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damit die Gemeinde auch ein erhebliches Opfer für den ausschließlich in Staatsbesitz übergehenden Neu­bau bringen wird, so verspricht man sich doch ander­seits einen öffentlichen Vorteil für die Pflege und den Schutz der Gemeindewaldungen. Durch den Um­stand, daß nach der Pensionierung unseres lang- jährigen Försters Müller der neue Förster in Er­mangelung einer Dienstwohnung seinen Wohnsitz in dem abgelegenen Treis a.d. Lda. nehmen mußte, ist den hiesigen Waldungen durch Holzfrevler erheblicher Schad« entstanden. ,

Saasen, 14. Oft Am 1. Oktober trat unser seitheriger erster Lehrer, K. Herber, in den Ruhestand. 31 Iahre lang hat er in unserer Ge­meinde gewirkt. Zur Abschiedsseier am letzten Sonntag war das Gotteshaus auf dem Vettsberg bis zum letzten Platz gefüllt. Die Kirchengemeinde, der der Scheidende als Organist und Lektor treue Dienste geleistet hat, und der Kirchenvorstand, dem er als aussührendes Mitglied lange Iahre an­gehörte, wollten mit der Gemeinde ihm zum Ab­schied Dank sagen für das, was er allen gewesen. Der Gesangverein, den er lange Jahre hindurch selbst geleitet, sang zwei Chöre. Aach der Predigt des Pfarrers Doll, die die Gedanken aus dem Wechsel der Zeiten zur ewigen Heimat führte, sang die Gemeinde als Abschiedsgruß »Zieht in Frie­den". 3n der Ansprache an den Scheidenden gab der Pfarrer eine kurze Skizze der Lebensarbeit des Herrn Herber, der sich die höchsten Ziele im Lehrerberuse gesteckt hatte. Durch feine Vereins tätigkeit im Gesangvereins und Frauenrerein, durch seine kirchliche Arbeit als Organist, als Chorleiter seines Schüler- und Iungsrauenchores, besonders als Lektor in den 14tägigen Lesegottesdiensten, durch seine Mitarbeit im Kirchenvorstand habe er sich bleibenden Dank verdient. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit überreichte der Psarrer die Schafersche Bilderbibel. Ein Chorlied des Ge­sangvereins schloß diese Feier. Der evan­gelisch-kirchliche Frauen- und Mad- chenverein versammelte sich am Abend zu einer besonderen Feier im Schulsaale. Der Abend sollte zugleich eine Gedächtnisseier für Frau Lehrer Herber sein. Psarrer Döll eröffnete den Abend mit einer Ansprache, in der er dem Gründer des Vereins und seiner Gattin herzlichsten Dank sagte: Pfarrer Herber, Wölfersheim, sprach Worte des Gedenkens an seine Mutter und ihr ersprieß­liches Walten: Lehrer Herber gab einen Rück­blick auf die Geschichte des Vereins und seine bisher geleistete Arbeit: eine Frau aus dem Kreise der Mitglieder fand herzliche Worte des Dankes für den Scheidenden. Der Pfarrer und Leiter ver­sprach in einem kurzen Schlußwort Treue und Festhalten am bisher Gepflogenen. Mit einem Gedichtvortrag wurde die Feier geschloffen. Der Besuch entsprach der Wertschätzung des Lehrers und der Liebe, die sich feine Gattin über das Grab hinaus erfreut.

! Steinheim, 14.Ott An Stelle des nach Wieseck verzogenen Lehrers K. B e p p l e r wurde dcm Lehrer K. Sommer, seither in Lardenbach, die hiesige Schulstelle übertragen.

Kreis Büdingen.

ch B übin gen, 14. Ott. 3n der Nacht zum Dienstag wurde in einem hiesigen Zigarren- geschäft ein Einbruch verübt. Dem Täter fielen neben größeren Posten Rauchwaren 600 Mk. Bargeld in die Hand. Von dem Dieb fehlt bis jetzt jede Spur.

4= Lindheim. 14.Okt. Bei der am Sonntag hier stattgehabten Bürger m ei st erwähl wurde der seitherige Beigeordnete L i P P mit 119 Stimmen Mehrheit zum Bürgermeister gewählt. Sein Gegenkandidat, der Landwirt G e r l a ch , erhielt 160 Stimmen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

' 0 Krofdorf, 14. Okt. Der hiesige S ch ü tz e n- üer ein hielt am Sonntag sein diesjähriges P r e i s s ch i e h e n ab, an dem sich 21 Mitglieder

beteiligten. Schützenkönig wurde Wilhelm W a g - ncr der auch im vorigen Jahre Inhaber dieses Titels war. 1. Preis mit 69 Ringen (bei sechs Schuß) Rudolf Weil, 2. Otto Becker, 3. Wil­helm Wagner, 4. Karl Leib, Gleiberg. Die Hirschbrunst im hiesigen Staatswald und den angrenzenden Gemeindewaldungen ist vorbei. Infolge des anhaltenden Regenwetters schrien die Hirsche nicht besonders lebhaft. Es wurden während der Brunft drei Achtender und zwei sehr starke Zwölfender erlegt. Der Rotwlld- bestand ist als gut zu bezeichnen.

Kirche und Schule.

Laub ach, 14. Oft. Am Sonntag hielt Pfarrer V v l p vor zahlreich versammelter Gemeinde seine Abschiedspredigt. Er ließ die welt­geschichtlichen Ereignisse während der 35 Iahre seines hiesigen Dienstes im Geiste vorüberziehen, die glückliche Zeit der 90er Iahre, den Welt­krieg und die jetzige Aot mit ihrem religiös- sittlichen Tiefstand. Helfen könne uns nur eine Erneuerung des Glaubens an den lebendigen Gott, der stets der Inhalt seiner Predigt ge­wesen sei. Er danke es der Gemeinde, daß nie em Zerwürfnis mit ihr in den 35 Iahren aufgekom­men fei. Obgleich er sich noch arbeitsfreudig fühle, wünsche er der Gemeinde einen jungen, frischen Pfarrer, und hoffe selbst noch öfter im Gotteshaus dienen zu können. Aach dem Segen dankte Oberreallehrer Gerhard mit dem Kir- chenvorftand in ehrenden Worten dem scheidenden Pfarrer für feine langjährige treue Arbeit. Für die Stadtvertretung überreichte Bürgermeister Högh dcm Scheidenden in Anerkennung seiner hohen Verdienste, die er sich als Seelsorger der Laubacher Gemeinde erworben hat, ein mit Wid­mung versehenes Bild. Die Feier wurde verschönt durch Vorträge des Kirchengesangvereins, unter Leitung von Lehrer Haas. Pfarrer Volp wurde 1859 zu Gießen geboren. Dort besuchte er das Gymnasium und die Hochschule. Aach dem Studium und wohlbestandenen Prüfungen wurde er 1882, noch nicht ganz 23 Iahre alt, Vikar in Büdingen. 1884 wurde er Pfarrverwalter und alsbald Pfarrer zu Rohrbach. 1890 ward er Pfarrer zu Allendorf a. d. Lda., 1895 kam er auf die 2. Pfarrstelle dahier, mit der auch Religions- unterricht am Gymnasium verbunden war, von dem er erst vor 4 Iahren entbunden wurde. Von 1903 bis 1920 war er Dekanstellvertreter und von 1920 bis 1929 Dekan des Dekanats Schotten. Volle 48 Iahre hat er der Landeskirche treu gedient.

Hundertjahrfeier in Wißmar.

? Wißmar, 14. Oft. Zu einem Kirchentag im Dorfe gestaltete sich am Sonntag die Hundert­jahrfeier unserer eoang. Pfarrkirche. Am Vormittag wurde das Erntedankfest gefeiert und damit das Gotteshaus, das etwa 8 Wochen wegen vollständiger Wiederherstellung des Innern nicht benutzt werden konnte, seiner Bestimmung wieder übergeben. Nachmittags fanden sich zur Feier des 100jährigen Bestehens die Gemeindemitglieder und viele Gäste ein. Außerdem erschienen der Super» intendent der Synode Wetzlar, Pfarrer Lic. Mül­ler, Dutenhofen, die Nachkommen des vor hundert Jahren hier amtierenden Pfarrers F. L. C. Lieb- rich, der Bürgermeister von Krofdorf und die Gemeindevertretung. Ortspfarrer Kap eil, Super­intendent Wieder und Pfarrer Lic. Müller sprachen zur Gemeinde und wiesen in eindringlichen Worten auf die Bedeutung des Tages, auf die Auf­gabe und den Wert des Gotteshauses für die Ge- meinte hin. Der weihevolle Gottesdienst wurde verschönt durch Orgel-, Gesang- und Jnstrumental- vorträge: dabei wirkten die örtlichen Gesangvereine mit. Als die Gemeinde zum SchlußNun danket alle Gott" fang, erklangen alle Glocken.

An der Aufbringung der erheblichen Kosten für die Instandsetzung beteiligten sich die Zivilgemeinde mit 1000 Mark, die obere Kirchenbehörte mit 1500 Mark und an der Ueberschreitung des Baukosten-

Voranschlags infolge unvorhergesehenen Ausbesse­rungen jede Haushaltung durch freiwillige Spenden. Unsere Kirche ist nunmehr zu einem Schmuckstück geworden, und es verlohnt sich für die Besucher des Dorfes, die Kirche zu besichtigen. Schon 1327 wird eine Kapelle in Wißmar erwähnt, die am gleichen Platz inmitten des Dorfes stand und im Laufe der Jahrhunderte immer baufälliger wurde, so daß ihre Benützung mit Lebensgefahr verbunden war. In

den Jahren 1828 bis 1830 erbaute die Gemeinte nach Abbruch der Kapelle aus eigenen Mitteln die heutige Kirche, die an barem Gelte 18000 Taler kostete. Der Entwurf stammte von dem Baumeister Simon in Wetzlar, einem geborenen Berliner aus der Schule Schinkels. So kommt es, daß unsere Kirche im neuklassizistischen Stil erbaut wurde und dadurch einzig unter den Dorfkirchen im weiten Umkreis dasteht.

Segelflugwettbewerb auf der Hercheuhaiuer Höhe.

Wegen allzu schlechten Wetters mußte der auf den 20. und 21. September angesetzte Segelflugwettbe­werb sowie auch der für den 5. Oktober vorgesehene erfte deutsche Postsegelflug auf der Her- chenhainer Höhe auf Samstag und Sonntag, den 18. und 19. Oktober verschoben werden. Man hofft, daß das Wetter an diesen Tagen günstiger fein wird, damit sich die Veranstaltungen ordnungsmäßig abwickeln können. Welch großes Interesse dem Gleit- unb Segelflugsport entgegengebracht wird, konnte man aus dem starken Besuch ermessen, der trotz des überaus schlechten Wetters am 19. September d. I. auf der Herchenhainer Höhe zu verzeichnen war. Diesmal wird eine weitere Verschiebung des Wettbewerbaustrages nicht mehr vorgenom­men werden. Für den Wettbewerb stehen wertvolle Preise zur Verfügung, die den jungen Fliegern einen Ansporn geben werden, sich in der Ausübung des Segelflugsportes immer weiter fortzubilden.

Handball im T. D. Sroßen-Buseck.

Großen-Buseck I Marburg I 4:2 (3:2).

Zum letzten Spiel in der Vorrunde weilte die Erste am vergangenen Sonntag beim T.- u. Spv. Marburg. In diesem Spiel enttäuschte Marburg nach der angenehmen Seite hin. Der Platzbesiher stellte eine eifrige Mannschaft ins Feld. Das Spiel nahm einen sehr schönen Ver­lauf, litt jedoch unter schlechten Bodenverhält­nissen.

Handball im T. D. Heuchelheim.

Die erste Mannschaft konnte am Sonntag in Friedberg die dortige Zweite mit 7:0 Toren abfertigen. Sehr gut schlugen sich die Iu- gendlichen: Verloren sie doch in Butzbach, ob­wohl nur mit 10 Mann spielend, gegen die als sehr spielstark bekannte erste Iugend des Turn- und Sportvereins nur 1:0.

Handball in Lützellinden.

Grohen-Linten Schüler Lützellinden Schüler 3:0 (3:0).

Die Schüler lieferten sich ein schönes Spiel, das die besseren Groß-Lindener für sich ent­scheiden konnten.

Großeu-Linten Jugend Lützellinden Jugend 2:7 (1:3).

Während bei dem Vorspiel Großen-Linden mit 12:4 siegte, mußten sie jetzt eine Niederlage von 2:7 hinnehmen.

Klein-Linden I Lützellinden I 5:3 (1:1).

Die beiden Mannschaften spielten das erstemal zusammen. Lützellinden trat mit Ersatz an und verlor.

Handball in Allendorf a. d. Lahn.

To. Wetzlar-Niedergirmes II To. Allendorf I 0:0.

Zum letzten Verbandsspiel in der Vorrunde, trafen sich am vergangenen Sonntag die ge­nannten Mannschaften in Allendorf. Die junge Allendörfer Mannschaft hielt sich gegen die schon spielerfahrenen Aiedergirmeser sehr gut.

Handball im Turnverein 4860 Lich.

Io. Lich II Io. Grünberg I 2:2 (2:1).

Die neugegründete Licher II. Mannschaft konnte in ihrem ersten Spiel gegen die erste des Turn­vereins Grünberg ein verdientes Unentschieden erringen, nachdem sie bei Seitenwechsel mit 2:1 geführt hatte.

Handball im Gan Hessen (O T.)

Io. Krofdorf I Io. Ireis I 2:2.

Man sah diesem Treffen mit großem Inter­esse entgegen. Die junge und recht flinke Krof- borfer Mannschaft war aber den^ TL- Treis in jeder Beziehung ebenbürtig und ließ'es nicht am Siegeswillen fehlen. Die Tabelle zeigt folgende Situation:

Spiele gern. verl. unentsch. Pkte.

Tv. Treis I 3

Tv. Krofdorf I 3

Tv. Lich I 3

Tv. Großen-Buseck II 3

2 0 15

11 13

12 0 2

12 0 2

Handball im Lahn Oünsberg - Sau.

Garbenteich I 1900 I 1:3 (0:0).

Die Mannschaften igen Sonntag ein Freund­schaftsspiel in Garbei teich aus, das auf einer Wiese zum Austrag kam. Aach Anwurf entfaltete sich sogleich ein flottes Spiel, das aber bis zur Halbzeit keinem der Gegner zählbaren Erfolg brachte. Aach einem schönen Durchbruch buchten die Gäste den ersten Treffer für sich. Die Turner muhten sich aber noch ein zweites Mal überwun­den bekennen, ehe es ihnen gelang, das Ehrentor zu erreichen. Das Tempo wurde schärfer, die Gäste waren noch einmal erfolgreich und stellten den Sieg sicher.

To. Atzbach Io. (Erba 4:1 (1:1).

Zu Anfang spielten beide Mannschaften sehr zerfahren, bis es Erda gelang, in Führung zu gehen. Aach Halbzeit findet sich Atzbach besser zusammen und kann einen verdienten Sieg sicher­stellen.

Io. wieseck Tv. hausen 9:2 (3:2).

In Wieseck standen sich zwei eifrige Mannschaften in einem mustergültigen Spiel gegenüber. Wieseck hatte in der ersten Hälfte sehr zu kämpfen, konnte aber nach der Pause durch größere Spielerfahrung und besseres Zusammenfinden Sieg und Punkte sicher an sich bringen.

Io. Beuern Io. Burkhardsfelden 0:0 abgebr.

Das Spiel, das stets offen war, mußte bereits vor der Pause vom Schiedsrichter abgebrochen werden.

Io. Allendorf I Io. Londorf I 1:5 (0:3).

Das Entscheidungsspiel des zweiten Bezirks ergab einen in dieser Höhe nicht erwarteten Sieg Lon­dorfs. Beide Mannschaften lieferten sich ein ebenso schnelles, wie hartes Spiel. In der ersten Hälfte war Londorf die tonangebende Mannschaft, zumal b. ? Verteidigung des Platzbefitzers regelmäßig zu spät eingriff. Nach dem Wechsel fanden sich die Allen- borfer mehr, nur Schubpech und Unsicherheit der Stürmer ließen aber das Ehrentor zu. Die letzten Minuten gehörten wieder den Gästen.

Im Spiel Tv. Allendorf Jugend Tv. Londorf Jugend gewann Allendorf verdient 5:3.

WUM-AM

Roman von Hans Friedrich.

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

5 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Franz Strobl nahm sich gar nicht die Mühe, <zu leugnen.

Daß ich die Wahrheit sage, Trude: 3a! Ich kenne die Beweggründe, die deinen Mann von dir trieben. Er ist noch immer der Alte. Er strebt mit allen zu Gebote stehenden Mitteln danach, ein Großer in seiner Kunst zu werden. Das ist sehr lobenswert..."

Gertrud vergaß für eine Sekunde die Malerin und lachte geschmeichelt: »Du versteh st es, Kom­plimente zu machen."

Der Wiener kniff nach alter Gewohnheit das linke Auge zu: .Sachte, sachte!" Und dann rasch fortfahrend: .Heinz sucht Abenteuer, um etwas zu erleben. Und ich bin überzeugt, er findet sie! Er ist ein hübscher Kerl und

Trude stampfte wütend mit dem Fuße auf.

.Franz, du bist häßlich!" rief sie ihn zur Ordnung.

In ihren Augen war etwas, was ihn zur Vor­sicht mahnte. Er wollte nicht gleich am ersten Tag alles verderben.

.Die Idee ist vorzüglich!" fuhr er wie umge- wandelt fort. .Aber was nützt es, wenn Heinz schließlich einen Roman erlebt, und du spielst keine Rolle dabei?!"

Trude schwieg. Sie wußte noch nicht, wohinaus er wollte. Sie sollte nicht lange in Unkenntnis bleiben.

.Sieh mal an, Trude: (Wie er das sagte: Trude! So weich und zärtlich, so verbindlich...) Ieht bist du für längere Zeit Herr über dich selbst. Ich glaube nicht, daß dich hier etwas hält. Oder habt ihr Familie?

Sie verneinte.

Aa also! Mein Vorschlag lautet: Tritt mit mir eine Tournee an! Ieht ist die beste Zeit dazu. Du kannst einen schönen Batzen Geld dabei verdienen. Wir brauchen nicht in jedem Faust- Pinselkasino zu spielen."

Gertrud errötete bis zum Haaransatz an den blaßblau geäderten Schläfen, so sehr erregten sie die Worte ihres Gastes, so stark nahmen sie Besitz von ihr. Aber dann sagte sie gegen die eigene Meinung: .Aein. Ich danke dir, Heinz, aber das geht nicht."

Der Wiener hatte es so erwartet und sich mit genügend Hartnäckigkeit gewappnet.

.Trude, das wird nicht dein letztes Wort sein! Du wirst dir die Sache durch den Kopf gehen lassen. Ich glaube bestimmt, daß dir dein

Mann dankbar fein würde, wenn auch du die Gelegenheit nütztest..."

Gertrud wehrte ab.

.Ich habe Schüler im Klavierunlerricht."

.Das ist nicht so wichtig. Das läßt sich ein­richten."

Trude sah auf ihre Hände herab. Sie wußte nun, daß sie sich nicht gegen diese Idee zu wehren vermochte. Strobl würde der Stärkere sein.

Sie erhob sich.

.Gut, ich werde es mir überlegen."

Ihr East ging einen zögernden Schritt nach der Tür.

.Wo darf ich deine Antwort erwarten?"

Sie war der Situation nicht völlig gewachsen. Sollte sie ihn für morgen einladen? Dicht ein­mal eine Tasse Kaffee hatte sie ihm angeboten. Aein, das konnte anders eingerichtet werden. Er war nun einmal da und von ihr in der ersten Wiedersehensfreude eingeladen worden. Wozu das, was zweckvpll und nützlich war, hinauszögem? Warum erst morgen sagen, was heute schon ausgesprochen werden konnte?

Strobls Blick tastete über sie hin. Er glaubte zu sehen, wie das Hirn hinter der hellen Frauen­stirn arbeitete.

Und da hob sie ihm ihre Rechte entgegen. Richt impulsiv, sondern leicht widerstrebend, halb unschlüssig. Im selben Augenblick wußte Strobl, daß er gewonnenes Spiel hatte.

Ich gebe dir gleich heute meine Antwort, Franz: Ich willige ein!

Seine Hände schlossen sich um die ihrigen.

Du bist noch die Alte, liebe Trude: Vernünf­tig und vorsichtig. Und ich danke dir für dieses Wort. Du sollst es nicht bereuen."

Um ihren blassen Mund blühte ein Lächeln.

Ich habe noch nie bereut, was ich getan habe!" sagte sie stolz.

Franz Strobl durfte den Aachmittagskasfee bei ihr einnehmen. Die Unterhaltung war nun um vieles flüssiger, ungezwungener. Einmal fiel das Wort zwischen ihnen: »Wir sind nun wieder Kollegen."

3a, als Kameraden wollten sie zusammenhal­ten, während der kommenden Wochen.

Ich tue es in erster Linie um Heinz willen und hoffe, er wird nachträglich seine Einwilli­gung geben.

Strobl entzündete sich mit Erlaubnis der Haus­frau eine Zigarette, fragte so nebenher: Bringt die Schriftstellerpraxis so viel ein, daß ihr da­von leben könnt?"

Gertrud seufzte.

Es könnte besser sein... Das Leben ist so teuer

Dann wurde nicht mehr von Heinz Guten­berg gesprochen. Aach einem kleinen Stündchen verabschiedete sich Strobl.

Also morgen früh mit dem Schnellzug! Ich

empfehle dir, deine Angelegenheiten heute noch in Ordnung zu bringen und dir einen Paß aus- ftellen zu lassen. Wir können in Wien beginnen. Einen Cellisten treibe ich auf.

Als Gertrud wieder allein war, sank sie in den Schreibtischfessel ihres Mannes. Sie fühlte sich nun ganz kraftlos. Fast hatte sie Angst vor dem eigenen Mut. Was würde Heinz dazu sagen, daß sie mit Franz Strobl, den et nie besonders leiden mochte, auf die Reise ging?

Aber mildernd kam hinzu: Sie wollte etwas verdienen. Vielleicht ttyir sie gar imstande, ihm Zuwendungen zu machen, wenn er mit seinem (Selbe nicht langte! Aus keinen Fall sollte er seine Reise vorzeitig aborechen. Sie lebten bis­her nicht im Ueberfluß, und Schmalhans war die meiste Zeit Küchenmeister. Wozu also sich Gewissensbisse machen?

Und daß Franz ihr Begleiter war na, sie wollte ihn schon im Zaume halten, wenn er es sich etwa einfallen lassen sollte, übermütig zu werden! Aber das waren unnütze Gedanken. War nicht auch Heinz mit einer Malerin ge­fahren? Sollte das ganze, großzügig aufgefaßte Programm an kleinlicher Eifersucht scheitern?

Das durfte nicht sein. Aus keinen Fall.

6.

In dem großen Schweigen der Dergeinsam- keit sand Heinz Gutenberg, was er gesucht hatte: Kraft und Sammlung zu einem neuen Werk. Wenn er auf den Hochalmen des Brunnen- kogels oder Grieskosels lag, über sich das dünne Blau des Firmaments, um sich das spärliche Gras wie leichter Wellengang vom Winde ge­trieben, konnte er Gedanken fassen, die ihm in der Tiefe des Tales nie gekommen wären.

Ich will und muß einen Roman schreiben, der die Herzen der Menschen wie ein Sturm angreift und erschüttert! Ich fühle das Gären und Brodeln in mir. Das muß etwas ganz Großes werden. Dr. Berger soll sich freuen. Und Trude!" So und ähnlich sprach er mit dem Wind, der hier oben nie ganz verstummte.

Und der wehte die Laute ein Stück zu Tal, trug sie einem bergwärts steigenden Mädchen zu, Das hatte schon die weite Grasfläche erreicht, sah sich nun erschrocken um.

Woher kam die Stimme?

Aoch einige beschwerliche Kletterschritte die steile Halde hinauf. Dann sahen sie sich fast gleich­zeitig, Heinz Gutenberg und Erdmute Hansen.

Sie habens gut! lachte sie mit versagender Lunge.Sie haben nur sich hier herauszuschlep- pen. Aber ich muß mich mit dem Utensilien­kasten und der Staffelei plagen, obgleich ich nur das Allernotwendigste mitnehme."

Er nickte.

Ich weiß schon, daß ich kein Kavalier bin. aber ich wollte Sie heule nicht schon wieder mit meiner Rähe belästigen."

Hoch aufatmend lieh sie sich neben ihm ins Gras sinken. Sie trug ein dünnes, weit ausge­schnittenes Kleid. Heber den Rucksack hatte sie den Lodenmantel geschnallt.

Gutenberg wandte die Augen nicht mehr von ihr. Er sah das Arbeiten ihres Herzens an der klopfenden Bewegung ter Halsschlagader. Und dann fing sich sein Blick an ihrem Profil.

Ich möchte selber Malerin sein... Da würde ich nicht hier heraufsteigen, sondern immerfort Sie malen!" gestand er, ehrlich begeistert.

Sie strich sich mit einer fünfen Bewegung das widerspenstige Haar aus der ©tim, fagte dann spielerisch:Malen Sie mich mit ter Feder in Ihrem nächsten Werk so, daß ich mich wieder» erkenne. Und vergessen Sie mir die Schönheit des Hochgebirges nicht! Das ist das Wichtigste. Die Menschen in ter Tiefe müssen wissen, daß hier oben eine reinere Lust weht, weil man Gott näher ist."

Er wandte den Kopf ab.

Es quält sich in mir... Ich kenne mich nicht aus." Und leiser:Ich habe ja auch noch nichts erlebt..." ,

Sie dehnte neben ihm im Gras die Glieder. Ganz dicht lagen sie beieinander. Wie sie sich jetzt ansahen, spiegelte sich ter Himmel in ihren Augen. -

Was verlangen Sie noch vom Leben, Sie Unzufriedener?" neckte Erdmute.

Er sah ihren roten Mund, ihr von der Höhen­sonne gebräuntes Gesicht, ihre gesund geröteten Wangen. Und da erging es ihm nach dem Dibei­wort: Wes das Herz voll ist, des flieht ter Mund über. Er sprach von seinem Schaffen, dem Besten und Heiligsten in ihm, dem künst­lerischen Schöpferwillen.

Die Landschaft ist Staffage. Hauptsache bleibt ter Mensch und sein Schicksal. Und wenn es in meiner Macht stünde, würde ich das Leben der DRute Hansen mit dem des Heinz Gutenberg ver­knüpfen... Sv eng, daß es keine Lösung mehr gibt, daß sie beide zu einer einzigen Persönlich­keit verschmelzen

Sie lag ganz still. Aur die Sehöffnung ihrer Augen wurde kleiner. Die Liter sanken darüber, bis nur noch ein schmaler Spalt offen war. Und auf ihrer Stirn bildeten sich zwischen den beiden Bogen der dunklen Brauen zwei schmale Falten.

Da wußte Gutenberg, daß er nicht den kleinsten Schritt weitergehen durste, wenn er sich die Sympathie dieses jungen Geschöpfes nicht ver­scherzen wollte.

Ich werte morgen ein Motiv auf dem Brun- nenkogel suchen", sagte Mute nach einer Weile.

Gutenberg drehte sich auf den Rücken, blinzelte zum Felsenhaupt des Grieskosel hinauf.

Wann wollen Sie gehen?"

Um fünf.

(Fortsetzung folgt)