Ausgabe 
16.8.1930
 
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Aus der Provinzialbauptsiadt

Sieten, den 16. August 1930.

Oer Zenenbesuch.

Zu einer Reise wird - diese» Jahr nicht langen. Aber ich habe einen Bekannten in Thüringen, der hat mich schon so oft eingela­den, daß ich ihn einmal besuchen soll. Ich werde also einige Wochen zu ihm gehen." Solche oder ähnliche Aussprüche kann man öfter» hören. Fragt man aber später: ..Ra. Wie war » bei deinem Scannten t, dann wird in den wellten Fällen abgewinkt.Niemals wieder!" Wur­den wir aber denguten" Bekannten selber fra­gen. erhielten wir vielleicht btefelbe Antwort: ..Niemals wieder!" Woran liegt da« nun?

2- gibt leichtgläubige Menschen, die da mei­nen. sie mühten jeder Höflichkeit-formel sofort Folge leisten. Wenn irgend jemand, mit dem sie eine kurze Bekanntschaft gemacht haben, bei­läufig zu ihnen sagt:Besuchen Sie mich doch einmall", glauben sie auch, sie müßten es tun. Der betreffende gute Bekannte ist dann höchst überrascht, wenn er die BesuchSanzeige erhält. Dielleicht besinnt er sich kaum noch auf die da- mallge Zeit, will aber nicht unhöflich sein und schreibt zurück, daß er sich freue usw. 3ht Stil­len rechnet er damit, daß ihn der Besuch etwa einen Nachmittag kosten wird, bann sei die Sache wohl erledigt.

Lind nun kommt derFreund" und läßt sich einige" Tage, vielleicht Wochen, häuslich bei ihm nieder! Wer hat nicht schon solchenlieben" Be­such gehabt?

Aber kehren wir erst einmal vor unserar eigenen Tür! Haben w i r nicht auch schon, wenn wir zu Besuch bei Bekannten weilten. daS Gefühl gehabt, daßetwa- nicht stimmte"? Diel- leicht haben wir uns hier und da in kleine häus­liche Angelegenheiten gemischt, die unS eigent­lich nicht« angingen? Oder wir haben daS Be­nehmen der Kinder getadelt? SS ist immer eine schwierige Sache, bei Leuten zu Gast zu fein, die wir nicht sehr gut kennen. Lind ich glaube, e« ist da« Beste, man bricht seinen Aufenthalt sofort ab, wenn man auch nur von weitem merkt, daß man überflüssig ist, selbst In dem Fall, daß eine bestimmte Zeitdauer verabredet Wat. Sine Abreise ist dann immer noch besser al« ein zu lange- Bleiben.

SS gibt anderseits auch Leute, die in bezug auf Tccktgefühl eine Haut haben, wie ein Sle- fant. Sie kommen zu Besuch, verwechseln unser Haus mit einem Hotel, stellen an uns und unsere Kinder Ansprüche, die wir innerlich adlehnen, au« Höflichkeit aber erfüllen. Am Frühstückstisch fehlen fie; sie wollen sich gehörig ausschlafen. Wir warten, lassen den Kaffee kalt werden und zeigen doch noch eine freundliche Miene, wenn Dann der Besuch endlich geruht, zu erscheinen. Nach dem Mittagessen beschlagnahmen sie unser Sosa, um dort ihr Schläfchen zu halten. Linsere Kinder dürfen sich nicht mucksen. Nachmittags gehen sie au« und kommen, ohne irgendeine Zeit anzugeben, nach Hause. Ist daS Wetter so, daß sie bei unS im Hause bleiben müssen, fangen sie an,Ordnung zu schaffen". Die Gruppierung im Bücherschrank muß anders werden, die Bilder hängen verkehrt. Wir lassen sie gewahren, zeigen ein freundliche« Gesicht, nehmen un« aber vor, nach ihrem Weggang wieder alle« so zu stellen und zu hängen, wie eS war. Die geleerte Zigar­renkiste. der Tintenfleck auf der Tischdecke, das sind noch kleine Lieberraschungen, wenn der Be­such dann endlich Abschied genommen hat. Sollten wir dann nicht aus tiefinnerstem Herzen wün­schen. Niemals wieder!

Wie schön aber ein Besuch verlausen kann, wenn man sich bei einer Familie cinlebcn kann, da« haben viele sicher schon erfahren. Nicht der Gastgeber hat die größte Rücksicht zu nehmen, sondern wir, die Gäste. Einordnung wird von uns, den Fremden, verlangt. Sind unsere Freunde Frühaufsteher, dann werden wir eS auch, es schadet unS sicher nichts. Wird um ein Lihr gegessen, dann find wir pünktlich zur Stelle, und abends versammeln wir uns im Kreise der Familie, spielen mit den Kindern, erzählen der Großmutter von unserer Heimat und wollen nicht etwa ein Sondertänzchen für un« aufführen. Kleine Handreichungen nimmt jede Hausfrau dankbar an. Warum sollen wir ihr auch nicht einmal im Garten, bei der Wäsche, beim Decken des Tisches helfen? Denn wir sind es doch, die die Mehrarbeit verursachen.

In die Kindererziehung unserer Gastgeber mischen wir uns grundsählich nicht ein. erzählen auch nicht, wie ordentlich und brav unsere Spröß- lingc sind. Wir vergessen nie, daß die paar Tage oder Wochen in angenehmer Erinnerung bleiben sollen. Warum also die Harmonie stören?

Danz deutlich fühlen wir dann beim Abschied, Wenn die Aufforderung:Kommen Sie recht bald wieder zu uns!" an uns gerichtet wird, daß sie auch wirklich aus innerstem Herzen kommt, daß eS nicht nur ein Höslichkeitsfah ist. Lind froh und zufrieden können wir erwidern:Aber erst kommen Sie einmal zu uns!"

Nicht« zeugt mehr von einem guten Besuch al« die Fortsetzung im nächsten Jahr. Auf dem Boden gegenseitigen Berständnisfes und liebe­voller RüSkrchtnahme erwachsen dann die herz­lichsten Freundschaften, nicht aber bei oberfläch­lichen Reisebekanntschaften, die gelegentlich ein­mal mit einem Besuch enden, an den man nicht gern zurückdenkt, von dem man sagen muh. Niemals wieder!" W.

(Sichen im Lustpostverlehr 1930.

Dom 1. Mai ab ist Gießen an den un­mittelbaren Luftpostverkehr ange­schlossen worden. Mit dem um 8.20 Lihr hier ankommenden (Richtung Franksurt-Main) und um 8.30 Lihr hier abgehenden (Richtung Han­nover). sowie mit dem um 18.25 Lihr hrer an­kommenden (Richtung Hannover) und um 18.35 Uhr (Richtung Frankfurt-Main) hier abgehen­den Flugzeugen werden Luftpostsendungen (ge­wöhnliche und eingeschriebene Briefe, Postanwei­sungen und Pakete mit der BezeichnungLuft­post") Wcitctbeförbctt.

Sch luhze iten :

1. für die Luftpostsendungen in nördlicher Richtung (Hannover usw.): a) für gewöhn­liche Briefe spätestens 8.20 Lihr bei der Post­hilfstelle Flughafen, spätestens 7.30 Lihr beim Postamt 1; b) für die übrigen Sendungen spä­testens 7.20 Lihr beim Postamt 1.

2. für die Luftpostsendungen in südlicher Rich­tung (Frankfurt- Main): a) für gewöhn­liche Briefe spätestens 18.25 Lihr bei der Post- hilfstelle Flughafen, spätestens 17.35 Lihr beim Postamt 1: b) für die übrigen Sendungen spä­testens 17.25 Lihr beim Postamt 1.

Die SrhvhiM der Reichsbahn-persMNlaijse.

Die Reichsreaierung hat die allgemeine Sketch»- b a h n - T a r tfe r h o h u n g für den Perso­nenverkehr mit Wirkung ab 1. September d. I. genehmigt. Die Grundpreise erfahren danach folgende Erhöhung:

3. K l a s s e : bei Einzelkarten von 3,7 auf 4 Rps, bei Zeitkarten von 3,3 auf 3,7 Skpf. pro Kilometer.

2. Klasse: Einzel- und Zeitkarten von 5,6 auf 5,8 Skpf. pro Kilometer.

1. K l a s s e : von 11,2 auf 11,6 Skpf. pro Kilometer.

Die Erhöhung der Einzelpreise

wirb sich wirken:

vom

1. September ab wie folgt aus-

Personenzug:

Fahrpreis

2. Klasse 3 Klasse

heute künftig heute künftig 5,6 Pf. 5,8 Pf. 3,7 Pf. 4,0 Ps.

25

km

1,40 1.50 1,

1.

36

2,10 2,10 1,40

1,50

50

2,80 2,90 1,90

2,

$

w

5,60 5,80 3,70

11,20 11,60 7,40

4,

8,

300

16,80 17,40 11,20 12,

Eilzug:

Fahrpreis

2. Klasse 3. K laste

heute künftig heute künftig 5,6 Pf. 5,8 Pf. 3,7 Pf. 4,0 Pf.

25

km

1,90 2, 1,25

1,25

36

3,10 3,10 1,90

2,

50

3,80 3,90 2.40

2,50

100

7,60 7,80 4,70

5,

200

14,20 14,60 8,90

9,50

300

Die

14

5

20,80 21,40 13,20

Fahrpreise im Nahverkehr: jetzt künftig

km 15 Pf. 20 Pf.

20 20

14,

setzt

künftig

6 km

30 Pf.

30 Ps.

8

M

30

40

9

40

40

10

40 w

40

11

50

50

ß

50

60

16

60

70

17

70

70

18

70

80

19

80

80

21

80

90

22

90

90

23

90

100

24

90

100

25

M

100

100

Vie Preise der Zeitkarten.

Die Wirkung der Erhöhung der Zeitkarten­preise 3. Klasse von 3,3 auf 3,7 Pf. ist folgende. Es steigen die Preise der

Monatskarten 3. Klasse:

5 Ian von 4,20 auf 5, Mark

10 8,30 9,30

15 11,60 13,-

20 14,20 16,

25 16,40 18,40

30 18, 20,

Arbeiterwochenkarten:

5 km von 0,90 auf 1, Mark

10 1,70 1,90

15 2,40 2,60

20 2,90 3,20

25 3,30 3,70

30 ,, 3,60 4,

Ferner wird auch der jetzige Preis der B ahn­st e i g k a r t e n von 10 Pf., der seit der Dorkriegs- zeit unverändert geblieben war, auf 2 0 Pf. er­höht. Diese Erhöhung wird von dem Publikum mit am härtesten empfunden, da sie als nicht gerecht­fertigt, den Leistungen gegenüber, angesehen werden muß.

Seuertoefyrjubiläum in Gießen.

Wie bereits kurz berichtet, werden am 6. und 7. September die Freiwillige Gailsche Feuerwehr und die Gießener Freiw. Feuerwehr mit einer einfachen, aber würdi­gen Feier ihr 75jähriges Bestehen fest­lich begehen. Unter dem Gemeinschaf lsgcdan- ken:Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" undEiner für alle, alle für einen" haben bi« beiden Wehren seit 75 Jahren zum Wohle der Stadt und ihrer Bevölkerung gearbeitet. Daher bringt man denn auch in allen Teilen der Bür­gerschaft der Jubelfeier der beiden Feuerwehren große Sympathie entgegen. Man erinnert sich der Tatsache, daß die Mitglieder der Wehren unter selbstloser Einsetzung ihres LebenS und ihrer Gesundheit in steter treuer Pflichterfül­lung der Stadt und den Bürgern gedient haben und in zahlreichen Fällen der 7/j Jahrzehnte aufopferungsvoll tätig geworden sind. Man darf sicher sein, daß die beiden Freiwilligen Feuer­wehren bei ihrer Jubiläumsfeier erkennen wer­den. wie sehr Dank und Anerkennung der Bür­gerschaft ihr Wirken belohnen wird.

Für die Jubiläumsfeier ist folgender Verlauf vorgesehen: Am Samstag, 6. Sep­tem b e r , vormittags und nachmittags,ömb- fang der auswärtigen Kameraden, am gleichen Tage vormittags im Hotel Schütz Sitzung des Ausschusses der Aachener und Münchener Feuer- wehr-Llnterstützungskasse, daselbst nachmittags Sitzung des Landesverbandes Hessischer Freiwil­liger Feuerwehren, darauf im Schipkapaß Sitzung des Verbandes Hessischer Kreisfeuerwehrinspek­toren. Am Abend, um 20 Lihr beginnend, findet vom Brandplay aus ein Fackelzug durch die Straßen der Stadt nach der Liebigshöhe statt, wo sich ein Kommers mit allerlei geselligen Darbietungen anschliehen wird. Sonntag. 7. September, vormittags. Empfang aus­wärtiger Wehren, um 10 Lihr im Cafs Leib Tagung des Verbände« Freiwilliger Feuerweh­ren des Kreises Gießen. Lim 11.30 Lihr Aufstel­lung der beiden Feuerwehren auf Oswaldsgar- ten zu einer Hebung, um 12 Lihr Drandangrifs an einem größeren Häuserkomple?. 15 Lihr Ab­marsch der Feuerwehren von OswaldSgarten nach der Volk-Halle, wo man bei jXbcaUraufführun­gen, turnerischen und gesanglichen Darbietungen den Festtag beschließen wird.

OaS Ehrenmal für die gefallenen Gießener Healgymnasiasten.

Arn Samstag, 13. September, findet die Weihe dcS Ehrenmals statt, das im Vor­garten des Gießener Realgymnasiums für die im Weltkriege gefallenen ehemaligen An­gehörigen der Schule errichtet Wirb. Schon jetzt werden die Angehörigen der Gefallenen und alle diejenigen, die einst dem Gießener Real­gymnasium angehört haben, zur Teilnahme an der Feier eingeladen. Gleichzeitig mit der Dcnk- malweihe wird die von Kützstleryand geschaffene erste Ehrentafel enlhüllt werden, die die Namen aller derer enthalten soll, die zu Be­ginn oder im Laufe des Krieges unmittelbar aus der Schule ins Heer eingetreten und den Heldentod gestorben sind. Auch diejenigen, welche bereits zu Ostern 1914 die Schule verließen und fürs Vaterland starben, werden voraussichtlich auf dieser ersten Tafel verzeichnet fein. Weitere Ehrentafeln, die später geschaffen werden, sol­len die Namen aller im Weltkriege gefalle­nen ehemaligen Gießener Realghmnasiasten auf­nehmen. Die Tafeln werden außer Dor- und Zunamen auch Dienstgrad, Truppenteil, Todes­tag und Ort vermerken. Zwecks Lieberprüfung und ev. Vervollständigung der vorhandenen Auf­zeichnungen werden die Angehörigen und Freunde der Toten unter Hinweis auf die im heutigen Anzeigenteil veröffentlichte Aufforde­rung gebeten, baldmöglichst die notwendigen An­gaben an die Direktion des Realgymnasiums zu Gießen einzufenden. Die für die erste Ehren­tafel in Betracht kommenden Namen müssen spätestens bis zum 20. August übermittelt werden.

Am Tage der Denkmalweihe wird der Lehr­anstalt aus den Mitteln, die die Vereinigung der ehemaligen Angehörigen des Gießener Real­gymnasiums, sowie die gegenwärtige Schüler- generation in opferfreudiger Weise zusammen­gebracht haben, als Gefallenen-Gedächt- niSftiftung ein ansehnlicher Betrag zur Gründung eurer Schülerbibliothek Über­reicht werden.

Mit der Enthüllung de« Ehrenmals Wird eine Wiedersehen-feier verbunden sein, die die einstigen Schulkameraden und Freunde der Schule mit ihren Angehörigen in den Räu­men der LiebigShöhe vereinigen wird. Sr.

Daten für Tonntag, 17. August.

Sonnenaufgang 4.48 Lihr. Sonnenuntergang 19.20 Lihr. Mondaufgang 21.58 Lihr, Mond- Untergang 13.44 Lihr.

1786: Friedrich der Große im Schloß Sanssouci bei Potsdam gestorben: 1830: der Märchen­dichter von Dolkmann-Leander in Leipzig ge­boren.

Daten für Montag, 18. August.

Sonnenaufgang 4.49 Lihr, Sonnenuntergang 19.18 Lihr. Mondaufgang 22.29 Lihr, Mond­untergang 15.06 Lihr.

1830: Kaiser Franz Joseph I. von Oesterreich in Wien geboren; 1850 der Schriftsteller Aonore de Balzac in Pari- gestorben: 1866' Gründung deS Norddeutschen Bunde-.

Gießener Wochcnmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bi- 180 Pfennig das Pfund. Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 15, Gelbe Rüben 10 bi« 15, Rote Rüben 10 bis 15. Spinat 20 bi« 25. Römisch- kohl 8 bi« 10, Bohnen (grüne) 15 bis 20. Dohnen (gelbe) 20 bis 25. LInter-Kohlrabi 6 bi« 8. Erbsen 20 bis 25. Tomaten 20 bis 25. Zwiebeln 10 bi« 15. Kürbis 10 bis 12, Pilze 30 bi« 35, Kartoffeln 5' .. (der Zentner 5 Mark), Frühäpfel 15 biS 20, Falläpfel 5 bis 6. Birnen 20 biS 30, Dörrobst 30 bis 35, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannis­beeren 20 bis 25, Brombeeren 40 biS 45, Preihel- beeren 45 bis 50, Pfirsiche 50 biS 70, Pflaumen 15 bis 20. Zwetschen 25 bi« 30, Mirabellen 30 bis 35. Reineclauden 20 bis 25, Honig 40 bi« 50. Nüsse 60 bis 70, junge Hähne 120 bi« 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pfennig daS Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140, Tauben 70 biS 80 Pf. das Stück. Eier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bi« 70. Salat 10 bis 15, Salatgurken 15 bi« 30, Ein­machgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 20, Ober- Kohlrabi 8 bi« 10. Rettich 10 bi« 15 Pf. da» Stück, Radieschen 10 bi« 15 Pfennig daS Bündel.

vornotizcn.

Tageskalender für SamStag. Geflügel- und Vogclzuchtverein: MonatSver- fammlung, 20.30 Lihr. bei Gastwirt Henkel. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Kriminal-Tonsill^ Der Tiger".

Tageskalender für Sonntag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Programm wie am Samstag.

Stadttheater Gießen. Man schreibt unS: Am nächsten Sonntag. 24. August, gelangt auf der Watdbühne durch daS Stadttheater ShakefpearesLiebeS Leid und Lust" in der Inszenierung von Intendant Dr. P r a s ch zur Ausführung. Die Vorstellung ist auf den frühen Nachmittag gelegt, so daß weiten Devölkerungs- freifen der Besuch möglich fein toitb. Bei schlechtem Wetter sindet die Vorstellung im Stadttheater statt.

Deuts ch e Volkspartei. Kommenden Dienstagabend Versammlung imHindenburg". Redner: Landtagsabgeordneter Dr. Niepoth. (Siehe heutige Anzeige.)

Freiwillige Feuerwehren. Die beiden hiesigen Freiwilligen Feuerwehren werden am Montagabend eine gemeinschaftliche Hauptübung vornehmen. (Siehe heutige Anzeige.)

*

Das Arbeitsprogramm de« 6 t a b t r a t «. Der Gießener ©tabtrat wirb sich in seiner öfsentlichen Sitzung am kommenden Mittwoch, 16 Lihr beginnend, mit einer umfang­reichen Tagesordnung zu beschäftigen Habern An erster Stelle steht die Beratung und Entscheidung über die neuen Vorschläge zur Deckung deS städ­tischen Haushaltsplans für 1930. Don den Wei­teren Tagesordnungspunkten sind folgende al- besonders wichtig hervorzuheb«n: Errichtung von städtischen Kleinwohnungen in der verlängerten Schottftrahe; Llebemahme von Bürgschaften für Wohnungsbauten; die Wasserverforgung der Ge­meinden Heuchelheim und Ginbenftruth; Not­standsarbeiten für Erwerbslose des Wohlfahrts­amtes; Kved'.terwciterungen für den Neubau deS HochspanTTungSschalchauses de« Elektr.zitätsWer­kes, für die Beschaffung von Kabeln usw., für die (Erneuerung von Teilen der Gleisanlage

der Straßenbahn. Ferner stehen eine Anzahl Baugefuche und Arbeitsvergebungen zur Ent­scheidung.

* In« Manöver. Am kommenden Montag Wirb unser Bataillon zu den diesjährigen Ucbun- ?|tn aus dem Truppenübung-platz Döberitz »tr­aben. Abfahrt 20 40 Lihr vom Güterbahnhof. Vom 13. bi« 19. September nimmt ba« Bataillon an den graften Radmenübungen im Raume Mcnngebiel-Thüringer Waid teil. S« wirb am 20. September in den Standort zurückkehren.

" Straßensperrung, mitgeteilt vom Ober-Hessischen Automobilclud E. V. (A. v. D.) Gießen. Die Provinzialstraße B rauersch­wend Reuters im Zuge der Straße AlSseIdLauterbach wird vorn 18. August ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung er­folgt über WallenrodHergersdvrsBrauersch- wenb.

ee D i e Museen sind am morgigen Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet.

84. Geburtstag. Heute feiert Frau Katha­rina Schneider, An der Iohanneskirche 4 ivohnhast, ihren 84. Geburtstag. Die Bierundachtzig- jährige stammt au» Nheinhesten. Im Jahre 1870, kurz vor dem Ausbruch de» Krieges, verheiratete sie sich mit dem au» Nierstein stammenden Gendarmen Georg Schneider, der zunächst in Mainz stationiert war und später als Kericht»taxator nach Gießen kam, wo er im Jahre 1905 verstarb. Frau Schneider ist eine lebendige Chronik vergangener Zeiten. Sehr anschaulich versteht sie e», au» ihrer Kindheit zu erzählen, wie da in ihrer Heimat an den Sonntag» Nachmittagen die alten Männer zusammenkamen, bie in der Zeit der Fremdherrschast am Ansang de» 19. Jahrhundert» unter Napoleon I. al» Soldaten gedient hatten und wie sie von den Feldzügen und schlachten der alten Zeit sprachen. Auch da» Jahr 1870/71, in dem der Ehemann al» Feldgendarm in da» Feld zog, steht der Dierundachtsigjährigen in lebendiger (Erinnerung. Mit vielen Menschen au» allen Ständen hat Frau Schneider Beziehungen unterhalten und hat ihnen oft in schweren Zeiten durch ihre religiöse, in eigenen schweren Leben», schickialen erworbene Gesinnung wertvolle Dienst» geleistet

Dienstjubiläum bei ber Reichs­bahn. Sein 25. Jubiläum al« Schrankenwärter beging gestern Herr Hch Berg in Hausen. Im Dienste der Reichsbahn steh^ber Jubilar be­reit« seit 38 Jahren Lr erfreut sich noch geistiger und körperlicher Frische und ist in Hausen eine gern gesehene unb geachtete Persönlichkeit.

Falsche Hundertmarkscheine. Bon den im Umlauf befindlichen Rentenbankscheinen über 100 Mk. ist eine Fälschung festgestellt worden. Das Papier ist etwa- stärker al« da« echte und fettig im Griff. Das Wasserzeichen ist durch einen dunklen Aufdruck unter Aussparung be« Musters erzielt, darüber ist hauchdünnes Papier gefleht.

Artillerie in Mainz. Am 30. und 31. August treffen sich in der alten Garnisonsstadt Mainz die Angehörigen der ehemaliaen Feld- artillerie Regimenter 27 unb 63, Fußartillerie-Regi- menter 3 Gfz. unb 18, sowie beren Kriegsformatio- nen bei einem großen Wieberschenstag. Anfragen an folgende Kameraden: F . A .R .27: Martin Meyer, Mainz, Stahlbergstr. 33; F. A. R. 63: Obertel.-Sekr. Bigalke, Mainz-Kasiel, Friedenstraße; FH. A. R. 3: 'Jlaffin, Mainz, Langenbeckstr. 28,. A. R. 18: Gu- stoo Metzke, Mainz, Ludwigstraße.

. Gesellschaftsreise n nach der Schweiz, veranstaltet von dem Siemer-Reise- burcau, betrifft eine Anzeige in unserem heu­tigen Blatte, auf die wir besonder« aufmerksam machen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Sonntag 17. August. 9. Sonntag nach Trinitati».

Stadtkirche. 8 Uhr: Psarerr Mahr; zugleich Ehri- stenlehre für bie Neukonfirmierten der Matthäus- gcmeinde. 9.30: Pfarrer Becker. 11: Kinberkirche für bic Markusgemcinde; Pfarrer Becker. Johanne»- kirche. 8: Pf. Bechtolsheimer; zugleich Ehriftenlehre für bie Neukonfirmierten ber Lukasgemeinbe. 9.30: Pfarrer Ausfelb. 11; Kinberkirche für bie Johannes- gcmcinbe; Pfarrer Ausfelb. 20: Bibelbesprechung im Iohannessaak: Pfarrer Ausfelb. Kapelle de» Allen Friedhof». 9.30: Pfarrer Lenz; zugleich Chri- stenlehre für die Neukonfirmierten ber Lutberge- meinbe. Elisabelh-Meinkinderschale. 9 45: Pfarrer Bechtolsheimer ftleln-Clnben. 9: Hauptgottes- bienst; anschließenb Ehristenlehrc für bie weibliche Iugenb; 15.30: Kinbergottesbienst auf ber Burg. wieseck. 9.30; 1045. Kinberkirche. M,llen-Bu|erf. 10; 13: Alten-Buseck. Kirchberg. 10: Kirchberg: Feierliche (Eröffnung bes Konfirmanbenunterricht»; 11: Christenlehre für bie weibliche Iuaenb; 13.30: Lollar. Hausen-Garbenteich. 10: Garventeich; 11: Hausen, Christenlehre. Watzenborn-Steinberg. Dekanatsfest der Aeußere« Mission; 10: Kinberkirche; Missionar Lauck; 13.30. Festgottesbienst; Pfarrer Kalbhenn (Großen-Buseck); 15.45: Nachoersamm­lung; Missionar Lauck (Frankfurt a. TI.). In beiben Veranstaltungen Mitwirkung von Kirchen, unb Po- saunenchor. Opfer für bie Heibenmission. £i<f). 9.90: Gottesbienst; Pfarrvikar Draubt; 20: (i- turgischer Gottesbienst; Pfarrvikar Draubt. Mit. Wirkung bcs Pofauncnchors. Ttieber-Beffingen. 13.30: Gottesbienst; Pfarrvikar Draubt.

Katholische Gemeinden.

Samstag, den 16. August.

Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.

Sonntag, 17. August. 10. Sonntag nach Pfingsten.

Gießen. 6.30: Beichte; 7. Messe; Kommunion ber Jünglinge; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Prebigt; 11: Meße mit Prebigt; 14: Sakramentalische Bru- berschaftsanbacht. Grünberg: 9.45: Messe mit Predigt. hangen. 8: Hochamt mit Predigt. Laubach. 10.15: Hochamt mit Predigt; 14.30: Chri­stenlehre unb Anbacht. Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Dortrag unb Anbacht. Nidda. 8.30: Messe mit Predigt. Schollen. 10.30: Hochamt mit Predigt.

Mittwoch, 20. August.

hangen. 6.15. Messe.___________________________

Sonntagsdienst d.Aerzte u.Avotbeken nm 17.8.30 Frau 0r Rothenberger. Or. Steinreich. Hirschapoth.

Sabnarat: Dr. (Monter.D

Verantwortlich für das Feuilleton L53-: Or Fr. W Lange.

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