Einzelbild herunterladen

Mittwoch, 15. Oktober 1950

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)

Nr. 241 Zweites Blatt

»ari

lebe!

Sensation

Kavalier

das Bezahlen. Auf Wiedersehen. Monsieur!

amüsieren Eie sich gut.

Dastia,

ib

aseUschaUs- ten mit Renee tolas Rimsky.

375

IB B irt

man hat.

Es sind reizende Leute. Kein Wort dawider. Mahlzeiten zu festen Preisen gibt es zwar nicht, aber man kann sich nach Belieben auswählen, wird nicht genötigt, und das charmante Persön­chen reckt beide Qlrme gen Himmel, als man nach dem Essen zahlen will. Ausgeschlossen. Der Gast darf nicht bei jeder Kleinigkeit ans Bezahlen er­innert werden. Das kommt alles auf dir Rech-

Aeuregelung der Knsenfürsorge.

Dec Reichsarbeitsminister hat unter dem 11. Ok­tober neue Bors chrif ten für dieKrisen- fürsorge erlassen, die am 3. November 1 9 3 0 i n Kraft treten. Mit Rücksicht auf die allgemeine Verschlechterung des Arbeitsmarktes soll die Krisenfürsorge in Zukunft wieder den Angehörigen aller Derufsgruppen gewährt werden, und zwar in Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern ohne besondere Zulassung, in den übrigen Gemeinden auf Anordnung der Vor­sitzenden der Landesarbeitsämter. Ausgeschlossen sind nur die DerufsgruppenLandwirtschaft" (mit Ausnahme der landwirtschaftlichen Ange­stellten) undhäusliche Dienste". Die bisherigen Zulassungen bleiben bestehen, auch in Gemeinden unter 10 000 Einwohnern.

Mit Rücksicht darauf, daß dem Reiche für die Krifenfürsorge nur beschränkte Mittel zur Ver­fügung stehen, konnte diese Maßnahme nur durch-

zichtet gern darauf, die Bekanntschaft des pu­dernden Filmhelden zu machen. Bei der Hitze!

Man setzt sich lieber auf die Place Nicholas am neuen Hafen, wo die allerschönsten Palmen stehen, und trinkt einen Cap Corse mit Eis. Die vieren Cafes, die den Platz jenseits des Fahrdarnrns an der Stirnseite begrenzen, haben für die Bequemlichkeit ihrer Gäste vorbildlich gesorgt! man räkelt sich in Korbstühlen, schlürft die Rachtluft und den Wein, vor allem den Wein, klatscht in die Hände wie ein Pascha, wenn das Glas leer ist, und schon springt der Garton über die Straße, falls nicht gerade eine Serie von Autos vorbeirattert. Alle korsischen Autos rattern; das ist ihre besondere Rote. Der Kausalzusammenhang zwischen diesem Ge­räusch und den mit Granitbrocken bestreuten We­gen ist unschwer festzustellen.

An langen Drähten, von Daum zu Daum ge­spannt, leuchten bunte Glühbirnen. Hier könnte man träumen, wenn die T. s. f. nicht wären. Das ist keineswegs Ungeziefer. T. s. f. bedeutet: Tdtegraphie sans fil und da sie sich so schön abkurzen läßt, gebraucht man oiese Dezeichnung im übertragenen Sinne für den Lautsprecher. Fast jedes Cafe hat, über der Eingangstür mon­tiert, seinen Lautsprecher. Aber was für einen! Es sind riesige Kasten, in denen drei wohl­beleibte Männer Platz finden könnten, und die Lautstärke ist auch die von drei Männern. Wenn

geführt werden, wenn gleichzeitig gewisse Ein­schränkungen des Personenkreises innerhalb der zugelassenen Derufsgruppen, eine Verkürzung der Dauer und eine Heu« regelung der Leistungen borgenommen wurden. Arbeitslose unter 21 Jahren können, wie bisher, keine Krisenunterstützung erhalten. Eie wird in Zukunft nur Personen gewährt, die aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert sind, und zwar muß bei neuen Zulassungen die Aus­steuerung nach dem Inkrafttreten der neuen Vor­schriften erfolgt sein. Die höchste Dauer der ilnterftüfcung beträgt 35 oder bei über 40 Jahre alten Personen 42 Wochen. Rur wirk­lich Dedürftige sollen Llnterstützungen, wie sie der Rot der Zeit entsprechen, erhallen. 3m übrigen ist Vorsorge getroffen, daß sich der Liebergang zu der neuen Regelung nach Möglichkeit ohne Härten vollzieht.

Reizende Leute.

Immerhin: es kann nicht schaden, wenn sich ein bißchen notiert, was man gehabt . Es ist ja nicht der erste Schritt über die Grenze. Man hat vier Weltteile durchwandert...

Zwischenspiel im fremden Land

Von Victor MageS.

Lächeln in Marseille.

Man soll nie mitternachts in einer fremden Stadt ankommen, wo man weder Weg noch Steg kennt. Ich weiß. Aber mach' einer was. Leider sind wir von der Zeit abhängig und von den Eisenbahnen, und schließlich bleibt die Hoffnung, daß alles gut werden wird.

Cs gibt ja auch ein Mittel, um sicher zu gehen. Das heißt: renseignement.Wenn Sie dieses Hotel wählen, kann Ihnen gar nichts passieren", sagte der schönbärtige Franzose in Lyon. _ r.

Der Zug stoppt. Lichter glitzern, Menschen schreien. Der Rachthauch, der durch das geöff­nete Fenster des Abteils hereindringt, ist ge­sättigt mit Duft des südlichen Meeres. Mar­seille hat keinen guten Ruf, aber es riecht gut, wenn man nach langer Fahrt den Kopf ins Freie steckt.

Das benannte Hotel am Dahnhof ist bis unters Dach beseht. Die riesige weiße Treppe, die zum Boulevard Dugommier abfällt, leuchtet gespenstisch durch die Finsternis. Der Porteur mit dem Koffer stolpert voran. Stufe um Stufe versinkt man in eine unbekannte Schlucht.

Der Porteur behauptet, er kenne ein Hotel, wie man es sucht. In fünf Minuten sind wir dort. Eine sehr bemalte Same,_ die aussieht, als habe sie sich extra für den späten Gast zurecht- gemacht, thront einsam im Bureau. Lächelnder Cmpsang. Lächelnde Zusage. Allerdings ist nur ein kleines Zimmer frei, aber dafür ist es auch billig: 25 Frank.

Mehr kann man von Marseille nicht erwarten. Dies übertrifft sogar jede Erwartung. Das Bett ist weich und breit. Die Augen werden bald klein. Wie das so kommt, fallen mir ausgerechnet hier, nachts gegen 1 Llhr, in dem Bett eines Marseiller Hotels, die Worte des Brutus ein: Mörderischer Schlummer! Legst du die bleierne Keul' auf meinen Knaben, der mir Musik macht?" Blödsinn. Erstens bin ich schon lange kein Knabe mehr, zweitens hab' ich keine Musik gemacht, und drittens ist dieser Schlummer gar nicht mör­derisch, sondern äußerst wohltuend, zumal man für 25 Frank schlafen darf...

Die Leute sind reizend. Richt nur die ge­schminkte Same, sondern auch die Bedienerin. Mit einer Verschämtheit, die etwas Bezauberndes hat und anmutet, als sei es ihr peinlich, dies sagen zu müssen, erklärt sie, daß man wenigstens eine Mahlzeit im Hotel einnehmen müsse. Man fühlt sich verpflichtet, dem charmanten Persönchen entgegenzulächeln:QEber gern! Worauf ein Strahlen aus den schwarzen Augen bricht, das zu bekunden scheint: Sie haben mir einen Alp vom Herzen genommen, Monsieur!

Dollsnalionale Reichsvereinigung.

Frankfurt a. M., 14. Oft. Am Sonntag fand hier eine gut besuchte Versammlung der Orts- und Kreisgruppenkührer der Volks- nationalen R e i ch s v e r e i n i g u n g des Volks st aates Hessen statt, an der auch Vertreter von Hessen-Rassau und der Pfalz teil- nahmen. Ser Wahlkreisvorsitzende, Studienrat Schmidt, Gießen, gab einen eingehenden Bericht über die Stellung der Reichsvereini­gung während der Reichstagswahl, ihr Ver­hältnis zu den Parteien und im besonderen über die Trennung von der Staatspartei. In der I gründlichen Aussprache, sowie in den schrift­lichen und mündlichen Berichten aus dem Lande wurde die Lösung von der Staatspartei gut­geheißen und der weitere kompromißlose Einsatz der Bolksnationalen Reichsvereinigung für den Aufbau des nationalen, sozialen und wehrhaften Volksstaates auf christlicher Grundlage gefor­dert. Richt der Anschluß an diese oder jene alte Parteigruppe, sondern die Schaffung einer neuen Front crneuerungetoilliger Kräfte aus allen po­litischen Lagern auf volksgemeinschaftlicher Grundlage und unter Ablehnung der Herrschaft des Jnteressententums und der Parteibureau- kratien solle unentwegt erstrebt werden. Das Aktionsprogramm wurde beraten und der Auf­bau der Volksnationalen Reichsvereinigung in Hessen nach dem Grundsatz der weitestgehenden Selbstverwaltung in den Orts- und Kreisgruppen ergänzt und erweitert. Führer des Wahl­kreises und der Provinz Oberhessen ist Studien­rat Schmidt, Gießen, der Provinzen Star­kenburg und Rheinhessen Finanzinspektor Hun­dert, Worms. Der Landesausschuh be­steht aus den Kreisgruppenführern und einer Anzahl hinzugewählter Personen aus allen Be­rufen, Ständen und Landesteilen. Der engere Arbeitsausschuß seht sich zusammen aus den Herren S ch m i d t, Gießen; Hundert, Worms: Jehner, Landwirt, Schwalheim; Dr. Faehr, Chemiker, Darmstadt; Pfeil, Ar­beiter, Trais; Mo uf fang, Rechtsanwalt, Offenbach; Zichwolsf, Kaufmann, Mainz; Beher, Schmiedemeister, Gedem; Seipp, stud. phil., Holzheim; und Frau Kranz, Butz­bach. Zu den Beratungen und besonders zu der Mitarbeit an der Ausstellung eines Wirt- schasts- und Kulturprogramms sollen jeweils Sachverständige hinzugezogen werden.

sogar ein _ __

spielen, muß sehr schön sein. Was fürs Herz. Er heißt: Poudrez-moi le dos (Pudern Sie mir den Rücken). Das Plakat zeigt eine dekolletierte Dame, deren obere Rückenpartie von einer Puder- quakte leicht berührt wird. Die Puderquaste sitzt dezenter Weise an einem langen Stiel, und das männliche Wesen am anderen Ende des Stiels ist nicht sichtbar. Rur seine Hand stößt in das Bild vor. Wie mag er aussehen, der Mann, der einer so hoheitsvollen Same den Rucken pudern darf? fragen sich die kleinen Mädchen von Dastia. Sie Kassiererin bekommt zu tun. Linser eins ver-

>e-

b. WMI KMUl- ,jS MM SM

MM Hill*1

Dastia, an der Rordostccke von Korsika ge­legen, ist eine interessante Stadt. Es gibt hier Kino. Ser Film, den sie gegenwärtig

nung. Ditte, machen Sie sich keine Gedanken, über

' ~ * " " I Lind

bildung ppenunterricht e und Kindel giessen (M?i ßahnhotstraM ich

ipboo

n Sensation«-

6977 C

ngl-

Wer die Hauptversammlungen des Gustav- Adolf-Dereins regelmäßig zu besuchen Ge­legenheit hat, empfindet jedesmal aufs neue tne starke Wirkung, die von diesen Versammlungen ausgeht. Es liegt in der Ratur dieser Veranstal­tungen, daß sie im letzten Grunde immer daS gleiche Antlitz zeigen, dieselben Testallen der Führer auf dem Gebiete der Diaspora- pflege, dieselben Röte der Diaspora in der ganzen Welt. Aber auch dieselbe Gemeinschaft helfender Druderliebe macht sich überall geltend. Lind doch trägt jede Versammlung ihre besondere Art. Die persönliche Rote empfangen diese Tage immer von der ilmtoelt, in der sie gefeiert wer- den. Diesmal waren die Gustav-Adolf-Freunde Gäste des Schwabenlandes. Zum letzten Male hatte in Stuttgart die Hauptversammlung im Jahre 1874 getagt, jetzt wurde sie wieder dort begangen. Schwäbische Herzlichkeit umfing die Teilnehmer, schwäbische Treue trat in der großen Opferwilligkeit zutage, mit der die Arbeit unterstützt wurde. Hatte doch das Schwabenland die Summe von 170 000 Mark, d. h. 10 Pfennig auf den Kopf der Devölkerung, gesammelt. Mehr als ein Redner hob die Eigenart des schwäbischen Volkscharakters hervor, in dem sich ein zähes Festhalten an der engsten Heimatart mit einer Weltweite verbindet, die diese engen Fesseln sprengt. Schwaben gibt es in der ganzen Welt, haben sie doch auch Chamisso bei feinem Gedicht Die Auswanderer" Modell gestanden. Aber überall wo sie sind, sind und bleiben sieSchwa - ben.

Darin lag eine innere Verwandtschaft zwischen der Gustav-Adolf-Arbeit und der Stätte ihrer diesmaligen Tagung. Ist doch auch dem Gustav- Adolf-Derein die Weltweite eigentümlich. War ursprünglich die innerdeutsche Dia­spora in starkem Maße Gegenstand der Der- einsfürsorge, so ist diese in der Gegenwart keines­wegs ausgeschaltet, aber doch stark zurückgetre­ten, teils weil sie durch geordnete kirchliche Für­sorge genügend betreut werden kann, teils weil, die deutsche Rot in der ganzen Welt seit der Kriegszeit ins Riesengroße gewachsen ift. Ein Dlick in den Arbeitsbericht zeigt, wie der Dienst des Gustav-Adolf-Dereins sich über alle Meere bis nach Südamerika, Australien und Afrika erstreckt. Es entspricht diesem Charakter, wenn ein Teil der Tagung in den Räumen des Deutschen Auslandinstituts statt­fand, dessen weltumfassende Arbeit die Dewun- berung der Desucher erregte. Dei der ersten Ta­gung in Stuttgart im Jahre 1845 waren zum ersten Male außer den deutschen Abgeordneten auch Vertreter der Schweiz, Frankreichs, Bel­giens und Llngarns vertreten. Auch dieses Wal hatte das Ausland Vertreter entsandt. Die durch den Krieg abgebrochenen Beziehungen zur Waldenser Kirche inJtalien sind, wenn sie auch noch nicht zur Beschickung der Tagung geführt haben, doch wieder ausgenommen. Die belgischeMissionskirche hatte einen Ab­gesandten zur Teilnahme deputiert. Zum ersten Male waren zwei finnische Bischöfe er­schienen, um ihre Teilnahme und Mitarbell an diesem Werk der Bruderhilfe zu bezeugen. Es entsprach wohl diesem großen Zug, daß die große Liebesgabe des Gustav-Adols-Vereins dieses Mal die Fhrt übers Meer, nach Sao Leopoldo in Brasilien antreten soll. Lind wenn von nam­hafter Seite angeregt wurde, daß der Gustav-

alle diese T. s. f. gleichzeitig loslegen, hat nur ein Stocktauber die Möglichkeit, zu träumen.

Einzelne Cafes behelfen sich mit Grammo­phonen. Das bevorzugteste Plattenlied istWilja, o Wilja, du Waldmägdelein". Ich erinnere mich, daß wir es im Jahre 1907 als jüngsten Export­schlager den Südsee - Insulanern vorgesungen haben ... *

Rach 10 Llhr ins Hotel kommen darf man nicht. Sonst riskiert man, nächtliche Ruhestörung verüben zu müssen. An der Hotelpforte ist eine eiserne Hand angebracht. Mit dieser eisernen Hand wird gegen die Tür geklopft; es dröhnt strahenweit, und als Deutscher bekommt man Schupo-Visionen, wenn man immer wieder und immer wieder mit der eisernen Hand tätlich werden muß. Aber es rührt sich keine Katze. Man kann von Glück sagen, wenn es nicht Morgenrot geworden ist, ehe der Hausdiener aus sorgenschweren Träumen fährt.

Das Hotelzimmer, sehr komfortabel, ist mit dem Rebenraum durch eine kleine Tapetentür verbunden. Der Riegel auf meiner Seite erweist sich als unbrauchbar, aber die Tür ist verschlossen. Der Schlüssel steckt drüben. Ein Hotel in Dastia mag noch so nett eingerichtet fein: es bleibt eine bescheidene Angelegenheit. Einschleichdiebe mit Gesichtsmasken a la Wallace suchen sich zweifel­los ein Tätigkeitsfeld, wo es mehr zu klauben gibt als meine Reisekasse, die überdies im Be­griff ist, ihre Kinderseele auszuhauchen Warum also der Tapetentür besondere Beachtung schen­ken?

Selig lächelnd wie ein satter Säugling schläft man ein. Die Same, die sich absolut den Rücken pudern lassen will, steigt aus dem Filmplalat, schwebt über den Boulevard Paoli, wächst zu enormer Gröhe, so daß sie ohne Mühe an die Fensterläden meines Zimmers im zweiten Stock reicht. Sie versucht.' die Läden zu offnen. ES knackt. Ich höre es deutlich, erwache .... und sehe, wie sich die Tapetentür bewegt; Licht bringt herein.

Die Hand tastet nach dem Druckknopf, um die Beleuchtung anzuknipsen. Findet ihn nicht gleich. Durch die Tapetentür schiebt sich vorsichtig eine weiße Gestalt. Das Bett steht unmittelbar neben der Tür.

Der Druckknopf. Helle. Ein Schrei gellt, als hätte ein Spieß getroffen. Eine sehr hagere ältliche Dame schmeißt die Arme in die Luft, stolpert ein paar Schritte, die Tapetentür fliegt zu. Rax, rax macht der Schlüssel.

Mein bibberndes Herz ist plötzlich voller Heiter­keit. Von drüben tont leises Wimmern:Mon coeur, mon coeur! Eine andere Stimme beruhigt.

Ich lösche das Licht, strecke mich und frage leise bei dem Schick sac an: warum denn, wenn sich schon nachts in Dastia die Tapetentüren be­wegen, nicht etwas jüngere und weniger ängst« liche Gespenster....

Pas de bonheur.

^rrabt ntuer^

ndbarer lsungsdarleheii ^"g-" 6it fofiej, ,r°M bürd, blt WttajL 7f

M

19« Oktober:

Adolf-Verein eine wissenschaftliche Kirchenkunde der evangelischen Diaspora schaffen solle, so zeigt ich auch hierin, wie er seiner Bestimmung gemäß einen ökumenischen Charakter trägt.

Diese Weltweite ist freilich nicht zu denken als eine bloß weltumspannende Organisation. Sie will Dienst bedeuten. Das alte Losungs­wort des Vereins, das in der Festpredigt des Generalsuperintendenten D. Eger durchklang: Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber dem Glaubensgenossen!" stellt diese Arbeit in den Zusammenhang der großen Liebestätig­keit der evangelischen Kirche. Cs will doch etwas heißen, daß der Verein mit einem Etat von zwei Millionen arbeitet. Auch auf der diesmali­gen Tagung trat in den Arbeitsgemeinschaften für die Schulfragen, für das Ostproblem, für den Frauendienst der Ernst hervor, mit dem die einzelnen Gebiete bearbeitet werden. Aber auch dieser Dienst hat neue Formen angenommen. Er­schöpfte er sich früher wesentlich in Llnterstützung einzelner Werke und Befriedigung örtlicher Be­dürfnisse, so zeigt er heute einen Drang ins Große und Weite, der über diese kleinen Aus­gaben hinausführt. Besonders stehen im Vorder­grund z. Z. die Fragen der Auslandschulen und die Heranbildung des Pfarrer­standes für den Auslanddienst. Man hat erkannt, daß in der Heranbildung der Ju­gend im Glauben der Väter die sicherste Bürg­schaft für die Zukunft der Gemeinden liegt, und daß wichtiger als alle materiellen Llnterstützun- gen die Ermöglichung des Dienstes mit Wort und Seelsorge ist. Die amtsbrüderliche Rothilfe sucht den Rotständen der Diasporapfarrhäuser Hilfe zu schassen. Vor allem aber hat da s Franz R e n d t o r f f-H a u s in Leipzig, das am 17. Mai d. 3. eröffnet wurde, die Aufgabe übernommen, Theologie studierenden Söhnen des Auslandes ein Heim zu bieten. Auch hier weltweiter Dienst.

Mit besonderer Dankbarkell wurde bei der diesmaligen Tagung von allen Seiten des Vor­sitzenden des Vereins gedacht. Geheimrat Pro­fessor D. Franz Rendtorfs hat am 1. August d. 3. seinen 70. Geburtstag gefeiert. 3n ihm ist der Charakter weltweiten Dienstes, den die Ar­beit trägt, geradezu personifiziert. Möge es dem hochverdienten Manne vergönnt fein, noch lange den Verein als Träger solcher Arbeit zu führen.

Oderheffen.

Gerneinderat in Grimberg.

+ Grünberg, 14. Ott In seiner, jüngsten Sitzung war der Gemeinderat vollzählig ver­sammelt. .

Vor Eintritt in die Ta^sordnung gab Der Bei­geordnete bckannt, daß d e Orts.atzung über bic Wahl ein s BerusbürgermeisterS von dem Minister des Innern ge e nugt worden ।c.. Er beao, .cy.ige, die c teile al8 >alo in Der Darmstädter Zeitung" und im~>icr>ener Anzei­ger" zur Bewerbung a u s z u) ch r e i b e n.

Don derstädtischen Anleihe - Ab l o * sungsschuld wurden drei Stricke (Lit. Rr. 4. 47 und 68) rückzahlbar mit 175 Mk. und zwei Stücke (Lit. B Rr. 43 und 49) rückza Ibar mit 87 50 Mark aus gelost. Die Auslosung ist die fünfte, laut gesetzlicher Vorschrift erstreckt sie sich über 32 3aljre. .

Herr Heinrich liebele aus Bad-Rauhcim, der Päch er der städtischen Waldjagd (Große über 400 Hektar), des en Pachtet am 31. 3anuar 1932 abläuft, ersucht um Verlängerung seiner Pachlzeit für weitere drei 3a)re, da er zwei an­grenzende Jagden für die Dauer dieser Zeit ge­pachtet habe; er erbietet sich, trotz allgemeiner Verbilligung der Jagden, den alten Pachtpreis in Höhe von jährlich 1350 Mark zu zahlen. Wah­rend einige Eemeinderäte die Verlängerung deS Pachtvertrags befürworteten, wurde von einer Seite erllärt, daß hiesige Jagdliebhaber die Jagd zu demselben Preise pachten würden. Aus diesem i Grunde wurde Die Sache nochmals zurückgestellt.

Der hiesige Motorrad-Club bittet um Ver­besserung der Ortsdurchfahrten, ins­besondere weist er auf die für den Auto- und Motorradverlehr gcsuhrlichen ©teilen des Marlt- platzes und der Marktgasse hin; für letztere halt er eine vollständige Llmpslasterung für nötig. Rach kurzer Aussprache, bei der allgemein Der Wunsch der Gesuchsteller als berechtigt aner­kannt wurde, einigte inan sich dahin, durch Llrn- pflasterung einiger besonders schadhafter Stellen des Marktplatzes und der Marktaasse dem Ge­suche Rechnung zu tragen. Einer allgemeinen ilm- pflasterung der Marktgasse, die man allseitig für nötig hält, will man zunächst noch nicht näher­treten, da einerseits die Mittel hierfür fehlln, anderseits auch erst sämtliche Anlieger ihre Ka­nalanschlüsse vollzogen haben müssen, was bis jetzt erst zum kleinsten Teile geschehen ist. Die bis jetzt noch nicht angeschlossenen Hausbesitzer sollen daher zum baldigen Anschluß aufgeforbert wer­den, damit nach TeenDigung dieser Arbeiten und genügender Zeitspanne zum Setzen des Erd­reiches in etwa ein bis zwei Jahren die Llm- pflasterung der ganzen Marltgasse vorgenommen werden kann.

Auf eine Anfrage wegen Verwertung des frei werdenden alten Spritzen­hauses an der Hösentränke bemerkte der Bei- georbnete, daß zunächst die Postverwaltung da Grünberg Sitz einer der demnächst zu er­richtenden Landpostkrallstellen werde zum Lin­ierst eilen der Kraftwagen als Mieter in Be- tracht käme, solange die Post keine eigene Auto- halle errichtet habe.

Uaiiötrci* Gickcn.

8 Alten-Buseck, 14. Oft. Der schon feit längerer Zeit hier geplante Neubau einer Farsterwohnung soll im kommenden Frühjahr üorgtrtommcn werden, nachdem sich der Gemeinde­vorstand in seiner letzten Sitzung bereit erklärt hat, dem Verlangen der hessischen Forstbehörde nachzu­kommen und das zu dem Rohbau benötigte Holz sowie die Basaltsteine unentgeltlich zu liefern. Wenn

Deutsche Not in -er weiten Welt

Don D. Blau, Generalsuperiniendent von Posen.

Ach, unser königliches Selbstbewußtsein! Es sitzt wieder ganz in einem Drin, unD Das hat dieses charmante Persönchen mit Dem Mona-Lisa- Lächeln gemacht. Zehn Kontinente könnte man Durchwandert haben... in Marseille nützt Das gar nichts.

Der Dampfer nach Korsika geht einmal in der Woche. Das Dlllett ist gekauft. Die geschminkte Dame und das Persönchen wissen es genau, denn sie gaben Auskunft. So oder so es ist ein gefährliches Mittel: renseignement.

Mittags, um 1 '21 Llhr, nach Dem letzten Essen verlangt man Die Rechnung. Einen Augenblick. Sie ist noch nicht ganz fertig. Aber gleich, sofort, Monsieur!

Der Dampfer geht um 2 Llhr. Es ist em ganzes Stück bis zur Jolietle, auch mit dem Taxi. Man fragt nochmals. Die Rechnung wird in einer Minute vorliegen, in einer halben Minute. Sie Llhr ist schon nach 1.

Das Lächeln des charmanten Persönchens hat jetzt etwas Strindberghaftes. Es bannt nicht mehr; es macht unruhig. Roch eine Anstands­pause, und nun möchte man doch wirklich die Rechnung...

Hier ist sie.

Rach vorsichtigem Lleberschlag hat der Gast etwa 130 Franks zu bezahlen. Sie Rechnung lautet auf 417 Franks.

Mies schön spezialisiert. Eine lange Rolle feinsten glatten Papiers, zierlich beschrieben von der geschminkten Same. Lind lächelnd überreicht von dem charmanten Persönchen.

Dinge, die man nie gehabt hat. Zigarren, Wein, Kaffee. Kuchen, Driesmarken. Sie Rechnung wird beanstandet. Die Geschminkte fällt in Schrei- Kämpfe, aus denen das Wortagent häufig hervortont Das charmante Persönchen bläht die Rüstem, fletscht Die Zähne, und ihre liebliche SuaDa verwandelt sich in ein Gekeif, wie es auf Den Fischmärkten zu hören ist. Fern tutet zum erstenmal der Dampfer.

Wie eine Faust doch 400 Franks auf den Tisch schmettern kann. Ein Wunder, daß Der Tisch hell bleibt

t örobi

16 Wtz

Taten für Tonnertztag, 16 Cftobcr.

1726: Der Maler Daniel Chedewiscki in Danzig geboren; 1827: der Maler Arnold Böcklin in Basel geboren.

1

LlnD sofort hat Das charmante Persönchen vom Fischmarkt wieder ein Mona-Lisa-Lächeln, und die bemalte Dame endet ihre Schreikrämpse mit dem Seufzer:Merci, monsieur..

Sie Lösung der Frage, toarum einer, Der schließlich kein Ochse ist, hier bezahlte, überlasse ich Den Lesern. Cs ist ein großartiger Stoff, und die Erörterung nach dem Abendessen wird sehr zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Ich für mein Teil wünsche mich in die Sebatte nicht einzumischen, übernehme das Mona-Lisa-Lächeln jenes charmanten Persönchens, und das einzige, was ich noch zu sagen habe, ist dies: Wer nach Marseille kommt, geh nicht ins Fleuri-Hotel.

Gespenster in Dastia.

D