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Nr. 294 Erstes Blati

ISO. Jahrgang

Dienstag, 16. Dezember 1950

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Ornd mtö Dtrlag: vrLhl'Ich« UnIversiiütrGiich. und Steinbruderel R. lange in Siegen. Sd)riftleitnng und SeschäfisNelle: Schulittage r.

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Chefredakteur.

Dr. Friede. 2vilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Emst Dlumfchein und für Öen Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen

Neue Militärrevolte in Spanien niedergeschlagen.

Meuterei auf dem Madrider Milttär-FlugplahZu den vier Winden." - Nie Regierung unterdrückt den Aufstand. Nie Führer, darunter der Rekordflieger Franco, nach Portugal entstohen.

Der spanische Vulkan.

roegung sein. Wenn Ihr Euch nicht unterwerft, wird Eure Kaserne innerhalb einer halben

Die kleine spanische Grenzstadt 3aCa in den Pyrenäen ist für achtundvierzig Stunden zu einer europäischen Berühmtheit geworden. Die Garni­son hotte dort gemeutert und sollte sich in Marsch gesetzt haben, um den Aufstand langsam nach Süden vorzutragen. Die Regierung hat ge­tan, was in solchen Fällen üblich ist, sie hat erst einmal Grenz- und Rachrichtcn sperre verhängt, damit aber praktisch nur erreicht, das) der ganze Zwischenfall stark aufgebauscht wurde und die Spanien feindlichen Länder schon eine Revolution mit einem Sturz des Königtums Voraus­sagen zu können glaubten. Der Spuk hat nicht allzu lange gedauert. Die Aufständischen sind geschlagen. Ihr Standouartier wurde von den Rcg'erungstruppen .zurückerobert", und die verhafteten Führer sind standrechtlich erschossen. Die Ruhe ist wieder hergestellt.

Aber wenn auch die Regierung selbst glaubt, nun darüber zur Ta­gesordnung übergehen zu tonnen, wird doch der uirparteiische Beobach­ter in dieser Revolte eine bedroh­liche Erscheinung sehen, die zum mindesten darauf hindeutet, wie unsicher und unausgeglichen die gan­zen Derbältnisse in Spanien noch sind. Es ist in wenigen Jahren nun schon d i c vierte Militär- re v o l t e, diesmal aber mit a u s -

Stunde bombardiert. Soldaten? Es lebe Spanien, es lebe die Republik!"

Vieser Ausruf ist, wie von republikanischer Seite mitgcteilt wird, das verabredete Felchen zum Beginn der Unternehmung. Der General ft reit ist bis jetzt ausgerufen in San­tander, Bilbao, Valencia, San Sebastian, 3aen, Sevilla, Labix, San Fernando und Barcelona. Rach einer amtlichen Meldung aus Madrid traten

SARAGOSSA

MADRID

BARCE TO NA

^VALENCIA -

BILBAO

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gesprochen republikani-

Ich« n Vorzeichen, ein Beweis. r-

welche starke unterirdische Propagan- ZZ

Datätigkeit d e Republi.aner ent alten L_

und welche Erfolge sie gerade bei der -

Intelligenz haben müssen, wenn es ihnen sogar gelingt, Offiziere für sich zu gewinnen. Freilich, Ursache und Wirkung find hier schwer zu unter­scheiden. Man braucht nicht unbedingt anzuneh­men, daß in Spanien sich eine staatspolitische Reu- vrientierung von der theoretischen Seite her vor­bereitet. Sehr viel wahrscheinlicher ist, daß der Ausgangspunkt dieser Unruhen wirtschaft- l ich er Ratur ist.

Spanien hat jahrzehntelang unter einer Mih- wirtschaft gelitten, die mit dem Parlamentaris­mus nicht allzu viel zu tun hatte, aber von seinem Ramen gedeckt wurde.' Primo de Ri­vera hat als Diktator Ordnung zu schaffen ver­sucht, was ihm zunächst auch gelang, aber er fand bann nicht den Rückweg in die normalen Verhältnisse und stürzte über der Welle der Unzufriedenheit, die aus den wirtschaftlichen Folgen der Arbeitslosigkeit und einer sinkenden Währung eigentlich unvermeid­lich war. Sein Rachfolger Berenguer kämpft mit den gleichen Schwierigkeiten, nur dah er eben nicht Die Autorität besitzt, auf die sich Primo de Rivera wenigstens in seinen An­fängen stützen konnte. Troy der Diktatur scheint es aber immer noch nicht gelungen zu fein, die 2 u n t a s. die Offizierscliquen, unschädlich zu machen, die eine der stärksten Quellen der Un­ruhen waren und dem Militär seine Zuverlässig­keit nahmen Man kann den Fall 3aca als einen Ausfluß dieser Junta-Stimmung bewerten, man kann ihn aber auch ernster auffassen als den Beweis einer weiter um sich greifenden Un­zufriedenheit. Rur dah selbst in Spanien das Schicksal des Landes vermutlich nicht von einer Grenzfestung aus, sondern von den Groß­städten aus, vornehmlich also von Madrid und Barcelona her entschieden wird, aus denen seit den letzten 24 Stunden allerdings recht bedrohliche Meldungen vorllegen.

Ein Klugblatt der Revolutionäre.

Der Madrider Militär-Klugplatz wird beschossen.

M a d r l d, 15. Dez. (TU.) Kur, vor 12 Uhr MLZ. wurde von Flugzeugen folgender Aufruf über Madrid abgeroorfen:Soldaten! 3n der vergangenen Rächt ist In ganz Spanien die solange erwartete und ersehnte re­publikanische Bewegung ausgebro- chen Volk und Armee vereint haben sie ausge­führt. DU Rachrichten, welche die neue Regie­rung aus allen Provinzen erhält, bestätigen den erwarteten Erfolg. Zur Vermeidung leidenschaft­licher Akte und unschuldiger Opfer und um der gan­zen Welt zu zeigen, daß das spanische Volk seine Geschicke so, wie sie Gerechtigkeit, Friede und Ar- beit erfordern, selbst lenken kann, ist es nötig, daß Ihr Euch der Bewegung anschließt, um so den Bürgerkrieg zu vermeiden. Wenn Ihr so handelt, macht Ihr Luch u m d a s Vaterland und die Republik verdient. Wenn aber Eure Schwäche oder Eure Gewissenlosig­keit Luch gegen diese Bewegung Stellung nehmen läßt, werdet Ihr die ersten Opfer der Be-

Hauptorte des Generalstreiks D Ausgangsort der Mihtarrevolte 3 Ort der Vollstreckung der Todesurteile

5000 Wann der Besatzung des Flug­platzesZu den vier Winden", unter dem Befehl des Generals Oueipo bei Cano und mehrerer Offiziere, darunter Major franco, in den Auf­stand. Sie entwaffneten die Wache des Pulver­magazins und füllten einen Kraftlastwagen mit Bomben, die sie an Bord mehrerer Flugzeuge brachten. Line Abteilung Truppen unter General Orgaz belegte den Flugplatz mit Geschühfeuer, der nach einer halben Stunde die weiße Fahne hißte. Oueipo del Cano und Franco flüchteten an Bord eines Flugzeuges. Ls ist nicht bekannt, ob die etwa 100 Kanonenschüsse, die gegen den Flug­platz abgefeuert wurden, Todesopfer gefordert haben.

Sämtliche Führer des Volkshauses haben dieses verlassen, wie es scheint aus Furcht vor Verhaftung. Das Athenäum in Madrid, dessen umstürzlerische Tätigkeit in der letzten Zeit

König Alfons XIII. von Spanien.

bekannt ist, wurde geschlossen. Das Stand- r e ch t wurde über Madrid und Umgebung ver­hängt. Die Hauptstadt zeigt bis jetzt kein veränder­tes Bild. In anderen Provinzen, wie ;. B. in S e - Villa, hatte der versuch eines Streikes keinen Erfolg und die Truppen blieben regierungstreu. Rach den letzten Meldungen haben die Behörden ein Extrablatt verteilen lassen, in dem mit- geleilt wird, daß sich die Aufständischen des Flug­platzes um 12.30 Uhr ergeben haben. Einige sind geflüchtet, sie werden von der Gendarmerie und von Husaren verfolgt. Der Flugplatz ist von der Gendarmerie beseht worden.

Verhaftungen in Madrid.

Paris, 15. De,. (WIB.) havas berichtet aus hendaye, daß sich die Rachrichl von der stand­

rechtlichen Erschießung zweier Offi­ziere bestätige. Andere Rachrichlen ließen auf den baldigen Ausbruch des Generalstreiks in Spanien schließen. Es seien bereits Maßnahmen da­gegen vorgesehen, namentlich die Ausdehnung des Belagerungszustandes auf gan; Spanien. 3n der Hauptstadt sollen einige poli­tische Persönlichkeiten, darunter Alcala Zamora und Miguel Maura, verhaftet und ein Waffen- unb Munitionsdepot entdeckt worden sein. Auch ein Professor der Industrieschule von Saragossa, ein Ge­werkschaftsführer und etwa 50 Kommunisten und Extremisten sollen wegen Beteiligung an der jüng­sten Aufstandsbewegung feftgenommen worden sein.

Die Meuterei niedergekümpst.

Wieder Muhe in Madrid

Paris, 15. Dez. (WTB.) lieber die Meu­terei der Besatzung des FlugplatzesZu den vier Winden" berichtet Havas in einer Meldung aus Madrid noch folgende Einzelheiten: Die auf­ständischen Flieger besetzten die Funk- station der spanischen Telephonge­sellschaft, die sich in der Rähe des Flug­platzes befindet, nahmen den Direktor und die

gebäude gerufen worden, wo man sie von der Ausstandsbewegung unterrichtet und jedem von ihnen ein Gewehr in die Hand g e d r ü ck t habe. Zahlreiche Arbeiter hätten s i ch geweigert, sich der Bewegung anzuschließen und das Gewehr entgegenzunehmen. Sie hätten erklärt, sie seien friedliche Familienväter und wollten nur ihre Arbeit verrichten. 'Daraufhin seien einige Arbeiter von den Aufständischen in einer -Baracke eingefchlossen worden. Ve agerungszustandiiberMdrid

(Genaue Kontrolle Der Rordgrenzc

Paris. 16.Dez. (Havas.) Eine Meldung aus Hendaye besagt: Gerüchtweise verlaute, daß i n ganz Spanien de r General st reik au»* gerufen sei. Die Sperre an der Grenze werde außerordentlich scharf gehandhabt, jedoch sei heute nachmittag der Verkehr der elektrischen Bahn zwischen Hendaye und San Sebastian, also zwischen den französischen Grenzstationen, der vor­mittags eine zeitlang unterbrochen war, xumTeil wieder ausgenommen worden. Allerdings seien die Fahrgäste genau untersucht worden, um zu verhindern, daß Personen, die an der Aufstandsbewegung beteiligt waren, über die Grenze nach Frankreich flüchteten. 2km französi-

Exminister Zamora wurde in Madrid verhaftet. Rechts oben: Der Fliegermajor Franco, einer der Hauptführer der Revolution.

Angestellten gefangen und ließen darauf die Rachricht verbreiten, daß in Spanien Die Re­publik auggerufen sei. Bei der Beschie­ßung des Flugplatzes durch die Regierungs­truppen soll nur ein Aufständischer leicht verletzt worden fein. Als die Journalisten um 14 Uhr sich auf den FlugplatzZu den vier Winden" begaben, stellten sie fest, daß dort wieder völlige Ruhe herrschte. Die Madrider Zei­tungen veröffentlichten am Rachmittag Extra­ausgaben, in denen die Befriedigung über die Wiederherstellung der Ruhe zum Ausdruck ge­bracht wird. Die Blätter begrüßen es, daß die Regierung auf diese Weise Madrid einen Trauer­tag erspart habe. Die Monteure, die als Z i v i l a n g e st e l l t e auf dem Madrider Flug­platzZu den vier Winden" arbeiteten, erzählten, sie seien heute früh um 8 Uhr, als sie auf ihrer Arbeitsstätte erschienen, in das Direkt ions-

fchen Departement Basses Pyrenees sei die Grenze auf spanischer Seite gesperrt.

Eine Havasmeldung aus Madrid besagt, um 10.30 Uhr habe bei Ministerpräsident Berenguer eine Besprechung stattge­funden, an der mehrere Generäle teilnahmen. General Balmes. der Leiter der spanischen Luftfahrttruppe, begab sich darauf nach dem zweiten Flugplatz von Madrid, Getase, und ließ von dort aus zwei Abtellungen ausrüsten, um den FlugplatzZu den vier Winden" zu beschießen. Als der Ministerrat um die Mittags­stunde noch tagte, sei bereits bie Rachricht von der Uebergabe der Aufständischen ein gegangen. Um 12.46 Uhr durchzogen In­fanterie-Abteilungen die Stadt und gaben d i e Ausrufung des Belagerungszustan­des öffentlich bekannt. Die Verlesung dieses Dekrets sei von der Bevölkerung mit Beifall be-

Llick auf 3 g c g in Rordspamen, wo Die Regierung Der Revolte Herr wurde.

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