schichklicher Stoffe; fle gelte ebenso, soweit In öffentlichen Schulen eine Stellungnahme zu politischen Problemen und zu politischen Anschauungen in Frage kommt. Richt verwehrt sei es, in einer öffentlichen Schule Dorgänge der Religion oder der Politik sachlich zu erörtern und zu ihnen eine bestimmte Stellung einzunehmen. Verwehrt aber, daß dies in einer Weise geschieht, die den Andersdenkenden als Herabwürdigung ihrer eigenen Anschauung erscheint. 3n diesem Umfange schütze Art. 148 Abs. 2 die Empfindungen Andersdenkender ohne Rücksicht darauf, ob die Auffassung der Andersdenkenden objektiv berechtigt sind oder
dem, der den Unterricht erteilt, subjektiv als berechtigt erscheine. Prüft man von dieser Auffassung aus das Vorgehen der thüringischen Regierung, so ergibt sich, dah es mit der Reichs Verfassung nicht vereinbar ist, soweit die Empfehlungen sich auf.die von der Reichsregierung beanstandeten Stellen beziehen. Die Empfehlung der Gebete und ihre Erläuterung durch den verantwortlichen Minister im thüringischen Landtag zeigt, daß die beanstandeten Stellen sich gegen die politischen Anschauungen weiter Kreise des deutschen Volkes wenden und ein Bekenntnis zum Antisemitismus enthalten. Diese Art der Stellungnahme muh die Empfindungen der Andersdenkenden verletzen.
Die Tariferhöhung der Re chsbahn.
Oie Reichsregierung fordert Senkung der personallasten bei den leitenden Beamten und Leistungszulagen.
Berlin, 11. Iuli. (WTB.) Der Reichsverkehrsminister von Guörard hat an den Präsidenten des Derwaltungsrats der Deutschen Reichsbahngesellschaft Dr. F. von Siemens ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:
Die Reichsregicrung erkennt die finanziellen Schwierigkeiten an, mit denen die Reichsbahn zu kämpfen hat. Das neue Reichsbahngesetz hat keine Erleichterungen für die Reichsbahn gebracht. Die Gesamtbelastung ist sogar um etwa zehn Millionen infolge der anderweitigen Zahlungsvorschriften der Reparationssteuer g e ft i e g c n.
Die Reichsvegterung hat deshalb auf den Antrag der Reichsbahngesellfchaft auf B e w i 11 i g u n g einer Tariferhöhung im Betrag« von 150 Millionen Reichsmark trotz grundsätzlicher Bedenken, die sie gegen jede Tariferhöhung in der gegenwärtigen Zeit hegt, die Erhöhung der Personentarife im Berliner und Hamburger Stadtbahnverkehr und die Erhöhung und organische Umgestaltung des Stückgut- und (frprefjgutlarifs genehmigt. Hieraus ergibt sich eine Mehreinnahme von rund 70 Millionen Reichsmark. Die Reichsbahn hat einen weiteren Antrag auf eine mäßige Erhöhung der Personen- tarife gestellt. Die hieraus entspringende gering« Derteucrung des Reiseverkehrs erscheint der Reichs- regierung nach der Gesamtlage erträglich, wobei sie auch berücksichtigt, daß der Personenverkehr einen Zuschuß von 270 Millionen Reichsmark erfordert. Die Reichsreaierung hat deshalb beschlossen, diese mäßige Erhöhung der Personentarife zu genehmigen. Sie schätzt den Mehrbetrag für die Reichsbahn hieraus auf etwa 65 Millionen Reichsmark jährlich. Im ganzen werden dadurch der Reichsbahn 70 plus 65, zusammen also 135 Millionen Mark an Tariferhöhungen bewilligt, also nur 15 Millionen Mark weniger, als sie beantragt hat.
Die Reichsregierung sieht es als eine ihrer wesentlichsten Aufgaben an, zur Erhaltung der deutschen Wirtschaft auf Verbilligung der
Erzeugerkosten zu dringen. Die hiermit in Verbindung stehende Senkung der Persona l k o st e n muh aber Hand in Hand gehen mit einer Verbilligung der Preise, die sich von den schon stark gesunkenen Rohmaterial- Preisen bis zum Einzelhandel auswirken muh, um so sonst schwer erträgliche soziale Schädigungen zu vermeiden. Ich habe auch bereits Anregungen zum Beginn von Personalersparnissen bei der Reichsbahn gegeben, und zwar bei den Bezügen der Mitglieder des Verwaltungsrats, bei denen der leitenden Beamten und bei den Leistungs- Zulagen für das übrige Personal. Die Reichsregierung erkennt an, dah durch den Derwal- tungsrat dieser Anregung entsprochen worden ist. Immerhin darf sestgestellt werden, dah auch nach der neuen Regelung die Bezüge der Mitglieder des Verwaltungsrats diejenigen der Mitglieder des Reichstags überschrei- t e n. Bezüglich der Frage der Gehälter der leitenden Beamten hält es die Reichs- regierung, nachdem die Reichsbahn nunmehr wieder enger an das Reich angegliedert worden ist, nicht für tragbar, dah die Reichsbahn bei der von ihr selbst betonten schweren Rotlage an ihre leitenden Beamten, denen die Ansprüche der Reichsbeamten gewährleistet sind, Gehälter zahlt, die diejenigen gleichgestellter Reichsbeamten ganz außerordentlich übersteigen. Auch die Leistungszulagen, denen beim Reich und den Ländern nichts Aehnliches gegen über st eht und die neben dem Betriebspersonal auch an Beamte des Bureau- und Innendienstes gewährt werden, entbehren bei der gegenwärtigen Rotlage der Reichsbahn jedenfalls in ihrer jetzigen Höhe der Berechtigung, da der Verkehr erheblich zurückgegangen ist und deshalb von Spitzenleistungen nicht mehr die Rede sein kann.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Aufarbeiten!
Du denkst gewiß an meinen Anzug, den ich vor vier Iahren kaufte und der nun frisch gebügelt und neu hergerichtet wurde, oder an unser Sofa, dem ein Dutzend neue Federn eingesetzt wurden? O nein! Ich möchte ein anderes deutsches Wort vor dich stellen, ein Wort, bei dem du gewiß einen Freudensprung machst, wenn du je in die Lage gekommen bist, es auszuspre- chcn, dieses Wort: Aufgearbeitet!
Gerade in den letzten Wochen häufte sich die Arbeit von Tag zu Tag, und jede Post brachte neue Eingänge. Seufzend legtest du am Abend eine ganze Anzahl Schriftstücke in die Mappe, die den bösen Titel führt „unerledigt!" ilnb sie schwoll an, diese Mappe, wurde dicker mit jedem Tag. Du getrautest dich gar nicht mehr hineinzuschauen. Sie ging aber mit dir, die unerledigte Arbeit. Das Essen schmeckte dir nicht mehr, deine Kinder machten zu viel Lärm. Wie ein Schreckgespenst stand die Mappe vor deinen Augen. Simar bis in den Traum verfolgte sie dich. Du sähest vom Tal aus hoch oben am Abhang einen Felsen schweben, darauf stand: Hn- crleotgt! Dieser Felsen löste sich und begrub dich unter seinem fürchterlichen Gewicht. Das gütliche Zureden deiner Frau half auch nicht. „Geh doch einmal ins Theater, damit du was anderes siehst!" Der Vorhang ging hoch, da stand ein
Schreibtisch auf der Bühne, und da lagen Papiere. Du aber sahst und hörtest nichts mehr vom Theaterstück. Du erblicktest nur noch deinen Schreibtisch mit der entsetzlichen Mappe.
Es mußte also etwas geschehen. Der Anfang war das Schwerste, Unb der Erfolg? Einfach niederschmetternd- denn du gingst ohne Plan vor, ärgertest dich über Sachen, die ja längst verfallen waren und versuchtest, Stück für Stück zu erledigen.
Am Abend hörtest du, wie dein Iunge in seinem Lesebuch eine kleine Geschichte las. Sie handelte von dem 3ater, der seinen Sohn beauftragte, ein Wäldchen abzuholzen. Der junge Mann stand erschrocken und mißmutig da und fing überhaupt nicht an zu arbeiten. Die Arbeit schien ihm unausführbar. Da gab ihm der Vater den Rat, sich doch einmal ein Stück vorzunehmen, ob er das könne. Natürlich das ging. Dis zum Abend hatte er die gezeichneten Bäume gefällt und noch einige mehr. Da wuchs die Freude an der Arbeit. Mit rüstigem Mut ging er andern Tags an die Fortsetzung, und nach einigen Wochen war alles getan.
Du liehest dir das Buch geben und lasest die Geschichte noch einmal durch Plötzlich war es dir, als ob es in deinem Innern riefe: Mach es ebenso! Teile deine Arbeit ein, nimm nicht zu viel auf einmal, dann geht es.
Zum ersten Male nach langen Wochen nahmst du die unerledigten Sachen ohne Eile, aber auch ohne Aufregung vor, teiltest genau ein, eilige Sachen kamen zuerst an die Reche — denn schon Daren Erinnerungen eingelaufen — dann folgten
weniger wichtige, einige brauchten überhaupt nicht mehr beantwortet zu werden. Am andern Tage fing die Hauptarbeit an, aber es machte Freude. Zusehends wurden die Häufchen kleiner, und nach einer Woche konntest du das letzte Blatt in das richtige Fach legen und erleichtert sagen: Endlich! Run habe ich alles ausgearbeitetI Run ist es in Ordnung.
3a. es gibt bei der Arbeit Höhen und Tiefen, und freuen kannst du dich, wenn du wieder einmal auf einer Höhe stehst und einen weiten Ausblick hast. Dazu verhilft dir das Wort: Aufgearbeitet! Es ist keine Wanderung in der Tiefe, in der Vebel und Wolken die Aussicht verhindern, nein, es ist ein Schauen in die sreie, weite Welt.
So muh es dem Kaufmann zumute sein, wenn er am Monatsende seine Abschlüsse gemacht hat, so ergeht es dem Lehrer, wenn er seine fünfzig Aufsatzhefte, in denen die Quartaner ihre Meinung über die Feuerwehr oder über des Frühlings Erwachen auseinandersetzen, durchgesehen hat: erleichtert atmet der Beamte auf, wenn seine Bucher wieder in Ordnung sind: diesen Augenblick erlebt der Landmann, wenn die Ernte glücklich in die Scheune gebracht worden ist, und das fieine Rähmädchen, das besondere lieber- stunden machte, um das Festkleid fertig zu bekommen, alle können da sagen: Aufgearbeitet!
Und wie schön ist es, wenn wir unter eine Rechnung schreiben können: Erledigt! ilebertoiefen am ... 1930. Solche „aufgearbeiteten" Rechnungen sind mir am liebsten. Sie schauen gar nicht mehr so trptzig aus, sie sind zahm geworden. Ein Wonnegefühl ist es, wenn solche Rechnungen in die richtige Mappe gelegt werden können.
Aufgearbeitet! Habe ich nicht recht, wenn ich sagte, daß es eins der schönsten deutschen Wörter sei? Es ist uns dann so wohl, dah wir die ganze Welt umarmen möchten. Leicht beschwingt eilen wir nach Hause. Das Essen schmeckt wieder, die Kinder sehen so frisch aus, und deine Frau lächelt dir zu. Du kannst heute abend ins Theater gehen, du kannst ein Konzert hören, keine „unerledigte" Mappe geht wie ein Schatten neben dir. Und erst die Rachtruhe! Du schläfst wie ein Gott und gehst froh an die kommende Arbeit.
Cs kommt mir in solchen Augenblicken immer das kleine Gedicht von Gustav Falke in den Sinn. Da heiht es zum Schluh:
Sinncud sitz' ich, Haupt in Hand gestützt: Schöner Tag, ich hab' dich ausgenüht.
R. P.
Bornotizcn.
— Tageskalender f ü r Samstag. Turnverein von 1846: Außerordentliche Hauptversammlung, 21 Uhr, im „Postkeller". — Kavallerieverein Gießen: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, im Vereinslokal. — GDA.: Monatsversammlung der Reisendenfachgruppe, 20 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Soldatenleben — das heißt luftig sein" und „Der Teufelsreporter".
— Tageskalender für Sonntag. Markus-Gemeinde: Gemeindefeier, 15 Uhr, auf der Hardt. — DHV.: Ortsgruppentreffen auf der Burg Staufenberg. — VfB.: Leichtathletische Flauen- und 3ugendklubkämpfe, 12.30 Uhr. -- 1. Kraft- und Sportklub 1893: Meisterschafts- kämpse usw., Sportplatz 19C0, 20 Uhr. auf der „Liebigshöhe", Preisverteilung und Tanz. — Bienenzüchterverein Gießen und Umgegend: Versammlung in Großen-Buseck. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Programm wie Samstag.
— Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am kommenden Dienstag bringt das Stadttheater als Erstaufführung Sascha Guitrhs vieraktige Komödie „Wir wollen trau« m e n“. Guitry gehört neben Verneuil zu den erfolgreichsten französischen Lustspieldichtern: er ist selbst Schauspieler und spielt mit Vorliebe seine eigenen Rollen. In den Hauptrollen sind Maria Koch, Hans Hais und Hans Tannert beschäftigt. Spielleitung führt zum erstenmal am Stadtthecrter Hans Hais.
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Von der Universitäts-Kinderklinik. Wie wir erfahren, sind die Arbeiten im Erweiterungsbau der Universitäts-Kinderklinik nunmehr so weit fortgeschritten, dah eine Anzahl von Räumen bereits ihrer Zweckbestimmung zu- geführt werden können. Die Räume für die Poliklinik, die Mütterberatung sowie die Tuberkuloseberatung sind schon in den Reubau mit dem Eingang Dom Hauptportal in der Friedrichstraße verlegt. Mehrere Privatkrankenzimmer mit anschließendem, nach Süden gelegenen Balkon zur Aufnahme von Mutter und Kind sind im Reubau auch schon eingerichtet und machen in ihrer gediegenen freundlichen Ausstattung den denk
bar besten Eindruck. Im Altbau der KNnik wer- den zur Zeit noch umfangreiche Umänderun«n vorgenommen, nach deren Fertigstellung der Klinik insgesamt 70 Betten zur Verfügung stehen und in Zukunft alle die kleinen, der Klinik zugewiesenen Patienten ausgenommen werden können.
** Ferien des Krcisausschusses. Der Krcisausschuß des Streifes Gießen hält während der Zeit vom 15. Juli bis 15. «September Ferien. Wäh- rend der Ferien können nur bejonders eilige «Sachen zur Verhandlung kommen. Auf den Lauf der gesetzlichen Friste^sind die Fersen ohne Einfluß.
** Uraufführung in Gießen. Intendant Dr. Rolf P r a f ch hat Wilhelm Lichtenberg» neuestes Lustspiel (Thema: Liebe, Ehe, Scheidung) noch aus unveröffentlichtem Manuskript zur alleinigen Uraufführung für das Stadttheater Gießen angenommen. Der genaue Titel des Stücke» steht noch nicht endgültig fest.
** Stadttheater Gießen. Herr Han» Haeser, der dem Ensemble des Gießener Stadt- theaters 2% Jahre angehörte, wurde von Direktor Hellmer für die neue Spielzeit 1930/31 an das Neue Theater nach Frankfurt a. M. verpflichtet.
•• Dte Museen sind am morgigen Sonntag zu gewöhnlichen Preisen geöffnet.
Weitere Lokalnachrichten im vierten Blatt.
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Wettervoraussage.
Der unser Wetter beherrschende tiefe Druck hat sich noch weiter rückwärts nach Westen hin auS- gebreitet und ist in verschiedene Teile zerfallen. «So liegt ein Kerngebiet heute morgen über Holland und der Rvrdsee. Da an seiner «3üb- und später an seiner Rückseite bei westlichen bis nordwestlichen Winden dauernd Ozeanlust nach dem Festlande gelangt, so bleibt das Weter noch ziemlich unbeständig. Auch behalten die nach dem Festlande gelangt, so bleibt das Wetter und vereinzelt treten noch Regenschauer aus.
Wettervoraussage für Sonntag. Wechselnde Bewölkung, vorübergehend aufhet- ternd, verhältnismäßig kühl, noch vereinzelte Regenschauer.
Lufttemperaturen am ll.Iuli: mittags 16,7 Grad Celsius, abends 11,3 Grad: am 12. Iüli: morgens 11,9 Grad. Maximum 16,7 Grad, Minimum "9,6 Grad. — Erdtemperakuren in 10
Reiferoetteröienft.
Westerland a. S y 11. 14 Grad, gestern: der Jahreszeit angemessen« Temperatur; heute morgen: halb bis ganz bedeckt; gestern teils heiter, teils wolkig.
Garmisch-Partenkirchen. 9 Grad, gestern: der Jahreszeit angemessene Temperatur; heute morgen: Nordwind, halb bis ganz bedeckt; gestern: regnerisch.
EINFACHSTE KONSTRUKTIONistsiimSTÄRKE
Alles Überflüssige u. Komplizierte zu vermeiden, war von jeher Ford-Prinzip. Qualität, Schönheit u. Preiswürdigkeit haben den Ford- Wagen so beliebt gemacht.
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