Ausgabe 
15.7.1930
 
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Gegen den Zeitgeist.

Es ist etwas Llnheimliches um die großen Bergwerkskatastrophen. Die Bergarbei­ter fwhren ahnungslos in die Grube ein, die Angehörigen warten auf die Rückkehr ihrer Männer und Väter, und plötzlich dringen Ge­rüchte über ein großes Unglück durch den Ort. Wahrend die Bergarbeiter in der Grube um ihr Leben kämpfen, hoffen und harren die An­gehörigen draußen und' verleben Stunden der schrecklichsten Erwartung und seelischen Marte­rung. Die Katastrophe, die sich jetzt in Haus­dorf zugetragen hat, ist eine der schwersten, die wir jemals in Deutschland erlebt haben. Es ist natürlich ein Verbrechen, den Schmerz der An­gehörigen zur politischen Hetze zu mißbrauchen, nod) ehe überhaupt etwas über die Ursachen der Katastrophe festgestellt werden kann. Trotz­dem bleibt es die Pflicht der Menschen, dafür zu sorgen, daß solche Raturkatastrophen so selten wie möglich vorkommen, aber es ist ein natio- nalistisc^r Irrglauben, daß man das Menschen­leben überhaupt gegen alle Schicksalsschläge und Prüfungen schützen und versichern könnte. Hier gibt es schließlich neben der vorbeugenden Für­sorge nichts weiter als die Linderung der Wun- den, wenn sie auch noch so schwer sein mag.

Eine andere Katastrophe hat fast zur selben Zeit die Gemüter erschüttert. Das große Flug­boot, das offenbar wegen eines technischen Fehlers bei stürmischer See unweit Bornholms zur Rotlandung gezwungen wurde, hat gleich­falls fünf Menschen zu Tode gebracht. Wenn man die Schilderungen liest, die der Kapitän des holländischen Seglers »Spes" über den Rettungs­versuch an der im Wasser treibenden Dame ge­geben hat, dann begreift man, wie furchtbar es sein muß, ohnmächtig dabeizustehen, wenn ein Menschenleben buchstäblich versinkt. Die Mannschaft des Seglers hat versucht, bei dem Sturm, der die Aussetzung von Rettungsbooten unmöglich machte, die im Meer treibende und schon völlig erschöpfte Frau mit Hilfe eines Bootshakens am Schwimmgürtel zu fassen. Aber der Schwimmgürtel riß und die Frau versank in den Wellern

Das sind Fälle, die wegen ihrer Einmaligkeit zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangen und sicherlich bei, vielen Familien am Kaffeetisch aus­giebig besprochen werden. Aber wer kennt die hunderttausend namenlosen Llnglücklichen, die in der heutigen Zeit gleichfalls im Meere des Lebens versinken, weil sie das Schwimmen nicht rechtzeitig gelernt haben oder weil sie gegen die Sturzwellen der wirtschaftlichen Rot nicht auf- komnien können. Fast mechanisch liest man jeden Tag über die Selbstmordchronik hinweg, und der Zeitungsreporter hält schließlich nur noch Fälle für erwähnenswert, die durch ihre besonderen Llrnstände die Aufmerksamkeit der Oeffentljchkeit erregen können. Monotonie ist auch in diesen Dingen unbeliebt, aber spricht nicht gerade aus der ewig gleichförmigen Wiederholung dieser Vor­gänge ein erschütterndes Schicksal, in das unser ganzes Geschlecht hineingepreßt ist? Die zahl­losen Menschen, die heute stumm von uns gehen, weil es in Deutschland heute eben z u v i e l Brot und Arbeit suchende Bewohner gibt, und bie es nicht verstehen, sich im Daseinskampf rück- sichtslos durchzusetzen, sie dokumentieren eigent­lich die bis heute dauernde Fortsetzung des Krie- ges gegen die deutsche Zivilbevölkerung.

Ist es ein Wunder, wenn unter solchen Ver­hältnissen eine Lehre an Anhängern gewinnt, die den Menschen die Einschränkung der Rachkommenschaft empfiehlt. Die Ratio­nalisierung der Rachkommenschaft ist ein Problem, mit dem sich unser rationalistisches Zeitalter selbstverständlich beschäftigt. Wie schön wäre es, wenn man die Zahl der Menschen nach wirtschaft­lichen Gesichtspunkten, nach dem Gesetz von An­gebot und Rachfrage regeln könnte, wobei man ja einen gewissen Konjunkturüberschuß ruhig ein- kalkulieren könnte. Aber es ist eine alte Erfah­rung, daß sich die Ratur gerade in diesen Fragen nicht verspotten läßt. Gewiß mag der Gedanke verlockend sein, die Bevölkerungszahl eben wegen der Lieberbevölkerung vorübergehend einzuschrän­ken, aber wer will die Gewähr dafür über­nehmen, daß' aus diesem Dorübergehen nicht ein Immer wird. Mit anderen Worten: wer will sich dafür verbürgen, daß die Propaganda der freiwilligen Rachkommenbeschränkung nicht zu einem dauernden Siechtum derRasse führt. Wohl sagt man uns, daß die Qualität auf Kosten der Quantität verbessert werden solle, daß eine Familie ein oder zwei Kinder unter den heutigen Verhältnissen besser erziehen könne den heutigen Verhältnissen besser erziehen könne, als fünf oder sechs, aber das trifft sachlich alles nicht den Kern.

Llnsere Eltern und Großeltern sind unter sehr viel einfacheren und bescheideneren Verhältnissen aufgewachsen. Die Familien haben in der zwei­ten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zahlreiche und gesunde Kinder, wenn auch unter eigenen Einschränkungen großgemacht und zu tüchtigen Menschen entwickelt, obwohl damals die Ein­kommensverhältnisse gerade in diesen Ständen geringer waren. Die Frage ist einfach die, ob die Menschen noch den Willen haben, zugun­sten der Rachkommenschaft eine wirtschaftliche Verantwortung auf sich zu nehmen. Es soll ohne weiteres zugegeben werden, daß die sozialen und wohnungspvlitischen Verhältnisse heute eine starke Hemmung darstellen, aber man sollte doch die Tatsache nicht beschönigen, daß viele Ehe­paare und Frauen auch ohne sichtbare Rot den Kindersegen überhaupt ablehnen. Das ist und bleibt Dekadenz, auch wenn man noch so viele schöne Worte dafür finden soll. Eine Ehe, die grundsätzlich auf Kinderlosigkeit abge­stellt ist, trägt häufig den Keim des Verfalles bereits in sich. In wievielen Fällen haben sich die Kinder als starkes Bindemittel erwiesen und den Zusammenhalt der Menschen und der Fa­milien in Zeiten der Krisen sichergestellt. Gin ganzes Volk aber, das sich in seiner Mehrheit in die Bahn solcher Auffassungen drängen läßt, tritt damit freiwillig seinen Anspruch auf Le­bensrecht in der Welt an jüngere und kräftigere Völker ab, die auf die Tatsache einer Llebervöl- ferung des Landes nicht mit der Einschränkung der Kinderzahl, sondern mit der Expansion antworten. Gegen dieses eherne Gesetz der Welt­geschichte kommt fein rationalistischer Zeitgeist auf. Hier handelt es sich um Eharakter- und nicht um wirtschaftliche Zweckmäßigkeitsfragen.

Evangelische Kirche zur Sirasrechlsrefom.

Gegen die Abschwächungsiendenzen der Sirafrechisvorlage.

Berlin, 14.Juli. (Tel.-Un.) In einem Schrei- den an den Strafrechtsausschuß des Reichstages nimmt der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses zu einigen Beschlüssen der ersten Lesung des neuen Strafgesetzbuches Stellung. Das Schreiben hebt hervor, daß das Strafgesetzbuch nicht nur «in Werkzeug der Strafrechtspflege sei, sondern ein Instrument, das das sittliche Urteil des Balkes schärfe und bilde. Schwerer als die Ablehnung einer an sich vielleicht erwünschten neuen Strafvorschrift wiege es, wenn eine altein­gewurzelte Bestimmung aufgehoben und damit eine Verwirrung des sittlichen Volksbewußtseins verursacht werde. In gleicher Weise könne auch die Tendenz fort­schreitender Milderung des Strafrah­mens für ein Delikt verhängnisvoll wirken. Diesen Grundsätzen habe der Regierungsentwurf mehr Rechnung getragen, als ein Teil der Beschlüsse

des Reichstagsausschusies. Im einzelnen forderte der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß u. a. die Wiederher st ellung de r Strafbarkeit des Ehebruchs.In einer Zeit, wo der Laxheit der Ehemoral in der Oeffentlichkeit vielfach schamlos das Wort geredet wird, ist es um so notwendiger, daß der Staat die Ehe als göttliche Stiftung und als Grundlage aller moralischen Ord­nung entsprechend seiner Verfassung mit allen Mitteln schützt." Ferner wird die Wiederher­stellung der Strafbarkeit des homo­sexuellen Verkehrs gefordert, da es sich hier­bei weit mehr um eine moralische, als um eine physische Krankheit handele. Die durch die Ab­lehnung des Paragraphen 300 (Verbreitung un­züchtiger Schriften und Abbildungen) entstandene Lücke muß nach Meinung des Kirchenausschusses ausgefüllt werden.

Wie dieEntspannung" im Osten aussieht

Eine polnische Gedenkfeier für Tannenberg.

Berlin, 14.Juli. In verschiedenen Orten Ostpreußens haben dieser Tage erhebende Feiern stattgefunden, in denen des Tages gedacht wurde, an dem vor 10 Jahren das deutsche Ostpreußen einen überwältigenden Abstimmungssieg über das Polentum erfocht. Selbstverständ- lich wurde bei dieser Gelegenheit von allen Rednern mit dem nötigen Ernst und Rachdruck auf die offene Wunde am Reichskörper, den polnischen Korridor, hingewiesen, durch den ein Glied dieses Körpers losgetrennt ist. Die Polen haben gleichfalls in diesen Tagen eine Feier veranstaltet, und zwar eine Trauer­feier wegen des für sie ungünstigen Aus­ganges der Volksabstimmung, die aber gleich­zeitig verbunden wurde mit der 520-Iahrfeier der Schlacht von Tannenberg (1410), in der die Polen den deutschen Orden besiegten. Bei dieser Gelegenheit wurde eine große Demon­stration vor der deutschen Gesandt­schaft veranstaltet, bei der die Demonstranten Fahnen mit der Aufschrift »Rieder mit Deutsch­

land" vorantrugen. Bei den Kundgebungen im Lande, die vom Polnischen Westmarken­verein veranstaltet wurden, wurde »festgestellt", daß die Abstimmung im Jahre 1920 »unter preußischem Terror" stattgefunden habe und daß ganz Polen den »bedrückten Volksgenossen" in Masuren und Ermland sein Mitgefühl ausspreche. In einer Entschließung heißt es, daß die Volks­abstimmung vom 11. Juli 1920 nicht als recht­mäßige Grundlage dafür angesehen werden könne, daß Deutschland über ein Gebiet verfüge, das "von Polen bewohnt ist, die gemeinsame historische, kulturelle und wirtschaftliche Interessen mit ihrem Vaterlande haben. Außerdem wurde wieder ein­mal »festgestellt", daß die Bevölkerung von Grm- land und Masuren einen »untrennbaren Teil" des polnischen Volkes bilde. Die Polen werden sich an diese Trennung gewöhnen müssen, ebenso daran, daß Deutschland auch das geraubte Korridorgebiet niemals freiwillig preis­geben wird.

Aus aller Wett.

Mainzer Befreiungsfeier der deutschen Freimaurer.

Am Sonntag kamen in Mainz die Vertreter aller deutschen anerkannten Großlogen zu einer nationalen Befreiungsfeier zusammen. Die Ver­treter aller Logen hatten sich unter der Führung des deutschen nationalen Großmeisters Pfarrer D. Habicht, Berlin, versammelt. Auch die den deutschen Logen befreundeten ausländischen Logen hatten Vertreter entsandt. Ramens der Stadt begrüßte Oberbürgermeister Dr. K ü l b die Ver­sammelten. Ausgehend von den unsterblichen Worten des MaurerliedesBrüder reicht die Hand zum Bunde", rief er allen ein herzliches Willkommen zu am vielbesungenen deutschen Rhein, im goldenen Mainz. Der Großmeister D. Habicht führte dann u. a. aus: Rach all dem Schweren, was wir zusammen mitmachen mußten, haben Sie hier am Rhein noch einen ganz besonderen Kampf führen müssen, einen Kampf, in dem Sie unbewaffnet einem bis an die Zähne bewaffneten und auf feine Siege pochenden Gegner gegenüber standen. Lassen Sie mich Ihnen sagen mit allem Stolz und lebhaftem Gefühl der Verantwortung, daß wir deutsche Freimaurer uns zu den Mannschaften rechnen, denen die Wahrung der höchsten deutschen Güter anvertraut ist. Man bezweifelt unser Deutschtum. Man sagt, die, die an der Spitze stehen, sind verbunden mit übernationalen, mit internatio­nalen Mächten und sind schuld an den schweren Leiden unseres Vaterlandes. An dem ist kein wahres Wort. Wir sind Deutsche bis ins Mark hinein. Wer uns der deutschfeindlichen Gesin­nung und Intemationalität zeiht, ist ein Ver­leumder und Ehrenabschneider. Lassen Sie mich noch eines Mannes gedenken, der auch unser war, der seine ganze Lebenskraft hingegeben hat dafür, daß der Rhein frei wurde. Es ist in dieser Stunde auf dem Grab Gustav Stresemanns ein Kranz nledergelegt worden mit der Inschrift »Die zur Defreiungsfeier in Mainz am 13. Juli versammelten deutschen Freimaurer gedenken dank­bar ihres Bruders Stresemann." Der Redner gedachte weiter in warmen Worten des Reichspräsidenten, des Vorbildes deut­schen Arbeitens und deutschen Wirkens, und gab bekannt, daß an ihn ein Huldigungstele­gramm gesandt wurde.Linser Dank soll die Tat sein," schloß der Redner seine Ausführungen, »die Tat der Einigkeit einer liebevollen Volks­gemeinschaft."

Das Flugzeugunglück bei Bornholm.

Der Flugkapitän des bei Bornholm verun­glückten Flugzeuges Curing erstattete der Di­rektion der Lufthansa Bericht über das Flugzeug­unglück bei Bornholm. Danach ist am Flugzeug die Getriebewelle am Propeller gebrochen. Durch den abfliegenden Propeller wurde das Funk­gerät außer Tätigkeit gesetzt. Eine Liebergabe der Passagiere an den zur Hilfe eilenden Schoner M a j a war nach übereinstimmenden Aussagen des Kapitäns derMaja" und des Flugkapitäns Curing unmöglich. Sämtliche Insassen des Flugbootes verließen mit angelegten Schwimm­westen das Flugboot, als die Gefahr des Ken­terns erkannt wurde. Durch das Kentern riß das Schleppseil, mit dem das Flugboot an den Schoner gehängt war, und verfing sich in der Schraube derMaja", die infolgedessen längere Zeit am Rettungswerk verhindert tourbet wäh­rend gleichzeitig die hohe Dünung die Treiben­den abdrängte. Außerdem wurde der Steuer­mann derMaja" verletzt und fiel aus. Der Kapitän und vier Matrosen bemühten sich um die Rettung der Treibenden, die nur noch bei den unmittelbar am Wrack befindlichen Per­sonen möglich war, d. h. bei dem Schweden Eric- son und bei dem dieMaja" erreichenden Curing und Friedrich. Der inzwischen heran- getommene holländische SeglerS peS" versuchte vergeblich, das leblose Fräulein Rortrop an

Bord zu nehmen. Andere Treibende sah man nicht mehr. Gegen 9 Lihr abends mußte die Maja" das Suchen aufgeben, da sie Segel-, Ruder- und Schraubenschaden hatte. DieMaja" war überzeugt, daß dieSpeS" wenigstens zwei, wenn nicht auch die übrigen Personen gerettet habe. DieSpes" kreuzte noch eine Viertelstunde an der Llnfallstelle, ehe sie ihre Fahrt fortsetzte. Infolge der Entfernung und sprachlichen Schwierigkeiten konnte derSpes" nicht klargemacht werden, daß ein Flugboot mit acht Personen gekentert war. Das Seeamt in Kiel ist vom Reichsverkehrsminister mit der amt­lichen LIntersuchung der Vorgänge beauftragt worden.

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Ein Kolberger Fischer fand einige Kilometer von Kolberg entfernt eine männliche Leiche im Schwimmgürtel auf See treibend. Die Leiche konnte geborgen werden. Es handelt sich um den Fabrikanten Karl Drakelsberg aus Milspe in Westfalen, einen der vermißten Fluggäste des bet Bornholm verunglückten Flugbootes D 864. Bei dem Ostseebad Groß-Mollen wurde eine Flaschenpost gelandet. Auf einem mit un­leserlicher Llnterschrift geschriebenen Zettel stehen die Worte: Lebt alle wohl, bei Bornholm im Flugboot gestrandet. Grüße Llrsula. Schließ­lich sind Trümm er des Flugzeuges selbst bet Rügenwalder Münde angetrieben.

Flugzeugabstur;.

Ein Sportflugzeug der Akademischen Fliegergruppe Dresden, das auf dem Rückflug von Braunschweig nach Dresden in Halle eine Zwischenlandung vorgenommen hatte, verunglückte über Schkopau in der Rähe von Merseburg. Die Maschine stürzte plötzlich aus etwa 70 Meter Höhe ab und wurde völ­lig zertrümmert. Der Pilot Fiedeler war sofort tot, der Fluggast Krüger aus Dresden wurde schwer verletzt.

Ins IHeer gestürzt.

Zwei Seeflieger der Deutschen Verkehrsflieger- schule machten bei Warnemünde Llebungsflüge über der Ostsee. Dabei überschlug sich das eine Flugzeug und der Beobachter Oberleutnant Hampkens stürzte aus etwa 1000 Meter Höhe ins Meer. Die Suche nach dem Ver­unglückten blieb erfolglos. Dem Führer des ver­unglückten Flugzeuges gelang es, kurz vor dem Aufschlagen auf die Wasserfläche das Flug­zeug wieder gerade zu richten und ohne Scha­den zu landen.

Die Bergung weiterer Todesopfer in Hausdorf.

Den Bergungsarbeiten im Kurtschacht stellen sich jetzt dadurch noch neue Schwierigkeiten ent­gegen, daß durch den Kohlenstaub feit mehreren Stunden unaufhörlich Wasser bringt, ilntet diesen Lim ständen sind die Arbeiten mit größ­ter Gefahr für jeden Teilnehmer der Bergungsarbeiten verbunden. In den letzten 48 Stunden gelang es, nur noch drei Tote zu bergen'. Einen weiteren hofft man im Laufe des Abends freilegen zu können, während vier weitere noch gesichtet wurden. Es steht aber nicht fest, ob es möglich sein wird, sie noch in der kommen­den Rächt herauszuholen. Die Zahl der noch nicht Geborgenen wird mit 44 angegeben.

Streit um ein Richtfest.

Aus Anlaß der Fertigstellung des Univer­sitätsneubaues in Heidelberg baten die Arbeiter um ein Richtfeft, das aber vorn Kul­tusministerium abschlägig beschieden wurde. Daraufhin beschloß der Heidelberger Studenten­ausschuß einstimmig mit den Stimmen der So­zialisten, daß die Studenten den Arbeitern ein Richtfest geben wollen. Es wurden Einladungen an die Arbeiter, an den Rektor und die Professoren der Universität und an den badischen Kultusminister Or. Remmele gesandt. Diese Einladung wurde im Unterrichtsministerium als eine Provokation betrachtet und unter der Drohung, man werde dem Asta die Gelder sperren, wurde die Rück­

gängigmachung der Veranstaltung verlangt. Gleich­zeitig wurde dem Betriebsrat der am Bau be­teiligten Arbeiter mitgeteilt, daß die Regierung jedem Arbeiter zu einem Richtfest 5 Mark bewillige unter der Voraussetzung, daß das Richtfest der Studentenschaft gemieden werde. Der Betriebsrat erklärte jedoch, daß dis Arbeiterschaft die Spende der Regierung a b l e h n e und sich geschlossen am Fest, das die Studentenschaft veranstalte, beteiligen werde. Daraufhin sperrte das Kultusministerium der Heidelberger Studentenschaft die Beiträge, die die die Stu­denten s e l b ft pro Semester in Höhe von drei Mark aufbringen müssen. Das Fest, an dem sich der größte Teil der nicht korporierten Studenten und geschlossen sämtliche studentischen Korporationen beteiligten, und an dem die gesamte Sau- belegschaft teilnahm, verlief in vollster Harmonie.

Großer Moorbrand in Mecklenburg.

In der Gegend von Schwechtenberg wütet ein Moorbrand, der eine Fläche von 1000 Morgen ergriffen hat. Unter der Grasschicht liegt eine etwa vier Meter dicke Torfschicht, die von dem Feuer erfaßt wurde. Die Feuerwehr versucht, durch Auswerfen von Gräben das Feuer auf seinen Herd zu beschränken.

Aegypten am Vorabend einer Revolution?

Die Haltung Englands.

London, 14. Juli. (WTB.)Daily Mail" spricht die Befürchtung aus, daß Aegypten un­mittelbar vor einer Revolution stehe. Der diplo­matische Korrespondent des Blattes schreibt: Führende ägyptische Rationalisten in London und Kairo sprechen ganz offen von der kommenden Revolution; sie erörtern die Möglichkeit der Ausrufung einer ägyptischen Repu­blik mit Rahas Pascha als erstem Präsidenten oder die Möglichkeit einer Absetzung des Königs Fuad und die Ausrufung seines Sohnes, des zehnjährigen Prinzen Farouk, zum König. In diesem Falle würde die Regierung von einem natürlich aus Wasd-Mitgliedern be­stehenden Regentschaftsrat geführt werden. AuchDaily Rews and Chronicle" befaßt sich mit der Möglichkeit von Llnruhen in Aegypten und sagt, König Fuad habe anscheinend be­schlossen, ohne Parlament zu regieren und lo gut wie ganz Aegypten herauszu- i o r d e r n. Für den Fall ernster Llnruhen ver­lasse der König sich offenbar auf die Hilf« britischer Bajonette. Unter diesen Llm- ständen habe die britische Regierung die Pflicht, dem König unverzüglich zu sagen, daß sie zwar Leben und Eigentum der Ausländer in Aegypten, nich t aber den König selbst vor den Folgen seiner verfassungswidrigen und heraus­fordernden Handlungsweise schützen werde.

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Wettervoraussage.

Eine Rinne tiefen Druckes, welche gestern schon zu erkennen war, hat sich weiter ausgeprägt und lief von den britischen Inseln ostwärts über die Nordsee, Dänemark nach dem Baltikum hin. In ihr bewegen sich Wirbel, die namentlich durch ihre Süd­seite die Witterung Deutschlands beeinflussen. Heute morgen lag einer über der Nordsee, der durch seine Südseite kühle Luft nach dem Festlande brachte und wechselhaftes Wetter mit Regenschauern verursacht. Bereits nähert sich der Westküste Irlands wieder eine neue Störung, welche abermals auf unsere Witterung einwirken wird. Mit der zufließenden Warmluft werden wieder stärkere Bewölkung, sowie Niederschläge bei anfänglich etwas ansteigenden Tem» peraturen zu erwarten sein. Mit dem fortgesetzten Vorüberzug der Störungen bleibt zunächst die Un­beständigkeit des Witterungscharakters gewahrt.

Wettervoraussage für Mittwoch. Lieberwiegend wechselnd wolkig, später bedeckt, zeitweise Riederschläge, Temperaturen schwan­kend, jedoch später etwas wärmer.

Lufttemperaturen am 14. Juli: mittags 19,5 Grad Celsius, abends 14,7 Grad, am 15. Juli: morgens 15,5 Grad. Maximum 19,9 Grad, Minimum 11,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Juli: abends 18,4 Grad; am 15. Juli: morgens 15,7 Grad Celsius. Niederschlag 3,8 mm. Son­nenscheindauer eine halbe Stunde.

Reisewetterdienst.

Garmisch-Partenkirchen. 12 Grad, gestern warmer Tag, Windstille; heute morgen: Regen; Witterung seit gestern schlechter geworden.

Freiburg. 16 Grad, vorherrschend kühl, Südwestwind; heute morgen: Gewitter; seit gestern; regnerisch.

Westerland auf Sylt. 15 Grad, kühle Rächt, Ostwjind; heute morgen: wolkig, seit gestern: meist trübe.