12 d. H. auf die fünf yrößeren Städte, über 5 v. S). auf Lindenfels und je über 3 v. H. auf Bad- Salzhaufen und Bingen. Da es sich bei den Fremden in Bingen fast ausnahmslos um Passanten handelt, steht dieser Ort hinsichtlich der Zahl der angekommenen Fremden mit fast 40 000 nur hinter Mainz (57 000) zurück.
Oberheffen.
Landkreis Gietzen.
W iefeck, 12. März. Seit einigen Lagen sind die Störche wieder da. Das Rest wurde von ihnen gemustert, um etwaige Ausbesserungen vorzunehmen. Es ist dies ein gutes Zeichen, daß ein günstiges Frühjahr zu erwarten ist, sonst wäre wahrscheinlich Freund Adebar noch im Süden verblieben.
Wieseck, 13. März. Gestern ist der ä l t e st e Einwohner unseres Dorses, der Landwirt Wilhelm Loh, im Alter von 93 Jahren gehör b e n.
H Lollar, 12. März. Eine öffentliche Ge- meinderatssihung fand dieser Tage statt. Die im Dorjahre grundsätzlich beschlossene Kanalisation soll nunmehr, nachdem die Be- zirkssparkasse Gießen ihre Dereitwilligleit zur Gewährung eines Darlehens von 150 000 Mk. gegeben hat. zur Ausführung kommen. Das Kulturbauamt Gießen soll mit der Ausschreibung und Durchführung der Arbeiten beauftragt werden. Baugesuch der Wohnungsfürsorgegesellschaft f ü essen in Darmstadt: Diese will die jetzige LZestwiese. die als Festplah in Zukunft nicht mehrjin Betracht kommt, kaufen, um darauf sechs Doppelhäuser zu erstellen, drei entlang der Hauptstraße und drei entlang des Feldweges, der gleichlaufend zur Hauptstraße die hintere Wiesenseite begrenzt. Als erster Bauabschnitt will die Gesellschaft die drei Doppelhäuser an der Hauptstraße errichten lassen. Der Gemeinderat hat dazu beschlossen, die gesamte sog. Festwiese dem Antragsteller zu verkaufen, und zwar den Quadratmeter zum Preise von 2,50 Mk. unter der Bedingung, daß auf dem Grundstück nur drei Doppelhäuser entlang der Hauptstraße erbaut werden und daß die Gesellschaft zuvor die Damen der Interessenten für diese Häuser der Gemeinde bekanntgibt. — Am Samstag veranstaltete die hiesige Ortsgruppe des Gewerkschaftsbundes der Angestellten (G. D. A.) einen „bunten Abend" im Saale „Zur Traube". Der Grundgedanke der Veranstaltung: Stärkung der Verbundenheit der Angestellten mit der deutschen Bolkswirtschaft, bewußte Doranstellung der sreiheitlich-nationalen Betätigung und Werbung für diese Ziele fand Ausdruck in einer Ansprache des Herrn Fr. Mack. Gießen. Der Abend war sehr gut besucht.
s. Aus dem mittleren H o r l o f f t a l, 11. März. Infolge der gelinden Witterung beginnt man bereits mit der Aussaat von Ger st e und Hafer. Wie gewaltig der Unterschied gegen die vorjährigen Witterungsverhältnisse ist, geht daraus hervor, daß in unserem Tal im vergangenen Jahr die Ausstellungsarbeiten erst in der Zeit vom 15. bis 20. April auf genommen werden konnten. Der Ackerboden krümelt sehr gut, jedoch fehlt es dem Land an der so wichtigen Winterfeuchtigkeit, da wenig Schnee fiel. Durchdringender Regen wäre daher vonnöten. Die Winterfrucht, Roggen sowohl wie Weizen, ist ohne nennenswerte Schädigung durch Frost durch den Winter gekommen und macht einen vorzüglichen Eindruck. Ebenso haben die Kleebestände gut überwintert. Auch Wasserschäden sind selbst in Muldenlagen nicht eingetreten. Die infolge der vorjährigen Erfahrungen besonders vorsichtig eingemieteten W i n t e r v o r r ä t e an Kartoffeln und D i ck w u r z haben unter den kaum nennens-
Protestkundgebung der hessischen Beamtenschaft.
WSR. Darmstadt, 12. März. Im über- füllten Saal des Rummelbräus hatten sich heute nachmittag die Vertreter sämtlicher hessischen Beamten gruppen im Hess. Beamtenbund, sowie die Vertreter der hessischen Gemeindebeamten eingefunden, um zu den aktuellen politischen Beamtenfragen Stellung zu nehmen. Sämtliche Ministerien waren durch Abgesandte vertreten.
Rach einer Begrüßung durch den Bundes» Vorsitzenden Dr. CI aß erklärte Staatsrat Karcher im Auftrage des Gesamtministeriums, daß die hessische Regierung auf keinen Fall gegenüber den Beamten ein Unrecht begehen wolle.
Rach einer Darlegung des Bundesvorsitzenden zu den einzelnen vorliegenden Anträgen der Parteien bei der Ctatsberatung, und nach Ausführungen der Abgeordneten Dr. B e st (Volksrechtpartei), Regierungsrat Zinn kann (Soz.), Ha mm ann (Kowm.), Dr. Keller (D. Vpt.), Studienrat H a i n st a d t (Zentr.) und Reiber (Sem.) nahmen noch der Vorsitzende des Hessischen Polizeibeamtenverbandes. der zweite Vorsitzende des Hessischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Kaufmann. Gießen, sowie Rechnungsrat K o ch. der zweite Vorsitzende des Bundes. und als Vertreter der Beamtenanwärter Melchior das Wort. Die Ausführungen der Deamtenvertreter gipfelten in folgender, einstimmig angenommener
Entschließung:
„Der Hessische Veamtenbund erkennt die Notlage im Staatshaushalt und in weiten Kreisen unseres Volkes an und hat in Wort und Tat seine Bereitschaft kundgetan, an der Gesundung mitzuarbeiten und in sou'alen Nöten zu l-elfen. Die Beamten wollen sich keineswegs ausschließen, wenn die Schicksals- und Notgeineinschaft des Vaterlandes Opfer verlangt. Aber sie wehren sich dagegen, daß man in krankhafter Hetze vergißt, was sie in Krieg und Staatsunuvälzung, in Währungsverfall und Währungsaufbau, In Besatzung und Ruhrkampf geleistet haben. Sie wehren sich dagegen, daß man
ungerecht und unsozial vorgeht, daß man den Beamten zu gleicher Zeit Vergrößerung der Arbeitslast, Verringerung des Einkommens und erhöhte Besteuerung auferlegen will, daß man die wirtschaftlich und rechtlich schwächsten Schichten, Anwärter und kinderreiche Familien, am meisten belastet.
Sie wehren sich aber mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen den Abbau von verfassungsmäßig garantierten Rechten. Der hessische Veamtenbund ist nach wie vor bereit zu einem Rotopfer, wenn es nötig ist, und wenn alle andern kreise im ganzen Reich, denen es mindestens ebenso gut und noch viel bester geht als den Beamten, ebenfalls herangezogen werden. Er weist aber jeden versuch, ein Rotopfer nur von den Festbefoldeken zu erheben, mit Entschiedenheit zurück.
Er ist nach wie vor bereit, bei einer Verwaltungsreform an einer planmäßigen Verringerung von Staatsausgaben und einer Verbilligung der Verwaltung mitzuarbeiten, aber er lehnt aufs schärfste ab jede Kürzung des Gehalts und des Wohnungsgeldzuschusses, jegliche Beschneidung der Kinderzuschläge, die Heraufsetzung der Altersgrenze über das 65. Lebensjahr, den Ersah von Beamten durch Angestellte und den schematischen Stellen- und Anwärterabbau. Diese Forderungen sind nach einem Rechtsgutachten, das der Staatsrechtslehrer an der Frankfurter Universität Professor Dr. Giese auf Veranlassung des Hessischen Beamtenbundes erstattet hat, auch verfassungs- und beamten rechtlich fest begründet. Der Bund, der die überwältigende Mehrheit der hessischen Beamtenschaft vertritt, bittet in voller Übereinstimmung mit den verantwortlichen Führern aller Fachvereine die hessische Regierung und den Landtag dringend, nicht rütteln zu lassen an den Grundlagen des für den Volisstaat ganz besonders lebenswichtigen Berufsbeamten- t u m s."
werten Frösten überhaupt nicht gelitten. Auch in den Gärten beginnt man mit dem Säen der Frühgemüse. Während Schreiber dieser Zeilen im Vorjahre die ersten Schneeglöckchen am 16. April aufbrechen sah, konnte er dies heuer bereits in der letzten Februarwoche feststellen. Schon beginnen auch die Stachelbeersträucher zu grünen. Wintersalat, in Rillen gepflanzt, steht gut. Winterspinat beginnt bereits zu wachsen. Jedoch müssen die Wintergemüse noch durch Abbecken gegen grelle Sonne und Rachtfröste geschützt werden.
# Trais-Horloff, 12. März. Gegenwärtig ist man auf bet still geleg ten Grube „Friedrich" mit dem Abbruch der wichtigsten Einrichtungen beschäftigt. Von den vier Schwelösen wurden zwei bereits abmontiert; sie werden nach Wölfersheim gebracht. Auch die Kettenbahn ist abgebrochen worden, mit dem Abbruch der „schiefen Ebene" wurde begonnen. Wie man hört, soll der Riesenbagger, der seinerzeit als Reuheit auf dem Gebiete ber Erdaushubmaschinen erstand, ebenfalls abgebaut und auf ben Grubenfeldern in Wölfersheim Verwendung finden. Durch diese Arbeiten sind in letzter Zeit wieder eine Anzahl Arbeitskräfte eingestellt worden. Auch auf dem vergrößerten Betrieb in Wölfersheim haben einige Erwerbslose neuen Verdienst gefunden.
F Steinheim, 12. März. Der vor Jahresfrist dahier gegründete Obst- und Gartenbau v e r c i n hat in diesem Frühjahr das Spritzen der Obstbäume mit Oostbaumkarboli- ncum durch geführt und damit ein beachtliches Stück planmäßiger Schädlingsbekämpfungsarbeit geleistet. Heber 400 Apfel-, Birn- und Zwetschen- bäume wurden mit einer zehnprozentigen. Lösung mittels der in Bellersheim stationierten Motor- baumsprihe behandelt. Sämtliche Rebenarbeiteir, wie Wasseranfuhr und Fortbewegung der Spritze in den CB aum an la gen, wurden unentgeltlich aus- gesührt, wodurch sich die Durchführung der Spritzaktion wesentlich verbilligte. In der letzten Mo- natsversammlung wurde beschlossen, sich an der mit Zuschuß aus Reichsmitteln vorgesehenen U m- pfropfaktion zu beteiligen.
Kreis Schotten.
■■ Schotten, 12. März. Der heutige Frühjahrsmarkt war von Käufern gut besucht. Es waren etwa 450 Schweine zum Verkauf aufgetrieben. Der Handel entwickelte sich gut.
c. Breungeshain, 12. März, ihrfer Dorf wurde gestern und heute nacht in große Aufregung versetzt. ZweiKinder eines Landwirts im Alter von 4 und 12 Jahren hatten sich i m Oberwald verirrt und fanden den Heimweg nicht zurück. Als die Kinder nicht zurückkehrten, wurden die Feuerwehren von Breunges
hain und Rudingshain alarmiert, die den Abend und die Rächt das ganze große Gebiet absuchten, indes ohne Erfolg. Die Kinder wurden dann heute in dem weit entlegenen Ilbeshausen und einem Rachbardorf wieder aufgefunden und den in begreifliche Erregung gebrachten Eltern wieder zugeführt.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschloffen.
Gewinnauszug
5. Kloße 34. Preußisch-Süddeutsche
(260. Preiktz.) Klossen-Lotterie
Ohne Gewähr
Nachdruck verboten
Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich
Hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer
auf die Lose gleicher Nummer in den beiden
Abteilungen I und II
28. Ziehungstag
!L.März 1930
3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen
4 Cetoinne zu 10000 M. 151977 206812
105118
154634
230068
65753
111552
129442
293278
193170
231201
293277 339168
391737
116358 143730 166785 219972
230822
257138
284626 303094
326914 338255
348882 352608 366917
381250
195400
244690
315587
373806
394813
219841
268472
334230
388992
110269 142002
164688 219044 227104 254578 275699 302522
326309 334488 346339
351563 366503
376745
193374
237337
301981
351525
393085
125693 146358
173994
221922
233645 265178 284645 314416 329047 339090 349530 354340 370422
381964
137385
151589
183475
224016
237320
268797
290692
317266
331541
340809
319554
355249
370767
389137
210770
246065
319077
380631
104761
139877 156732 216615 225095
243972 274914 298994 324858
334265 343517
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374465 398473
119319 213909 253418 33266g 384604
101936 138941
152454
204212
224802
237859 274219
293738 317932
333915 340973
350327 365254
371977 396489
42 »etoinne *u 1000 M. 16655 41276 57874 71718 93503 103109 126892 142467 161238 183312 229896 235093 261123 269134 285345 294761 296684 327545 368681 372639 383444
10 Gewinn« iu 3000 M. 375432 394984
20 Gewinne >u 2000 M.
78 Gewinns »u 500 M. 14210 16737 17464 22202
26819 35789 40696 58897 62803 73128 ------
139638 ■*'*“— ------ ------ ------
160023 168005 214046 224059 243930 306341
234 G-ewinn« 300 M. 624 5365 5467 5927 8144
17830 18939 22462 24055 25267 33199 3530?
41814 42803 45301 45921 47527 52406 58 12
64396 65649 69892 72359 78226 79705 82028
82069 87406 93912 94690 101637 ’ ------
Ön der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen
4 Gewinne au 10000 M. 100256 261306
2 Gewinne zu 5000 M. 170029
2 e «Winne ju 3000 M. 103912
12 Gewinne »n 2000 M. 60444 72738 297820
313812 368568 369547
16 Gewinne zu 1000 M. 20597 33434 124400
138814 143199 172789 264735 284231
66 Gewinn, ,u 500 M. 26929 31303 63647 72990 89492 99552 110820 119972 122242 159576 181919 186936 194994 205826 245992 246119 297913
299983 333582 334475 338701 339428 344*144
345186 351109 352370 359306 377512 ‘382717
385381 386379 388896 396192
200 Gewinne,a 300 AI. 291 1 7179 11146 18923 29508 30567 32784 32855 35282 37203 47515 48285 54309 35084 57758 59562 65142 67698 75308 83327 83342 86480 87762 91176 101235 102768 107194 109781 112811 123565 124835 124916
127485 128218 130807 141982 142871 145586
149078 158466 159090 159860 166554 170084
170773 173968 175132 178722 180160 187219
190086 191723 192772 193674 195683 196829
210555 210841 214164 222802 230308 243028
245601 248774 253104 253506 254696 268326
277600 282438 284669 2933-18 294718 307106
308372 310898 312405 312578 315942 332101
346149 348488 349309 349792 350383 351346
351495 356807 359875 364754 369582 371848
380290 382267 382979 383697 386692 392604
394100 396333
Im Gewtnnrade verblieben: 2 Prämien zu f« 500000, 2 Gewinne zu je 25000, 4 zu je 5000t 18 zu je 8000, 32 zu je 2000, 72 zu fe 1000, 112 zu je 500, 868 zu je 800 M.
Die blonde Sklavin.
Vornan von Hermann Detck.
29 Fortsetzung Nachdruck verboten
„Jetzt ist mir alles egal!“ schrie er. ..Jetzt soll auch e r zugrunde gehen! ... Ja, Honnecker hat den anderen erschossen! Der Schuh ging durch die linke Körperseite! Und wenn auch dieser Beweis damals für mich nicht überzeugend genug gewesen wäre: Ich habe das Geschoß aus der Wunde herausgeholt. ... Wittes Revolver, mit dem feine Frau geschossen haben sollte, lag noch auf dem Boden, als ich kam .... in einem unbeobachteten Augenblick verglich ich das Geschoß mit dem Revolver ... das Geschoß stammte aus einer Waffe größeren Kalibers. ..."
Er eilte auf eine altertümliche Kommode zu und entnahm ihr eine kleine Schachtel. Seine Stimme überschlug sich:
„Hier habe ich das Geschoß! ... Ich konnte mich damals nicht davon trennen .... es war, als zwinge mich eine unheimliche Macht, es mitzunehmen .... feltbem liegt es da drinnen ..., und immer wieder trieb es mich, es anzufehen... und mich an mein Vergehen zu erinnern ...“
Er war wie im Fieber. Die Augen eine- Irren glühten in dem fahlen Gesicht.
„Hier nehmen Sie es mit! Machen Sie damit, was Sie wollen! Jetzt ist ja doch alles verloren. ...“
Wie vom Blitz gefällt, brach er zusammen.
Schulhofs trat zu ihm hin und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Sie haben mir einen großen Dienst erwiesen, Herr Doktor! Sie haben Frau Witte, die seit Jahren unter diesem gräßlichen Verdacht gelitten Und durch Honnecker Unsagbares durchgemacht hat, von ihrem Martyrium befreit. Was ich tun kann, um von Ihrem Sohne das Schwere, das ihm droht, abzuwenden, werde ich tun! Darauf können Sie sich verlassen!"
Als sei kein Leben mehr in ihm, saß Dr. Rönneberg da. Er gab keine Antwort.
XXVI.
„Willst du wirklich zu ihm gehen. Felix?" fragte Eva Witte angstvoll.
„Die Sache muß ins Reine kommen! Er muh erfahren, daß wir fein Verbrechen kennen! Wenn er weiß, daß er ganz in unserer Hand ist, wird er auch die Machenschaften unterlassen, die er, schon von seinem Krankenlager aus, wieder gegen unsere Firma unternommen hat, um unsere neu gekräftigte Situation zu unter- höhlen!"
„Ich fürchte, daß er dir etwas zuleide tun wird!"
Schulhoff nahm Eva in seine Arme »ein Gesicht zeigte den Ausdruck der Entschlossenheit.
„Ich werde auf meiner Hut fein! Im übrigen
sind Leute seines Schlages, sobald sie merken, daß sie verlorenes Spiel haben, feige! Und sein Spiel gegen uns i st verloren! Ein Wort von mir, und er wandert ins Zuchthaus! Diese Drohung wird ihre Wirkung auf ihn nicht verfehlen!"
„Wird er dich überhaupt empfangen?" fragte Eva darauf.
„Ich bin schon einmal gegen seinen Willen bis zu ihm vorgedrungen. Wenn es fein muh, erzwinge ich mir auch heute wieder den Zutritt zu ihm!"
„Wenn du nur schon wieder zurück wärest, Felix! Ich werde in Sorge um dich vergehen!"
„Angsthase!" sagte Schulhofs zärtlich und lachte unbekümmert auf.
Als er aber nachher vor dem Hause in der Friedrichstraße stand, in dem sich Peter Hon- neckers Bureaus befanden, schlug sein Herz doch schneller. Er war auf einen harten Strauß mit dem Feind gefaßt! Und mit Überraschungen war bei einem Menschen seines Schlages immer zu rechnen. Run, e r war für alle Fälle gewappnet.
Ein jüngerer Angestellter empfing ihn.
„Ich möchte Herrn Honnecker sprechen!"
„Herr Honnecker empfängt niemand. Er ist noch krank."
„Er ist aber doch hier auf dem Bureau!"
„Gewiß!"
„Sagen Sie ihm. es handle sich um eine Unterredung, die sich nicht aufschieben lasse!"
„Ich kann es ja -einmal versuchen. ... Wie ist ihr (Harne, bitte?“
„Schulhofs."
Ein anderer Angestellter, ein weißhaariger Mann, hob. als Schulhoff feinen (Hamen nannte, rasch den Kops von dem Pult, über das er gebeugt saß, und blickte verstohlen herüber.
In Schulhofs toar die Spannung gewachsen. Er rechnete damit, daß Honnecker seinen Besuch abweisen würde, dann blieb ihm eben nichts anderes übrig, als ohne Erlaubnis in sein Zimmer einzudringen.
Zu seiner Ueberraschung sagte aber der Angestellte, als er gleich darauf zurückkam:
„Herr Honnecker läßt bitten!“
Gr öffnete die Doppeltüre, die zu Honneckers Bureau führte, und lieh Schulhofs eintreten.
Peter Honnecker saß am Schreibtisch. Lauernd sah er dem Ankömmling entgegen.
Sogleich beim ersten Anblick fiel Schulhoff eine Veränderung in Honneckers Aussehen auf. Um die Stirne trug er einen weihen Verband; darunter sah das ehemals so feiste, gesunde Gesicht nun seltsam fahl und verfallen aus. Auch die Gestalt schien ihm nicht mehr so breit und wuchtig wie früher.
Kein Wort deS Grußes fiel. Schweigend mähen sich die beiden Manner mit den Blicken. Dann sagte Honnecker, der sihengeblieben war, triumphierend:
„Sie kommen also doch! Ich habe es gewußt!"
„Ich komme, um mit Ihnen zu sprechen!" antwortete Schulhoff ruhig.
„Ich kann mir schon denken, was Sie wollen! Haben Sie jetzt gespürt, was es heißt, mich zum Feind zu haben?"
Schulhoff zuckte mit den Schultern.
„Ich habe es gespürt ... aber heute habe ich es überwunden! Heute reicht Ihre Macht nicht mehr an mich heran!"
Aus dem Mund Honneckers kam höhnisches Lachen.
„Sie meinen, weil Sie aus dem Rheinland Geld bekommen haben, um Ihre Sache draußen weiterzubauen? Ich werde Ihren kühnen Plänen aber einen Riegel vorschieben! Verstehen Sie! Ich habe es schon getan!“
„Das ist mir nicht entgangen."
„Und nun kommen Sie, um bei mir um gutes Wetter zu bitten, nicht wahr? Aber da sind Sie auf dem Holzweg, lieber Herr! Ich habe Ihnen damals gesagt, dah ich Sie vernichten will, und auf mein Wort können Sie sich verlassen!"
Er hatte immer lauter gesprochen. Die kalte Ruhe und Besonnenheit, die ihn vordem niemals verlassen hatte, war verschwunden. Erregt, fiebrige Flecken auf den eingefallenen Wangen, sah er Schulhoff an.
Dieser fühlte instinktiv, daß Honnecker heute seiner Sache nicht mehr so sicher war wie früher. Was hatte diesen herrischen, brutalen Willensmenschen verändert? Die schwere Verletzung allein? ... Oder hatten all die Vorgänge der letzten Zeit ihm seine Sicherheit geraubt? ...
Schulhoff ging auf Honnecker zu.
„Sie irren! Ich komme nicht als Bittender zu Ihnen!"
Erstaunen zeigte sich auf Honneckers Antlitz.
„Wozu halten Sie mich dann hier auf?“ stieß er wütend hervor.
„Ich habe Forderungen an Sie, Herr Honnecker!"
Honnecker sprang auf.
„Forderungen? ... Sie wollen etwas von mir fordern? ... Sie, den ich wie eine Fliege zerdrücken kann, wenn ich will! ... Sind Sie verrückt geworden? ..."
„Ich weiß genau, was ich sage!"
„So ... und was wollen Sie von mir fordern?"
„Ich verlange von Ihnen, daß Sie von jetzt ab jeden, aber auch jeden Versuch, mir geschäftlich oder sonstwie zu schaden, unterlassen!"
Aus Honneckers Augen schossen haßerfüllte Blicke zu Schulhoff.
„Das ist köstlich! WaS ich mir auS Ihrem Verlangen mache!"
Auch in Schulhoff war die Erregung gestiegen, doch zwang er sich gewaltsam zur Ruhe.
„Wenn Eie nicht tun. was ich fordere, werde ich Sie zwingen! Ich habe die Mittel dazu in der Hand!"
„Wie wollen Sie denn das anfangen?“
Der beißende Hohn in Honneckers letzten Worten trieb Schulhoff die Röte ins Gesicht. Der wilde, verzehrende Haß gegen Honnecker loderte wieder in ihm hoch. Jetzt war der Augenblick der Abrechnung gekommen!
In schneidender Schärfe faßte er:
„Ich werde Sie beim Gericht anzeigen! Denn nicht Eva Witte hat ihren Mann erschossen; Sie sind es gewesen!"
Maßloser Schreck jagte über Honneckers Gesicht. Etwas Sprungbereites kam in seine Gestalt, als wolle er sich im nächsten Augenblick auf seinen Feind werfen. Schulhoff war einen Schritt zurückgetreten; er war auf das Aeußerste gefaßt.
Da aber brach Honnecker in ein frenetisches Lachen aus
„Das haben Sie sich ja schön ausgedachtI" stieß er hervor; aber durch seine Worte zitterte unverkennbar Angst. „Solche Mittelchen verfangen bei mir nicht I"
Unbeirrt durch diese Einwürfe fuhr Schulhoff fort:
„Ich habe einen Zeugen für Ihr Verbrechen!*
„Wen beim? ... Eva vielleicht? ..."
Schulhoff zögerte; dann sagte er schnell, scharst
„Dr. Rönneberg!" '
Als habe er ein Gespenst erblickt, fuhr Honnecker bei diesem Rainen zurück. Gr verlor alle Beherrschung. Furcht und ohnmächtige Wut spiegelten sich in feinen Zügen.
Erkannte er die Gefahr, die ihm drohte? ... Wußte er, dah sein Spiel verloren war? ...
„Dr. Rönneberg? ..." sagte er heiser.
„Ja! Dr. Rönneberg ist jederzeit bereit, vor Gericht zu bekunden, daß der Schauspieler Witte von Ihnen erschossen worden ist!"
Honneckers Blicke jagten umher. <Sr schien zu fühlen, daß das Retz, das der andere über ihn geworfen hatte, sich immer enger zusammen- zog.
Verzweifelte Entschlossenheit sprühte plötzlich aus ihm.
„Da hat Ihnen dieser Rönneberg ja einen schönen Bären aufgebunben!" sagte er höhnisch.
„Keineswegs! Die Aussagen Dr. Rönnebergs entsprechen, wie ich mich überzeugen konnte, vollkommen den Tatsachen!"
Honnecker ballte die Fäuste.
„Rönneberg täte besser daran, fein Waul zu halten!“ schrie er. „Dieser Fälscher soll froh fein, daß er nicht mit der Polizei zu tun bekommt!“
Schulhoff sah den Tobenden gelassen an.
..Bis heute hat Dr. Rönneberg deshalb auch geschwiegen! Jetzt fallt aber diese Rücksicht weg! Rach dem jüngsten Vonommnis mit sein-em Sohn, den Sie ins GesängniS gebracht haben, kennt er nur noch einen Gedanken: sich an Ihnen zu rächen!"
(Schluß folgt.)


