Der Verkehrsbund Oberhessen im Zähre 1929
werden. 3m vergangenen Jahr fand auch die Aushebung der faschistischen Mädchen, die in ähnlichen Stufen zusammengefaht sind wie die Knaben, in einer öffentlichen Feier statt, in diesem 3ahr ist aber davon abgesehen worden. Man kann Wohl darin eine Folge der nach langen grundsätzlichen und, wie erinnerlich, oft scharfen Auseinandersetzungen zwischen der Kurie und dem Faschismus vor einigen Monaten erfolgten gewissen Verständigung sehen, die die öffentliche Schaustellung der jungen Mädchen eingeschränkt hat. Die „Kleinen Italienerinnen" (von 8 bis 14 Jahren), die „Jungen 3talienerinnen" (von 14 bis 18 Jahren) und die „Jungen Faschistinnen" (von 18 bis 22 Jahren) sah man diesmal also nur als Zuschauer an der Aushebung teilnehmen. Das faschistische Befehlsblatt erklärte zu Beginn dieses Jahres: „Die Jungen müssen — mehr als die anderen — zu gehorchen wis - s e n, um das Recht oder vielmehr die Pflicht zum Befehlen zu erringen. Mehr als die anderen müssen sie ein Lebensideal der Gleichgültigkeit oder — was noch schlimmer ist — der Bequemlichkeit verachten. So werden die Jungen von heute und morgen im Geist und in der Art die Revolution des Oktobers 1922 fortsehen. Die Revolution, die noch im Flusse ist, da noch viele Ziele zu erreichen sind." Diesem Gedanken dient die Aushebung und das Feldlager vor Rom.
bei. Die Iungmannen, die zur Miliz übertreten, werden von dem faschistischen Bundessekretär ver- eidigt, woraus einer der Rekruten Vortritt und im Ramen seiner Kameraden die Parteikarte in Empfang nimmt. Ein Beteran der Miliz überreicht ihm anschließend den Karabiner und gibt ihm unter dem Jubel der Versammelten den Bruderkuß. Die Aufnahme der Balilla in die Reihen der Avanguardisti wird in ähnlicher Weise vorgenommen, nur daß der vortretende Balilla weder eine Parteikarte noch einen Karabiner. dafür aber von einem alten Avanguar- dista die lang ersehnten Weitzen Achselschnüre erhält, die von nun an das Hauptmerkmal seiner Uniform bilden werden. 3n Rom nimmt Muss olini selbst an der Aushebung mit allen Spitzen der Behörden teil.
3n diesem 3ahr wurde der faschistischen Aushebung auf Veranlassung des Großen Faschistischen Rates ein besonderer Stempel durch den Stapellauf von vier neuen Kreuzern und eines Unterseebootes verliehen. Die Aufmerksamkeit der 3ugend sollte auf diese Weise der für Italien lebenswichtigen Bedeutung der Meere zugewandt
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Den Vorstand des Verkehrsbundes I Oberhessen teilt in seinem Geschäf ts- bericht, den er — wie gestern berichtet — in der vorgestrigen Jahreshauptversammlung vorlegte, über die Tätigkeit des Bundes im Jahre 1929 folgendes mit:
Im Geschäftsjahr 1929 hat der Vorstand des Verkehrsbundes Oberhessen mit weitgehender und dankenswerter Mitarbeit der Dun- desmitglieder und mit tatkräftiger und ebenso anerkennenswerter Unterstützung behördlicher Stellen und des Hessischen Verkehrsverbandes, Sih Darmstadt, wiederum eine sehr rege Tätigkeit zur Erfüllung der Bundesaufgaben gemacht. Rachdem der Verkehrsbund in den Jahren 1927 und 1928 mit den Presserundfahrten durch Oberhessen nach außen hin sichtbar zwei große Propagandaarbeiten durchgeführt hatte, mußte naturgemäß im Jahre 1929 ein anderer Weg der Verkehrswerbung gewählt werden. Der Bundesvorstand entschloß sich zur
Werbung von Fremdenverkehr durch Zeitungsanzeigen.
Daneben wurde durch den Versand unseres Führers durch Oberhessen für den Fremdenverkehr geworben. Weiter wurde auf dem Wege des Schriftverkehrs das Möglichste getan, um das Publikum zum Besuche unserer Provinz zu veranlassen.
Das Geschäftsjahr 1929 brachte die Hauptversammlung vom 22. April 1929. Es fanden zwei Sitzungen des Geschäftsführenden Vorstandes, drei Sitzungen des Gesamtvorstandes und eine Anzahl Besprechungen des Bundesvorsitzenden mit den leitenden Herren des Hessischen Der- kehrsverbandes, sowie mit Vertretern der Reichsbahndirektion Frankfurt am Main und anderer Behörden und Körperschaften statt. In erfreulicher Weise war das Zusammenarbeiten der genannten Stellen mit unserem Bunde stets ein sehr gutes und verständrtisvolles. Auch im Kreise des Vorstandes war die Arbeit immer von ernster Strebsamkeit und guter Harmonie geleitet. Allen Behörden, insbesondere aber der Reichsbahndirektion Frankfurt und dem Hessischen Verkehrsverband Darmstadt, sowie den Industrie- und Handelskammern Gießen und Friedberg gebührt unser aufrichtiger Dank für ihre aufmerksame und eifrige Hnterstühung und Würdigung unserer Arbeit.
Die Fremdenverkehrswerbung auf dem Wege der Zeitungsanzeigen hat sich nach unseren Beobachtungen als ein sehr gutes und erfolgreiches Wittel erwiesen.
Hnsere Anzeigen erschienen in Zeitungen des Kasseler, des Frankfurter, des Siegerländer und des Rheinisch-Westfälischen Gebiets, da sich von dort aus schon vor unserer Anzeigenwerbung durch Anfragen bei unserer Bundesgeschäftsstelle Interesse für Oberhessen gezeigt hatte. Durch die Anzeigen wurde dieses Interesse noch wesentlich verstärkt, und es bekundete sich dann in einer steigenden Zahl von Rachfraaen nach unserem Führer. Dep Anzeige des Verkehrsbundes schlossen sich eine Anzahl oberhessischer Stadtverwaltungen durch kleine sog. Kastenanzeigen an, und auch diese Stadtverwaltungen haben damit gute Erfahrungen gemacht. Wir brachten im Geschäftsjahr 1929 rund 800 Führer zum Versand bzw. zur Ausgabe durch die Geschäftsstelle des Verkehrsvereins Gießen, bem wir ebenfalls für seine eifrige und verständnisvolle Hnterftühung unserer Tätigkeit zu Dank verpflichtet sind. Im Einvernehmen mit der Hessischen Bade- und Kurverwaltung Dad-Rau- heim brachten wir unseren Führer auch in dem Berliner Werbebureau der Bade- und Kurverwaltung Bad-Rauheim zur Auslage, und auch dabei hat sich gezeigt, daß wir damit eine gute Werbemöglichkeit bekommen hatten. Der Hessischen Bade- und Kurverwaltung Dad-Rauheim sagen wir bei dieser Gelegenheit noch einmal Dank für ihre Forderung unserer Arbeit.
Aus den Erfahrungen mit der Fremdenverkehrs- Werbung durch Zeitungsanzeigen im verlaufe des Geschäftsjahres 1929 können wir den Schluß ziehen, daß es sich empfiehlt, auf diesem Wege auch im neuen Geschäftsjahre weiter fortzu- schreiten.
Im verflossenen Jahre hat sich der Fremdenbesuch in unserer Provinz durch diese Art der Werbung ansehnlich gesteigert, so daß wir bei der Weiterbenutzung dieses Mittels auch im neuen Jahre wertvolle Vorteile für Oberhefsen und seine Wirtschaft auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs erwarten dürfen.
Mit der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. haben wir sowohl schriftlich, wie durch die mündlichen Besprechungen des Dundesvorsitzenden mit den zuständigen Herren an der weiteren Ausgestaltung des Fahrplans gearbeitet. Für den neuen Iahresfahrplan 1930/31 haben wir der Reichsbahndirektion in einer längeren Eingabe die Wünsche der an den oberhessischen Strecken gelegenen Städte übermittelt. Daneben
wurden durch besondere Schreiben von Fall zu Fall die Belange der oberhessischen Städte in Fahrplan-Sonderfragen vertreten. Auf diesem Gebiet arbeiteten die Industrie- und Handelskammern Gießen und Friedberg, sowie der Hessische Derkehrsverband zu Darmstadt, ferner die interessierten Stadtverwaltungen in enger Verbindung mit unserem Bundesvorstand. Ein besonderer Dank gebührt in diesem Zusammenhänge Herrn Dr. R o e s e n e r vom Hess. Derkehrsverband in Darmstadt, der sich warm für unsere Belange bei der Reichsbahn eingesetzt hat.
wenn es leider auch nicht immer gelang, unsere Forderungen und die wünsche der anderen Beteiligten in vollem Ausmaße zur Erfüllung zu bringen, so ist anderseits aber doch festzustellen, daß der gemeinsamen Arbeit mancherlei beachtenswerte Erfolge zur Verbesserung des Fahrplans auf den oberhessischen Reichsbahn- strecken beschieden waren.
Zwar gelang es bisher noch immer nicht, die Wiedereinführung von beschleunigten Zügen auf den Strecken Gießen—Fulda und Gießen — Gelnhausen zu erreichen, wir werden uns aber im Einvernehmen mit allen auf dem Gebiete des Verkehrswesens arbeitenden Stellen weiterhin bemühen, dieses Ziel zu erreichen. Der Reichsbahndirektion Frankfurt wissen wir Dank für ihre bisherigen verbessernden Maßnahmen, wir geben aber auch bei diesev Gelegenheit der Erwartung Ausdruck, daß sie künftig den Forderungen der Provinz Oberhessen zur weiteren Ausgest ai° tung des Fahrplans, insbesondere durch die Wiedereinführung von beschleunigten Zügen auf den obengenannten oberhefsischen Strecken, Rechnung tragen wird.
Mit dem Hessischen Derkehrsverband Darmstadt arbeiteten wir gemeinsam an einer Reihe von Fragen, die für die gedeihliche Fortentwicklung der Derkehrswerbearbeit für Oberhessen von Bedeutung sind. Erfreulicherweise war es im Berichtjahre möglich, in der Frage der Deitragsleistung unseres Bundes zum Hessischen Derkehrsverband und der Betätigung dieses Derbandes in Oberhessen zur klaren und annehmbaren Regelung zu kommen. Für die Herausgabe einer
Reliefkarte von Oberhefsen
wurden vom Hessischen Derkehrsverband, der auf diesem Gebiete wertvolle Erfahrungen aus anderen hessischen Teilen und weitreichendere Möglichkeiten als wir besitzt, die erforderlichen Dorarbeiten im Einvernehmen mit uns in die Wege geleitet. Erfreulicherweise hat die hessische Regierung, wie uns erst am Samstag noch mitgeteilt wurde, 2500 Mark für diese Aufgabe zum Besten der Provinz Oberhefsen zur Verfügung gestellt. Dafür find wir der hessischen Regierung sehr zu Dank verpflichtet. An dieser Aufgabe, die wir gerne tatkräftig und weitgehend unterstützen, wird zur Zeit rege gearbeitet. Wenn auch die wirtschaftlichen Verhältnisse für dieses große und bedeutsame Werk, das natürlich erhebliche Mittel erfordert, zur Zeit nicht gerade günstig sind, so wird doch vom Hessischen Verkehrsverband und von uns alles getan werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen.
Es Ist nicht zu bezweifeln, daß durch die Herausgabe einer Reliefkarte von Oberhefsen die Fremdenverkehrswerbung für unsere Provinz noch wirksamer als bisher gestaltet werden kann, da eine solche Karte den Interessenten die landschaftlichen Schönheiten Oberhessens eindrucksvoll vor Augen führen kann.
Es ist zu wünschen und zu hoffen, daß geldliche Opfer für dieses große und erfolgversprechende Werk nicht gescheut werden, um dadurch den wohlverstandenen Erfordernissen zur Aufwärtsentwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den oberhessischen Städten zu entsprechen.
Gin sehr ausgedehnter Schriftwechsel wurde ferner mit zahlreichen Verwaltungsstellen Hessens gepflogen, um die Aufgaben des Bundes nach jeder Richtung hin, insbesondere auch in den Fragen des L a n d ft r a h e nne tze s. zu erfüllen. Wir haben dabei überallDerständ- n i s und zum Teil auch Entgegenkommen gefunden. Was bisher auf diesem Gebiete noch nicht erreicht werden konnte, wird Aufgabe der weiteren Dundesarbeiten fein müssen.
Im Gesamtergebnis betrachtet können wir sagen. daß
die Arbeit unseres Bundes auch Im verflossenen Jahre erfreuliche Ergebnisfe gebracht und die Notwendigkeit der Gründung unserer Organisa- tion erneut erwiesen hat.
Wenn unser Bund auf dem bisher befolgten Wege weiterschreitet, wird es sicherlich zumVor- teil unserer Provinz und damit auch zum Ruhen des ganzen Hessenlandes fein.
Aus der provinzialhaupistadt.
Gießen, den 14. Mai 1930.
Achtung, neue Kursbücher!
Seit einigen Jahren ist der 15. Mai der Stichtag für den Fahrplanwechsel. Wie vorläufig aus den amtlichen Entwürfen und dem nachträglich eingegangenen Ergänzungsblättern hervorgeht, wird der Zugdienst diesmal über den saisonmäßigen Bedarf hinaus erweitert. Die neuen Ausgaben der Storm-Kursbücher werden auch die kleinsten Verschiebungen und Aende- rungen in der bisherigen zuverlässigen und peinlichst-genauen Weise registrieren, und ihr Verlag ist bemüht, sämtliche Ausgaben wieder so rechtzeitig zum Fahrplanwechsel erscheinen zu lassen, daß jeder sein gewohntes Kursbcky vor dem 15. Mai besitzen kann. Die Storm-Kursbücher teilen sich in eine Haupt- und in sechs Teilausgaben. Die große Storm-Reichsausgabe bringt den gesamten deutschen Verkehr, die Binnen- und Küstendampfschiffahrt, die Flugfahrpläne und alle Reisewege nach dem angrenzenden Ausland und kostet 5 Mark. Die Preise der einzelnen Teilausgaben bewegen sich zwischen 1.50 Mk. und 2,50 Mk. Sie alle verfügen in dem Teil „Fernverbindungen" über ein kleines Schnellzugskursbuch, das es auch dem Benutzer einer Teilausgabe ermöglicht, Reisen quer durch Deutschland mit den Schnellzugsstrecken zusammenzustellen. Für unser Verkehrsgebiet kommt neben der großen Stormschen Ausgabe für das gesamte Reichsgebiet noch die kleine, billige Teilausgabe Westdeutschland in Frage, die 2 Mark kostet.
Die beiden Hendschel-Ausgaben und das Lloyd-Kursbuch bringen die deutschen Schnellverbindungen und den kontinentalen Weitverkehr auf dem Gleis-, Lust- und Wasserwege. Hend- schels Telegraph enthält den gesamten reichsdeutschen Verkehr und die Fahrpläne von 32 außerdeutschen Staaten. Hendschel International (Preis 4 Mark) ist eine verkürzte Ausgabe, die nur die deutschen Schnellzugslinien bringt, dagegen den internationalen Verkehr in der gleichen Reichhaltigkeit besitzt.
Bei dem Lloyd-Kursbuch (Preis 4 Mark) ist der Hauptwert auf schnellste und leichte Benutzung gelegt. Sein Vorzug besteht in dem System der kurzen und übersichtlichen Routenfahrpläne über große Entfernungen. „Lloyd" bringt außerdem den wichtigen europäischen Schiffsverkehr.
** Gas-Vereinigung Gießen. Man berichtet uns: Dieser Tage wurde, wie schon kurz berichtet, der seit Jahren bestehende lose Zusammenschluß der Freien Vereinigung der Jnstallations- meister, der Gasgeräte-Verkaussgeschäfte und des Stadt. Gas- und Wasserwerks Gießen in eine Arbeitsgemeinschaft, die Gas-Vereinigung Gießen, umgewandelt. Alle Firmen, die Installation betreiben bzw. Gasgeräte verkaufen, haben sich der Gas- Vereinigung angeschlossen. Zürn Vorstand wurden ernannt: Vorsitzender: Dr. (3 o eres, Schriftwart: R. Rüdiger, Kassenwart: C. Jung, Beisitzer: C. Kolb, I. B. Häuser und Jng. Stecken- m elfer. Außer Besprechungen und Verhandlungen in rein technischen Fragen erblickt die Gas-Vereinigung ihre Aufgabe darin, das Publikum, insbesondere die Hausfrauen, durch gemeinsame 23er- anftaltungen für die modernen Gasgeräte zu interessieren und es stets über Steuerungen auf dem Laufenden zu halten. Sie betrachtet diese Werbearbeit als einen Dienst am Kunden und will hierdurch dauernd den Hausfrauen mit Rat und Tat zur Seite stehen, um sie zu zufriedenen Gasabnehmern zu machen. Bei den gemeinsamen Veranstaltungen soll besonders auf die Behandlung und Pflege der Gasgeräte, wie auf die vielseitige Benutzung derselben hingewiesen werden. In Wort und Schrift werden zur Arbeitserleichterung und besseren Lebenshaltung jedes einzelnen die allgemein interessierenden Fragen auf dem Gebiete der Gasverwendung erörtert werden. Die ersten Veranstaltungen der Gas-Vereinigung finden unter Mitwirkung der Hausfrauen- Beratung am Donnerstag, 15. Mai, 20 Uhr und Freitag, 16. Mai, 16 Uhr in Form einer Gas-Koch- und Bratoeranstaltung statt. Um eine Ueberfüttung des Saales im Cafs Leib zu vermeiden, wurden in den einzelnen Gasgeräte-Verkaufsgefchäften und dem Städt. Gaswerk eine beschränkte Anzahl Einlaßkarten ausgegeben. Wie von den einzelnen Geschäften mitgeteilt wird, sind nur noch einige Einlaßkarten für Freitagnachmittag erhältlich.
** Frauenverein der Markusge- meinde. Am letzten Sonntag, dem Muttertag, hatte der Frauenverein der Markusgemeinde alle Frauen der Gemeinde, die über 70 Jahre alt sind, wie im Vorjahr zum Großmütterkaffee im Gemeindesaal eingeladen. Von 94 Eingeladenen waren 45 erschienen, darunter eine Großmutter im 90. Lebensjahr. Von Mitgliedern des Frauenvereins wurden die Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Fröhliche und ernste Darbietungen, wie gemeinsame Lieder ließen die Stunden nur allzu rasch hingehen. Besondere Freude bereitete ein scherzhaftes Spiel von Fräulein L a n g und Fräulein Kretzschmar, sowie eine gemütvolle Erzählung aus Alt-Gießen, welche von Fräulein Paula Georgi nach alten Familienbüchern und aus persönlichen Erinnerungen geboten wurde. Manch ernste Gebenserinnerung wurde wieder lebendig, aber auch manch frohe Stunde wachte wieder auf. Man spürte über der Versammlung der 45 Greisinnen eine große Summe von reicher Lebenserfahrung und viel innige Dankbarkeit gegen Gott, der bis in so hohes Alter gnädig behütete.
•* Deutsche Volkspartei. In der Frauengruppe der DVP. hielt Frau Studienrätin Fröhlich aus Marburg einen hochinteressanten Vortrag über ihre Eindrücke in Amerika. Die Rednerin hatte sich zu Studienzwecken fünf Monate in Amerika aufgehalten, im Hause eines führenden Großindustriellen deutscher Herkunft, und durch dessen Vermittlung Einblick in industrielle Betriebe und kulturelle Einrichtungen aller Art gewonnen, ebenso Gelegenheit gehabt, an den verschiedensten festlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Sie sprach von dem großen Eindruck, den die unermeßliche Größe und Weite, die unerschöpflichen Hilfsquellen Amerikas (HSA.) auf sie gemacht. Dann lieh sie einige amerikanische Städte an dem geistigen Auge des Zuhörers vorbeiziehen, z. D. Rochester, eine typisch amerikanische Stadt von 370 000 Einwohnern, die durch ihre Industrie groß geworden. Es befindet sich dort die mit Zeih in Jena in Verbindung! stehende größte optische Fabrik der Welt. Ferner Washington, das überwältigend wirkte durch die Monumentalität und Pracht seiner öffentlichen Bauten. Hier befindet sich auch ein Grab des unbekannten Soldaten. Leider sprechen selbst an dieser weihevollen Stätte die Gedenktafeln der
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Rom. Mai 1930.
Im Süden Roms, zwischen dem Tiber und den Hügeln von Parioli, haben 25 000 Avanguar- disti für eine Woche ihr Zeltlager aufgeschlagen. Die faschistischen Iungmannen sind aus allen Gegenden Italiens und des Auslandes zum zweiten nationalen sportlich-militärischen Wettbewerb in der Hauptstadt zusammengeströmt und acht Tage lang wird ganz Rom im Zeichen dieses ausgewählten 14- bis 18jährigen Rachwuchses der Partei und ihrer Kerntruppe fteben. Der jugendfrische Generalleutnant der Miliz. Ricci, der als Präsident der „Opera Nazio- nale Balilla", des faschistischen Iugendwerks und als Anterstaatssekretär im DolkserziehungsmiNi- fterium die Seele der Jugenderziehung ist, hat das Kommando über das Feldlager selbst übernommen und mit seinem Stabe inmitten der jungen Schwarzhemden ein Zelt bezogen.
Im Lager geht alles streng militärisch her, denn der Zweck der Hebung ist nicht nur die körperliche Ertüchtigung der Jugend, sondern gleichzeitig ihre militärische Ausbildung. Auf einem Gebiet von etwa 250 000 Quadratmeter stehen über 5000 Zelte in Reih' und Glied, nach Legionen geordnet, dazwischen rauchen die Feldküchen. Die einzelnen Kommandoftellen sind durch größere Zelte kenntlich, daneben sieht man Feldtelephone, den Feldtelegraph, die Feldpost. Sanitätsabteilungen, Werkstätten, kurz alle«, was zu einer Truppe gehört. Die Avanguardisti geben sich mit einem Feuereifer den Freuden des Lagerlebens hin: die einzelnen Abteilungen versuchen, einander an Leistungen aller Art zu übertreffen. Aber auch der Frohsinn kommt zu feinem Recht. Die leitenden Stellen haben den Ansporn, der in diesem Wettbewerb liegt, ganz richtig erkannt und der erste Versuch eines großen Feldlagers in Rom, das int vergangenen Jahre etwa 15 000 Iungmannen umfaßte, hat die Erwartungen gerechtfertigt. Es ist daher anzunehmen, daß diese Hebungen nun jährlich wiederholt werden.
Rom ist sicherlich nicht zufällig zum Sammelpunkt gewählt worden, denn hier bietet sich die Möglichkeit, den Sendboten au^ allen Teilen des Reiches in einem aufnahmefähigen Alter das Erlebnis der Hauptstadt zu vermitteln, die nach dem Wunsche Mussolinis immer mehr zum Mittelpunkt des gesamten italienischen Lebens werden soll. Hinzu kommt, daß die Avanguar- disti in Rom ihren obersten Führer in eigener Person kennenlernen und vom Duce einen lebendigen Eindruck mitnehmen.
Die eigentlichen Hebungen bestehen in einem Wettlauf mit Hindernissen, Speerwerfen, Geländemarsch, Derbandsexerzieren. topographischen Ausgaben für die Gruppenführer u. dal. m. Den Schlußakt bildet eine große Parade. Die Ratur hat überdies dafür gesorgt, daß die Iungmannen auch mit den Hnbilden der Witterung tüchtig vertraut werden, beim gleich in der ersten Rächt ging ein heftiges Gewitter mit echt römischem Platzregen über dem Zeltlager nieder. Reuerdings wird bei der vormilitärischen Ausbildung der Iu- genb großer Wert auf die Heranbildung eines . zuverlässigen Stammes von Z u g f ü h re rn gelegt. da es an Instrukteuren mangelt. Die angehenden Zugführer machen in ihren Standorten besondere Führerkurse durch und werden bann in den Provinzialhauptstädten einer strengen Schluhprüsuna unterzogen. Das Generalkommando der Miliz hat außerdem Vorkehrungen getroffen, daß diese Zugführer bei Erreichung der Altersgrenze nicht mehr in die Miliz eingereiht werden, sondern bei den Abteilungen der Iungmaimen oder der Knaben als Ausbildungspersonal verbleiben. Bei den großen^ Sammel- übungen in Rom haben diese Zugführer ihre Befähigung zur selbständigen Führung zu er- weisen.
Roch amtlichen Angaben betrug die Zahl der Avanguardisti -um 28. Februar des Jahres VIII faschistischer Zeitrechnung 395 708. Sie gliederten ikch zu der Zeit in 616 Legionen, denen 6050 Milizoffiziere, 20 000 Instrukteure, 16 000 Zug- hrer, 2572 Sanitäter und 1035 Kapläne zu- geteilt waren. Diese Zahl hat sich inzwischen um etwa 20 000 erhöht, da am 27. April zwar 90 000 Avanguardisti in die Miliz eingereiht wurden, dafür aber 110 000 Balilla in die Abteilungen der Avanguardisti aufgerückt sind. Die Balilla- Stufe umfaßt die Knaben voni 8. jid zum 14., die Avanguardia— die Iungmannen vorn 14. bis zum 18. Lebensjahr. Der Uebetgang zur Avanguardia und zur Miliz, die sog. faschistische Aushebung, wird immer mit großer Feierlichkeit vollzogen. Die „Leva Fa- schista*, die in diesem Jahr zum vierten Male vorgenommen wurde, hat eine besondere Bedeutung bekommen, seit die Aufnahme in die aschistische Partei überhaupt nur noch über liefe Jugendorganisationen erfolgen irm. Je strenger btt Anforderungen für die Parteimitgliedschaft geworden find, desto sorg- öltiger erfolgt natürlich schon die Auswahl unter den Balilla und Avanguardisti, und zwar unter moralischen, physischen und nicht zuletzt — unter politischen Gesichtspunkten. Trotzdem wachsen die einzelnen Jahrgänge bisher noch ständig: 'm Jahre 1927 umfaßte Die Aushebung 47 000 Avanguardisti und 60 000 Balilla, ein Jahr später lauteten die Zahlen 75 000 bzw. 85 000; 1929 betrug das Kontingent schon 89 700 bzw. 104 000 und im lausenden Jahr, wie gesagt, 90 000 Avanguardisti und 110 000 Balilla.
In der faschistischen Presse ist vor einiger Zeit die Frage aufgetaucht, ob es wirklich ratsam lei, den Avanguardisti bei ihrem Heb er tritt zur Miliz, also in einem verhältnismäßig jungen Alter, die Parteikarte auszuhändigen und sie damit in den vollen Genuß der Rechte und — waS vielleicht schwerer wiegt — Pflichten des eingeschriebenen Parteimitgliedes zu setzen. Man hat einer Heraufsetzung der Altersgrenze bis zum 21. Jahr das Wort geredet und die Aufnahme in die Partei erst nach dreijähriger Dienstzeit in der Miliz zulafsen wollen. Zunächst scheint aber alles beim alten zu bleiben. Der Faschismus will ja „die Herrschaft der Jungen^ sein. Die Aushebung ist dementsprechend ein Fest der Jugend, verbunden mit Paraden und klingendem Spiel und wehenden Fahnen. Die Aufnahme der betreffenden Jahrgänge in die nächste Stufe, bte Miliz ober die Avanguardia, erfolgt immer in symbolischer Weise. Die Avanguardisti werden dazu in den Provinz Hauptstädten, die Balilla in ihren Gemeinden zusammengezogen. Der Feier wohnen alle verfügbaren Abteilungen der drei Stufen
3m$elMager der fasWischenZungmannen
Don unserem v. O.-Derichterstatter.


