Nr. 187 (Elftes Blatt
180. Jahrgang
Mittwoch, 13. August (930
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Dr. gnebr. Wilh. Lange. Terantroortlid) für Dolitik Dr gr. Wilh. Lange; für geuilleton Dr ft.Ibpriol; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Mar gilt er, sämtlich in Bietzen.
Kampf um Oel.
Die Nachricht von ber plötzlichen Zuspitzung des türkisch - persischen Grenzkonflikts wird in ihrer ganzen Bedeutung nicht überall sofort erkannt werden. In London freilich dürfte man ganz genau willen, um was es dabei geht, und auch König Fei la l vom Irak, der. gerade zu Belach in Berlin weilt, wird ohne Frage die Entwicklung der Dinge mit ge- fpanntester Aufmerksamkeit verfolgen. Denn wenn nicht alle« täuscht, geht es bei diesem Streit auch um fein Land und seine Interessen.
Der akute Anlah zu den Differenzen zwischen Angora und Teheran war ein Kurbenauf- stand an der türkisch-persischen Grenze. Rebellierende Kurden waren al« Räuber in Vie nächst-
R i z a K h a n (links) und KemalPascha (rechts), die Staatsoberhäupter Persiens und der Türkei die wegen der AurbenüberfäUe an der persisch-türkischen Grenze in Konflikt gerieten.
liegenden Gebiete ber Türkei eingedrungen unb würben von türkischen Streitkräften über die persische Grenze hinweg verfolgt. Es wird behauptet. dah türkische Truppen bei del er Gelegenheit nahezu hundert Kilometer in persisches Gebiet eingedrungen seien. Diese Grenz» Verletzung wird denn auch von Kemal Pascha keineswegs bestritten. Die türkische Regierung scheint aber den Fall nur zum Anlah einer weitgehenden Grenzberichtiguikg zugunsten der Türkei nehmen zu wollen. Jedenfalls verlautete schon vor Tagen, als der förmliche Protest der persischen Regierung gegen das Verhalten der türkischen Grenzsoldaten bekannt wurde, dah Angora eine Grenzkorrektur vorzunehmen wünsche, um dem Räuberunwcsen wirksamer begegnen zu können. Praktisch würde eS sich noch den Forderungen der Türkei darum handeln, das gesamte Ararat-Gebiet in die Türkei einzubeziehen, eine Zone, die in der Tat durch ihre Anwegsamkeit allem möglichen Räuber- gesindel die mannigfaltigsten Schlupfwinkel bietet.
Für so gutgläubig wird man nun freilich auch in der Türkei die Welt nicht halten, dah man in Angora ernsthaft an nehmen könnte, die interessierte Oeffentlichkeit werde sich mit der Version von der Rotwendigkeit einer Grenzkorrektur zugunsten des türkischen Staate« „zur wirksameren Bekämpfung des Räuberunwesens" zufrieden geben. Ein Gebiet, das durch die Wildheit seiner Bevölkerung ebenso wie durch deren Armut nur ein erhebliches Plus an Verwaltungs- auswand erfordert, kann namentlich für die Türkei nicht reizvoll fein, da sie ohnehin schon genug Finanzsorgen hat. Der tiefere Anlah des Konflikts dürfte denn auch der Wunsch der Türkei sein, sich der Oelvorkommen zu bemächtigen, die an der persischen Rorbchestgrenze noch der Erschließung harren. Hier schlummern Reichtümer, die eines Tages für den Besitzer des Landes nicht nur finanziell, sondern auch politisch von größtem Wert sein können.
Auch König Feifal, dessen Herrschaft ja. so merkwürdig es klingt, auch schließlich aus die Tatsache ber Petroleumvortommen im nördlichen Oral zurückzuführen ist. hat die politische Rütz- lichkeit dieser Bodenschätze recht gut erkannt. In geschicktem diplomatischen Spiel hat er sich c-.nc nahezu völlige Unabhängigkeit von den englischen Mandataren de« Irak zu verschaffen gewußt. Er hat die französischen Wünsche aus schleunige Erschließung der Oelvorkommen seines Gebietes mit allem Raffinement gegen das Be- streben der englischen Kapitalistengruppe, diese Petroleumfunde angesichts des gegenwärtigen Weltüberflusses einstweilen noch ruhen zu lassen, ausgespielt. Wenn nun unter Umständen die Türkei eine vollendete Tatsache im Ararat-Ge- biet dadurch schafft, daß sie ihre Grenztruppen in Pertien einrücken läßt, bann kann da« auch zu einer Debrohung ber Unabhängigkeit des Oral werben, zumal auch 'im Herrschaftsbereich des Königs Feisal aufständische Kurden sitzen, die der Regierung von Angora vielleicht ebenfalls den akuten Anlah zum Eingreifen geben werden. Was hier auflebt, ist der alte Streit um die Oelgcbiete von Mvssul. in dem schon einmal die Türkei mit England die Klingen kreuzte.
Den eigentlichen Hintergrund für die aktuelle Situation gibt aber auch heute b i c englisch- russische Rivalität ab, die schon aus den Vorkriegsjahren datiert. Das politische und wirtschaftspolitische Onteresse der Sowjetunion an den reichen Oelgebieten, in die sich gegenwärtig vor-allem Persien unb der Irak teilen, ist nicht minder groß als das Bemühen des britischen Petroleumkapitals, sich den Einfluß auf
Frankreich und die Grenzziehung an der deutschen Ostmark.
Die französischen Angriffe, die polnischen werden noch folgen, auf die Rede, die ber Reichsminister TreviranuS am Sonntag bei ber Kundgebung der Ostverbände gehalten hat. erfahren in der deutschen Oeffentlichkeit eine selten einmütige Zurückweisung. Es ist nicht nut die Rechtspresse, die schon wegen ihrer grundsätzlichen Einstellung die Aeußerung des Ministers über die ungeteilte Wunde in der Ostflanke Deutschlands deckt, sondern biS weit nach links herein werden die Pariser Angriffe als ungerechtfertigt empfunden. Diese außenpolitische Einheitsfront der sonst so zerrissenen deutschen Oeffentlichkeit sollte der anklagenden Gegenseite zeigen, dah sie auf dem falschen Wege ist, wenn sie deutschen Ministern verbieten will, von solchen Notwendigkeiten zu sprechen, über die sich das ganze Volk einig ist
Was hat die Gegenseite zu antworten? Bezeichnend ist ber „Temp s". ber alle jene Vorwürfe gegen bie deutsche Politik vorbringt, die man seit bald einem Iahrzehnt kennt. Da wird Belgien angeführt, ba werben angebliche Verletzungen „sämtlicher Menschenrechte" im Kriege zitiert, ba wirb bie ganze Vergangenheit hervor-- geholt, um jebeS Unrecht, bas man Deutschland zuschieben kann, zu entbeden. Das ist eine hoffnungslose Politik, bie niemals zu einem gebeihlichen Zusammenleben führen kann. Es ist unmöglich, bie schwersten Vorwürfe gegen einen Nachbarstaat mit sich herumzutragen, um sie bann in die Welt hinauszuschleubern. wenn man glaubt, irgendeinen günstigen Anlaß zu haben. Heber bie Unmöglichkeit einer solchen Einstellung, bie gar nichts mit bem Fall Treviranus zu tun hat. sonbem von viel grunb- sählicherer Bebeutung ist, unb sich nur in diesem Fall mit erschreckender Deutlichkeit zeigt, sind sich auch weite Kreise in Frankreich klar. Aber es ist wohl noch ein weiter Weg, bis auch der „TempS" zu dieser Einsicht kommt.
Man mag über bie Formulierung der Aeuße- rungen von Treviranus verschiedener Meinung fein, aber, wo diese sachlich völlig gerechtfertigten Aeuherungen gefallen sind, und man in Paris unb Warschau sich anschickt, so etwas wie ein Verbot berartiger Worte für beutsche führenbe Politiker zu erzwingen, kann bie Stellungnahme nur eine einbeutige Ablehnung aller solcher Versuche sein. Ober glauben bie Chauvinisten in Paris unb Warschau wirklich, etwas erreicht zu haben, wenn sie in Zukunft solche Worte über die „ungerechte Grenzziehung zwischen Deutschlanb und Polen", über „Ostdeutschlands Blutstockung" als eine europäische Sorge unb Gefahr verbieten, bie bas Empfinden eines ganzen Volkes auSsprechen? Aus der Zeit der französischen Revanche-Idee nach bem Siebziger Krieg stammt bie Losung, nie von der Revanche zu sprechen, aber immer an s i e zu denken. Will man diese Taktik Deutschland aufzwingen, das wirklich nicht an Revanche denkt, sondern nur an die Beseitigung solch unerträglicher Mißstände, wie sie die Grenzziehung im deutschen Osten hervorgerufen hat, und die im übrigen von einer ganzen Reihe führender französischer Politiker gerade in jüngster Zeit noch als abänderungsbedürftig bezeichnet worden sind.
Treviranus antwortet seinen Kritikern.
Die Rcvifionsmöglichkeitcn der Verträge.
Berlin, 12. Aug. (WTB.) Reichsminister Treviranus äußerte sich über die Auslegung, die seine Rede vor bem Ost -
unb Westausschuß ber Heimattreuen Verbände im On- unb Ausland gefunden hat. Der Minister wies bie unsachliche Kritik zurück, bie an seiner Rede geübt wurde, und erklärte, er halte es für gut, bah ein Minister Ort unb Gelegenheit benutze, um das zu sagen, was jfcm aus weitesten Volkskreisen entgegenklinge" Wenn gewisse Onterpreten unter bem Degrisf „Front ge ist" nur bie Kriegslüstem- hcit toaffenftarrenber Krieger verstehen wollten, so könnten sie biefen Begriff nicht gründlicher mißverstehen. Das, was er darunter verstehe, sei die Idee größerer Kameradschaftlichkeit und stärkererDerbundenheit.
Der Reichsminister betonte, daß er selbstverständlich in keiner weife an die Revision der Ostgrenzen mit abenteuerlichen, kriegerischen Mitteln gedacht habe, als er in seiner Rede vom Sonntag erklärte, die Grenzen des Reiches hielten nicht stand gegen Völkerrecht und nationalen Lebenswillen. (Es fei darüber niemals Zweifel gelassen worden, dah die Verträge, die völkerrechtsgültig abgeschlossen sind, auch gehalten werden sollen. Das Unrecht der Grenzziehungen könne nur auf dem Wege der friedlichen Verständigung besel- t g I werden, aber Deutschland könne auf seine Forderung nach Gleichberechtigung und ehrlicher klarer Abrede nicht verzichten.
Duisburg, 12. Aug. (TU.) Am Samstag hat eine Besprechung zwischen Vertretern der Kammer van üoophandel en Fabrieken in Rotterdam und der niederrheinischen Industrie - und Handelskammer Duisburg-Wesel über die gegenwärtigen Verstimmungen in den deutsch-niederländischen Beziehungen stattgefunden. (Es herrschte völliges (Einverständnis über diefürbeIde Seiten unerfreulichen Wirkungen dieser Entwicklung der Dinge. Die Verhältnisse, die dazu geführt haben, wurden eingehend im Sinne freundschaftlicher Verständigung erörtert.
wie aus Amsterdam gemeldet wird, hat der führende holländische Molkereioerband der Alge- m e e n Rederlandsche ZuiveIbon, von dem bekanntlich die in Holland gegen deutsche waren erfolgte Boykottbewegung ausgeht, beschlossen, d i e- f e n Boykott vorläufig einzuste11en. Begründet wird dieser Schritt mit dem Scheitern der deutsch - finnischen Verhandlungen. Da die Lage jedoch vorläufig noch sehr unsicher erscheint, so heißt es, wolle der verband einstweilen eine abwartende Haltung einnehmen und inzwischen mit anderen Interessentengruppen Fühlung suchen, um für den Fall, daß es für notwendig gehalten werde, den Boykott erneut auszusprechen, für diese Bewegung bann eine breitere Grundlage zu haben.
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Der etwas voreilig in Holland angekurbelte Boykott deutscher Waren ist also sehr rasch wieder
TreviranuS wies die besonders von französischer Seite gemachte Darstellung zurück, die einen Gegensatz zwischen Dr Stresemann unb ihm selbst konstruieren will. Dr. Strcfcmann habe Enbe 1925 in Beantwortung einer Frage be« Grafen Westarp auf bie im Vertrag von Versailles gegebenen RevifionSmöglichkei- t e n hingewiefen. und man versuche sehr zu Un- recht, seine, des Redners, Aufsassung in Gegensatz zu der Stresemanns zu stellen. Chamberlain und Lloyd George hatten ebenfalls im englischen Unterbau« auf die Revi- fionsmöglichkeiten verwiesen, die innerhalb des Locarnovertrages liegen. In ber Präambel biefes Vertrages werde ausbrücklich davon gesprochen, daß alle Bestimmungen be« Locamovcrtrages sichinnerhalbber Grenzen bet DölkerbunbSsatzung halten müßten. Allgemein werde ber Artikel 19 ber VölkerbunbssahunH als ein selbstverständliche« Mittel angesehen, um bie unerträgliche Lage in Deutschland innerhalb des Völkerbunbes nicht nur zur Sprache zu bringen, sondern auch zu beseitigen. In seinem Schlußwort betonte der Minister, daß bie Deutschen, bie waffenlos unb ohne irgendwelche technische Hilfsmittel, bie sich im entferntesten mit den Rüstungen ber Nachbarn vergleichen ließen, inmitten Europa- lebten, ben Stieben brauchten als Voraussetzung ihrer Lebensmöglichkeit, allerbing« einen Frieben, bet f o ehrlich, f o rein und klar sein müsse, baß er ben Namen Frieben verdiene.
abgesagt worden, offiziell weil ja die Verhandlungen Deutschlands mit Finnland über die Erhöhung des Dutterzolls gescheitert sind, tatsächlich aber doch wohl noch mehr, weil die Holländer sich davon überzeugt haben, daß sie sich mit einem solchen Boykott erheblich in« eigene Fleisch schneiden würden. Sie haben eS mit der Drohung gar zu eilig gehabt, sie hätten besser daran getan, abzuwarten, wie die Dinge sich weiter entwickeln, noch besser freilich, wenn sie versucht hatten, für die Zwangslage Verständnis aufzubringen, in der Deutschland sich befindet. Die Holländer ebenso wie die Dänen haben ein begreifliches Interesse daran, ihre landwirtschaftlichen Produkte bei uns loszuwerden, Deutschland aber hat wieder ein Interesse daran, diese landwirtschaftliche Einfuhr durch entsprechende Eigenproduktion unmöglich zu machen, nicht etwa, um die Holländer oder Dänen zu ärgern, sondern weil wir sparen müssen. Die Reparationsverpflichtungen legen uns eine Kapitalausfuhr von rund zwei Milliarden im Iahr auf. Dieses Geld muh aufgebracht werden und kann nur aufgebracht werden durch rücksichtslose Drosselung des Imports sowie durch Steigerung des Exports. Das sind selbstverständliche Folgen des Voung- planS, die auch die neutralen Kaufleute einsehen müssen. Wollten sie das verhindern, dann hätten sie den moralischen Sinsluß, über den sie verfügen, rechtzeitig ausnützen müssen, un! unsere Kriegsgegner zu einer Ermäßigung ihrer Forderungen zu veranlassen. Daß sich jetzt ihre Entrüstung gegen Deutschland richtet, ist billig, aber ungerecht.
Kampfpause im Butterkrieg.
Holland bläst den Boykott deutscher Waren ab. — Außenhandel und Reparationen
bie Erschließung biefer Dobenschähe möglichst absolut zu sichern. Die Sotojetruffcn werden nach Kräften bemüht sein, sich die gefährliche Konkurrenz. die das Mossul-Petroleum für bie russische Raphta-Inbustrie barstellt, vom Halse zu holten. Es spricht beshalb sehr viel dafür, daß man in Moskau die Erdölvorkommen Vor- derasiens lieber in türkischer als in persischer Hand weih, da der britische Einfluß in Teheran ohne Frage ungleich stärker ist als der Rußlands. Heberdies sind für die Türkei die wirtschaftlichen Absatzmöglichkeiten der Petroleumfunde geographisch sehr viel ungünstiger als für Persien unb ben Irak, bie beide bereits beson- bere Rohrleitungen zum Persischen Golf planen. Möglich, bah bie Dinge sich noch einmal in Ruhe beilegen lassen werden, bah also ber Konflikt zwischen Teheran unb Angora nicht offen zum Ausbruch kommt. Sicher aber ist, bah ber Kampf aufs neue entbrennen wird, wenn die weltwirtschaftliche Situation bie Er schlie - 6 un g ber Oelfunbe gestattet. Die Entscheidung wirb dann freilich nicht am Ararat gefällt werden, sie wird in ben Kontoren ber Lonboner City, ber Reuyorker Wallstreet, vielleicht aber auch in Paris ober Moskau fallen.
Türkische Streitkräfte überschreiten die persische Grenze. Die Operationen gegen die aufständischen Kurden.
Angora, 12. Aug. (WTB.) Die türkische Regierung, die beschlossen hat, den Protest ber persischen Regierung unbeachtet zu lassen, hat General Salih Pascha, bem Befehlshaber der türkischen Streitkräfte an der türkisch-persi
schen Grenze, den Befehl erteilt, militärische Operationen gegen die Kurden z u beginnen, die sich am Abhang des Ar- rar a t eingegraben haben. Die türkischen Truppen haben gestern abend die persische Grenze überschritten und auf dem östlichen Abhang des Agridagh eine strategische Stellung besetzt, die ziemlich tief im persischen Gebiet liegt. Die Türken haben alle Vorkehrungen getroffen, um den Rückzug der Aufständischen abzuschneiden, und hoffen, der kurdischen Gefahr ein für allemal ein Ende zu machen.
Oer Kampf gegen den Kommunismus in Finnland.
Entführung von fünf kommunistischen Stadtverordneten.
Kopenhagen, 12. Aug. (Tel.-Un.) Wie aus Helsingfors gemeldet wirb, haben sich bei bem Polizcimeifter von Kajana am Montag 4 4 Einwohner der Stabt gemeldet, bie erklärten. an bet gewaltsamen Entführung von fünf kommunistischen Stabtrat«- mitgliebern kilgenommen zu haben. Sie gaben an, baß sie bie fünf Kommunisten bis -ur finnisch-russischen Grenze geführt hätten, von wo bie Kommunisten bann freiwillig nach Ruhlanb hinübergegangen seien. Die Kommunisten hätten sich bis zum letzten Augenblick geweigert, eine Verpflichtung zu unterschreiben, wonach sie ihre Aemter sofort niederlegen. Als Grunb für bie Entführung gaben bie 44 Bürger von Kajana an, dah die Stabt ohne Leitung gewesen
wäre, falls bie Kommunisten nicht zurückgetre- ten wären, ba bie bürgerlichen Stabtnerorbne* ten sich geweigert hätten, weiter an den Arbeiten der Stadtverwaltung teilzunehmen, so lange es Kommunisten in der Stadtverordnetenversammlung gäbe. Die 44 erklärten weiter, dah ihr ganzes Auftreten nichts mit der Lapo-Dewegung zu tun habe. Sie hätten sich deshalb gemeldet, damit bie Behörden nicht durch ergebnislose Untersuchungen in Mißkredit kämen.
Frankreich will sparen.
Der Ltaatsaufwand wächst lawinenartig.
Paris, 12. Aug. (WTB.) (Eine in Rambouillet, der Sommerresiden; des Präsidenten der Republik, abgehaltene Minislerbesprechung war Fragen des Etats gewidmet. Budgetmtnifter Germain Martin setzte auseinander, wie das Budgetglcichgewicht hergestellt werden könne. Von 1926 bis 1930 seien die budgetären Anforderungen um 13 Milliarden gestiegen; das Budget von 1930 weise eine weitere Steigerung um 5 Milliar - den im Vergleich zum oorausgegangenen Budget auf. Run würden die für 1931 in Frage kommenden Budgetanforderungen wiedereinen Mehraufwand von etwa 6 Milliarden er- forderlich machen. Der Ministerrat vertrat die An- sicht, daß diese unaufhörliche Erhöhung nicht andauern dürfe, und er beschloß, die gesamten An- forberungen eines Nebenministeriums einer durchgreifenden Revision zu unterziehen. Es soll versucht werden, durch eine neue Steuer und eine weitere Anleihe den budgetären Anforderungen gerecht zu werden. Der Ministerpräsi- bent und die Minister für das Budget und die Fi- nangen sind beauftragt worden, entsprechende Maßnahmen zu treffen.


