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Nr. 90 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)

Mittwoch, (b. April (930

Ein Meer liegt im Sterben!

,.-bei<t>uif genannt, unD ein boiOieitget 5)omg- tuchen hinzugcsellt, kann einen über das drückende, feuchte Grau nicht hinwegtröften. Desto herr­licher empfindet man das Erwachen der 'Natur,

Reife an die Zmdersee. - Deutsch holländische Mißverständnisse. Das Projekt von der Trockenlegung der südlichen Nordsee.Zn der elektrischen Pumpmüyle

das plötzliche Blühen und Gedeihen auf den Weiden und auf den kaum übersehbarenBlumen- feldern, sobald der Monat April seinen Einzug

von Medemblik.

Bon unserem Dr. Q. LO-Sonderberichterstatter

hält Auch in Holland ist er wie bei uns in Deutschland sehr wetterwendisch, aber der rasche Wechsel von Sonne und "Hegen hat feinen eigenen

Bor drei Wochen wurde mit der Ent­wässerung des nordwestlichen Teiles der Zuidersee begonnen, der bereits im Auaust diese- Jahres zur Gänze trodengelegt sein wird. Unser Sonderberichterstatter schildert im folgenden seine Eindrücke bei der Be­sichtigung dieses größten Wasserbauwerkes der Gegenwart.

I.

Es hat schon eine tiefere, psychologische Ur- sache, wenn man gerade in Deutschland den XrodenlegungSarbeiten an der Zui- dersee, die jetzt in ein neues Stadium getreten sind, eine besondere Ausmerksamkeit zuwendet Was bezweckt man mit der Trockenlegung dieses ausgebreiteten Meeresteiles? Land ju gewinnen, Ackerboden und Siedlungsfläche für ein kleines Volk, das, obgleidf es große, blühende Kolo­nien befißt, sich auf seiner cheimatfcholle ausbreiten will und wohl auch muß, wenn man die Zuspitzung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den indischen Kolonien in Rücksicht zieht Deutsch­land aber besitzt heute trotz seiner immer mehr anwachsenden Bevölkerung keine Kolonien, die das überschüssige Menschenmaterial aufnehmen können, e, kämpft seit Jahren mit dem Hungergespenst der Arbeitslosigkeit und braucht Land und wiederum Land. Die Holländer, seit Jahrhunderten im zähen Kampf mit der See, haben uns einen Weg ge- w-esen, wie in friedlicher Arbeit neuer Boden gewonnen werden kann, indem man ihn dem Meere abtrotzt. Und in dem letzten Iahr- tchnt, welches das gigantische Projekt von der rockenlegung der Zuidersee zur Durchführung brachte, haben auch wir in Deutschland im kleinen Versuche unternommen, Meeresgrund in Ackerboden umzuwandeln. Doch nicht genug damit! Die Pläne werden immer größer, manchmal erscheinen sie uns schon phantastisch, so wenn man erfährt, daß seit Monaten deutsche Gelehrte und Ingenieure an der Ausarbeitung eines Projektes arbeiten, durch das die ganz« südliche Nordsee trockenge­legt werden soll Nicht weniger als 300 000 Qua­dratkilometer Neuland will man auf diese Weise schaffen, um Millionen von Volksgenossen Raum, Arbeit und Heimat zu geben Um diese 300 000 Quadratkilometer zu gewinnen, müßte man von der Spitze Jütlands nach Westen bis zur Doggerbank und weiter bis zur Themsemündung einen Rie­se n d a m m von rund 725 Kilometer Länge ziehen, eine heute noch fast unmöglich erscheinende Idee, weil wir bei dem gegenwärtigen Stand der Technik noch nicht solche Maschinen zu bauen vermögen, die den Voraussetzungen dieses Projektes entspre­chen. Der holländische Ingenieur Derhey, der

4 bis 6 Meter aufweist, noch ganz beträchtlich, zu­mal Dammbauten bei Tiefen von 15 Meter mit den heute zur Verfügung stehenden Maschmen der Wasserbautechnik nur sehr schwer durchzuführen sind Aber in der Nähe der Küsten, im sogenannten Wattenmeer" ist die See so flach, daß der Meeres­boden bei Ebbe freiliegt

Bei der geplanten, großen Trockenlegung die, wie betont werden muß, noch sehr in den Wolken liegt will man natürlich diese Gebiete zuerst in Angriff nehmen, und zwar nach den gleichen Grund­sätzen, wie dies bei der Zuidersee, dem Dollart und der friesischen Küste geschieht Man beabsichtigt, die gesamte Fläche in unabsehbar viele, durch Deiche geschützte Felder einzuteilen und sodann durch den Rieiendamm einzufassen Aber die Verwirk­lichung dieses kühnen Projektes, das Europas poli­tische und wirtschaftliche Landkarte völlig umgeftal-

Reiz, die Landschaft spielt in taufend Farben, »Farben, die in der dunstigen Atmosphäre der Niederlande seltsame Leuchtkraft besitzen und einen wundervollen Zusammenklang ergeben.

Gewiß fällt eS dem Deutschen, der zum ersten­mal nach Holland kommt, nicht schwer, in seiner Muttersprache sich in dem stammverwandten Lande zu verständigen. Zwei Drittel aller Hol­lander verstehen wenigstens einige Brocken deutsch Aber man darf der Verwandtschaft der beiden Sprachen nicht allzu sehr vertrauen, will man nicht unangenehmen Berwechselungen zum Opfer fallen. Davon einige unterhaltsame Beispiele. Wer in Holland vor einemGast Huis" etwa einer Wirtin wundermild zu begegnen hofft, wird rasch enttäuscht werden, denn in dem holländi­schenGasthuis" waltet der Spitalsarzt feines Amtes, der einem gern ein Rezept, aber

Das Siresemarm-Ehrenmal in Mainz.

Der Entwurf des Stresernann-Ehrenmals (Architekten: C. Hensel und A. Freitag), dessen Grundstein anläßlich der Befreiungsfeiern ht Mainz gelegt wird.

in Medcmblik die elektrische Pumpstation errich­tete und die Trockenlegungsarbeiten an diesem Teil der Zuidersee leitet, erklärte mir, er halte das Projekt von der Trockenlegung des südlichen Teiles der Nordsee derzeit für unmöglich, für undurchführ­bar vor allem vorn Standpunkt der Technik aus Aber er bestreitet nicht, daß in zehn oder zwanzig Jahren Maschinen erfunden und konstruiert werden könnten, die das heute noch aussichtslose Projekt einer Verwirklichung nähersöhren Denn die ganze Nordsee stellt bekanntlich einflaches Bassin" dar, dessen Boden von Norden nach Süden sich langsam erhöht Nördlich der Doggerbank mißt man beispielsweise noch liefen von 200 und mehr Meter, hingegen beträgt in dem für die Trockenlegung vorgesehenen Becken die größte Tiefe nur noch 60 'Dieter Der Durchschnitt übersteigt aber nur höchst selten 15 Meter Das ist im Vergleiche zur Zuidersee, die eine durchschnittliche Tiefe von

ten müßte, liegt noch in sehr weiter Ferne. Eine Probe aufs Erempel indes bieten die Arbeiten an der Zuidersee Und darum verlohnt sich wohl eine Fahrt dahin ...

Wird man aus Berlins überhitzter Atmosphäre plötzlich in die ruhige Behaglichkeit der hollän­dischen Landschaft verseht, dann beschleicht einem etwas wie Reid, dann wird aus einmal d i e Sehnsucht nach Ruhe und Besinnlich­keit übermächtig. Gar erst, wenn der Frühling cm allen Vcken und Enden lacht und jubiliert Der Winter in Holland ist nicht eben schon Die ewigen Rebel lasten auf der Seele, und auch das kräftigste holländische Frühstück mit dem fünferlei Gebäck, dem ungesalzenen Weißbrot, dem köstlich schmeckenden Braunbrot, dem süßen Korinthenbrot, dem sich noch der runde Zwieback,

keine Speisenkarte geben wird, Unb gerade im Frühling sieht man auf den Weiden eine Un­menge vergnügter Zicklein herumspringen.- hert man sich nun einem Gebäude, das die Auf­schriftS t a d s z i e k e n h u i s" führt, so meint manch ahnungsloser Reisende aus Deutschland, daß sich hier der städtische Ziegenstall befindet. Er wird dann sicher den Wohnungsluxus, dessen sich die niederländischen Ziegen erfreuen, nach Gebühr bestaunen und erst bei näherem Zu­sehen gewahren, daß die AufschriftStädti­sches Krankenhaus" bezeichnet. Und tote- oiele unserer Landsleute bleiben verwundert vor einemM elksalon" stehen und denken sich: Ranu? Hier wird einem wohl das Melken bei­gebracht?" Richts davon! Es handelt sich um ein Milchgeschäft Und findest du vor einem Hause Die TafelRiet bellen!*', so geht

diese Warnung keinesfalls die Hunde, sondern dich an.Riet bellen!" bedeutet nämlich soviel wieBitte nicht läuten!"., Scrlei Wort­spiel er eien gibt cS eine Menge. Mancher Deutsche geht frohgemut in einen Laden, der die Auf­schriftSch o e n m a k e r" trägt, um sich rasieren, maniküren oder sonst schön machen zu lassen. Er macht dann seltsame Augen, wenn man ihm bedeutet, daß einDchoenmaker" in Holland kein Friseur, sondern ein Schuhmacher ist. Und wieviele aus deutschen Gauen, die der (>o(- ländischen Sprache unkundig waren, glaubten, Holland müsse das Land der Irren sein, weil es da so viele kleine Gebäude mit der viel­sagenden BezeichnungTol-Huis" gibt. Aber so ein Tollhäuschen, in dem man Berrückte vermutet, entpuppt sich höchst prosaisch als ein Z o 11 h a u S". und wer mit seinem Auto her- anfährt, muß Wohl oder übel in die Tasche greifen, um seinen Wegzoll zu eiitrichten.

Aber genug davon! Erst der Tatsachenbericht, bann das Besinnliche, dessen man sich bei einer holländischen Reise nicht zu entziehen vermag. Der Generaldirektor der Zuiderseewerke im Haag hat mich an den leitenden Ortsingenieur von Medemblik verwiesen, der mir bie elektrische, feit einigen Wochen in Betrieb gesetzte Pump st a t i o n zeigen soll, durch die das jetzt durch einen großen Damm abgeschlossene Wieringec Meer entwässert wird. Ingenieur B e r h e v , der Erbauer des Pumpwerkes, empsängt mich am Bahnhos und führt mich sogleich in das ein­sam am Meeresstrande zwischen Wieringer Meer und der Zuidersee gelegene, weiß gestrichene Ge­bäude, in dem in jeder Minute 400 Kubikmeter Wasser aus dem Wieringer Meer in die Zuider­see gepumpt werden. Rur wenige Menschen sind zu sehen Die Arbeiterkolonnem die vor zwei Jahren, als ich das letztemal hier weilte, in emsiger Geschäftigkeit den Deich zwischen Wie- ringen und Medemblik vollendeten, sind feit einigen Wochen nach Horben zum Bau bes großen 30 Kilometer langen Abschlußdammes zwischen Wieringen und der friesischen Küste abkommandiert worden. Zurückgeblieben sind Atoei Ingenieure und ein paar Maschinenmeister, Die den Betrieb der Pumpmühle zu überwachen haben. Tag für Tag senkt sich der Spiegel des Wieringer Meeres um zwei Zentimeter, gele­gentliche Defekte und Störungen, bie im Anfang unvermeidlich sind, werden sofort behoben, btet mächtige Säugpumpen holen daS Gewässer aus dem immer niedriger werdenden Wieringer Meer daS im August dieses Jahres schon Wieringer Polder heißen wird Denn bis dahin hofft man das Wieringer Meer zur Gänze ausgepumpt zu haben. Zwanzigtausend Hektar, neuer Ackerboden und Weideland wird auf diese Weise noch in diesem Jahr dem Meere entrissen und trocken- gelegt Das Arbeitstempo an der Zuidersee ist atemberaubend geworden. Allerdings eignet sich dieser neugewonnene Boden noch nicht für den Anbau. Jahre müssen vergehen, bis Sanne und Reaen die auf dem trockengelegten Meeres­gründe befindliche Salzschicht auslösen, bis pflanz­liches Leben, das bekanntlich a uf Salzboden höchst spärlich gedeiht, sich entwickeln larnt

Oie Hegezeiten in Hessen.

Der hessische Minister des Innern hat unter dem 2. d. M. eine Ausführungsverordnung zum Iagdstrafgesetz erlassen. Danach beginnt die all­gemeine Hegezeit in Wald und Feld mit dem 1. Februar einschließlich und endigt mit dem 31 August einschließlich. Don der allgemeinen Hegezeit bestehen außer den früher bestimmten noch nachfolgende Ausnahmen: Die Hegezeit für weibliches Rehwild und Rehkitzen (männliche und weibliche) beginnt mit dem 1. Dezember und endigt mit dem 30. September, die für männ­liches Rehwild beginnt mit dem 1. Dezember und endigt mit dem 31. Mai, die für den Dachs beginnt mit dem 16. Februar und endigt mit dem 15 Mai, die für Hasen beginnt mit dem

Die Banknote.

Anekdote von Karl Federn.

r Als wir uns eines Tages über die seltsam trügenden Erscheinungen unseres Bewußtseins und Gedächtnisses unterhielten, erzählte eine Dame dieses Beispiel Ihr Baker, zur Zeit, da die Sache sich ereignete, bereits ein älterer Mann, reich, vornehm, von sehr bestimmten Anschau­ungen und Gewohnheiten, hielt es für richtig, jeden Tag, wenn er das Haus verließ, in Brief­tasche und Börse eine Tausendernote, zwei oder drei Scheine von je hundert, fünfzig und we­niger Gulden bis zur kleinen Münze hinab, sorgfältig zusammengestellt und nachgezählt, bei sich zu tragen Dor Tische er wohnte für sich allein - pflegte er einen Spaziergang zu machen, um dann in einem der bekanntesten Gasthofe der inneren Stadt zu speisen Und so war er auch an diesem Tage ausgegangen, war wie immer zahlreichen Bekannten begegnet hatte mit manchen einen Gruß gewechselt mit andern länger und eingehend gesprochen, hatte vielleicht in einem Laden einen Einkauf gemacht, und wurde dann plötzlich, sei es von einem Gedanken, der ihm kam, sei es von irgendeinem Dorfall, einem gestürzten oder durchgehenden Wagen­pferd oder sonst einem Ereignis, das einen kleinen Dolksauflauf verursachte und auch feine Gedanken lebhaft beschäftigte, vollkommen Ein­genommen. so daß er noch bei seiner stets sorg­fältig gewählten und froh genossenen Mahlzeit, bei dem Wein, den er als Kenner tränt, über die Sache nachdachte Dann nach dem schwarzen Kaffee und der Zigarre hatte er den Kellner mit einer Hundert-Guldennote bezahlt und den Rest in Scheinen und Münze zurückbekommen

Als er im Laufe des Nachmittags bei einer Gelegenheit wieder Geld aus seiner Brieftasche nehmen wollte, vermißte er die Lausendernote die darin sein muhte, - denn er hatte die Tasche seitdem er das Hotel verlassen, nicht mehr be­rührt. - er muhte sich also geirrt und dem Kellner die Tausendernote gegeben haben.

Er kehrte sofort nach dem jetzt verladenen Speisesaal des Hotels zurück und sagte dem Manne, der ihn feit langem bediente, in nicht ungütiger Weise, er. der Kellner, habe wohl seinerseits auch nicht bemerkt, daß er ihm ans Versehen die 'größere Rote gegeben, und sie wahrscheinlich für die geringere genommen und als solche gewechselt . Der Kellner versicherte sehr höflich und bestimmt, aber nicht ohne gewisse Befangenheit, daß er lediglich eine Hunderter­

note von ihm zur Zahlung bekommen und dies sehr genau gesehen hätte, daß auch seine Rech­nung vollkommen stimme, und daß der Gast im Irrtum fein müsse Rach wenigen Sähen, in denen jeder bei seiner Meinung blieb, sagte der alte Herr, er bedauere den Dorfall sehr und wolle auch nichts Schlimmes von ihm geglaubt haben aber da es sich um einen bedeutsamen Betrag handle, sei er genötigt, die Sache dem Besitzer mitzuteilen und ihm das weitere anheim­zustellen

Der Zählkellner, gleichfalls schon ein älterer Mann, schwieg darauf eine Weile bestürzt dachte nach und sagte zuletzt ..Das mochte ich nicht vielleicht habe ich mich doch geirrt ." und gab die fehlenden neunhundert Gulden heraus

Mit einem peinlichen Gefühl für den Mann nahm der alte Herr das Geld und ging, und wurde auch in den nächsten Tagen durch das gleiche Gefühl im Genuß seiner Mitiagsmahlzeit ges. rt Bis Wochen vergingen und die Sache für ihn schon eine halb vergessene war, - als er eines Tages einen eingeschriebenen Brief er­hielt, in dem eine Tausendernote lag. die ihm ein Freund mit vielem Dank für seine Liebens­würdigkeit zurückschickte

Und da erst kam ihm plötzlich die Erinnerung daß er ja an jenem Dormittage auf seinem Spa­ziergang einem Bekannten begegnet war, einem gleichfalls sehr vermögenden Manne, der sich vorübergehend in Wien aufgehalten hatte und plötzlich und sofort abreifen muhte, und ihn für dringende Einkäufe, die er noch machen wollte um jene Gefälligkeit ersucht hatte daß er diesem Manne die Tausendernote eingehändigt und daß sei es eine Gedächtnisschwäche, mehr aber jener Borfall der ihn dann so sehr beschäftigte jede Erinnerung daran in ihm ausgelöscht hatte

Run selber bestürzt und mit vielen Entschul­digungen gab er am nächsten Tag dem Kellner fein Geld zurückIch wußte es ja, sagte dieser und nahm die neun Hunderter und was er zur Entschädigung daz erhielt mit tiefem Dank Aber," fragte der andere, denn das hatte ifjn am meisten in Erstaunen gesetzt, .wie konnten Sie mir nur damals das Geld herausgeben?"

Herr W.," sagte der Mann, .ich habe ja ge­sehen daß Sie es selbst glaubten Wenn die Sache zum Priirz:pal gekommen wäre . . Ihnen hätte jeder geglaubt und mir nicht Wie hätt ich's beweisen sollen? Ich bin Familienvater, und ich habe hier eine Stellung, die mir viel ein­bringt Die hätt' ich verlieren können, und die ist mir mehr wert als neunhundert Gulden..."

Jedermann.

Von Hans Mebau

Mücke hat Jubiläum.

.Hör mal, zieht Jedermann ihn beiseite, .der Kegelverein will dir ein Geschenk machen. Was wünschst du dir?"

Mücke dentt nach. .Wenn ihr schon wirklich etwas schenken wollt," sagt er, .dann hätte ich gern den kleinen Brehm.

.Ist das dein Ernst?" erschrickt Jedermann.

Mücke nickt.

.Das ist natürlich nicht zu machen", sagt Je­dermann. .Erstens ist so ein Geschenk für einen Kegelverein viel zu teuer. Und zweitens hast du doch gar keine Garage."

Jedermann fährt Motorrad. Rechts um die Ecke Links um die Ecke.

.Hallo!" schreit da ein Schupo .Kennen Sie die Derkehrsvorschriften nicht?"

Federmann bremst .Aber gewiß", sagt er. .Was wollen Sie denn wissen?"

Fedcrmann ist beim Autohändler. .Was kostet dieser Wagen?" fragte er.

»Das ist ein Gelegenheitskauf," sagte der Händ­ler .Sie können ihn zum halben Prospektpreis haben."

Federmann denkt nachUnd was kostet," fragt er dann, .was kostet der Prospekt?"

.Im Zirkus," erzählt Mücke,tritt ein Pianist auf. Der spielt mit den Zehen."

Spielt mit den Zehen?" fragt Federmann Das ist doch gar nichts Gestern habe ich ein Baby gesehen, das mähte das im Schlaf."

Es ist nichts Ernstes," sagt der Arzt.Eie haben allerdings eine kleine Blinddarmreizung. Aber die macht mir weiter keine Sorge."

.Das glaub ich schon," sagt FedermannWenn Eie eine Blinddarmreizung hätten, würde mir das auch keine Sorge machen."

Jedermann kommt vom Stammtisch. Geht übet den Ferdinandsplatz. Sieht einen Mann auf sich zukommen

.Menfchenskind," sagt er.Palmücke! Wo kommst du her? Wie gehts? Fünf Jahre haben wir uns nicht gesehen! Und verändert hast du dich! Graue Haare hast du gefriert, und den

Bart trägst du auch kürzer, und dicker bist du auch geworden! Man erkennt dich kaum wieder!" Und er umarmt ihn.

Aber, aberI lacht der Mann.Ich heiße nicht Palmücke."

Donnerwetterl" sagt Jedermann.Was ist denn passiert? Palmücke heißt du auch nicht mehr?"

Federmann ist auf der Pvlizeistation.Sie haben Ihren Hund ohne Maulkorb herum- laufen lassen," sagt der Beamte.

Jawohl," nickt Federmann.

Das kostet 20 Mark oder sieben Tage Haft."

Gut," nickt Jedermann,sperren Sie ihn sieben Tage ein.

,Ungarische Rhapsodie^ ein $ihn.

Ufafilm nach dem Drehbuch von Hans S z e - teil) und Fred Majo, von Hanns Schwarz inszeniert - ohne Ton, aber mit starker und lebendiger Bildwirkung. Die schonen und weit­räumig photographierten Aufnahmen aus der un­garischen Pußta bilden nächst der Besetzung den wertvollsten Bestandteil dieses Films Die Handlung stellt eine etwas verschollene, anschei­nend noch immer publitumsMikiameSchablone dar, zuletzt nicht ohne Spannung, aber stellenweise auch hart am Edelkitsch vorbei. Die wesentlichen Motive. Liebe und Trompetenblasen, Zigeuner­musik, Erntedankfest und Tanz, nächtliches Stell­dichein im Park, Eifersucht, Ständchen, glückliche Bereinigung des liebenden Paares Die Personen ebenfalls nach den bewährten Mustern eines hochrornantischeu Gesellschaftsromans der fesche Honvedleutnant. die stolze und dennoch zu jedem Opfer bereite Geliebte, als pikante Kontrastfiguc dazu die kokette Weltdame-, der zürnende Dater; der rachsüchtig-verschlagene Zigeunerprimas Die Regie von Schwarz stellt sehr gute Bilder und gibt den entscheidenden Schlußszenen ein schwung­volles Tempo, kann aber etliche Längen und eine gewisse motivische Eintönigkeit in den Mittel­akten «Csardas der Offiziere beim nächtlichen Gelage) nicht vermeiden Die musikalische Be­gleitung ist geschmackvoll und stilsicher zusammen- geftellt. 3n der Besetzung zeichnen sich vor allem 5er sympathische Willy Fritsch als fescher Hon- oedhusar, Dita P a 11 o als die junge, um ihrer Liebe willen leidende Marika, und Lil Dagover als kokette Generalin aus Außer­dem Andor Heltai, Kaiser-Titz, Harry H a ti> t Der Film läuft seit gestern im Licht­spielhaus.r 4