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Nachdruck verboten.

21. Fortsetzung.

Atemlose Stille hing im Saal. Frauen weinten. Der Präsident sprach leise mit dem Obmann der Geschworenen. Minuten gingen hin. Ms' die Fürstin stiller wurde, als das konvulsivische Ge­wiminer crusklang, hörte man die milde, abge­klärte Stimme des Verhandlungsleiters.

Fassen Sie sich, Fürstin. Ueberlegen Sie jedes Ihrer Worte!"

Die Fürstin beugte ihren Kopf zurück. Ihre Augen quollen angstvoll aus den Hohlen. Die Finger griffen in die Luft und streckten sich.

Ich habe ihn erschossen," sagte sie nach einer langen Pause.Ich! An jenem Abend, als er aus Paris zurückkam. Er ist von meinem Monn bestochen worden, mich als geisteskrank ins Irrenhaus zu stecken. Gr wollte mir den Wahn­sinn suggerieren, um sich dann mit meinem Mann mein Geld zu teilen. Mutz ich erst noch Ginzelheiten sagen? Mutz ich noch erzählen, wie dieser Teufel mich gequält hat? Aein. Es ist genug. Ich erschotz ihn, Herr Präsident. Das war meine Rache dafür, daß der Teufel mein Gehirn besessen... Die Rache dafür, Hatz er diese arme Frau geschlagen hatte. Ich selbst habe es gesehen. Ich stand hinter Frau Renate Mer- candin, hinter der Portiere in der Tür. Keiner sah nnch kommen. Keiner sah mich gehen. Ich packte meine Sachen und fuhr abends fort. Das ist alles. Das ist alles, was ich Ihnen sagen möchte, meine Herren."

Plötzlich fing sie an zu lachen. Schrill, wie irre. Schlug geballte Hände vor die Augen. Lachte... lachte--

Eine Stunde später stieg Renate Mercandin in ihren offenen Opelwagen. Tausende von Men­schen jubelten um sie her. Iemand, der sie bis zum Wagen geleitete, hielt noch immer ihre Hand und führte sie an die Lippen. Es war Griebenow. Renate nickte ihm zu. Der Motor sprang an. Renate fuhr. Vor chr lag die schöne weite Welt, die Freiheit. Die Sonne blendete sie.

Ein grauer Tag hing lastend und bedrückend hinter Wolkenvorhängen. Griebenow stand fröstelnd im Pyjama vor dem Toilettenspiegel. Es war neun Uhr morgens. Trotzdem lag noch halbes Dunkel iiber diesem Zimmer. Er legte die Rasierklinge ins Etui zurück, nahm .die Kölnischwasserflasche und rieb sich das Gesicht,

Zeuge nach Zeüge. Gin Dild des Schreckens und Entsetzens entsteht in dem Saale. Sonderbare Dinge werden ausgegraben. Mte, längst ver­gessene schmutzige Geschichten kommen wieder an den Dag. Patienten melden sich und sagen aus. Der Verdacht erhebt sich und wird stärker. Es gibt Schurken, die die Fälschung als Beruf betreiben. Man fälscht Geld und Dokumente, Schecks und Wertpapiere, Schmuck und Alter- tümer, Pässe und Gemälde, Ramen, Menschen und Gehirnprodukte, Todesfälle und Geburten. Der Verstorbene fälschte Geisteskranke.

Vermögen auf Vermögen rinnt durch seine Hand. Meistens ging es halbpart mit den Erben seiner Opfer, manchmal kam auf Mercandin auch nur ein Viertel.

Der Professor spielte. Das Spiel war seine Leidenschaft. ®in Dämmt besah den andern. Er gewann Vermögen und verlor sie.

Erweisbar wird es, daß er seine erste Frau als geisteskrank entmündigen lassen wollte, um sich ihr Vermögen anzueignen. Es gelang ihm nicht. Dann kam ihr Tod, dieser rätselhafte, ungeklärte Tod.

Alle Ordnung im Gerichtssaal hatte sich aufge­löst. Der Präsident hatte seinen Plcch verlassen und sprach mit Frau Renate Mercandin. Die Geschworenen sprangen von den Sitzen auf. Die Menschen drängten in den Saal.

Dann noch einmal jene tiefe, atemlose Stille, die auf neue Sensation wartet. Die Geschworenen sahen. Der Präsident ging langsam wieder zu seinem Stuhl zurück.

..Eine neue wichtige Zeugin," sagte er.Die Fürstin Tschaidse ist soeben aus Paris gekommen, um ihr Zeugnis abzulegen."

Bleich wie eine Tote trat die Fürstin Tschaidse in die Zeugenbarck. Gin wundervoller Zobelpelz umhüllte ihren schlarcken Körper. Uebernächtig

Oie Sünde der Renate Mercandin Roman von Fred Nelins.

Hämerlina?"

Es war der Innenarchitekt von Kleusch & Reugereuth.

Earamba, Doktor Eisenbart! Was treiben Sie? Sind Sie Chefarzt in der Klinik Mercan­din? Oder Aber nee." Er schlug sich vor die Stirn. *

(Fortsetzung folgt.)

war sie, hatte tiefe Ränder um die Augen, und ein sonderbares Duftgemisch von Blumen und von Aether strömte von ihr aus.

Sie sind die Fürstin Maita Dimitriewna Tschaidse?" fragte sie der Präsident.

Die Fürstin wars den Kopf zurück. Sie strich den Rasenschleier hoch. Darunter ein Gesicht, maskenhaft, bemalt, verzerrt... ein Gesicht wie ein Gespenst.

Ia, mein Herr."

Auf Befragen gab sie ihre Personalien an.

Die sind am gleichen Abend, als Professor Mercandin erschossen wurde, nach Paris ge­fahren, Fürstin Tschaidse?"

Ia, mein Herr."

Bestanden irgendwie Zusammenhänge zwischen Ihrer Reise und dem Tode des Professors?"

Gewitz, mein Herr."

Wollen Sie uns das nicht erklären?"

Aber gern. Was ist da zu erklären, Herr Präsident? Dieser Mercandin war der Teufel in Menschengestalt und wandelte hier auf Erden, er war der Gesalbte des Satans. Ich glaubte, datz er tot sei und mich nicht mehr quälen könne. Welch ein Irrtum, meine Herren Richter! Der Teufel ist unsterblich. Gr ist immer und überall. Immer ist er da und um mich. In Berlin... in Paris... in dem Zuge... auf dem Betstuhl in der Kirche. In den Rächten kommt er zu mir. Vier- fünfmal in jeder Rcnht. Dann saugt er mir den Atem aus der Seele. Meine Seele ist schon tot. Und nun folgt der 9eib. Sie hob die Hände, die fast fleisch- und wesenlos er­schienen, an die Schläfen.Da... daS ist sein Werk. Sehen Sie ---

Um Gottes willen, Fürstin. Sie versündigen sich."

An wem? Der Teufel ist in unserer Rahe. Er ist in uns und verpestet unsere Seelen. Schütteln Sie nicht den Kopf, Herr Präsident! Oh, wie werden Sie staunen, wenn ich Ihnen sage, wer ich bin. Eine von der Gnade Gottes Aus-gestoßene. Eine Mörderin... weiter nichts als eine Mörderin."

Sie fing fassungslos zu weinen an.Ich will sterben, datz ich vor dem Teufel Ruhe finde. Laßt mich sterben laßt--"

auf dem sich zwischen Mund und Rasenwurzeln tiefe Falten zogen. Schmerzende Gedanken schwirrten durch das Hirn Doktor Griebenows. Sein Lebensschiff war in den letzten Wochen steuerlos geworden. Wohin ging der Kurs? Sein Schicksal, der ersehnte Heimathafen war Renate... immer nur Renate.

In Gedanken war er bei ihr... strich er über ihre feinen Hände... sah er in die großen, klaren Augen. Wünsche quälten und verfolgten ihn. Die Erinnerung spann. Längst verwehte Sommerträume standen wieder auf. Der traurig­müde Klang vergilbter Hoffnung und enttäuschter Wünsche.

Müde senkte Griebenow den Kopf. Rein, so ging es nicht, so nicht. Seine Seele war Gebet. Renate ... dachte er. Heute werde ich dich fragen. Heute sollst du mir das Urteil sprechen.

Er entriß sich den Gedanken, die ibn zu ver- nich-rn drohten. Er zog sich an, frühstückte mit Unlust und fuhr nach der Friedrichstadt.

An der Leipziger Straße stieg er aus. Er hatte Zeit. Er bummelte so hin. Die Leipziger bis zur Friedrichstraße, die Friedrichstraße bis zur Lin­denecke. Er liebte diesen alten Brennpunkt des Verkehrs. Die Erinnerung aus alten Zeiten grüßte. Hier war man jung. Dort lag Kannen­berg und Fritze Töpfer in der Dorotheenstrahe.

Weiter ging er. Durch die Linden. Mtvertraut begrüßte ihn auch hier das freundliche Gewühl, auf dem die Mittagsonne glänzte. Feuchte Kält» hing im Laub der Baume. Ein starker Wind pfiff durch die Lindenwipfel. Welke Blätter kreisten am Boden.

Frauenaugen grüßten Griebenow. Froher, leichtbeschwingt ließ sich Griebenow vom Strom der Menschen treiben. Was ein FrauenIäHeln wirkte! Plötzlich fühlte er von hinten eine Hand auf seiner Schulter. Er blieb stehen und drehte sich herum.

Bekanntmachung.

Die vom Stodtrat beschlossenen vor­läufigen Steuerausschlagsätze für 1930 hoben bisher noch nicht die Genehmigung der zuständigen Ministerien gefunden. Da- durch wird die Anforderung der Steuern verzögert. Ick habe deshalb die Stadtkasse ermächtigt, Abschlagszahlungen bis zur Höhe der für dos abgelaufene Jahr zu zahlenden Beträge entgegenzunehmen. Den Steuerpflichtigen wird in ihrem eigenen Interesse empfohlen, von dieser Möglich­keit Gebrauch zu machen, da andernfalls durch die bis zur Ausgabe der Steuer­bescheide voraussichtlich eingetretene Fäl­ligkeit mehrerer Ziele die Zahlung der als­dann fälligen Beträge mit Schwierigkeiten verbunden sein könnte. 5009C

Gießen, den 14. Juli 1930.

Der Oberbürgermeister. Dr. Keller.

Wasserleitungsarbeiien.

' Für die Gemeinde Ruppertsburg, Kreis _ Schotten, sollen nachfolgende Arbeiten und ' Lieferungen vergeben werden: 5077V

Los 1. Anbau an den bestehenden Hoch­behälter mit 40 cbm Nutzinhalt.

Los 2. Neuer Hochdruckbehälter von tzbcbm Nutzinhalt.

Los 3. Rohrleitungen aus Gußeisen von 40, 50, 80 und 100 mm l. W (345 lfd.rn).

Pläne und Bedingungen liegen bei uns zur Einsichtnahme offen. Leistungsverzeich­nisse und Zeichnung über die Eisenbeton­decke können für Los 1 zu 1,50 RM. und für Los 2 und 3 kostenlos von uns bezogen werden. Eröffnungstermin Samstag, den 26. Juli 1930, vormittags 10% Uhr, auf unserem Amt. Zuschlagsfrist 14 Tage. Freie Auswahl bleibt Vorbehalten.

Gießen, den 14. Juli 1930.

Hessisches Kulturbauamt.

H. Steinbach, Regierungsbaurat,

Zakobimarkt Ulrichstein.

Montag, den 21. d. 21L, findet in Ulrich­stein Rindviehmarkt, Dienstag, 22. d. 2TL, Rindvieh- und Schweinemarkt, Mittwoch, 23. d. M., Krämermarkt statt, wozu er gebenst einladet 5082V

Bürgermeisterei Ulrichstein.

Appel.

Donnerstag, den 17. Juli 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich imLöwen", Neuenweg 28, dahier zwangsweise gegen Barzahlung

einen Dauerwellenapparat, vier Waren- schränke, vier Sofas, einen Rauchtisch, drei Nähmaschinen, eine Flurgarderobe, einen Diwan mit vier Sessel, zwei Spie­gelschranke, sieben Schreibtische, ein Bü­fett, ein Motorrad, einen Agawagen, einen Horchwagen, einen Bücherschrank, eine Bitrine, eine Ständerlampe, zwei Tafelklaoiere, drei Vertikos, zwei Wand­uhren, sechs eiserne Träger, eine Haar­schneidemaschine, einen Kleiderschrank, einen Waschtisch, ein Damenfahrrad, zwei Trumeauspiegel, ein Grammophon mit 15 Platten, zwei Schreibmaschinen, drei Kassenschränke, vier Chaiselongues, zwei Tische mit neun Stühlen, einen Sessel, eine Ladeneinrichtung, 150 Fla­schen Likör, 100 Kokosbesen, zwölf Roß­haarbesen, 15 Kinderklappstühle, zwei Holländer, zwölf Pferdchen, acht Pup­penwagen, 92 Kinderspiele, 40 Fahr- leinen, fünf Waschleinen, 24 Frucht­säcke, 20 Feldstühle, fünf Klappstühle, 100 Kartons Christbaumschmuck, Velour- matten, Weiden- und Peddigrohrsessel.

Bestimmt:

einen eintürigen Kleiderschrank, eine Flurgarderobe, fünf Haustruhen (be­malt), Herrenwämse, Damenjacken, eine kleine Fruchtpresse. 5089V

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Dierückständigen Beiträge zur Kranken-. Invaliden- und Arbeitslosenverstcherung für den Monat Juni 1930 können noch bis zum 23. Juli 1930 ohne Kosten be­zahlt werden.

Rach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann tägl. außer SamS- tags von 91 Uhr bei unserer Kaffe oder auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Ar. 10833 erfolgen.

Gießen, den 15. Juli 1930.

Der Rechner: Hinkler. 5078D

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