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fassung in polksparteilichen Kreisen kann es sich bei den neuen Besprechungen höchstens darum handeln, die bisherigen losen Vereinbarungen über einen Burgfrieden während des Wahl­kampfes zu vertiefen. Grundsätzlich wird darauf hingcwicsen, daß alle Bemühungen auf stärkste Zusammenfassung der staatsbürgerlichen Kräfte nur dann von Erfolg begleitet fein können, wenn die Möglichkeit einer Einbeziehung der Deutschen Staatspartei auf gleichberechtigter Grundlage erhal­ten bleibt. Die Einladung von Treviranus ist übrigens an Dr. Scholz persönlich gerichtet, der also auch lediglich unter eigener persönlicher Verantwortung an diesen Verhandlungen teilneh- men wird.

Treviranus fordert gemeinsame Verantwortung.

Berlin, 10. Aug. (ERB.) ReichsministerT r e- v i r a n u s schreibt in derD. A. Z." u. et: Christli ch-s ozialerDolksdienst Deut­sches Landvolk und Konservative V o l k s p a r t e i gehen auch in diesen Wahl- kampf mit getrennten Listen, aber nicht im Kampf gegeneinander, sondern in einer Front, in der es unwesentlich ist, welchem Stoßtrupp die Mandate zufallen. Für die Parteien und Grup­pen, die sich bei der entscheidenden Abstimmung über die Rotverordnung des Reichspräsidenten hinter die Regierung stellten, besteht in den Äugen der Öffentlichkeit eine gemein­schaftliche Haftung. Wer sich ihr ent­ziehen wollte, würde von einem richtigen In­stinkt des Volkes mit Verachtung gestraft werden. Darum ist der Gedanke einer größeren Zu­sammenfassung an sich getrennter Parteien eine selbstverständliche Forderung. Richt im Sinne eines wie üblich mißverständlichen Dürgerblocks, aber unter der Idee der gemeinschaft­lichen Verantwortung auch für die künftige Regierungsarbeit während der Dauer des Rotstandes, aus dem allein die strittigen Verordnungen ihr Daseinsrecht nehmen. Wir werden zu Beginn der nächsten Woche in einem kleinen Kreise erneut an die Arbeit gehen, um dem deutschen Volke und vor allem der großen Armee der Richtwähler klar zu machen, daß wir für unser Teil der Zer­splitterung Einhalt gebieten wollen. Dabei werden wir uns an alle diejenigen wenden, die gleich uns erkannt haben, daß die Lleberwin- dung der kommenden Röte nur auf dem Wege möglich ist, den die heutige Reichsregierung ein­geschlagen hat.

Ein gutes Beispiel.

Wahigcmcin.äaft zwischen Bottspartei und Ltaatspartci in Baden und

Württemberg.

Karlsruhe, 10.Aug. (IDIB.) 3n Anwesenheit des Reichsaußenminislers Dr. C u r t i u s fand eine stark besuchte vertretcrversammlung des Landes­verbandes Vaden der Deutschen Volks­part e t statt. Linslimmig wurde unter lebhaftem Beifall der langjährige Spitzenkandidat, Relchsaußen- minister Dr. L u r t i u s, wiederum ausgestellt. Die Deutsche volksparlei teilt parteiamtlich solgendes mit: Zwischen der Deutschen Staatspartei und der Deutschen Volkspartei in Baden und Württemberg werden aussichtsreiche Ver­handlungen über den Abschluß eines Wahl- obkommens geführt. Es handelt sich um die Aufstellung einheitlicher Listen. Veichs- minister Dietrich hat Reichsminister Dr. Cur* tius die Führung der Liste in Baden über- ' tragen, während die Einheitsliste in württem- -Vcrg durch Dr. heuß geführt werden soll. 3n Baden ist an zweiter Stelle der Einheitsliste Reichsminister Dietrich sStaatsparlei) und in Württemberg der Reichstagsabgeordnete Kei­nath (Deutsche volksparlei) vorgesehen. Die S e l b- st ä n d i g k e i t der beiden Parteien wird durch das Abkommen nicht berührt.

Außerordentlicher parteifafl der Deutschen Volkspartei Hessens.

FrankfurtaM.il. Aug. (WTB.) Die Deut­sche Volkspartei Hessens hielt am Sonntag im Hand- werkerhaus einen aus allen Teilen Hessens gut be­suchten außerordentlichen Parteitag ab, um zu der gegenwärtigen politischen Lage und zu den kommenden Reichstagswahlen Stellung zu nehmen. Reichstagsabg. Dingeldey (Darmstadt) berichtete über die Vorgänge bei der Auflösung des Reichstags

Oer Georg-Büchner-Preis.

Die Verleihung durch den hessischen Staatspräsidenten.

Darmstadt, ll.Allg. Zum achtenmal wurde heute derDüchnerpreis, der Hessische Staats­preis für Kunst, in einer kleinen Feier im Staats­ministerium dcm diesjährigen Preisträgern, dem Maler Johannes Lippmann und dem Schriftsteller Rikolaus Schwarzkopf, vom Staatspräsidenten, überreicht. Cs hatten sich dazu eingefunden neben den früheren Preisträgern und einigen höheren Beamten die Minister Kirn- berger und Korell. Staatspräsident Dr. Ade­ln n g leitete die Liebergabe mit einer kurzen Ansprache ein, in der er darauf hinwies, daß trotz der Rot der Zeit die geistigen Belange nicht vergessen werden dürften. Der Düchnerpreis stelle keinen erheblichen materiellen Wert dar, um so höher sei aber seine ideelle Bedeutung zu be­messen, die ständig im Wachsen begriffen sei. Es fei Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, daß die produktive Kraft auch auf geistigem Gebiet nicht erlahme und daß geistiges Brot ge­schaffen werde. Rach Verlesung der Stif­tungsurkunde, nach der alljährlich am Verfas- sungstag zwei Staatspreise verliehen werden an die Würdigsten aus den Reihen der Schrift­steller, bildenden Künstler, Architekten, Kunst­gewerbler, Musiker sowie darstellenden Künstler, die sich um das künstlerische und geistige Leben in Hessen verdient gemacht haben, übergab der Staatspräsident den Preisträgern ihre Der- leihungsurkunden unter Zitierung der Widmung, die für den Maler Johannes Lippmann lautet: Dem Maler Johannes Lippmann, dem treuen und meisterlichen Schilderer Oden- wälder Menschen und Landschaften, verleiht das hessische Volk den Georg-Düchner- Prcis 1930", und für Rikolaus Schwarzkopf:

und die politische Situation vor den Neuwahlen. Zur Behebung der gegenwärtigen Krise, die er im ein­zelnen eingehend schildert und der er die Schuld für die Radikalisierung der deutschen Jugend zu­schiebt, erachtet Dingeldey durchgreifendeRe- formen für nötig: Reichsreform und in Verbin­dung damit.Reform des Finanzwesens, ferner Re­form der Steuergesetzgebung, der Sozialversiche­rungsgesetzgebung, der öffentlichen Verwaltung, des Parlamentarismus und ebenfalls der deutschen Wirt- schaftspolitik. Das Ziel der Deutschen Volkspartei im kommenden Wahlkampf fei die Sammlung des Bürgertums und Bildung einer Hin - denburgfront zur Rettung des deutschen Volks. Auf der W a h l v o r f ch I a g s l i st e der Partei für Hessen steht der Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt

Dingeldey (Darmstadt) wieder an der Spitze. Ihm folgen Landwirt Wolf (Albig in Rheinhelfen), Bürgermeister Dr. N i e p o t h (Schlitz), Frau Kloos (Darmstadt), Schmiedemeister Noth­nagel (Griesheim, Freiherr von Heyl (Worms), Lehrer Jost, Gärtnereibesitzer Becker (Reichenbach an der Bergstraße) und Landtagsabg. Dr. Keller.

Frankreich schwimmt im Golde.

Parts, 11. Aug. (WTB.) DerMatin" stellt fest, daß die französische Regierung in den letzten fünf Monaten 900 Millionen Franken zu m Rück- kauf hochverzinslicher französischer

A uslandanleihen, besonders Anleihen in den Vereinigten Staaten (so eine 7prozentige, die erst 1949 fällig wurde), verwandt hat. Dieser Rückkauf sei mit Hilfe der ausländischen Devisen vorgenommen worden, die Frankreich durch die Poungan leihe zugeflossen sind, doch fei durch diese Operation kein Gold aus Frank- reich herausgegangen. Die Bilanz der Bank von Frankreich habe in der letzten Woche eine neue SteigerungderGoldvorräteum 778 Mil­lionen zu verzeichnen. Der Goldvorrat Frankreichs belaufe sich somit auf 46 061 Milliarden Franken. Frankreich fei also nach den Vereinigten Staaten das Land, das über die größten Goldvorräte verfüge.

Deutschlands Recht an der Ostmark.

Minister Treviranus fordert Beseitigung der ungerechten Grenzziehung zwischen Deutschland und Polen. Der Korridor eine europäische Gefahr.

Oie Berliner Antwort.

Reichsminister Treviranus Hai für Deutschland nur Selbstverständliches gesagt.

faffung gegeben habe, sei nicht maßgebende Entweder teile das Reichskabinett die Ansicht Treviranus' oder nicht. Im ersten Falle sei Frankreich über die Ziele der öeutfdjen Politik unterrichtet und im zweiten hätten Brüning und die übrigen Mitglieder der Reichsregierung die Pflicht, sich offen gegen Trevi- ranus auszufprechen. Man werde es unter den gegenwärtigen Umständen in Frankreich nicht ver­stehen, wenn er dennoch Mitglied einer Regierung bleibe, die entschlossen sei, die Entspannungs- und Annäherungspolitik Stresemanns fortzusetzen.

DasJournal des D 6 b a t s" wendet sich ebenfalls in scharfen Worten gegen die Ausfüh­rungen Treviranus', die es als einen Appell an den Krieg und die Macht hinsteUt. Trevira­nus habe eindeutig erklärt, daß er nur in einem Krieg die Verwirklichung seiner Wünsche sehe. DasEch o de Paris" schreibt, man vergesse die Weimarer Verfassung, man spreche von der Revanche. Da Stresemann, der die Ge­fühle der Revancheluftigen teilte, aber eine vor­sichtige Zurückhaltung erzwang, nicht mehr lebe, mache man sich nicht mehr die Mühe, die Ab­sichten zu verschleiern. Das müsse man sagen unter dem Eindruck der gestrigen Rede von Treviranus. Für Driand habe ohne Zweifel die Stunde geschlagen, Deutschland daran zu er­innern, daß auf Grund der Locarno-Verträge oder der Interpretierung der Locarno-Abkommen, auf die er sich stets vor dem Parlament berief, derartige Worte nicht zulässig seien, weil sie eine halbe Drohung in sich schlössen. Aber cs würde erstaunlich sein, wenn Briand irgendeine Demarche wagen würde. Er würde Gefahr laufen, sich die gleiche Antwort zu holen, wie sie ihm ins Gesicht geschleudert worden sev, als er Botschafter de Margerie beauftragte, die Aufmerksamkeit auf die Ziele der Reise des Feld- marschalls v. Hindenburg nach Speyer, Mainz und Koblenz zu lenken. Die Zwecklosigkeit des ganzen Werkes von Briand lasse sich deutlich er­kennen.

Berlin, 10. Aug. (WTB.) Die im West aus- schuß für Rhein, Pfalz und Saar ver­einigten landsmannschaftlichen Verbände veranstalte­ten im Reichstage eine Gedenkstunde an die Befrei­ung des Rheinlandes, in der die Redner in Dank­barkeit der Treue und Opferbereitschaft der rheini- schen Bevölkerung gedachten, und betonten, daß nur eine erste Etappe auf dem langen Wege zu einer wahren und vollen Liquidation des Krieges erreicht (ei. Die zweite Etappe mit der Rückgabe des seit über tausend Jahren zu Deutschland gehörenden Saargebietes werde folgen müssen.

Im Anschluß an diese Gedenkstunde fand vor dem Reichstag

eine Kundgebung der ostdeutschen verbände

zur Erinnerung an die vor zehn Jahren in Ost- und Westgreußen erfolgte Volksabstimmung statt, bei der der ehemalige Abstimmungskommissar Graf B a u d i s s i n hervorhob, daß von dem großen deut­schen Gebiet zwischen Ostsee und der tschechisch-polni- schen Grenze, das von jeher alter deutscher Kultur- besitz war, einzerfetz tesLand übrig geblieben sei, in dessen Gauen infolge der alle natürlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge zerreißenden Grenz­ziehung kulturelle und wirtschaftliche Not wohne.

Reichsminister für die befehlen Gebiete Treviranus

führte aus: Wir wollen die Rheinlande im Frieden halten wie es zu allen Zeiten deutsches Sehnen war. Aber wir müssen frei fein, wirklich frei, weil kein Gemeingefühl unter den Völkern der Welt gedeihen kann, wenn das Recht gebeugt, wenn das Gesetz des Raumes vergewaltigt, wennsittlich unbeherrschte Macht" ungleich verteilt ist. Drum arüßen wir gerade in dieser Stunde des Dankes in Wehmut, aber auch in unbeugsamer Hoffnung die Brüder an der Saar wie die Eifelwacht in Eupen und Mälmedy. Unser ganzes Volk atmet auf, daß die bittere Zeit des Zwanges^ der Anblick fremder Uni­formen vorbei ist. Jedes Dorf, jede Stadt feiert feine Freude. Die Fahrt des Reichspräsidenten, der Oft- markfohn, des Rheines Betreuer, war ein Jubelzug bis zur Trauernacht von Koblenz, die zur neuen Besinnung mahnt. Nun fordert der Osten Einheit und Einsatz des ganzen.deut- schen Volkes, Willen, Zukunftshoffnung. Wir gedenken in der Tiefe unserer Seele des zerfchnit- tenen Reichslandes, der ungeheilten Wunde in d e r O st f l a n k e, dieses verkümmerten Lungen- flügels des Reiches. Wir denken daran, unter welch schnödem Druck Wilson zur unnatürlichen Abschnei­dung Ostpreußens gepreßt, zu welchem Zwitterzu- stand das deutsche Land verurteilt wurde.

Die Zukunft des polnischen Rachbarn, der seine staatliche Wacht nicht zum geringsten Teil deut­schen vlutopfern verdankt, kann nur ge­sichert fein, wenn Deutschland und Polen nicht durch ungerechte Grenzziehung in ewigerUnruhe gehalten werden. Ostdeutsch­lands Blutstockung bleibt eine europäische Sorge und Gefahr.

Unsere inneren Augen schweifen über die deutschen Gaue in der Seligkeit wiedererworbenen Eigen­tums, aber auch im Sckmerz um die heute noch ver­lorenen, einst wieder zu gewinnenden deutschen Lande, die eine Fälschung des Willens deutscher Volksgenossen und rechts­widrige Grenzziehung unter fremde Staats­hoheit stellte. Weg mit dem Gerede von der Kata­strophe, her mit dem Mut, alle Nöte zu bannen! Wir spüren aus dem Zauber des Rheins, aus der Herbheit unseres Ostens gewachsene Kräfte, die uns

zu hoffen heißen: Der Tag wird kommen, wo der Kampf für das Recht Deutschlands Europa befreit hat. Drum, Brüder, streckt die Hände, die Herzen himmelan! Unser unvergängliches geliebtes Vater­land, jetzt und immerdar hoch!

Unnötige Aufregung in Paris

Die Pariser Presse beschimpft Treviranus.

Paris 11.Aug. (TU.) Die Rede des Reichs­ministers Treviranus hat in Paris wie eine Bombe eingeschlagen. Die Presse stellt die Ausführungen des Ministers als eine offene Drohung an die Adresse Frankreichs und Polens hin. DerTemps" schreibt: Wenn Treviranus von der für das Reich notwendigen Freiheit gesprochen habe, so könne man dem nur gegenüberhalten, daß Deutschland schon jetzt frei fei, allerdings im Rah­men der Verträge. Die Auseinandersetzungen von Treviranus bedeuteten nicht mehr und nicht we­niger als die Freiheit, für einen Krieg zu rüsten, das linke Rheinufer militärisch zu organisieren und sich der Tributzahlungen zu ent­ziehen. die zu leisten sich Deutschland freiwillig durch die Unterzeichnung des Poungplanes verpflichtet habe. Ein deutscher Minister dürfe außerdem der letzte sein, von der Mißachtung des Reiches zu spre­chen, denn das Deutsche Reich verdanke seine Stel­lung lediglich der offensichtlichen V e r g e w a 11 i - gungdesRechtes und der Unterdrückung nichtdeutscher Volks st ämme im Westen, Norden und Osten. Das imperialistische Deutschland sei nach vierjährigem Krieg vernichtet worden, einem Kriege, den es mit den barbarischsten Methoden und den verachtungswertesten Verletzungen sämtlicher Menschenrechte geführt habe. Als Antwort könne man dem deutschen Minister nur die Worte ent­gegenhalten, die P o i n c a r 6 am Sonntag gespro­chen habe, als er erklärte, Frankreich fei es feinen Toten schuldig, von niemandem die bestehenden Ver­träge ändern zu lassen. Die Auslegung der deutschen Presse, wonach Treviranus nur seine persönliche Auf-

Berlin, 21. Aug. (ERD.) Die Berliner Zei­tungen bleiben die Antwort nicht schuldig. Die Germania" sagt: Irgendeine völkerrechts­widrige Aggressivität oder gar Revanchesucht aus den Worten des Ministers zu konstruieren, ist ein müßiges Beginnen. Für Deutsch­land gelten, unter welcher Regierung auch immer, die feierlichen Verpflichtungen des Völ­kerbundspaktes, und keine verantwortliche deutsche Regierung wird eine Grenzrevision mit anderen als friedlichen Mitteln erstreben. Man hat sich an der Seine und wahrscheinlich auch in Warschau umsonst aufgeregt. Die Treviranus-Rede bedeutet kein Llltirnatum und keine Kriegserklä­rung und wird nichts an der loyalen vertrags­gemäßen Haltung der deutschen Außenpolitik ändern. ImB. T." heißt es: Der Minister Treviranus hat in seiner Rede auf die heute schon so ziemlich in ganz Europa anerkannte Tatsache hingewiesen. daß die ungelöste Korridorfrage eine europäische Sorge und Gefahr bleibt. Gr hätte sich dabei u. a. sogar auf ernsthafte französische Po­litiker berufen können, wie den Grafen d'Or- messon. Es muß den Pariser Blättern erwidert werden, daß der Minister kein Wort ge­

sagt hat, das aus deutsche Absichten schließen lassen könnte, eine andere Lösung als im Rah­men des 19. Artikels des Völker­bundspaktes, des Devisionsartikels, zu suchen. Das Recht, eine solche anzustreben, kann und wird sich Deutschland allerdings nicht nehmen lassen.

DieVossische Z t g." erklärt u. a.: Der Wortlaut der Rede gibt zu Beschwerden aus Paris, Warschau oder gar London nicht den geringsten Anlaß. Wir finden in der Treviranus-Rede nichts, was nicht vorher an­dere deutsche Politiker in verantwortlicher Stel­lung, was nicht auch Stresemann ge­sagt hätte. Auch der Sozialdemokrat Dr. Breit- scheid hat einmal ähnlich gesprochen. Kein Deutscher wird- jemals die Grenzziehung im Osten als gerecht und zweckmäßig anerkennen. In­halt und Form der Treviranus-Rede ergeben sich aus ihrem Anlaß. Rur Sensationsbedürf- nis oder Liebelwollen können diese Sähe über das Ostproblem mißdeuten. Tatsächlich hat der Reichsminister kein Wort über das hinaus ge­sagt, was jedem Deutschen selbstver­ständlich und sogar außerhalb Deutschlands von jedem einsichtigen Europäer anerkannt wird.

Das hessische Volk verleiht dem Dichter Rikolaus Schwarzkopf den Georg-Büchner-Preis 1930 in dankbarer Würdigung seines kernhaften, um heimatliche Landschaft in Geschichte und Gegenwart verdienten Schaffens."

Oie Preisträger Johannes Lippmann.

Der Maler Prof. Johannes Lippmann in Lichtenberg im Odenwald, trotz seiner 72 Jahre mit ungebrochener Rüstigkeit schaffend, ist weit über die Grenzen seiner hessischen Heimat bekannt geworden durch die lebensvolle Darstellung der bäuerlichen Welt. Man wird der Leistung dieses eigenartigen, ehrlichen Künstlers nicht gerecht, wenn man ihn mit dem Ruhm eines Odenwald­malers umkränzt. Die Odenwaldlandschaft, so oft sie in seinen Werken wiederkehrt, in jeder Jahreszeit, in Sonne und Gewitterdräuen, im Morgenglanze und Abendrot, ist nur der Llr- grund für das in erstaunlicher Mannigfaltigkeit behandelte Motiv des mit der Mutter Erde in Glück und Leid verbundenen ländlichen Arbeiters. Professor Lippmann darf zu den besten Bauern­malern gezählt werden. Zahlreiche Bilder von herber Schönheit und erschütterndem Ernst zeigen uns, wie nur dem mühsam Arbeitenden und zäh Beharrenden der gequälte Ackerboden Gaben spendet, wie Mann und Frau, Großmutter und Kind im Bund mit der Kraft des Pferdes und des Rindes ein schweres Tagewerk tun. Derselbe Ernst schreitet durch seine Waldbilder. Knorrige Vaumriesen und aufgetürmte Felsen fesselten ihn ebenso wie das truhige Schloß Lichtenberg mit feinen gewaltigen Mauern. Die ungewöhnliche Fruchtbarkeit des Künstlers hat zahlreiche öffent­liche und private Sammlungen bereichert. Eine Lieberschau über den Llmfang seines Schaffens gab die Ausstellung seiner Werke, die der Kunst- verein Darmstadt anläßlich des 70. Geburtstags des Meisters 1928 in der hessischen Hauptstadt

veranstaltete. Die erste Ausbildung erhielt Lipp­mann in der Kunstschule seiner Vaterstadt Offen­bach und im Atelier Klimsch zu Frankfurt a. M.. 1875/77 arbeitete er in Dresden, es folgten 1878 Studien am Städelschen Institut in Frankfurt, zwei Sommer führten ihn nach München zu Paul Schulze-Raumburg: nach solchen Wander- jahren ließ sich Lippmann in Offenbach nieder. Seit 1908 wohnt er in Lichtenberg im Odenwald, mit Land und Leuten in engster Verbundenheit, ob seines graben, ehrlichen, mannhaften und schlichten Wesens beliebt und geehrt.

Nikolaus Schwarzkopf.

Dieser mit seinem Wesen so tief in seiner hessi­schen Heimat wurzelnde Dichter, der einst Lehrer war und heute, frei von beruflicher Bürde, in Darmstadt lebt, ist, in der Mitte der 40er Jahre stehend, für einen Schaffenden noch verhältnis­mäßig jung: eine Jugend, die sich in seinem Schaffen ebenso als ein beseligendes Klingen wie als unruhvolle Feurigkeit des Denkens und Fühlens ausdrückt. Schwarzkopf wurde am 27. März 1884 in Llrberach geboren, einem wegen feines uralten Töpferaewerbes bekannten Land- ort bei Dieburg. Er ist der Sohn eines Pflaste­rers und seine Mutter war Räherin. Ihrer unermüdlichen Arbeit an der Nähmaschine ver­dankte Schwarzkopf die Möglichkeit, Lehrer zu werden, und so half auch ihm die Opferwillig- keit der Mutter aus den ärmlich-proletarischen Verhältnissen des Elternhauses heraus. Er lernte im Bensheimer Seminar. Seine Lehrtätigkeit führte ihn später an Reckar und Rhein, nach ReckEjeinach, Mainz und Ockenheim. Eine be­sonders Begabung seiner Phantasie und seiner Sprachgestaltung zum Legendären vereinigt sich in Schwarzkopfs Dichtertum mit einem religiös­forschenden Wesen, das manchmal geradezu mystisch erregt ist, wobei dieses an katholischem Kultgut genährte religiöse Moment eine ganz eigene Lebendigkeit bei Schwarzkopf erhält, eine

Spannkraft/ zu der vielleicht die Tatsache einigen Aufschluß gibt, daß ein Vorfahre des Dichters zu den 1731 aus Salzburg vertriebenen Kalvi­nisten gehörte. Zum Religiösen kommt eine mit breiten Wurzeln ins Raturhafte der Scholle und ihres geschöpflichen Lebens hineingreifende Kraft, die oft von den Blinklichtern eines immer wieder mit neuer Wendigkeit erfreuenden Hu­mors durchleuchtet ist.

Köstlich in ihrer geschöpflichen Treuherzigkeit sind Schwarzkopfs ErzählungenFlick dich" oder Die rheinischen Spatzen" undRiesele", das eine die halb ulkige, halb traurige Geschichte eines vorlauten Spatzenstrolchs, das andere der schicksalsreiche Roman eines kleinen Pferdes. Ge­staltungen der Heimat und ihrer Menschen fin­den wir schon in Schwarzkopfs Frühroman Greta Kunkel" und in seinemHäfner aus dem Crbseneck". Großartig in ihrer legendären Kraft wie in ihrem religiös-mystischen Gehalt ist zum erstenmal die ErzählungMaria vom Rheine". Einige Jahre später folgt mit demSchwarzen Rikolaus" ein Werk, dessen Stoff rheinisches Le­ben und rheinisches Volkstum bilden, dessen Fa­bel mit ihrem oft sarkastisch gefärbten Humor den Dichter im Kreuzfeuer seines religiösen Ge­wissens zeigt, das hier und in seinem letzten Werk, demGrünewaldroman".Der Barbar", zugleich soziales Gewissen ist. Zuvor erschien Amorsbronn", in das mystisch eine wundertätige Quelle hineinspielt und das von der lange un­gestillten und endlich erfüllten Sehnsucht eines Mädchens nach Mutterschaft handelt. Ein dem höchsten christlichen Religionsgut gewidmetes Werk ganz eigener Art ist SchwarzkopfsJudas Iskariot", ein interessanter Versuch, Judas' Ver­rat an Jesus zu klären. Schwarzkopf will später diesenJudas Iskariot" in einem größeren Werk aufgehen lassen, das Christus und seine Zeit sozial gestaltet.