Ausgabe 
17.4.1930
 
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Nk. 91 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Oberheffen.

Kreistag in Büd ngen.

| !8 ü bi n g e n , 16. April. Als erster Punkt der heutigen Sitzung des Kreistages für den Kreis Büdingen wurde die Diensteinfiihrung und Berpflichlung der neuen Kreistagsmit- o l i« d e r Landwirt W. K. M ö r f ch e l (Altenstadt). Landwirt Gustav Lind (Gciß.Ridda) und Schuh, machermeister Zahn (Ortenberg), die an Stelle der in den Kreisausfchuh gewählten Mitglieder Land­wirt Wolf (Effolderbach). Lltbürgenneister M ä fer (Wolf) und Techniker Schweikher (Orten» berg) getreten waren, vorgenommen.

Hiernach wurde die durch zwei Kreisausschuß. Mitglieder vorgeprüfte Rechnung der Kreis» kaffe fowie des Kreiskinderheims Din» g c n h e i m für 1928 Rj., vorbehaltlich der Prüfung durch die Oberrechnungskammer genehmigt und dem Kreiskafferechner Entlastung erteilt. Ebenso wurde der vom Vorsitzenden vorgetragenc Rechenschafts­bericht für 1928 Rj. gebilligt und die Kreditüber- schreitungen in Höhe von 39 439,03 Mark geneh­migt.

Es wurde nun in die Beratung des Voran­schlags des Kreises Büdingen für Rj. 1930 nebst den Sonderooranschlägen für das Kreis­wohlfahrtsamt und das Kreisjugendamt sowie des Kreiskinderheims Bingenheim cingetreten. Der Vor­anschlag, der in Teil 1Für den Betrieb" in Ein­nahme und Ausgabe mit 530 531 Mark (gegenüber dem Vorjahre mit 493 700 Mark) und in Teil 2 Für das Vermögen" mit 70 301,76 Mark (gegen­über dem Vorjahre mit 17 919,46 Mark) abschließt, wurde genehmigt. In Kapitel 6, Titel 4Boden­kultur" wurde auf Antrag des Kreisausschußmit­glieds H i l d n c r und des Kreistagsmitglieds Wolf für Zinsverbilliaung an Feldbereinigungen der Betrag von 4000 Mark zu Lasten des baren Betrieb skapltals zugesetzt.

Infolge des günstigen Rechnungsabschlusses im Rj. 1928 konnte die Umlage für 1930 Rj. um 15 000 Mark gesenkt werden. Die errechneten Steuerausschlagssätze für die endgültigen Kreis- steuern 1929 Rj. sowie für die vorläufigen Kreis- steuern 1930 Rj. wurden einstimmia angenommen.

Aus Vorschlag des Kreisausschusses wurden zu Mitgliedern der Kreiskörkommission ge- wählt: Bürgermeister Krug (Heuchelheim), Beige- ordneter Kraft (Bleichenbach), Bürgermeister I a - k o b i (Rohrbach). Zu Stellvertretern wurden be­stimmt: August Muller I. (Berstadt), Beigeord- ncter Hopp (Wenings) und Direktor Dr. Hel­fe r t (Nidda). Die seitherigen Mitglieder des Kura­toriums des Kreiskinderheims Bingenheim wurden einstimmig wiedergewählt.

Sitzung des Stadtvorstandes Lauterbach.

^Lauterbach, 12. April. In der letzten öffent­lichen Sitzung des Stadtvorstanoes stand als erster Punkt die Fleischbeschau im Schlachthaus zu Lauterbach auf der Tagesordnung. Nach Qlnorönung des Ministe­riums des Innern muh in Zukunft die Fleisch­beschau im Schlachthaus in Lauterbach durch einen ^Tierarzt ausgeübt werden. Als Fleisch» beschauer wurde bereits Tierarzt Dr. F r i e - d e l bestellt, der für seine seitherige Tätigkeit 50 Proz. der Gruppe 2d als Vergütung erhielt. Nachdem nun Dr. Friedel die gesamte Fleisch­beschau ausübt, soll er mit Wirkung vom 1. Fe­bruar d. I. eine Vergütung von 70 Proz. der Gruppe 2 d erhalten. Außerdem werden ihm jährlich 14 Tage Urlaub zugesprochen und in Krankheitsfällen der Gehalt auf die Dauer von vier Wochen.

Fabrikant Kurt Wegener in Dlihenrod, als Vormund der Freifrau Therese N i e d e s e l zu

Die gefiederte Schlange.

Vornan von Edgar Wallace.

28 Fortsetzung Nackdntck verboten

Cs ist eins der wichtigsten ungeschriebenen Gesetze der Üntertoclt Londons, daß fein be­kannter Verbrecher irgendeine Tat in dem Di­strikt begeht, wo er wohnt. Gewissermahen als Belohnung für diese Zurückhaltung darf er dort wohnen, ohne dah die Polizei ihm Unannehm­lichkeiten macht. Er ist sozusagen ein Gast im Hause des Polizeiinspektors des Bezirks. Er ist mehr oder weniger von polizeilicher Aufsicht be­freit und braucht nicht jeden Augenblick zu fürch­ten, daß man ihn als eine verdächtige Person in Schutzhaft nimmt, um Verbrechen zu ver­hüten. Offiziell besteht natürlich kein derartiges Uebereintommcn oder auch nur eine Verständi­gung. Aber in der Praxis geht der Gewohn­heitsdieb in andere Distrikte, wenn er gesetz­widrige Taten ausführen will, und vermeidet es ängstlich, sein eigenes Nest zu beschmutzen.

.Es tut mir furchtbar leid, Mr. Brown", sagte Jerry bescheiden,aber ich sollte hundert Pfund für die Sache kriegen, und es war alles für mich vorbereitet. Aber trotzdem habe ich keinen Erfolg gehabt."

Ach, das ist die gewöhnliche Ausrede", fuhr ihn der Inspektor an.

Das ist keine Ausrede, Mr. Drown", sagte Jerry ernst.Obgleich ich zugeben muh, dah es wie eine recht fadenscheinige Entschuldigung gussieht, stimmt es doch!"

And dann erzählte Lightfoot Jerry eine merk­würdige Geschichte. Am vergangenen Morgen, ungefähr um zwölf Ahr, hatte er einen mit Bleistift geschriebenen Brief bekommen, in dem er gefragt wurde, ob er eine Sache unternehmen wollte. Es wurden ihm hundert Pfund als Be­lohnung dafür versprochen. Wenn er darauf eingehen wollte, sollte er sich mit dieser Nach­richt um sechs Ahr abends an der Stelle ein­finden. wo die Eifenbahnbrücke die Great West Boad kreuzt. Sein Auftraggeber wollte unter der Brücke auf ihn warten, um ihm weitere In­struktionen zu geben. Am diese Zeit waren weniger. Fußgänger auf der Great West Noad als am Tage, denn sie diente fast ausschließlich bem schnellen Autoverkehr.

Dem Brief waren als Handgeld zwei Ein- bfunbnotcn beigefügt. Obwohl Jerry eine List der Polizei vermutete, ging er doch zu der an­gegebenen Stelle. Er litt wie alle Diebe unter der Einbildung, dah die Polizei nichts anderes 5*1 tun habe, als ihnen Fallen zu stellen.

Die Straße war vollständig leer und oer- lassen, aber als er an der Drücke ankam, fuhr

Eifenbach, hat die auf deren Namen im Grund­buch zu Lauterbach eingetragene Hypothek in Höhe von 90 000 Wk. auf den 1. Juli d. 3. gekündigt, um höhere Zinsen zu erreichen. Der Stadtvorstand lehnt einen höheren Zinsfuß ab, zumal in der gegenwärtigen Zeit sogar mit einer allgemeinen Senkung der Zinsen zu rechnen ist. und beschließt dementsprechend mit Wegener zu verhandeln. Nach den Ausführungen des Gem.- Äats Höll ist die Kündigung auch als unwirk­sam zu betrachten, da die Einwllligung des Gegenvormundes vor der ausgesprochenen Kün­digung einzuholen ist.

Heinrich Krömmelbein VI. hier, in der Kanalstrahe. ist wiederholt an die Stadt heran- getreten, ihm die Errichtung einer Tank­stelle vor seinem Hause auf städtischem Ge­lände zu gestatten, oder ihm das für die Errich­tung erforderliche Gelände käuflich zu überlassen. Der Stadtvorstand beharrt nach wie vor auf seinem Beschluß vom 25. Februar d. I., wonach die Genehmigung zur Errichtung einer Tank­stelle versagt wird, da genügend Tankstellen in Lauterbach vorhanden sind. Auch zu einem Ver­kauf des fraglichen Geländes an Krömmelbein kann sich der Stadtvorstand nicht entschließen. Bei Beratung dieses Punktes wird beschlossen, für Tankstellen, soweit sie auf städtischem Gelände errichtet wurden, eine jährliche Pacht von 200 Mark zu erheben.

Sodann beschäftigte sich der Stadtvorstand mit Beratung des Voranschlags für das Elektrizitätswerk für das Rj. 1930. Derselbe schließt in Einnahme und Ausgabe mit 110 000 Mark ab. Nach Durchberatung der einzelnen Rubriken wird der Voranschlag genehmigt.

Der Bürgermeister gab dann davon Kenntnis, daß die Molkerei durch eine beabsichtigte Modernisierung ihres Betriebes voraussichtlich bedeutend mehr Strom als feiüjet abnehmen wird. Falls dieser Plan verwirklicht werden sollte, wird für die Verstärkung des Ortsnetzes außer dem bereits beschlossenen Gleichrichter vor­aussichtlich noch ein weiterer Gleichrichter er­forderlich. Der Stadtvorstand beschloß dieserhalb, mit Beginn der Ausbauarbeiten des Nord­bahnhofsviertels noch zu warten, bis fid)_ die Molkerei über ihre künftigen Pläne endgültig schlüssig geworden ist.

Landkreis Giessen.

LJ Großen-Lind en, 16. April. Die Jah­reshauptversammlung des hiesigen Gesang­vereinsHarmonie" sand am Sonntag im Vereinslokal bei Gastwirt Ludwig Faber statt. Der erste Vorsitzende Johannes Leun gab zunächst einen Rückblick auf die Vereinstätigkeit im letzten Jahre und konnte dabei mit Befriedi­gung feststellen, daß sich die Mitgliederzahl (320) auf derselben Höhe wie seither bewegte. Der Kassenbericht, von dem Rechner Ludwig Velten vorgetragen, zeigte ein sehr günstiges Bild. Die Dorstandswahl ergab die Wiederwahl des ge­samten seitherigen Vorstandes. Dieser seht sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Johannes Leun IX.; 2. Vorsitzender Phil. Schmidt II. (beide Herren bekleiden diese Aemter schon 24 Jahre lang); 1. Schriftführer Karl 3 unter; 2. Schriftführer Ludwig Größer VH.; Rechner Ludwig Velten XL, sowie mehrere Beisitzer. Für den 18. Mai wurde ein Familienausflug nach dem Gleiberg beschlossen. Der Verein steht seit 3ahren unter der bewährten Leitung des Chormeisters Wilhelm Schüttler, Gießen, und gehört dem Hessischen Sängerbund an.

# Obbornhofen, 16. April. Ein eigen­artiger Transport ging gestern durch unser Dorf. Der große Löffelbagger der ehemaligen GrubeFriedrich" in Trais-Horloff wurde mittelst eigener Kraft nach feiner neuen Destimmungsstätte Wölfersheim befördert. Das

ein Wagen dicht an die Bordschwelle heran, und ein Mann stieg aus.

Ich konnte fein Gesicht nicht sehen, und ich würde ihn auch nicht wiedererkennen, selbst wenn man mir zehntausend Pfund als Belohnung ver­spräche," sagte er ganz offen.Er erklärte mir, was ich zu tun hätte, und sagte mir auch, daß Leitern über die Mauer gehängt würden und alles für mich vorbereitet fein sollte. Er gab mir einen Plan des Hauses, in dem das Zimmer dieses Herr:, eingezeichnet war. Ich hatte nur eine Börse mit einem Schlüssel zu nehmen."

War da nicht eine Million Pfund Sterling darin?" fragte der Inspektor sarkastisch.

Ein Schlüssel sollte darin sein das ist alles, was ich weih." Der Mann blieb bei seiner Aus­sage.Nun hören Sie, Inspektor. Sie denken, dah ich Ihnen einen Bären ausbinden will aber es gibt in London einen ganz Großen, der uns alten Kerle benützt und gut bezahlt. Ich weih nur das eine von ihm, dah er manch­mal in einem Mietauto fährt."

Er war nicht von feiner hartnäckigen Be­hauptung abzubringen, daß in der Hauptstadt ein reicher, früherer Sträfling lebt, der stets dem rechten Mann die rechte Aufgabe gab. Nie­mals wurde der Name der Leute bekannt, die er so engagierte.

Peter nahm den Inspektor beiseite, der noch immer zweifelte.

Ich glaube. Eie mühten Elarke diese Sache mittellen," sagte er ernst.Ich bin fest davon überzeugt, daß es ein Verbrechen ist, das mit der gefieberten Schlange zusammenhängt."

Der Inspektor nickte.

Ich kenne Lightfoot schon feit langen Jahren"

Er zögerte. Oberinspektor Clarke war ein Mann, mit dem man. rechnen muhte. Er war an demselben Morgen zum Distriktsoberinspektor befördert worden und hatte seinen eigenen Be­zirk bekommen. Es gibt vier große Beamte in der Polizeidirektion von London, von denen jeder einen Distrikt der Hauptstadt nettoalteL

Der Polizeiinspektor ging in sein kleines Bureau, und Peter hörte, daß er telephonierte. Nach fünf Minuten erschien er wieder.

Mr. Clarke kommt her, um diesen Mann zu sehen," sagte er sehr ernst.Er glaubt, daß Ihre Vermutung richtig ist. Auch er hält den ganz Grohen für die gefiederte Schlange."

Plötzlich kam Peter ein Gedanke, und er bat um die Erlaubnis, einige Fragen an Jerry stellen zu dürfen. Aber in diesem Punkt war der In­spektor unerbittlich. Jerry blieb in seiner Zelle, und erst als Clarke eine Stunde später ankam, konnte Peter seine Fragen anbringen.

Der Gefangene wurde aus dem Schlaf gestört und ins Bureau des Polizeiinspektors gebracht. Er war natürlich m schlechter Stimmung, aber

über 1200 Zentner schwere Ungetüm nahm bei seinen gewaltigen Ausmaßen fast die ganze Strahenbreite ein. Besonders schwierig gestattete sich die Durchfahrt durch unsere Dorfstraßen. Es muhten besondere Vorkehrungen getroffen wer­den. um das Beschädigen der Fernsprech- und elektrischen Lichtleitungen zu verhüten. Auf zwei etwa dreiviertel Meter breiten Raupenschleppern bewegte sich der Bagger verhältniSmähig lang­sam vorwärts; für den etwa 12 Kilometer langen Weg von Trais-Horloff nach Wölfersheim wer­den fast volle vier Tage gebraucht. Diese merk­würdige Beförderungsart lockte alle Dorfeinwoh- ncr als Zuschauer herbei.

Kreis Büdingen.

ch Büdingen, 16.Avril. Es ist geplant, in der Neuwiese. Gemarkung Büdingen, die von dem Ingenieur F. W. Farr aus Fulda und dem Fisch^üchter Jakob Katz aus Schmalnau, Kreis Gersfeld, käuflich erworben wurde, eine Fisch- züchterei einzurichten. Die gesamte Neuwiese mit insgesamt 72 240 Quadratmeter Flächeninhalt soll in 49 einzelne Fischteiche eingeteilt werden, die von Zuflüssen aus dem Seemenbach und der Flattersbach gespeist werden sollen. Die ganze Fischzüchterei soll auf Forellenzuch t ein­gerichtet werden.

Nidda, 16. April. Gestern mittag stieß hier mitten in der Stadt, Ecke Bahnhof­straße Neue Straße, das Auto eines hie­sigen Geschäftsmannes mit dem Personen­wagen eines Detriebsbesihers in Ober-Wid- dersheim zusammen. Glücklicherweise hatten beide Fahrer eine sehr gemäßigte Geschwindig­keit, so daß nur das eine Auto größere Beschä­digungen erlitt und die beiden Wagenlenker mit dem Schrecken davonkamen.

Kreis Schotten.

cp Schotten, 15. April. Nach langem, schwe­rem Leiben verstarb hier im Alter von fast 77 Jahren der frühere 2. Schottener Pfarrer Heinrich Muhl. Von den 44 Jahren, die er im Dienst der Evangelischen Landeskirche verbrachte, entfielen 42 Jahre auf seine Tätigkeit im De­kanat bzw. Kreis Schotten. Von 1832 bis 1906 betreute er das große Kirchspiel Dodenhausen ll, von 1906 bis zu seiner im Jahre 1924 erfolgten Versetzung in den Ruhestand war er zweiter Pfarrer in unserer Stadt und Seelsorger der Gemeinden Rainrod und Rudingshain. Wegen seines aufrechten und freundlichen Wesens, mit welchem große Treue und Gewissenhafttgkeit in feiner Amtsführung verbunden waren, erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung in den von ihm bedienten Gemeinden.

Kreis Alsfeld.

* Nieder-Gemünden, 15. April. Die VvlkSnationale Reichsvereinigung beginnt jetzt auch im Kreise Alsfeld festen Fuß zu fassen. Am Sonntag sprachen in mehreren Dörfern unseres Kreises, so in Elpenrod, Ehrings­hausen, Burggemünden und hier, verschiedene Redner über dasWollen der Volksnattonalen Reichsvereinigung". Hier ertlärten sich eine An­zahl Männer bereit, als Ortsgruppe im Sinne Der Volksnattonalen Reichsvereinigung zu arbei­ten. In den anderen Orten steht die Gründung der Ortsgruppen nahe bevor.

Preußen.

Eine Jalschgeldfabrik aufgehoben.

WSN. Frankfurt a. M., 16. April. Der Frankfurter Kriminalpolizei gelang am Dienstag ein guter Fang. Ein etwa 30 Jahre alter Mann, der an einem Wasserhäuschen zehn Zigaretten mit einem Fünfmark stück bezahlte, wurde angehalten, da der Verdacht bestand, dah es

er war ärgerlicher über die Unterbrechung feines Schlafes als über seine Gefangennahme.

Sie haben doch gesessen, Jerry?" fragte Peter. Der Mann stimmte widerwillig zu.Haben Sie einen Mann mit Namen William Lane gekannt?"

Lightfoot Jerry überlegte.

Ja ich habe ihn in Dartmoor gesehen. Er war in der Abteilung D, aber ich gehörte zur Abteilung A. Er sah, weil et falsche Banknoten gedruckt hatte."

Hoben Sie mit ihm gesprochen?"

Jerry schüttelte den Kopf.

Nie im Leben. Er arbeitete bei den SchuH- machern, zusammen mit Harry, dem Vagabunden, und dem kleinen Hugg. Er war einmal mit mir im Hospital zusammen, aber ich Lag im Erd­geschoß, und so hatte ich keine Möglichkeit, ihn zu sprechen."

Glauben Sie, daß er es war, der Ihnen den Auftrag unter der Eifenbahnbrücke gab? forschte Peter weiter.

Jerry überlegte.

Nein... und doch könnte es fein. Ich habe Lane niemals sprechen hören, und soviel ich weih, hat er überhaupt nicht viel gesprochen. Ich sah ihn ein- oder zweimal in der Kirche und bei den Schuhmachern. Sonst war ich fast immer im Back- und Waschhaus beschäftigt."

Als Jerry wieder in seiner Zelle war, nahm Clarke, der während des ganzen Verhörs ge­schwiegen hatte, Peter am Arm und ging mit ihm auf die Straße.

Was wollte der Mensch aus Ihrem Zimmer holen?

Peter war in die Enge getrieben und sah ein, dah er jetzt sein Geheimnis nicht länger hüten formte.

Er wollte einen Schlüssel und eine Geheim­schrift holen." Kurz enttchlossen zog er die Börse aus feiner Tasche.Ich will Ihnen nicht er­zählen, wie sie in meinen Besitz kam, weil dadurch noch jemand anders belastet würde. 3oe Farmer trug diesen Schlüssel stets bei sich. Ich glaube aber nicht, dah Sie durch seinen Besitz irgendwie weitere 2LufGärungen erhalten"

Sie gingen zur Polizeistatton zurück und Clarke besichtigte den Streifen Papier, der bei dem Schlüssel war.

Gucumatz ist das Wort," sagte Peter.Die alten Azteken bezeichneten damit die gefieberte Schlange. Der Schlüssel hat mich etwas Derblüfft Wenn ich wüßte, was er zu bedeuten hat, würde es wohl kein Geheimnis der gefiederten Schlange mehr geben Aber so wie die Sachen jetzt liegen, bin ich ebensoweit von einer Lösung entfernt wie jemals."

Clarke besah den Schlüssel von allen Seiten, nahm em Vergrößerungsglas und suchte, die auSgef eilten Buchstaben zu entziffern. Aber er gestand, daß auch er ratlos lei.

Donnerstag, 17. April 1950

sich um ein Falsifikat handelte. Tatsächlich fand die Kriminalpolizei, die sich sofort mit dem Mann zu befassen hatte, unter den Kleidern verborgen einige weitere Falsch stücke und ermittelte in seiner Wohnung in der Den vergässe einen großen Koffer, der alles notwendige Material zur Herstellung von Falschgeld, u. a. auch Batte­rien und Säuren zur Galvanisierung der Stücke, enthielt. Der Wann, der G o t he heißt, im Jahre 1899 in Wingen i. Elsaß geboren ist und sich als Ingenieur bezeichnet, leugnete zunächst, gab aber schließlich zu, seit 1927 ungefähr 500 Derartige Falschstücke hergestellt und in den Der- fefcr gebracht zu haben.

Kreis Wetzlar.

Z St r o f b o r f. 16. Aprll. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung von Ärof- dors-Gleiberg wurde beschlossen, die von dem Bürgermeister nach den Vorschriften des Kommunalabgabengesetzes und den Wünschen der Aussichtsbehörde ausgearbeiteten Ordnungen über die Erhebung von Wasserzins und von Kanalgebühren anzunehmen. Der kürz­lich gefaßte Beschluß auf öffentliche Verhandlung der Stundungsgefuche für Gemeinde­abgaben wurde, um das den Steuerpflichtigen gesetzlich garantierte Steuergeheimnis zu wahren, wieder aufgehoben. Arbeitsvergebungen der Gemeinde sollen nur noch an solche Gewerbe­treibende erfolgen, die vor der ZuschlagSerteilung ihr Gewerbe bei den Berufsgenossenschaften, der Handwerkskammer und den Steuerbehörden an­gemeldet haben. Die Pfla st erarbeiten bei der neuen Schule sollen infolge der in den Angeboten bestehenden Unklarheiten nochmals aus­geschrieben werden. Verschiedene Wasserleitungs­anschlüsse werden an zwei einheimische Gewerbe­treibende übertragen. Die Besitzer der in den letzten Jahren in hiesiger Gemeinde neu erbauten Häuser fjaben den Antrag gestellt, ihnen die auf den Neubauten lastende Gemeindesteuer auf einige Jahre zu erlassen, wie dies in dem preußi­schen Grundvermögenssteuergeseh bezüglich der staatlichen Steuer festgelegt ist. Der Antrag wurde zunächst zur weiteren Beratung einer Kommission überwiesen. Die Elektrizitäts­werke Gießen, welche die hiesige Gemeinde mit Strom versorgen, beabsichtigen, von dem TranS- sormatorenhaus bei der Oberförsterei hier nach der beim Rathaus stehenden Umsormstation eine unterirdische Hochspannungsleitung bet Hauptstraße entlang zu verlegen. Dadurch wird die von der Sßumbftation deS Wasserwerks gehende, durch die Wihmarer Straße in gefähr­licher Nähe der Häuser führende Hochspannungs­leitung überflüssig und abgebaut. Die Gemeinde ist mit der Verlegung durch den Dürgerfteig der Hauptstraße einverstanden. Die ordnungsmäßige Wiederherstellung der Bürgersteige und des Pflasters haben allerdings die Elektrizitätswerke ausführen zu lassen. Die Aufrechterhaltung der Vorschriften über die Wohnungszwangs- wir ts chaf t hält die Vertretung nicht mehr für erforderlich.

ch Krofdorf, 14. April. Zwecks Erfassung neuer Quellen zur Behebung des Wasser­mangels in hiesiger Gemeinde sind in den letzten Wochen an verschiedenen Stellen der Wiesen am Launsbacher Wald Bohrversuche gemacht worden, die endlich zu einem günstigen Resultat führten. In einer Tiefe von ungefähr 8 Meter stieß man auf wasserführende Schichten, deren Ergiebigkeit so stark ist, dah man nun Wasser in genügender Menge zu fassen glaubt. Ein 48sttin- diges ununterbrochenes Probepumpen unter genauer Kontrolle forderte eine Wassermenge von über 200 Kubikmeter pro 24 Stunden zutage. Die Bautätigkeit in unserem Ort ist seit der Stabilisierung Der Mark sehr rege. Infolge­dessen hat der Wohnungsmangel stark nachgelassen.

Haben Sie sich schon irgendeine Theorie zn- rechtgelegt?" fragte er dann.

Peter schüttelte den Kopf.

Der Fall entwickelt sich in einer solchen Rich­tung und wird so mysteriös, dah ich, ohne roman- ttsch zu fein, wohl behaupten darf, dah dies der Schlüssel zu einem Kasten mit wichtigen Doku­menten ift Trotzdem lehne ich mich gegen eine solche Theorie auf.

Er sieht mir mehr nach einem Türschlüssel aus, nur ist er etwas Hein hierfür."

Clarke steckte den Schlüssel in die 'Börse und schob beides in die Tasche.

Sie wissen viel mehr über diesen Fall als Sie mir erzählt haben, Dewin. Aber ich hoffe, daß ich die Tür entdecke, die durch diesen Schlüssel geöffnet werden kann. Dann ist das Rätsel gelöst, und Sie sind geschlagen!"

Um hall» sechs kam Peter nach Hause, aber er konnte sich nicht entschließen, sich schla'en zu legen. Er nahm ein Bad und rasierte sich, machte dann aber doch den bösen Fehler, dah er sich f)a(b un­gezogen zu einer ganz kurzen Ruhe aufs Bett legte...

Er wachte erst wieder auf, als der Gong zum Mittagessen ertönte.

18.

Es bedarf des Hauches des Bizarren an einem Menschen oder einer Tat, um das vollständige Interesse einer grohen Stadt wachzurusen. Die Andeutung des grausamen Geheimnisses der ge­fiederten Schlange war es auch, die den Mord an Farmer aus der Alltäglichkeit heraushob und wichtig machte.

In etwas mehr als vierundzwanzig Stunden wußte ganz London von der unbehaglichen Tat­sache, dah irgendwo mitten in der Stadt eine Geheimorganisation existierte, die rücksichtslose Methoden verfolgte und teuflische Verschwörun­gen plante. Obwohl die Zeitungen nur zwischen Den Zeilen darauf hinwiesen, daß es die Ausgabe der gefieberten Schlange zu fein schien, Rache an einigen Mitgliedern der Gesellschaft zu nehmen, sickerte doch das Gerücht durch, daß eine be­kannte Schauspielerin zu den Bedrohten gehörte. Dadurch wurde der Fall natürlich noch inter­essanter und gewann an Bedeutung.

Peter ging zu feinem Bureau, wo er den Nach­richtenredakteur im Gespräch mit Hugg vorfand. Das erste, was ihm an dem kleinen Mann auf­fiel, war sein außerordentlich gutes Aussehen. Er trug einen modernen Anzug, sein Kragen und seine Krawatte waren sichtlich neu. Außerdem batte er sich den Luxus geleistet, sich rasieren zu lassen und unter dem Arm trug er einen einge­rollten Regenschirm.

LZortjetzung folgt)