Vorlahre nur ganz knapp von dem Sp.-V. Wiesbaden auf den zweiten Platz verwiesen wurden, wollen diesmal erneut ihr Glück versuchen. Voraussagen lassen sich jedoch keine — auch nicht für Einzelwettbewerbe — treffen.
V.f.B. Leichtathletik.
Einer Einladung des V. f. D. Diez folgend nimmt der V. f. V. Gießen am nächsten Sonntag an den 3. Nationalen Oranien-Kampfspielen in Diez teil. Wie alljährlich, wird in Diez starke Konkurrenz aus Frankfurt, Wiesbaden, Mainz usw. vertreten sein. Trotzdem sollte es Mohl vom D. f. D. möglich fein, im Kugelstoßen und Diskuswerfen zu siegen. 3a f o b leidet an einer Knieverlehung: es ist daher fraglich, ob er im Hochsprung startet. Ferner sind noch einige Damen gemeldet, über deren Aussichten man nichts bestimmtes sagen kann, da es sich um Anfängerinnen handelt.
Leichtathletik im Männertumverein.
Bei den am nächsten Samstag und Sonntag in Leipzig stattfindenden deutschen Volks- turnmei sterschaften der D. T. wird auch der Gießener Männerturnverein durch vier Turnerinnen vertreten sein. Es nehmen folgende Turnerinnen teil, die sich durch ihre Erfolge an den Kreismeisterschaften in Hanau die Berechtigung zur Teilnahme an den Endkämpfen um die Deutsche Meisterschaft erworben haben: Else Bickelhaupt am Hochsprung und am Dier- kampf, Erna A l t h a u s am Dierkampf und Tilly E s P a ch ebenfalls am Bierkampf. Außerdem werden die vorgenannten Turnerinnen mit Charlotte Arnend zusammen an der 4X100* Meter-Staffel teilnehmen; da diese Staffelmannschaft mit einer neuen Höchstleistung die Kreismeisterschaft errang, ist es möglich, daß sie auch in Leipzig ehrenvoll bestehen kann.
Turner-Schwimmen.
Arn vorigen Montag griff die Wasserballmannschaft des Tv. von 1 8 4 6 Gießen in die Gauwasserballrunde ein, nachdem vorher die Spiele durch verschiedene Llmstände ausgefallen waren. Die seit fünf 3ahren im Gau Hessen ungeschlagene Wasserballmannschaft des Tv. v. 1846 Gießen stellte auch an diesem Tage gegen den stärksten Gegner, Tv. Wetzlar, ihr Können unter Beweis, indem sie ihren Gegner leicht mit 5: 2 abfertigte. Man darf wohl annehmen, daß die bis jetzt ungeschlagene Mannschaft des Tv. 1846 auch in diesem 3ahre aus den Wettkämpfen als Sieger hervorgeht, da im letzten. Spiel eine klare äleberlegenheit der Gießener'Mannschaft zu erkennen war.
Handball im T. V. Großen-Lmden.
Die erste Mannschaft des Tv. Allendorf (Lahn) ist am kommenden Sonntag Gast der ersten Mannschaft des Tv. Großen-Linden. Der Sieg wird wohl den Grohen-Lindenern nicht zu nehmen sein.
Südwestdeuischer Tumverband.
' Lahn-Dünsberg-Gau.
Am vorigen Samstag fand in Gießen eine Gauausschuhsihung statt, in dec die Turner und Turnerinnen für b'e am 30. und 31. d. M. stattfindenden Dundesrneisterschaften in Remscheid festgestellt wurden. Es werden antreten im Ge- räte-Zehnkampf die Turner Hofmann, Lollar, Römer, Wieseck, und Bender, Rodheim: im Geräte-Turnerinnen-Mehrkampf die Turnerinnen Hildebrandt, Schreiner und Loh, sämtlich aus Wieseck. Der Gau wird ferner in den Leichtathletik-Meisterschaften im - 1500-Meter-Lauf und Weitsprung G r ö l z, Staufenberg, bzw. Schiefer st ein, Launsbach, als Teilnehmer stellen. Der Gauturntag findet vor dem Verbandsturntag Mitte Oktober statt.
Kommenden Sonntag findet in Gießen eine Gauspielerfitzung statt. Auf der Tagesordnung stehen: Einteilung des Gaues in Bezirke, Beginn der Derbandsspiele, Schiedsrichterkursus.
Wirble ins Leben!
Vornan von Anna Fink.
Llrheber-Rechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau, S.-A
21 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Es war Abend. Die alte Amme hatte den Sessel dicht ans Fenster gerückt. Verträumt sah Barbara in die Pracht des italienischen Himmels.
Plötzlich und unvermittelt fragte sie die Alte: »Sie kennen den Conte Malfieri gut?“
„Ach, Signora“, gab die Alte zur Antwort, „so gut wie mein eigenes Kind. Mein Mann war Kastellan hier. Er starb vor zehn Jahren an einem Herzschlag, der Arme. Er war immer etwas zu hitzig gewesen. Cs liegt so in uns."
Barbara sagte erst nichts weiter. Rach einer Pause fragte sie: „Ich habe den Grafen nur wenig gesehen in den letzten Tagen. Er scheint sehr beschäftigt zu fein?“
-Soll ich ihn holen gehen?" fragte Iulietta eilig.
„Wer nein, das heißt, ich weiß nicht“, wehrte Barbara ab.
„Ist der Conte immer so — ungleich? Er scheint ein heftiges Temperament zu haben?" fragte sie dann.
Die Amme mußte lächeln. Diese tedesci, diese Deutschen waren seltsame Menschen.
„Wissen Sie, Signora, wir Italiener haben etn heißeres Blut, als ihr im Rorden. Was glauben Sie, was mein guter Franchesco, Gott hab ihn selig, für ein Hitzkopf war! Ich brauchte mich über zu wenig Liebe wahrlich nicht zu beklagen, eifersüchtig war er wie ein Mohr! Lind dann, wenn ich mal seinem Freunde ein bißchen zugelächelt habe — er war ein schöner Mensch die Madonna möge mir meine Sünde verzeihen — geriet er so außer sich, daß er mich am Abend schlug.“
„Was?" fragte Barbara und machte entsetzte Augen. „Geschlagen hat er Sie einmal, Signora Iulietta?" u
„Ach", die Alte lachte herzlich, „nicht nur einmal — das kam öfters vor. Hinterher war die Liebe um so heißer. In Sizilien ist es viel schlimmer, da sitzt ihnen der Dolch so locker, daß es immer gleich ein Llnglück gibt."
„Das ist ja schrecklich!" Barbara war aufrichtig entsetzt. „Sind Sie denn Ihrem Mann untreu gewesen?"
Pokalspiele im To. Londorf.
Bei dem Spiel in der ^-Klasse zwischen Allen- dorf und Garbenteich wurde auch ein Spieler von der Garbenteicher Mannschaft herausgestellt.
Deutsches Tum- und Sportabzeichen.
Am nächsten Sonntag ist Gelegenheit geboten, die Prüfung im Radfahren für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen abzulegen. Näheres siehe Anzeige.
Arbeiter-Tum- und Sportbund.
Belgische Fußballer in Gießen.
Für morgen, Samstagabend, hat sich die erste Fußballmannschaft der Freien Turnerschaft Gießen die belgische Meistermannschaft des 0.8. 0.1920 Brüssel zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet. Die belgische Mannschaft, die in stärkster Aufstellung antreten wird, war zweimal belgischer Landesmeister und achtmal Brüsseler Meister; in ihr wirken fünf Spieler aus der belgischen Ländermannschaft mit. Die Aufgabe, die sich die Fußballspieler der Gießener Freien Turnerschaft gestellt haben wird nicht leicht fein, obwohl auch sie in stärkster Aufstellung antreten werden.
Vorher werden sich die Iugendmannschaften von Gießen und W i e f e ck im Freundschaftsspiel messen.
Leichtathletische Bezirkswettkämpfe.
Am kommenden Sonntag finden die diesjährigen leichtathletischen Bezirkswettkämpfe in Gießen auf dem Platze der Spielvereinigung 1900 statt. Aus diesem Anlaß besteht im Bereiche des Bezirks Spielverbot. Zu den Wettkämpfen haben annähernd 400 Teilnehmer ihre Meldungen abgegeben. Vormittags beginnen die Mehrkämpfe, denen die Vorentscheidungen in den Einzelkämpfen und Stafetten folgen werden. Nachmittags Fortsetzung der Einzel- kämpfe und Entscheidungen in den Stafetten. Darauf Diegerverkündigung.
Frankfurter August-Hennen.
Bei der letzten Reugeld-Erklärung sind für das in Frankfurt a. M. am 17. August anstehende Alexander-Rennen folgende neun Dreijährige stehengeblieben: Stall Weinberg ließ Gregor, Ladre und Majordomus im Rennen. Da Gregor am Mittwoch im Großen Preis von Köln gestartet wird, ist wohl bestimmt mit dem Start des Derby-Zweiten Ladre und Majordomus zu rechnen. Auch Graditz ist mit Colleoni und Strom schnelle hervorragend vertreten. Wiener Blut, sowie Herakles, Librator und Herodias haben ebenfalls ihr Engagement aufrechterhalten.
Im Landgrafen-Rennen ist die Klasse der Zweijährigen stehengeblieben, so daß es hier zu einer Nachprüfung des Rheinischen Zuchtrennens kommt. Immerhin vereinigt dieses Rennen noch 13 Pferde, die sich fast ausnahmslos um den reichen Preis bewerben werden. Gestüt Graditz ließ Priska und Sichel, Stall Oppenheim Adrienne, Oppenheimer Teutsche und Venustra, die Herren Weinberg Ferrari und Pelex die Startberechtigung. Wasserquelle, die wie die vorstehenden hocherprobt ist, sowie Elida, Theseus, Good-Boy und Fandem Derbollftäntigen das Feld.
Im Festa-Preis blieben 12 der besten Stuten stehen. Machevoran steht mit 62 Kilo an der Spitze der Gewichte, Galleria, Reale und Rapsodie tragen 54,5, ihnen folgen Delifee 54, Möve 52, Audacia 50,5, Fantasia und Saalburg 48,5, während Mauerzinne, Dido und Ischta 48 Kilo zu tragen haben. Auch hier sollte eine interessante Entscheidung in Aussicht stehen.
Für den Schlußausgleich des Tages, das Albert - von - Metzler-Erin nerungs- Rennen, haben 23 Pferde das Gewicht angenommen. An der Spitze steht Peter Sonnenschein mit 64 Kilo. Auffallend stark vertreten sind die Westdeutschen mit Chevalier 62,5, Pollhduck 62, Feudal 61, Pralinee 61, Sturmbock 59,5. Der Schweizer Karlin, der bereits in diesem Jahre hier siegreich war, erhielt 56,5, auch Tauperle, die 50,5 zu tragen hat, findet hier eine günstige
„Nein, das nicht gerade. Aber mein Gott, ich war schön, alle Männer im Dorf sahen mir nach und schenkten mir Blumen. Da verliebt man sich schon hin und wieder mal ein wenig und kokettiert mit dem oder jenem. Da ist nichts Böses dabei. Man freut sich, wenn andere sich über einen freuen. Mein Franchesco brauchte sich nicht zu beklagen. Ihn habe ich immer am meisten geliebt."
Die Alte schwieg, und Barbara dachte nach.
Lind auf einmal fragte sie Iulietta ganz unvermittelt: „Haben Sie ihm das auch gesagt?“
„Ja, Kind." Die Gefragte sah mit ihren großen dunklen Augen Barbara, die gespannt auf ihre Antwort wartete, aufmerksam an. „Als wir schon lange verheiratet waren und Kinder hatten, wohl. Aber zu Anfang hatte ich Franchesco lieb und wollte ihn gern zum Mann. Ich hätte mir aber eher die Zunge abgebissen, als auch nur einen Ton gesagt. Ich hab's so eingerichtet, daß ich oft mit ihm gearbeitet habe und wir hier am Schloß beide angestellt wurden. Da hat er sich in mich verliebt, und da hab ich erst noch eine Weile die Stolze gespielt. Da wurde er aber ganz wild und verlangte mich zur Frau. Ich hab's ihm später erzählt, als wir ältere Leute waren und unsere Tochter heiratete. Da hat er gelacht und sich gefreut.“
Barbara sah da und staunte die schlichte Frau an, die so lächelnd und selbstverständlich über solche Dinge sprach.
Schmerzhaft stand der Augenblick vor ihrer Seele, als sie Reginald Contius ihre Liebe angetragen hatte.
Wie verkehrt, wie töricht hatte sie sich benommen. Ihre Schuld war es gewesen, daß dann alles zwischen ihnen entzwei gegangen war.
Die Italienerin, die Frau des einfachen Volkes, hatte mehr selbstverständliche Lebensklugheit als sie, die gebildete, reiche grau.
Sie ergriff die verarbeitete Hand der Frau und drückte sie warm.
„Ich danke Ihnen für das, was Sie mir eben er3äf)It haben, Signora Iulietta", sagte sie herzlich, „ich habe eben sehr viel gelernt."
Die Frau sah sie erstaunt an. „Es ist doch so , sagte sie nur.
Tags darauf aß Barbara das erstemal mit dem ®onte zusammen auf der sonnendurchfluteten Veranda.
Iulietta bediente die beiden mit schweigender Aufmerksamkeit und so viel Sorglichkeit, als seien sie ihre Kinder. Aber sie aß nicht mit am Tisch. Tlie im Leben hätte sie das getan.
Situation. Am Ende der Skala stehen sieben Pferde mit 48 Kilo, darunter Pedro, Avalun, Patrella, Gafrille und Goldne Rose.
Tennisländerkampf
Deutschland — England unentschieden.
Nachdem das Tennis-Ländertreffen zwischen Deutschland und England auf den Plätzen des Blau-Weiß-Clubs in Berlin am Mittwoch mit dem Stande von 5:5 Puntten unterbrochen wurde, konnte jedes Land am Donnerstagmorgen je einen Sieg für sich buchen, so daß der Länderkampf mit 6:6 Punkten unentschieden ausging. Die deutsche Meisterin Cilly Äußern hatte ihre Form wiedergefunden und schlug die Engländerin Mrs.Watson 6:4, 6:3. Dagegen verlor das deutsche Doppelpaar Frl. R o st - Peitz gegen das englische Paar Mrs. Hah- lock-Mudford glatt 1:6, 0:6.
Oberheffen.
Sängergau Vogelsberg-Süd.
r Stockheim, 13. Qlug. Der Vorstand des Sängergaues Vogelsberg-Süd, erweitert durch die Vorsitzenden der Llnterbünde, beschäftigte sich in seiner hiesigen Sitzung mit Angelegenheiten des Gaues im kommenden Geschäftsjahre. Nach Aufnahme des Sängerbunds „Mittleres Niddatal" zählt der Gau vier Llnter- bünde mit insgesamt 55 Vereinen, denen 1600 Sänger angehören. Der Gausängertag soll am 7. September in Nidda -ftattfinten. Für den durch Wegzug ausgeschiedenen 1. Vorsitzenden Ströhinger, Ober-Lais, wird eine Ersatzwahl vorgenommen. Die Vorbereitungen für das im Jahre 1931 stattfindende Gauwertung s- fingen werden in Angriff genommen. Lieber Ort und Zeit beschließen die Qkrtreter der Gau- vereine. Lim die Gefahr eines Defizits beim Gauliedertag zu beseitigen, soll der Eintrittspreis (einschl. Liedertext) pro Sänger auf 40 Pfennig erhöht werden. Der Sängertag soll über diesen Antrag entscheiden. Mit Befriedigung wurde davon Kenntnis genommen, daß der Gau Vogelsberg-Süd mit zu den Gauen zählt, die am pünktlichsten ihre Beiträge an den Hess. Sängerbund abführen. Gleichzeitig wurde die Anregung ins Auge gefaßt, auf dem Bunkesfest zu Frankfurt 1932 eine öffentliche Kundgebung durch den Gau zu veranstalten.
Landkreis Gießen.
g Klein-Linden, 14. Aug. In unserer Gemeinde befinden sich zur Zeit 60 Arbeitslose, worunter zehn Ausgesteuerte zu verzeichnen sind. Die verheirateten ausgesteuerten Erwerbslosen werden von der Gemeinde unterstützt, und es entstehen der- selben hierdurch größere Aufwendungen. Um das Los der Erwerbslosen zu erleichtern und soviel wie möglich Arbeitsgelegenheit zu schaffen, wäre es sehr zu wünschen, wenn endlich im kommenden Herbst mit dem dringend notwendigen Bau der Wasser- leitung und Kanalisation begonnen würde.
Kreis Friedberg.
* Butzbach, 15. Aug. Auf dem gestrigen Schweinemarkt waren 560 Ferkel zum Verkauf aufgetrieben. Die Preise beliefen sich für sechs Wochen alte Ferkel auf 25 bis 30 Mark, sechs bis acht Wochen alte 30 bis 35 Mark, acht bis dreizehn Wochen alte 35 bis 42 Mark. Der Handel war rege, jedoch verblieb Ueberstand.
Kreis Schotten.
O Rudingshain, 14. Aug. Unsere Volksschule feierte am vorigen Montag ihr Jugend- f e st. Giinige Liedervorträge des hiesigen Männer- gesangoerelns und der Oberklasse, sowie zwei kleine Sprechchöre versetzten zunächst in deutsches Land am Rheine. Unter dem Leitgedanken „Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze!", würdigten Bürgermeister Hartmnnn und Lehrer Schwarz die Räumung des besetzten Ge- biets. Im zweiten Teile der Veranstaltung zeigten die Schüler der Ober- und Unterklasse turnerische Vorführungen, Reigen, Spiellieder und allerlei Scherzspiele. Durch das Entgegenkommen unserer Ortsverwaltung war es auch in diesem Jahre möglich, an alle Schüler Brezeln und kleine Preise zu
„Denken Sie noch an unsere erste gemeinsame Mahlzeit?" fragte der Conte scherzend und fuhr fort: „Ich bin glücklich über Ihr Kranksein, das Sie zu einem Heben Gast meines Hauses gemacht hat. Vergessen Sie nicht, daß Sie alles hier als Ihr Heim betrachten müssen und daß ich Ihr erster Diener bin.“
Er hob sein Glas und sah Barbara so heiß in die Augen, daß sie sie betroffen niederschlug.
Er stürzte rasch den dunkelroten Wein hinunter und rief: „ Aber Sie müssen trinken, Signora, das ist eigener Wein — er gibt Ihnen Kraft!“
Gehorsam nahm sie ein paar Schlucke, und es verschwand etwas die Llnsicherheit, die sie so leicht in Gegenwart des Grasen befiel.
Nach Tisch führte der Conte Malfieri Barbara in den Garten und zeigte ihr seine Besitzung.
Sie freute sich an den wunderbaren Rosen, den gepflegten Wegen, den alten hohen Pinien, die dem Besitztum den südlichen Charakter verliehen.
„Wie »schön ist es hier!" sagte Barbara.
Er hatte ihren Arm auf den seinen gelegt, um sie zu stützen, wie er lächelnd sagte, als er ihren Widerstand bemerkt hatte.
Langsam schritten sie weiter. Voll Stolz zeigte er ihr einen seltenem Rosenstock, an dem eine einzige Marschall-Niel-Rose von so wunderbarer Pracht blühte, wie Barbara sie noch nie gesehen hatte.
Zärtlich glitt seine Hand darüber. „Meine verstorbene Mutter pflanzte die Rose selbst und liebte sie besonders, deshalb ist sie ein teures Andenken für mich. Gefällt sie Ihnen, Signora?"
Barbara nickte und freute sich an dem süßen Duft.
Er zog ein Messer hervor, und ehe Barbara Einspruch erheben konnte, hatte er die herrliche Rose geschnitten und überreichte sie ihr.
„Aber, Graf!" rief Barbara, „das hätten Sie nicht tun dürfen, — sie sah am Stock so wundervoll aus!"
Er machte eine lässige Handbewegung.
»Sie müssen die Rose anstecken, das ist noch viel wundervoller."
Sie gingen weiter. Er hatte wieder seinen Arm durch den ihren geschoben und führte sie sorglich ins Haus zurück.
Barbara wehrte sich nicht dagegen, aber sie war ängstlich bemüht, daß ihr Körper den seinen nicht streifte.
Der Graf schien nichts davon zu bemerken. Er plauderte liebenswürdig über belanglose Dinge, erzählte kleine Anekdoten von feinen Reisen.
verteilen. Zum Schlusie schilderte Lehrer Schwarz in treffenden Worten die großen Verdienste der nebenamtlichen Handarbeitslehrerin M. Straub, die seit dem 1. August aus dem Schuldienst ausgeschieden ist. Länger als drei Jahrzehnte hat sie gewissenhaft ihren Dienst an der hiesigen Volks- schule versehen. Darum beabsichtigen Schul- und Gemeindeverwaltung ihr zu Ehren demnächst eine Feier in kleinerem Kreise zu veranstalten.
Kreis Alsfeld.
=er. Homberg, 13. Aug. Die hiesige Schützengilde, ein Kleinkaliberschützenverein, ist Mitglied des Verbandes Hessischer Kleinkaliberschützenvereine sowie des Reichsverbandes Deutscher Kleinkaliberschützenverbände. Sie beteiligte sich an dem Reichswettkampfe und stellte eine Mannschaft von acht Schützen, von denen jeder fünfzehn Schuß in den drei verschiedenen Anschlagsarten abgab (stehend, kniend, liegend). Dabei erzielte die Mannschaft ein gutes Resultat; ihre gesamte Ringzahl betrug 1041, so daß auf jeden Schützen durchschnittlich 130 Ringe kamen. Daß die Schützengilde auf der Höhe steht, beweist die Tatsache, daß sie im vorjährigen Wettkampfe einen Preis von dem Reichspräsidenten erhielt, bestehend in einer Plakette- aus Bronze.
Preußen.
Großfeuer im Taunus.
WSN. Ufingen, 14. Aug. 3n ter D r an b- obernborfer Leder- und Treibriemenfabrik Luckhaus AG. brach gestern abend ein Feuer aus, das, durch den herrschenden Wind begünstigt, bald den Dachstuhl und das Obergeschoß in Asche legte. Der Chauffeur der Werke, der den Brand bemerkte, alarmierte die Drandoberndorfer Feuerwehr, die aber des Feuers nicht Herr werden konnte. Man forderte daher die Nachbarfeuerwehren an, und als schließlich auch das Maschinenhaus und ein großer Schuppen mit Lohvorräten von dem Feuer bedroht tourten, mußte aus Wetzlar die Feuerspritze herangezogen werten. In dem Gebäude» lagerten für mehrere Millionen Mark Vorräte, von denen aber ter größte Teil gerettet werten konnte. Gegen 2 Uhr nachts war barm bas Feuer auf seinen Herb beschränkt.
Kreis Biedenkopf.
(p Weidenhausen, 14. Aug. In ter Nacht -um vorigen Montag ermahnte ter hiesige ßanbjäger mehrere lähmende Burschen zum ruhigen Nachhausegehen und untersagte die nächtliche Ruhestörung. Die Störenfriede beleidigten jedoch den Beamten und griffen ihn mi t Steinen und Holz stücken an. Nach mehreren vergeblichen Bemühungen und Warnungen gab ter Landjäger in seiner Bedrängnis zwei Schreckschüsse ab. Als man weiter auf ihn einbrang unb ihn bewarf, feuerte ter in Notwehr befinbliche Beamte zwei scharfe Schüsse auf die Angreifer ab und verletzte den einen durch einen Lungen st eckschutz schwer, so daß ibie sofortige Lieberführung in bie Klinik erforterlich war; etn anderer erhielt einen Schen- kelschuh. Ein gerichtliches Nachspiel wird natürlich die Folge fein.
Kreis Marburg.
][ Marburg, 14. August. Der heutige Schweinemarkt stand unter dem Zeichen des regnerischen Wetters. Trotzdem entwickelte sich bei einer Zufuhr von 690 Tieren ein sehr flottes Geschäft. Cs kosteten 6 Wochen alte Ferkel 25 bis 30 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 30 bis 35 Mk., 8 bis 13 Wochen alte 35 bis 45 Mk. unb Läufer 45 bis 60 Mk. das Stück. Der Markt tourte nahezu geräumt.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 14. Aug. Am Mittwochabend wurde ter 1911 geborene Schreiner Otto Schmidt, Stiftstrahe 16 wohnhaft, mit drei anderen jungen Burschen von dem Kaufmann Helmuth Herrmann, Ehseneck- Straße 20 wohnhaft, im Garten seines Vaters beim Obstdiebstahl betroffen. Herrmann führte die Burschen zum Toreingang des Hauses und wollte die Polizei benachrichtigen, als ew von den Burschen bedroht wurde. Er zog seinen
Barbara hörte nur halb zu. Sie hatte stets ein bedrücktes Gefühl, wenn sie mit Malfieri zusammen war, unb wußte nicht, weshalb.
Es war vielleicht noch die eben überstandene Krankheit, bie sie so unsicher machte.
Sie war ärgerlich über sich selbst.
Malfieri war so aufmerksam und zurückhaltend, von so viel Güte und Zartheit, daß sie sich doch wirklich nicht über ihn beklagen durste.
Gr hatte sie noch nie nach irgend etwas gefragt. Sie fühlte, daß es eigentlich ihre Pflicht sei, ihm etwas über ihre Vergangenheit zu erzählen, ihm ihren Namen zu nennen. Schließlich durfte sie seine Ritterlichkeit und sein Vertrauen, das er ihr bedingungslos entgegenbrachte, doch nicht auf eine zu harte Probe stellen.
Aber irgendwie hatte sie Angst davor, ganz gemeine und feige Angst. Cs war ihr, als liefere sie sich ihm bedingungslos aus, wenn sie ihm alles sagte.
„Äebster Freund", sagte der Dottore Vomero einige Tage später, als er Barbara nochmals eingehend untersucht hatte, „dein Schützling hat fich jetzt so weit erholt, daß meine Besuche bei ihm überflüssig geworden sind. Die junge Dame hat sich fabelhaft erholt. Mein Kompliment über eure gute Pflege hier oben!“
„So, so", sagte Malfieri zerstreut. „Haft du dich mal mit ihr des Näheren unterhalten?"
„Nicht weiter", gab der Freund zurück. „Ich spreche fremde Sprachen so jammervoll, daß ich mich knapp übers Wetter unterhalten kann, und ihr Italienisch ist auch noch lückenhaft."
„Schade", sagte der Graf. „Wie gefällt sie dir sonst?"
„Gut", sagte der Dottore trocken, „wie einem eben die Freundin des besten Freundes zu gefallen hat. Sozusagen eisgekühlt, na ja! Willst du sonst noch etwas wissen?"
Der Conte mußte lachen.
„Willst du das nicht etwas näher erläutern, he?" sagte er mit gutmütigem Spott.
„Sieb dich mit der Deutschen vor, weiter sage ich nichts!" brummte der Dottore.
„Ich weih wirklich nicht, was du hast", rief bet andere ärgerlich.
-.Nun ja, bann ist ja alles in Ordnung", sagte der Arzt höflich. „Ich muß fort, verzeih, ein Kranker wartet auf mich." Damit verschwand er eilig.
»Ein verrückter Kauz", dachte der Graf. „Ich werbe schon herausbekommen, was er hat."
Pfeifend ging er in den Garten.
(Fortsetzung folgt.)


