Ausgabe 
12.11.1930
 
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Aus der Provinzialhauptstadl.

Gießen, den 12. Rovember 1930.

Schafft Arbeit!

Lin Appell an Behörden und private Auftraggeber.

Im Handwerterhaus in Frankfurt a. M. sand eine Konserenq von Vertretern des Rhein-Wamr- schen Maler- und TünchermeisterverbandeS und von Dehilsenvertretern vom Verband der Mater, Lackierer und Weißbinder Deutschlands, 2. Bezirk, statt, um zu der katastrophalen Arbeitsmarktlage des Waler-, Tüncher- und Weibbindergewerbes Stellung zu nehmen und um gleichzeitrg em Ar­beitsbeschaffungsprogramm zu besprechen

In der Konserenz wurde sestgestellt, daß zur Zeit über 6000 Gehilfen des Waler-, Tüncher- und Weistbindergewerbes im Bereiche des Lan** desarbeitsamtsbezirkes Frankfurt a W. (zu dem G i e b e n und die ganze Provinz Oberhessen gehören D. Red ) erwerbslos sind. Wrt einem wei­teren sehr starken Rückgang der Beschäftigung ist für die nächste Zeit zu rechnen. Sm großer Teil der Betriebe der Branche ist fdt längerer Zeit fast ohne jegliche Aufträge, manche wurden sogar zum Schließen gezwungen.

In Anbetracht dieser Situation muß erwartet werden, daß in das Arbcitsbeschaffungsprogramm des Reiches auch das Waler-, Lackierer-, Weiß­binder- und Tünchergewerbe mit einbezogen wird und daß insbesondere alle in Frage kommenden Behörden während der Wintermonate mit dazu beitragen, daß für das genannte Gewerbe Arbeit auf den Markt kommt.

Es besteht kein Zweifel, daß in den meisten öffentlichen Gebäuden, in Bureaus, Schulen, Kranken-, Fürsorge- und sonstigen Anstalten. Polizei-, Gerichts-, Bahn- und Postgebäuden, in Dienst- und sonstigen, den behördlichen Ver­waltungen unterstellten Wohnungen usw. eine Menge notwendiger Maler-, Anstreicher-, Weitz- binder- und Tüncherarbeiten auszuführen sind. Schon oft ist festgestellt worden, daß durch ver­spätete Renovierungen starke Rachteile in bezug auf die Kosten der baulichen Unterhaltung ein­getreten sind. Auch die gesundheitliche Seite der Angelegenheit sollte man in Hinsicht auf die verwohnten Räumlichkeiten mit beachten.

Don den Vertretern der Arbeitgeber- und Ar- beitnehmerverbände wurde daher beschlösse»^ bei den zuständigen Behörden von Reich, Staat, Kom­munen, Eisenbahn, Post usw. vorstellig zu wer­den, damit durch Bereitstellung von Mitteln und Inangriffnahme von Arbeiten der katastrophalen Ar­beitslosigkeit entgegengewirkt wer­den kann, wodurch zugleich einerseits die Aus­gaben der öffentlichen Fürsorge gemindert und anderseits die selbständigen Geschäftsinhaber in die Lage versetzt werden, ihren Verpflichtungen den Behörden gegenüber (Steuern und Abgaben) gerecht werden zu können. Gleichzeitig wenden sich die Vertreter der Organisationen mit ihrem Appell an die G e s ch ä s t s w e l t, an Haus­besitzer und Privatleute, in der jetzigen Zeit nach Möglichkeit Arbeiten ausführen zu las­sen. Die Verminderung der Arbeitslosigkeit liegt besonders auch im Interesse der Geschäftswelt und der gesamten Wirtschaft.

Die kältere Iahreszeit bildet für die Ausfüh­rung der Arbeiten kein Hindernis, sondern die Wintermonate sind, da in der Hauptsache Innen- arbciten in Betracht kommen, für die Ausfüh­rung sehr geeignet. Die Angehörigen des Ma­ler-, Lackierer-, Anstreicher-, Tüncher- und Weih­bindergewerbes würden es begrüßen, wenn die­ser dringende Appell bei den Behörden und pri­vaten Auftraggebern die notwendige Beachtung finden und dazu beitragen würde, die jetzige kata­strophale Lage des Gewerbes während der kom­menden Monate einigermaßen erträglich zu ge­stalten.

Wohnungsfragen im hessischen Wirtschastsministenum.

WSR. Unter dem Vorsitz des Ministers für Arbeit und Wirtschaft sand gestern in Darmstadt eine Besprechung über Wohnungsf ragen und Wassergeldverteilung statt. Ver­treter des Hausbesitzes, der Mieter, der politi­schen Parteien und der Städte nahmen an der Besprechung teil. Eine Entscheidung über die weitere Lockerung dec Wohnungs­zwangswirtschaft soll im Zusammenhang mit dem von der Reichsregierung vvraelegten Gesetz über die Reuregelung der Mietverhältnille erfolgen-

Berufskundlicher Vortragsabend.

Am Montag fand der erste Abend der von der Berufsberatung des Arbeitsamts Gießen veranstalteten berufskundlichen Vor­tragsreihe statt. In einleitenden Worten wies der Berufsberater Dr. R o t t en b a ch e r darauf hin, daß die Berufswahl heute weit schwieriger ist, als in früheren Jahren und daß die Derufsnot, deren Ursache in Öen wirtschaft­lichen Verhältnissen und der chronischen Arbeits­losigkeit zu suchen ist, besonders viele Eltern

veranlaßt, die Derussberatungsstelle aufzusuchen. Iede richtige Derussberatung müsse von der Reigung des Jugendlichen ausgehen, die wirt­schaftlichen Aussichten des Deru es berücksichtigen, aber in erster Linie müsse die Eignung des jungen Menschen ausschlaggebend fein.

Werkmeister Kraft, Gießen, gaf> sodann ein gutes Berufsbild des Autoschlossers, der die Aufgabe hat, sich mit der Reuherstellung unb Reparatur aller Kraftfahrzeuge zu beschäftigen. Der Referent schilderte die Arbeiten, die der Autoschlosser auszuführen hat, und betonte, daß neben guter Ausbildung möglichst weitgehende Spezialausbildung im Fache noitoenbig sei. De- sonoers in kleineren Betrieben werbe Vielseitig­keit verlangt. Einige aus der Praxis angeführte Fälle zeigten, wie groß das Arbeitsgebiet des Autoschlossers ist.

Spengler- und Installateurmeister D ö d i g e r, Gießen, sprach über den Beruf des Spenglers unb Installateurs. Er oeqtanb es, die viel­seitigen Arbeiten diese- Handwerks vor dem geistigen Auge der Zuhörer lebendig werden zu lassem Er wies besonders daraus hin, wie wichtig in diesem Beruf eine gute Lehrzeit ist, in der der junge Mann nicht anteilig, sondern mög­lichst vielseitig ausgebildet wird. Denn die Lehr­zeit ist das Kapital, das die Eltern dem Jungen mit auf den Lebensweg geben.

Als dritter Referent war für den Abend Herr Weimer jun., Gießen, gewonnen worden, der den Beruf des Maurers und seine Rebenberufe behandelte. o2n der geschichtlichen Entwicklung ausgehend wies der Redner nach, daß die De- triebsform des Mauyergewerbes auch heute noch eine handwerkliche itt. Der gute Maurer müsse heute auch ein guter Kaufmann fein. Guter Verstand unb kräftig^ Gefunbheit feien bie Haupt- erforberniffe im Maurerberuf.

Ausgezeichnete Achtbilber ergänzten die Aus­führungen bet drei Referenten.

'ßornottKh.

Tageskalender für Mittwoch. Ka­tholischer deutscher Frauenbund: Dortrog von Unio.- Prof. Dr. Steinbüchel über:Augustinus und seine Mutter", im Katholischen Dereinshaus. Deutsch­nationale DolkÄpartei: Oeffentlicher Vortrag, 20.15 Uhr, im Postkeüer. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Komm zu mir zum Rendezvous". Astoria-Licht- spiele:Die Herrin der Luft" undDas brennende Schiff". -

Aus dem S t a d t t h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Am Freitag findet unter der Regie ton Walter Bäuerle die Erstauffüh­rung von Schillers bürgerlichem Trauerspiel: Kabale vnd Siebe statt. Die Aufführung kommt in völlig neuer Inszenierung heraus unb dürfte von allen Freunden llassischer Kunst leb­haft begrüßt werden.

Die Schule für höhere - Klavier- spielvonFrLMinnaKörner veranstaltet demnächst ein Schülerkvnzert. Dazu schreibt man unS: Das Konzert ist insofern in pädagogischer unb musikalischer Beziehung bedeutungsvoll, als es ausschließlich Werke ber Schule Rimsky-Korsa- kows enthält. 11. a. werden Stücke für Klavier von Glasunow, Gretschaninow u. a. unb Kammer­musikwerke von Grodski unb Gretschaninow zu hören sein, dabei auch ein Trio für Flöte. Violine und Klavier von Cäsar Cui. (Siehe heutige An- jeigeJ

* Dienstjubiläen bei ber Reichs- bah n. Auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn konnten in den letzten Tagen zurück­blicken: Zugschaffner Friedr. Manbler (Dahn- ho-), bie Lokomotivführer Karl Schmidt IV. unb Eduarb Stille, ber Werkhelfer Ludwig Binz, die Maschinenputzer Wilhelm Sonne» b o r n unb Christian Hofmann (sämtlich beim Bahnbetriebswerk): der Labeschaffner Johannes W e h r u m und der Reichsbahnassistent Wil­helm M e l i o r (Güterabfertigung), unb ber tech­nische Reichsbahninspektor Heinrich D r ü h l (Be­triebsamt). Den Iubilaren wurden von der Reichsbahnverwaltung unb ben Dienststellen Ehrungen zuteil.

* Sitzung des Provinzialaus- s ch u s s e s. Am nächsten Samstag, 15. Rovbr., 8*/r llhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Geheimhaltung des Inhalts von Anklageschrif­ten und Urteilen im Verfahren wegen Verrats militärischer Geheimnisse: hier: das Urteil des Oberlandesgerichts Darmstadt vom 10. Februar 1928 in der Strafsache gegen den belgischen Staatsangehörigen Gustav Ado f GerhardPied- boeuf. 2. Klage des Dezirkssürsorgeverbandes Stadt Offenbach a. M. gegen den Dezirkssür- sorgeverband des Kreises Friedberg auf Ersatz von llnterstützungskosten für Karl Hirschhäuser. 3. Die Schlosser- unb Schmiedezwangsinnung des Kreises Friedberg: hier: Beschwerde des Willy Winkler in Friedberg gegen den Beschluß des Kreisamts Friedberg vom 20. März 1930 wegen Heranziehung zur Mitgliedschaft. 4. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Dortmund

gegen den Dezirksfürsorgeverband des Kreises Lauterbach wegen Erstattung von llnterstützungs­kosten für Kaspar Füllgraf.

Artur Mahraun in Gießen. Am nächsten Sonntag spricht der Führer des Jung­deutschen Ordens, ArturMahraun.imRah­men einer Kundgebung des Ordens unb der Dolksnationalen Reichsvcrein.gung in der Turn­halle am Oswalbsgarten Am Vormittag findet ein Ordens ko nvent nur für Ordensmitglieber statt. Näheres in ber heutigen Anzeige.

Das schöne Riesengebirge''. Der Kaufmännische Verein unb ber Ortsgcwerbeverein veranstalteten am Montagabenb in der Reuen Aula der Universität ihren zweiten Vortrags­abend. Die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt. Herr A. W. Blau, Berlin-Zehlendorf ber sich als ein guter Kenner bes schlesischen Lanbes erwies, hielt einen Lichtbildervortrag über Schlesien und seine Eigenarten. Gr sprach von jenem Landstrich im Südvsten des Reiches als einem Lande der Gegensätze, in dem urwüch­sigstes Bauerntum einer übersteigerten und kon­zentrierten Industrie gegenüberstehe. Gr erin­nerte an die Dichter des Landes, an Karl und Gerhart Hauptmann, an Theodor Körner u. a.,

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die in ihrem Schassen immer wieder die Kräfte aus der Heimat, Schlesien, gezogen haben. Der Redner gab weiterhin einen Ueberblick über die geographische Lage, über die geologische Struk­tur des Landes und seiner Gebirgszüge. In leb­haften Farben schilderte er die Schönheiten der Hauptstadt Breslau unb des Riesengebirges. Eine Reihe von Lichtbilbern, die durch Photo­graphie in natürlichen Farben eine erhöhte Wir­kung audübten, traten den Wahrheitsbeweis für die Ausführungen bes Rebners an. Dilb unb Wort ließen ben Besucher bas Riesengebirge in seiner schlichten unb doch so erhabenen Schönheit erleben, bessen Krönung bie Schneekoppe bar- stellt. die mit ihren über 1600 Metern Höhe einen Rundblick über deutsches und heute tsche­chisches Land gestattet. Bilder der Landschaft in? Kleide des Winters unb Aufnahmen ber Dau­ben im Zauber bes Rauhreifs beschlossen die Diiberserie. Der Vortrag fanb lebhaften Dei- fall.

Karl-Ettlinger-Abenb. Karl Ctt- I in g er, ber weithin bekannte Schriftsteller, ist eigentlich keinKarlchen" mehr. Er ist vielmehr ein angehender älterer Herr, brr einen würbigen EinbruckHu machen vermag, woran auch die Tat- ,ache nichts ändert, daß ihm der Schalk im Racken und in ben Augenwinkeln sitzt. Das alles erscheint vielleicht nebensächlich in Anbetracht bessen, bah er seine Zuhörer gestern Abenb in ber Reuen Aula sehr gut unterhielt. Schriftsteller unb Dich­ter sinb zwar nicht immer bie besten Interpreten ihrer Werke, beiKarlchen" aber ist es so, bah seine kleinen Skizzen, Gedichte, Satyrrn aus sei­nem Munde lebendiger, unmittelbarer werben, als sie uns aus ben Düchern entgegentreten können. In einem leichten Plauberton, scheinbar hinge- worfen, erzählt er, Gebichte trägt er nicht vor, sondern erzählt sie auch, ber Erfolg bleibt nicht aus. So wie in seiner schriftstellerischen Arbeit hatte er auch in seiner Vortragsweise eine eigene Form gesunden. Was er bot, war sorgfältig aus- gewählt. SeinUrteil über bas Urteil bes Sa­lomo", dieRadiogeschichten", basKlagelied über bie Papas", bie Verlobung im zeitgenössischen Ge­dicht aus vier Jahrhunderten, seine Tierfabeln, bas MärchenSchneewittchen" in Frankfurter Ausgabe, ber Familienpfingstausflug nach bem Starnberger See mit ber Fülle feiner an ameri­kanische Grotesken erinnemben Zufälligkeiten, lösten viel beifälliges Schmunzeln aus. Großen Erfolg erntete er mit einer Sathre, bie in fünf­ter Form an politische Unzulänalichkeiten erin­nerte. War auch nicht alles gleich gut, war auch keine Gelegenheit gegeben, bas ganz große humo­ristische Erlebnis kennenzulernen, wie es vielleicht ein Marcell Salzer als Vortragskünstler zu ver­mitteln vermochte, fo unterhielt man sich boch außerordentlich gut unb klatschte herzlich und aus Ueberzeugung Beifall. Der GdA., Ortsgruppe Gießen, darf bas Verdienst für sich buchen, fei­

nen Mitgliedern unb Gästen -einen sehr netten Abend bereitet zu haben.

" V. H. C. G » e ß e n. Vom günstigsten QBettei unterstützt, unternahm am Sonntag ber V. H. C. Gießen seine elfte Dereinswanderung in bet Stärke von über 50 Teilnehmern. Der Jahres­zeit entfprechenb hatte man bie nähere Umge­bung Gießens gewählt, unb fo ging es denn die Leihgestemer Straße entlang bis zur gelben Punktmarkierung. die den Wanderern auf der größten Strecke das Geleite gab. Kurze Rast wurde bei der Thcodorsruhe gehalten, wo man sich an dem prächtigen Schifsenbergblick erfreute. Aus meist guten Walbpsaden ging es sobann zur Mittagspause auf ben Schiifenberg. Klare Lust ermöglichte schöne Fernblicke nach bet Wetterau unb ben Höhen bes Taunus', Wester- walbs unb ben Hinterländer Bergen. Der Weiter­marsch führte über ben Qlnncberg, bie Lichet Straße überschreitenb, nach ber Hohen Warte, wo man auf ben gelben Strich stieß, ber bie Wan­derer nach Annerod leitete. Bei der Schlußrast gedachte u. a. bet Dorsihenbe bes verdienstvollen Führers bes Frankfurter B. H. C., Vater D en- b c r, bes warmherigen Freunbes seiner ober- hessischen Heimat, ber am gleichen Tage seinen 70. Geburtstag beging. Rach Stärkung unb dem Absingen einiger Leider im Wechselgesang mit einer studentischen Korporation erfolgte bet ein- brechenber Dunkelheit ber Heimmarsch.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Derbindlichfeif der Schriftleitung )

O. G. Sch. Die katholischen Geistlichen müssen vor ber Weihe zum Priester ein Gelübbe ab­legen, das sie zur Ehelosigkeit verpflichtet. Dieses Gelübde gilt auf Lebenszeit. An dieser Sachlage hat sich auch neuerdings nichts geänbert

A. F. H. An Staatsbeamte kann von der Re­gierung in gewissen Fällen eine staatliche Deb- hilse zum Dau von Eigenwohnhäusern in Form von Arbeitgeberbarlehen gewährt werben. Der Antrag ist über das zuständige Kreisamt in Ihrem Falle bas Kreisamt Schotten an bie Regierung zu richten. Rähere Aufklärung kann Ihnen bas Kreisamt Schotten geben.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Der Milchpreis in Grohen-Buseck.

Großen-Duseck, 11. Rov. Seit einiger Zeit kostet bie Milch in ben Rachbarbörfern 20 Pf. pro Liter. 3a, in Gießen wirb sie für biesen Preis sogar frei ins Haus geliefert. Rur hier inGro­tz en - Du s e ck müffen bie Verbraucher nach wie vor 28 Pf. bezahlen, unb zwar StallpreiS. Ein- fenber ftanb biefer Tage mit feiner Kanne neben dem Milchhänbler. Beide bekamen ihre Milch aus bemfelben Eimer. Ersterer mutzte 28 Pf. pro Liter bezahlen, währenb ber Milchhänbler nur 18 Pf. bezahlte. Dieser Unterschied von 10 Pf. ist ent­schieden zu groß: er ist durch nichts gerechtfer­tigt. ES soll hiermit nichts darüber gesagt fein, ob der Preis von 20 Pf. richtig ist: aber es ist boch ein Unding, batz wir als einzige Gemeinbe im Umkreis noch 28 Pf. als Stallpreis bezahlen müffen. Es wäre an der Zeit, daß bie Erzeuger von Grohen-Dufeck ihre Stallpreife den Preisen in ber Hingegen!) einigermaßen unpassen würben.

Ein Verbraucher.

(Schluh des redaktionellen Teils.)

Mehr als drei Millionen Menschen waren in diesem Sommer in der Hygieneausstellung zu Dres­den. Ergriffen standen sie vor dem durchsichtigen Menschen den sinnreichen Aufbau des menschlichen Körpers bewundernd. Wir wissen ja viel zu wenig von uns felbft! Wer zum Beispiel weiß, wie es in seinem Magen aussieht! In Dresden sah man in gläsernen Mägen, wie die Milch, sobald sie in den Magen gelangt ist, aerinnt und zu Klümpchen ver­kleistert, die dann stundenlang im Magen liegen bleiben. Trinkt man aber die Milch mit Kathreiners Malzkaffee gemischt, so bildet sie ganz zarte kleine schneeige Flöckchen, die sehr leicht verdaut werden. Also stets die Milch mit Kathreiner mischen! 4950v

Die erste deutsche Straßen-Zapfstelle wurde am 14. April 1924 in Hamburg (in der Wagnerstraße) ausgestellt. Wenige Tage später erfolgte die Fertig­stellung von 4 weiteren Dapolin-Pumpen, gleichfalls in Hamburg. Damals war der Bau dieser Zapf­stellen ein großes Ereignis, und die Spitzen ber Behörden und die Vertreter der Presse beteiligten sich an einer Besuchsrundfahrt zu diesen Tankstellen. Auch in anderen Städten wurden bald darauf die ersten Straßen-Zapfstellen eröffnet. Wenn man diese ersten Zapfstellen, die lediglich aus der Zapfanlage bestanden, mit den heutigen allgemein bekannten neuzeitlichen Dapolin-Tankstellen vergleicht, so er­kennt man bie gewaltige Arbeit, die auf diesem Ge­biet in wenigen Jahren geleistet worden ist. 2525v

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