grüßt worden. Um 14 Uhr habe sich Gras Du- gallal. der Führer der Konservativen, ins Lknnenininistermm begeben, um die Regierung die bedingungslose Unterstützung sei- ner Partei anzubieten. Aach Schluß des Ministerrats erklärten die Minister, daß der Zwischenialt vollkommen bei gelegt sei. Alle Flugplätze Spaniens Haven durch Vermittlung der ntüitärischen Behörden der Regierung chre unbedingte Ergebenheit veriichern lassen. General Bcrenguer erklärte heute aoend, dah wegen der heutigen Vorfälle zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden seien.
Unruhen in Gan Sebastian.
Hendaye, 15. Dez. (Havas.) Heute früh sollen mehrere Gruppen exttemistßcher Manifestanten i n ö i e Bureaus des Gouverneurs von San Sebastian eingedrungen sein und zwei wachhabende Polizisten, die ihnen entgegentraten, durch Revoloerschüsse getötet haben. Die Manifestanten sollen dann das ganze Bureaumaterial zerstört haben. Andere Extremisten sollen zur gleichen Zeit in den Zufahrtstraßen der Stadt den Milchwagen und den Arbeitern, die sich an ihre Arbeitsstätte begeben wollten, den W e g versperrt haben. Die Zivilgarde und die Polizei sollen bei der Verfolgung mehrere Manifestanten getötet bzw. verletzt und eine große Anzahl verhaftet haben. In San Sebastian und Irun seien die Kaffeehäuser und die Läden geschlossen. Der Telephon- und Telcgraphenverkehr nach Spanien ist unterbrochen, weil die Manifestanten in San Sebastian die Apparate der Post zerstört haben sollen
Major Francos Flucht.
Madrid, 16. Dez. (TU.) Von der Regierung wird besonders darauf hingewiesen, daß Anzeichen vorhanden seien, daß Major Franco der Führer der gescheiterten Aufstandsbewe- g u n g gewesen sei. Sicher sei, daß Franco am Montagmorgen Madrid überflogen habe. Während der Kapitulation der Besatzung des Flugplatzes Quarto Vientos hätten Major Franco und General Oueipo del Lano ein Flugzeug bestiegen und seien nach privaten Meldungen entflohen Eine Jagdstaffel habe die Verfolgung ausgenommen. Major Fr a n c o soll mit vier anderen Offizieren nach Portugal entkommen sein.
Flücht ge Republikaner in Gibraltar.
London, 15. Dcz. (Töl.) 3n Gibraltar ist eine größere Anzahl von flüchtigen spanischen Republikanern eingclrcffcn. Sie berichten, dah die Zivi'gardr in allen spanischen Städten in der Rahe von Gibraltar republikanische Führer verhaftet habe. Die Madrider R'gierung hat eine Abteilung Zivilgarde aus Marokko nach Spanien beordert. 3n Gibraltar verlautet, dah die Regierung auch die Absicht habe. Truppen per Fremdenlegion nach Spanien zu verschiffen. Artilleristen hätten jcöou; gedroht, icves S^iff zu bomvardie- ren, das mit Truppen an Vord den Hafen verlassen sollte. 3m Laufe des Montagnachmittag teilte die Leitung des Telephondienstes mit, dah die telephonische Verbindung mit Spanien unterbrochen sei. Es lägen keine Rachrichten vor, wann die Verbindung wirderhergestcllt werden würde.
R'sikopramien gegen Kriegsgefahr.
Nervosität in Lchisfahrtskreisen.
London, 15. Dez. (TU.) Im Hinblick auf bie Lage in Europa erwägt nach einer Meldung der „Sunday Times" die große englische Der- sicherungsgesellschast Lloyds zur Zeit einen vor- schlag, die Frachlversicherungssähe gegen Kriegsrisiko um 6 Pence zu erhöhen. Dies würde die Versicherungskosten für englische Frachten um 10 Millionen Mark und für alle Frachten der Weltwirtschaft um 30 Millionen Mark erhöhen. Rach Aussagen eines führenden Maklers soll innerhalb der Schiffahrtskreife eine gewisse R e r o o s i l ä l wegen der gegenwärtigen internationalen Lage herrschen.
Der „Daily Telegraph" meldet hierzu ergänzend, dah die Verhandlungen sich noch im Ansangszustand befänden, soweit das Institut der Londoner Underwriters und die Lloyds Underwriter Association in Frage kommen. Als Grund werde angegeben, dah im Hinblick aus die unruhigen politischen Verhältnisse in vielen Ländern die gegenwärtige Gepflogenheit, das Kriegsrisiko umsonst oder gegen eine sehr kleine Prämie i n d i e p o l i c e einzuschllehen, dem Underwriter sehr schwere Verpflichtungen bringen könnte, ohne dah sie dafür eine entsprechende Vergütung erhalten. In den gegenwärtigen Verträgen über die Versicherung von Frachten sei eine Klausel enthalten, die die „Beschlagnahmung und ...alle Folgen von Feindseligkeiten, ganz gleich ob vor oder nach einer Kriegserklärung" a u s s ch l ö s s e n. 3n den letzten Jahren sei gewohnheitsmäßig diese Klausel a u s g e st r i ch e n worden. Gewöhnlich bestände übrigens im Hinblick auf die Fortlassung dieser Klausel eine K ü n d i g u n g s s r i st, die meistens 10 Tage betrage, aber den Underwriters nach ihrer Ansicht keine ausreichende Sicherheit biete. Der Vorschlag dieser Sonderprämie erstrecke sich, soweit bekannt, nicht aus die Schiffskörper, da die meisten Reeder ihre Schiffe gegen Kriegsgefahr ohnehin durch besondere Vereinigungen auf Gegenseitigkeit versicherten.
Oie Entrechtung derOentschen in der Tschechoslowakei.
Prag, 15. Dez. (Täl.) Seit 3ahren bemühen sich die deutschen Parteien in der Tschechoslowakei, die Stelle eines dritten Landes- präsidenten zu schaffen und diese m i t einem Deutschen zu besetzen. Rach einer Erklärung der halbamtlichen „Prager Presse" hat das Prager 3nnenministerium nach langjährigen Verhandlungen die Stelle zwar neu geschaffen, jedoch nicht mit einem Deutschen, sondern mit einem Tschechen besetzt. Danach setzte sich nun das Präsidium der böhmischen Landesverwaltung aus vier Tschechen zusammen, während die Deutschen, die ein Drittel der Bevölkerung Böhmens ausmachen, auch künftig im Präsidium der Landesverwaltung nicht vertreten sein werden.
Schwere Erkrankung poincares.
Das Befinden des ehemaligen Präsidenten der Republik gibt zu größter Besorgnis Anlaß.
p a r i s, 16. Dez. (I2L Funkfpruch.) wie erst jetzt bekannt wird, hat der ehemalige Präsident Raymond poincare am Samstag einen Schwächeanfall erlitten, der als eine Folge feiner Anfang des Jahres überstandenen Operation anznfehen ist. Er muhte auf Anraten der Aerzte sofort das Bett hüten. Der Zustand poincares hat sich im Laufe des Montagabends weiter verschlimmert. Nachdem sein Privatarzt bis gegen 20 Uhr an feinem Krankenlager geweilt hatte, wurde er erneut gegen 2 2 Uhr z u dem Patienten gerufen. Der Arzt hielt es für ratsam, noch einen Spezialisten vom Hospital de la
Salpetrige hinzuzuziehen, der wenige Augenblicke später in der Wohnung poincares eintraf. Als diejer das Krankenlager verlieh lehnte er jegliche Aeuherung über das Befinden des Patienten ab. Der Hausarzt blieb während der Rächt am Krankenlager. Im Freundeskreise des Kranken herrscht größte Besorgnis. Rach den letzten Rachrichten soll das Befinden poincares zu der größten Beunruhigung Anlaß geben. „Petit parisien" will mitleilen können, poincare habe eine halbseitige Lähmung. Der ehemalige Präsident der Republik befindet sich im 71. Lebensjahre.
Schober Über österreichische Politik
„Keine Kombination fürO sterreich/ aus der Deutschland ausgeschlossen wird!"
München, 15. Dez. (TU.) 3m Akademisch- Politischen Klub hielt am Montagabend der österreichische Vizekanzler und Minister für Auswärtige Angelegenheit.n, Dr. Schober, einen Vortrag über „Oesterreick, s Probleme der Gegenwart". Unter den wichtigsten innerpolitischen Fragen hob Dr. Schober die Verfassungsreform, den Finanzausgleich, die Regelung der Arbeitslosenfürsorge, den Abbau des viel zu großen Verwaltungsapparats und dir Rückkehr zur Ueberparteilichk it und vollen Objektivität in der Regierungspolitik h-rvor. Zur Frage der Bewaffnung der Selbstschuhverbände erklärte der Redner, daß in einem geordneten Gemeinwesen nur die gesetzlichen Vollzugsorgane des Staate s, in Oesterreich also das Bundesheer, die Gendarmerie und die Polizei Waffen tragen dürften. Alles andere sei ungesund und habe keine Existenzberechtigung. 3n der Verfassungsfrage habe er sich bisher damit begnügen müssen, zu erreichen, was par amentarlsch durchzusetzen möglich war. Leider sei ihm die Heimwehrführerschaft auf diesem W ge nicht gefolgt. Trotz der zweifellosen Erfolge habe die Heimwehrführerschaft, die ihren überparteilichen Charakter jetzt aufgegeben habe, von einer Riederlage Schobers gesprochen und ihn des Poktterens mit der Sozialdemokratie verdächtigt. Es sei bedauerlich, dah der gesunde Gedanke der Heimwehr, auf den man so große Hoßnungen gesetzt habe, durch die wenig staatsmännische Führung auf Abw.ge geraten sei. Das Wichttgste sei in Oesterreich die unbedingte Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, weil die notleidende Wirtschaft die andauernden Störungen durch Aufmärsche und Kundgebungen nicht ertrage.
Lieber das Verhältnis Oesterreichs zum Deutschen Reich erklärte Dr. Schober: „3n dieser Hinsicht müssen wir unsere nationalen Hochziele uns stets vor Augen halten. 3nsbeson- dcre müssen wir Wert darauf legen, dah d i e
Angleichung unseres Rechtszustan- des endlich zur Wahrheit wird. Wir müssen die Einsetzung von Ausschüssen in beiden Parlamenten anstreäen, deren Aufgabe es sein wird, die wirtschaftlichen Fragen Deutschlands und Oesterreichs so zu regeln, dah eine engere Verbindung auf volkswirtschaftlichem Gebiet hcrgestellt wird. Die von mir in Paris geprägte Formel: Ein Volk in zwei Staaten muh richtunggebend sein für unsere Politik, und die zweite Formel: Keine Kombination für Oesterreich, aus der Deutschland ausgeschlossen w.rd!, gibt dieser ersten For- mel größere Bedeutung. (Stürmischer Beifall.) Der kleine und der große Bruder müssen als Gleichberechtigte einen Weg gehen, den gegen- seittgen wirtschaftlichen Rotwendigkeiten Rechnung tragen, und auf das Wohl des großen deutschen Gesamwolkes bedacht sein."
Zu dem Briandchen Paneuropa-Plan erklärte Dr. Schober, nach den mageren Ergebnissen der Zollkonserenz könne nur noch ein unverbesserlicher Optimist dof'en, daß es möglich sein werde, 21 Staaten wir'scha tlich oder gar politisch zu einigen. Wer jedoch varan denke, alle gleich- ge.ichteten wirt chaf l.cy n 3n eres enten zu ei::em Wirtschaftverbande zu vereinten, ter werde aus Erfolg rechnen können. Eine regio- naleWirtschaftsvereinigungsü durchaus möglich, wobei die Oesterreichrr und Reichsdeutschen auch in nationaler Beziehung auf ihre Rechnung kommen würden.
Zum Schluß betonte der Redner, daß er stets dem großen Ziel gedient hab', Oesterreich zu allen Staaten freundlich zu stellen, ohne j doch an der herzlichen Veroundenheit Oesterreichs mit dem Deutschen Reich', den geringsten Zweifel aufkommen zu lassen. Er habe mit dieser Politik gerade mit dem Hinweis auf die engste Verbindung mit dem Deutschen Reich: auch in Paris Verständnis gefunden und in London und Rom gleichsalls Erfolge erzielt.
Diese Tatsache zeigt neuerdings deutlich, wie wenig Einfluß die deutschen Parteien in der tschechoslowakischen Regierung besitzen. Von deutscher Seite wurde seinerzeit der deutsche Regierungsrat- Dr. Graf Doos- Waldeck vorgeschlagen, der auch hinsichtlich der Rangordnung von den Tschechen nicht hätte umgangen werden können. Besonders bedauerlich ist das Spiel des deutschen Bundes der Landwirte, der durch eine Gegenkandidatur gegen Graf Boos-Waldeck mit einem bedeutend rangjüngeren Kandidaten die Lage noch weiter zuungunsten der Deutschen verschärft hat.
„Sott das so bleiben?"
Ein deutscher Sozialist über Ungarns Kamps gegen das Friedensdiktat.
Berlin, 15. Dez. (TA.) Das führende Mitglied des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, Franz 3oses Furtwängler, ein Sozialdemokrat, unterzieht in der „Zeitschrift für Geopolitik" (Verlag Kurt Vowinckel. Berlin) unter dem besonderen Blickwinkel der Cinstellungi der ungarischen Sozialdemokraten gegenüber der Regierung Horthy-Dethlen den Kampf der Magyaren gegen das Diktat von T r i a n o n einer eingehenden Untersuchung. Der Trianon-Vertrag, schreibt g-unu/angler, riß von Ungarn zwei Drittel seines Bodens und seiner Bevölkerung weg: er stellte sie unter die Herrschaft von Staaten, die bis an und in die 80er 3ahre des vergangenen 3ahrhun° derts türkische Paschaprovinzen waren und deren Kultur und Wirtschaft noch alle Kennzeichen dieser Vergangenheit tragen. Eine Diktatur in einem Lande wie Ungarn, wo Sozialdemokraten sagen, ihre schärfste Anklage gegen die Diktatur sei, dah die Propaganda der Gegner Ungarns mit dem Schlagwort „Horthy-Regiment" ihnen, den Arbeitern, den Kampf gegen den Tria- non-Vertrag erschwere, ist so überflüssig, wie ein Kropf. Das meinen auch ungarische nichtsozialistische Polittker. Entscheidend ist, dah der Kampf gegen das F r i e de n s di k t a t in Ungarn sich nicht auf eine Oberschicht ober Partei beschränkt, sondern über alle Partei- und G e s e l ls ch a f t s s ch r a n ke n hinweg getragen wird von einem einzigartigen Machtwillen des Gesamtvvlkes. Wie sollte es auch anders sein, fragt Furtwängler, wo jeder am eigenen Leibe die Armut, in die das Land durch seine unerhörte Verstümmelung, die Abtrennung aller ergiebigeren Erwerbsquellen und die wirtschaftliche Einkreisung durch feine mit Frankreich verbündeten Rachbarn hineingestürzt wurde, verspürt. 3n Ungarn wird jede Schule zur Rekrutenanstalt und jede Straßenecke zum Werbeplah. An Pforten, Hauseingängen, Bürotüren ist das kleine Metallschild genagelt, auf dem die Karte Rumpf Ungarns steht und die abgerissenen Gebiete, die eine bluttriefende Dornenkrone umschließt. Eine '^ußchriit fragt den Beschauer: soll das so bleiben? und antwortet selbst: „Nem, nem, sohal" (Rein, nein, niemals!) Wie in Ungarn muh die junge Generation des arbeitenden und republikanischen Deutschlands mit dem
Beweismittel der sozialen Belagerung, die sich gegen Deutschland richtet, das Versailler System abwehren.
Immer noch der Remarque-Kttm.
Neichsbannerproteft gegen das Filmverbot.
Berlin, 15. Dez. (CRB.) Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete in vier Sälen Berlins Protestkundgebungen gegen das Verbot des Remarque-Films. Die Reichstag ^abgeordneten Ministerpräsident a. D. Stelling und L e m m e r forderten die Aushebung des Verb ts. Das Straßenbild war stark belebt, ohne daß es im Saal oder draußen zu Zwischenfällen kam. Auch die Kundgebung in der Reuen Welt vollzog sich zunächst in Ruhe. Da der etwa 4000 Menschen fassende Saal wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt war, wurde in Kliems Festsälen eine Parallelkundgebung abgehalten.
Auch die Versammlung in den Pharus-Sälen in der Müllerstrahe war so stark besucht, dah eine Parallelversammlung abgehalten werden muhte. Schon um 20.30 Tlhr tarn es in der Hauptkund- gebung zu Störungen, als der vom Reichsbanner gestellte Saalschutz einen kommunistischen Zwischenrufer aus dem Seele entfernen wollte. Von allen Seiten erhoben sich Kommunisten, die ihrem bedrängten Parteigenossen beisprangen. Es entwickelte sich eine allgemeine Schlägerei, in die auch Versammlungsteilnehmer eingriffen. Dem Saalschutz gelang es, die Störer aus dem Saal zu drängen. Rachdem ein Polizeioffizier mit mehreren Mann an der Tür des Saales Posten gefaht und Öen Raum für weitere Teilnehmer geschlossen hatte, konnte die Kundgebung ungestört beendet werden.
Oie preußenkoalitton.
Das Zentrum und die „Internationale der Gottlosen".
Berlin, 16. Dez. 3m Zentrum scheint man jetzt ernstlich auf die Sozialdemokraten böse zu fein, die feit einiger Zeit wieder mit heftigen Angriffen auf das Kabinett Brüning aufwarten. Namentlich das Verbot des Remarque- Films hat es ihnen angetan. Der Kanzler und sein 3nncnmtnifter müssen sich aus dem sozialdemokratischen Lager die gröbsten Vorwürfe gefallen lassen, wobei noch das Schwergewicht auf die Feststellung gelegt wird, dah eine faschistische Diktatur drohe und dah Brüning mit der Rechten liebäugle. 3m Reich gibt es aber keine Möglichkeit, die Sozialdemokratie wirksam in die Zange zu nehmen, wohl aber in Preußen, wo es lediglich vom Zentrum abhängt, zu welchem Zeitpunkt die sozialdemokratische Herrschaft ihr Ende finden soll. Der preuhische Zentrumsfraktionsführer Heß hat jetzt einen Brief an den Ministerpräsidenten Braun gerichtet, in dem er darauf aufmerksam macht, daß die kommunistische „internationale der Gottlosen" ihren Sitz von Moskau nach Berlin verlegen will, um hier an einem neuen Piscatvr-Fibn mitzuwttken.
Herr Hetz bittet den Ministerpräsidenten, eine Niederlassung dieser Körperschaft unter keinen Tim ständen zuzulassen. Wenn sich das Zentrum veranlaht sieht, diesen Dries zu veröffentlichen, dann darf man wohl daraus schließen, dah wir es hier mit einer ziemlich ernsten Aktion des Fraktionsführers Heh zu tun haben, über deren Bedeutung sich Herr Braun mit feinen Parteifreunden nicht im Unklaren sein wird. Der.noch wol e i wir davon Absta d nehmen, einen nahen Zusammenbruch der preuhiichen Re- gierungsgemeinschaft in Aussicht zu stellen. Finstere Wolken ballen sich allerdings am Koalitionshimmel zusammen, das war aber schon wiederholt der Fall. Sie haben sich noch jedesmal im letzten Augenblick wieder zerteilt.
Oie Verwendung öffentlicher Gelder in Preußen.
Kontrollergebnisse der prentzischen Oberrechnungskammer.
Berlin, 15.Dez. (DDZ.) 3m Preußischen Landtag stand zur Beratung die P rü f u n g der Haushaltsrechnungen von 19247*1920 und 1926.
Abg. Ebersb ach (Dnt.) erklärt, seine Frak- tion werde beim Etat beantragen, den lOprozen- tigen Abstrich bei der Oberrechnungskam- mer zu unterlassen. Besonders dürfe man nicht, wie beabsichtigt, etwas von den 10 000 Mark Reisekosten der Oberrechnungskammer streichen. Die örtliche Prüfungsarbeit der Kammer habe nämlich in einem einzigen Falle dem Staatüber500 000 Markei n gebracht. (Hört! Hort!) Die Kammer habe feftgeftellt, dah bie Porzellan-Manufaktur es fertigbekommen habe, einen Tatsachenverlust in einen wenn auch scheinbaren kleinen Gewinn umzuwandeln. (Hört! Hört! rcdjLä.) Die ganze Umstellung der PorzKlan-ORanufaktur, die angeblich dem 3nstitut eine taufmännische Grundlage geben sollte, sei, wie sich aus dieser Tatsache ergebe, nichts weiter alseinSchwindel.
Bei der Landesschulkasse waren nach den Ermittlungen der Kammer die Bücher so un - übersichtlich, daß ein Angestellter dort über 300 000 Mark veruntreuen konnte, ohne daß der Landesschulkasse etwas auffiel. (Hört! Hört! rechts.) Dafür aber haben auch die vorgesetzten Behörden versehentlich der Lcmdesschulkassenoerwal- tung die gesetzlichen Zuweisungen zweimal zu- gewiesen. Insgesamt sind von der Oberrech- nungskammer bei der Landesschulkasse zugunsten der Regierungskassen mehr als 2 Millionen gerettet worden.
In geradezu leichtfertiger Weise habe weiter der Kreis Adenau beim Bau der Autorennst r a ß e Nürburgring verfahren. Von einem ordentlichen Bauplan habe man überhaupt ab« gesehen und infolgedessen erlebt, daß der Bau« preis von 2Z Millionen, aus 12 2 Millionen anstieg. (Anhaltendes Hört! Hört! bei den Deutschnationalen.) Der ganze Nürburgring sei ein dunkler Punkt des Zentrums. Denn alle für das Projekt Verantwortlichen gehörten dem Zentrum an. (Unruhe im Zentrum.) 8 Millionen müßten bei dem Nürburgring-Bau schon jetzt als verloren gelten. (Hört! Hört! rechts. — Rufe bei den Sozialdemokraten: „Sie haben ja selber zugestimmt!") Die Deutschnationalen hätten ihren im Ausschuß von, den Regierungsparteien niedergestimmten Antrag wieder eingebracht, die an dem kolossalen Nürburgring-Defizit schuldigen beamteten und nichtbeamteten Personen zur Verantwortung zu ziehen.
Britische Kriegsschuldenzahlungen an Amerika.
London, 15. Dez. (WTB.) Die britische Regierung hat heute an das amerikanische Schatzamt die auf Grund des Schuldenabkommens mit Amerika fälligen 94 390 000 Dollars als Halbjahreszahlung geleistet, wovon 28 Millionen Dollars zur Amortisierung und der Rest für den Z i n s e n d i e n st der britischen Kriegsschuld bestimmt ist. Hiermit steigt die Summe, die den Vereinigten Staaten seit Fundierung der britischen Schuld gezahlt worden ist, aus 1 285 750 000 Dollars, wovon 202 Millionen Dollars zur Amortisierung gedient haben. Die Gesamtschuld beträgt noch 4 398 000 000 Dollars.
Kleine politische Nachrichten.
Der im Taris st reit des Bankgewer- bes ergangene Schiedsspruch ist vom Reichsverband der Bankleittmgen angenommen worden. Da die beteiligten Geweüschaften den Schiedsspruch ihrerseits abgelehnt haben, hat der Reichsverband der Bankleitungen die V e r b i n ö- lich keitse rklä rung des Schiedsspruchs beantragt.
Zur Beilegung der Lohnstreitigkeiten im Hamburger Hafen einigten sich die Parteien auf folgenden Schiedsspruch: Mit Rücksicht auf die besondere Lage im Hamburger Hafen bleibt der bisherige Lohn für die erste Schicht von 9,20 Mark bis zum 15. Februar 1931 in Kraft. Die Parteien werden rechtzeitig erneut jufammentreten, um über die weiteren Lohnverhandlungen zu beraten.
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Die „Rote Fahne", die einen längeren Artikel des Parteivoriitzenden Th> tma, u. t . rn Titel „Wir führen das Volk zum Siege über die faszistische Diktatur" enthielt, wurde beschlagnahmt. Als Grund für die Beschlagnahme gibt der Gerichtsbeschluß Hochverrat Widerstand gegen die Staatsgewalt und Aufreizung zum Klassen- hah an.
3n Berlin verschied her sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete 3ohannes Hoffmann (Kaiserslautern). Rach dem Umsturz bekleidete er in dem Ministerium Kurt Eisner das Amt des Kultusministers. Rach der Ermordung Eisners wurde er bayerischer Ministerpräsident.
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Anläßlich des parteipolitischen Auftretens des Kasseler Dberpräfibenten H a a s in der sog. Bürgerkrieg Kundgebung in der Kasseler Stadthalle hat der Vorsitzende der Hessen-Nassauischen Arbeitsgemeinschaft im Provinziallandtag, Senatspräsident Dr. H e l d m a n n (Frankfurt a. M.), an das preußische Ministerium des Innern folgendes Telegramm gerichtet: „Als Vorsitzender der Vrovinziallandtags- fraktion der Hessen-Nassauischen Arbeitsgemeinschaft erhebe ich schärf st.e n Einspruch dagegen, daß der sozialdemokratische Oberpräsident Haas durch hemmungslosesparteipolitifchesHer-


