ging zur Tür hinaus. Diese Bewegung kannte Konstanze. Sie wußte, das war Peter Llhlstädt.

Hatte dieser $anx Stunden gedauert?Endlich war er zu Ende. Konstanze fühlte sich elenb unö unsicher. Eine unerträgliche Begierde, über Peter Llhlstädt Näheres zu erfahren, quälte sie unö riß mit eisernen Zangen an ihr. Aber sie schwieg.

Die Stunden rückten vor. Konstante fühlte Ekel und Abscheu. Sie wollte nach Hause.

Endlich fuhr das Auto vor. Sie kroch fröstelnd in den Wagen.

Man müßte fo dahinfahren können, immer, immer, ohne Zweck und Ziel, rasend um die ganze Welt und wieder zurück und immer von neuem, immer von neuem, empfand sie bitter und dumpf.

Da hörte sie Kurts Stimme an ihrem Ohr. Sie erschrak fast. Sie hatte sich so gewünscht, allein zu fein, daß sie wirklich glaubte, sie wäre es.

Er sprach über die verflossenen Stunden mit einer scheuen Llnterwürfigkeit. Sie sah zum Fen­ster des Autos hinaus.Rur nach Hause!" dachte sie wunschlos. Ihre Gedanken waren bei dem rätselhaften Schemen. Da schrak sie zusam­men. Kurt Helbing hatte ihre Hand ergriffen. Er beugte sich nieder unö küßte ihre Finger. Wil­lenlos überließ sie ihm ihre Hand.

Frau Konstanze", sagte er enöllch unö es war das erstemal, öatz er ölesen Rainen nannte. Ich kenne Ihr Schicksal nicht, unö weiß nicht, ob Ihre Liebe einem Manne gehört ... Er sprach nicht weiter. Sie hörte seinen Atem, öer schwer unö krank aus öer Brust kam. Da sah sie ihn an. Sie erkannte den glühenden Blick eines liebehungrigen Menschen in seinen großen Augen.

Sie schüttelte den Kopf:Ich liebe nicht."

Er preßte seinen glühenden Mund auf ihre Hand. Es war Cis und Feuer zugleich. Tod und Liebe, Liebe und Tod.

Ich liebe Sie von Anfang an, da ich Sie sah."

Sie blickte ihn lange an unö blieb stumm. End­lich sagte sie:

Sie sollten mir niemals von Liebe sprechen, Herr Helbing.

Das Auto hielt. Mit leicht bebenden Knien stieg Konstanze neben ihm öie Stufen hinauf. Du muht ihn fragen", verlangte es gebieterisch in ihrem Innersten. Sie bezwang sich ruhig zu bleiben. Aber ihre Stimme flackerte, als sie vor­sichtig fragte:

Wer war eigentlich der Herr, der noch in vor­gerückter Stunde kam? Ich sah ihn dann nicht mehr."

Meinen Sie Peter Llhlstädt? Er ist mein bester Freund. Ich bin ihm ehrlich zugetan.

Warum hatten Sie ihn nicht eingeladen?

Er stutzte und sah sie verwundert an. Dann antwortete er leise und bedauernd, aber scheinbar schon wieder mit anderen Gedanken beschäftigt:

Er kommt nie. Er ist ein unglücklicher Mensch.

Äurt Helbing konnte in dem dunklen Korri­dor nicht erkennen, daß Konstanze blaß gewor­den war tote eine Leiche. Sie merkte, daß Hel­bing witterte, als sie ihm Öie Hand gab.Er ist ein todkranker Mann", dachte Konstanze und emp­fand heftiges Mitleid mit diesem Menschen.

(Fortsetzung folgt.)

Angesichts öer be etabtrdt «scheint e Weit über ben U Fürsorge des ftäbt' richten, 3n den nc Wicklung dieser nungsfohr bis zum Mr erhalten hierü sm Anfrage folget

Äin l April 1921 Rechnungsjahres, i Fürsorge unterff gerljinletbliebene: 3- zialrentner: 513 Pai ner: 255 Parteien, Parteien, 780 Perso 1050 Parteien, 19Sf hierzu ist zu jag sicher zürsorge iold terstützungsempsäng twstebarf (Borge!! geuzte Zeit äugest

Mit diesen 1986 3 1929 - 5,1 v.h 1 Stadt Tietzen (rui fenber offene

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