nahe bet 'Berliner Börse der Zirkus Hagen- b e ck.
Lorenz Hagrnbeck ist mit seinem Zirkus vorwiegend durch Amerika gezogen, wo übrigens auch andere Zirkusdirektoren deutscher 2ll>tunst Lorbeeren geerntet haben. 3m Dezember 1926 starb in Florida der sechzigjährige Charles Ring 1 ing, der Mann, der Den größten Zirkus der Welt, Barnum und Bailey, „aufge- sressen" hat. Die Brüder Ringling stammen von württembergischen Auswanderern, die vor einem 3ahrbundert als Zirkusmusikanten nach Amerika pilgerten und dort Karriere machten. Welches der größte deutsche Zirkus ist, kann man schwer sagen. Vor ein paar Jahren prozessierten Krone und Sarrasani miteinander um das Recht, sich in den Znseraten als größtes Zirkusunternehmen zu bezeichnen. Sie trafen sich dann 1926 in Hamburg, ließen sich in ein Hotelzimmer ein* schließen und unterzeichneten dort einen Frie- densschluh, durch den der Reklamekrieg beendet werden sollte. Das Protokoll des Abkommens wurde leider nicht veröffentlicht.
Aus ver provinzialhauptstadt.
Gießen, den 14. März 1930.
Oie Ausreden
Es gibt Leute, die alle Ausreden in Grund und Boden verdammen und ihnen die größte Schuld bei Zwistigkeiten und Zerwürfnissen zuschieben. Anderseits aber werden die Ausreden als besänftigendes Mittel gepriesen, denn man sagt: „Eine gute Ausrede ist mehr wert als eine schlechte Wahrheit". Wie dem auch sei, wir müssen uns damit abfinden, daß die Ausreden da sind, daß wir sie gebrauchen, Und aud> du, lieber Freund, der du immer so auf die Ausreden schiltst, hast du dich wirklich noch nie im Leben durch eine solche Wendung retten wollen? Hand auf's Herz! 3a, oder nein! Rur keine Ausrede!... Siehst du!
Solange die Welt besteht, solange es Menschen gibt, erscheinen auch die Ausreden. Oder war es vielleicht keine, als Adam bei der bekannten Apfelnäscherei sagte: „3ch bin nackt, darum versteckte ich mist." Oder weiter: „Das Weib gab mir von dem Daum, und ich aß." Und Eva setzte die Folge der Ausreden fort und schob alles auf die Schlange. So ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Solange Menschen auf Erden wandeln, wird es auch Ausreden geben.
3ch mußte mir vor ein paar Tagen einen neuen Binder kaufen. 3n dem Geschäft wurden mir so viele vorgelegt, daß mir die Auswahl wirklich schwer wurde. 3n allen Farben, vom unschuldigsten Weiß bis zum tiefsten Schwarz, mit Schattierungen in allen Farben, gestreift und tariert, ineinanderfließend und punktiert, jede mögliche Farbenzusammenstellung wurde hier geboten. Auf dem Heimweg fiel mir ganz unwillkürlich ein Vergleich ein: 3st es mit den menschlichen Ausreden nicht ebenso, wie mit den Bindern? Leuchten sie nicht auch in allen Farben und Formen, vom unschuldigsten Weih bis zum dunsten Schwarz?
Da sind die kindlichen Ausreden. Die Mutter tritt ins Zimmer und sieht zu ihrem Schrecken, daß eine schöne Kaffeetasse zerbrochen auf der Erde liegt. 3ßr kleines Kind spielt im Zimmer. Auf die Frage, ob es die Tasse her- untergeworfen habe, antwortet es ganz unschuldig: „Die ist ganz von selber herunter* gefallen!"
Dann die Sch ule rausreden! Wir hatten einen alten Lehrer, der auf jede Entschuldigung unsererseits mit der gleichbleibenden Antwort quittierte: „Das können wir glauben oder nicht. Wir glauben es nicht!" Er lieh sich auf nichts ein, auch wenn wirklich einmal der Zug Verspätung hatte. 3a, die Schülerausreden, sie schillern auch in allen Farben. Was legte man sich nicht alles zurecht und freute sich dann, wenn es geglaubt wurde, d. h. der Lehrer tat wohl nur in den meisten Fällen so. Einmal war es uns nicht gut gewesen, ein andermal hatten wir ein Buch verlegt, dann wieder hatten wir geglaubt ...
Die Schüler werden 3ünglinge, die Schülerinnen 3ungfrauen, aber die Ausreden bleiben. Die nehmen nur eine andere Form an, werden geschickt abgefaht und manchmal sogar geglaubt. 3n der Ehe aber hören sie auf? Wenn die Suppe versalzen, ober der Braten angebrannt ist, die Milch überläuft, oder bad elektrische Licht nachts durchbrennt, ist die Frau nie schuld. 3mmer muh eine Ausrede helfen. Und der Mann, der spät nach Hause kommt? Hat er nicht eine wichtige Sitzung gehabt? Hat sein Freund nicht heute Geburtstag gefeiert? Moderne Märchen fangen immer so an: „Die Sitzung hat so lange gedauert ..." „3ch konnte immöglich die entscheidende Konferenz versäumen .."
Wohin bu schaust, wohin du hörst, mehr als die Hälfte aller Entschuldigungen sind Ausreden. Eine Ausnahme bilden höchstens ältere Leute, die fast gar feine Ausrede gebrauchen. Sie gehen der Sache auf den Grund und sagen die Wahrheit, oder — schweigen. Aber alle andern versuchen es zunächst mit einer Ausrede. Eigentlich sind ja die meisten Ausreden Lügen, wenn auch oft Notlügen. Kommen sie aber gar zu tölpisch heraus und wird bann noch von uns verlangt, daß wir sie glauben sollen, so ist das schon eine kleine Beleidigung. In Den meisten Fällen sind wir aber zu gutmütig, um den Sprechenden bloßzustellen. Wir tun so, als ob wir es glaubten. Oder wir lassen den Sünder solange reden, bis er von selber merkt, wie lächerlich er sich mit den Ausreden, macht.
Wäre es nicht besser, die Ausreden beiseitezulassen und bei der Wahrheit zu bleiben? Aber bei Verspätungen, bei nicht erfüllter Pflicht, scheint heutzutage jedermann überhaupt zunächst eine Aus- rede zu erwarten. Ja, viele sind sogar schon gespannt und denken: „Wie wird er sich diesmal herausreden?" Daß bann auch einmal einer kommt und lagt, wie es wirklich war, bas wirkt bann wie eine Ueberraschung. So hat man sich schon an Ausreden gewöhnt. Aber nötig sind sie gewiß nicht.
K.T.
Seht Tiere nicht aus!
Der Gießener Tierschutz-Verein, Kaiserallee 1, schreibt uns:
Mancher Tierbesitzer ist gezwungen, sich von seinem Tier zu trennen, sei es, bah er die Steuer nicht mehr zahlen kann, sei es, bah er keinen Platz mehr für bas Tier hat, sei es, bah bas Tier krank ist. Wer sein Tier verkaufen ober verschenken will, vergewissere sich vorher, ob es wirrllch in gute Hände kommt. Wer keine passende Stelle für sein Tier weih, lasse es schmerzlos töten. ES ist grausam, Tiere an unzuverlässige Personen weiterzugeben ober sic an
Oke Arbeitsmarktsage in Oberheffen.
Oer Bericht des Arbeitsamts Gießen über die Entwickelung im Februar.
Die Arbeitslosigkeit dürfte im Derichts- monat ihren winterlichen Höhepunkt erreicht haben. 3n der letzten Woche setzte eine Entlastung des Arbeitsmarktes ein, die aber nur schwach und zögernd war. Bei der vorjährigen großen Arbeitslosigkeit spielte die kalte Witterung eine große Rolle, während in diesem 3ahr bei mildem Wetter der hoho Stand der Arbeitslosigkeit auf die ungünstige Wirtschaftslage bzw. auf die Finanzierungsschwierigkeiten zurückzuführen ist. Die Zahl der Hauptunter st üt- zungsempfänger betrug ijn Derichtsmonat 10 683 gegen 8907 im Vormonat. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist im Derichtsmonat auf 13 050 gegen 11 956 des Vormonats und gegen 12 923 des gleichen Monats im Vorjahre gestiegen. Daß die Wirtschaftslage in diesem 3ahre bedeutend schlechter ist, als im Vorjahre, zeigt schon, daß 270 Personen der Metallindustrie, des Holzgewerbes und der Tabakindustrie K u r z - arbeiterunterstühung empfangen, während im vergangenen 3ahr zu dieser Zeit keine Kurzarbeiterunterstützung beantragt war. Ebenso verhält es sich mit den Rotstandsarbeiten. Wurden im vergangenen 3ahr keine Unterftüt- zungsempfänger mit Rötstandsarbeiten beschäftigt, so werden in diesem 3ahre 116 Personen beschäftigt. Aus den einzelnen Derufsgruppen ist wie folgt zu berichten:
3n der Landwirtschaft wird trotz der mifben Witterung mit Anforderungen von Arbeitskräften im allgemeinen noch zurückgehalten, cs werden vielmehr Arbeitskräfte aus der Land- und Forstwirtschaft noch zur Entlassung gebracht. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist gegenüber dem Vormonat um 83 und gegenüber dem Vorjahr um 137 aus 522 gestiegen.
Die Marktlage im Bergbau hat sich im Derichtsmonat bedeutend verschlechtert. Diese Verschlechterung ist hauptsächlich auf die Stilllegung der Gewerkschaft Friedrich zurückzuführen. Die Zahl der Arbeitsuchenden beträgt 332 gegenüber 238 des Vormonats und gegenüber 253 des Monats Februar 1929.
Die Lage der 3ndustrie der Steine und Erden hat sich im Derichtsmonat nicht weiter verschlechtert, so daß man hoffen kann, daß ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosenziffer nicht mehr eintreten wird, da verschiedene Dasalt- brüche ihre Betriebe wieder eröffnet haben. Es wurden am Ende des Derichtsmonats 1467 Arbeitsuchende .gezählt: gegenüber dem Vormonat ist die Zahl um 38 gestiegen und gegenüber dem Borjahre um 166 gefallen.
Der Beschäftigungsgrad in der Metallindustrie hat durch die konjunkturellen Einflüsse eine weitere Verschlechterung erfahren. Wir zählten im Derichtsmonat 1012 Metallarbeiter gegenüber 931 des Vormonats und 552 des Vorjahres.
Der Rückgang in der Beschäftigung im Holz- und Schnitz st offgewerbe hielt weiter an und zeigte sich an einem größeren Zugang an Arbeitslosen. 652 Arbeitsuchende standen am Ende des Berichtsmonats gegenüber 441 des Vorjahres dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
Die Arbeitsmarktlage im Rahrungs - und Genußmittelgewerbe hat sich im Be- richtsmonat wiederum verschlechtert. Zu dieser Verschlechterung trug hauptsächlich die schlechte Marktlage der Zigarrenindustrie bei. Durch Absatzstockungen wurde eine Anzahl Tabakarbeiter zur Entlassung gebracht, während ein großer Teil Kurzarbeit, verrichten muß.
3m Bekleidungsgewerbe ist eine fai- I fonmäßige Belebung des Arbeitsmarktes trotz der vorgeschrittenen 3ahreszeit noch nicht zu |
verzeichnen. Es stehen zur Zeit 311 Arbeitsuchend dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
Die Deschüft-gungsverhältzisse im Baugewerbe hatten sich auch im Monat Februar weiterhin verschlechtert, doch ist in der letzten Woche eine Heine Belebung des Arbeitsmarktes ein getreten. Cs handelt sich hierbei hauptsächlich um Fertigstellung von Bauten und Reparaturarbeiten. Der günstige Verlauf der Diskontpolitik der Reichsbank hat noch nicht verbessernd auf den langfristigen Kapitalmarkt eingewirkt, somit kann man heute noch nicht sagen, ob dem Daumarkt im Laufe des 3ahres die nötigen Geldmittel zur Verfügung gestellt werden, um ein größeres Dauprogramm zur Durchführung zu bringen.
3m Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe haben sich während der Fastnachtszeit Deschäftigungsmöglichkeiten geboten. Auch in den Kurorten wird mit den Dorbereitungsarbeiten begonnen.
Das Derkehrsgewerbe zeigte sich noch nicht aufnahmefähig, besonders die Reichsbahn übt bei Einstellung von Arbeitskräften größte Zurückhaltung. Die Arbeitsuchendenzahl beträgt 428 gegenüber 385 des Vormonats und gegenüber 205 des Vorjahres.
Die Lage in der Lohnarbeit wechselnder Art hat eine weitere Verschlechterung erfahren. Bedingt ist dies hauptsächlich durch die schlechte Lage des Baugewerbes. Verfügbar waren am Ende des Monats 3356.
Die Arbeitsmarktlage für Angestellte hat sich im laufenden Monat nicht weiter verschlechtert. Den Zugängen stand eine entsprechende Anzahl von Vermittlungen und sonstigen Abgängen gegenüber. Die Zahl der am Schlüsse des Derichtsmonats noch vorhandenen stellensuchenden männlichen und weiblichen Angestellten beträgt 372 gegenüber 386 am Schlüsse des Vormonats.
3m Musikergewerbe war die Vermittlungstätigleit infolge des Karnevals sehr rege. 347 Gelegenheitsgeschäfte wurden im Laufe des Monats Februar vermittelt, so daß arbeitslose Derufsmusiker während dieser Zeit nicht unterstützt zu werden brauchten.
Oie Berufsberaiung
hat für den Monat Februar 376 Deratungen (230 für Knaben, 146 für Mädchen) aufzuweisen, und zwar 191 (118 für Knaben, 73 für Mädchen) erstmalige und 185 (112 für Knaben, 73 für Mädchen) wiederholte Beratungen. Von den 191 Ratsuchenden kamen 27 (16 Knaben, 11 Mädchen) aus höheren Lehranstalten, einige aus Handelsschulen, die übrigen aus Volksschulen. Die 118 ratsuchenden Knaben hatten 47 und die 73 ratsuchenden Mädchen 14 verschiedene Derufs- wünsche. 13 Knaben und 29 Mädchen hatten überhaupt keinen bestimmten Derufswunsch. Am begehrtesten waren bei den Knaben die Berufe des Kaufmanns, Malers und Weißbinders, Maschinenschlossers, Autoschlossers und Friseurs, bei den Mädchen die kaufmännischen und der Beruf der Schneiderin.
Der Eignungsprüfung wurden 32 Knaben und acht Mädchen unterzogen. Zur einwandfreien Feststellung der gesundheitlichen Derusseignung war bei vier Knaben und fünf Mädchen eine besondere ärztliche Unterfudjung notwendig. Auf ausdrücklichen Wunsch von Arbeitgebern wurden für neun Knaben und 5 Mädchen Eignungsgutachten (kostenlos) hinausgegeben.
3n den fünf Rebenstellen-Sprechstunden (Friedberg, Büdingen, Schotten, Alsfeld. Lauterbach) fanden 147 (94 für Knaben, 53 für Mädchen) Beratungen statt. Gegenüber dem gleichen Monat int Vorjahre ist die Beratungstätigkeit der Berufsberatung bedeutend gestiegen.
einem fremden Ort auszusehen und sich selbst zu überlassen. Herrenlose Tiere, die nicht elend verkommen, gehen in den meisten Fällen einem zweifelhaften Geschick entgegen. Rur ausgewachsene Katzen lernen es oft, selbständig zu leben, aber — auf Kosten der Vogelwelt, unter der sie großen Schaden anrichten. Wer Gefühl für fein Tier hat, tötet es schonend, ehe er es ins Ungeteilte schickt.
Linser neuer Roman.
3n der heutigen Rümmer des „Gießener Anzeigers" bringen wir den Schluß des mit lebhaftem 3nteresse aufgenommenen Romans „Die blonde Sllavin" von Hermann Weick. 3n der morgen erscheinenden Ausgabe werden wir mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes beginnen, von dessen Erwerbung wir uns nach den früher gemachten Erfahrungen einen nicht geringen Erfolg in unserem Leserkreise glaubten versprechen zu bürfen. Wir bringen nach längerer Pause wieder einmal einen Roman von Wallace: die Millionenauflage der Bücher des englischen Schriftstellers und die internationale Berühmtheit und Beliebtheit seines Werkes scheint uns im Geschmack und im Unterhaltungsbedürfnis einer über die ganze Welt verstreuten Lesergemeinde sehr wohl begründet zu sein.
„Öie gefiederte Schlange" von Edgar Wallace
ist der Titel des Romans, der von morgen ab im „Gießener Anzeiger" erscheinen wird. Ein begeisterter Leser schrieb unter dem Eindruck der Lektüre an den deutschen Verleger: „Es ist unmöglich, von Wallace nicht gefesselt zu fein," und wir vertrauen darauf, daß auch unser neuer Roman hinter seinen Vorgängern, auf welche diese Bemerkung gemünzt war, nicht zurückbleiben wird. „Sie gefiederte Schlange" ist ein echter und rechter Wallace: die Schilderung eines höchst rätselhaften Kriminalfalles, ausgestattet mit allen Eigenschaften und Merkmalen, die Wallaces Schriftstellerei kennzeichnen und ihn so ungeheuer populär gemacht haben: Scharfsinn und Phantasie, niemals aussetzende Spannung und eine mit immer neuen Ueber- raschungen und Steigerungen sich auf bauen be, abenteuerliche Handlung bereinigen sich in dem fesselnden Werk. Mehr soll heute nicht darüber gesagt werden. Wir hoffen, auch diesmal die richtige Wahl getroffen zu haben und mit der morgen beginnenden Veröffentlichung allen ßefe- rinnen und Lesern eine besonders willkommene Unterhaltung zu bieten.
Date« für Samstag, 15. Nlärz.
1830: der Dichter Paul Heyse in Berlin geboren (gestorben 1914).
Bornotizen. .
— TageSkalender für Freitag.Dtabt- theater: „Die Sache, die sich Liebe nennt“, 20 bis 22.15 Uhr. — Bund „Haus und Schule": Familienabend, 20 Uhr, im 3ohannessaal. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Spionin". — Astoria-Lichtspiele: „Die 3agd nach der Erbschaft" und „Der erste Kuß".
— Aus dem S t ab11ßea ter burcau wird uns geschrieben: Die heutige Premiere „Die Sache, die sich Liebe nennt" (This thing called love) von Edwin Burke beginnt um 20 Uhr. Spielleitung Karl Volck. — Am Sonntag, 16. März, 18,30 Uhr Fremdenvorstellung „Die andere Seite''. — Dienstag, 18. März, erste Wiederholung von „Die Sache, die sich Liebe nennt“. — Mittwoch, 19. März, zweite Lustspielpremiere „Der letzte Lord" von Uge Falena. Dieses Lustspiel wurde von der 3ntendanz als südwest- deutsche Erstausführung erworben, nachdem cs bei der Uraufführung in Hamburg einen durchschlagenden Erfolg hatte. Das Stück ist bereits von ersten Bühnen zur weiteren Aufführung erworben.
— Friebrich-Lienharb-Abend. Man schreibt uns: Am Sonntag, 16. März, veranstalten ber Ev. Arbeiterverein, bet Ev. Dunb und ber Wartburgverein einen Friedrich-Lienhard- Abenb im Markussaal, ber zugleich eine Gedenk- feier für bie Gefallenen sein soll. Die Vorbereitung bes Abends liegt ganz in den Händen von Frau Direktor Mende 1 sso h n-D artholdy, welche auch bie Rezitationen übernommen hat. Sologesänge von Frl. Käte Gärtner mit Begleitung von Herrn Musiklehrer Hahn werben das Programm noch besonders bereichern. Die Ramen ber Mitwirkenden finb in Gießen von ähnlichen Veranstaltungen wohlbekannt. Der Besuch des Abends bebarf gewiß keiner weiteren Empfehlung. (Siehe heutige Anzeige.)
— Eine Kulturfilm-Frühvorstel- lung veranstaltet bas Lichtspielhaus Dahnhof- strahe am nächsten Sonntag um 11.15 Uhr. Zur Vorführung kommt ber Afrika-Großsilm „Mensch und Tier im Urtoalb", ben ber bekannte Afrika- forscher Hans Schomburgk auf seiner großen Forschungsreise aufgenommen hat. Schomburgk wirb zu der Filmvorführung ben Begleitvortrag selbst halten.
•
" Fahrzeugsperre zum Schutze ber Straßenbahn. Das Polizeiamt teilt mit: Ein Sonderfall gibt uns Veranlassung, auf bie Bestimmungen des § 14 Abs. 1 der Dorschriften für ben Verkehr und Schutz der elektrischen Straßenbahn in Gießen hinzuweisen. Der § 14 Abs. 1 lautet: „3n der Wäusburg, Marktstraße unb Seltersweg zwischen Kreuzplatz unb Maigasse bürfen Fahrzeuge mit einer größeren Breite
j als zwei Meter während des Betriebs Bet Straßenbahn nicht verkehren."
** Ha 1 bmast geflaggt haben heute, toi« überall im Reiche, auch die hiesigen Betriebsgebäude der Reichsbahn. Wie wir hören, gilt die Totenehrung dem früheren Eisenbahnminister v o n B r eite n b a ch , der bekanntlich viele Jahre lang an der Spitze der preußisch.hessischen Eisenbahnverwaltung stand. Die sterbliche Hülle des Entschlafenen wird heute zur letzten Ruhe beigesetzt.
*• Dienstjubiläum. Am morgigen 15. März sind es 40 3ahre, baß Herr Georg Kreuber aus Grünberg bei ber Firma Benner, Krumm & Sauer in Gießen tätig ist, zuerst bei Denner & Krumm unb seit 10 3ahren bei ben vereinigten Firmen Denner, Krumm & Sauer. Don bieten 40 3ahren ist Herr Kreu- b e r als Prokurist 35 3ahre an erster Stelle in der Firma tätig, und er hat in dieser langen Zeit namentlich alle Kassengeschäfte in geradezu vorbildlicher Weise geführt. Die Entwicklung ber Firma ist in großem Maße Herrn Kreuder zu verdanken, der in allen Zweigen des Geschäftes seit seinem Eintritt in die Firma "führend mitgearbeitet hat unb heute noch wie immer in Treue und Umsicht seines Amtes waltet. Möchte er noch lange in seinem (Berufe tätig sein als guter Kaufmann der alten Schule unb als ein Dorbilb für ben kaufmännischen Rachwuchs.
Roggenbrot ist gesunder als Weizenbrot!
** Schwerer Unfall im Gießener Bahnhof. Gestern nachmittag ereignete sich im hiesigen Personenbahnhof, einige Minuten vor ber Abfahrt bes um 15.49 Uhr fahrplanmäßig von hier nach Köln verkehrenden Personenzuges ein schwerer Unglücksfall. Der aus Ehringshausen (Dillkreis) stammende Kaufmann Fritz Müller hatte eben den Zug bestiegen und war gerade im (Begriff, die Abteiltür zu schließen, als der Wagenpark, angeblich durch überaus starkes Heranfahren der Lokomotive an die Wagen, eine sehr heftige Erschütterung erfuhr. 3nfolge dieses Anpralles stürzte ber bedauernswerte Mann aus dem Abteil und schlug mit dem Gesicht heftig auf den Bahnsteig auf. Hier blieb er bewußtlos liegen, jedoch trat so- fort starkes Erbrechen ein. Der Verunglückte wurde sofort ber Chirurgischen Klinik zugeführt, wo er, toie wir auf Anfrage hörten, heute vormittag noch ohne Bewußtsein barnieberlag. Qlllem Anschein nach hat ber Bedauernswerte eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen. Die Untersuchung des Vorfalles ist im Gange.
** Die Feuerwehr als Mädchen für alles. Unsere Feuerwache mußte gestern wieder einmal zeigen, daß sie bei allen Unglücksfällen Hilfe zu bringen vermag. Gestern mittag kurz nach 12 Uhr mußte sie bei einem (Balfenbranö im Hause Lonhstraße 2, in dem sich das Wohnungsamt und das Versicherungsamt befinden, helfend eingreifen, wo es ihr in kurzer Seit gelang, bie Gefahr zu befeitiaeir Kurz nach 14 Uhr wurde sie nach der Südanlage gerufen, um dort ein gestürztes Pferd wieder hochzubringen, jedoch war es bis zu ihrem Eintreffen schon gelungen, den Vierfüßler wieder auf seine Gehwerkzeuge zu stellen. Gegen 20,30 Uhr mußte bie Wache nach den Anlagen an der Luthereiche ausrücken, um dort einen Heckenbrand zu löschen, und kurz nach 22 Uhr wurde sie nach der Lahn- hrücke gerufen, um von dort aus einen Mann aus der Lahn herauszuholen. Dieser, ein Handwerksbursche aus Saarbrücken, war von der Lahnbrücke aus in den Fluß hinabgesprungen, fing jedoch mächtig an um Hilfe zu rufen, als er_ bas nasse Element an seinem Körper verspürte. Zum Glück war er bei seinem kühnen Sprung in bie Tiefe in eine seichte Stelle bei Flußbettes geraten, wo ihm bas Wasser nicht gefährlich würbe, auch war er wunderbarerweise, trotz der Höhe des Sprunges, unverletzt geblieben. Bon einem Paddelboot aus wurde ber Springer an Leinen angefeilt und bann von der Feuerwehr zur Drücke heraufgezogen. Raß wie eine Katze, aber zu seinem Glück unversehrt, trollte sich bann der merkwürdige Zeitgenosse in Richtung Heuchelheim davon.
Oberheffen.
Ein kirchlicher Gedenktag in Langsdorf.
df. Langsdorf, 10. März. Der gestrige Sonntag wurde hier besonders feierlich begangen. Den Anlaß dazu bübete der 15 0. Geben ktag an bie Grunbsteinlegung unlerer Kirche. Zu bem Festgottesdienst war auch Oberkirchenrat Wagner, Gießen, erschienen.
Zur Geschichte unserer Kirche sei folgendes bemerkt: Am 11. März 1780 legten die Väter Langsdorfs Hand an ihr Gotteshaus, um es abzubrechen: nicht, well es baufällig, sondern weil es zum Abhalten ber hier von jeher gut besuchten Gottesdienste infolge ber angewach- senen Bevölkerungszahl zu klein geworben war. Die eigentliche Grundsteinlegung unserer jetzigen, im Barockstil gehaltenen Kirche fand wegen schlechten Wetters erst im Mai 1780 statt.
Unser heutiger Kirchenvorstand erblickte in dem Beginn des Abbruchs gleichzeitig den Willen zur Errichtung des Reubaues und damit den eigentlichen Tag der Grundsteinlegung. Daher legte er die Gedenkfeier auf diesen Sonntag. Der Ortsgei st liche predigte über den gleichen Text, über den 1780 sein Amtsbruder Achenbach bei der Grundsteinlegung gesprochen hatte, über II. Moses 25. Vers 8: „Unb sie sollen mir ein Heiligtum machen, baß ich unter ihnen wohne." Er versetzte bie Gemeinbe in die bamalige Zeit unb zeigte, wie bie für bie Geschicke ber Gemeinbe unb Kirche Verantwortlichen, trotz schlechter wirtschaftlicher Zeiten, burch den Reubau ihres Gotteshauses ein großes Opfer brachten in der weisen Erkenntnis über den Wert von Gottes Wort. 3n Anlehnung an Matthäus Kap. 4 Vers 4: „Den Mensch lebt nicht vom (Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, daß durch den Wund Gottes geht", ermahnte Oberkirchenrat Wagner bie Gemeinbe, festzuhalten an Gottes Wort, an den kirchlichen Bräuchen, besonders an der Sonntagsheiligung. — Zur Verschönerung der Feier tru* gen bei der Männergesangverein, der Die Chöre „Großer Gott, wir loben dich“ unb „An einen Gott nur glauben wir" vortrug. Ferner wurde die Meditation von Dach w>s


