Oberhessen.
Landkreis Gienen.
$ Lollar. 10. Febr. Gestern nachmittag fand die gut besuchte Jahreshauptversammlung des-Deteranen - und Krieger Vereins Lollar statt. Aach dem von dem 1. Vorsitzenden Martin Laudert erstatteten Jahresbericht hatte der Verein im abgelaufenen Jahre vier Sterbefälle zu verzeichnen: Ehrenmitglied Johannes Simon. Mitglieder Ludwig Schreiner, Ludwig Wagner III. und Ludwig Frey 11., deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Neueintritte erfolgten drei. Der Mitgliederstand beläuft sich am Jahresschluss> auf 117 aktive, 8 passive und 6 Ehrenmitgtie-er. Dem Verein angegliedert sind eine Ortsgruppe des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen der Kriegerkameradschaft „Has.ia und eine „Hast ia"-Jugendgruppe- Dem Derern gehören noch zwei Altve.eranen an, nämlich Friedrich Heibertshausen und Christian Viehl. Für 40jährige Mitgliedschaft konnte Talthasar Nuhn, für 25jährige Mitgliedschaft die Kameraden Karl Erdmann, Ludwig N i e- derhöfer, Wilhelm Seipp, Josef Uhr- berg, Robert Ewald und Friedrich R i n g - l e b durch Lieberreichung der entsprechenden Hassiaehrenzcichen ausgezeichnet werden. Die Rechnungsablage zeigte ein günstiges Bild: dem Rechner konnte nach Prüfung der Jahres echnung Entlastung erteilt werden. Von den ge ahten Beschlüssen verdienen Erwähnung die Beteiligung des Vereins am Volkstrauertag am 16. März, die Bestellung des kriegsbeschädigten Lustschifsers Hahn aus Beltershain zu einem Vortrag mit Lichtbildern über seine Erlebni se auf den Fahrten mit verschiedenen deutschen Kriegsluf^schissen während des Weltkrieges, insbesondere über die Fahrt mit dem Zeppelin „2.59“ von Bulgarien nach Deutsch-Ostasrika für den 16. März und die Abhaltung mehrerer Schießtage. Im übrigen beschäftigte sich die Versammlung in reger Aussprache mit einer Reihe interner Dereinsange- heiten, die dem Vorstand zur weiteren Bearbeitung überwiesen wurden.
> Daubringen, 11. Febr. Dieser Tage fand in der Wirtschaft 2. Weimer die 2 a h - resschluhversammlung des Gesangvereins Daubringen statt. Der Vorsitzende, Herr W. Roth, begrüßte die Mitglieder und gab einen kurzen Rückblick und Tätigkeitsbericht über das verflossene Vereinsjahr. Kassierer H. 2 a t s ch erstattete alsdann die Rechnungsablage: An Einnahmen sind zu verzeichnen 850,05 Mk., denen 761,37 Mk. Ausgaben gegcnüberstehcn, so daß ein Lieberschuß von 88,68 Mk. verbleibt. Rach Prüfung der Rechnung wurde dem Kassierer Dank und Entlastung erteilt Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Will). Roth: Kassierer Hch. Latsch: 1. Schriftführer 2. Klingel- Höfer: 2. Vorsitzender Johs. Reif: 2. Sa-rist- führer Wilh. Dort: Stimmcnrertre'.er: erster Tenor K. Weim er I., 2. Tenor K. Weimer II., 1. Baß Aug. Kümmel. 2. Bah W. Vogel: Beisitzer 2. Kraushaar: Zeugwart K. Grölz: Vereinsdiener Hch. Weimer HL; Fahnenträger W. Vogel. Das Wertungssingen des Lumdatalsängerbundes, an dem der Verein all'ährlich teilnimmt, findet dieses Jahr am 15. Juni in Vordeck statt. Infolge der günstigen finanziellen Lage wurde beschlossen, von den Arbeitslosen nur den halben Beitrag zu heben. Der Einladung des Gesangvereins Ruttershausen zu seinem Sängerfest soll nicht stattgegeben werden, dagegen wird der Verein einen Ausflug nach Braunfels unternehmen. Hm den Eifer und die Regelmäßigkeit beim Besuch der Gesangsstunden mehr zu fördern, wurde ein Antrag des Mitgliedes Latsch, jedem Sänger, der sämtliche Gesangsstunden des Vereins ahres besucht hat, bei der Generalversammlung eine Ehrennadel zu überreichen,
angenommen. — Der Erhaltung und Weiterführung der 1929 gegründeten Reisekasse wurde zugestimmt.
4- Grünberg, 11. Febr. Am Sonntag hielt der Ortsgewerbeverein seine Haupt- Versammlung im „Hesiischen Hof" ab. Der Vorsitzende, Schlosscrmcister Hrch. Schmidt II., erstattete einen kurzen Jabresbericht. Die Rechnung schloß mit einem kleinen Llebcrschuß ab, außerdem besteht beim hiesigen Vorschutzverein ein Guthaben von über 103 Mk. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Schuhmach r neistrr A. Grohhaus, Zimmcrmeister Gg. 2. Haas und Architekt Jäger, Queckborn, wurden w'.e- dergewählt. Für den 23. Februar ist eine größere De^ammlung geplant, in der Schreinermeister Lautenbacher, Dieburg, früher Mitglied ces Landtages, sprechen wird. Weiter ist beabsichtigt, den im Herbst in Alsfeld stattfindenden Handwerkertag gemeinsam zu besuchen und die Reisekosten aus Dereinsm'tteln zu bestreiten. Weiterhin beschäftigte man sich mit der Abhal- tung und Ausgestaltung der Gesellenprüfung, sowie mit der Lehrlingsausbildung. Der Vorsitzende berichtete noch über die von der Handwerkskammer geschaffene Altersversicherung, die an bedürftige, über 65 Jahre alte Handwerker Renten im Hochstbctrage von monatlich 30 Mk. zahlt. Da er Mitglied des Ausschusses ist, dem die Prüfung der einlaufenden Gesuche obliegt, konnte er hierüber eingehende Auskunft erteilen. - Dieser Tage fand frier die Gründung eines Tennisklubs statt. Erster Vorsitzender ist Fabrikant O. Allmendinger, Stellvertreter Landwirtschat As s or Dc. Bö- cher, Rechner Walter Jockel jun., Schri,t- sührer Walter Schmidt jun., 1. Bescher und Spiclwart Kaufmann Heinrich K a p P e s. 2. Beisitzer Frau Studienrat W e i n e l, 3. Beisitzer Apotheker Probst. Als T nnisplatz wurde ein Geländestück bei der .Villa Emilia“, das von der Besitzerin gestellt wird, in Aussicht genommen. Die Herrichtung des Grundstückes a.s Spielplatz ist mit zirka 1900 Mk. veranschlagt. Die Geld- beschalfung soll durch Pslichtanteilscheine der Mit- glieder, sowie durch Aufnahme einer Schuldsumme ermöglicht werden, aus welchem Grunde der neugcgründete Klub die Eintragung ins Dereins- register beschloß. Tie M'tgliedrrzahl des jungen Vereins beträgt schon über 25.
* Grünberg, 12. Febr. Die hiesige Ortsgruppe des Bauernbundes hatte am Montagabend ihre Mitglieder zu einem Vortrage des Veterinärarztes Schmitz über „Llnfrucht- barkeit der Rinder und Kühe, ihre Llrsache und Bekämpfung" zusammengerusen. Der Saal im »Rappen" war von etwa 70 Personen beseht, die den interessanten Ausführungen, die durch zahlreiche Lichtbilder und Tafeln anschaulich unterstützt waren, aufmerksam lauschten. Landwirt Frank dankte dem Vortragenden für seine mit großem Beifall ausgenommenen Ausführungen, ferner dankte er den Herren des Landwirtschaftsamtes für ihre Anwesenheit und die dadurch bekundete Zusammenarbeit. In der anschließenden regen Aussprache wurde wegen der starken Verseuchung der Viehbestände der ganzen Umgebung mit Scheidenkatarrh dem Gedanken der gemeinsamen Tekämpfung durch Tierarzt Schmitz nähergetreten.
s. T r a i s ° H o r l o f f. 12. Febr. Der Alt- bürgcrmcister Friedrich Dorn mann konnte in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 0. Geburtstag feiern. Er ist noch bei allen landw.r schäft ichen Arbeiten beh'lf ich, und niemand wird ihm sein Alter ansehen.
Kreis Friedberg.
WSV. Friedberg, 12. Febr. Ein Motorradfahrer aus Bad Soden fuhr gestern nachmittag an der Blockstelle Obermörlen gegen einen Baum und blieb bewußtlos liegen. Der Bedauernswerte ist später im Bad- Vauheirner Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen.
Die blonde Sklavin.
Vornan von Hermann Weick.
5 Fortsetzung. Na./druck verboten
Ein froher Atemzug weitete Schulhofs „ die Brust. Wie Musik erklang ihm der Arbeitslärm, der allenthalben herrschte, in den Ohren.
Als er sich wieder der Fahrstraße näherte, gewahrte er plötzlich, daß neben seinem Wagen noch ein anderes Auto stand. Er erkannte Lu Horwitz' graues Kabriolett.
Sein Fuß stockte.
Lu war wieder in Berlin!... Er hatte sie noch nicht zurückerwartet.
Eine Verstimmung kroch in ihm empor. Die frohe Gehobenheit, in der er sich vorher befunden hatte, war verweht.
Lu stand bei chrem Wagen und sah ihm lächelnd entgegen.
Felix Schulhofs küßte ihr die Hand.
„Wann bist du zurückgekommen?" fragte er nach den ersten Worten der Begrüßung.
„Heute früh."
„Ich dachte, du wolltest noch einige Wochen bei deiner Freundin In Köln bleiben."
„Marion hat sich, seitdem sie verheiratet ist, sehr zu ihrem Vachteil verändert! Da war ich froh, als ich unter einem Vorwand wieder weg- kam!"
„Warum hast du mir keine Nachricht gegeben? Ich hätte dich gern an der Dahn abgeholt!"
Lu zuckte mit den Schultern.
„Die Abreise kain sehr überraschend..., dann wollte ich dich auch nicht in deiner Arbeit stören!" Sie wies mit der Hand auf das Baugelände. „Daran scheint es dir ja nicht zu fehlen: man sieht es deinem zufriedenen Gesicht an!“
Schulhofs ärgerte sich über den leisen Spott, der durch ihre letzten Worte geklungen hatte.
Lu hing sich an seinen Arm und ging plaudernd an seiner Seite hin und her.
„Wie geht es eigentlich deinem Vater?" fragte sie dann. „Als ich vorhin bei dir zu Hause anrief, gab man mir etwas unklare Antwort."
Schulhoffs Gesicht wurde ernst.
„Es geht ihm nicht gut. Der Arzt ist in großer Sorge um ihn."
«Ich werde ihn an einem der nächsten Tage besuchen", erwiderte sie darauf obenhin und wandte sich einem anderen Gesprächsstoff zu.
Sie war voller sportliche,» Pläne für die kommende Zeit. Mehrere Turniere, an denen sie teilnehmen wollte, standen bevor.
„Im Herbst werde ich wieder mit Madame Caillaux zusammentreffen. Dann muß ich sie besiegen! Es ist mir heute noch unerklärlich, wie sie die Partie gewinnen konnte! Mr. Loudon be
hauptete nachher, ich habe besser gespielt als sie, nur sei ich seltsamerweise etwas nervös und dadurch der Französin unterlegen gewesen."
Felix Schulhofs hatte kaum mehr auf Lus Worte geachtet. Was lag ihm daran, ob Lu Horwitz die Europameisterschaft im Tennis besaß oder eine andere! Seine Blicke waren wieder von dem Bild der Arbeit, das sich vor ihm ausbrei- tete, gefesselt, und in Gedanken sah er die Häuser erstehen... Gebilde, die lebten und wuchsen...
Sie standen wieder bei ihrem Wagen.
„Ich will jetzt nach Hause fahren', sagte Lu. „Heute abend kommst du doch zu mir, nicht wahr?"
In Felix Schulhofs lehnte sich etwas auf. Wie kam Lu dazu, einfach wieder über ihn $u verfügen ... wie früher?... Lagen da nicht die Tage von Vizza dazwischen... jene beiden Tage, in denen er sich von ihr gelöst hatte... und freigeworden war von der Macht, die sie vorher auf ihn ousgeübt hatte?...
Er zwang sich zu einem freundlichen Lächeln.
„Ich werde kommen."
Aber die Verstimmung wich nicht von ihm. Auch nachher, während er heimwärts fuhr, grübelte er über Lus Verhalten, das ihm unverständlich war.
Tat sie nicht das ernsthafte Zerwürfnis, das in Nizza zwischen ihnen entstanden war und zu einem mehr als kühlen Abschied geführt hatte, als Bagatelle ab?... wie wenn es nicht gewesen wäre...
Sie mußte doch damals bemerkt haben, daß fein Gefühl ihr gegenüber erkaltet war... Er hatte, wenn er in der Zwischenzeit an Lu dachte, nichts anderes erwartet, als daß sie sich, in ihrem Stolz und Ehrgeiz verletzt, von ihm ju» rückziehen... das Verlöbnis lösen würde... ja, insgeheim hatte er dies gewünscht...
Lind nun gebärdete sie sich, als sei nichts vorgefallen!
Der Gedanke, wieder täglich mit Lu zusammenfein, seine wenigen freien Stunden mit ihr verbringen, ihre Interessen, die den seinen so entgegengesetzt waren, teilen zu müssen, hatte etwas Quälendes für ihn.
In einem Widerstreit der Empfindungen kam Felix Schulhofs daheim an.
„Ihr Vater hat schon mehrmals nach Ihnen gefragt", sagte die Haushälterin, die ihm im Gang entgegenkam.
Felix Schulhofs ging eilends in daS Krankenzimmer.
In Max Schulhoffs Befinden war in den letzten Tagen eine Verschlechterung eingetreten.
Die Augen in dem von der fchtveren Krankheit zerstörten Gesicht geschlossen, lag er in den Kissen. Selten kam ein Wort über seine Lippen: für seine Llmwelt schien er kein Interesse mehr zu haben.
WSN. Heldenbergen, 12. Febr. Gestern nachmittag fuhr ein Motorradfahrer, der genötigt war, einem Fuhrwerk auszuweichen, einen sechsjährigen Knaben, der gerade aus der Kinderschule kam, an. Der Junge erlitt einen doppelten Schädelbruch und wurde in das Friedberger Krankenhaus eingeliefert. Der Motorradfahrer kam mit einem Armbruch und leichten Verletzungen davon.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 12. Febr. Heute wurde hier der Petrimarkt abgehalter». Vormittags sand auf der Gänsw'.ese Schweinemar kt statt. Es waren fast 403 Ferlrl und Läufer aufgetrieben. Infolge des starken Besuchs von Kauflustigen entwickelte sich lebhafter Handel bei hohen und festen Preifen. Für Ferkel, sechs Wochn» alt, wurden 38 bis 40 Mk., für acht Wochen alte 45 bis 48 Mk. und für Läufer 55 Mk. je Stück bezahlt Fast alle Tiere wurden abgesetzt. Für fette Schweine werden gegenwärtig 75 Pf. für das Pfund Lebendgewicht bezahlt. Nachmittags war der K r ä m e r m a r f t auf dem Marktplatz in der Stadt nur mäßig besucht.
Kreis Alsfeld.
S-ch Alsfeld, 10. Febr. Die am Sonntagabend im großen Saale des „Deutschen Hauses" im Rahmen der regelmäßigen Vorstellungen der Winterspielzeit vom Gießener Stadttheater gebrachte Aufführung des Stückes „Der G ei st er zu g" war in schauspielerischer Beziehung wieder ein voller Erfolg. Die außerordentlich spannende und sehr gefchickt aufgebaute Handlung sand bei dem Publikum starkes Interesse, wie dies in der Regel bei allen Detektivstücken der Fall ist. Infolge der guten Dühnen- einrichlung der modern ausgebauten Bühne war es möglich, auch die zur Wirksamkeit des Stückes erforderlichen szenischen Effekte herauszubringen. Alle Darsteller boten vorzügliche Leistungen, und hierauf ist auch das ständig wachsende Interesse für das Gießener Stadttheater in unserer Stadt zurückzuführen. Das gut besetzte Haus war sehr angeregt und spendete lebhaften Beifall, der wohl in erster Linie den Darstellern galt, die es ausgezeichnet verstanden, die stets umspringende Stimmung dieses eigenarfgm Stückes auf die Zuhörer zu übertragen. — Am Samstagabend trat nach längerer Pause das beliebte Alsf c lder Jugendorehester w eder mit einem Konzert im „Deutschen Haus" unter Leitung seines Dirigenten, Oberreallehrer Dotter, Alsfeld, in die Oeffentlichkeit. Die junge Künstlerschar zeigte auch diesmal Proben ihrer guten musikalischen Durchbi.dung, die ihnen alle Ehre machten und neben einer beachtenswerten technischen Fertigkeit auch ein exakt's, von feinem Verständnis getragenes Zusammenspiel verrieten. Als Solist werkte der gegenwärtig in Alsfeld sich aufhaltcnde Herr Georg Haber ('el'o) mit, dessen klangschönes reines Spiel entzückte. Auch mehrere von den Herren Fuchs (Violine), D ö l s i n g (Klavier) und Haber (Cello) zu Gehör gebrachte Trios fanden lebhaften und verdienten Beifall. Da dem hiesigen Publikum wegen der hohen Kosten wenig Gelegenheit zu guter Musik und Konzerten gegeben ist, darf man das von Ober-Reallehrer Dotter in uneigennützigster We.se ins Leben gerufene Unternehmen nur dankbar begrüßen, was auch in dem jedesmaligen recht guten D such der Konzerte des Jugendorchesters zum Ausdruck kommt.
uer. Homberg a. d. Ohm, 10. Febr. Die Generalversammlung des Verschönerungs- und Verkehrsvereins fand dieser Tage in der Wirtschaft von Ph. Pfalzgraf Wwe. statt. Der Vorsitzende gedachte zunächst der verstorbenen Dereinsmitglieder. Aus dem von ihm vorgetragenen Jahresrückblick ging hervor, daß 10 Vorstandssitzunaen abgchalten worden waren, Wege verb sf-ert, Markierung n angelegt, Ruhebänke ausgestellt und ausgeb.ssert wurden. Durch die Anlage einer Eisbahn wollte man die Aus-
Nur wenn Felix an das Bett trat, belebten sich die bleichen Züge. Es war, als verleihe die Gegenwart des Sohnes dem todkranken Körper neue Kräfte.
„Du hast nach mir verlangt, Vater?" sprach Felix Schulhofs und setzte sich an das Bett.
Der Kranke richtete sich mühsam auf. Groß, fragend waren feine Augen auf den Jüngeren gerichtet.
„Wie geht es ... draußen? ...“
Es war dieselbe Frage jeden Tag.
Das große Bauwerk ließ ihn nicht mehr los. Sein ganzes Wesen, von Todesnähe befangen, flammte in dem Gedanken an das, was draußen im Westen Berlins erstand, immer wieder auf.
Es schien, als lebe er nur noch für die paar Nachmittagsstunden, in denen der Sohn ihm von dem täglichen Fortgang der Arbeiten berichtete.
Auch jetzt hörte er, die hageren Züge fiebrig gespannt, den Worten Felix Schulhoffs zu. Hin und wieder stellte er Fragen ... nur schwer, bruchstückweise kamen die Worte über seine blutleeren Lippen ... mit der abgemagerten Linken machte er abgerissene Bewegungen, als ziehe er die Fronten der Gebäude, die erstehen sollten, nach ...
Ja, ja ... er sah das weite Baugelände vor sich ... die vielen Arbeiter ... niemals zuvor hatte er eine solche Schar von Arbeitskräften auf einmal beschäftigt ... diesmal aber handelte es sich um etwas ganz Großes, Gewaltiges!...
Nun regten sich zahllose Hände von früh bis spät ... bald würden die Häuser aus der Erde herauswachsen ... größer werden mit jedem Tag ...
Ein Zittern ging durch die Gestalt des Kranken. Seine Hand hatte sich zur Faust geballt.
Seine Lippen schlugen aufeinander: dann brach es hervor:
„Nur ein einziges Mal... möchte ich draußen fein! ..."
Es klang wie ein Schrei ohnmächtiger Verzweiflung.
Felix Schulhofs sprang auf. Er fühlte, was -m der Seele seines Vaters vorging. Sorgsam legte er den Arm um ihn.
„Wenn es dir nun bald wieder besser geht, fahren wir mit dem Wagen hinaus," sagte er und mühte sich, dem Kranken ein zuversichtliches Gesicht zu zeigen. „Du wirst deine Freude haben, wenn du den Bauplatz siehst!"
Mit einem tiefen, leidvollen Aufseufzen legte sich der Kranke wieder zurück. Er schloß die Augen. 3n hastigen Stoßen ging seine Brust auf und nieder.
Noch eine Weile sah Felix Schulhofs bei ihm, dann verlieh er, es begann schon zu dunkeln, das Krankenzimmer.
Als er auf die Llhr sah, stellte er fest, dah eL höchste Zeit war, sich zum Besuche Lus um
übung des Eissports von der gefahrbringende« Ohm ablenken. Dankbar gedachte der Redner des Gemeinderats, der die Mittel zur Eisbahnanlage bereitwilligst und zinslos g gen ratenweise Rückzahlung hergab. Bei dem vorjährigen warmen Sommer konnte das Baden in der Ohm längere Zeit gepflegt und durch Ausgabe von Dadekarten Einnahmen erzielt werden. Ais Verkehrsverein erreichte man eine Ausdehnung der Schalterdienststunden am Postamte bis 12 Llhr mittags. Die Fahrplanwünsche, die bei der Aufstellung des So.mmerfahrplans Berück,ichtigung finden sollen, wurden rechtzeitig dem Verkehrö- bund Oberhcssen unterbreitet. Die im Wander- plan vorgesehenen Wanderungen wurden sämtlich ausgeführt und eine Steigerung der Detelli- gungsziffer festgestellt. Die am 23. Juni hier tagende Hauptversammlung des O. H. G. D. bedeutete einen Markstein in der Vereinsgeschichte; Frauen und Jungfrauen hatien <riS diesem An-, laß einen Tischwimpel gestiftet. Die Miiglieder- zahl ist gestiegen. Zwei Vorstandsmitglieder schieden infolge Versetzung aus. Dann trug der Rechner die Rechnung vor, die keinen Anstand ergab, so daß ihm Entlastung erteilt werden konnte. Der vom Vorsitzenden vorgetragene Voranschlag fand Zustimmung. Der Wanderplan für 1930 wurde verlesen, ebenso diejenigen Mitglieder, dir eine Auszelch.iung errang:n haben. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der seitherigen Torsta.edüm.t l eder, zwei neue Mitglieder wurden hinzugewählt. In 14 Tagen soll ein Familienabend stattfinden. Die Vorführung des Films: „Wege zur Kraft und Schönheit", wurde beschlossen, gleichfalls die Abhaltung eines bescheidenen Sommerfestes Ende Juli. Nachdem noch unter „Verschiedenes" interne Vere.nsange- legenheiten erörtert waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche, dah die Einsicht für den Zweck des Vereins, der in uneigennütziger Tätigkeit der Al gemeinteit dient, immer mehr Platz greifen möge.
-Ober-Ohmen, 10. Febr. Der Gemeinde- rat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit Mißständen, die sich aus der Unzulänglichkeit der bei der Erbauung der Wasserleitung im Jahre 1914 beschlossenen Satzung eracben hatten. In diesen Richtlinien war nicht an Neubauten gedacht worden, auch fand der jetzige Autobesitz als wasieroerbrauchen- der Faktor keine Würdigung, so daß die Gemeinde nun schon in jahrelangem Streit mit den Interessenten liegt. Zur Behebung der Mängel wird demnächst das Statut berichtigt, um dementsprechend rückwirkend auf die Praxis angewandt zu werden. Die schon für die erste Sitzung des neuen Gemeinderats vorgesehene Bildung der Kommissionen wurde abermals vertagt, da sich deren Aufgabenkreis teilweise verschieben muß und besonderer Vorarbeiten bedarf. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Umgestaltung der Faselviehkommission In eine Landwirtschaftskommission. Dadurch erfährt in Zukunft der gesamte, über 100 Hektar große Landwirtschaftsbetrieb eine fachliche Vertretung, die ihm seither fehlte. Bei der Beratung des Gemeindeoor- anschlages mußte der stellvertretende Bürgermeister die Sitzung für eine Viertelstunde unterbrechen, da die Sozialdemokraten infolge gegenteiliger Ansicht die Sitzung verliehen und Besch.ußunfäyigkeit herbeiführten. Nach Verlauf der Viertelstunde wurde die Sitzung wiedereröffnet und weiterberaten, wobei die Abstimmung zugunsten der Bürgerlichen neigte. •
* Romrod, 11. Febr. Hier fand im Saale der Wirtschaft Werner am vergangenen Sonntag ein Filmabend statt, welcher vom vaterländisch, n Film- und Vortragsdienst der D e »»t s ch e n D o I k s. Partei veranstaltet wurde. Der Saal war gut be- setzt. Alle Zuschauer waren von den Darbietungen hochbefriedigt.
Kreis Schotten.
* L a u b a ch, 11. Febr. Die von der Deutschen V o l k s p a r t e i veranstalteten Filmvorführungen hatten ein zahlreiches Publikum angelockt. Die Begrüßungsworte des Weiteres des Film- und
zukleiden. In einer halben Stunde wurde er schon dort erwartet.
Dennoch zögerte er. Sein Sinn stand jetzt wahrlich nicht nach einem Zusammensein mit Lu. Er fürchtete, heute Ihr stolzes, hochmütiges Gebaren nicht ertragen zu können.
Ob er sie anrief und ihr absagte ...? DaS ging kaum an; es wäre allzu verletzend.
Mit mißmutigem Gesicht ging Schulhofs in seinem Zimmer hin und her. Schade, daß er jetzt fortmuhte! Er wäre lieber daheim geblieben, hätte ein gutes Buch gelesen und wäre, wie an den letzten Abenden, mit sich und seinen Gedanken allein gewesen.
Mit seinen Gedanken...
Er stutzte.
Ein Bild war vor ihm aufgetaucht, daS wie mit zauberischer Kraft sein ganzes Wesen ergriff. Das Bild einer jungen, blonden Dame...
An die Fremde, die er auf der Rückreise von Nizza in der Bahn getroffen hatte, dachte Felix Schulhofs wieder. Er hatte in den ersten Tagen seiner Anwesenheit In Berlin, bei den vielen Aufregungen und Geschäften, sie ganz vergessen gehabt.
Dann aber war unvermittelt die Erinnerung an jenes Reiseabenteuer in chm erwacht. Seitdem kehrte die schöne Fremde in seinen Gedanken immer wieder.
Die Stunden, die er mit ihr verlebt hatte: die fröhliche -Unterhaltung im Speisewagen ... und später das schmerzlich-süße nächtliche Zusammensein im Gang des Schlafwagens ... er erlebte sie täglich aufs neue.
Schade, daß er die Fremde nicht Wiedersehen durfte! Aber sie hatte ihm ja jedes weitere Zusammentreffen verwehrt! Wie in einer heißen Angst hatte sie ihn gebeten, in Berlin nicht nach ihr zu forschen.
Warum diese Angst?
Gedankenverloren setzte sich Felix Schulhofs nieder. Wieder, wie schon so manchesmal in letzter Zeit, beschäftigte ihn das Rätselhafte, das die Erscheinung der Fremden umgab.
Sehnsucht strömte über ihn hin. Leidenschaftlich regte sich das Verlangen in ihm, die Fremde, trotz allem, wiederzu ehen.
Wo aber sollte er sie suchen?...
Klopfen an der Tür riß ihn auS feinen Träumen.
Die Haushälterin trat ein.
„Herr Schulhofs, der Wagen wartet unten.44 Felix Schulhofs fuhr sich mit der Hand über die Stirne.
Ach so, er mußte ja zu Lu fahren..M sie erwartete ihn...
Cr machte ein paar Schritte dem Nebenzimmer zu: dann blieb er jäh stehen.
Ich muß mit Lu zu einem Ende kommen! dacht« er in einem plötzlichen Entschluß. (Forts, folgt)


