Ausgabe 
15.5.1930
 
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Konstanze.

Vornan von Karl Heinz Voigt.

Urheber-Rechtsschujz Verlag Oskar Meister. Werdau.

12. Fortsetzung. Nachdruckoerboten.

Er ließ ihre Hand fallen, fuhr sich über die Augen, versuchte dieses Bild fortzuscheuchen. Schon Hang (Zulias Stimme an sein Ohr. Er sah mechanisch, wie sie auf seine Hand deutete, an der der Trauring glänzte.

«Sind Sie verheiratet?"

Er erschrak heftig und wurde bläh.

Warum, warum? Sehen Sie sie auch?" stöhnte er noch ganz gefangen von seiner Vision.

Och sehe den Trauring", lachte sie und ver­stand seine Worte nicht.

Da verschwand Konstanzes Bild und um Emmerstorff wob wieder die Wirklichkeit.

Er sah in ihre fragenden Augen und wurde sich bewußt, daß sie noch auf seine Antwort wartete.

Och war verheiratet", sagte er stockend und seine Zunge wollte die Worte nicht bilden.

Oulia schwieg taktvoll.

Dann erhob er sich. Nun war Emmerstorff wieder ganz Kavalier.

Acht Tage später aber hatte Ludwig Warburg eine gute Anstellung im Büro der Riviera-Reise- Gesellschaft in Berlin mit einem Monatsgehalt von sechshundert Mark.

4.

Konstanze hatte sehr bald die Pension der Frau von Imstädt wieder verlassen.

Man kann sich täuschen, siehst du! Es war nicht so, wie Konstanze es sich wünschte. Die Pen­sion war dem Betriebe die ganze Nacht geöffnet.

Neben ihrem Zimmer wohnte ein junges Ehe­paar, das den ganzen Tag Grammophon spielte. Offenbar besahen sie nur eine einzige Platte zu diesem Onstrument. Die eine Seite spielte den Donauwalzer und die andere den Torgauer Marsch. Ommer abwechselnd. Es war zum Der» rücktwerden.

Aber das war noch nicht alles. Es wohnte da ein japanischer Student der Chemie. Diesem gel­ben Schlitzäugigen hatte es wohl Konstanze an­getan. Er verfolgte sie auf Schritt und Tritt. Einmal lieh er ihr durch Frau von Omstädt einen Strauß kostbarer Blumen überreichen. Konstanze nahm ihn nicht an. Oa, schließlich besah er die Frechheit, sie grinsend einzuladen, mit ihm den Abend zu verbringen. Das empörte Konstanze. War sie denn Freiwild, da sie einsam war?

Aber das war immer noch nicht alles. Es gab in diesem Fremdenheim ein paar Leute, die sich darüber den Kopf zerbrachen, wovon Konstanze lebe und die unwahrsten Sachen verbreiteten.

Aber das war noch nicht das Schlimmste. Eines Tages entstand ein großer Skandal. Ein junges Pärchen war tags zuvor zugereist. Nun entpupp­ten sich die beiden als von der Polizei lange gesuchte Schwindler. Ein Kommissar erschien und nahm das Pärchen mit.

Konstanze kündigte. Frau von Omstädt tat sehr beleidigt. Konstanzc bezahlte den vollen Monat. Morgen würde sie ausziehen. Sie würde etwas anderes finden und sie fand.

On der Zeitung las sie die Empfehlung einer Pension. Sie ging hin und mietete ein sauberes Zimmer. Lind nun wohnte also Konstanze schon über drei Monate in der PensionBürger", auf der Theresienstraße

Die Onhaberin, die Witwe eines früheren Offi­ziers, der während der Onflationszeit gestorben war, Frau Frida Bürger, hielt sehr auf An­stand und Sitte in ihrem Hause. Sie war noch eine Dame der alten Schule. Das war Konstanze lieb. Gleich vom ersten Tage an fühlte sie sich hier heimisch.

Konstante hatte besondere Freundschaft geschlos­sen mit einem alten früheren Gutsbesitzer, dem vor ein paar Oahren die Frau gestorben war und der nun, angewiesen auf fremde Freundlichkeit, hier einen letzten Unterschlupf gefunden hatte. Er hatte besfere Zeiten gesehen. Seine Nittergüter hatten die Krise der Onflation nicht überstehen können. Nun lebte er von dem geretteten Nest seines Vermögens.

Der alte Herr war von einer überaus ritter­lichen Zuvorkommenheit zu Konstanze. Sie hatte sich veranlaßt gefühlt, ganz aus sich selbst heraus über ihr Schicksal zu erzählen. Sie hatte gefühlt, daß er sie verstand. Auch er war einsam und das war es vielleicht, was sie aneinander band.

Einmal sagte der alte Herr, als er bei ihr sah, nachdem er ihre Gesellschaft gesucht hatte:

Sie könnten doch alles erreichen auf dieser Welt, Frau Emmerstorsf." Sie blickte ihn fragend an.

Da hob er seine greisenhaften, ein wenig wässe­rigen Augen voll zu ihrem Antlitz empor und ließ den Blick in dem ihren ruhen.

Sie sind so schön", seine Stimme klang bei­nahe feierlich.

Da füllten sich ihre großen Augen ganz lang­sam mit Tränen. Sie senkte den Kopf. Er erschrak.

O, ich wollte Ohnen nicht wehe tun", beeilte er sich zu versichern und haschte ganz ratlos nach ihrer Hand.

Och weiß", lächelte sie unter Tränen.

Sind Sie mir böse?"

Nein! Wie könnte ich? Manchmal überfällt mich die Traurigkeit."

Da verstand er sie und ging leise aus dem Zimmer.

Außer Oulius Neuhaus wohnten noch ver­schiedene andere Pensionäre bei Frau Frida

Bürger. Die meisten bekam Konstanze selten zu sehen. Nur mit einem jungen Herrn schloß sie nähere Bekanntschaft. Er hieß Kurt Helbing und war Bildhauer.

Er bewohnte die besten Zimmer in der Pen­sion. Er schleppte alle Kunstschätze, die ihm irgend erreichbar waren, zusammen. Lind so glich fein Zimmer einer kleinen Kunstausstellung von höch­stem Geschmack. Helbing war auf jeder Auktion und Kunstversteigerung zugegen. Da er sehr be­mittelt war, konnte er kaufen, was seinem schön- heitsdurstigen Auge gefiel. Seine Eltern waren tot und hatten ihm ein ansehnliches Kapital hinterlassen. Der junge Künstler hatte Be­ziehungen und verkaufte daher feine Bildwerke gut und schnell.

Weshalb er in der Pension Bürger wohnte, fragst du? Es gefiel ihm hier. Er hatte alle Bequemlichkeit und war immer mitten im Krcife der Kunstverständigen, denn Frau Bürger ffatte einen großen Bekanntenkreis, dessen Angehörige sich für die Arbeiten des jungen Bildhauers interessierten.

Kurt Helbing stand am Ende der zwanziger Oahre. Er war schmächtig und von zartem Kör­perbau und besaß die durchsichtige Haut der Tuberkulösen. Diese Krankheit hatten ihm seine Eltern hinterlassen. Seine Hände waren frauen­haft dünn, meist warm und sehr feucht. Aber diese Hände konnten wunderbar formen. Man sollte es. ihnen nicht zutrauen, gehörten sie doch einem Todgeweihten! Das Haar Kurt Helbings war von jenem hellen Blond, das fast metallisch glänzte. Die stark vorspringende Nase gab dem Gesicht etwas Hartes, beinahe Kantiges. Seine Augen lagen tief und ließen, seltsam stechend, erkennen, daß ihrem Besitzer nicht ver­heißen war, des Lebens Becher bis zur Neige zu leeren. Aber das Temperament Kurt Hel­bings verriet nichts von seinen Todeskeimen. Er lachte in das Leben hinein. Wie alle Tuber­kulösen, hing er am Dasein mit reihender, schmerzlicher Heftigkeit. Er wußte, daß er nicht alt wurde, aber eine typische Hoffnung gab ihm den Glauben an Genesung.

Andere junge Leute in seiner Lage hätten sich in den Taumel der Welt gestürzt. Er genoß, aber er genoß in Maßen.

Kurt Helbing kleidete sich nach neuester Mode. Was er trug, war unzweifelhaft gerade modern.

Mit diesem Künstler traf Konstanze des öfte­ren zusammen. Sie fand Gefallen an dem freien, offenen Wesen des jungen Bildhauers und sie merkte an feinen Bücken, daß er sie verehrte.

Einmal lud er sie ein, fein Atelier zu besich­tigen. Konstanze erstaunte über die Mille von guten Arbeiten. Wenn sie auch nicht viel von Plastiken verstand, fo wußte sie doch, dies hier waren die Arbeiten eines reifen Künstlers. Sie bewunderte dies und das. Voll Entzücken betrach­

tete sie eine kleine Tierplastik. SS war eln Kanin» chen aus Marmor.

Darf ich Ohnen dieses Stück schenken?" fragte Kurt Helbing und sah Konstanze voll an.

O", rief sie fast unfreundlich.Wie käme ich dazu, diese Kostbarkeit anzunehmen?"

Sie machen mir eine Freude", sagte er mit ehrlichem Ton und feine tiefen Augen bekamen einen unwirklichen Schein.

Och fühle mich verbunden mit Ohnen. Wer mit Onbrunst die Kunst in feine Seele aufnimmt, ist nicht weniger ein Kunstbegnadeter, als das schaf­fende Genie selbst. Sie sollen ein Andenken an mich haben, gnädige Frau."

Konstanze fühlte seinen brennenden Blick und sah ihn nicht an.

Ein Andenken?"

Er nickte.Och werde nicht mehr lange in Ber­lin fein, erklärte er und rückte dnen Tonkopf, dein noch die näheren Llmrisse fehlten, etwas mehr dem Fenster zu.Och bekam gestern einen Brief aus Amerika. Meine Verwandten erwar­ten mich dort. Och hoffe, da drüben mehr Aner­kennung zu finden."

Sie können sich doch nicht beklagen! Sie haben doch gute Erfolge."

Er ging mit eleganten Schritten im Zimmer auf und ab, betrachtete sinnend seine gepflegten Nägel und entgegnete dann:

»Die Amerikaner geben für ein gutes Kunst­werk mehr und unterstützen einen Künstler in jeder Weise. Schließlich ist es ja auch gleich­gültig", endete er,wo man stirbt."

Sie blickte ihn an und sah das Kainszeichen der Krankheit in seinem Gesicht. Da schwieg sie und verabschiedete sich bald.

Konstanze hatte von Anfang an eine Be­schäftigung gesucht. Es wollte sich nichts finden. Eine getrenntlebende Frau, du lieber Himmel! Es gab Bedürftigere, seht! Tausende warten auf Arbeit. Diese Frau sollte dorthin, wohin sie gehörte.

Konstanze las die Stellenangebote in den Zei­tungen. Es war nie etwas Passendes darunter. Oft wurde sie mutlos. Ein paarmal stellte fie sich vor. Immer war es nicht das Rechte: Der Chef war verreist. Der Prokurist konnte fein Personal engagieren. Man würde auf sie zurückkommen! Sie hörte nichts mehr. Denn: Stenographie wird unbedingt gefordert. Das konnte sie nicht. Be­dauerndes Achselzucken. Ein paar Redensarten, Komplimente, sie stand draußen.

Einmal stellte sie sich vor und der Chef war zugegen. Sie mußte lange warten.Konferenzen". Tagte das Tippfräulein und machte eine wichtige Miene. Konstanze wartete. Den halben Vormit­tag wartete sie. Endlich wurde sie gnädig emp­fangen.

(Fortsetzung folgt.)

Gewissenhaft führen geübte Hände das Werkzeug zum Aufbau des

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Gleiberg-Verein

Am Samstag, dem 24. Mai 1930, nachmittags 4 Uhr, auf der Burg Gleiberg

General-Versammlung

Tagesordnung:

1. Geschäftsbericht 1929/30

2. Rechnungsablage Gleiberg-Jubiläum 1929

3. Rechnungsablage Familienabend 1930

4. Rechnungsablage 1929/30

5. Feststellung des Voranschlags 1930/31

6. Vorstands-Ersatzwahl

7. Ernennung von Ehrenmitgliedern

8. Sommerfest 1930

9 Verschiedenes.

Besondere Einladung ergeht nicht mehr Bahnverbindung: Biebertalbahn ab Gießen 13.20 und 15.30 bis Haltestelle Krofdorf-Gleiberg, von da ab Fußmarsch nach der Burg. Autobusverbindung nach Krofdorf

Der 1. Vorsitzende.apn

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Sonntag, den 18. Mai, nachmittags 4 und abends 8 Uhr, in derVolkshalle

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Romantisch-komisches Märchenschauspiel mit Gesang und Tanz in sechs Akten von Pohl-Prandl unter Mitwirkung von Schülern und Schülerinnen hiesiger Lehr­anstalten. Leiter: Direktor Hermann Kappenmacher, Frankfurt a. M. Die Kostüme stammen aus dem Kostüm-Atelier Friedrich Wüst. Frankfurt a. M. Den musikalischen Teil haben Fräulein Decker (Pianistin) sowie der Mando­linen- und Gitarren-VereinNeapolita freundlichst übernommen.

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