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Montag, 15. GNober 1950
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Ur. 259 Zweites Blatt
als
Gießener Gtadttheater.
Ensemble-Gastspiel des Deutschen Künstlerttzcaters Berlin.
Klein bekämpft das in der Reichshauptttadt (iroh gewordene und noch immer in hoher -vlute stehende Starsystem aus ästhetischen und sozialen Gründen — zugunsten des hochwertig^ Ensemble-Theaters. Eingeweihte werden sich^.vielleicht der Auseinandersetzungen erinnern, Die eS über diese prinzipiellen Fragen gegeben hat, — insbesondere etwa der Afsäce mit der CBcrgner; wir können hier nicht näher darauf emgehen. 2ah der Idee des Direktors Klein ein sehr gesunder Instinkt zugrunde liegt wird niemand bestreiten tonnen; jedenfalls war die Aufführung, die wir gestern sahen, durchaus geeignet, seine Theorie zu stützen. Es war — wenn Wir von Curt Götz und seinen Leuten und von Wassermanns in „Herrn Lamberthier" absehen — weitaus die beste, die wir seit Iahren hier und anderwärts in der Provinz erlebt haben.
mit unseren wirtschastsfeindlichen Maßnahmen schuld'? Daß dieser 'Abfluß von Gold nach Frankreich zum Teil aus die Si ü n b i g u n g französischer Guthaben zurück,Zufuhren ist, wird nicht bestritten. Diese Rückforderung französischer Guthaben bildet aber nicht die Hauptsache des Abflusses, sie ist vielmehr in dem engen Zusammenhang zwischen Reparationszahlungen und interalliierter Verschuldung einerseits und den Störungen der gesamten Weltwirt- schäft andererseits zu suchen. Daß neuerdings von Frankreich neue Krcditofferten nach Deutschland gegangen sind, darf' hier zur Beruhigung gesagt werden.
Möge die Regierung Brüning die Kraft sinden, das 'Äirtschaftsprogramm, das nur der erste Schritt zur Besserung sein kann, und das, wie gesagt, im Ausland einen guten Eindruck machte, durchzufüh ren, — die Leitung unserer Reichsbank bietet volle Gewähr für die Sicherung unserer Währung —, dann werden auch die Gelder von denen, die ihrem Vaterland in der Rotzeit die Mittel entziehen, wieder vertrauensvoll zurückkehren. Der Goldabfluß von 210 Millionen ist an sich kein Sturmzeichen. Man soll solche wirtschaftlichen Maßnahmen nicht parteipolitisch ausbeuten.
den er trägt; er verwirklichte etwas vom Ideal der Meininger, dein fein Direktor wieder Geltung verschaffen will. Ein so feinfühlig abgestimmtes, unauffällig-selbstverständlich zusammengehendes und eingespieltes Ensemble haben wir nur von gewissen Aufführungen bei Reinhardt übertroffen gesehen.
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Obwohl es nun aber ein Ensemble-Gastspiel war, war es doch durchaus auch ein Konstantin- Gastspiel insofern, als sie ganz unaufdringlich immer der Mittelpunkt des heiteren Orchesters war, um den alle drei Akte sich drehen: die charmanteste Salondame, die man sich denken kann; aber ohne dabei auf den stets etwas fatalen Fachstil ein« geschworen zu sein; viel wesentlicher: eine Schauspielerin aus Temperament und einer fast kindlichen Freude am Spiel mit allen Nuancen, — mit einer Hingabe also, die der fabelhaften Routine ihrer Dialogführung aufs glücklichste die Waage hält.
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Die übrigen sechs muß man im Sinne dieses Ensembles durchaus in einem Atem, in einer Reihe, mit der gleichen Betonung nennen: Hanna Ralph, Lola Eh lud, Christel Grabe, Ernst Dumcke, Erhard Siedel und Victor de Kowa; sie machten Kollektivtheater ohne Piscatorstil, mit voller Entfaltung der Individualitäten; eine Besetzung von selten erlebter Gleichwertigkeit und Ebenmäßigkeit.
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Leider war die erste Aufführung nur schwach besucht; der Wiederholung wäre ein volles Haus von Herzen zu wünschen. hth.
Vochschulnachrichien.
Dr.Richard Rewald, Privatdozent in Freiburg i.Cßr.. hat den an chn ergangenen Rus aus den Lehrstuhl der neueren deutschen Literatur an der Hniberfität Freiburg (Schweiz) als Rachfolger von Günther Müller angenommen und bereits seine Ernennung erhalten.
Wenn wir dieses Gastspiel offiziell nicht Gastspiel von Leopoldine Konstantin^ bezeichnen, sondern, wie es im Programmheft steht, als Ensemble-Gastspiel des Deutschen Kun stlerthea- ters in Berlin, so geschieht das geflissentlich und im Sinne des Direktors Dr. Robert K l ein, der dieser Bühne vorsteht und auf die gewählte Benennung Wert legt.
Tagung der deutschen Tonkünstler.
Dresden, im Oktober.
Die von Max v. Schillings eröffnete, weiterhin von dem Dorsihenden Arnold Ebel geleitete Tagung des „Reichsverbandes deutscher Ton- künstler und Musiklehcer", dessen Aufgabenkreis alle künstlerischen, pädagogischen, sozialen und kunstpolitischen Fragen des Musikerstandes umfaßt, hatte auch diesmal den fortschrittlichen, zielbewußten Geist früherer Deranstaltungen. Höhepunkte in der Serie der Dorträge waren die Ausführungen des Ministerialrats Professor Leo Ke st en berg über „die kulturellen Forderungen der Musikerziehung an Staat und Gesellschaft", die von der weitsichtigen Einstellung der preußischen Regierung zu den Problemen der Wusikpädagogik zeugten. Bedeutsam war auch das Referat Carl Holtschneiders (Dortmund) über die „Musikerkammer". Richt eine autonome Standes Vertretung, sondern nur eine vom Staat betreute Einrichtung kann, wie der Sprecher zutreffend betonte, die (von der Ton-
hat, im Ausland mehr zur Beruhigung beigetragen hat, als bei uns, und es ist notwendig, in diesem Zusammenhang daraus hinzuweisen, daß die Länder, denen die deutschen Kapitalien zufließen, keineswegs darüber erfreut sind. So hat z. B. eine führende Schweizer Bank in ihrem Oktober- bericht von einer Beunruhigung des Schweizer Kapitalmarktes gesprochen und angeregt — weil sie offenbar die Aussichten der deutschen Wirtschaft günstig beurteilt —, daß die Schweizer schon jetzt deutsche Wertpapiere kaufen möchten, um bei später zu erwartenden Kursbesserungen die frei- werdenden Schweizer Papiere wieder aufnehmen zu können.
Und nun die Frage des Goldabfluffes der Reichsbank. War der Abfluß ein anormaler und bedenklicher? Sind nicht früher auch fchon der- artige Abflüsse erfolgt? In den letzten drei Wochen sind 210 Millionen Mark Gold abgeflossen. In der Zeit vom April bis Mai 1929 sind aber nicht weniger als 515 Millionen Mark Gold aus der Reichsbank nach dem Ausland abgegeben worden. Hat sich damals die Linkspresse so aufgeregt wie jetzt und nach dem Sündenbock gefragt? Damals saß die Weimarer Koalition fest im Sattel. War damals eine Zeitung der Linken fo ehrlich, zu fagen, daran sind wir mit unserer hemmungslosen Erfüllungspolitik,
Der neue Mrbach: Deutschland, M oder Leben
Besprochen von Dr. Fr. König.
Sie spielen ein Lustspiel in drei Akten des Engländers W. Somerset Maugham, alnd es ist von allen seinen Stücken, die wir kennen (einschließlich der berühmten und ziemlich überschätzten „Constance") das amüsanteste, wchade nur, daß der Titel schwach und einigermaßen an den Haaren herbeigezogen ist: es heißt „Was se r- scheu" und nennt also das Kind nicht beim richtigen 21 amen; die Wasserscheu ist mit »Gingst vor der Ehe" zu übersetzen, ilnb das entscheidende Ergebnis der drei Akte lautet: Maugham ist gegen die Ehe. Mit aller Entschiedenheit.
Das Stück — obwohl es ein Lustspiel ist — beginnt mit einem Todesfall. Caroline Ashley und Robert Oldham sind seit zehn Iahren eng und herzlich miteinander befreundet. Sie lieben sich sogar und sie würden sich sofort heiraten, wenn... ja, wenn Caroline eben nicht zufällig bereits verheiratet wäre. Ztoar leben Ashleys getrennt, aber immerhin: Herr Ashley existiert. Der erste Akt eröffnet mit ber Rachricht von feinem Tode, und diese Rachricht wirkt tote ein
Kanonenschuß, besser gesagt: wie ein Freudenböller. e
Ieht ist also endlich „der Weg frei". Carolines Freundinnen kommen — gratulieren. Aber siehe. Caroline ist gar nicht so entzückt, wie doch zu erwarten war, und Robert muh sich geradezu einen Ruck geben, um ihr seinen Antrag zu machen. Caroline lehnt ab, und eigentlich konnte NUN alles beim alten bleiben. Aber da sind diese mitfühlenden Freundinnen, die den beiden keine Ruhe lassen und sie in ein Gluck stürzen wollen, das bestimmt kein Glück für sie wäre. Der schönste Beweis dafür ist eine fürchterliche Szene aus heiterem Himmel zwei Minuten nach der Verlobung, die Caroline und Robert trotzdem vollzogen" haben - weil sie keinen anderen Ausweg sahen. Es war ein sehr saurer Apfel.
Eorolines Hausarzt verfällt auf die glückliche ßSung: sie könnte, um Robert nicht ,^u verlieren , vielleicht „einen dritten" heiraten. Caroline will das Rezept mit ihm selber ausprobieren: der Doktor soll den überraschten Freunden diese neue Der- lobung bekanntgeben, — aber der rettet M) Uri“)1“1- indem er den verstorbenen Ashley plötzlich wieder auferstehen läßt, und Caroline erfindet gelstesgegen- wärtig eine lange Geschichte, die mit der tröstlichen Einsicht endet, daß Herr Ashley Robert und Caroline bestimmt überleben werde. Und am Ende des dritten Aktes ist alles wieder so wie vor Beginn des ersten. (Und das ist gut so, sagt Maugham, und das einzig Richtige.) *
Man kann den Gang der Handlung hier nur in oberflächlichen Umriffen andeuten, das Meiste und das Beste an diesem Stück laßt sich gar nicht erzählen: es steckt zwischen und hinter den Szenen, im Dialog, in Nebenbemerkungen — und darin, wie das alles gespielt wird.
Natürlich wird man das Stuck nicht ernst nehmen, dazu ist es zu sehr Lustspiel und überschlägt sich m seiner Pointierung — um des Theaters willen. Aber es ist auch nicht nur Theater und Parkett- Wirkung und Bluff; dazu steckt zuviel Erfahrung, Nachdenklichkeit und zuviele kleine, entzückende aus dem Leben und dem Alltag (nicht nur m England) heraeholte Züge, die das Ganze nie frivol erscheinen (offen, die vielmehr den Zuschauer immer wieder leise lächeln machen. (Und was könnte man darüber hinaus von einem Lustspiel verlangen?) —
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Wenn es mit den Reyisseuren so geht wie mit den Frauen (von denen jene die besten sein sollen, über die man am wenigsten spricht) — dann war es eine vorzügliche Ausführung; Hans Brahm machte — unmerklich — dem großen Namen Ehre,
fehlt unserem Volke, insbesondere auch seiner Oberschicht, jene Instinktsicherheit, die die Voraussetzung ist für die „Vision" einer Zukunft. Aus dieser „Unterbilanz des nationalen Selbstgefühls" erwächst „d i e Unterbilanz der nationalen Diszipli n", die uns immer wieder den Teil — sei es nun die Partei ober die Wirtschaftsgruppe — vor das Ganze fetzen läßt.
Aber nicht nur die nationale Bindung ist bedenklich schwach, die sittlichen Bindungen der Vergangenheit drohen überhaupt verloren zu gehen. Aus allen Gebieten des Lebens setzt das Individuum sein persönliches Interesse und seine eigene Lust als Maßstab ein; es entzieht sich der Verantwortung für die Gemeinschaft von Volk, Staat und Vaterland und verfällt so der Hemmungslosigkeit. Und nun hat der Zusammenbruch beim Weltkriegsende auch noch die Tradition zerstört. Die (Erlebnis- grunblage der Jungen ist eine andere wie die der Alten; wir sind in „zwei Völker" aufgespalten, von denen das eine — das der wilhelminischen Epoche — den ideologischen Raum leer zurück- gelassen hat, von denen das andere — das der Jungen — eine neue Ideologie noch nicht gewonnen hat. Die alte Generation steht „ideenpolitifch mit leeren Händen" vor der Jugend; von der Jugend aber verfallen die einen jener zügellosen Hemmungslosigkeit, ringen die andern um ein neues festes Verhältnis zu Gott, Volk und Staat, zu Der- gangenheit und Gegenwart. Die Frage ist, ob aus unserer Jugend ein „neuer sittlicher Adel" geboren wird.
Die Unterbilanz ist so eine furchtbare. Noch aber ist das Schicksal des Verfalls nicht unabwendbar. Wir stehen am Scheidewege; wir haben es noch in unserer Hand, zu bestimmen, wohin der W:g uns führen soll. Trotz der Weltkriegskatastrophe, trotz des innerpolitischen Zusammenbruchs, trotz der Fesseln von Versailles ist der Weg ins Freie nicht endgültig verbaut. Wir haben noch Möglichkeiten. Das gilt fürs Politische, gilt aber auch fürs Biologisch-Moralische. Noch sind wir das große Volk der europäischen Mitte; wir müssen uns in unserem außenpolitischen Raume zunächst einmal richtig orientieren; dann aber müssen wir diesen Raum in unseren Willen aufnehmen, müssen ihn zu einem „Stück unserer Weltanschauung" machen.
künstlerschaft seit langem geforderte) Regelung herbeiführen.
Umrahmt waren die Beratungen von Opern- und Konzertaufführungen. Fritz Busch setzte s^> — von langer Krankheit wieder genesen — nochmals für eine von ihm bereits 1919 in Stuttgart zur Tlraufführung gebrachte Lustspieloper des Schweizers Othmar Schoeck ein. Das Werk ist jetzt auf zwei Akte gekürzt worden, ohne damit den Beweis der Bühnenwirksamkeit erbringen zu können. Die Komödie Holbergs: einem adels- stolzen, verarmten spanischen Granden wird von dem pfiffigen Liebhaber der Tochter durch List die Zustimmung zur Hochzeit abgerungen, ist in ein musikalisches Gewand gekleidet, das den feinsinnigen, aber theaterfernen Lyriker zeigt. Richt viel günstiger erscheint die Situation in dem mit modernen Ausdrucksmilteln geschaf e.een Einakter „Vom Fischer un fyner Fru", in dem Schoeck, seiner tonpoetischen Anlage gemäß, manche Stimmung dcs altbekannten Grimmschen Märchens anziehend ausdeutet; aber auch hier fehlt die Bühnenvision.
Aus einem Kammermusikkonzert hoben sich, nach dem „linken" Flügel tendierend, ein melodiöses Quintett Kurt Schuberts und die meisterlich gearbeiteten Beethoven-Variationen für zwei Klaviere von Georg Schumann heraus. Interesse und zugleich Wiierspruch weckte die vom Zwölftonsystem Hauers und Schönbergs hergeleitete, radikal vorstoßende „Kleine Suite des Darmstädters Hermann Heiß. Das Orch^ sterkonzert erhielt sein inneres Gewicht durch die vierte Sinfonie des Berliners Max Trapp, eine thematisch und formal fundierte Schöpfung, durch eine von Stefan Frankel brillant gespielte Suite für Violine und Orchester des begabten Karol Rathaus und ein teilweise von östlicher Volksmusik inspiriertes „Divertimento" von Kurt v. 33Dl- furt. Für dir hervorragende Qualität der instrumentalen Aufführungen bürgte das treffliche Orchester der Staatsoper unter Busch Für die Werke Schoecks setzte sich das Institut mit ausgezeichneten Stimmen und geschmackvoller Regie (Waldemar Staegemann) ein.
Artur Holde.
Als im Jahre 1912 Rohrbachs „Deutscher Gedanke in der Welt" erschien, da sah es so aus, als ob das deutsche Volk trotz der Mängel in seiner politischen Struktur auf dem Wege sei, sich in die Reihe der ersten Wcltvölker zu erheben. Wenn Rohrbach auch damals schon mit ernsten Worten auf die Passivseite in der Bilanz des deutschen Wesens hinwies, die Aktivseite schien doch so gewaltig, daß sie ihm das Vertrauen in unsere Eignung zum Weltvolk gab, wenn es uns gelänge, unsere positiven Qualitäten in den Dienst einer weltumspannenden deutschen Idee zu stellen.
18 Jahre sind seither verflossen; wieder erscheint ein Buch von Paul Rohrbach. Sein Titel heißt aber heute nicht mehr: „Vom deutschen Gedanken in der Welt", er heißt: „Deutschland, Tododcr Lebe n?" Verlag F. Bruckmann, München, Preis 3,80 Mark. — 317. — Die Frage ist nicht mehr, ob wir mit gesammelter Kraft die freie Höhe gewinnen, die schon vor unseren Augen zu liegen schien; die Frage ist vielmehr, ob wir uns als Volk erhalten und als Staat behaupten können. So gewaltig ist der Wandel. Aber das Verhängnisvollste ist nicht die Niederlage, ist nicht der Zusammenbruch der Wirtschaft und der Rüstung, das Verhängnisvollste ist vielmehr „die Hypothek des Todes die auf uns lastet, die Hypothek des physischen und des moralischen Todes.
Die Passivseite ist ungleich größer, als sie es 1012 gewesen ist. Unser Volk ist biologisch gefährdet sowohl nach der quantitativen Seite des zahlenmäßigen Bestandes als nach der qualitativen der geistigseelischen Höhenlage unserer Menschen. Die moderne Großstadtzivilisation erzeugt einerseits jenen „ra- tionalistischen Subjektivismu s", der das Bewußtsein der Verantwortung für die Gemein- schäft ertötet, der andererseits die Menschen zur Beute jenes „E m o t i o n i s m u s" werden läßt, der sie in den Strudel der „Vermassung" hm- einzieht. Es droht Unserem Volke zum erstenmal in seiner Geschichte das Schicksal der Antike. Dem Un- heil kann nur durch den Einsatz unserer gesammelten geistigen Energie für die Erhaltung unserer Volkheit gesteuert werden. Aber wie sieht es da aus? Wk^ haben weder den „starken Instinkt der Engländer für das national Zweckmäßige" noch „bas nationale Temperament" der Franzosen. Es
Hintergründe der Kapitalflucht.
Von fachkundiger Seite geht uns folgende bemerkenswerte Zuschrift zu:
Der Goldabfluß der Reichsbank und die Flucht deutschen Kapitals in das Ausland haben in der letzten Zeit in weiten Kreisen der Bevölkerung große Beunruhigung hervorgerufen. Radikale Kreise benutzen diese Tatsachen zu parteipolitischer Auswer tung. Sie sprechen von „riesigen Goldverlusten der Reichsbank, sie behaupten, daß der Wahlausfall an diesem Verlust schuld sei und putschen die Massen, die von den schwierigen und verwickelten Fragen des internationalen Geldoerkehrs keine Ahnung haben und auch nicht haben können, in einer ganz bestimmten parteipolitischen Richtung auf. Sie greifen diese Tatsachen, die zweifellos zu ernster Betrachtung anregen, als Einzelerscheinung heraus nehmen sich aber nicht die Mühe, dieser Erscheinung auf den Grund zu gehen und zu untersuchen, ob nicht schon früher, als sie noch einen maßgebenden Einfluß auf unser politisches und wirtschaftliches Leben hatten, ähnliche, ja noch tief- greifender«! Veränderungen auf dem Gebiet der Kapitalflucht und der Goldausfuhr zu verzeichnen waren. Jetzt gilt es diesen Kreisen nur, einen Sün- denbock ausfindig zu machen, um eigene, zeitlich zurückliegende Fehler zu verdecken und vergessen zu machen.
Seit wann ist denn in Deutschland eine Kapitalflucht zu verzeichnen? Befragt doch einmal die Banken! Die Kapitalflucht trat nicht erst ein mit dem unerwarteten Sieg der Nationalsozialisten. Sie trat schon vor I a h r en ein, sie nahm immer mehr zu, weil weite Kreise des Volkes in zunehmendem Maße das Vertrauen in die herrschenden Re- gierungsmcthoden verloren. Die Zunahme der Sozialisierung; die schweren Fehler in der Finanzgebarung der öffentlichen Hand; die finkende Moral innerhalb der Verwaltungen; das Eindringen un- sachkundiger Elemente in führende Stellungen auf Grund des Parteibuches; die Finanzfkandale, die sich an die Namen Kutifker, Sklarek usw. heften und sich an Stellen breitmachen, konnten. Die früher von moralisch unantastbaren, fachkundigen Mannern verwaltet wurden; die Politisierung und Radikalisierung unserer Jugend, das sind in großen Zügen die Ursachen, die zur Kapitalflucht Veranlas- sung gaben. Viele hatten die Hoffnung aufgegeben, daß' unser Volk nochmals die Kraft finden werde, aus diesem Sumpf herauszufinden. Der Ausfall der Wahlen vom 14. September war die Quittung für diefe Politik der letzten Jahre, für die unser Volk in seiner großen Mehrheit kein Verständnis hat.
Nicht der Wahlausgang war also die Ursache der Kapitalflucht. Wenn in der Zeit nach dem 14. September Kapitalflucht und Goldausfuhr einen neuen 21 n ft o & erhielten, so ist dies überwiegend darauf zurückzuführen, daß eine gewiße Presse dem Ausland klarzumachen versuchte, daß eine neue Revolution in Deutschland bevorstehe, daß die republikanische Staatsoerfassung in Gefahr fei und dergleichen mehr. Daß derartige Preffeäußerungen, namentlich in Frankreich, einen starken Widerhall finden würden, war vorauszusehen, denn Frankreich hat mehr als irgeildein anderes Land ein Interesse an der inneren Schwächung Deutschlands. Man konnte auch feststellen, daß z. B. in England, Italien und Amerika dem Ausfall der Wahlen in Deutschland viel mehr Verständnis entgegengebracht wurde, und daß in diesen Ländern das Vertrauen in Deutschlands Kraft und seinen Willen zur Gesundung gestärkt wurde. .
Wenn es der^Regierung Brüning, was jeder Vernünftige hoffen muß, gelingt, durch die neuen Fi- nanzgefetze eine gewisse Ordnung in unserer innerwirtschaftlichen Lage anzubahnen, dann wird auch das Vertrauen des eigenen Landes wiederkehren. Es ist bezeichnend für unsere verfahrene Lage, daß die Veröffentlichung des Wirtschaftsprogramms der deutschen Regierung7 das vielleicht gerade durch den Wahlausfall einen letzten starken Impuls bekommen
Voraussetzung bafür aber, daß wir diesen unseren Schicksalsraum in eine uns gemäße Gestalt zu bringen vermögen, ist, daß wir unseren e>taat nt Ordnung zu bringen vermögen. Es gilt ben beul- chen Staat wieder zu einem souveränen Machtgebilde mit starker Regierungsgcwalt zu sonnen; es gilt, diesen deutschen Staat zum deutschen Gesamtstaat möglichst aller Deutschen zu weiten. Der Rundgang durch die Staatenwelt, mit der wir schicksalhaft verflochten sind, zeigt, daß es Wege gibt, die uns einmal ins Freie führen können, wenn wir zu dem nötigen Einsatz fähig find. Vor allem aber fordert Rohrbach eine intensive deutsche Kulturpolitik sowohl in Richtung auf die fremden Völker, insbesondere unseres mitteleuropäischen Bereichs, als auch auf untere außendeutschen Volksgenossen, di.' gleich uns Reichsdeutschen zum gesamtdeutschen Dolkskörper gehören. Es gilt b i e inner e V o l k- roerbung Der Deutschen! Ader die Möglichkeiten der Zukunft werden nur ausgeschöpft werden können, wenn unser Volk seine Lebenskrise über- windet. „Die seelische Energie des deutschen Gesamtvolks" muß „den nationalen Erneuern n g s w i 11 e n", muß „neue s i 111 i d) • r e 11 • gjöse Bindung und freudige Schöpfer- traf t“ aus sich heraustreiben. Es bedarf einer kühnen moralischen Offensive der „Nurdeutschen , jenes „neuen Adels", der seinem Volke das Vorbild des „edlen Bewußtseins der 2krantroort- lichkeit" gibt. Nur so kann cs zur Erneuerung der Familie und dadurch zur Rettung des Volks vor dem Tode kommen, nur so kann der Weg zu den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Reformen gesunden werden, die die Voraussetzung für wirk- liche Gesundung sind. — , m c L
Aus der Not der Zeit geboren ist Rohrbachs Buch ein Weckruf zur Selbstbesinnung, zur Personalverantwortung, zur nationalen Entschlußkraft. Diele sind unter uns, die aus d.-r Krise der Zeit heraus nach neuem über- persönlichem Inhalt suchen. Es ist, als ob bas Zeitalter bes Inbividualismus, bas mit der Renaissance anhebt und sich im Subjektivismus unserer Tage überschlägt, zu Ende geht, als ob aus ben Wehen der Zeit heraus ein Zeitalter neuer Der» bundenheit im Glauben, im Geiste und im Willen entsteh.', bas den Menschen aus seiner Vereinzelung heraussühre und ihn das Glück organischer 23er* bundenheit in Volk und Staat neu erleben lasse. Vielleicht ist cs unsere deutsche Ausgabe, die neuen Werte aufzurichten und dadurch die Maßstäbe für neue Ordnung im Abendlande zu schaffen. Dazu aber bedarf es der Erweckung einer neuen Seelenhaftigkeit, einer neuen Weift i g t e i t in unserem Volke. Rohrbachs B u ch ist ein mit heißem Herzen und aus weitem Horizont geschriebener Beitrag zu diesem Werk; er will umpflügen, auf daß der Same aufgehen könne, auf baß ber neue Abel ber Deutschen wachse. Wir wünschen seinem Buch recht viele Leser, wir wünschen cs insbesondre in die Hand unserer reifen Jugend.
Daten für Montag. 13. Oktober.
Sonnenausgang: 6.19 Uhr. Sonnenuntergang: 17.13 Ahr. — Mondaufgang: 19.53 Ufjr, Monduntergang: 13.14 ilfjr. f
1821: der Mediziner und Politiker Rudolf Birchow in Schivelbein geboren. — 1924: ber französische Schriftsteller Anatole France auf seiner Besitzung bei Tares gestorben.
Daten für Dienstag, 14 Oktober.
Sonnenaufgang 6.20 Uhr, Sonnenuntergang 17.11 Uhr. — Mondaufgang 21.01 Uhr, Mond- untergang 14.12 Uhr. _
1644: der Quäker William Penn, Gründer von Pennsylvanien, in London geboren.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen


