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Nr. 291 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Zreitag, 12. Dezember 1950

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Sie Aufführung des Films3m Westen nichts Neues" für Seuifchland verboten.

Das Verbot.

(Don unserer Berliner Redaktion.)

Die Filmoberprüfstelle hat mit dem öffentlichen Skandal ein Ende gemacht, bcn sich ein reichs­hauptstädtisches Äino durch Vorführung des üblen HetzfilmS .3 m Westen nichts Reues" ge­leistet hat. Was immer zur Beschönigung dieses Skandals gesagt worden ist, teils wohlmeinend, aber mit wenig Fingerspitzengefühl, teils aus dem Bedürfnis parteipolitischer Verhetzung heraus, wird glatt widerlegt durch eine einzige Erwägung. Diese Erwägung besteht darin, daß cS keine Filmgesellschast auf der ganzen Erde wagen würde, einen Kriegsfilm herzustcllen, in dem englische oder französlsche Sol­daten, amerikanische oder japanische Truppen in der Aufmachung gezeigt würden wie die deutschen Kriegsfreiwilligen in dem Hctzfilm3m Westen nichts Reues". Das ist ja gerade das Skandalöse an diesem Hehfilm, daß er den Krieg in seiner abschreckenden Er­scheinung durch deutsche Soldaten wieder- gcben läßt, während die Soldaten, die in eng­lischen oder französischen Uniformen auftreten, förmlich von Heldenmut und älebermenschentum triefen. Was auch erklärt, das; englische und französische Staatsmänner oder Politiker den Film für gut und wahrheitsgetreu halten, wo­bei sich aber noch lange nicht die Rutzanwen- dung ergibt, dah nur die Deutschen die Wahr- heil über den Krieg nicht vertragen können. /Um­gekehrt wird ein Schuh daraus, denn in Deutsch­land hat jeder schon durch die Hungerblockade den Krieg in irgendeiner Weise miterlebt.

Dio Filmoberprüfstelle hat den Hetzfilm mit der Begründung verboten, dah er geeignet sei, das deutsche Ansehen zu gefährden. Damit hat sic auch den Nagel auf den Kopf getroffen; denn es ist nicht nur eine Gefährdung des deutschen Ansehens, wenn die Durchschnittssoldoten im Schüt­zengraben als jämmerliche Feiglinge oder Mutter­söhnchen hingestellt werden. Es ist auch eine bewußte Schändung der Jünglinge und Männer, die nicht nur bei Langemarck dem Schlachtentod um des Vaterlandes willen mit dem Deutschland-Lied auf den Lippen entgegcngestürmt sind. Es ist ganz sicher, daß die Empörung über diesen Hetzfilm nicht auf die Reichshauptstadt beschränkt geblieben wäre, son­dern sich in jeder deutschen Stadt wie­derholt haben würde, in der Hersteller und Ver­leiher dieses Machwerk vorgcsührt hätten. Wenn die Urheber und Hintermänner dieses Films den Krieg verabsä-euen, wenn sie sich dazu der gewaltigen Wcrbekraft des Tonfilms bedienen, so bleibt cs ihnen unbenommen, einmal die Meutereien der französischen Truppen im Frühjahr 1917 darzustel­len oder die hinterlistige Art, mit der die Engländer auf die deutschen U-Boote Jagd machten. In dem MachwerkIm Westen nichts Neues" wird ja nicht nur die Ehre der deutschen Soldaten besudelt, es wird auch mittelbar die Auffassung gestützt, daß Deutschland die Schuld am Kriege trage, was sich schon im Schützengraben an den jungen Freiwilli­gen gerächt habe.

Es ist eine Groteske, wenn die Linkspresse so tut, als ob die Filmoberprüfstelle dem Druck der Straße gewichen sei, damit aber auch der Staatsgewall einen Schaden zugefügt habe, der sich nicht wieder gutmachen ließe. Es gibt Unwägbar leiten, die "nur gefühlt und empfunden, aber nicht erjagt werden können. Zu diesen Unwägbarkeiten gehört cs, die Staatsgewalt, die ganz unabhängig vom Partciregiment ist und sein inuß, nicht un­nötig b l o ßz u st e l l c n. Daß der FilmIm Westen nichts Neues" dem einen oder anderen Zeit­genossen nicht mißfallen hat, bedeutet noch lange nicht, daß er sich nun auch für ein ganzes Volk eignet. Die Wirkungen können sehr vcrschicocn sein, was zu beurteilen eben die Sache der Staatsgewalt und ihrer Organe sein muß. Das deutsche Volk ist geistig und seelisch noch nicht so heruntergekom­men, um sich die Schicksalswelle von 1914 bis 1918 in einem Zerrspiegel zeigen zu lassen, der dem Deutschen die menschliche Minderwertigkeit be­scheinigt. Wer sich dagegen auflehnt, ist weder Mili­tarist oder Nationalist, noch beides zusammen, son­dern handell nur aus dem gesunden Gefühl heraus, daß es für ein Volk nichts Höheres gibt und geben kann, als seine Ehre.

Vor der Filmoberprüfstelle.

Der kirr. 11. Dez. (TU.) Vor der Filmober­prüfstelle begann im Reichsinnenministerium die Prüfung des Films3m Westen nichts Neues" mit einer Vorführung des in Deutsch­land zugelassenen Bildstreifens. Rach der Vor­führung wies der Vorsitzende der Oberprüfstelle darauf hin, daß die Verhandlungen von der Fassung auszugehen hätten, in der der Bildstreifen gezeigt worden sei. Sodann gab er den beiden Sachverständigen das Wort. Als erster äußerte sich

-er Vertreter des Reichswehnniniste- nums, Kapitänleutnant v. Baumbach, er führte u. a. aus: Das Reichswehrministerium ist über die Entstehungsgeschichte dieses Films von der ersten Vorbesichtigung in Holly­wood an durch amtliche und private Berichte aufs genaueste unterrichtet. Es ist ihm bekannt, daß bereits im April d. 3. der deutsche Gene­ralkonsul in San Franzisco Protest- schritte bei den Herstellern des Films unternommen hat, denen ähn­liche Schritte des Berlages Allstein

folgten. 3n dem verflossenen Jahrzehnt sind freundschaftliche Bande jeder Art zwischen den Rationen angeknüpft worden. Auf einem Gebiet aber hat sich der Locarno-Geist nicht durchsetzen können: auf dem Gebiete des Films! Der Typus des primitiven Kriegshetzfilms ist zwar ausge- storben, an seine Stelle ist eine andere Art von Film getreten, in denen der Deutsche verhüllt oder auch unverhüllt unauffällig und scheinbar unbeab­sichtigt als lächerlich, brutal und feige skizziert wird. Das Interesse der Wehrmacht rührt daher und wird immer wieder dadurch neu angefacht, daß in diesen ausländischen Filmen der größte Teil den Kr ieg und die deut­sche Wehrmacht behandelt, d. h. kari­kiert, Herabseht und verächtlich! macht.

Auf Grund der in den letzten drei Jahren cingegangenen amtlichen und privaten Berichte hat das Reichswehrministerium eine Liste anti­deutscher Filme zusammengestellt, dir 40 bis 45 Bildstreifen zählt. Ebenso wie die deutschen Offiziere werden in diesen Filmen die ein­fachen Soldaten geschmäht. Man läßt sie in Feindesland Schlösser plündern, Zivilpersonen mißhandeln, Frauen vergewaltigen. Die die Tiere fressen und sausen unsere Soldaten. Nur, wenn sie Ratten totschlagen können, werden sie munter und ver­gnügt. Man läßt Hunde die deutsche Fahne zerreißen, man läßt Offiziere ihre Untergebenen mißhandeln und mit Ohrfeigen zu niedrigen Diensten zwingen. Das Eiserne Kreuz wird Hunden umgehängt. In anderen Filmen wieder arbeitet man die Physiognomie der deutschen Soldaten unsympathisch und abstoßend heraus. Man läßt sie in zerrissenen Unifor­men mit verwahrlosten Gesichtern auftreten. Mit Reitpeitschen fuchteln Ostizlere Zivilpersonen im Gesicht herum.

Der Film3 m Weste n nichts Neue s" lebt sich mehr stofflich Irlt antideutschen Sinne aus. In der Linie der Abkehr von der primitiven Hetze des Krieges zur unauffälligen und vorsichtigen Ver­unglimpfung, liegt es auch, einige günstige Typen hcrauszuarbeiten, mit denen man erforderlichenfalls den Vorwurf der bösen Absicht widerlegen kann. Weshalb wird der deutsche Soldat in diesem Film nicht mit der Würde geschildert, die er nach seinen unvergleichlichen Kriegsleistungen verdient? Warum muß dieser Film mit allen seinen häßlichen Szenen durchaus in der deutschen Wehrmacht spielen? Weshalb muß überhaupt immer, wenn etwas Mili­tärisches verunglimpft, wenn im antimilitaristischen Sinne agitiert, wenn für den Pazifismus geworben werden soll, weshalb müssen derartige Werke stets in der deutschen Armee spielen? Den Filmproduzenten aller Länder steht es frei, den Schauplatz ihrer Darstellung in das eigene Land und in d i c eigene Armee zu ver­legen. Die Tatsache, daß dieser Film ans einem deutschen Kriegsbuch gemacht ist, dürfte kein Prä­judiz für seine Beurteilung schaffen. Zwischen dem Film und dem Buch bestehen ganz wesentliche Un­terschiede.

Wie sieht cs nun in Kriegsfilmen aus, die i n der amerikanischen oder englischen Armee spielen? Gewiß, auch da gibt es Schreckens- 1 szenen, aber stets behält der amerikanische Soldat, selbst in der größten Gefahr eine gewisse ruhige Ueberlcgenheit, ein vergnügtes Lächeln, das ihn schließlich zum Vorbild des tapferen kalt­blütigen Soldaten stempelt. In einer Herab­setzung des Ansehens der Wehrmacht liegt eine Schädigung des gesamten deutschen Ansehens. Aus diesem Grunde tritt das Reichswehrministerium, wie bei der ersten Prüfung, wiederum dafür ein, daß der Film in seiner Gesamtheit für Deutschland zu verbieten ist.

Oer Vertreter des Reichsinnen- ministeriums, Ministerialrat Hoche,

führte in seinem Gutachten u. a. aus: Der Film wird zu einer einseitigen Darstellung des allen gemeinsamen Kriegserlebnisses. 3n der Haupt­sache zeigt er das deutsche Volk ausge­hungert, erschöpft und das Heer ergänzt durch die allerjüngsten Jahrgänge. 3n dein letz­ten Aufgebot knabenhafter Gestalten wird die Riederlage nicht nur vor Augen geführt, son­dern auch als schicksalsnotwendig dargestellt. Der Film ist nicht eine Darstellung des deutschen Krie­ges, sondern eine Darstellung der deut­schen Niederlage und wirkt daher auf den deutschen Beschauer qualvoll und nie­derdrückend. Das allzu Menschliche tritt in­folge seiner einseitigen Darstellung für den Be­schauer in tief deprimierender Weise in den Vor­dergrund. Das deutsche Volk ist in diesem Win­ter in einem Zustand so tiefer, seelischer Rot und innerer Zerrissenheit, daß alles abzuleh­nen ist, was geeignet ist, deninnerenZwie- spalt noch zu vertiefen. Ueberdies steht die deutsche Politik seit 3ahren unter dem Schat­ten eines verderblichen und beklagenswerten Ge- sinnungskampfes. Die schon hervorgehobenen Eigenschaften des Films müssen zu einer Stei­gerung der seelischen Depression und zu einer Verschärfung der Gegensätze führen. Dies gilt um so mehr in einer Zeit, in der durch unser Volk, besonders durch unsere Fügend eine Welle des ungeordneten Aufbegehrens geht, die durch den Druck der Kriegslasten and der schweren wirt­schaftlichen Röte noch gesteigert wird. Es hat sich

vielmehr weiter Kreise des Volkes und verant­wortlichen Regierungsstellen die Besorgnis be­mächtigt, daß eine weitere Vorführung deS Fil­mes zu einer nicht mehr tragbaren seelischen Belastung und zu immer stär­keren leidenschaftlichen Auseinandersetzungen füh­ren muß, die eine unmittelbare Gefähr­dung der öffentlichen Ordnung be­deutet. Der Reichsminister des Innern bejaht unter diesen Umständen die Frage, ob die Vor­führung des Films geeignet ist, die öffent­liche Ordnung zu gefährden.

Für Sachsen wies Ministerialrat P o e h s ch auf die starke Spannung im ganzen Lande hin. deren Ursache gerade in dem Kriegserlebnis liege, das in dem Film gezeigt werde. Der Deutsche habe in einer solchen Situation, in der Deutschland sei, nicht das Gefühl, vom Auslande überhaupt verstanden zu werden. Kein Wunder, dah solche Entladungen, wie die Proteste gegen den Film an der Tagesordnung wären. Bereits das Buch Remarques enthalte peinliche Ein­seitigkeiten, die im Film noch viel schärfer her­vortreten. Der Vertreter Sachsens schloß sich vollinhaltlich dem Standpunkt des Reichswehr­ministeriums und des Reichsinnenministeriums an. Den gleichen Standpunkt nahm für Thürin­gen Oberregierungsrat Peipelmann ein. Auch der Vertreler für Braunschweig, Exzellenz Bode, schloß sich den Ausführungen der Ländervertreter an. Recht temperamentvoll gestalteten sich die Ausführungen des Vertreters Bayerns. Exzel­lenz vom 3 m h o f f, der von dem Film auch eine entsittlichende, ja sogar verrohende

Wirkung auf das Volk uitd auf die 3 u g e n d befürchtete. Die wirklich erbebenden Momente des Opfermutes und des mutigen Aus- Harrens kämen in dem Film überhaupt nicht zum Ausdruck.

Für die Universal Pidures Corporation erklärte Rechtsanwalt Dr. Frankfurter

in einem mehrstündigen Plädoyer, daß die ame­rikanische Firma den Film für Deutschland zu - rückg c z o gen habe. Er verlas ein Telegramm des Präsidenten der Universal Pidures Corpo­ration. des alten Lämmele, der auch heute noch ein großer Wohltäter feiner württembergischen Heimat sei und der erklärte, das Buch Remar­ques habe so sehr für seine alte deutsche Hei­mat in den Vereinigten Staaten gewirkt, daß er gerade deswegen und aus diesem Geiste der Verständigung der Völker her­aus für diesen Film begeistert die Herstellung übernommen habe. Abschließend stellte der Ver­teidiger fest, daß der Film entsittlichend und verrohend in keiner Weise sein könne, im Gegen­teil. noch eher geeignet sei, die Sittlichkeit zu heben. Es handele sich hier um Weltanschauun­gen. Die Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung komme nicht mehr in Frage, nachdeni der Film zurückgezogen fei. Auch das Ansehen Deutschlands gegenüber dein AuSlande sei in keiner Weise geschädigt, im Gegenteil, gerade dieser Film sei nur geeignet, das deutsche Volk so, wie es gelitten und gerungen habe, in den 3ahren der Rot wahrhaft und für das deutsche Volk ehrend zu schildern.

Das Urteil der Filmoberprüfstelle.

Um 15.40 Uhr gab der Vorsitzende der Film- obcrprüfftcöc, Ministerialrat Seeger, die (Enf- fcheldung bekannt. Danach hat die Filmober- prüfftelle die Gefährdung des deut­schen Ansehens durch den Film als gegeben erachtet und die weitere Auf­führung des Films für Deutsch­land verboten.

Zur Begründung des Spruches führte Ministe­rialrat Seeger mündlich etwa folgendes aus: Die Filmoberprüfstelle hat sich auf den Standpunkt des Rechtsanwaltes Frankfurter gestellt, daß der Film eine p a z i f i st i s ch e Weltanschauung ver­körpere. Dann könnte er aber nicht, wie der Ver­teidiger behauptet habe, das Schicksal von neun Freiwilligen allein kennzeichnen. Handele es sich aber um Weltanschauungsfragen, dann seien die im Film spielenden Personen Typen. Diese bärge stellten Typen haben das Ansehen der Kriegsteilnehmer auf das Empfind­lichste verletzt. Es ist unbestritten, daß in die­sem Film nur deutsche Soldaten in den Unterständen jammern und schreien , daß ober die gegen den Stacheldraht anrennenden Franzosen schweigend st e r b e n. Die Film­oberprüfstelle ist der Ansicht, daß dieser Film der Gemütsverfassung der Teilnehmer an dem Welt­kriege in keiner Weise gerecht wird. Sic schließt sich ferner dem Standpunkt des Reichsinnen ministeriums an, daß der Film ein Film nicht des Krieges, sondern der deutschen Niederlage ist, und ich möchte das Volk sehen, das sich die Dar­stellung der eigenen Niederlage gefallen läßt. Die Entscheidung der Filmoberprüfstelle ist nicht, dies möchck ich besonders noch betonen, unter dem Druck der Straße^ erfolgt. Auch die Drohung des Rechts« anwaltes Frankfurter, daß die amerikanische Firma ihre Produktion aus Deutschland zurückzichen würde, hat das Urteil der Filmoberprüfstelle nicht beein­flußt.

Berliner Blätter zum Filmverbot

Berlin, 12. Dez. (TU.) Zum Verbot des Films Im Westen nichts Neues" für Deutschland nehmen die Berliner Blätter ausführlich Stellung. Die Germania" teilt die sachlichen Gründe, die die Oberprüfstelle zum Verbot des Films veranlaßt haben und weift darauf hin, es fei keineswegs so, daß die Nationalsozialisten durch ihre Demonstra- tic-nen das Verbot erzwungen hätten. DieV o s ° fische Zeitung" meint, das Urteil der Ober­prüfstelle beseitige nicht den Kampf der Meinungen und könne nicht als objektive Feststellung hinge­nommen werden. Es sei unter politischem Druck ent­standen, von einem Gremium gefaßt, das auch beim besten Willen zu einer rein sachlichen Entscheidung doch von vornherein überwiegend zuungunsten des Films eingestellt gewesen sei. DasBerliner Tageblatt" bezeichnet das Verbot als eine Kapi­tulation vor der Straße. DerL o l a k a n z e i g e r" stellt fest, daß der Spruch der Filmoberprüfstelle so ausgefallen sei, wie er habe ausfallen müssen. So sei wenigstens künftiger Schaden einigermaßen verhütet, der angerichtete allerdings nicht wieder­gutgemacht. DieDeutsche Allgemeine Zei­tung" begrüßt es, daß die gerechten Argumente der Ueberlegung und der gerechte Zorn der beleidig­ten Bevölkerung zusammen ausgereicht hätten, in dem Streit um den Film die Oberhand zu behalten. Eine Reinigung der Atmosphäre des öffentlichen Lebens werde die Folge fein. DerVorwärts" schreibt, die Mitglieder der Oberprüfstelle, die das Verbot beschlossen hätten und die amtlichen Stellen, die hinter ihnen ständen, hätten aus nationalifti- scher Parteiverblendung oder aus beklagenswerter Schwäche dem deutschen Volk einen . verhängnis­

vollen schlechten Dienst geleistet. Die Sozialdemolro tische Partei sei entschlossen, den Kampf gegen die faschistische Straße und den wicderauflebenden Kriegsgeist durchzukämpfen, DerTag" bezeichnet die Entscheidung der Filmoberprüfstelle als ein ver nichtendes Urteil für alle die Kreise, die für das deutsch-amerikanische Tendenzwcrk gefochten hätten. Nationale Beharrlichkeit habe einen Erfolg erftrit ttn DieDeutsche Zeitung" bezeichnet die Entscheidung als eine erste Niederlage der Novcm bergeifter und schreibt, die Schmach der Vorführung des gemilderten Hetzftlms fei beseitigt, aber die Schmähung des deutschen Frontsoldaten durch die Vorführung der Originalfassung in allen Ländern der Welt gehe dank dem Versagen des Auswärtigen Amtes weiter.

Keine Verärgerungspolilik gegen die Beamten.

Erklärungen bee Neichsfinanzininistcrs.

Berlin, 12. Dez. (CNB.) In einer Besprechung des Reichssiiianzministers Dietrich mit den B c - amtcnfüljrcrn der Deutschen Staats- partci erklärte der Minister, daß seine Politik im Hinblick aus die Beamtenschaft von den Staatsnot Wendigkeiten diktiert worden sei. Er lehne jedoch Maßnahmen ab, die nur geeignet seien, Verarge tung zu schaffen, ohne von größerer finanzieller Bedeutung zu fein. Es sei daher nicht dcabsich tigt, den Urlaub der Beamten z u ver kürzen. Es sei weiter darauf verzichtet worden, das Pensionsalter von 65 auf 68 Jahre heraufzusetzen. Es wurden Richt linien geschaffen, die Beförderungen in den Ministerien wieder möglich machten. In den Reichsministerien sei durch Kabincttsbeschluß eine Beförderungssperre vereinbart. Es sei jedoch jetzt in Aussicht genommen, in den Reichsministerien, die die vorgesehenen 10 v. H. ihrer Be­amten abgebaut hätten, Beförderungen wie­der vorzu nehmen, wenn dabei die Eingangs­stellen der Laufbahn in Wegfall kämen.

Oie Deutsche DollSpartei wünscht weitere Einsparungen im Etat.

Berlin, 12. Dez. (WTB.) Die Reichslagsfraktion der Deutschen volksparlei hat beschlossen, im Reichs­tag einen Antrag einzubringen,die Reichs­regierung zu ersuchen, zur Sicherung gegen Schwankungen des Wirtschaftslebens dem Reichstag vor dem Eintritt in die Einzelbera- tung des Reichshaushalts für 1931 1. einen Er- gänzungshaushalt vorzulegen, der die Ein- sparung eines weiteren Betrages von mindestens 30 0 Millionen Mark an den ordentlichen Ausgaben herbeiführt. 2. die zu diesem Zwecke erforderlichen Gesetzentwürfe vorzulegen".

Oer Schiedsspruch im Bankgewerbe.

Berlin, 11. Dez. 3n dem Tarifstreck der Bankangestellten hat die vom Sonderschlichter gebildete Schlichterkammer einen Schieds­spruch gefällt, in dem es u. a. heißt:

Der zum 31. Dezember 1930 ab laufende Reichs-Tarifvertrag wird mit Wirkung vom 1.3anuar 1931 ab mit folgenden Aenderun-- gen verlängert:

1. Die M i n d e st - W o na t s ein ko mm e n aller derjenigen Angestellten und Arbeiter