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Donnerstag, (7. April 1050
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Ur. 91 Zweites Blatt
Oiplomatenschub!
Don LegatuS.
Frisches Blut muß jedem Beamtenkörper von Aeit zu Zeit zugeführt werden, damit nicht nach der Schablone verwaltet, nach einem ein- »efahrcnen und zuweilen festgefahrenen System Politik getrieben werde. Auch in der Diplo- natie war es stets Grundsatz, nach ein paar Zähren die Gesandten und die Botschafter aus- »utaufchen, Staatssekretäre und Ministerial- »irektoren deS Auswärtigen Amtes wieder ein- nal in das Ausland zu entsenden und neue Männer in den Auswärtigen Dienst auszuneh- nen. Aber dieses gesunde Prinzip muhte manch- nal aus staatsmännischen Erwägungen durch- »rochen werden. Die französische Republik, die Hre Minister oft unheimlich schnell verbrauchte, rielt doch zähe daran fest, vor dem Krieg thren Londoner Botschafter Paul Cambon 22Jahre m Amt' zu lassen, es ist sehr schwer, in der -erschlossenen englischen Aristokratie und in den Zösischen Kreisen Londons Fuh äu fassen, und :in Mann, der das Bertrauen dieser überaus vichtigen Schichten gewonnen hat, ist schwer zu '.rsetzen. Auch Deutschland legte grohen Dert daraus, in das Gebäude seiner Londoner Botschaft - Earlton House Terrace Ar. 9 — nicht zu oft einen neuen Herrn einziehen zu lassen. Alan versuchte, dem traditionellen englischen Geist dadurch Rechnung zu tragen, dah non den Botschafter .am Hofe von Saint- Zames" recht lange in der britischen Haupt- Itadt belieb, und man hat sich deshalb auch ,iSher gehütet, Dr. Friedrich Sthamer, der eit August 1920 in Carlton House Terrace residiert, von seinem Posten zurückzuziehen. Ihm tnb seiner klugen, weltgewandten Gemahlin war 4 zu danken, dah deutsche Diplomaten sich rllmähltch in England wieder durchzusehen ver- nochten und genau wie vor dem Krieg gesell- chastlich anerkannt wurden. Aber der Bot» 'chafter Sthamer ist jetzt nahezu 74 Jahre alt. Aach seiner zehnjährigen Amtszeit hat er verdient, dah man ihm die Ruhe gönnt, die seinem Alter zusteht. Es ist ein offenes Geheimnis, bah er zurücktreten wird, sobald die Frage ber Nachfolge gelöst ist.
Wenn ein wichtiger diplomatischer Posten frei vird, beginnt das Koffcrpacken nicht nur bei bem Nachfolger: lawinenartig gerät vielmehr baS ganze Gebäude das Auswärtigen Dienstes :nS Wanken, nachdem ein Stein aus dem Funda- nent ausgebrochen worden ist. Jeder Nachfolger braucht wieder einen Aachsolger, und schließ- lich führt die Demission des Seniors unter den Botschaftern dazu, dah der jüngste der Attaches am eine Sprosse aus der Leiter der Karriere »mporsteigt. Im Herbst 1927 rih der Tod des Freibcrrn von Alaltzahn eine schwer zu schliehende Lücke in die deutsche Diplomatie. Um die Besetzung des Botschafterpostens in Washington entbrannte ein hestiger Streit, und man erwartete schon damals, dah ein Revirement m ganzen diplomatischen Dienst bevorständc. Aber eS blieb bei der Ernennung des Herrn o o n Prittwih und ® aff ton, und der Siplomatenschub wurde um ein halbes Jahr vertagt. Bor genau zwei Jahren versetzte man bann den deutschen Botschafter in Tokio, Dr. Sols, auf seinen Antrag in den Ruhestand, und bas gab nun den Anlah, beinahe hundert Beamte aus dem Auswärtigen Amt oder im Auswärtigen Dienst in neue Aemter einzusehen. In Peking, in Buenos-Aires, in Brüssel, in Santiago n Belgrad, in Riga, in Reval, in Oslo erhielten die deutschen Gesandtschaften neue Chefs Deutschland ernannte neue Generalkonsuln in Barcelona, in Memel und San Franzisko.sowie neue Konsuln in Gotenburg, in Porto Alegre and in Czernowitz. Man rechnet damit, dah das bevorstehende Ausschcidcn Dr. Sthamers - kurz nach dem Tod des deutschen Gesandten Dr. Köster in Belgrad - zu ähnlich schwerwiegenden Umbesetzungen führen wird.
Der Londoner Botschafterposten war stets besonders begehrt. Da man schon vor ein paar Jahren mit dem Rücktritt Dr Sthamers rechnete,
Die Mado na von MonNrchi
Bon Max Sidow
An einem Abend, der voll war von den holden Rusen des jungen Frühlings, standen wir auf den hohen Bastionen der alten toskanischen Grenziestung Arezzo. Die Le te des dunkelnden Landes rings um den Hügel der Stadt goidete noch vom letzten Tageslchimmer G ne junge Frau kam uns unter den schwarzen Säulen ho,ec Zypressen entgegen Sic iah uns an Herbheit und Süße. Freude und Bangnis naher Mut er- scha't dämmerte in ihrem Blick So ichriti sie an uns vorbei Aber das zarte Geheimnis, das um sie wehte, die e Milchung von Lust und Leid in der Stunde zwischen Tag und Aacht glomm in uns aui wie die ewige Ampel einer alten Legende
.Morgen," sagte leise ire.n Begleiter zu mir, ..werden wir dies noch einmal schauen, das Wunder der werdenden Mutter " 6inc Nachtigall schlug an im Lorbeergebüsch lockend und leicht, traurig und klagend, ein Lied von Le 'en und Tod. Leuchtkäfer tanzten ihren Stemenreigen In die Aacht -
Am anbecen Morgen standen wir am Fuße der Höhe von Monterchi, einer kleinen umbrischen Stadt, mitten im Apennin. Ein schweres Erdbeben zerstörte sie Dar einigen Jahren, und noch waren viele Türme und Häuser geborsten und zerbrochen Stumm betrachteten wir d e Verwüstung und gingen dann weiter zum Gottesacker, dem Ziele unserer Wallsahrt. Am Eingang rasteten Maurer Bang schritten wir hindurch, der Kapelle zu. die das herrliche Fresko von Piero della Francesca, die .Madonna der Geburt", bergen sollte. Wie würden wir es finden? Halb oder völlig zerstört vom Erdbeben?
Wir traten ein. Die Kapelle war leer, mit neu errichteten, neu geweihten Wänden. Werkzeug stand in ihr herum, sonst nichts. Beklommen fragten wir die Arbeiter nach dem Bilde. .Man hat es nach Borgo San Sevol.ro gebracht", erfuhren wir. Wie denn, ein Fresko, ein Bild, das auf die Mauer gemalt wurde < .Gewiß", sagten die Leute und zuckten die Achseln.
Bald rollte uns ein Wagen durch prachtvolle umbrische Landschaft ins obere Tibertal. Begeistert deutete mein Freund das Land: Dort oben in den Bergen der Falterona liegt Castagno, die Heimat des großen Weisters Andrea! Das
Rekordflieger Rehring tödlich abgestürzt.
WSA. Darmstadt, 16. April. Der bekannte Segel- und Rekordslieger Johannes A e h r i n g, einer der besten deutschen Segelslieger, Mitglied der Akademischen Fliegergruppe Darmstadt, ist, wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe bereits gemeldet wurde, am Mittwochfrüh in der Aähe der Altrheininfel Kühkopf abgestürzt. Aeh- ring war mit einer Iunkersmaschine zu einem meteorologischen Flug in Begleitung von Dr. Steinhäuser aufgeftiegen. In erheblicher Höhe setzte der Motor aus unö_ die Steuerung versagte. Dr. Steinhäuser
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konnte sich durch Fallschirmabsprung retten, während Aehring abstürzte und nur als Leiche unter der völlig zertrümmerten Maschine geborgen werden konnte. Die Absturzstelle liegt in der Aähe des Einslusses vom Alt- rhein in den Rheinstrom.
Wie das Unfllücf geschah.
Aehring, der Pilot der Reichswetterflug- stelle, war heute früh 8.23 Uhr mit Dr. Steinhäuser mit der Iunkersmaschine A 35 zu einem Meßslug hier aufgestiegen. Infolge der schlechten Witterung verlor er die Sicht und ging aüs etwa 3000 Meter Höhe im Steilflug nieder, um schnell tiefer zu kommen. Heber dem Wald bei der Oberförsterei Knoblochsau fing er die Maschine auf. Dabei brach die eine Tragfläche und die Steuerung. Durch den Ruck wurde Dr. Steinhäuser aus der Maschine geschleudert, doch öffnete sich sofort der Fallschirm, so dah er unverletzt landen konnte. Der Flugzeugrumpf
mit Aehring stürzte zwischen die Bäume in den Wald, wo man den Flieger tot auffand.
An der Unfallstelle liegt etwa 10 Meter links von der Strahe der übergeschlagene Rumpf mit dem linken Flügel der Maschine, ein Iunkcrs- Ganzmetall-Flugzeug. Der Rumpf des Flugzeugs ist eingedrückt und Aehring muh, wie bereits gemeldet wurde, sofort tot gewesen sein. Der abgebrochene Flügel lehnt abseits an einem Baum. Noch nicht 30 Meter vom Wasser des Altrhcins entfernt hängt an den Bäumen der Fallschirm, durch den Dr. Steinhäuser gerettet wurde. Im Walde, weit verstreut. liegen die Räder des Fahrgestelles und Teile des Schwanzruders des Flugzeugs. Dr. Steinhäuser erklärt, dah in einer dicken Wolkenschicht, die von 3000 Meter Höhe an über der Erde lag, die Piloten im S t e i I f l u g herabkamen. Etwa 200 Meter über der Erde erkannte Aehring die Erdnähe und riß die Maschine hoch. Dabei wurde ein Flügel herausgedreht, wodurch die Maschine abstürzte. Aehring, der in diesem Sommer eine flugmeteorologische Expedition nach Grönland unternehmen wollte, hat nun den Fliegertod gefunden. Er stand im 26. Lebensjahre. Er wird als tapferer Flieger nicht vergessen werden.
Das Beileid der hessischen Regierung.
WSA. Darmstadt, 16. April. Staatspräsident Adelung hat in seinem und im Namen der hessischen Regierung den Eltern Rehrings in einem herzlich gehaltenen Schreiben das tiefgefühlte Beileid der hessischen Regierung anläßlich des Ablebens des Fliegers Johannes Aehring zum Ausdruck gebracht.
Der hessische Innenminister hat an den Vater, Rektor Aehring in Bad-Homburg v. d. H, folgendes Schreiben gerichtet: »Tief erschüttert durch die Rachricht von dem tödlichen Absturz Ihres Sohnes spreche ich Ihnen und Ihren Angehörigen meine herzliche Anteilnahme aus. Mit Johannes Aehring verliert das deutsche Flugwesen nicht nur einen unserer erfolgreichsten Piloten, dessen Aame weit über den inneren Kreis seines Wirkens hinaus mit Achtung genannt wird. Wir alle, die ihn näher kannten, betrauern in ihm auch den schlichten, bescheidenen, zuverlässigen Menschen, der ein Vorbild für d i c akademische Jugend und alle Iungflieger fein konnte. Ich selbst habe an seiner fliegerischen Entwicklung und seinen bedeutenden Erfolgen auf dem Gebiete des Segel- flugs und des wissenschaftlichen und Sportflugs stets mit besonderem Interesse Anteil genommen. Sein Wirken im Dienste der deutschen Fliegerei wird unvergessen bleiben."
werden die Kandidaturen für dieses Amt seit langem geprüft. Man verrät kein Geheimnis, wenn man zugibt, daß einige Zeit General von S e e ck t besonders gute Aussichten hatte, in das Londoner Votschafter-Palais einzuziehen, noch dazu, da er über sehr gute Beziehungen in England verfügt, unter anderem zu dem führenden Großindustriellen Lord Melchett. Bei der Bildung des Kabinetts Brüning wurde von volkskonservativer Seite verlangt, daß der Abgeordnete von Lindeiner-Wildau zum Rach- folget Dr. Sthamers ernannt werde Diese Kandidatur ist inzwischen erledigt, und Herr von Lindeiner-Wildau kommt jetzt vorwiegend für den Gesandtenposten in Warschau in Betracht Auch der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Herr von Schubert, wurde eine Zeitlang als zukünftiger Botschafter in London angesehen: er legt jetzt auf dieses Amt keinen Wert mehr, da es fast mit ebensoviel Arbeit verknüpft ist, wie der Posten, den er feit vielen Jahren in Berlin innehat. und es scheint nun, dah er als deutscher Botschafter nach Rom gehen wird. Damit treten für London wieder die Kandidaturen in den Vordergrund, die im letzten Winter in den diplo
matifchen Salons am häufigsten durchgesprochen wurden: man rechnet nämlich in Berlin schon seit Monaten mit einem Diplomatenschub, und da es nirgends soviel..vertrauliche Informationen" gibt wie in der schweigsamen und bekanntlich sehr diskreten Diplomatie, hat man sich auf den Empfängen, beim Tee und beim Spiel oft zugeflüstert, daß Herr von Aeurath gern bereit fei, Rom zu verlassen, um nach England überzusiedeln. Aber auch der deutsche Vorichafter in Angora, Aadolny, würde es begrüßen, aus dem Innern Kleinasiens an den Strand der Themse zu ziehen. Schließlich kommt für diesen Posten noch Herr Dufour-Feronce in Betracht, der früher Botschaftsrat in London gewesen ist, bis er Ende Oktober 1926 zum deutschen UntA- generalfcfrctär im Dölkerbundssekretariat ernannt wurde Er ist aus dem Kausmannsstand hervorgegangen, war Grohkaufmann in Leipzig, als et zum Geheimen Legationsrat bei der deutschen Botschaft ernannt wurde, um Herrn Sthamer zur Seite zu stehen. Auf dem Londoner Posten hat et. der später den Titel eines Gesandten erhielt, während seiner sechsjährigen Tätigkeit ausgezeichnete Dienste geleistet. Da er in England
dort ist der Höhenzug des Sasso della Verma, wo der Heilige Franz die Wundmae empfing Dahinter, im Tal des Caientino, wurde der gewaltige Michelangelo geooren. Hinter jenen weiten Bergen liegt Urbino, aus der Rafael und der große Bra nante stammen. Drüoen in Arezzo aus dem wir kommen, erblickten Mä enas, Pe° trarta und Vasati das Licht. Dort auch schuf der bedeutendste Meister aus der umbro toskanischen Schule Piero della Francesca, sein mächtigstes Werk den Zyklus von der Kreuz egende, und lehrte die Jungen den Perugino. den Signorellt und den Melozzo aus Zorli
An zerstörten Gehörten vorbei, über die alte Tibetbrücke fuhr der Wagen in die Gassen von Borgo und hielt vor dem Rathaus
Wir traten ein in den Saal, einem Heiligtum der Kunst, das dem großen Meister der Früh- renaiffance, Piero, geweiht ist. Uns gegenüber das Auferstehungsfresko Christus mit der Kreuzesfahne steigt über schlafenden Wächtern aus offenem Grabe zum Licht. Rechts der Heilige Ludwig und Pieros erstes grohe Weck, die Ma donna der Barmherzigkeit.
Wit wandten uns um, da sahen wir tn E-r- furcht und Scheu die Madonna der Geburt Das große, ewige Muttennysterium. Das Gotteswun- det der Menschwerdung! Unter einem mit grauem Pelzwerk gefütterten Baldachin aus schwerem roten Brokat, der von zwei Engeln zurückgeschlagen wird, steht die Madonna in himmelblauem Gewand, das sie an der Seite und über dem gesegneten Leibe geöffnet hat Als wollte sie sagen, daß die Zeit erfüllt und ihre Stunde gekommen ist. Den linken Arm hat sie in die Seite gestützt. Die rechte Hand liegt schützend und segnend in der Oeffnung des einfachen Kleides, als spürte sie den Bewegungen des jungen Lebens unter ihrem Herzen nach. Verse des Dichters Hans Meinke fielen uns ein: „Qiim wölbt durch Mutterleibes zarte Wände Mein eigen Kind schon ungeduldige Glieder, Hebt meine segnend aufgelegten Hände, Und bald hab ich in ihm verjüngt mich wieder."
Unter der mit Bändern geflochtenen, blonden Haarkrone sehen die Augen mit halbgeschlofsenen Lidern zu Boden. Welch ein unbeschreiblicher Blick im Antlitz, dessen Bewegungslosigkeit schon herannahende Schmerzen ahnen läßt! Welch ein Ausdruck in der Geste der rechten Hand und ihren leicht gebogenen, gespreizten Fingern! Die
Stunde der Geburt ist nahe, das Wort will aus diesem Leibe Fleisch werden! Die Mystik des Mittelalters fand in diesem Bilde ihre gewaltigste Steigerung und Gestaltung, und zwar in einer Reinheit, die nur reine Anschauung erzwingt
Und diese »Madonna der Geburt" wurde für eine Friedhofskapelle geschallen? Das Fresko ist cm Denkmal der Kindesliebe In Monterchi wurde Pieros Mutter geboren und vielleicht wartet sie auch auf jenem Got eöacker im Tal dem Ruf der Auferstehung entgegen Aber das Mysterium wächst über solche Betrachtung hinaus An den Gräbern, den Seelenhäusern der Toten, klingt die ewige We hnachtsbo schäft, ein Kind ist uns geboren, ein Heiland aller Menschen, die Sünde und den Tod zu überwinden ..
An der gegenüberliegenden Wand leuchtete in umbrischer Landschaft unter einem Himmel, wie er grabe an diesem Tage über den Bergen strahlte Pieros Auferstande.er Christ. War es Fügung, dah wir in Borgo can Sepolcro. der .Burg zum Heiligen Grabe", diese beiden Gnadenbilder vereinigt sahen? Wir schauten lange von einem zum andern, bis wir wußten, dah die göttlichen Melodien beider ineinander klangen. sich mitsammen verwoben und zu einer einzigen untrennbaren Fülle tönten, aus der die frohe Botschaft in alle Welten scholl.
Reben uns erzählte eine Stimme die letzten Schicksale der Madonna der Geburt w e eine alte Legende Als das grohe Beben die Fluren zerriß. stand das heilige Bild noch in der Kapelle von Monterchi. Ein dumpfes Grollen rollte durchs Land. Schwefelgelbe Himmel hatten sich mit schwarzem Gewölk umnachtet. darauf fahle Blitze Worte der Verfluchung schrieben. Sturm heulte auf, Wasserfluten brachen nieder, Bäume wurden entwurzelt, Städte stürzten ein. Der Jüngste Tag schien angebrochen. 3m Fr edhof von Monterchi wurden die Sotenmäler wie Kiesel durcheinandergeworfen. Gräber öffneten sich Ein gewaltiger Erdstoß rih die Kapelle ein, sie sank in sich zusammen. Die Mauern wankten und fielen, aber im Sturze wichen sie rechts und links vor dem heiligen Bilde, neigten sich in Demut vor der Mutter Gottes. Die Rückwand allein stand aufrecht, das Bild blieb unverletzt. Mitten in der Verfinsterung, inmitten des chaotischen Wirbels der Vernichtung leuchtete das Antlitz der Madonna ruhig und milde, Der-
erzogen worden ist, hat er auch sehr nützliche Beziehungen zur Londoner City.
Es ist müßig, alle Kombinationen wicderzu- geben, die zur Zeit in der Berliner Diplomatie in Erwägung gezogen werden. Allein um das Londoner Amt bemühen sich ein halbes Dutzend ernsthafte Reflektanten, und für den Posten des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt gibt es nicht weniger Kandidaten. Es fehlt auch nicht an Anwärtern für die Missionen in Rom, Angora und Warschau, sogar der Pariser Botschafterposten konnte bald srei werden, und schließlich ist auch das Amt desR eichspresse- ch e s s demnächst neu zu besetzen, da Herr Zeck> - l in ebenfalls in die diplomatische Karriere übergehen wird. Dieses Amt hat sich allmählich zu einem Posten entwickelt, der es Außenseitern ermöglicht, unter Ueberspringung aller niedrigen Stufen in die hohe Diplomatie einzutreten.
Cs ist ganz offensichtlich, dah Beamte, die mehrere Jahre im Berliner Auswärtigen Amt gearbeitet haben, es sehr begrüßen, wenn sie in das Ausland versetzt werden. Das ist nicht nur für ihre Ausbildung und ihren ferneren Aufstieg sehr nützlich, sondern bringt auch finanzielle Dorteile mit sich. Die Gehälter in Berlin sind knapp bemessen, obwohl sogar der jüngere Diplomat zu beträchtlichen Ausgaben genötigt ist. Sein Frack muß bei den Empfängen in Berlin so tadellos beschaffen sein wie bei denen inMadrid oder inParis, er muß hier wie dort das Deutsche Reich repräsentieren. Aber in der Gehaltspolitik wird daS nicht anerkannt. Rur die im Ausland weilenden Diplomaten werden hoch bezahlt: so erhält z. B. der deutsche Botschaster in London einschließlich der Auslandzulagen und der Aufwandsentschädigungen monatlich 15 000 Mark, also die gleiche Summe, die dem deutschen Reichspräsidenten zur Verfügung steht. Zu den am besten besoldeten Diplomaten gehört der deutsche Botschafter in Washington, der monatlich fast 18 000 Mark erhält. Es ist merkwürdig, daß gerade in den demokratischen Vereinigten Staaten eine so große Repräsentation verlangt wird, ist es doch gar nicht lange her, dah die Diplomatie der Omzen Welt sich über die beinahe schäbige Besoldung der amerikanischen Diplomaten im Ausland aufhielt. Der deutsche Botschafter in Moskau bezieht monatlich 15 400 Mark, wobei man berücksichtigen muh, dah das Leben in der Sowjet-Union besonders teuer ist. Ungefähr ebensoviel erhalten Deutschlands Vertreter in Madrid und in Buenos-Aires, während der Botschafter in Rom mit einem Taufendmarkschein weniger auskommen muh. In Ungarn erhält der deutsche Gesandte ein Monatsgehalt von etwa 10 000 Mark. Solche Gehälter werdrn innerhalb Deutschlands natürlich nicht gezahlt, und wer hier repräsentativ auftreten will, muh aus seiner Tasche etwas zulegen, - was nicht jeder kann. Es ist also verständlich. dah sich an den kommenden Diplomaten- schub viele Hoffnungen knüpfen.
Taten sttr Freitag 18. April
Sonnenaufgang 5.01 Uhr, Sonnenuntergang 18.59 Uhr: Mondaufgang 0.40 Uhr, Monduntergang 7.25 Uhr.
1521 Luther auf dem Reichstage zu Worms; - 1873. der Chemiker Justus v. Liebig in München gestorben (geboren 1803), — 1892. der Dichter Friedrich Bodenstedt in Wiesbaden gestorben (geboren 1819).
Taten für Lamstaa 19 April
(Sonnenaufgang 4.58 Uhr, Sonnenuntergang 19.01 Uhr, - Mondaufgang 1.37 Uhr, Monduntergang 8.17 Uhr.
1529: Reichstag zu Speyer; - 1560: der Reformator Philipp Melanchthon in Wittenberg gestorben (geboren 1497), — 1882: der Raturforscher Charles Darwin in Down bei Becken- Ham gestorben (geboren 1809), - 1885: der Afrikareisende Gustav Nachtigall bei Kap Palmas in Westofrika gestorben, - 1906: der französische Physiker Pierre Curie, Entdecker des Radiums, in Paris gestorben (geboren 1859); — 1917: Aushebung des Iesuitengesetzes.
söhnung und Derheihung. Als der Sturm gestillt war, gab man, bis zur Wiederausrichtung der Kapelle das Gnadenbild in die Obhut dec städtischen Galerie zu Borgo.
Wir schauten noch immer im geweih'.en Raume. Hier die Stunde der Geöurt, dort Christus Triumphator, erstanden von den Toten Ein unendlicher Sphärenring schloß Anfang und Ende zusammen.
Als wir in die Helle Sonne des Rathausplatzes Hinaustralen, läuteten die Glocken von Borgo wie in österlichem 3übel.
£)od)fd)ulnadind)ten.
Der durch den Weggang des Prof. B Helferich an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl Der Chemie ist dem a. o Professor und Leiter der organischen Abteilung am chemischen Laboratorium der Universität Freiburg i. B., Dr. Walter Hückel, angeboten worden. Zur Wiederbcsetzung des Ordinariats der romanischen Philologie an der Leipziger Universität ist ein Rus an Professor Dr. Hanns Heiß in Freiburg i. B ergangen.
Tie Ernennung des nichtbeamteten a. o Professors an der Universität Marburg Ober* ftuDienrat Dr. Wilhelm Enhlin zum ordentlichen Professor der alten Geschichte an der Universität Graz als Nachfolger von Prof. Fr. Oertel ist erfolgt. Amtlich wird die Ernennung des a. o. Professors Dr. Erich M o l i * t o r von der Universität Leipzig zum ordentlichen Professor in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Greisswald bestätigt, ihm wurde der Lehrstuhl des deutschen bürgerlichen Rechts als Nachfolger von Prof. Franz Beyerle übertragen.
Die Professoren Dr. Ernst E n g e l f i n g in Freiburg i. Dr. und Dr. Leo Spitzer in Marburg haben die an sie ergangenen Rufe an die Universität Köln angenommen. Dr. Engelking übernimmt in Köln den Lehrstuhl dec Augenhellkunde als Nachfolger von Professor A. Pröbsting, während Professor Spitzer Nachfolger von Professor S. Lorck auf dem Lehrstuhl der romanischen Philologie wird.
Der Historiker Professor Dr. Robert .Holtz- I mann in Halle a. d. S. hat den an ihn ergangenen Rus an die Universität Berlin an* I genommen.


