Aus der Provinzialhauptstadt
Gießen, den 16. April 1930.
Frühling und Froschfang.
Jom Tierschuhverein für Hessen wird unS geschrieben ;
Ille Anzeichen des Frühlings werden sichtbar. Lie Wiesen beginnen zu grünen, in Wäldern, Gärten und Feldern zeigt sich schüchtern srisches Sprießen und Blühen. Aeues Leben entfaltet sich über- all auch im Tierreich. Die wärmenden Strahlen der höher steigenden Frühlingssonne loden auch die Schläfer des Winters aus ihrem Versteck Der grüne Gras- und Wasserfrosch verläßt auch sein feuchtes Veit am Grunde der Tümpel und Leiche, reckt und streckt seine Glieder und fährt mit kräftigem Aucke zum Lichte des lauen Frühlings, zur Wasseroberfläche empor.
Der Ahnungslose! Er kennt die Gefahren, die Qualen nicht, die seiner harren. Nun beginüt er zunächst die Jagd nach jenem lästigen Getier, Fliegen und Schnaken, dessen der Mensch allein nicht Herr zu werden vermag. Geräuschlos holt er mit seinem breiten Maule die Verderber unserer Kulturen von Vlatt und ßtoeiglein; keine« Dankes harrend schasst er Nutzen früh bis spät. Allein auch ihm bleibt die Erkenntnis der Wahrheit des alten Satzes nicht erspart: „ilnbanf ist der Welt Lohn." Sa, wäre es nur Dank: Grausamkeit in der häßlichsten Form wird ihm widerfahren. • , ,
Knaben in ihrem lugendlichen Mebcrmut ziehen an den Teich mit Stöcken und Steinen bewaff- net, um alle Frösche, die sich ihnen zeigen, zu schlagen oder zu bewerfen. Zu Tode getroffen, zappeln diese armen Geschöpfe dann hilflos im Grase umher, bis sie nach qualvollen Leiden jämmerlich verenden.
.Froschschenkel gefällig", so schreit der Verkäu- ser aus dem Markt, um das Ergebnis seines schändlichen Gewerbes für übersatte Feinschmecker und Schlemmer anzubieten. Wer je das scheußliche Handwerk des Froschsänaers am Teich und die gräßlich zuckenden Froschkörper, denen die Hinterschenkel abgeschnitten worden sind, auf der nahen Wiese gesehen hat, dem steigt die Schamröte ins Gesicht.
Das Vorderteil der armen Tiere, bestehend au- Kopf, Vrust und Vorderbeinen, wird auf einen Haufen geworfen. Da die Tiere bekanntlich ein zähes Leben haben, bietet sich dem Beschauer ein Bild, wie es scheußlicher nicht gedacht werden kann. Stundenlang kriecht und zappelt die schleimige Masse, bis die verstümmelten Tiere unter entschlichen Qualen verenden. Es wäre zu wünschen, daß die Liebhaber von Froschschenkeln solchem Gemetzel nur einmal beiwohnten, der Wunsch nach Froschschenkeln würde ihnen für immer vergehen.
Dem schändlichen Treiben ist nur dadurch zu steuern, daß alle vernünftigen und mitfühlenden Menschen die Marktsrauen und Delikatessengeschäfte. die Froschschenkel anbieten, vollständig meiden Wo keine Nachfrage ist. da hört auch die Anlieferung auf. Möge auch Frühling allgemein in die Herzen der Menschen einziehen und Barmherzigkeit für die Leiden der Geschöpfe der Natur erzeugen, damit auch das scheußliche Handwerk des Froschsanges für 'immer unterlassen wird. N. K.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch. Stadtthcater: .Louis Ferdinand Prinz von Preußen". 19.30 bis 22.30 Uhr. - Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Ungarische Rhapfodie".
— Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Das Mittwochabonnement, das in der Karwoche ausfällt, wird nachgeholt werden. Heute abend ist im Dienstagabonnement „Louis Ferdinand, Prinz von Preußen", morgen. Donnerstag. 17. April, im Freitag abonnement wird die Vorstellung nochmals wiederholt. Ostersonntag, zum letzten Male. Zuckmayers Seil- tänzcrstück „Katharina Knie". Beginn 18.30 Uhr: ermäßigte Preise. Die Sntendanz het zu einem einmaligen Gastspiel für den zweiten Osterfeier- tag, Montag. 21. April, das Neue Operetten-
Wenn Ihre
Empfehlungsanzeige
in der Samstags-(Oster-)Nummer des GleDener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Ausstattung
werben soll
dann geben Sie uns bitte den Text mit Rücksicht auf den Karfreitag spätestens Im Laute des Donnerstags In der Geschäftsstelle auf.
thcater. Frankfurt a. M., verpflichtet, dessen ausgezeichnete Operettenausführungen noch vom Vorjahre in bester Erinnerung find. Die Frankfurter Gäste bringen eine neue.Schwankoperette, betitelt „Panne um Mitternacht", Text von Gustav Deckner, Musik von Harry Waldau.
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•• Zum Schuhe der Strahenpassan- ten und der Nachbarschaft. Vom Polizei- amt Gießen wird uns mitgeteilt: Das Ausklopfen, Ausschütteln. Abkehren usw. von Dettwerk, Teppichen. Kleidungsstücken. Staubtüchern und ähnlichen Gegenständen nach Straßen, öffentlichen Plätzen und Vorgärten hin ist gemäß §.3J6 Ziss. 8 des Aeichsstrasgesehbuches und Artikel 292 des Polizeistrafgesehes unstatthaft und mit Strafe bedroht. Weiter macht das Polizeiamt darauf aufmerksam, daß das Klopfen von Teppichen. Dettwerk, Möbeln und dergleichen, sowie ähnliche mit Geräusch oder Staubentwicklung verbundene Verrichtungen regelmäßig nur werktags in den Vormittagsstunden zwischen 8 und 11 Uhr vorgenommen Werken sollten.
• * Neuherrichtung des Wartesaals 3. Klasse. Nach umfassenden Erneuerungsarbeiten wird heute der Wartesaal 3. Klasse im Gießener Bahnhofsgebäude dem Verkehr wieder übergeben. Me riesige gewölbte Decke ist in sattem Gelb gehalten, verbunden mit einem lichten Grün der Tür und der Fensterbogen und
einem Braun der HolzbekleidunL. gibt sie dem großen Raum eine behagliche Wärme. Moderne Beleuchtungskörper spenden in den Abendstunden eine verschwenderische Lichtfülle. Die Sitzgelegenheiten wurden vermehrt und durch eine praktische Zweiteilung des Saales je ein besonderer Raum als Warteraum und für Wirtschaftszwecke geschaffen. Das kleine, hinter dem Wartefaal liegende Zimmer wird weiterhin ausschließlich als Speisezimmer verwandt werden. Somit ist nunmehr auch dem minderbemittelten Reisenden Gelegenheit gegeben, in einer behaglichen Umgebung eine Erfrischung zu sich zu nehmen. (VgL die heutige Anzeige.)
• • Dom Wochenmarkt. Der Verkauf von Butter, Eiern, Käse und Geslügel findet Dienstag, Donnerstag und Samstags nur in der Senckenberg st raße statt. Nach Wiederherstellung der Marktlaubenstraße (Beseitigung des Baugerüstes und Bauzaunes, die demnächst erfolgen soll) werden die Wochenmärkte wieder in der Marktlaubenstrahe und auf dem Lindey- platz abgebalten.
• • Die Gießener Geldinstitute geben Im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß ihre Kassen und Geschäftsräume am Ostersamstag für jeglichen Geschäftsverkehr geschlossen sind. Auf die Anzeige fei befonders hingewiesen.
• * Lichtbildervortrag über Kriegerfriedhöfe im Ausland. Die hiesige Bezirksgruppe des Dolksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltete am Sonntagabend im großen Hörsaal der Universität einen Lichtbildervortrag über „Kriegerfriedhöfe im Ausland". Rektor Germann (Darmstadt) gab in seinen erläuternden Ausführungen zu den neuesten Lichtbildaufnahmen eine ausführliche Schilderung Über den derzeitigen Zustand unserer Krieger- friedhöse im Auslande. Wenn auch vom Reich im Zusammenwirken mit dem/Volksbund manche große Arbeit ausgeführt werden konnte und mancher Friedhof eine dem deutschen Volksempfinden entsprechende Gestaltung und Ausbau aufweist, so ist es doch bis jetzt nur ein Bruchteil, der hergestellt werden konnte. Der Redner wies darauf hin, daß die Kosten der Herstellung vom Reich nicht allein getragen werden könnten. Cs bedarf der tatkräftigen Mitwirkung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Gegen einen Mindestjahresbeitrag von 2 Mk. durch Beitritt zum Dolksbund kann jeder mit beitragen zur würdigen Ausgestaltung unserer Kriegersriedhöfe im Ausland! Die hiesige Bezirksgruppe ist zu weiteren Auskünften gern bereit.
*• Zur Richtigstellung. Unsere gestrige Meldung über die Rettung eines beim Wasserholen gegenüber der Militärbadeanstalt in die Lahn gestürzten hiesigen Einwohners namens Dechert ist folgendermaßen zu berichtigen. Der Verunglückte wurde zunächst von einem jungen Mann namens Nachtigall bemerkt und von diesem auch mit erheblichen Anstrengungen über Wasser gehalten, bis der Invalide Johannes H o h f e I d und dessen Sohn Karl, Rittergasse 23 wohnhaft, zur Hilfe herbeieilten: ihren Bemühungen gelang es, den inzwischen bewußtlos Gewordenen ans Land zu bringen. Sie stellten dort auch die ersten Wiederbelebungsversuche an und wurden dabei von dem Zahnarzt Dr. Adam unterstützt, der sich inzwischen ebenfalls an der Unfallstelle eingefunden hatte. Außerdem bemühten sich auch einige Ruderer um den Verunglückten, der bann mit einem Krankenwagen
in die Klinik übcrgeführt wurde. Sein Befinden ist erfreulicherweise durchaus zufriedenstellend.
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Wettervoraussage.
DaS seitherige Tiefdruckgebiet hat durch mehr nördliche Verlagerung feinen Einfluß weiterhin über Deutschland geltend gemacht. Regnerisches und trübes Wetter herrscht allenthalben. Die Rückseitenwirkung des Tiefs verursacht vorerst noch wechselhaftes und kühles Wetter mit Schauern, jedoch vollzieht sich die bereits on- gekündigte Besserung der.Wetterlage durch den hohen Druck im Westen mehr und mehr, und für Ausgang der Woche und das Osterfest ist auf- heiterndes und trockenes Wetter zu erwarten.
Wettervoraussage für Donnerstag: Noch kühles, wechselnd wolkiges Wetter mit Schauern, doch später leichte Besserung.
Witterungsaussichten für Freitag: Fortschreitende Besserung der Wetterlage.
Verantwortlich für Politik: i. 58.: Ernst Blumschein.
Nur noch den
veredelten
Kaffee „Idee“
von J. J. Darboven, Hamburg 15
überall käuflich 31 jv
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