Nr. 188 Lrftes Blatt
180. Jahrgang
Donnerstag, U. August 1930
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Gießener Familiendlätter tzeirnal im Bild Die Scholle
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Die katalanische Frage.
Don unserem v. Oss.-Q5eri4rterftatter.
Dachdruck, auch mit Quellenangabe,' verboten I
Madrid, Äugust 1930.
Sin königliche- Dekret verfügt die Aufhe - bung eines Dtktaturerlasses, lvonach das Hillen der katalanischen Jahne und die Anwendung der katalanischen Sprache bei öffentlichen Anlässen verboten war. Die Katalanen haben also ihre Fahne und Sprache wieder und ganz Katalonien beging diesen historischen Tag mit Dankgottesdiensten und Freudenseiern. Diese hauptsächlich auf die Krone zurückzuführende Maßnahme Ht außerordentlich geschickt, nimmt sie doch den schon chronisch gewordenen Angriffen gegen die Madrider Zentralregierung einen großen Teil der Zielsläche weg. Die mit größter Energie durch- «führten Zentralisierungsbestrebungen Prirno de Riveras, die im Widerspruch standen mit seinen den Katalanen vor dem Staatsstreich gegebenen Dersprechungen. hatten in Katalonien eine Atmosphäre geschaffen, die jeden Augenblick eine Explosion befürchten lassen mußte. Ein derartiger Ausbruch der Volksseele hätte nun unter der Diktatur, die bereit war, mit den schärfsten Mitteln vorzugehen, wohl kaum Aussicht aus Erfolg gehabt — ander- unter den heutigen Der- hältnissen. die ein Ziehen deS Dotventils durchaus berechtigt und nötig erscheinen lassen. Da nun über Katalani-mu- und die sogenannte katalanische Gefahr im allgemeinen nur recht dunkle Begriffe herrschen, scheint cs bei der Bedeutung, die Katalonien in wirtschastlicher wie in politischer Hinsicht für das spanische Gesamtleben und für da- Verhältnis Spaniens zu Deutschland hat, notwendig, einen kurzen lieber- blick über die Entwicklung des Katalanis- mu- zu geben, der gerade heute wieder sehr akut geworden ist.
Geschichtlich hat sich Katalonien aus dem Frankenreich« herauSentwickelt, dem es als Marca Hispanica noch unter Karl dem Kohlen angeb ort hatte. Zum Dank für ihre Leistungen im Befreiungskampf gegen die Araber erhielt dies« Mark Ende deS neunten Jahrhunderts von dem erwähnten Herrscher die Unabhängigkeit al- Grafschaft von Barcelona verliehen, deren erster Herr der Graf Widfrcd war. Diese Selbständigkeit behauptete sich nun mehr ober weniger die ganze geschichtliche Entwicklung hindurch noch bis zu den katholischen Königen Ferdinand und Isabella Ende des 15. Jahrhundert-. Don da ab begann die ständige Der- minderung der katalanischen Rechte, bi- mit dem Snkel Ludwig- XIV. von Frankreich Philipp V. 1714 die Bourbonen in Spanien Fuß faßten und die letzten katalanischen Rechte und Ansprüche vernichteten. Damit fiel Katalonien m einen fast 150jährigen Schlaf, aus dem es erst wieher Mitte de- vorigen Jahrhunderts erwachen sollte.
Im Laufe dieser langen Jahre hatten sich die kastilische Sprache und die kastilischen Sitten so in Katalonien eingeführt, daß die katalanische Eigenart fast ganz in Vergessenheit geraten war, katalanisch wurde nur noch von den Bauern «sprachen und galt als unfein. Erst um das Jahr 1850 machten sich die ersten Anzeichen einer katalanischen Wiedergeburt bemerkbar, die von einem kleinen Kreise von Literaten und Wissenschaftlern, die sich besonders der Erforschung der katalanischen Dokument« widmeten, auSgmg und verhältnismäßig rasch wuchs. Diese Anfangsbewegung war völlig frei von politischen Tendenzen und galt nur der Hebung der katalanischen Eigenart und der Förderung der katalanischen Sprache und Literatur. Parallel aber zu dieser Bewegung entwickelte sich da- industrielle und kaufmännische Leben dem übrigen Spanien weit vorauSeilend, von Jahr zu Jahr stärker. Während nun anfangs auch in diesen Kreisen keine Sonderbestrebungen politischer Art zu verzeichnen waren, hat das geringe Verständnis, das Madrid den katalanischen wirtschastlichen Forderungen entgegenbrachte, eine gewisse Abneigung gegen die spanische Metropole erzeugt. Die schleppende Behandlung aller wirtschaftlichen Angelegenheiten und das langsame Funktionieren des komplizierten DerwaltungSapparates ließen in Katalonien da- Gefühl des gewaltsamen Gehemmtwerdens aufkommen und erzeugten schließlich den Wunsch nach Selb st Verwaltung.
In der Zwischenzeit hatte die literarische Bewegung ebenfalls starke Fortschritte gemacht. Di« katalanische Sprache war auf die Bühne gekommen, um 1890 erschienen die ersten Zeitungen in katalanischer Sprache, die bedeutendsten ausländischen Dichter wurden ins Katalanische übersetzt, darunter Goethes Faust, und Poeten wie Gimera entsprangen dieser Bewegung. Auch auf musikalischem Gebiet betätigte sich dieser geistige KataloniSmus. eS wurde nicht nur die volkstümliche Musik gefördert, sondern auch die Opernmusik gepflegt, fast sämtliche Wagneropern wurden in katalanischer Sprache gesungen! Schließlich kam es so weit, daß sich diese beiben Richtungen, bi« literarische und die wirtschaftlich«, auf einer Linie zusammenfanben, um mit vereinten Kräften die katalanische Ide« zu verwirklichen.
Sv entstand die regionalistische Partei, die sich bemühte, ideale Gedanken wieder in die Politik zu bringen und die sich als praktisches Ziel die Erreichung der Derwaltungs- autonomie setzte. Diese konservative katalanische Richtung, die unter der Führung des heute als bedeutender Finanzmann bekannten Sambo auf Schaffung eines spanischen Bundesstaates hinarbeitete und zum mindesten weitgehende Selbst-
Einigung über die Oflhilse zwischen Preußen und dem Reich.
Ein komplizierter Behördenapparat.
Berlin, 13. Aug. Tic letzten Schwierigkeiten wegen der Ingangsetzung der Ost Hilfe sind jetzt aus dem Wege geräumt worden. Sie bcflanben im wesentlichen darin, daß Preußen Bedenken dagegen hatte, im Falle von Streitigkeiten den Reichskanzler die letzte Entscheidung a 11 e in treffen zu lassen. Man hat diesen Bedenken nun dadurch Rechnung zu tragen gesucht, daß der Reichskanzler diese Entscheidung im Benehmen mit dem preußischen Ministerpräsidenten fällen soll, falls fi« jemals erforderlich wird. Im übrigen ist der Ostkommissar, Reichsminister Trevira n u S, bei seinen Entscheidungen gebunden an die sachliche Ucocreinftimmung mit Dem Reichs- «rnährungsminister Schiel«, dessen Ressort ja praktisch für die Osthilfe am meisten zuständig ist. Don preußischer Seite sollen neben dem Wohlsahrtsminister Hirtfieser noch drei Persönlichkeiten in daS Ostkommissariat delegiert werden, allerdings ohne Stimmrecht. Bon der Seite des Reiches wird noch Ministerialdirektor WachSmann vom Reichsemährungsministerium ständig im Ostkommissariat beschäftigt sein. Die Spitz« dieser für die besonderen Zwecke der Ost- Hilfe zusammengestellten Behörde ist aber ReichS- minister TrevironuS, und es ist nur eine Folge des Dualismus der beiden Zentralregierungen deS Reichs und Preußens in Berlin, daß es unmöglich ist, diesen Dingen eine einfachere Gestalt zu geben. Der Apparat, der jetzt für die Zwecke der Osthilfe aufgebaut wird, ist reichlich kompliziert und bietet immer noch die Möglichkeit zu bureaukratischen Hemmungen und Verzögerungen.
Bereinigung des Korridors die beste Osthilfe.
Reichsminister Treviranus über daS nächste außenpolitische ziel.
Königsberg, 14. Aug. (X1L) Der Berliner Vertreter der .Königsberger Allg. Ztg." hatte eine Unterredung mit dem ReichSrninister T re- vir a n u S über die Organisation der Hilfsaktion für den Osten. Dabei betonte Treviranus mit äußerstem Dachdruck, die Dot deS deutschen Osten- werde bestehen bleiben, solange nicht eine vernünftige, den wirtschaftlichen Interessen der Grenzbevölkerung entsprechende neue Grenz- regulierung im Osten erfolge. Sie sei die nächste dringende Frage, die gelöst werden müsse. Darin gehe er mit dem Kanzlep. mit seinen Ministerkollegen und 90 Prozent Der deutschen Bevölkerung konform. Der Vorschlag d'Ormesfons in der ,Revue de Paris", das Korridorproblem etwa dergestalt zu lösen, bah souveräne deutsche Querverbindungen nach
Danzig und Ostpreußen geschaffen würben, allerdings nur in ber Breite eine- Federstriche- fei gänzlich verfehlt. Der Minister schloß: .Die gerechte Lösung des Korridorproblems ist es, die wir mit allen politischen und diplomatischen Mitteln anstreben. Ich weiß, daß zahlreiche prominente Politiker des Auslandes, auch solche in Pari-, in dieser schlechterdings europäischen Frage unsere Ansicht teilen. Man unterschätzt mich, wenn man mir unterstellen will, daß ich mir Die Lösung des Korri- dorproblems auf kriegerischem Wege vorstelle. Dein, diese Angelegenheit ist zunächst eine Sache deS Völkerbundes. Danach ließe sich auch eine Konferenz ber beteiligten Anrainer in bie Wege leiten. Wann es so weit sein wird, wage ich nicht zu prophezeien, aber bic Bereinigung ber Oftfrage ist jetzt nach ber Rheinlandräumung akut. Sie steht auf Dem nächsten außenpolitischen Programm ber ReichSregierung."
Die pariser presse hehl weiter.
Paris, 13. Aug. (XU.) Trotz des Dementi- der deutschen Botschaft in Paris behauptet Per- tinax im .Echo de Paris" auch weiterhin, daß sich der deutsche Botschafter von Hoesch bei feiner Unterredung mit Briand bemüht habe, die Ausführungen des Ministers Treviranus a b zuschwächen und als die Wiedergabe
Oslo, 13. Aug. Auf der 7. Konferenz der Internationalen Union gegen die Tuberkulose sprach Prof. E a l m e 11 e aus Paris über seine Methode zur vorbeugenden Bekämpfung der Tuberkulose, wobei er u. a. erklärte:
Im Gegensatz zu anderen Impfungen, die, wie z. B. bei der Tollwut, den Pocken, dem Typhus usw. den Organismus für länaere Zeit gegen Ansteckung schützen, selbst wenn keine Spur mehr von den eingeimpften Bazillen im Körper vorhanden ist, wirkt der eingeführte Tuberkuloseerreger nur s o - lange, als er im Organismus bleibt. Er sei also auf den Gedanken gekommen, in den menschlichen bzw. tierischen Körper eine gewisse Menge einer Tuberkulosenbazillenkultur einzuführen, die dort bleiben soll. Um diesen Bazillen jede giftige Beschaffenheit zu entziehen und sie voll- kommen ungefährlich zu machen, kultiviere man sie in ununterbrochenen Reihen auf mit Ghyzerin Der rnischter Ochsengalle. Auf diesem außerordentlich alkalireichen 'Nährboden verlieren die Bazillen nach 230 Uebertragungen, Die alle 25 Tage vorgenommen werden (das ganze Verfahren währt drei- zehn Jahre) ihre Gefährlichkeit, behalten aber Die Eigenschaft, den Organismus
feinet persönlichen Meinung darzu- stellen, für bic die Reich-reglerung nicht verantwortlich gemacht werben könne. DaS sei eine unhaltbare Erklärung, Da sic Durch bie Reden Des Reichskanzler- und de- Reichst nncnmini stets widetlegi werd«, bie im wesentlichen dieselben Forderungen ausgestellt hätten. Wenn in einem Teil ber deutschen Preße DaS zufrüh« Hinscheiben Sttesemanns bebauert werde, da sein Verbleiben in ber Regierung die Fortsetzung bet bcutlch-iranzösischen Annäherungspolitik bebeutet hätte, so tonne man bemgegenüber nur feft- ftellen, bah unter Der Führung StresemannS Die wahren Ziele der Deutschen Außenpolitik nur versteckt gewesen seien. 3m Grunbe genommen sei es daher besser, daß daS Heber* kochen DeS deutschen .Chauvinismus" endlich einmal klares Licht geschaffen habe. Jeder vernünftige Franzose werde jetzt einsehen, daß et sich Illusionen hingegeben hab«. Btianb erlebe jetzt den Zusammenbruch semeS Werke-. Wenn Deutschland in diesem Winter unter dem Vorwand seiner wtttschastlichen Rotlage da- erstemal von einem Moratorium für bie Voungzah lungen Gebrauch mach« — unb von verschiedenen Seiten werde darauf hing«- wiesen, daß eS dazu entfchlosfen sei — dann werbe Briand von der Bildfläche verschwinden.
gegen Ansteckung durch giftige Bazillen derselben Art zu schützen. Diese Kulturen werden zur Herstellung eines Serums verwendet, das den ganz kleinen Kindern, deren Organismus noch keine normalen Tuberkulosebazillen enthält unb Deren DarmroänDe Die Bakterien noch leicht durch- lasten, als Nahrung verabreicht wirb. Solche Kinder sollen nach Calmettc für 4 bi» 5 Jahre gegen Tuberkulose gesichert sein. Ealmette erklärte, daß die Zahl der Mißerfolge äußer st gering sei. Jedenfalls fei es vollkommen abwegig, aus den wenigen Unfällen auf die Gefährlichkeit eines Berfahrens zu schließen, bunh das unzählige menschliche Existenzen, die sonst Der schrecklichsten aller Krankheiten schutzlos erliegen würben, gerettet und erhalten werden können.
In Lübeck ist, nachdem seit einiger Zeit ein Stillstand Der Sterblichkeit Der mit Dem Tuberkulose- schutzpräparat gefütterten Säuglinge eingetreten ist, letzt ein neuer loDesfall zu verzeichnen. Die Zahl ber Opfer hat sich Damit auf 6 5 erhöht. Als krank meldet der Bericht des Lübecker Gesundheitsamtes noch 55, als gebessert 73, als gesund bzw. noch in ärztlicher Beobachtung 58 Säuglinge.
DieTuberkulose-SchutzimpsungEalmettes.
Professor Ealmette spricht über seine Fütterungsmethode.
verwaltung-rechte für bic spanischen Landschaften burchzubrücken hoffte, drang aber in Madrid nicht durch unb so kam es, baß bie extreme katalanische Richtung Oberwasser gewann unb nun ihrerseits versuchte, ohne Madrid zum Ziel zu kommen. Es gelang ihr denn auch, im Jahre 1910 bie sog. Mancomunibab zu grünben, eine Art wirtschaftlichen Parlaments, bas sich bie nötigen Geldmittel zur Durchführung feiner Aufgaben lediglich durch Ausgabe von Obligationen, bic stets restlos in Katalonien selbst untergebracht werben konnten, verschaffte. Diese Einrichtung hat sich sehr gut bewährt unb cs muh anerkannt werben, baß bie Mancomunibab besonbers auf bem Gebiete des Verkehrswesens, Wegebaues unb Schulwesens Vorbilbliche- geleistet hat. Eine gewisse Stagnation trat erst im Jahre 1918 ein. Die katalanische Frage trat in Den Hintergrund, da der dcrmals besonders in Barcelona auf- flammende Syndikalismus die ganze Auf- merksamkeit unb alle Kräfte des Landes in Anspruch nahm. In diese Zeit fällt auch die Blütezeit der katalanischen Separatisten, einer kleinen Gruppe, die mit den Rcgionalisten nichts gemein hat, die die völlige L o s l ö s u n g Kataloniens von Spanien betreibt und das Land entweder zu einer selbständigen Republik ober zu einem Teil Frankreichs machen will.
Erst im Jahre 1923 gelang cs bem energischen General Martinez A n i b o , die Syndikalisten und Separatisten mit eisernem Besen auszukehren und in Katalonien Ruhe und Ordnung zu schaffen. Die Rückwirkung des Separatistenunfugs allerdings war bic politisch nicht kluge Maßnahme, auch die übrigen Katalanen zu unterdrücken unb ihnen ihre — wie eingangs gesagt — primitivsten Rechte zu nehmen. Damit wurde schließlich im weiteren Verlauf der Diktatur eine feindliche Stimmung gegen di« Krone erzeugt, die wiederum einen bedenklichen Ruck nach links in der gesamten katalanischen Orientierung zur Folge hatte. Diese Gefahr nun gebannt zu haben, das ist das Verdienst de- oben erwähnten Dekrets.
R100 fliegt von Kanada nach England.
Das Luftschiff R100 ist am 13. August um 9.28 Ähr abends (Sommerzeit) auf bem Montrealer Flugplatz St. Hubert zum Rückflug nach England gestartet.
Oer Aufmarsch zum Wahlkampf.
„Schließt die Reihen."
Ein Aufruf Minister Schieles an das Landvolk.
Berlin, 13. Aug. (ERB.) Reichsernährungsminister Dr. h. c. 6 i e I e erläßt unter Der Uebcrfdjrift .Schließt bie Reihen!" einen Aufruf an das Landvolk, in bem es heißt:
.Wer wie ich ber Lieberzeugung ist. daß wir nur durch persönliche, verantwortungsbewußte Mitarbeit im Staat unsere wirtschaftlichen, sozialen, staats- und nationalpolitischen Ziele erreichen können, der dürfte sich Dem Ruse des Reichspräsidenten nicht versagen. Die ilebcrnabme des Reichsemährungs- miniftcriumd war daher für mich angesichts der verzweifelten Lage Der Landwirtschaft und bes OstenS ein Gebot der Pflicht, zumal Die weitgehende sachliche Zustimmung des Kabinetts zu den vor mir geplanten dringendsten Agrar- und Osthilsemahnahmen vorlag unb bie Bereitstellung aller verfassungsmäßigen Mittel zu ihrer politischen Durchsetzung gesichert war. Solange unb soweit diele Voraussetzungen gegeben sind, habe ich im Dienste ber Landwirtschaft und deS Ostens auf diesem Posten auszuharren.
Politisch heimatlos ist nunmehr das Landvolk gezwungen, sich eine neue Plattform für feinen politischen Kampf um das eigene Geschick unb bas bes Vaterlandes zu schaffen.
Angesichts dieser Lage ist die Sammlung ber politisch odbachlos gewordenen und ber Verzweiflung überlieferten Kräfte im Landvolk nur noch unter beruf-ständischer Parole möglich. Da- Landvolk ist bie Kerntruppe ber konservativen, hoben ft änbigen unb staat-erhaltenden Volkskrästc überhaupt. Stellt sich das Landvolk straff organisiert mitten hinein in bic Front ber Sammlung der großen Rechten, so erfüllt es damit seine naturgegebene Berufung zu staatSpolitischer Führung.
Deshalb ber Appell an meine BerufSgenossen: Sammelt euch um bas grüne Danner ber deutschen Landvolkbewegung — ber deutsche Dauer
marschiert im Kampsc um feincScholle, um den ihm gebührenden Einfluß im Staat unb um bie Freiheit seine- Daterlanbc-.
Volkspartei und Konservative.
Tie gemeinsame -ront am Niederrhein.
Dui-bu rg, 13. Aug. (211.) Wie die Konservative Dolkspartei für die Wahlkreise Düsseldorf-West und Düsfeldors-Ost mitteilt, hat Oberbürgermeister Dr. Jarres, ber bekannte vvlkS- parteiliche Führer in der Rheinprovinz unb ehemalige Reichsinnenminister, an Dr. von X r t) - ander, den konservativen Spitzenkattdidaten, folgendes Schreiben gerichtet:
„Ich weiß, baß ber ©ammelruf bet Volkspartei bei Ihnen unb den Ihnen nahestehenden, insbesondere auch bei dem ®ra< fen Westarp und unserem gemeinschaftlichen Freunde Treviranus Verständnis und Echo gefunden hat. Persönlich bin ich ber Meinung. daß bie Verschmelzung ber gemäßigten Rechten schon jetzt hätte erfolgen sollen. Wa- aber im Augenblick nicht gelungen ist, muh und wird. daS ist meine lleberzeugung, die nahe Zukunft bringen. In bem bevorstehenden Wahlkampf werden die beiden noch selbständigen Parteien. die Konservative Volkspartei und bie Deutsche Volk-Partei, nebeneinander al- gut eKameraden stehen unb kämpfen können. In dieser Gesinnung rufe ich Ihnen und Ihrer Partei zum Wahlkampf ein herzliche- Glückauf zu. Der Rieberrhein wird sich be« glückwünschen können, wenn Ihr Wahlkampf mit Erfolg geführt wird, wenn wir in Ihrer Person für ben Reichstag wieber einen Vertreter gewinnen, ber sich im Dezirk ber höchsten Wertschätzung erfreut und bem wir in ben Kreisen ber Deutschen Volkspartei in Hochachtung bi« Hand reichen."
Die Konservative Volkspartei hat für bi» Wahlkreise Düsseldorf-Ost unb -West Dr. von Drhander als Spitzenkandidaten aufgestellL An zweiter Stelle im Wahlkreis Düsseldorf-Ost hat die Konservative Dolkspartei den Geschäftsführer des Deutschnationalen Handlungsgehilfen


