Ausgabe 
16.6.1930
 
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jährlich zu verschaffen. Don diesem Antrag sind Tariferhöhungen genehmigt toorDen, die für das Jahr 1930 lediglich eine Mehreinnahme von 47 Millionen Mark ergeben werden.

von einer neu zu beantragenden allgemeinen Erhöhung der Personentarife im geringeren Ausmaße wird eine jährliche Mehreinnahmc von etwa 45 Millionen Mark erwartet. Mil der Einführung dieser erhöhten personentorise würde erst zum 1. September zu rechnen sein, so daß der Hauptreiseverkehr keine Belastung erfährt.

Die Frage einer Gütertariferhöhung wurde auf die nächste Sitzung vertagt.

Nationalsozialistischer Protest in Berlin

Berlin, 16. Suni. (Eigene LRB.-Meldung.) Die Nationalsozialisten haben den gestri­gen Sonntag dazu benutzt, gegen das Uni» formverbot zu demonstrieren. An den verschiedensten Stellen der Stadt wurden Braun­hemden, die in kleinen Trupps durch die Straßen zogen, von der Polizei festgenommen. Insgesamt sind 1 50 Derhastungen erfolgt. Don den Festgenommenen ist im Laufe des Sonntags der größte Teil wieder entlassen worden. Zehn von ihnen werden sich wegen Tragens verbotener Kleidung und einer wegen Störung von Amts­handlungen zu verantworten haben.

Spaltung -er rumänischen Liberalen.

Georg Bratianu zum Parteiführer proklamiert.

Bukarest, 16. Iuni. (WTB.) GeorgDra- ti anu hatte eineDersammlung der Libera­len Partei einberufen, an der neben einem überaus zahlreichen Publikum die Vertreter der Parteiorganisation aus der Pro­vinz teilnahmen. Georg Bratianu übte in ferner Rede an der Führung der Partei, wie sie ihr von Dintila Bratianu aufgezwungen wor­den sei, scharfe Kritik. Er schloß seine Rede mit der Versicherung der tiefgefühlten An­hänglichkeit der Liberalen Partei an König Carol, von dem er eine neue Qlera für das Land erhoffe. Unter allgemeinem Beifall wurde Georg Bratianu von der Versammlung zum Parteiführer pro­klamiert.

Graf Zeppelin" in WMalen.

Friedrichshafen, 15.Juni. (WTB. Funk­spruch.) Nach achttägiger Ruhepause ist das Luft­schiffGraf Zeppelin" am Sonntagfrüh 8 Uhr unter Führung des Kapitäns Lehmann bei herrlichem Sonnenschein zur Fahrt nach M ü n st e r in Westfalen gestartet. Das Luftschiff nahm seinen Weg über einen Teil Thüringens, Kassel und Detmold und landete um 17.15 Uhr, herzlich begrüßt auf dem Flugplatz in Münster. Nach etwa zweistündigem Aufenthalt wurde die Rückfahrt angetreten, es nahm seinen Weg über Marburg und Gießen, erschien um 23.15 Uhr von Westen kommend, über Frankfurt a. M. und kreuzte etwa eine Viertelstunde lang über der Stadt. Um 0.20 Uhr befand sich das Lufffchiff über Mannheim, heute früh um 3.50 Uhr wurde Freiburg i. Br. in der Richtung Basel überflogen, um 5 Uhr wurde Schaffhausen passiert, um 6.15 Uhr erfolgte die glatte Landung auf dem Werft­gelände in Friedrichshafen. Die nächste Fahrt beginnt bereits am Dienstagfruh um 8 Uhr und führt nach der Schweiz.

Das Osthilfegesetz im Reichsrai.

Einstimmige Annahme. - E.n ÄZesrhilsegeseh gefordert.

Berlin. 14. Iuni. (Vdz.) Der Reichsrat trat heute unter dem Vorsitz des Reichsinnen­ministers Dr. Wirth zu einer öffentlichen Sit­zung zusammen.

Ministerialdirektor von Imhoff erstattete den Bericht der Ausschüffe über das Osthilfe­gesetz. Die Reichsbürgschaft werde 325 Milli­onen betragen, von den Preußen voraussichtlich 225 Millionen übernehmen werde. Der jährliche Reichszuschuß werde 126,3 Millionen accsmachen. Die Mittel für die Siedlung sollen durch in» und ausländische Darlehen unter Reichsbürgschaft be­schafft werden. Hierfür soll ein zentrales Finan­zierunginstitut gebildet werden. Die Finanzie­rungsfrage wird in einem besonderen Gesetzent­wurf über die Deutsche Ablösungsbank behandelt.

Die Reichsratausschüsse beantragen in einer Entschließung, möglichst bald weitere Mittel zur Förderung des Baues von Eisenbahnen im öst­lichen Grenzgebiet zur Verfügung zu stellen.

Der Vertreter der Provinz Ostpreußen, Frei­herr von GaYl, führte aus. die Vorlage bringe nur eine Teillösung der Ostfrage. Diesem ersten Schritt müßten weitere folgen, wenn das Ziel erreicht werden solle. Die Ausführung des Gesetzes müsse in die Hände der provinziellen Selbstverwaltung gelegt werden.

Reichsinnenminister Dr. Wirth erklärte, die noch vorhandenen Mittel in dem Grenzfonds 1929 würden ungekürzt der Provinz Ostpreußen zugute kommen. Die Reichsregierung werde nad> wie vor der besonderen Rotlage des abgeschnürten Ostpreußens Rechnung tragen.

Die Vertreter von Brandenburg, Pommern, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und

Schleswig »Holstein und Oldenburg ersuchten die Regierung, die im Gesetz zugelaffenen Hilfsmaß­nahmen für diese Länder und Provinzen anzu- wenden. Einige Aenderungsanträge Bayerns wurden nicht unterstützt. Der Vertreter der Pro­vinz Oberschlesien bedauerte, daß Oberschlesiens besondere Rotlage im Gesetz nicht ausreichend berücksichtigt worden sei. Das werde hoffentlich in den Ausführungsbestimmungen nachgeholt werden. Der Vertreter Riederschlesiens schloß sich für seine Provinz dieser Erklärung an.

hieraus wurden das Osthilfegeseh einstimmig und das Gesetz über die Ablösungsbank bei Stimmenthaltung Bayerns angenommen.

Angenommen wurde auch die Ausschußentschlie- hung über Eifenbahnbauten.

Der Reichsrat stimmte weiter der Ergänzung des Etats für 1930 zu, die durch die Grenz- hilse notwendig geworden ist.

Gesandter Dr. Gradnauer sprach die Er­wartung aus, daß bei der Verteilung der Gvenz- hilfe auch der Freistaat Sachsen ausreichend be­rücksichtigt werde.

Der Vertreter der Rhrinprvvinz forderte die baldige Vorlegung eines Westhilfegefehes zum Ausgleich der Schäden, die durch die Be­satzung angerichtet worden sind. Der Redner be­antragte, das Westhilfegesetz so rechtzeitig vorzu­legen, daß es unmittelbar im Anschluß an die Osthilfe erledigt werden kann.

Dieser Antrag wurde angenommen.

Die nächste Reichsratssitzung soll am nächsten Samstag stattfrnden.

Schwerer Konflikt in Oesterreich.

Major Pabst, der Organisator und Stabschef der österreichischen Heimwehren, für immer aus Oesterreich ausgewiesen. - Große Erregung in Tirol.

Vien, 14.3uni. (2DIB.) Die polizeikorre- sponden; feilt mit: Der deutsche Staatsangehörige Major a. D. Pabst, der im Jahre 1920 nach dem sog. Kapp-Putsch aus Deutschland nach Oesterreich ftüchtete. wurde heute von der Vundespolizei vor­geladen und nach Durchführung des erforderlichen Verfahrens aus Oesterreich ausgewiesen, weil er sich in Oesterreich in einer für einen Ausländer unzulässigen Weise be­tätigt habe.

Nie Heimwehnührer beim Bundeskanzler.

Wien, 14. Iuni. (WTB.) Rach Mitteilung der Pressestelle der Selbstschutzverbände sprachen heute am späten Abend der Bundes- führer der Heimwehren Dr. Steidle, welcher auch die Rechtsvertretung von Major a. D. Papst übernommen hat, sowie die Führer der ober- und niederöfterreichischen Heimwehren, Fürst Starhemberg und Major Feh, beim Bundeskanzler vor und ersuchten ihn dahin zu wirken, daß Pabst während feiner Bedenkzeit und bis zur endgültigen Entscheidung über die Rechtskraft der Ausweisung auf freien Fuß gesetzt werde. Dr. Schober erklärte, er habe selbst erst kurz vorher von den Maßnahmen der Polizei gegen Pabst Kenntnis erhalten und müsse sich erst über den Tatbestand unterrichten. Später gab er bekannt, daß er die Referenten zu sich bestellt habe.

3m Flugzeug noch Venedig abgcrcifr.

Wien, 15. Iuni. (WTB.) Die Dundespoli- zeidirektion Wien teilt mit:

Der reichsdeutsche Staatsangehorige Major a. D. Waldemar Pabst, der am 14. Iuni von der Dundespolizeidirektion Wien a u s d e_m österreichischen Bundesgebiet für ständig ausgewiesen worden ist, hat hier­gegen bei dem Landeshauptmann von Wien Be­rufung eingelegt. Die Berufung wurde heute abschlägig beschieden. Major Pabst, der die Bitte gestellt hat, möglichst bald, und zwar nach Italien, abreifen zu dürfen, ist nach Der- tünDung des Derufungsentscheides heute nachmit­tag in Begleitung feiner Gattin mit dem Flugzeug nach Venedig abgereist.

Das Flugzeug, mit dem Major a. D. Pabst heute vormittag nach Venedig abgeflogen ist, wird die Strecke WienVenedig ohne die sonst übliche Zwischenlandung in Klagenfurt zurücklegen. Der Abftug voll­zog sich in aller Stille. Das Flugzerm war von der österreichischen Luftverkehrsgesellschaft auf Ersuchen der Polizei bereit gestellt worden. Major Pabst wurde von mehreren Pol ixe i be­amt e n in einem Auto nach Dem Flugplatz Aspern gebracht, wo ihn seine Gattin erwartete, die mit dem Frühzug in Wien eingetroffen war. Major Papst bestieg mit ihr und zwe i P oli - zeibearnten das Flugzeug, das punft 15.36 Uhr auf stieg. Auf dem Flugfeld hatten sich nur wenige persönliche Bekannte Pabsts einge-

Marburger Festspiele.

Ter Kaufmann von Venedig."

Als zweites Stück nach demJedermann" spielen sie jetzt in Marburg den .Kaufmann von Venedig", die zweideutigste, bjtterfte und tragischste unter den Komödien Shake­speares. Dazu ist das Spielfeld vom Platz vor der Marienkirche nach der eigentlichen Freilichtbühne auf dem Schlohberg und die Aufführungszeit in die Abendstunden verlegt, was durch die Situation der Szenen des zweiten und fünften Aktes zwanglos gerechtfertigt er­scheint und überdies gewisse Stimmungswerte ergibt.

Die Aufführung, von Dr. Fritz Budde ge­leitet, hinterläßt einen uneinheitlichen Eindruck. Zunächst im äußeren Bilde: solange es noch hell ist, wirkt der szenische Rahmen mit seinen mancherlei Spielräumen, Aufbauten und Versatz­stücken sowohl in der Linienführung wie in der Farbenzusammenstellung (zweierlei Rot und ste­chendes Grün!) sehr unrühig; erst mit zuneh­mender Dunkelheit fliehen die Formen zusam­men und verwischen sich die Farben zu einem geschlosseneren szenischen Bilde.

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Was die innere Auffassung der Regie betrifft, so wird in der Marburger Darstellung durch­aus die heitere, lustspielmähige Seite des Wer­kes betont und in den Vordergrund geschoben, während Demgegenüber der sehr ernste Kem der comedy, ihr tragischer Unter ton, verwischt wird oder in vielfach konventionellem Theater stecken bleibt.

Dieser Grundeinstellung entsprechend gerieten die lichten Elemente des Werkes am besten und reinsten. Die Mummenschanz- und Serenaden- szene vor Shylocks Hause und die Auftritte der Prinzen von Marokko und von Arragon vor Porzia in Belmont wurden breit auSge- sponnen und mit allerlei hübschen Ruancen aus- gefpielt; hier und in der sehr geschickt zusammen- gestellten, zarten, musikalischen Bealeitung (Fritz C u j e) lagen die besten Eindrücke dieses Abends. Unverständlich und vollkommen überflüssig wirkte dagegen eine Tanzeinlage -zwischen dem vierten und fünften Akt, die von Mitgliedern der Tanz­gruppe Hilde B r u m o f (Kasseler Staats­theater) vorgeführt wurde.

Merkwürdig matt und äußerlich geriet vor allem Die große Hauptszene der Gerichtsver­handlung im vierten Akt: schwer zu sagen, wo­ran es lag. In erster Linie wohl an der Be­

setzung. Der Shylock ist bei allem Respekt vor Ludwig W ü l1 n c r und der großen Leistung des nun Zweiundsiebzigjährigen doch Wohl nicht die Rolle, in der er seine stärksten und eigentlichsten Kräfte entfalten fann; er gelangte gerade in der Gerichtsszene über eine sicherlich wirksame Theatralik kaum hinaus; viel feiner und innerlicher wirkten jedenfalls die gedämpf­teren und psychologisch ausgearbeiteten Szenen der vorausgehenden Akte; zu bewundern bleibt immer wieder die organische Kraft und sprach­liche Kultur Wüllners, die freilich jeder Rolle zustatten kommt, dem Shylock so gut wie dem Faust, dem Lear oder dem Rathan.

Auch Lore Schubert, Dresden, die Porzia, enttäuschte in der Hauptszene des vierten Attes, während sie im übrigen den Ton und Sttl dieser Preziosen und koketten Frauengestalt nicht übek zu treffen verstand. Ausgezeichnet besetzt sind einige Chargen: Werner Hollmann, sehr drollig und witzig als Graziano; Iohn Got - towt als ganz grotesker Arragon, Clemens Hasse, der mit wirbelndem Temperament den Lanzelvt Gobbo spielte.

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Emst Wendt war ein würdiger Antonio; Wangenheim als Dassanio ebenfalls gut bis auf die recht nüchtern geratene Kästchen- szene im Belmont: da fehlte der große Schwung des leidenschaftlich und glücklich Liebenden. Sehr schwach die Rerissa (Mathilde Zedier), die einen minder shakespeareschen als Wandervogel­haften Eindruck hinterließ. 3m übrigen wurde stellenweise zu schnell gesprochen; einige Te?t- unsicherheiten werden sich Wohl in spateren Auf­führungen abschleifen.

Der Premiere am Samstag war, trotz an­fänglichen Befürchtungen, der Wettergott gnädig, der Besuch war ersrmllich zahlreich, der Beifall herzlich. Wüllner wurde zum Schluß mehrfach gerufen.y

Kreuzworträtsel im Cafe.

Von Manfred Georg.

Rings um sie Duft von Schokolade. Und Pär­chen, die über bunte, fahnengekrönte Torten hin­weg verliebte Blicke wechseln. Das Cafe, klein, Deimelig, ein richtiges Rendezvousnest, schwirrt von fetfen Worten. Bisweilen ersticken sie im Schlagrahm, der weiß die roten Lippen netzt. Dann leitet ein Händedruck den Gedanken weiter. Einige Plakate an den Wänden: Russischer 'Beerensaft, gefüllte Eisbaisers, Rordlichtpunsch. Die Herren trinken kein Bier, auf daß ihr Atem

süß bleibe. Die Damen sehen ihre etwas zu sehr glänzenden (Kunst-) Seidenbeine huitig den Re­flexen der funkelnden Elektrobirnen aus. Die Zeitungen hängen schlaff an der Wand und träumen mißmutig ihren alten Wunsch träum in diesem Safe: es möchte einer kommen und sie lesen. Pustekuchen! Auch der Kaffee hat es oft nicht besser, er wird kalt und bekommt mürrische Hautfalten, und Löffel bleiben bisweilen mitten in der Apfelschaumfüllung stecken und nichts erfolgt weiter.

Hierher war das Fräulein geraten. Sie war nicht mehr jung, nicht mehr schön, aber von ihrer Geburt her hatte sie eine etwas schiefe Schul­ter. Langsam sah sie sich um. Sie hatte bereits bestellt, also mußte sie bleiben, Denn sie konnte sich die verschwenderische Geste einer Flucht nicht leisten. In der Hand hielt sie ein grünes Heft. Darauf standDätselzeitung". Es hätten doch auchDie Rächte der Marquise Montebello oderDes Försters Töchterlein" oderWie bleibe ich schlank?" fein können, vielleicht sogar ,/Der Untergang des Abendlandes". Aber es war und blieb dieRätselzeitung". Entschlossen, ja so, daß die Dünnen Blätter ein wenig knatterten, schlug sie sie auf.

Und während ihr Bleistift mit Der an Den Schnittflächen unregelmäßigen Spitze die Reihen Der Kreuzwortfiguren, Rösselsprünge unD (Silben* quaDrate auf unD ab fuhr, muhte sie denken:

Der höchste Berg der Seealpen waagerecht. Rie werde ich ihn besteigen mit meiner Lunge, heute früh habe ich schon wieder so stark ge­hustet. Der Rame der ersten Handfeuerwaffe senkrecht, er ist mir entfallen, wahrhaftig, einst wußte ich ihn. Klein sah ich im geplätteten Waschkleid, und so fromm auf der Schulbank. Für Die indische Göttin fehlen zwei Buchstaben mir von oben, nach unten gelesen. Der Iakob ist nun auch schon Chef des Importgeschäfts, Tee, Muskat, Zimt bis zu Vaters Tod, als er reich mich glaubte, hat er oft mich gestreichelt, später hat er zu Tante HeleneAlte Trulle" gesagt und mich gemeint ergibt ein Dramenwort... von Schiller? Von Uhland? Ach Gott, heute kommt man ja gar nicht zum Lesen mehr. Aufstehen, Hetzen, Tippen, hastig kaltes Mittagessen schlin­gen. Trübe Augen, Frost im Finger, Schlafen, Schlafen und die Mittelbuchstaben berühm­testes Wer? Boccaccios Pfui, Daran nur nicht denken, man würde ja rot aber der Iunge da drüben, etwas zu greller Schlips zwar, immerhin stopft nur so unmäßig Pfannkuchen er wartet worauf? Immerhin Teeforte von links waagerecht wäre mein Fall vielleicht kommt sie nicht er ist schon ganz blaß keiner mertt es, nur ich. alle tuscheln und flüstern, lauter Blicke wie kurze Gebete es liegt wie frischer Wind in der Luft. UnD ich rate.

funden, um sich von ihm und seiner Gattin zu verabschieden.

Major Pabst in Venedig eingeiroffen.

Wien, 15. Iuni. (TU.) Wie eine aus Ve­nedig eingegangene Mitteilung besagt, ist P a b ft am Sonntagabend dort mit dem Flug­zeug angekommen.

Scharfer Protest -er Tiroler Landesregierung.

Innsbruck, 15.Juni. (WTB.) Die hier be- findlichen Mitglieder der Tiroler Landes, regierung find mittags zu einer befände, ren Sitzung zusammengetreten. Nach deren Beendigung wurde folgendes Communiquä aus­gegeben: Die Landesregierung hat mit Befremden davon Kenntnis erhalken?-daß der Stabsleiter der Heimatwehren, Major a. D. Wal­demar Pabst, der seinen Wohnsitz in Tirol hat, ohne vorherige Fühlungnahme mit der Landesregierung in Haft genom­men und für dauernd aus Oe st erreich ausgewiesen wurde.

Sie sieht darin einen Ueberfall nicht nut auf die Person des Majors Pabst, sondern auf eine Bewegung, der ein großer Teil, und zwar ge­rade die siaatstreue Bevölkerung anhängt. Die Landesregierung bedauert diese Maßnahme um so mehr, als sie nach ihrer Begründung auf den kreis eines der Heimatwehr feindlich gesinnten Mitglieds der Bundesregierung zu­rückzuführen und zugleich als ein Akt bet Schwäche gegen staatliche Feinde und Elemente aufzufaffen ist.

Sie beauflagt ihre Vertreter, am Montag bei der Vorsprache bei der Bundesregierung gegen diese Maßnahme, die die Ruhe im Lande schwer gc« fährdet, tatkräftig Stellung zu nehmen und deren sofortige Rücknahme zu verlangen.

Hochspannung in Innsbruck.

Innsbruck, 15. Iuni. (TU.) Heute vormit­tag veranstalteten in Innsbruck die Heim- wehrfvrmatio nen einen Demonstra- tivnsmarsch durch die Stadt zum Landhaus. Vom Balkon des ßanDDaufeß hielt Lan Deshaupt­mannstellvertreter Dr. Tragseil eine An­sprache an die Heimwehrleute, in der er er­klärte, daß

die Landesregierung alles daransehe, um der heimwehr ihren Stabschef wiederzugeben.

Es fei fehr merkwürdig, wenn ein Deuffcher einen anberen Deutfchen ausweife. Die Poli­zei hatte am Sonntag verstärkten Be- reitfchaftsdienst, ebenso hatten dieHeim* wehrformativnen, wie auch die sozia­listischen Wehrs vrmativnen den gan­gen Tag Bereitschaftsdienst.

Kampfansage derHeimweh- en gegen Schober.

Wien, 16. Iuni. (TU. Funkspruch.) In der Generalversammlung Der burgenländi­sche n Heimwehren in Oberwarth kam der Bundesführer Dr. Steidle am gestrigen Sonn­tag auf die Ausweisung des Majors Pabst zu sprechen. Er führte unter anderem aus: Die Heimwehren hätten sich keiner ungesetzlichen Handlung schuldig ge­macht, aber man nehme den alten Polizettnuppel und weise einen Mann, dem Der Bundeskanzler selbst angeboten habe, österreichischer Staatsange­höriger zu werden, drei Tage bevor er Staatsbürger werde, aus. Dr. Steidle erflärte, er wolle feine Hetzrede halten. Da man erst wissen müsse, was die anderen Regierungs- Vertreter dazu sagten, was die Herren um Scho­ber und S ch u m y getan hätten.

Reime, reime Rätsel sinnlos senkrecht, ab­wärts, müde siedeheiß von oben bis unten, immer einsam und allein, ich will nicht will nicht warum nicht warum ich? Ich will nicht mehr

Hier wandte sich das Fräulein plötzlich und ruckartig zu einem jungen, allein fitzenden Mann mit gelbem Schlips am Rebentifch und fragte mit erkünstelt ruhiger Stimme:Ach verzeihen Sie, mein Herr, können Sie mir vielleicht sagen ihr Bleistift bohrte sich fest auf das vor ihr liegende Papier wo die Stecknadel erfunden wurde?" Der Angeredete riß vor Ueberraschung den Mund auf. Dann tippte er leicht mit einem Finger gegen seine linke Stirn, antwortete aber trotzdem mit etwas ängstlichem Wohlwollen:Da fragen Sie doch einmal im Briefkasten Ihrer Zeitung an."

Gleich darauf zahlte er und verließ das Lokal. In diesem Augenblick trat der Geschäftsführer an die beschämt über ihre Zeitung Gebeugte heran und zischte diskret aber energisch:

Das Ansprechen von Herren ist in meinem Lokal verboten."

Da floh das Fräulein hinaus. Sie lief durch Die Straßen. Der Mond und die Sterne lächel­ten ihr mitleidig zu, aber ihre, das Geschehene nicht begreifenden Sinne blieben starr und trübe auf das vom Regen schlüpfrig benähte Pflaster geheftet. Und eine ungelöste Frage quälte sie. Die war aus einem nicht vollendeten magischen Rechteck und lautete: .... und ergibt die Bezeich­nung für die häufigste Ursache von Sinnes­störungen.

Hochschulnachnchien.

Der Wiener Literarhistoriker, UniverfttätS- profeffor Dr. Paul Kluckhohn, dem, wie be­reits gemeldet, der Lehrstuhl für neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Iena als Rachfolger von Geheimrat B. Michels angeboten wurde, hat jetzt auch einen Ruf an Die Uni­versität Tübingen erhalten.

Der durch die Emeritierung Des Geheimen Medizinalrai.es Prof. H. Bonhofs an Der Uni­versität Warburg erledigte Lehrstuhl der Hygiene ist Dem ork^ntlichen Professor Dr. Io- seph Bürgers in Königs berg angeboten worden. Die Kolloid-GeseLlschast hat den dies­jährigen Laura-R.-Leonard-Preis Dem a. v. Professor für medizinische, allgemeine und Physicochemie in Der Medizinischen Fakultät der Frankfurter Universität, Direktor des In­stituts für Kolloidsorschung Dr. Heinrich Bech- h o l d für seine Arbeiten über UltrafTtratton und für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Ein­führung kolloidchemischer Gesichtspunkte in Die biologischen Wissenschaften verliehen.