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wo von April bis Oktober Wirtschaft betrieben wird. Das Tal auswärts gehend kommen wir ün drei weiteren, malerisch gelegenen Mühlen vorbei nach Damm. Von hier verfolgt man die Landstraße, stets die Salzböde auswärts, über Lohra nach Mornshausen. Jenseits dieses Dorfes verläßt die Straße das Tal und wendet sich rechts hinauf nach unserem Endziel, dem prächtig gelegenen, von schönen Waldhöhen umsäumten Städtchen Gladenbach. Wandcrzeit vier Stunden.
Reisewinke.
Bad Sal;fchUrf.
Die landschaftlich reizvolle Lage des Bades Salzschlirf kristallisiert sich in einem besonders kultivierten Kurpark, der in diesem Jahr« wiederum eine Verschönerung erfahren hat: eine Pergola aus schlanken Muschelkalk-Säulen, an denen Rosen sich zu einem Dach zusammenschließen, emporranken, zieht sich durch den neuangelegten Teil des Parkes. Die gar» tenarchitektonifct^ Gliederung und die Einbeziehung üppiger Blumenfelder gestalten diese Anlage zu einem besonders anziehenden Fleckchen Erde, zu einem wohltuenden Aufenthaltsort für den in Bad Salzschlirf Heilung- und Erholungsuchenden.
Bad Käsen hat Geburtstag.
Das landschaftlich reizvoll im Saaletal an der Thüringischen Pforte gelegene Solbad Kösen feiert mit einer Festwoche vom 13. bis 20. Juli das 200jährlge Bestehen seiner Quellen. Die Kösener Solquellen wurden Anfang des 18. Jahrhunderts entdeckt, aber erst 1730 begann man mit der svstematischen Ausnutzung der Sole zunächst zur Salzgewinnung. Die Kösener Sole liefert durchschnittlich 6 Prozent Salz und enthält nach dem Durchlaufen des Gradierwerkes, das sich hoch über dem Ort erhebt. 26 Prozent.
Höhenwanderungcn im Schwarzwald.
Die für längere Wanderungen bevorzugten Höhenwege des Schwarzwaldes bieten bei einer durchschnittlichen Höhenlage von 1000 Meter über dem Meeresspiegel Gelegenheit, die Ferien in nervenstärkender Höhenluft und heilkräftiger natürlicher Höhensonne zu verbringen. Drei verschiedene gutmarkierte staubfreie Höhenwege führen über die vielgestaltige Bergwclt des Schwarzwaldes bis zum Oberrhein. Der Höhenweg I hat eine Länge von 322 Kilometer und berührt die höchsten Erhebungen des bis zu 1500 Meter ansteigenden schönen südwestdeutschen Waldgebirges. Wunderbare Fcrnsichten erschließen sich dem Wanderer. Wer Steigungen vermeiden will, kann die aussichtsreichen Hochtäler bequem mit den hochinteressanten Gebirgsbahnen oder den zahlreichen Postkraftwagenlinien mühelos erreichen. Eine Auswahl der beliebtesten Wanderpläne mit Tageseinteilung und Marschzeit nebst Skizze der Höhenwege ist in einem Faltprospekt „Höhenwanderungen .im Schwarzwald" enthalten, der durch den Badischen Verkehrsverband Karlsruhe erhältlich ist.
Secbäderdicnst des Norddeutschen Lloyd.
Der Secbäderdienst des Norddeutschen Lloyd hat seit Mitte Juni in vollem Amfange eingesetzt. Täglich werden betrieben: die Linien Bremerhaven—Helgoland und zurück mit Damp- • fer ^Roland", sowie Bremerhaven—Wangerooge und zurück mit Dampfer "Delphin". Zweimal wöchentlich. Mittwochs und Sonntags, verkehrt , Dampfer "Grühgott" von Wilhelmshaven nach Helgoland und zurück. Ferner fährt Dampfer "Grühgott" an einigen Tagen der Woche von Wilhelmshaven über Helgoland nach Norderney und umgekehrt. Alle Fahrten werden bis Mitte bzw. Ende September durchgeführt.
Reiseliteratur.
— Meyers Reisebücher: Ost alpen. Vierter Teil, Salzburg und südliches Salzkammergut. Ober- und Niederösterreichische Voralpen. Wien, Steiermark, Kärnten, Bachrrge- birge, Steiner Alpen, Karawanken, Julische Alpen. Mit 19 Karten, 7 Plänen und 5 Rundsichten. 8. Auflage. 1930. Leinen 7,50. Verlag Bibliographisches Institut AG., Leipzig (264). — Dieser Führer erscheint erstmalig nach dem Kriege in vollkommen neuer Bearbeitung, womit das große Führerwerk für die Ostalpen wieder geschlossen vorliegt. Der 4. Band umfaßt das gesamte Alpengebiet östlich der Tauernbahn: das südliche Salzkammergut, die alpinen Teile von Ober- und Niederösterreich, ganz Steiermark und Kärnten und die jetzt jugoslawischen und italienischen Grenzgebiete. Der Erholungsuchende, der Wanderer, der Bergsteiger und der Automobilist findet hier zuverlässigste Beratung. Der Führer gibt Auskunft über Zollbestimmungen, Vorschrif
ten für Kraftfahrzeuge, die wichtigsten slawischen und italienischen Worte und Phrasen, Verkehrsmittel, älntertunft und Verpflegung, Schuhhütten, Jugendherbergen, Vorschläge für Rundreisen und Standorte, Tabelle der Wintersportplätze, Ratschläge für Faltbootfahrtcn usw. Die einzelnen Reiserouten selbst sind mit Äebersichtlichkeit und Exaktheit dargestellt. Die Angaben über Hotelpreise, Verpflegung, Verkehrsmittel usw. entsprechen den neuesten Verhältnissen. Die kartographische Ausstattung ist gründlich erneuert, auch durch neue Karten und Pläne ergänzt worden.
Reisebriefkasten.
21. in L. Wir empfehlen Friedrichsroda, welches in geschützter Lage, von bewaldeten Bergen umgeben, liegt. Von Friedrichsroda kann man viele Ausflüge unternehmen: außerdem ist ein Schwimm-, Luft- und Lichtbad vorhanden. — Ferner empfehlen wir noch Tabarz: vielbesuchte Sommerfrische, klimatischer Kurort am Fuße des Jnselberges gelegen, ebenfalls mit einem neuen Schwimmbad versehen. Tabarz ist bequem mit der elektrischen Thüringer Waldbahn von Gotha aus zu erreichen. Tabarz ist der Ausgangspunkt vieler lohnender Wanderungen im no.rd- westlichen Teil des Thüringer Waldes. (Hamburg-Amerika-Linie, Agentur Gießen.)
Statistisches aus Hessen.
lieber die Entwicklung der Verkehrsverhältnisse in Hessen geben die neuesten Mitteilungen des Landesstatistischen Amis interessante Aufschlüsse. Die bedeutenderen Bahnhöfe in Hessen (Direktionen Mainz und Frankfurt am Main), verzeichneten im Jahre 1929 einen Rückgang der Anzahl der verkauften Karten wie der abgefahrenen Personen gegenüber dem Vorjahre. Eine leichte Zunahme zeigte sich im Exprehgutver» kehr, was aber nicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse schließen läßt, sondern vielmehr auf den Rückgang des Frachtgut-Stückverkehrs und des Wagenladungsverkehrs als einer Folge der sich auch in Hessen auswirkenden schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen ist.
Einen ganz erheblichen Rückgang zeigt die Zahl der Todesfälle im ersten Vierteljahr 1929. Die Zahl der Eheschließungen ging im ersten Viertel 1930 gegen die gleiche Zeit des Vorjahres um mehr als 4 Prozent zurück.
Die schlechte Lage auf dem B a u m a r k t, eine Folge der Kreditnot, zeigt sich in einem starken Zurückbleiben der Anzahl der erstellten Bauten gegen das Vorjahr, besonders in den größeren Städten.
Der Gedanke der F e u e r b e st a t t u n g gewann in Hessen erheblich an Anhang, was sich auch in einer starken Zunahme der Einäscherungsfälle ausdrückt.
Die schlechten Cinkommensverhält- n i s s e erhellen aus der Angabe, daß etwa 40 Prozent der an und für sich Lohnsteuerpflichtigen wegen eines Einkommens unter 1200 Mark jährlich unbesteuert bleiben mußten.
In Hessen waren im Jahre 1929 in Betrieb: 19 Bergwerke, und zwar 7 Braunkohlenbergwerke und 12 Eisenerzbergwerke, 8 Brüche und Gruben unter baubehördlicher Aufsicht, und zwar fünf Bauxitgruben, eine Marmvrgrube, drei Kieselgurgruben und eine Schwerspatgrube, fünf Anlagen zur Verarbeitung von Kohlen, und zwar eine Braunprehkohlen- und Naßpreßsteinfabrik, drei Draunkohlenschwelereien und ein Steinprehkohlentverk, zwei Salinen, 28 Eisengießereien und ein Schwefelsäurebetrieb. Die Prv- duktionswerte stellen sich "auf: Robbraunkohlen 2 303 949 Mark, Eisenerz 2 153 535 Mk., Bauxit 33 670 Mark, sonstige Mineralien 341 935 Mark, Schwelereicrzeugnisse 3 697 863 Mark, Salinen- erzcugnisse 703 122 Mk., Cisengußwaren 30 206 185 Mark, Braunprehkohlen, Steinpreßkohlen und Schwefelsäure 3 700 122 Mark. Der gesamte Produktionswert beläuft sich auf 41 460 855 Mark.
Oie Bekämpfung der Heuschrecken bei Darmstadt.
WSN. D a r m st a d t, 10. Juli. Das massenweise Auftreten von Heuschrecken am Westrand des Griesheimer Sandes, das schon einmal, und zwar im Jahre 1921, beobachtet worden ist, scheint durch die Kühle der beiden letzten Nächte zum Stehen gekommen zu sein. Die Insekten sind nicht mehr so wanderlustig wie früher. Offenbar wird ihr Zug nach Westen auch durch den Wind behindert. Einige Kohlrabifelder sind völlig ausgefressen, auch an Kartoffeläckern macht sich der Fraß bemerkbar. Die vom Landwirtschaftsamt Darmstadt ange
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Gießen, den 11. Juli 1930. 4854C
Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Hamm.
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Der nächste Vlehmarkl in Gießen findet statt: 5009C
Dienstag, den 15. Juli 1930, Rindvieh- (Rutzvieh-) Markt;
Mittwoch, den 16. Juli 1930, Schweine- markt.
Auftriebszeit an beiden Markttagen von 7 bis 8% Uhr vormittag. Auf dem Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft.
Gießen, den 12. Juli 1930.
Der Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor.
Schafbock-, Eber-und Hullen-Versteigerung
in Lich am Mittwoch, dem 23. Juli, vormittags 10 Llhr.
Zur Versteigerung kommen 13 Jähr- lingsböcke und'30 Locklämmer beS deutschen schwarzköpfigen Fleischschafes, 7 Eber des veredelten Landschweins und 16 Fleckviehbullen.
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6. Schutz des Oberleders an der Ferse durch federnden Kreppgummi-Kell
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ordnete Bekämpfung der Schädlinge durch Forestit, ein Mittel, das bisher gegen den Kiefernspanner angewandt wurde, hat bisher gute Dienste geleistet. Die eigentliche Brutstätte liegt im Gebiet des Griesheimer Exerzierplatzes, und gegen das Abbrennen der dürren Grasplätze, wo sich die Schädlinge aufhalten, spricht die Gefahr explodierender Blindgänger. Bei den in Frage kommenden Insekten handelt es sich nicht um die Wanderheuschrecken, sondern um eine bekannte europäische Art, die zwei bis drei Zentimeter groß wird und nur sehr beschränktes Flugvermögen hat.
Heidenmissionsfest in Holzheim.
Q Holzheim, 11. Juli. Dieser Tage feierte unser Kirchspiel sein Missionsfest, dessen Ruf weit über die Grenzen unseres Hessenlandes bekannt ist. Es findet alljährlich abwechselnd in Dorf- Güll und in Holzheim statt. Dieses Jahr waren wir an der Reihe. Der ruhig gelegene, sehr ausgedehnte Kirchenplatz war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Schätzt man doch di« Zahl der Festteilnehmer auf 1900 bis 2000, bis jetzt die Höchftzahl. Biele Hunderte waren, obwohl es ein Werktag war, auf allen möglichen Fahrzeugen oder zu Fuß von auswärts ge- komen; u. a. war das entfernte Rieder-Weisel sehr stark vertreten. Rach einleitendem Posaunenvortrag, Schriftverlesung und Gebet durch den Ortsgeistlichen, der das Fest leitete, sprach als erster Redner Pfarrer Beller (Mainz-Bretzenheim) über I.Joh.3,8. Durch seine Predigt, die sehr volkstümlich war, klang der Gedanke: Heimat — hat er doch hier als Pfarrerssohn einen großen Teil seiner Jugend zu- gebracht. Dann erzählte Missionar Sartor (Barmen) auf Grund des Bibelwortes: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten" aus seinen reichen Erlebnissen auf dem Missionsgebiet. Er kam gerade von Rias, dem „Land der Erweckungen". Rach der Kaffeepause, in der die hiesigen Einwohner alles aufboten, ihre Gäste zu bewirten, predigte Pfarrer C h r i st l i e b (Friedberg) in seiner gewinnenden Weise über 2. Mos. 15,22. Die letzte Festansprache hielt Missionsinspektor Hofmann (Barmen), der 1929 zum letztenmal „draußen" war, in beredten Worten über Chronika 2,15,7 und forderte zur Mithilfe an der Ausbreitung des Missionswsrkes auf. Pfarrer Weber (Holzheim) dankte herzlich allen Mitwirkenden und schloß die erhebende Feier mit Gebet. Der Gemischte Chor und der Posaunenchor, beide unter der bewährten Leitung des Wilhelm Engel, halfen die Feier in dankenswerter Weise verschönern. Das groß angelegte Fest hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Die für die jetzige Wirtschaftslage sehr beträchtliche Geldsammlung — einschließlich der Missionsbüchsen: 1035 Mark, auch ein Höchstbetrag — kommt der Rheinischen Mission zugute. Auch wurden noch entsprechende Schriften und Karten verkauft.
Strafkammer Gießen.
Gießen, 11. Juli.
Zwei Arbeiter aus Hanau waren im November 1929 nach Kaichen gegangen, hatten dort nachts eine verschlossene Scheuer erbrochen und aus ihr Kartoffeln im Werte von etwa 40 Mark gestohlen. Das Amtsgericht Friedberg hatte den einen der Diebe, der rückfällig war, zu 1 Jahr Gefäng - n i s und den anderen zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Letzterer verfolgte Berufung zum Zwecke der Herabsetzung der Strafe. Di« Strafkammer bestätigte jedoch das Urteil, da der Angeklagte schon zweimal wegen Diebstahls vorbestraft ist.
Das Amtsgericht Bad-Nauheim hatte einen Versicherungsagenten aus Mainz wegen Betrugs in zwei Fälle zu insgesamt 2 Monaten 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Es hatte für festgestellt erachtet, daß er seinen Vermieter In Bad-Nauheim und eine auswärtige Firma dadurch um größere Geldbeträge geschädigt hatte, daß er ihnen vortäuschte, er sei pensionsberechtigter Versicherungs- beamter ohne Schulden und Eigentümer der ein- gebrachten Möbel. Der Angeklagte bestritt heute jegliche Schuld. Die Verhandlung mußte zwecks Ladung von Zeugen vertagt werden.
Turnen, Sport und Spiel.
Arbeiier-Turn- und Sportbund.
Am kommenden Sonntag wird Großen-Linden in Wieseck zu Gast sein, um ein rückständiges Serienspiel auszutragen. Wieseck dürfte es nicht schwer fallen, wenn es komplett antritt, die Gäste mit einer Niederlage abzufertigen und Sieg und Punkte für sich zu behalten.
Vorher spielt die Jugend Großen-Lindens gegen die dritte Jugend Wiesecks, und die Jugend Daubrin- gens gegen die zweite Jugend Wiesecks. In beiden
Spielen werden wohl die Gäste die Besseren sein und den Sieg mit nach Hause nehmen.
Gießens Jugend empfängt auf dem Trieb zu einem Freundschaftsspiel die erste Jugend Wiesecks. Beide Mannschaften als Spitzenführer der Jugendklasse haben sich schon immer schöne Spiele geliefert. Auch das Spiel am kommenden Sonntag dürfte feine Anziehungskraft nicht verfehlen.
Die erste Mannschaft Lollars fährt zu einer Rück- spielverpflichtung nach Wallau. Das Vorspiel gewann Lollar auf eigenem Platze mit 5:1, und es dürfte ihm nicht schwer fallen, auch im Rückspiel den Sieg nach Hause zu bringen.
Handball.
Zum fälligen Serienspiel hat Krofdorf die erste Mannschaft Herborns zum Gegner. Krofdorf dürfte, da Herborn zur Zeit geschwächt ist, mit einem hohen Resultat Sieg und Punkte für sich behalten.
Büchertisch.
— Emil Ludwig: Lincoln mit zwölf Lincolnbildnissen und einer Karte, geh. 12 Mark. Verlag Ernst Rowohlt, Berlin W 50. — (90) — Die gute Konjunktur für historische Biographien hat Emil Ludwig verleitet, nachdem in der frühen und späten Geschichte des alten Kontinents kaum noch etwas Brauchbares zu finden war, mit kühner Hand über den Ozean zu greifen. Amerikanische Geschichte ist uns, für die der Geschichtsunterricht kaum über die deutschen Grenzpfähle hinaustrat, auch nach dem Weltkriege zumeist noch ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Gin paar Namen aus der großen Zeit des amerikanischen Befreiungskrieges und der Sezession hat man wohl im Ohr, aber die großen Beziehungen fehlen. So schlägt man mit einem gewissen Heißhunger dieses Buch auf, um nach der Flut von Schilderungen und Analysen des gegenwärtigen Amerikas nun an Hand des berühmten Essayisten die Vergangenheit dieses immer noch rätselhaften, für uns in mancher Beziehung Schicksal gewordenen Volkes zu dringen. Die Lektüre des fast 600 Seiten starken Buches ist überwiegend eine Enttäuschrprg. Ludwig gibt ein durch breite und häufige Wiederholungen im ganzen ermüdendes Bild von Persönlichkeit und Werdegang des größten Präsidenten, der seit Washington und bis Hoover an der Spitze der Vereinigten Staaten gestanden hat. Es kommt ihm ausschließlich auf das Seelische, auf das Werden dieses merkwürdigen Charakters an. Aber, er unterliegt der Gefahr, nur seinen Helden zu sehen, ohne die großartige Entwicklung dieses Mannes vom einfachen Tagelöhner und Holzfäller zum überragenden Staatsmann, gemessen an Zeit und Milieu begreiflich zu machen. Man versteht es, daß das Buch in Amerika selber keineswegs den Beifall gefunden haben soll, den der drüben einst sehr gefeierte Autor erwartet hatte.
— Wilhelm Michel: Das Leiden am I ch. Anweisungen und Betrachtungen zur praktischen Geistesführung. 296 Seiten 8°. Ganzleinen 7,50 Mark. Buchausstattung Professor Steiner- Prag. Bremen, Carl Schünemann Verlag. (127) — Das bedeutsame Werk zerfällt in drei Abschnitte, „Aus eigener Erfahrung", „Betrachtungen", „Ge- kalten", es rührt an die wichtigsten Menschheitsfragen, zeigt auf, wie man inmitten des modernen Weltbildes sein Leben, heiliger Pflicht folgend, sinnvoll zu gestalten vermag. Wilhelm Michel, einer der feinsten Köpfe unseres neuzeitlichen Schrifttums, findet die Formeln, in der Flut des Vergänglichen Ewigkeitswerte zu statuieren, er ist Künstler, ist Philosoph, ist von tiefer Gottesbegeisterung erfüllt, er gehört zu den Auserwählten, die das Fundamentale ihres Lebens immerfort mit den Metaphysischen verknüpfen. Ein Strom der Beruhigung quillt aus diesem Buch. Wer sich in die Gedanken des Autors versenkt, fühlt Erkenntnisse, Jdealkräfte lebendia werden, die ihn einer wundersamen geistigen Atmosphäre nahebringen. A. B.
— Elisabeth von Langen: Aus meiner Stille. Gedichte. I. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart. (84.) — Elisabeth von Langen ist keine Dichterin von schöpferischer Eigenart und doch tritt in dem Erstlingswerk, das sie der Oeffentlichkeit übergibt, eine beträchtliche Begabung hervor. Auf dem Wege der Sensibilität gelangt Elisabeth von Langen zum poetischen Ausdruck. Im Flug ihrer Gedanken vermißt man die Meisterhaftigkeit der Verbildlichung, die bei Rilke und Stefan George ihre Zauberkreise zieht. Die Dichterin lebt in der Welt des Wunderbaren, die die Kausalität der Wirklichkeit aufhebt. Aus musikalischen Rhythmen leuchtet ein Schein des Ewigen, das älebersinnliche wird als Erlösung von allen Schranken der Zeitlichkeit empfunden. Man darf dem Entwicklungsgang der Dichterin mit berechtigter Erwartung entgegensetzen. A. B.


