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Nr. U2 Awettes Blatt

Mittwoch, U. Mai (950

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

ommer-

Ein

Nachdruck verboten.

11. Fortsetzung.

SaffiiidJ. .Lr.

und auf

nicht aufdringliche Ringe zierten.

Emmerstorfs war nachdenklich geworden, wenig unvermittelt fragte er sie:

Wie alt find Sie^

Sie hob den Kopf und sah ihn voll an.

Siebenundzwanzig Jahre", erwiderte sie, in diesen paar Worten lag ein Verzicht

Das war das letztemal, daß ich in meiner Hei­mat war."

Sie hielt inne und sah auf ihre schlanken

Finger, die ein paar glitzernde, aber durchaus

Der bekannte norwegische Hordpol- forscher Dr Fridtjof Hänfen ist gestern in Alter von 69 Jahren in Oslo ge- Deary° Byrd Wilkins. Robile und Amundsen wieviel wiegen die Hamen dieser Männer die da« höchste Ziel des Polarforschers erreicht, den Hordpol betreten oder überflogen haben, gegenüber dem einen Hamen Sriötjof Hän­fen, der in der ganzen Welt mit Bewunderung und'Verehrung genannt wird, ohne dah er je Den Traum feines Lebens erfüllt sah. Mit ihm geht der He stör der Polarforschung dahin, die in den Jahrzehnten vor dem Krieg in immer neuen Anläufen den Weg nach der nördlichsten Spitze unseres Planeten bis zu Ende zu gehen versuchte, ein Mann, der mehr war als ein Bezwinger der Haturkräste, ein Held des Aden- teuers eine Leuchte der Wissenschaft, ein Be- reicherer der Menschheit - er war auch ihr Freund, er kannte ihre Hole, und er steht nicht nur für alle Zeiten im Pantheon der groben Entdecker und Weltfahrer, sondern auch der Wohltäter der Unterdrückten. Hach dem Krieg, als die sprunghafte Entwicklung der Verkehrs­mittel die Methoden arktischer Forschung um­stürzte. al« an die Stelle von Seglern und Hundeschlitten Flugzeug und Luftschiff ^ten, und eine Expedition zum Pol, die sruher Jahre erforderte, in einem Flug von sechzehnstündiger Dauer absolviert werden konnte, war die Zeit für den Polarsahrer Hansen freilich vorbei, aber et hat nicht ausgehört, unermüdlich der Sache zu dienen, der er sein Leben geweiht hatte. Erst im Hovember 1926, als dieInternationale Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff die Träger der klangvollsten Hamen in der Reichshauptstadt versammelte, stand Fridtjos Hansen als Präsident des Kon­gresses im Mittelpunkt. Man konnte unter feines- gleichen keinen Würdigeren Herausstellen: er, der einst im Triumphzug von ferner großen Fuhrt durch die Polartrist heimgekehrt war, lebte noch im Bewußtsein der Menschheit, deren Dank er sich kurz zuvor durch sein humanitäres Wirken für die Sache der unterdrückten Armenier verdient hatte.

Durch Hacht und Eis" heißt das Buch, das die Jugend aller Länder in atemlofer Span­nung in sich aufnahm: eine moderne Odyssee, in alle Sprachen der Welt übersetzt, Die von Der beispiellosen Fahrt eines Mannes Durch Die Ein­samkeit Der Hordpolarregion erzählte. Hansens Lebensweg wies, und Darin ist wohl Der GrunD seiner beispiellosen Popularität zu suchen, alle Stationen auf, zu Denen ihm eine begeistcrungs- sähige 3ugcnD folgen mußte. Als er noch Die Schulbank drückte, war er alles andere als ein großes Licht: in feinen Entschlüssen war er stets überaus bedächtig und langsam, und oft sagte feine Schwester, wenn er wieder mit dem Anziehen am Morgen zuviel Zeit vertrödelte:Aus dir wird im Leben nichts mit deiner ewigen Saum­seligkeit!" Aber hinter dieser Bedächtigkeit ver­barg sich ein starker Wille, eine unbeugsame Energie. 3m Hause seiner Eltern, die auf einem Gut bei Oslo lebten, Fridtjof Hänfen wurde am 10. Oktober 1861 als Sohn eines Juristen geboren wurde er schon -frühzeitig gegen jede Unbill der Witterung abgehärtet. Bei Sonnen- fchein oder Sturm mußte er den drei Kilometer langen Weg zur Schule täglich zu Fuß zurück-

legen. Das bedeutete eine tägliche Marsch­leistung von 12 Kilometer, eine Hebung, die den Knaben Fridtjos zu einem vorzüglichen Fuß­gänger machte, dem Müdigkeit ein fremder Be­griff war. 3m Winter trieb er fleißig Schnee- fchuhfahrten. für die er eine besondere Begabung mitbrachte. Seine Skifahrten erlangten bald in Der kleinen Welt, in Der er seine erste 3ugenD verbrachte Berühmtheit Bei Der Ueberquerung

Konstanze.

Roman von Karl Heinz Voigt.

Urheder-Rechtsfchutz Verlag Oskar Meister. Werdau

Fridtjof Nansen.

Dontiefen Schluchten und unheimlichen Abgrün­den seiner Heimat vollbrachte er schon damals unglaubliche Leistungen. Duß er bei so aus­gedehnter körperlicher Betätigung nicht viel Zeit und 3ntercffe für die Schule aufbrachte, ist nur natürlich: aber wenn es darauf ankam, auch auf geistigem Gebiet etwas zu leisten, wußte er wohl seinen Mann zu stehen. Als es für ihn galt, ein gutes Abgangszeugnis Heimzubringen, bemerkten seine Lehrer mit Erstaunen, daß ihr bis dahin ziemlich unterschätzter Schüler es mit Leichtig­keit aus die beste Hole brachte.

Hänfen bezog Dann die Hniversität Christiania, um die Lieblingssächer feiner Schulzeit, die Ha- turwissenschasten, besonders die Zoologie, zu studieren. Schon als Einundzwanzigjähriger trat er als Schifsszoologe derWiking" eine größere bereise in die arktischen Gewässer an. Diese Fahrt war bestimmend für sein ganzes Leben. Jetzt lernte er das Polarmeer kennen, und der Zauber, den die neue Welt auf ihn ausübte, ließ ihn zeitlebens nicht mehr los. 3m 3ahre 1888 konnte er dann einen langgehegten Wunsch ver­wirklichen: seine Fahrt durch das grönländische Binneneis. Die Gelehrten hatten jahrelang zu arbeiten, um Die Beobachtungen auszuwerten, Die Fridtjof Hansen auf diesem bis dahin un- betretenen Gebiet gemacht hatte.

Hach solchen Vorbereitungen holte Hansen wr großen Tat seines Lebens aus. Als er Der

die Herrlichkeiten dieser Welt.

Dann sind Sie noch jung genug, 3hr Gluck als Künstlerin zu erreichen."

Sie rang in etwas komischer Verzweiflung ihre weißen Hände, daß Die Gelenke leise krachten.

Aber wie soll man Denn hochkommen, bei all Dielen entsetzlichen 3ntrigen. Man hat Den besten Wunsch, zur künstlerischen Reife zu gelangen, aber wenn man nicht skrupellos unD egoistisch bis zum Ekel 'st. kommt man ganz einfach auf keinen grü­nen Zweig." _

Haben Sie Denn gar keinen Fürsprecher c

Die hätte ich, wenn .. 3ch bin nicht dazu ge­schossen. mich zu verkaufen."

Aber jede große Darstellerin ..."

Sie unterbrach ihn.Es gehört auch Glück zu manchem

HnD nun sind Sie ganz aus sich angewiesen < - Haben Sie gar keinen Freund, ich meineehr­lichen Freund." Er betonte Die letzten beiDen Worte.

Sie schüttelte Den Kops. Daß Funken sprühten aus ihrem flammenDen Haar.

Er ließ ihr keine Zeit zur Antwort unD sagte noch

Ich denke Da an diesen Herrn Warburg."

Er ist vielleicht Der einzige Mensch, Der es gut mit mir meint, wenn auch auf seine Weise.

Herr Warburg war früher bei uns beschäf­tigt' warf Lothar Dazwischen.Er tourDe in jener Zeit entlassen in Der_ wir unseren Betrieb stark einschränken mußten Soviel ich mich erinnere war er ein tüchtiger Mensch."

Er ist schon lange ohne Stellung.

Wovon lebt err*

3ch muß für ihn arbeiten.

Lothar sah sie verständnislos an. Sie merkte das und blieb die Erklärung nicht schuldig.

,3ch gebe ihm einen Teil meiner Gage."

Sind Sie ihm verpflichtet?"

3a und nein! - 3ch habe ihn gern, unD er liebt mich mit einer ©ütenDen Heftigkeit."

3n ihr Gesicht trat jetzt ein seltsamer Zug. Lot­har konnte sich nicht erklären, was Die Verände­rung dieses Antlitzes ausdrückte. Sie mochte sich wohl an irgend etwas erinnern. Das diesen Aus­druck in ihr Gesicht zauberte.

Sie sprach jetzt sehr leise und es war, als rede sie mehr mit sich selbst, als mit Dem Mann neben

Fridtjof Nansen f.

Der norwegische Polarforscher und Menschenfreund

Don Otto Urmacher.

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ihr, dessen große Augen nur noch Verlangen unD verhaltene Leidenschaft waren.

Diese Frau gab immer neue Rätsel auf.

LuDwig Warburg ist wohl mein Untergang, flüsterte sie, wobei es in ihrem Gesicht zuckte.Die Stunde, da ich diesen Mann fcnnenlemte, wird für mich die entscheidende gewesen sein. 3ch fühle, dieser Mann wird mein Tod."

Das ist Theater", empfand Lothar Emmer­storff und schwieg.

Zwei Jahre folgt er mir nun schon wie mein Schatten. Das schlimmste aber ist, ich kann diesen Schatten nicht von mir abschütteln. 3d) kann nicht." Diese Worte waren ganz laut gesprochen und klangen im Gegensatz zu dem vorherigen Flüsterton fast wie ein Schrei.

Emmerstorff erschrak. 3hre Augen waren groß und unnatürlich flackernd und es schien, als zün­gelten Schlangen mit spitzen Zungen um ihr blutiges Haupt.

Ludwig war für kurze Zeit selbst beim Film", erzählte sie weiter.Doch es wurde öort nichts aus ihm. Er war leichtsinnig und betrachtete die Kunst mehr als ein Vergnügen. Hnd solche Men­schen, sehen Sie, sollten niemals der Kunst zu dienen suchen."

Emmerstorff nickte unD fragte sich heimlich, ob sie selbst es wirklich so ernst nehme mit ihrem Beruf, wie man aus Diesen Worten hätte schlie­ßen können.

Bei einer Aufnahme DerLustigen Witwe" lernte ich ihn kennen. SeitDem hängt er sich an meine Fersen unD ich komme nicht mehr los von ihm. Er verfolgt mich mit einer Eifersucht, der alles, was meine Person betrifft, zum Opfer fällt Er Duldet nicht, Daß man sich mit mir be­schäftigt. 3a. selbst wer mir Gutes tun will. Dem hat er Den Untergang geschworen. Er ist ein armer Fanatiker."

Lothar tommerftorff tourDe nachdenklich.

Lieben Sie ihn?"

Sie zuckte Die Achseln.3d) möchte nicht ohne chn sein und Doch habe ich Das Verlangen, Die Ketten von mir abzuwerfen. 3ch fürchte mich vor ihm."

Lothar lachte wie ein großer Knabe. Aber nach einem Blick in 3ulia« Gesicht verstummte fein Lachen. Beide schwiegen.

Die Kapelle spielte eine Phantasie ausMar­tha" Emmerstorff hörte diese bekannten Melo­dien nicht. Er lauschte in sich hinein. Dort klang ein Lied, irgendwo schon einmal gehört, aber undeutbar und völlig unirdisch.

Da trafen sich chre Blicke wieder. Sie hatte wohl die abgerissenen Worte in Gedanken wei­tergesponnen und sagte nun.

Hüten Sie sich vor Warburg!"

Der Ton in ihrer Stimme, Der Bestimmtheit verriet, machte chn stutzig. Dann aber siegte seine gesunde Hnbekümmertheit und völlig frei von

Öffentlichkeit seinen Plan mitteilte, sich von den Heuen sibirischen 3nseln über Den Hordpol oder in seiner Hähe vorbeitreiben zu lassen, waren die Fachleute entsetzt. Der Anlaß, D*in Hansen die Anregung dazu verdankte, war seltsam ge­nug 3m 3<chre 1884 hatten drei grönländische Walfischsänger im Iulianahaad-Fjord einen merkwürdigen Fund gemacht. Ein Rabe um­kreiste lange Zeit eine Eisscholle, und als sich die Drei Der Stelle näherten, sanden sie einen Strumpf und andere Kleidungsstücke auS dem Eis hervorragen. Als man die Dachen genauer untersuchte, stellte sich heraus, daß sie den un­glücklichen Leuten der .3 ea nette" gehörten, die Drei 3ahre vorher nörDlich von Sibirien, also am entgegengesetzten Ende, ums Geben gekommen waren. Man folgerte daraus, daß eine Meeres­strömung aus der Richtung der neusibirischen In­seln über den Hordpol oder an ihm vorbei nach der Ostküste von Grönland oerlaufen müsse. Hnd Hansen hatte seinen Plan fertig. Diesen Strom wollte er ausnutzen und, indem er von Den neu- sibirischen 3nfeln seinen Ausgang nahm, Den Pol erreichen Zu diesem Zweck ließ er sich die Fr am" , ein ungewöhnlich starkes Schiff, bauen, das so konstruiert war, Daß Das Gis Den abge­rundeten Schisssleib nicht fassen konnte. Von zwölf ausgesuchten Horwegem begleitet, verließ Hansen am 22. 3uli 1893 Vardö, suhr hinaus an die sibirische Küste, ins Karische Meer, am Kap Tscheljuskin vorbei. Rordlich des Lena-Deltas fror dieFram" ein. Hun begannHacht und Gis", ein endlos langer Winter. Gr tourlk' mit ernster wissenschaftlicher Tätigkeit verbracht. 3n- zwischen trieb das Schiss mit Dem Gis nach Hor­den, nach Westen, bald schnell, bald langsam, und so verging Monat um Monat, bis Hansen Daran Denken konnte, Den entscheiDenden Schritt zu wa­gen. Zusammen mit Hjalmar 3 obanfen, mit Skiern, Schlitten unD leichten Kajaks für die See ausgerüstet, ging er Mitte März 1895 von Bord.

Hun begann ein kühner Marsch, eine der groß­artigsten Leistungen in der Geschichte der Ent­deckungen Für fünszehn Monate tauchten die beiden Männer mit ihren Hunden und Schlitten unter in die Einsamkeit Der HorDpolarregion. Gibt es Worte, Die Anstrengungen zu schildern, Die ihrer harrten?Gs kam vor, Daß ich wäh­rend des Gehens schlief und davon aufwachte, daß ich vornüber auf die Schneeschuhe stolperte." Selbst wandelnde Eisklumpen, die erst abends im Schlafsack langsam auftauten, kampierten sie Tag um Tag auf Dem Eis, mit Dem sie fortgesetzt nach Süden trieben. 3nfolgedessen beschlossen sie, umzukehren und sich auf Franz-Iosephs- Land zurückzuziehen. Unter unsäglichen Stra­pazen gelangten sie im August endlich ans Ziel, wo sie dreiviertel 3ahr lang ins Winterquartier gingen. 3m Mai 1896, mit Beginn des Früh­lings, der das Meer öffnete, brachen sie wieder auf. Einmal trieben ihnen in einem unbewachten Augenblick die Boote ab. Ein furchtbarer An­blick! Aber Hänfen riß sich Die Kleider ab, stürzte sich ins Wasser und schwamm Den Kajaks nach, Die alles bargen, was Die BeiDen besaßen. Kurz Darauf trafen sie unerwartet mit Der Expe­dition des Engländers 3 a ck s o n zusammen, Die seit 1894 aus Franz-Iosephs-Land weilte Sechs Wochen später fuhren Hänfen und 3obanfen mit 3ackfons ProviantfchifsWindward" heimwärts. Ihr Telegramm, das sie in Bardo aufgaben, löste die Spannung der Welt. Waren sie auch nicht an dey Pol gekommen, so hatten sie doch 86 Grad 13'6" erreicht, den höchsten Punkt, bis au dem die Forfchung vorgedrungen war. Kurz Darauf traf Die Rachricht von derFram" ein, Die mittlerweile bis 85 Grad 85' gekommen war unD Damit ebenfalls einen Rekord für Fahrzeuge auf gestellt hatte Hansens Heimweg war em

beispielloser Triumphzug. an Dem Die ganze Welt teilnahm, in Der er Drei 3ahre lang für ver­schollen gegolten hatte Wieder waren Jahr« nötig, um Die wissenschaftlichen Ergebnisse Die­ser Forschungsreise auszuarbeiten.

Hinfort lebte Hansen ganz feiner wifsenfchaft- lichen Tätigkeit unD unternahm noch mehrere kleinere Erpedittonen in Die Polargebiete 3m Krieg erwarb er sich neue, unauslöschliche Ver» Dienste um Die Fürsorge für Die Kriegs­gefangenen unD Die Ernährung Der Hun- gernDen unD Die Herbeiführung DeS Frieden-. 1922 erhielt er Den Hobel-FrieDenspreiS DaS Bild dieses großen Norwegers wäre unvollstän­dig. wollte man Die warme Freundschaft ver­gessen. Die er auch in schwerer Zeit für deut­sches Land und Volk empfand.

Trauer in Norwegen.

Das Ableben Fridtjof Hansens ist, einer ergänzenden Meldung aus Oslo zufolge, ganz unerwartet erfolgt. Der Forscher starb an einer Herzlähmung Er war eine zeitlang ernstlich krank gewesen, hatte sich aber bereits wieder recht gut erholt und konnte gestern daS Bett verlassen. Gestern früh hatte er noch eine Be­sprechung mit seinem Bruder, Dem inDessen nichts besonderes ausfiel.

Alle Zeitungen erscheinen mit TrauerranD. 3n den Hochrufen wird Der bedeutenden Leistungen Hänfene, als Wissenschaftler und Polar­forscher sowie seiner lebhaften Anteilnahme an internationalen Angelegenheiten, besonders am Völkerbünde, gedacht 'Der Sterling toirh heute zu einer außerordentlichen Sitzung zu­sammentreten, in der der Präsident eine Trauer­rede aus Hansen halten wird. Heber die Bei­setzung ist«noch kein Entschluß gefaßt worden.

Hansens Heimgang Hai allenthalben im Lande tiesste Teilnahme ausgelöst. 3n Oslo wurden Die Flaggen auf Halbmast gefetzt. Hansens alter Mitarbeiter, Der bekannte Polarforscher Otto Sverdrup, sagte, eS sei ihm unmöglich, sich zu Dem Verlust zu äußern, er könne nur sagen. Der Verlust sei unersetzlich für jeDermann. Grst- minifter Mowinckel hat Das Wort gesprochen: Herwegen hat seinen besten Sohn, die Welt einen guten Bürger verloren!

Kunst und Wissenschaft.

Lin Bunb rheinischer Dichter.

Ein Treffen der rheinifchen Dichter in Bad Kreuznach am 9. und 10. Mai gatt der Beratung über die Frage einer engeren Organi­sation und der Vorbereitung einer größeren Ta­gung, die Anfang Oktober d. 3. Im Industrie- jebiet stattfinden soll. Die eingehende Beratung ührte aus Grund eines einmütig gefaßten Be- chlusses zur Gründung eines Bundes rheinischer Dichter. 3n den Dundesaus- schuß wurden gewählt: Reinhard G o e r l n g , Adolf von Hatzfeld, 3akob Kneip, AlfonS Paquet, D. H. Sarnetzki, Renö 8 chickele und Vershosen. Der Bund beschloß eine ak­tive Stellungnahme zu den Fragen des rheini­schen Kulturlebens. Die Tagung war stark besucht und verlief äußerst harmonisch. Von wenigen Ausnahmen abgesehen waren sämtliche promi­nenten Köpfe der rheinischen Literatur erschienen. Man sah außer den Genannten Herbert Eulen­berg, Heinrich L e r s ch, Leo Sternberg und eine Reihe weniger bekannter Dchriststeller. Die Tagung schloß mit einem gemütlichen Zu­sammensein in den Räumen des Bad Kreuznacher Kurhauses

Bedenken zeigte er lachend sein starkes und regel­mäßiges Gebiß.

Ich fürchte mich nichtI"

Er erhob fein Glas und setzte es an die Lippen.

3ch warne Sie vor Warburg!"

Der 'Dein auf seiner Zunge verwandelte sich in Blut. Ein fader Geschmack war im Munde. Hnwillig setzte er *a8 Glas nieder.

Was wollen Sie eigentlich damit sagen?" fragte er etwas verstimmt.

Ludwig Warburg ist jähzornig und macht keine Ausnahmen!" Wieder brach sie rätselvoll ab.

Er schob die auskommenden Gedanken mit der Hand beiseite.

Wir wollen jetzt von der Zukunft reden. 3d) werde also gleich morgen mit Professor Meiringk sprechen. Ich garantiere 3hnen, Sie haben binnen vierzehn Tagen ein glänzendes Engagement mit einer Gage von eintausend Mark pro Monat. 3st 3hnen das recht?"

Sie antwortete mit einer Frage:Hnd meine Gegenleistung?"

Sie müssen mir erlauben, 3hnen täglich Blu­men senden zu Dürfen. HnD Dann müssen Sie mir Die Freude machen, öfters mein Gast zu fein und 3hnen manchmal kleine Heberraschungen bereiten zu Dürfen. Damit will ich zufrieden fein."

. Sie antwortete nicht gleich, ließ seine Worte auf sich wirken, während er in ihren opalisieren­den Augen forschte. Schließlich reichte sie ihm ohne Geziertheit die Hand.

3ch danke 3hnen."

Er führte ihre zerbrechlichen Finger an die Lippen und begann Die zarten Gelenke zu küssen.

Dann sah er, Daß sie irgenD etwas beschäftigte, das sie wohl nicht auszusprechen wagte. Er fragte sie direkt und sie wurde verwirrt, daß er Gedan­ken erraten konnte.

3d> habe eine Bitte", gab sie schließlich zu. Könnten Sie Ludwig Warburg eine Stellung verschaffen?" Eine feine Röte vedeckte wie ein Hauch ihre Wangen.

Er überlegte kurz. Ohne Worte zog er eine Besuchskarte aus feiner Brieftasche, schrieb mit rascher Hand ein paar Worte auf die Rückseite und übergab sie 3ulia.

Sie sollen mir ein lieber Freund sein. Sie werden mich nicht undankbar finden.

Er fühlte wieder ihre weiße feine Hand. Er blickte sie an. Da' ... Was war das 3hr Ge­sicht veränderte sich. 3hre Züge wurden zu ande­ren, vertrauteren Zügen. Konstanze faß Dort vor ihm. Er hielt noch immer ihre Hand in Der feinen. Diese Frauenhand war jetzt kalt und ganz dünn. Es ist die Hand einer Toten", dachte er und es wurde mit einem Male kalt und still um ihn. Die Geigenklänge des unsichtbaren OrchesterS wurden zu Mißtönen.

(Fortsetzung folgt) k

Er fabelte irgend etwas von einem Gesicht, das besonders geeignet sei, vom Licht der 3u- piterlanrpen beleuchtet zu werden. Redete von der Ebenmäßigkeit meines Körpers und solch Dummen Sachen. Die ich schon hundertmal ge­hört hatte 3ch sprach mit meinen Elfem Dar­über. Sie zürnten, sie drohten, sie warnten, sie baten und weinten schließlich. Vichts half Ich ging, wohin ich glaubte, gehen zu müssen, zu ihm, nach Berlin."

Hierher?" fragte Lothar, einigermaßen über- rascht

Sie nickteEr stellte mich wirklich ein als Schauspielerin. Ich hatte mir ja alles so anders vorgestellt Ich dachte, ich konnte in seine Arme fliegen Glückstrahlend werde er mich ausneh­men - mich, seine Braut ." Sie lachte und dieses Lachen klang wild und ungezügelt.Richts von alledem! Er begrüßte mich sehr höflich und zuvorkommend, aber geschäftsmäßig kühl, emp­fahl mich weiter an verschiedenen Stellen. Ich durfte mimen Erst kleinere Rollen, Dann größere, manchmal wirklich ein paar dankbare Aufgaben."

Hnd er?" /

Er?" Wieder gellte ihr flatterndes Vad^n Ein harter Zug läg um ihren ein wenig zu vollen MundIch sehe wn nur ganz flüchtig manchmal bei Den SzenenebefvxechLngen Er gibt mir An­ordnungen wie jeder anderen gleichgültigen Film­see. sehen Sie Ich mochte wetten, er kennt nicht einmal meinen richtigen Hamen.Julia Koro- miyky", ist nämlich nur mein Künstlername Ich heiße eigentlichMargarete Müller" Ganz ohne jede Poefie, nicht?" Ihr Lachen verlor sich in einem langen Blick in Emmerstorffs gespannte Augen

Sie sog an ihrer Zigarette, Die sie zierlich zwi­schen Den spitzen Fingern balancierte.

Sie schwiegen eine Weile Es war, als huschten ihre Gedanken als unsichtbare Wesen umher

HnD Ihre Eltern?" fragte er nach tiefem Sinnen.

Sie machte ein ernstes Gesicht unD vor ihre Augen legte sich ein Schleier Es war, als sähe sie in fernsten Fernen Das. von Dem sie nun sprechen würde

Meine Eltern wurden allmählich zufrieden mit meinem Los Sie haben sich damit abgehm- den und ich besuchte sie öfter. Dann starb meine Mutter. Es war Der traurigste Tag meines Lebens. Mein Vater folgte ihr sehr bald nach.

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