Ausgabe 
13.8.1930
 
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Oberheffen.

Großes Zischsterben in der Wetter.

0 G a m b ach, 11. Qlug. Ein großes Fisch­sterben konnte man in den letzten Tagen in der Wetter beobachten. Furchtbar war der Todeskampf der Tiere. Selbst Hechte von über einem halben Meter Länge und 10 bis 15 Pfd. schwer waren dem Tode verfallen. Wo ein kleines Bächlein oder ein Graben mit Hellem Wasser sich in die Wetter ergoß, sammelten sich die Fische zu Hunderten an, um vielleicht dort dem Tode zu entgehen. Haufenweise schwammen die ver­endeten Tiere auf der Oberfläche des Wassers. Wodurch das große Fischsterben hcrvorgerufen wurde, konnte noch nicht ermittelt werden: hof­fentlich bringt eine genaue Untersuchung volle Klarheit. Der Schaden, den die Fischereipächter erleiden, ist sehr groß.

ReichSjugendwettkämpfe.

£ Wieseck, 12. Qlug. Mit der diesjährigen Berfassungsfeier war das Jugendfest der Schule verbunden. Olm Dormittag wurden die Reichsjugendwettkämpfe ausgetragen, an denen sich rund 150 Kinder beteiligten. Es wurden sehr schöne Resultate erzielt. 60 Kinder konnten die vorgeschriebenen zwei Drittel der Höch st Punktzahl erreichen. Damit entfallen auf die Wiesecker Schule sechs älrkundrn des Herrn Reichspräsidenten und 54 Ur­kunden des Herrn Staatspräsidenten. Der Nach­mittag brachte den Festzug der mit Fähnchen und Blumen geschmückten Schulkinder und der Ver­eine nach dem schön gelegenen Sportplatz. Rach der Begrüßung durch Rektor Petri hielt Kreis­schulrat Fischer (Gießen) die Festansprache, in der er besonders auf die Bedeutung der Ver­fassung einging. Dann wechselten Vorführungen der Kinder, sowie Gesangsvor.träge der einheimi­schen Vereine. Qllles in allem kann die Veranstal­tung, an der fast die Gescunteinwohnerschaft teilnahm, als wohlgelungen bezeichnet werden. Die ersten Ergebnisse aus den Reichsjugend- Wettkämpfen sind folgende:

Gruppei, Knaben 7. und 8: Schul­jahr, (Fünfkampf): 1. Walter Kreiling, 108 Punkte: 2. Otto Erb, 96; 3. Walter Eisenhut 95; 4. Rudolf Lotz, 85; 5. Paul Haas, 85 Punkte.

Gruppe!, Mädchen (Dreikampf): Ruth Wehling und Minna Loh, 64 Punkte; Johanna Koch und Frieda Schäfer!., 52 Punkte; Toni Kreiling, 50 Punkte.

Knabe n - Vorstufe (Dreikampf): 1. Willi Eisenhut, 60 Punkte; 2. Wilh. Krieger, 59 P.; 3. Karl Scherer, 56; 4. Qllfred Göbel und Ewald Jmmel, 54 Punkte.

Mädchen-Dor st ufe (Dreikampf): 1. Erna Kling, 54 Punkte; 2. telli Schmidt 52; 3. Hedwig Hofmann und Hilde Seibert, 51; 4. Else Pfeiff, 47 Punkte.

Landkreis Gießen.

)( Bersrod, 12. Qlug. Dieser Tage voll­endete unser Gemeindercchner Wilh. Grau- l i ch sein 7 0. Lebensjahr. Sein hohes Alter und seine dadurch stark geschwächte Gesundheit nötigen ihn dazu, in den wohlverdienten Ruhe­stand zu treten. Das Amt eines Gemeinderechners versah er seit dem Februar 1885, also mehr als 45 Jahre. Ebenso lange war er Krankenkassenrechner für Bersrod und Winnerod. Die staatliche Unter» erhebstelle verwaltete er seit dem Jahve 1900. Daneben war er Kirchenrechner für die ge­nannten Gemeinden. Letztere Tätigkeit gedenkt er, solange sein Gesundheitszustand es irgendwie erlaubt, noch weiter auszuüben. Herr Graulich hat seine Aemter stets mit größter Gewissen­haftigkeit ausgeübt und sich auch in die vielen Reuerungen, die es in den Jahren nach dem Kriege in dem Rechnungswesen, besonders bei der Llntererhebstelle gab, trotz seines Alters gut eingearbeitet. Der Dorgänger unseres ge­schätzten Rechners in seinem Amte war sein Großvater Johannes Graulich, der im Alter von 77 Jahren starb, nachdem er 31 Jahre das Rechneramt versehen hatte. Mehr als 76 Jahre lang hat also die Familie Graulich die Finanzen der Gemeinde Bersrod treu verwaltet.

H G e i l s h a u s e n, 13. 2Iug. Seit Montag voriger Woche ist der 17 Jahre alte Heinrich Grieb von hier, der in Treis a. d. Lda. das Bäckerhandwerk erlernt hatte, spurlos verschwunden. Der junge Mensch hielt sich zuletzt in Beuern auf, wo er mit einem älteren Manne, der Ende der vierziger Jahre stehen soll, näher bekannt wurde. Auch dieser Mann ist seit Montag voriger Woche verschwunden, ohne daß man bisher weiß, wohin. Von beiden fehlt bis heute noch jede Spur. Die Eltern des jungen Menschen leben hier als allgemein geachtete und angesehene Landwirts­leute.

O Holzheim, 12. Qlug. Rachdem die schad­haften Stellen der Provinzial st raßeGrü» ningenHolzheim und der Strecke von hier bis zur Gambacher Grenze mit Teer und Feinschlag ausgefüllt wurden, wird jetzt die ganze Straße geteert, auch die etwa 1200 Meter lange Ortsdurchfahrt, deren Zustand besonders schlecht war. Die Arbeiten, die ungefähr drei Wochen dauern, werden von der Firma Theodor O h l (Limburg) ausgeführt. Erfreulicherweise ist dabei eine große Anzahl Holzheimer und Grüninger Arbeitsloser beschäftigt.

* Lich, 13. Aug. Zu unserem Bericht über die Storch cnparabe auf dem Dache der Marien-

stiftskirche ist auf Wunsch noch mitzuteilen, daß die kleinere photographische Aufnahme von Lehrer Otto Volz am vorigen Mittwochabend, die größere Photographie von Ferdinand Zimmer am Sams­tagabend hergestellt wurde.

# Hungen, 12. Qlug. Die Bronze-Me­daille für 25jährige ununterbrochene Tätigkeit im Dienste des Landwirtschaftskammerausschusses für Ober Hessen wurde dem Weidewärter Emil Sonnenburg auf der Jungviehweide des be­nachbarten Tiergartens verliehen. Die Taglöhne- rin Katharine Weim, die 29 Jahre ununter­brochen bei dem hiesigen Gutspächter Ferdinand Kammer bedienstet ist, erhielt eine Bronze-Brosche für treue Dienste.

Kreis Friedberg.

WSN. Friedberg, 12. Aug. Auf der Chaussee von Melbach nach Dorheim stürzte der 22jährige Sohn eines Bad-Nauheimer Polizeibeamten so un­glücklich vom Motorrad, daß er einen dop­pelten Schädelbruch davontrug. Der Bedau­ernswerte ist im Städtischen Krankenhaus in Bad- Nauheim seinen schweren Verletzungen erlegen.

Kreis Büdingen.

xy. Ober-Widdersheim, 12. Qlug. In den Wäldern der östlichen Wettercru (Ech­zell, Geiß-Ridda, Ober-Widdersheim) wurden m den letzten Jahren wiederholt W i lo­sch weine beobachtet. Sie verursachten nicht selten an Kartoffel- und anderen Feldern be­trächtlichen Schaden. In der letzten Woche hatten die unbeliebten Borstentiere ihr Quartier im Echzeller Wald im Jagdgebiet von Karl Ricke! (Dasaltwerke Ober-Widdersheim). Jagd­hüter Diehl hatte das Lager der Tiere fest­gestellt. Bei der Treibjagd wurden drei ältere Tiere und fünf Frischlinge gesichtet. Leider hatte nur Herr Schudt (Grund-Schwalheim) das Glück, einen Keiler von ungefähr 180 Pfund zur Strecke zu bringen.

Ein vielversprechendes Früchtchen.

WER. Frankfurt a. M., 12. Qlug. Dank der Aufmerksamkeit der Frankfurter Bahnpolizei ist es gelungen, Ende voriger Woche einem jun­gen Mann, der trotz seiner 20 Jahre schon recht geschickt seine lichtscheuen Talente in Hotels und auf der Eisenbahn versuchte, das Handwerk zu legen. Einem Bahnpolizisten war bei seiner Streife in den Bahnsteigen des Haupt­bahnhofes aufgefallen, daß ein elegant ge­kleideter junger Mann sich in verdäch­tiger Weise in dem (Münchener und Base­ler O - Z u g herumtrieb. Der Verdacht erwies sich als wohlbegründet. Im Besitz des Josef Heyer, der aus Krefeld stammt und die Han­

delshochschule in Düsseldorf besucht hat, sand sich zunächst die Monatskarte einer aus Ried am Main stammenden jungen Dame. Die Dame hatte, während sie am Pult des Bahnpostamts schrieb, ihren Koffer daruntergestellt. Dieser war ihr trotz ihrer Aufmerksamkeit dann samt der Monatskarte gestohlen worden. Bei seiner Festnahme hatte Heyer versucht, ein Rotizbüch- lein unbemerkt fallen zu lassen. Bei der Ver­nehmung durch die Bahnpolizei fand sich in seinen Kleidern eine ganze Sammlung von Hotelschlüsseln, darunter vonExzelsior" in Köln undKrefelder Hof" in Krefeld, insge­samt etwa 20 Stück, Feilen, Dietriche, Glasschnei­der u. a. m. H. hatte mit einer 25jährigen Dame aus Gindorf (Rheinland) in einem der besten Hotels am Frankfurter Hauptbahnhof gewohnt. Rach Frankfurt war das Paar gekommen, um angeblich einen Arzt aufzusuchen. H. trat so sicher in dem Hotel auf, daß sich die unbezahlte Hotelrechnung auf etwa 2 0 0 Mar k aufladfen konnte. Dann empfahl sich das Pärchen auf französisch, um ein kleineres Hotel hinter dem Hauptbahnhof zu beglücken. Ob Heyer nach seinem verdächtigen Verhalten noch Kom­plizen hat, wird die Untersuchung durch die Kriminalpolizei ergeben, ebenso auch, welche Ve-' wandtnis es mit den verschiedenen Hotel- und anderen Schlüsseln hat. Jedenfalls ist das Arse­nal des aus guter Familie stammenden jungen Mannes für einen Anfänger recht reichhaltig. Seine ebenfalls aus guter Familie stammende Freundin, die von dem dunklen Treiben des Heyer nichts gewußt haben will, wird einst­weilen von einem Heim betreut.

Auf frischer Tat ertappt.

WSR. Frankfurt a. M., 12. Qlug. Der seid langem von der Polizei gesuchte, bisher unbe­kannte Bestellungsbetrüger Hermann. Lewinsohn aus Wriezen an der Oder ist jetzt auf frischer Tat fest genommen worden, als ler sich von einem hiesigen Geschäft eins Wäscheauswahlsendung nach einem Hause im Kettenhofweg an eine fingierte Adresse durch (Boten zustellen lieh. Sein Trick ist ihm, wie er selbst zugibt, in fünf Fällen gelungen, während er beim letzten Falle unschädlich gemacht werden konnte. Die Durchsuchung seiner Wohnung för­derte den größten Teil der erschwindelten Ware zutage, die den Geschädigten wieder zugestellt werden konnte.

Daten für Donnerstag, 14 August.

1840: der Psychiater Richard Freiherr von Krafft- Ebing geboren; 1841: der Philosoph Johann Friedrich Herbart gestorben; 1873: der Dichter Johannes Trojan geboren.

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