! chuß übergegangen, der den ungeheuren Vorteil habe, daß wir in ihm vertreten feien. Aus dem Plan gehe an verschiedenen Stellen deutlich hervor, daß der Voungplan nur eine Etappe auf dem Wege der Reparations- regelung darstelle. Die Wirtschaftslage werde von der Rechten zu ungünstig beurteilt. Die Rechte bekämpfe den Boungplan, wolle aber auch zum Dawesplan nicht wieder zurückgehen. Vielleicht sei man zu früh an die Revision des Dawesplanes herangegangen.
Abg. Or. Bredt (W.-p.) hielt olle Berechnungen für abwegig, da die Verhältnisse ganz ungeklärt seien und blieben. Kleber die Revisionsmöglichleiten gingen die Auffassungen Deutschlands und der Gläub'gcrstaaten weit auseinander. Wenn es tatsächlich den Tatsachen entsprechen sollte, daß der Voungplan nur einen Versuch darstelle, dann müsse diese Auffassung in der Oeffentlichteit fe st - g e st e l l t werden.
Abg. Oauch (O. D. p.)
Selbst nach Berechnungen ganz neutraler Stellen haben wir bis heute bereits 36Mil- liarden an K r i egstributen gezahlt und sollen jetzt noch Beträge zahlen, deren Gegenwert mit weiteren 36 Milliarden geschäht wird. Für sich betrachtet, ist der Voung-Plan eine mißglückte Synthese zwischen Politik und Wirtschaft. Auch vom Standpunkt der gegnerischen Mächte ist es töricht, so hohe Lasten auf Deutschland zu legen, denn bei Durchführung des Planes in dieser Form müßte Deutschland die stärkste Wirtschastsmacht der Welt werden Wir müßten nämlich dann so ungeheuer billig produzieren, daß wir alle anderen Volker auf dem Weltmarkt u n - ter bieten Der Voung-Plan wird am Transfer scheitern, nicht an der inneren Aufbringung. Auch wir haben hinsichtlich der Durchführbarkeit des Voung-Planes .die aller- schwersten Bedenken. Würden wir aber heute den Voung-Plan ablehnen, so würde dieser Widerstand der deutschen Wirtschaft einen Milliardenverlust bringen. Der Vertrag ist kein Wechsel, sondern eine Vereinbarung, die auch Revisionsmöglichkeiten aller Art in sich birgt. Man kann keine Voraussagen über die wirtschaftliche Gestaltung Deutschlands oder gar der Welt sür längere Zeit machen. Deshalb darf man den Plan gerechterweife nur für die nächsten zehn Jahre beurteilen. Auch wir betracht m Voung Pan nur als eineEtappe. Selb t- verstänut.a) mu.sen aus der Annahme lc_, ... ^ng- Planes von allen denen, die ihm zuftimmen, jene Konsequenzen gezogen werden, die der Voung-Plan selbst als notwendig hinstellt, nämlich eine Einschränkung unserer Einfuhr und eine Hebung unserer Ausfuhr. Das ist nur möglich durch eine Herabdrückung der Gestehungs- kosten Ferner verlangt der Voung-Plan eine Steuersenkung besonders für die .Betriebe zwecks genügender Kapitalbildung. Wir müssen daher mit unserer jetzigen Finanz- unü Wirtschaftspolitik Schluß machen und Voungpolitik treiben. Es muh deutlich ausgesprochen werden, daß derjen'ae. der diese Konsequenzen nicht zieht, den Voung-Plan auch nicht annehmen darf.
Vom Abg. Grafen Westarp wurden außerdem zwei deutschnationale Anträge angekündigt. Darin soll die Reichsregierung ersucht werden, mit eingehender Begründung zu erklären, ob sie die Zahlungen des Pariser Planes f ü r dauernd durchführbar hält, und durch eine ausdrückliche Erklärung das Recht Deutschlands vorzubehalten, die Revision des Planes mit dem Ziele der Herabsetzung der deutschen Leistungen im Falle seiner älndurchführbarkeit zu fordern.
Die Sanierung der Arbeitslosenversicherung.
Annäherung der Parteien.
Berlin, 14. Febr.' (ERD.) Der Reichsfinanzminister hat heute abend im Reichstag mit den Führern und den Finanzsachverständigen der Fraktionen weiter verhandelt. Das Ergebnis dieser Besprechung war, daß in der Frage der Arbeitslosenversicherung eine erhebliche Annäherung zwischen den Parteien festzustellen ist. Man ist sich ziemlich einig darüber geworden, daß die Arbeitslosenversicherungsanstalt eine geschäftliche Selbständigkeit erhalten soll, die ihr die Möglichkeit gibt, ihr System zu returnieren und damit beträchtliche Einsparungen zu machen. Zu dieser Vergröberung der Selbständigkeit würde auch gehören, daß die Reichsversicherungsanstalt selbst darüber zu beschließen hätte, ob die Beiträge zu erhöhen sind. Der Reichstag würde ihr damit eine Kompetenz übertragen, die er bisher ausgeübt hat. Damit willkürliche Erhöhungen vermieden werden, wird voraussichtlich die Rotwendigkeit einer qualifizierten Mehrheit für derartige Beschlüsse eingeführt werden, so daß also Arbeitgeber und Ar- b e i t nehmer an der Zustimnrung zu einer Erhöhung beteiligt sein müßten. Die Sozialsach- verständigcn der Fraktionen sollen am Montagnachmittag darüber beraten, in welcher Form diese Vorschläge im einzelnen durchgeführt werden können.
Wenn diese Vorschläge zu einer festen Vereinbarung führen, so würden im Etat für 1930 teine Mittel für die laufenden Ausgaben einzusetzen sein, die die Arbeitslosen- v^slcherung in Zukunft verursacht. Es handelt sich dann nur noch um die Abdeckung des Defizits, das aus dem außerordentlichen Haushalt des Vorjahres in den ordentlichen Etat 1930 übernommen worden ist. Auch hierfür zeichnen sich bereits die Almriffe einer Einigung zwischen den Parteien ab. Die Sozialdemokraten haben in der heutigen Besprechung grundsätzlich einer Heranziehung der überschüssigen Mittel der Angestellten- u n dZnv a lidenversicherung z u gestimmt. Sie wünschen allerdings, daß dies in Form einer freien Vereinbarung geschieht. Der Reichsfinanzminister hat erklärt, er stehe selbst auf dem Standpunkt, daß man zunächst eine gütliche Einigung mit den beiden Dersicherungsinstituten anstreben müsse. Es ist anzunehmen, daß die Verhandlungen mit ihnen bald aufgenommen werden. Dabei bleibt der alte Plan der Veräußerung der Vorzugsaktien der Reichsbahn weiter bestehen. Offen ist die Frage, in welcher Höhe sie verwendet werden sollen. Man glaubt, das Pro-
Oberbürgermeister Landmann-Krankfuri zur Michsreform im Süd-Westen.
Oie Neugliederung des Rhein-Main-Gebietes.
WSN. Frankfurt a. M., 14. Febr. Oberbürgermeister Dr. Landmann veröffentlicht in der Zeitschrift „Reich und Länder" einen Aufsatz über die Neugliederung des Rhein-Main-Gebietes, bem wir folgendes entnehmen:
Man wird aus praktischen Gründen gut daran tun, für das Rhein-Main-Gebiet im engeren Sinne zunächst nur den Kern herauszuschälen, tm übrigen aber die Frage, welche weiteren Landesteile bei einer Neuabgrenzung der Länder aus zwingenden oder Zweckmäßigkeitsgründen zu diesem Kerngebiet noch weiter hinzutreten werden müssen, wegen heute noch mangelnder Einsicht in richtung- oder aus- chlaggebende Verhältnisse offen zu lassen. Unter die- em Agglomerationszentrum wird man die L a n d- chaft am unteren Main von etwa Lohr an bis zur Mündung und am Mittelrhein von etwa Worms bis Bingen—St. Goar begreifen dürfen, im Norden begrenzt etwa durch die Linie Limburg — Gießen — Schüchtern. Es entspricht das etwa einem Radius von 60 Kilo- meter um Frankfurt gelegten Kreis. Diese Landschaft kann tatsächlich nach ihren historischen, anthro- pogeographischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Bindungen als eine Einheit betrachtet werden. Es besteht also im wesentlichen aus dem heutigen Land Hessen, deni preußischen Regierungsbezirk und Kommunalverband Wiesbaden, dem Südteil des preußischen Regierungsbezirkes und Komumnaloerbandss Kassel dem zur Rheinpro
blem am besten lösen zu können, indem auf das Jahr 1930 nur 150 Millionen übernommen werden, so daß dann im folgenden Jahre die restlichen 100 Millionen zur Abdeckung kämen. Durch diese Verteilung auf zwei Zahre dürste die Eini- ' gung der Parteien erleichtert werden.
Jedenfalls wird die Lage nach der heutigen Besprechung in parlamentarischen Kreisen wesentlich günstiger beurteilt. Man rechnet damit, daß es Anfang nächster Woche gelingen wird, das Kompromiß vollständig zu machen, so daß man sich nach Bereinigung dieser schwierigsten Frage den übrigen Einzelheiten des Etats zuwenden fann.
Das preußenwahlrecht vor dem Gtaaisgerichtshos.
Gefahren für die Braun ° Koalition.
Berlin, 14. Febr. (Priv.-Tel.) Am Freitag hat vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig die läge der preußischen Splitterparteien gegen die Gültigkeit des jetzigen preußischen Land- tagswahlrechts seinen Anfang genommen. Bekanntlich wird darin die Erlangung eines Sitzes auf der L a n d e s l i st e davon abhängig gemacht, daß die betreffende Partei in einem Einzelwahlkreis einen Bewerber durchbringt. Die Kläger sehen darin eine Beeinträchtigung der Gleichheit des Wahlrechtes. Die Klage hat insofern ein erhebliches politisches Interesse, als die Mehrheitsverhältnisse im preußischen Landtag sich vollkommen verschieben würden, wenn der Staatsgerichtshof ihr stattgäbe. Dann würde nämlich die knappe Mehrheit der Weimarer Koalition in Preußen in eine klare Minderheit verwandelt werden, womit die gegenwärtige preußische Regierung kaum noch eine Möglichkeit zum Weiteramtieren hätte. Denn wenn sich auch vielleicht nicht so schnell eine Mehrheit zu ihrem Sturze zusammensinden würde, so wäre doch keine Möglichkeit für eine fruchtbare parlamentarische Arbeit auf der jetzigen Grundlage vorhanden. Herr Otto Braun müßte also wahrscheinlich nochmals, nunmehr unter sehr viel ungünstigeren Bedingungen, den Gang zur Deutschen Volkspartei antreten.
vinz gehörenden preußischen Kreis Wetzlar, den Westkreisen des bayerischen Regierungsbezirkes Unterfranken. Allein in diesem verhältnismäßig kleinem Bereich sind heute zuständig: 3 Landesregierungen (Preußen, Hessen und Bayern), 7 B e z i r k s v e r wa l t u n g e n (die hessischen Provinzialverwaltungen in Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen, die preußischen in Wiesbaden, Koblenz und Kassel, die bayerische in Würzburg) und entsprechend vierReichsbahn- d i r e k t i o n e n (Mainz, Frankfurt, Kassel, Würzburg-Nürnberg), vier Oberpostdirektionen (Darmstadt, Frankfurt, Kassel, Würzburg), 3 L a n • desfinanzämter (Darmstadt Kassel, Würzburg), 4 Oberlandesgerichte (Darmstadt, Frankfurt, Kasseß Nürnberg), 2 Landesar- beitsämter (Frankfurt, München) und eine entsprechende Vielzahl der übrigen Spezialbehörden. Die Grenzen der Verwaltungsorganisation gehen zu- dem meist mitten durch die engsten Verwachsungsstellen im Gebiet. Das oben umrissene, engere Rhein- Main-Gebiet ist so stark mit den übrigen Bezirken Hessens und Hessen-Nassaus verflochten, daß seine vorzeitige Herausschälung als selbständige Gebietskörperschaft unzweckmäßig erscheint. Wollte man vorgreifend eine Teilreform durchführen, so könnte man vielleicht zunächst an eine Verbindung des Landes Hessen mit der Provinz Hessen-Nassau denken.
eröffnet oder es einstellt. Das ganze Verfahren kann sich mit den Verhandlungen vor der Revisionsinstanz noch jahrelang hinziehen. Während dieser Zeit müßte Oberbürgermeister Böß sein Gehalt ungekürzt bekommen.
Frankreichs Tonnagesorderungen
Tie letzten Besprechungen in London.
Paris, 15. Febr. (WTB. Funkspruch.) Tar - d i e u und Briand hatten, ehe sie über das Wochenende nach Paris zurückkehrten, eine Unterredung mit Macdonald, Stimson und Morrow, in der Macdonald seine Bedenken über die Höhe der in der französischen Denkschrift aufgestellten Tonnageforderun- gen nicht verhehlt und erklärt hat, die Beibehal- tung dieser Ziffern müsse unvermeidlich auf das englische Flottenprogramm, sowie infolge der Parität auch auf das amerikanische seine Rückwirkun- gen haben. Das „Echo de Paris" findet, daß Mac- donald entweder überhaupt auf den Zweimächtestandard hätte verzichten oder aber mit Frankreich hätte Fühlung nehmen müssen, ehe er sich mit Hoover einigte. Frankreich brauche sich doch nicht nach den bei dem Besuch Macdonalds in Washing- ten zustande gekommenen Abmachungen zu richten. Frankreich habe an sich nichts gegen eine Verstör- tung der englischen Flotte einzuwenden, aber der Zweimächtestandard dürfe nicht auf Kosten der französischen Marine gehen.
Die Sicherheilsfrage soll ebenfalls Gegenstand dieser Unterredung gewesen sein, und zwar in Verbindung mit den Tonnageforderungen. Tardieu habe dabei folgenden Standpunkt vertreten: Der augenblickliche Stand der Sicherheit sei noch unzureichend, daß an den französischen Tonnageforderungen nichts nachgelassen werden könnte. Wenn neue Garantien aur Sicherung des Friedens zustande kommen sollten, so werde Frankreich daran denken können, auf einen Teil seiner Forderungen, und zwar nur nach Maßgabe des Wertes der neu zustande gekommenen Verträge, zu verzichten. „Petit Parisien" erklärt, daß nur ein Pakt nach Locarno- must e r die französische Delegation zu irgendwelchen Konzessionen veranlassen könne.
I Aus her provinzialhauptstadi.
Gießen, den 15. Februar 1930.
Oer „Allmein".
Dor einigen Tagen war ich bei einem Bekannten zu Besuch und war Zeuge davon, wie seinen beiden Kindern Schokolade geschenkt wurde. Während der fünfjährige Zunge auf unsere Bitte an jeden Erwachsenen ein Stückchen abgab, verweigerte dies das kleine dreijährige Mädchen. Es wollte mit niemand, teilen. Als es aber sah, daß der Bruder nach allen Seiten austeilte, wollte es auch ein Stückchen von ihm haben. Das wurde natürlich mit Recht verweigert. Das kleine Ding fing an zu weinen, und schon wollte mein Freund nachgeben und sprach mit seinem Zungen, wir andern aber fielen ein und sagten: „Rein! Laß' sie nur weinen. Sie Hal ja gar keinen Grund." Die Großmutter auf ihrem Lehnstuhl hatte noch gar nichts gesagt. Zetzt aber konnte sie sich nicht enthalten, ihre Meinung kundzutun „Zhr seid der Kleinen gegenüber viel zu nachgiebig. Zn diesem Xter' fangen die Kinder an und versuchen, ihren Kopf durchzusehen." Dann nahm sie die kleine Elli zu sich, schalt sie gehörig aus und hielt ihr ihr Betragen vor. Zum Schluß sagte sie noch: „Du gibst ja der reinste „Allmein"! —
Auf dem Heimweg ging das Wort „Allmein" mit mir und ließ eine Gestalt vor meinem geistigen Auge auftauchen, an die ich lange nicht mehr gedacht hatte. Zn meinem Heimatdorfe nämlich lebte vor vielen Zähren ein Gastwirt, der nur der „Allmein" genannt wurde. Er war lang und hager, hatte ein stark gefurchtes E-e- sicht und ging bvlzengerade umher. Auf der Kirmes war der „Allmein" der gesuchteste Wirt. Die Städter besonders verfehlten nie, beim „Allmein" einzukehren. Zch kann mich erinnern, daß er einmal den Kirmesgästen die Plätze anwies. Das sah einfach großartig aus. Hoch aufgerichtet stand er wie ein Herold und streckte den Arm aus, in der Richtung, in der er Plätze vermutete. Wir Buben hatten natürlich bald heraus, daß er in feinem Rock, gerade unter dem Schultergelenk, ein faustgroßes Loch hatte. Sobald et nun majestätisch seinen Arm hob, fingen wir wie auf Kommando an zu lachen. Auch die Besuchet sahen das Loch und fragten immer von neuem, wo Platz wäre, damit er seinen Arm heben und wir alle das große Loch bewundern konnten.
Woher er eigentlich den Ramen „QI Um ein“ hatte? Darüber gab es zwei Berichte. Meine Mutter behauptete, er führe hin Ramen mit Recht; denn er denke nur an suh. Zch glaube, daß auch etwas Wahres daran war; denn als später die Feldbereinigung in unserer Gemarkung durchgeführt wurde, war es der „Allmein", der beständig mit der Meßlatte auf dem Felde herumlief und jedem ins Gesicht sagte, er würde überall betrogen. Dabei hatte er ganz gut abgeschnitten. Der andere Bericht war wesentlich lustiger und origineller. An einem Abend — nach der Polizeistunde — saßen noch etwa zwanzig Gäste in seiner oberen Wirtsstube. Auf einmal erschien der Gendarm. Der „Allmein" gab das verabredete Zeichen und die Gäste verschwanden in den Schlafräumen des Hauses. Als der Gendarm das Zimmer betrat, war es leer. Schon wollte er gehen. Da sah er an den Kleiderrechen die Hüte hängen. „Sagen Sie einmal, wem gehören denn die vielen Hüte?" fragte er triumphierend und zückte den Bleistift. Der Reingefallene aber lieh sich keineswegs verblüffen, sondern antwortete: „Die sind all mein!" RatürUch wurde chm nicht geglaubt und er erhielt eine kleine Geldstrafe, die nachher von den Gästen beglichen wurde. Diese schlagfertige Antwort: „Die sind all mein!" soll ihm den Ramen „Qlllmein" eingebracht haben.
Diese kleinen Geschichtchen fielen mir auf dem Heimweg ein. Warum ich sie hier erzähle? Einmal um zu zeigen,- daß sog. Originale gar nicht immer so selbstlos sind, wie oft bargetan wird, zum andern aber auch, um uns Eltern daran zu erinnern, daß wir das Verhalten unserer Kinder sehr aufmerksam verfolgen sollten, wenn es sich um „Teilen" handelt. Da wird manchmal viel
Oie Strafbestimmungen für Tierquälerei.
Aus dem Nechlsausschutz des Reichstages.
Berlin, 15. Febr. (DDZ.) 2m Strafrechtsausschuh wurde die Strafbestimmung gegen die Tierquälerei beraten. Von allen Seiten wurde es begrüßt, daß der neue Strafrechtsentwurf gegenüber dem bisherigen Recht sehr erhebliche Verschärfungen enthält. Der Entwurf macht die Tierquälerei, die bisher nur als üebertretung galt, zu einem Vergehen und will sie mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe belegen. Außerdem ist der Tatbestand wesentlich verschärft; es ist nämlich nicht mehr die Oeffentlichkeit des Handelns erforderlich, es kommt auch nicht mehr darauf an, ob die Mißhandlung des Tieres Aergernis erregt, ebensowenig ist ein boshaftes Handeln erforderlich; nach dem Entwurf soll es vielmehr zur Strafbarkeit genügen, wenn jemand „absichtlich" ein Sier quält oder roh mißhandelt. Vom Abg. Dr. Bell (Zentr.) wurde folgender Antrag begründet: „Handlungen an Tieren dürfen nicht mit Strafe bedroht werden, soweit sie zur Verfolgung ernster wissenschaftlicher Zwecke oder zur Erfüllung der Gebräuche einer Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechts geboten sind."
Oie Bößaffäre.
De Hin, 14. Febr. (ERB.) Der am Schluß ber Böß-Debatte in ber Stabtverordnetenver- fammlung angenommene deutschnationale Antrag, der eine schnelle Durchführung des Disziplinarverfahrens gegen Dr. Böß mit dem Ziele ber Amtsentlafsung ahne Pension forderte, hat an sich keinerlei praktische Bedeutung, da er weder ein Miß- trauensvotum enthält, noch ber von Dr. Böß selbst geforderten Pensionierung Folge leistet. Von zuständiger städtischer Stelle wirb mitgeteilt, daß der Beschluß selbstverständlich keinen Einsluh auf den Gang ber Voruntersuchung auszuüben vermag. Die Voruntersuchung wirb voraussichtlich Mitte oder (Snbe nächster Woche abgeschlossen sein. Die Ladung zum Schlußtermin an Herrn Döß wird morgen herausgehen. Zn diesem Schlußtermin wird sich Herausstellen, ob ber Vberpräsidrnt daS Disziplinarverfahren
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Ausläufer des nordskandinavischen Tiefs sind südwärts vorgebrungen und haben das nordöstliche Hoch weiter zum Abbau gezwungen. Der Frost ist dabei in ganz Deutschland stark zurückgegangen, und die Temperaturen lagen heute morgen in Dtorbroeft» und Mitteldeutschland bereits über Null. Selbst in Süddeutschland ist die Frostlinderung erheblich gewesen. München, bas gestern morgen noch minus 18 Grad hatte, meldete heute morgen nur minus 1 Grad. An der Südseite des Tlefausläufers wirb zunächst tlnt Westwinbströmung auskommen, wo-
durch mildere ozeanische Luftmassen nach beut Festlande gelangen. Das Wetter wird sich also wechselnd wolkig, verhältnismäßig mild und stellenweise auch zu Niederschlägen neigend gestalten. Wenn später an der Rückseite der Störung Luftmassen aus höheren Breiten zufließen, wird sich wieder leichter Temperaturrückgang bemerkbar machen.
Wettervoraussage für Sonntag. Stellenweise noch Frühnebel, tagsüber wechselnd wolkig mit vorübergehender Aufheiterung, zunächst mild, Reigung zu vereinzelten Schauem.
Lufttemperaturen am 14. Februar: mittag- —1,2 Grab Celsius, abends —1,1 Grab; am 15. Februar: morgens -s-1,1 Grab. Maximum 1,1 Grab, Minimum —1,5 Grab. — Erbtempe- raturen in 10 cm Tiefe am 14. Februar: abends — 0,1 Grad; am 15. Februar: morgens 1 Grad Celsius.
Amttiche Vlnkersporknachrichien.
Vogelsberg. Hoherodskopf: Rebel, minus 2 Grab, 13 Zentimeter Schnee, teils verharscht, teils Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski unb Rodel gut. — Herchenhainer Höhe: Leichterer Schneefall, minus 1 Grad, 10 bis 15 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Reuschnee, etwas verharscht, Sportmöglichkeit für Ski unb Rodel gut.
Taunus. Kleiner Felbberg: Nebel, minus 1 Grad, 10 Zentimeter Schnee, verharscht, Sportmöglichkeit für Ski mäßig, für Rodel gut.
Schwarzwald. Feldberg: Leichter Schneefall, minus 2 Grad, 98 Zentimeter Schnee, 3 bis 5 Zentimeter Neuschnees Firnschnee, Sportmöglich- feit für Ski und Rodel sehr gut.
Alpen. Garmisch-Partenkirchen: Bedeckt, minus 3 Grad, 50 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
* Das Amtsverkünbigungsblatt R r. 12 vom 14. Februar enthält: Straßensperren. — Wasserversorgung des Braunkohlen- Schwelkraftwerks Wölfersheim. — Beschaffung von Fleischbeschaustempeln — Die Ausführung des Artikels 20 des Volksschulgesetzes. — Die zur Entlassung kommenden Schüler, die ein Handwerk erlernen wollen — Befreiung israelitischer Mädchen von ber Teilnahme am Kochunterricht der MädchenfortbildungSschulr. — Dienstnach* richten,


