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grüßt worden. Um 14 Uhr habe sich Gras Du- gallal. der Führer der Konservativen, ins Lknnenininistermm begeben, um die Regierung die bedingungslose Unterstützung sei- ner Partei anzubieten. Aach Schluß des Ministerrats erklärten die Minister, daß der Zwischenialt vollkommen bei gelegt sei. Alle Flugplätze Spaniens Haven durch Vermitt­lung der ntüitärischen Behörden der Regierung chre unbedingte Ergebenheit veriichern lassen. General Bcrenguer erklärte heute aoend, dah wegen der heutigen Vorfälle zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden seien.

Unruhen in Gan Sebastian.

Hendaye, 15. Dez. (Havas.) Heute früh sollen mehrere Gruppen exttemistßcher Manifestanten i n ö i e Bureaus des Gouverneurs von San Sebastian eingedrungen sein und zwei wachhabende Polizisten, die ihnen entgegentraten, durch Revoloerschüsse getötet haben. Die Mani­festanten sollen dann das ganze Bureaumaterial zerstört haben. Andere Extremisten sollen zur gleichen Zeit in den Zufahrtstraßen der Stadt den Milchwagen und den Arbeitern, die sich an ihre Arbeitsstätte begeben wollten, den W e g ver­sperrt haben. Die Zivilgarde und die Polizei sollen bei der Verfolgung mehrere Manifestanten getötet bzw. verletzt und eine große Anzahl verhaftet haben. In San Sebastian und Irun seien die Kaffee­häuser und die Läden geschlossen. Der Tele­phon- und Telcgraphenverkehr nach Spanien ist unterbrochen, weil die Manifestanten in San Sebastian die Apparate der Post zerstört haben sollen

Major Francos Flucht.

Madrid, 16. Dez. (TU.) Von der Regierung wird besonders darauf hingewiesen, daß Anzeichen vorhanden seien, daß Major Franco der Füh­rer der gescheiterten Aufstandsbewe- g u n g gewesen sei. Sicher sei, daß Franco am Mon­tagmorgen Madrid überflogen habe. Wäh­rend der Kapitulation der Besatzung des Flugplatzes Quarto Vientos hätten Major Franco und General Oueipo del Lano ein Flugzeug bestiegen und seien nach privaten Meldungen entflohen Eine Jagdstaffel habe die Verfolgung ausgenommen. Major Fr a n c o soll mit vier anderen Offizieren nach Portugal entkommen sein.

Flücht ge Republikaner in Gibraltar.

London, 15. Dcz. (Töl.) 3n Gibraltar ist eine größere Anzahl von flüchtigen spa­nischen Republikanern eingclrcffcn. Sie berichten, dah die Zivi'gardr in allen spanischen Städten in der Rahe von Gibraltar republi­kanische Führer verhaftet habe. Die Madrider R'gierung hat eine Abteilung Zivil­garde aus Marokko nach Spanien beordert. 3n Gibraltar verlautet, dah die Regierung auch die Absicht habe. Truppen per Fremden­legion nach Spanien zu verschiffen. Artilleristen hätten jcöou; gedroht, icves S^iff zu bomvardie- ren, das mit Truppen an Vord den Hafen ver­lassen sollte. 3m Laufe des Montagnachmittag teilte die Leitung des Telephondienstes mit, dah die telephonische Verbindung mit Spanien unter­brochen sei. Es lägen keine Rachrichten vor, wann die Verbindung wirderhergestcllt werden würde.

R'sikopramien gegen Kriegsgefahr.

Nervosität in Lchisfahrtskreisen.

London, 15. Dez. (TU.) Im Hinblick auf bie Lage in Europa erwägt nach einer Mel­dung derSunday Times" die große englische Der- sicherungsgesellschast Lloyds zur Zeit einen vor- schlag, die Frachlversicherungssähe gegen Kriegsrisiko um 6 Pence zu erhöhen. Dies würde die Versicherungskosten für englische Frachten um 10 Millionen Mark und für alle Frach­ten der Weltwirtschaft um 30 Millionen Mark er­höhen. Rach Aussagen eines führenden Maklers soll innerhalb der Schiffahrtskreife eine gewisse R e r o o s i l ä l wegen der gegenwärtigen internatio­nalen Lage herrschen.

DerDaily Telegraph" meldet hierzu ergänzend, dah die Verhandlungen sich noch im Ansangszustand befänden, soweit das Institut der Londoner Un­derwriters und die Lloyds Underwriter Association in Frage kommen. Als Grund werde angegeben, dah im Hinblick aus die unruhigen po­litischen Verhältnisse in vielen Ländern die gegenwärtige Gepflogenheit, das Kriegsrisiko umsonst oder gegen eine sehr kleine Prämie i n d i e p o l i c e einzuschllehen, dem Underwriter sehr schwere Verpflichtungen bringen könnte, ohne dah sie dafür eine entsprechende Vergütung erhalten. In den gegenwärtigen Verträgen über die Versicherung von Frachten sei eine Klausel enthalten, die dieBe­schlagnahmung und ...alle Folgen von Feindseligkeiten, ganz gleich ob vor oder nach einer Kriegserklärung" a u s s ch l ö s s e n. 3n den letzten Jahren sei gewohnheitsmäßig diese Klau­sel a u s g e st r i ch e n worden. Gewöhnlich be­stände übrigens im Hinblick auf die Fortlassung die­ser Klausel eine K ü n d i g u n g s s r i st, die meistens 10 Tage betrage, aber den Underwriters nach ihrer Ansicht keine ausreichende Sicherheit biete. Der Vorschlag dieser Sonderprämie erstrecke sich, soweit bekannt, nicht aus die Schiffskörper, da die meisten Reeder ihre Schiffe gegen Kriegsgefahr ohnehin durch besondere Vereinigungen auf Gegen­seitigkeit versicherten.

Oie Entrechtung derOentschen in der Tschechoslowakei.

Prag, 15. Dez. (Täl.) Seit 3ahren bemühen sich die deutschen Parteien in der Tsche­choslowakei, die Stelle eines dritten Landes- präsidenten zu schaffen und diese m i t einem Deutschen zu besetzen. Rach einer Erklärung der halbamtlichenPrager Presse" hat das Prager 3nnenministerium nach lang­jährigen Verhandlungen die Stelle zwar neu geschaffen, jedoch nicht mit einem Deutschen, sondern mit einem Tschechen besetzt. Da­nach setzte sich nun das Präsidium der böhmischen Landesverwaltung aus vier Tschechen zu­sammen, während die Deutschen, die ein Drit­tel der Bevölkerung Böhmens ausmachen, auch künftig im Präsidium der Landesverwaltung nicht vertreten sein werden.

Schwere Erkrankung poincares.

Das Befinden des ehemaligen Präsidenten der Republik gibt zu größter Besorgnis Anlaß.

p a r i s, 16. Dez. (I2L Funkfpruch.) wie erst jetzt bekannt wird, hat der ehemalige Präsident Ray­mond poincare am Samstag einen Schwäche­anfall erlitten, der als eine Folge feiner Anfang des Jahres überstandenen Operation anznfehen ist. Er muhte auf Anraten der Aerzte sofort das Bett hüten. Der Zustand poincares hat sich im Laufe des Montagabends weiter verschlim­mert. Nachdem sein Privatarzt bis gegen 20 Uhr an feinem Krankenlager geweilt hatte, wurde er erneut gegen 2 2 Uhr z u dem Patienten gerufen. Der Arzt hielt es für ratsam, noch einen Spezialisten vom Hospital de la

Salpetrige hinzuzuziehen, der wenige Augenblicke später in der Wohnung poincares eintraf. Als diejer das Krankenlager verlieh lehnte er jegliche Aeuherung über das Befinden des Patienten ab. Der Hausarzt blieb während der Rächt am Krankenlager. Im Freundeskreise des Kran­ken herrscht größte Besorgnis. Rach den letzten Rachrichten soll das Befinden poincares zu der größten Beunruhigung Anlaß geben.Petit parisien" will mitleilen können, poincare habe eine halbseitige Lähmung. Der ehemalige Präsident der Republik befindet sich im 71. Lebensjahre.

Schober Über österreichische Politik

Keine Kombination fürO sterreich/ aus der Deutschland ausgeschlossen wird!"

München, 15. Dez. (TU.) 3m Akademisch- Politischen Klub hielt am Montagabend der österreichische Vizekanzler und Minister für Aus­wärtige Angelegenheit.n, Dr. Schober, einen Vortrag überOesterreick, s Probleme der Gegen­wart". Unter den wichtigsten innerpolitischen Fra­gen hob Dr. Schober die Verfassungs­reform, den Finanzausgleich, die Regelung der Arbeitslosenfürsorge, den Abbau des viel zu großen Verwaltungsapparats und dir Rückkehr zur Ueberparteilichk it und vollen Objektivität in der Regierungspolitik h-rvor. Zur Frage der Bewaffnung der Selbstschuh­verbände erklärte der Redner, daß in einem geordneten Gemeinwesen nur die gesetz­lichen Vollzugsorgane des Staate s, in Oesterreich also das Bundesheer, die Gen­darmerie und die Polizei Waffen tragen dürften. Alles andere sei ungesund und habe keine Existenzberechtigung. 3n der Verfas­sungsfrage habe er sich bisher damit begnügen müssen, zu erreichen, was par amentarlsch durch­zusetzen möglich war. Leider sei ihm die Heim­wehrführerschaft auf diesem W ge nicht gefolgt. Trotz der zweifellosen Erfolge habe die Heimwehrführerschaft, die ihren überpar­teilichen Charakter jetzt aufgegeben habe, von einer Riederlage Schobers gesprochen und ihn des Poktterens mit der Sozialdemokratie verdächtigt. Es sei bedauerlich, dah der gesunde Gedanke der Heimwehr, auf den man so große Hoßnungen gesetzt habe, durch die wenig staats­männische Führung auf Abw.ge geraten sei. Das Wichttgste sei in Oesterreich die unbedingte Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, weil die notleidende Wirtschaft die andauernden Störungen durch Aufmärsche und Kundgebungen nicht ertrage.

Lieber das Verhältnis Oesterreichs zum Deutschen Reich erklärte Dr. Schober: 3n dieser Hinsicht müssen wir unsere nationalen Hochziele uns stets vor Augen halten. 3nsbeson- dcre müssen wir Wert darauf legen, dah d i e

Angleichung unseres Rechtszustan- des endlich zur Wahrheit wird. Wir müssen die Einsetzung von Ausschüssen in beiden Parla­menten anstreäen, deren Aufgabe es sein wird, die wirtschaftlichen Fragen Deutschlands und Oesterreichs so zu regeln, dah eine engere Verbindung auf volkswirtschaft­lichem Gebiet hcrgestellt wird. Die von mir in Paris geprägte Formel: Ein Volk in zwei Staaten muh richtunggebend sein für unsere Politik, und die zweite Formel: Keine Kombination für Oesterreich, aus der Deutsch­land ausgeschlossen w.rd!, gibt dieser ersten For- mel größere Bedeutung. (Stürmischer Beifall.) Der kleine und der große Bruder müssen als Gleichberechtigte einen Weg gehen, den gegen- seittgen wirtschaftlichen Rotwendigkeiten Rech­nung tragen, und auf das Wohl des großen deutschen Gesamwolkes bedacht sein."

Zu dem Briandchen Paneuropa-Plan erklärte Dr. Schober, nach den mageren Ergeb­nissen der Zollkonserenz könne nur noch ein un­verbesserlicher Optimist dof'en, daß es möglich sein werde, 21 Staaten wir'scha tlich oder gar politisch zu einigen. Wer jedoch varan denke, alle gleich- ge.ichteten wirt chaf l.cy n 3n eres enten zu ei::em Wirtschaftverbande zu vereinten, ter werde aus Erfolg rechnen können. Eine regio- naleWirtschaftsvereinigungsü durch­aus möglich, wobei die Oesterreichrr und Reichs­deutschen auch in nationaler Beziehung auf ihre Rechnung kommen würden.

Zum Schluß betonte der Redner, daß er stets dem großen Ziel gedient hab', Oesterreich zu allen Staaten freundlich zu stellen, ohne j doch an der herzlichen Veroundenheit Oesterreichs mit dem Deutschen Reich', den geringsten Zweifel aufkom­men zu lassen. Er habe mit dieser Politik gerade mit dem Hinweis auf die engste Verbindung mit dem Deutschen Reich: auch in Paris Ver­ständnis gefunden und in London und Rom gleichsalls Erfolge erzielt.

Diese Tatsache zeigt neuerdings deutlich, wie wenig Einfluß die deutschen Par­teien in der tschechoslowakischen Regierung be­sitzen. Von deutscher Seite wurde seinerzeit der deutsche Regierungsrat- Dr. Graf Doos- Waldeck vorgeschlagen, der auch hinsichtlich der Rangordnung von den Tschechen nicht hätte umgangen werden können. Besonders bedauerlich ist das Spiel des deutschen Bundes der Landwirte, der durch eine Gegenkandi­datur gegen Graf Boos-Waldeck mit einem bedeutend rangjüngeren Kandidaten die Lage noch weiter zuungunsten der Deutschen ver­schärft hat.

Sott das so bleiben?"

Ein deutscher Sozialist über Ungarns Kamps gegen das Friedensdiktat.

Berlin, 15. Dez. (TA.) Das führende Mit­glied des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbun­des, Franz 3oses Furtwängler, ein So­zialdemokrat, unterzieht in derZeitschrift für Geopolitik" (Verlag Kurt Vowinckel. Berlin) un­ter dem besonderen Blickwinkel der Cinstellungi der ungarischen Sozialdemokraten gegenüber der Regierung Horthy-Dethlen den Kampf der Magyaren gegen das Diktat von T r i a n o n einer eingehenden Untersuchung. Der Trianon-Vertrag, schreibt g-unu/angler, riß von Ungarn zwei Drittel seines Bodens und seiner Bevölkerung weg: er stellte sie unter die Herrschaft von Staaten, die bis an und in die 80er 3ahre des vergangenen 3ahrhun° derts türkische Paschaprovinzen waren und deren Kultur und Wirtschaft noch alle Kenn­zeichen dieser Vergangenheit tragen. Eine Dikta­tur in einem Lande wie Ungarn, wo Sozialdemo­kraten sagen, ihre schärfste Anklage gegen die Dik­tatur sei, dah die Propaganda der Gegner Un­garns mit dem SchlagwortHorthy-Regiment" ihnen, den Arbeitern, den Kampf gegen den Tria- non-Vertrag erschwere, ist so überflüssig, wie ein Kropf. Das meinen auch ungarische nichtsozialisti­sche Polittker. Entscheidend ist, dah der Kampf gegen das F r i e de n s di k t a t in Ungarn sich nicht auf eine Oberschicht ober Partei be­schränkt, sondern über alle Partei- und G e s e l ls ch a f t s s ch r a n ke n hinweg ge­tragen wird von einem einzigartigen Machtwillen des Gesamtvvlkes. Wie sollte es auch anders sein, fragt Furtwängler, wo jeder am eigenen Leibe die Armut, in die das Land durch seine unerhörte Verstümme­lung, die Abtrennung aller ergiebigeren Erwerbs­quellen und die wirtschaftliche Einkreisung durch feine mit Frankreich verbündeten Rachbarn hin­eingestürzt wurde, verspürt. 3n Ungarn wird jede Schule zur Rekrutenanstalt und jede Straßenecke zum Werbeplah. An Pforten, Hauseingängen, Bürotüren ist das kleine Metallschild genagelt, auf dem die Karte Rumpf Ungarns steht und die abgerissenen Gebiete, die eine bluttriefende Dornenkrone um­schließt. Eine '^ußchriit fragt den Beschauer: soll das so bleiben? und antwortet selbst:Nem, nem, sohal" (Rein, nein, niemals!) Wie in Ungarn muh die junge Generation des arbei­tenden und republikanischen Deutschlands mit dem

Beweismittel der sozialen Belagerung, die sich gegen Deutschland richtet, das Versailler System abwehren.

Immer noch der Remarque-Kttm.

Neichsbannerproteft gegen das Filmverbot.

Berlin, 15. Dez. (CRB.) Das Reichsban­ner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete in vier Sälen Berlins Protestkundgebungen gegen das Verbot des Remarque-Films. Die Reichstag ^abgeordneten Ministerpräsident a. D. Stelling und L e m m e r forderten die Aus­hebung des Verb ts. Das Straßenbild war stark belebt, ohne daß es im Saal oder draußen zu Zwischenfällen kam. Auch die Kundgebung in der Reuen Welt vollzog sich zunächst in Ruhe. Da der etwa 4000 Menschen fassende Saal wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt war, wurde in Kliems Festsälen eine Parallelkundgebung abge­halten.

Auch die Versammlung in den Pharus-Sälen in der Müllerstrahe war so stark besucht, dah eine Parallelversammlung abgehalten werden muhte. Schon um 20.30 Tlhr tarn es in der Hauptkund- gebung zu Störungen, als der vom Reichsbanner gestellte Saalschutz einen kommunistischen Zwischenrufer aus dem Seele entfernen wollte. Von allen Seiten erhoben sich Kommu­nisten, die ihrem bedrängten Parteigenossen bei­sprangen. Es entwickelte sich eine allgemeine Schlägerei, in die auch Versammlungsteilneh­mer eingriffen. Dem Saalschutz gelang es, die Störer aus dem Saal zu drängen. Rachdem ein Polizeioffizier mit mehreren Mann an der Tür des Saales Posten gefaht und Öen Raum für weitere Teilnehmer geschlossen hatte, konnte die Kundgebung ungestört beendet werden.

Oie preußenkoalitton.

Das Zentrum und dieInternationale der Gottlosen".

Berlin, 16. Dez. 3m Zentrum scheint man jetzt ernstlich auf die Sozialdemokraten böse zu fein, die feit einiger Zeit wieder mit heftigen Angriffen auf das Kabinett Brüning aufwarten. Namentlich das Verbot des Remarque- Films hat es ihnen angetan. Der Kanzler und sein 3nncnmtnifter müssen sich aus dem sozial­demokratischen Lager die gröbsten Vorwürfe ge­fallen lassen, wobei noch das Schwergewicht auf die Feststellung gelegt wird, dah eine faschi­stische Diktatur drohe und dah Brüning mit der Rechten liebäugle. 3m Reich gibt es aber keine Möglichkeit, die Sozialdemokratie wirksam in die Zange zu nehmen, wohl aber in Preußen, wo es lediglich vom Zentrum abhängt, zu welchem Zeitpunkt die sozialdemo­kratische Herrschaft ihr Ende finden soll. Der preuhische Zentrumsfraktionsführer Heß hat jetzt einen Brief an den Ministerpräsidenten Braun gerichtet, in dem er darauf aufmerksam macht, daß die kommunistischeinternatio­nale der Gottlosen" ihren Sitz von Moskau nach Berlin verlegen will, um hier an einem neuen Piscatvr-Fibn mitzuwttken.

Herr Hetz bittet den Ministerpräsidenten, eine Niederlassung dieser Körperschaft unter kei­nen Tim ständen zuzulassen. Wenn sich das Zentrum veranlaht sieht, diesen Dries zu veröffentlichen, dann darf man wohl daraus schließen, dah wir es hier mit einer ziemlich ernsten Aktion des Fraktionsführers Heh zu tun haben, über deren Bedeutung sich Herr Braun mit feinen Parteifreunden nicht im Unklaren sein wird. Der.noch wol e i wir davon Absta d nehmen, einen nahen Zusammenbruch der preuhiichen Re- gierungsgemeinschaft in Aussicht zu stellen. Fin­stere Wolken ballen sich allerdings am Koalitions­himmel zusammen, das war aber schon wieder­holt der Fall. Sie haben sich noch jedesmal im letzten Augenblick wieder zerteilt.

Oie Verwendung öffentlicher Gelder in Preußen.

Kontrollergebnisse der prentzischen Oberrechnungskammer.

Berlin, 15.Dez. (DDZ.) 3m Preußischen Landtag stand zur Beratung die P f u n g der Haushaltsrechnungen von 19247*1920 und 1926.

Abg. Ebersb ach (Dnt.) erklärt, seine Frak- tion werde beim Etat beantragen, den lOprozen- tigen Abstrich bei der Oberrechnungskam- mer zu unterlassen. Besonders dürfe man nicht, wie beabsichtigt, etwas von den 10 000 Mark Reisekosten der Oberrechnungskammer streichen. Die örtliche Prüfungsarbeit der Kammer habe nämlich in einem einzigen Falle dem Staatüber500 000 Markei n gebracht. (Hört! Hort!) Die Kammer habe feftgeftellt, dah bie Porzellan-Manufaktur es fertig­bekommen habe, einen Tatsachenverlust in einen wenn auch scheinbaren kleinen Gewinn umzuwandeln. (Hört! Hört! rcdjLä.) Die ganze Umstellung der PorzKlan-ORanufaktur, die angeblich dem 3nstitut eine taufmännische Grund­lage geben sollte, sei, wie sich aus dieser Tatsache ergebe, nichts weiter alseinSchwindel.

Bei der Landesschulkasse waren nach den Ermittlungen der Kammer die Bücher so un - übersichtlich, daß ein Angestellter dort über 300 000 Mark veruntreuen konnte, ohne daß der Landesschulkasse etwas auffiel. (Hört! Hört! rechts.) Dafür aber haben auch die vorgesetzten Be­hörden versehentlich der Lcmdesschulkassenoerwal- tung die gesetzlichen Zuweisungen zweimal zu- gewiesen. Insgesamt sind von der Oberrech- nungskammer bei der Landesschulkasse zugunsten der Regierungskassen mehr als 2 Millionen gerettet worden.

In geradezu leichtfertiger Weise habe weiter der Kreis Adenau beim Bau der Autorenn­st r a ß e Nürburgring verfahren. Von einem ordentlichen Bauplan habe man überhaupt ab« gesehen und infolgedessen erlebt, daß der Bau« preis von 2Z Millionen, aus 12 2 Mil­lionen anstieg. (Anhaltendes Hört! Hört! bei den Deutschnationalen.) Der ganze Nürburgring sei ein dunkler Punkt des Zentrums. Denn alle für das Projekt Verantwortlichen gehörten dem Zentrum an. (Unruhe im Zentrum.) 8 Millionen müßten bei dem Nürburgring-Bau schon jetzt als ver­loren gelten. (Hört! Hört! rechts. Rufe bei den Sozialdemokraten:Sie haben ja selber zu­gestimmt!") Die Deutschnationalen hätten ihren im Ausschuß von, den Regierungsparteien niederge­stimmten Antrag wieder eingebracht, die an dem kolossalen Nürburgring-Defizit schuldigen beamteten und nichtbeamteten Personen zur Verantwor­tung zu ziehen.

Britische Kriegsschuldenzahlungen an Amerika.

London, 15. Dez. (WTB.) Die britische Regie­rung hat heute an das amerikanische Schatzamt die auf Grund des Schuldenabkommens mit Amerika fälligen 94 390 000 Dollars als Halbjahreszahlung geleistet, wovon 28 Millionen Dollars zur Amor­tisierung und der Rest für den Z i n s e n d i e n st der britischen Kriegsschuld bestimmt ist. Hiermit steigt die Summe, die den Vereinigten Staaten seit Fun­dierung der britischen Schuld gezahlt worden ist, aus 1 285 750 000 Dollars, wovon 202 Millionen Dollars zur Amortisierung gedient haben. Die Gesamt­schuld beträgt noch 4 398 000 000 Dollars.

Kleine politische Nachrichten.

Der im Taris st reit des Bankgewer- bes ergangene Schiedsspruch ist vom Reichs­verband der Bankleittmgen angenommen worden. Da die beteiligten Geweüschaften den Schiedsspruch ihrerseits abgelehnt haben, hat der Reichsverband der Bankleitungen die V e r b i n ö- lich keitse rklä rung des Schiedsspruchs be­antragt.

Zur Beilegung der Lohnstreitigkeiten im Hamburger Hafen einigten sich die Parteien auf folgenden Schiedsspruch: Mit Rück­sicht auf die besondere Lage im Hamburger Hafen bleibt der bisherige Lohn für die erste Schicht von 9,20 Mark bis zum 15. Februar 1931 in Kraft. Die Parteien werden rechtzeitig erneut jufammentreten, um über die weiteren Lohnver­handlungen zu beraten.

DieRote Fahne", die einen längeren Artikel des Parteivoriitzenden Th> tma, u. t . rn TitelWir führen das Volk zum Siege über die faszistische Diktatur" enthielt, wurde beschlag­nahmt. Als Grund für die Beschlagnahme gibt der Gerichtsbeschluß Hochverrat Widerstand gegen die Staatsgewalt und Aufreizung zum Klassen- hah an.

3n Berlin verschied her sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete 3ohannes Hoffmann (Kaiserslautern). Rach dem Umsturz bekleidete er in dem Ministerium Kurt Eisner das Amt des Kultusministers. Rach der Ermordung Eis­ners wurde er bayerischer Ministerpräsident.

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Anläßlich des parteipolitischen Auftretens des Kasseler Dberpräfibenten H a a s in der sog. Bürger­krieg Kundgebung in der Kasseler Stadthalle hat der Vorsitzende der Hessen-Nassauischen Arbeitsgemein­schaft im Provinziallandtag, Senatspräsident Dr. H e l d m a n n (Frankfurt a. M.), an das preußische Ministerium des Innern folgendes Telegramm ge­richtet:Als Vorsitzender der Vrovinziallandtags- fraktion der Hessen-Nassauischen Arbeitsgemeinschaft erhebe ich schärf st.e n Einspruch dagegen, daß der sozialdemokratische Oberpräsident Haas durch hemmungslosesparteipolitifchesHer-