Ausgabe 
12.6.1930
 
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Aus der Provinzialhauptsiadt

Giehen. den 12. Juni 1930.

-Denn der Roggen blüht.

Ein Sommermorgen! Erquickend umweht unS die frische Morgenluft. 3n den 'Bäumen erhebt sich ein tauschen und Wehen. Die blühenden Gräser slüstern, und seierlich wogt das Aehren- seld. Auf den Blumen und Blättern glitzert der Morgentau, die Tropsen sunkeln und leuchten wie Diamanten. Drüben an den Bergen hängen noch die Bebel und schweben aus und nieder. Doch schon packt sie der ausfteigende Morgen­wind und zerteilt sie. Die Sonne ist Alleinherr­scherin. Die purpurroten Wölkchen am Himmels- rand verglühen langsam, und ter Himmel erglänzt im tiefsten Blau. Das Sonnenlicht umleuchtet alle-, die Blumen öffnen ihre Blüten und spie­geln ihre taunassen Blätter im Morgenltcht. Die Lerch« trillert ihr fröhliches Lied. .

O Welt voll Glanz und Sonnenschein, o rastloses Werden, holde- Sein.

o höchsten Reichtum- SülleI lEbner-Eschenbach.)

Sieh dort, am Rain, noch sühlen sie sich unbe­lauscht, die jungen Hasen! Wie sie hupfen, Blänn- chen machen, den zarten Klee abrupsen und dann vor Freude die Beine in der Luft Herumwerfenl Wir bleiben stehen, wagen kaum zu atmen, um die kleinen Kerle nicht zu stören. Doch die Häsin bat un- gesehen. Ein leiser Warnungsruf, und schon sind sie im hohen Getreide verschwunden. Bon link- aber hören wir ganz deutlich den Ruf des kleinsten Feldhuhns, der Wachtel. Ganz selten bekommt man das Tierchen zu Gesicht, dafür klingt sein Ruf desto freundlicher und einladender. .Bück den Rück!" ruft es dem fleihigen Land- mann bei seiner Feldarbeit zu.

Am blühenden Feldrain vorbei fommen wir zum Getreidefeld. Weithin dehnt sich die grüne Fläche. Was vor Wochen noch klein und winzig erschien, jetzt ragt eS mannshoch in die Luft, auf­recht und stolz. Schon haben sich die Aehren ge­öffnet und lassen an ganz zarten, graugrünen Fäden ihre unscheinbaren Blüten int Morgen­wind wie kleine Fähnchen wehen. 3n zierlichen Säckchen enthalten die Blüten* verhältnismäßig viel Blütenstaub, und wenn die Sonne alle- ab- getrocknet hat und der Mittagswind über die Halme fährt, dann erhebt sich oft eine große Wolke von Blätenstauo. Das Getreide braucht keine Bienen und Hummeln, nur Wind. Wo soll­ten auch die vielen Insekten Herkommen, um alle Blüten zu befruchten?

Halme neigen sich zu Halmen. Wie ein Raunen, ein leise- Flüstern geht« durch das ganze Feld.

Zwang dich nicht das heimelige Rauschen stehenzubleiben und darein zu lauschen?

Ein herrlicher Anblick, da- wogende Kornfeld! Aus und ab, Welle folgt auf Welle, das ist ein Schaukeln und Wiegen, wie bei einem See. Der zarte Duft, der von den Blüten ausgeht, umweht dich. Hier und da leuchten blaue Korn­blumen und feuriger Klatfchmohn auf. 3m Schuh der Halme können sie blühen und gedeihen. Selbst der Landmann sieht sie gern, wenn sie nicht zu zahlreich kommen. 3n einem Haferseld auf der Höhe aber schimmert es gelb. Das ist der Hede­rich. eine Lieblingsblume für unsere Bienen, aber ein Aergernis für den Bauern. Wie oft hat er gejätet und Vernichtungsmittel gestreut, und doch ist da- Unkraut nicht vergangen. Das Auge aber labt sich an dem zarten Gelb, das das dunkle Grün de- Hafers fo schön unterbricht.

Wenn am Sonntagmorgen der Bauer seine Felder durchwandert, hier und da stehenbleibt und die schlanken Halme durch die Finger gleiten läßt, bann leuchtet der Stolz aus seinen Augen. Roch hat kein Unwetter die Frucht geknickt, noch steht alles hoffnungsvoll da.®ie Frucht steht gut!' Es ist wie ein Dankgebet, das dem Herzen de- Landmanns entsteigt. Der "Westwind bringt einzelne abgerissene Glockentöne aus dem Nach- barborf. Der Landmann bleibt lauschend stehen und horcht. Friede ringsum. Sein alte- vergesse­nes Lesebuch fällt ihm ein, und er murmelt leise daS alte Lied:Das ist der Tag des Herrn!" ...

Der Roggen blüht ...

König Sommer bereift sein Land bis an die fernsten Grenzen, die Aehren küssen ihm das Gewand, er segnet sie alle mit reicher Hand. Wie stolz sie nun stehen und glänzen!

(Gustav Falke.) P.

Gicstcncr rüochcnularitrr

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 150, Blatte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 8 bi- 10, Rotkraut 15 bis 20, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 15, grüne Bohnen 50 bis 60, Spargel 40 bis 80, Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 10, Tomaten 60 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte 4,5 bis 5, Kartoffeln, neue 12 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 40 bis 60, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 60 bis 90, Rüsse 50 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pfennig das Pfund: Tauben 70 bis 80, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10. Salat­gurken 25 bis 60, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: gelbe Rüben 15 bis 20, Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mark der Zentner.

vornoti^en.

Tageskalender für Donnerstag. Elektro-Gemeinschaft und Haussrauenberatung: Elektro-Koch und Brat-Bcranftaltung, 15,30 Uhr, ®af6 Leib Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Man schenkt sich Roten, wenn man verliebt ist"; auf der Bühne: Gastspiel des EisballettS Rose und Honey with Morrison.

MgerpsW gegenüber dem Sladiiheaier!

Bon einem angesehenen Bürger unserer Stadt geben unS die nachstehenden beherzigenswerten Zeilen zuv Veröffentlichung zu:

.Ein Denkmal bürgerlichen Ge­rne ins innS!" Sv zu lesen über dem Haupt- eingang unseres ThcatergebäudeS. Schon diese Worte sollten zum Rachdenken Anlaß geben. Geschaffen wurde unter schmucke-, im schönsten Teil der Anlagen gelegenes Theater in der Hauptfach« dank der Opferfreudigkeit eines großen Teil- unterer Mitbürger. Sie haben BerständniS für die kulturellen und geistigen Aufgaben einer Universitätsstadt gehabt. 3enc Stifter und Mitgründer würden nicht verstehen, wenn die heutige Generation bei aller Schwere und Rot der heutigen Zeit nicht so viel G«» meinsinn und Opfer Willigkeit auf­bringen würde, daß eS gelänge, den Theater- betrieb auch durch die schweren 3ahre einer wirtschaftlichen Depression durchzuhalten. Die Pflicht besteht für uns heute um so mehr, als grabe feit der Errichtung deS Theater- bauS dank auch der unvergessenen Tätigkeit deS Theatervereins die künstlerischen Lei­stungen von 3ahr zu 3ahr gestiegen sind und neusten- unter der Leitung des jetzigen Inten­danten Dr. P r a s ch ein künstlerische- Niveau erreicht haben, wie nie zuvor.

Es ist dankbar anzuerkennen, daß die Verwal­tungen und Vertretungen von Provinz und KreiS erkannt haben, welche Bedeutung ein gutes

Theater für Stadt und Land hat und daß sie bcreittoilligft Zuschüsse zu den Kosten der Unter­haltung des Stadttheaters bewilligten. Viel­leicht erkennt auch' die Staatsverwaltung und der Landtag noch, daß eS geradezu ein Unrecht ist, der Stadt Gießen zuzumuten, ein erhebliches Desizit aus dem Theaterbetrieb deS Staatsbades Bad-Rauheim zu tragen. Sollte diese Einsicht nicht noch bei den zuständigen Stellen kommen dann muß erreicht werden, daß das ctabttoeater auch ohne Ueber- nah m e des KurtheaterS Bad-Rau- heim fonbestehen kann.

Deshalb ist eS Pflicht aller Kreise in Stadt und Land, die 3ntercffc an dem Theater haben und die wirtschaftlich dazu in der Lage finb, mitzuhelfen, daS Theater in (einet Weiterexistenz x u sichern. Ganz besonders wird diese Mahnung an die große Zahl der 3ntellektuellen der Universitäts­stadt gerichtet. An alle diese Kreise in Stadt und Land ergebt die Mahnung: Stützt unser Theater, helft mit. auch den Som­merbetrieb rentabel z u gestalten! Die Preise sind so niedrig gehalten, daß jeder­mann der Besuch ermöglicht ist.

.AuS der Kräfte schön vereintem Streben

Erhebt sich wirkend erst da- wahre Leben."

Auch das steht eingemeißelt über dem Ein­gang des Stadttheaters.

* Personalien. Ernannt wurden am 31. Mai die Polizeihauptwachtmeister Heinrich Lutz und Ernst Schneider zu Gießen zu Kriminalhauptwachtmeistem, beide mit Wir­kung vom 16. 3uni 1930 an. Auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeam­ten tritt am 1. 3uli 1930 in den Ruhestand der Amtsobergehilfe Konrad Graulich an der Universitätsbibliothek in Gießen.

Graf Zeppelin" überfliegt ober­hessische Städte. Wie der WSR.-Dienst mitteilt, wird das Luftschiff »Graf Zeppelin" am Sonntag, 15. d. M., auf seiner Fahrt nach Münster verschiedene oberh^sische Städte über­fliegen. Voraussichtlich wird das Luftschiff dabei (einen 'Weg über Gießen und Marburg nehmen.

Scheunen find keine Garagen! Derstchiedene Vorkommnisse haben dem hessischen Önncnminiftcr Veranlassung gegeben, darauf hin­zuweisen, daß das Unterstellen von Kraftwagen in Vcheunen wegen der dadurch entstehenden Brandgefahr für die Gebäude unter keinen Um­ständen geduldet werden darf. 3n gleicher Weise ist daS Unterstellen von Kraftwagen in Keller­räumen von Wohngebäuden verboten. Dieses Verbot gilt auch für die Fälle, in denen Kraft­fahrzeuge nur vorübergehend außerhalb deS HeimatstandeS untergestellt werden. Ausnahmen sind nur in ganz besonderen Fällen vorgesehen und nur unter den von der Polizeibehörde zu erteilenden besonderen Bedingungen möglich.

* Eine Gießener Firma aus der Achema in Frankfurt. Die Keramchemie- Bcrggarten G. m. b. H. in Gießen beteiligt sich, wie sie uns mitteilt, als Gießener Unternehmen an der Ausstellung Achema VI (Iubiläums- Achema-Ausstellung für chem. Apparatewesen), die vom 10. bis 22. 3uni in Frankfurt a. Bl. statt- findet. Die Firma hat in der Frankfurter Messe­halle ihren Stand in Halle II und zeigt dort in Form von fertigen Erzeugnissen und Modellen ihr gesamtes Fabrikationsprogramm für die 3n- dustrie und das Baugewerbe.

"Bom GDA. in Gießen wird uns berich­tet: Die Reichsvereinigung der Reisenden und Bertreter im GDA., Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag imAugustiner" eine Zachgruppen­versammlung ab, in welcher die Mißstände im Handel und im Provisionswesen besprochen wur­den. Es wurde folgende Entschließung an den Gautag in Kassel am 15. 3uni formuliert: Der Gautag in Kassel wolle beschließen, den Bundestag zu ersuchen, dahin zu wirken, daß gesetzgeberische Maßnahmen beschleunigt ergriffen werden, die geeignet sind, das Doppelverdiener­unwesen durchgreifend zu beseitigen und dadurch gleichzeitig den kaufmännischen Stellenmarkt zu entlasten, wie auch den regulären Handel zu stützen, indem Pensions- und Rentenbezieher, so­wie sonstige laufende Einnahmen erzielende Per­sonen 1. keine Reiselegitimation erhalten, 2. keinen Wandergewerbeschein erhalten und 3. in An­gestelltenstellungen nicht eingestellt werden dürfen und sowohl die Arbeits-, als auch die Gewerde- aussichtsämter hierüber zu Wachen haben, wäh­rend die Sozialversicherungen oder sonst in Frage kommende Behörden (Finanzamt, Krankenkassen usw.) dienstlich jederzeit Auskunft an die ge­nannten Stellen zu geben haben, um Umgehungen zu unterbinden, 4. Arbeitgeber entgegen diesen Bestimmungen Leute nicht beschäftigen dürfen." Die Ortsgruppe Gießen der Reichsvereinigung der Reisenden und Bertreter im GDA. glaubt, daß obige Maßnahmen geeignet sind, endlich klare Berhältnisse herbeizuführen, die dem Grund­satz der Billigkeit entsprechen.

Allgemeiner Deutscher Frauen­verein, Ortsgruppe Gießen. Man be­richtet un8: Die Junisihung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins wurde eröffnet durch eine kurze Ansprache der 1. Vorsitzendem Mit warmen Worten gedachte sie der vor kurzem ver­storbenen Helene Lange, i>er Vorkämpferin der Frauenbewegung und Gründerin des Vereins. Sodann folgte ein (ehr aufschlußreicher Vortrag von Frau Sophie V i g e n e r über das Thema .Mädchenfürsorge". Die Vortragende, die schon in früher 3ugent> in der freiwilligen sozialen Arbeit tätig war, ist seit mehreren Jahren eifrige Helferin der Fürsorgehäuser in Kloster Arnsburg. Sie betonte einleitend, wie seltsam

es ist, daß viele Menschen bei der Züchtung von Rassetieren die wohlbekannten Gesetz« der Eugenik anwenden, bei der CheichUeßung aber fast immer diese Gesetz« nicht beachten. Auch die Sitten* lehre des Ehristentums wirkt vom eugeni­schen Standpunkt aus ungünstig auf die Qualität des menschlichen Rachwuchses. Während in der Tierwelt unerbittlich das Gesetz der Auslese herrscht und die Raturvölker, sowie die Antike, die minderwertigen Reugeborenen umkommen lie­ßen, zeigt die Entwicklung unserer Kultur eine entgegengesetzt« Tendenz. Mit unendlicher Liebe und ungeheuren Kosten ziehen wir auch die schwächlichen und minderwertigen Menschen­kinder groß, wir setzen der Fortpflanzung von Schwerkranken, von Verbrechern und Idioten

Eßt mehr Roggenbrot!

kein Hindernis entgegen. Natürlich werden in­folge der Fürsorge einzelne Kinder gerettet und zu brauchbaren Menschen erzogen das ist aber leider nur eine kleine Zahl und wir wenden Diel Krast und Geld für aussichtslose Fälle auf, während es an Mitteln zur Erhaltung und Ausbildung wertvoller Elemente fehlt. Die Vor­tragende besprach sodann die drei Wege der Für­sorge: Die Adoption, die Privatpflegestellen un­ter Oberaufsicht der Fürsorgerin und die An­staltserziehung. Für schwache, sehr belastete Kinder kommt nur die Anstalt in Frage. AlS sorgen­volle, in gar mancher Hinsicht mißbrauchte Ge­schöpfe kommen sie in die Anstalt, und schon nach kurzer Zeit hat die dort herrschende Atmosphäre von Sauberkeit, Ordnung und Güte junge und zufriedene Wesen aus ihnen gemacht. Sind die Lehrjahre zu Ende, dann bringt man die Brauch­baren in Dienststellen unter, wobei sich die länd­lichen am besten bewährt haben. Natürlich gibt es auch Kinder, die nie im Leben festen Fuß fassen können und in Anstalten bleiben müssen. Mancherlei Einzelheiten aus den Erfahrungen der Rednerin zeigten, wie schwer die Probleme sind, die täglich bei der Erziehung solcher Fürsorge­kinder austauchen. Zum Schluß warf Frau Eigener noch die Frage auf, warum die Gesell­schaft solche Geschöpfe großzieht. und kam zu dem Schluß, daß wir, solange den Trinkern und Schwerverbrechern nicht die Möglichkeit der Fort­pflanzung genommen wird, die Pflicht haben, für ihre unseligen Kinder zu sorgen. Und daß dies Liebeswerk ein sehr hoher Dienst an der Menschheit ist, zu dem viel Hingabe und Ver­ständnis gehört, haben die hochinteressanten Aus­führungen der Rednerin wohl allen Anwesenden gezeigt.

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

XX Fellingshausen, 10.3uni. Der hie­sige Gesangverein .Concordia", Mit­begründer desDünsberg-Sängerbundes", rüstet zu seinem 4 0. Stiftungsfest, welches am Sonntag, 22. 3uni, gefeiert werden soll. An dem Festtage beteiligen sich die Blännergcfangüereinc von Bieber, Crumbach, Kinzenbach, Königsberg und Rodheim.

Kreis Wetzlar.

(5 Kinzenbach, 10. Juni Aus der jüngsten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung ist u. a. zu berichten: Unser langjähriger Ortsdiener Friedrich Mandler hat sein Amt infolge hohen Alters niedergelegt. Die Gemeindevertretung wählte für dieses Amt den Schwiegersohn Mandlers, den bisherigen Zimmermann Karl Hederich. Den Mannschaften der Pflichtfeuerwehr wird von jetzt ab^die Teilnahme an den Feuerwehrübungen eine Vergütung von 50 Pfennig je Person gewährt.

6 Dutenhofen, 10.3uni. 3n der letzten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung wurde über die Geldbeschaffung für den Was­serleitungsbau beraten. Der Tagung war eine Kommisfionssihung vorausgegangen. Auf Vorschlag der Kommission wurde beschlossen, die Aufbringung einer Anleihe durch freiwillige Zeichnungen der Bürgerschaft zu versuchen Die

Einwohner sollen gebeten werden, sich möglichst weitgehend an der Anleihe zu beteiligen, um auf diesem Wege mitzuhelfen. da- von der Ge­meinde begonnene Werk einer einwandsreicn WaNervcrsorgungSanlage zum Abschluß bringen zu können. Die zwei einheimischen Spar- und DarlehnSkassenvereine, aut deren Mitarbeit die Gemeinde rechnet, sollen die geheim zu haltenden Einzeichnungen bi# zum 1. 3uli d. 3- en t gegen- nehmen. Für die Einzahlung der gezeichneten Beträge wurde der 1.Oktober d. 3 vorgesehen. Die Kapitalien werden mit 2 v. H. über ReichS- bankdiskont, mindesten» aber mit dem Zinssatz der einheimischen Sparkassen, verzinst Die Rück­zahlung beginnt ein 3ahr nach erfolgter Inbe­triebnahme der Wasserleitung Atzher dieser An­leihe bei der "Bürgerschaft will die Gemeinde bei der LandeSbank. der Kreissparkasse oder einem anderen Geldinstitut ein größeres Darlehen mit 5 v. Sy Tilgung und möglichst niedrigem Zinssatz für den Wasferleitungobau ausnehmen. Den an die Gemeinde gestellten Antrag, der Klein- siedlungSgesellfchaftdeS Kreises Wetzlar als Mitglied beizutreten, lehnt die Bertretung ab. Die Stromversorgung der Gemeind« «teschieht zur Zeit au# einer TranSsormatoren- tation, die an der äußersten Peripherie der Ge­meinde gelegen ist. ES treten infolgedessen immer größere Schwierigkeiten in -der Strom­versorgung auf, so daß die Gemeinde gezwungen ist, die Errichtung einer weiteren Transforma­torenstation herbeizuführen. Der Vorsitzende gab von den bieferbalb mit der Ueberlandzentrale der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar geführten Verhandlungen Kenntnis. Die Bedingungen, die von der Ueberlandzentrale gestellt werden,'fan­den die einmütige Ablehnung deS Gemeinderat-. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Verhand­lungen mit der Ueberlandzentrale fortzusetzen.

Amtsgericht Gießen.

e Gießen, 30. Mai. Durch Vernachlässigung der ihm obliegenden Sorgfaltspflicht zog sich ein älterer Autofahrer au- der Umgegend eine An­klage wegen fahrlässiger Eisenbahn­transportgefährdung zu, die heute zur Verhandlung stand. Er kam aus Blarburg und hatte bei Lollar die Schienen der Eisenbahn Gie- ßen-Lollar -Grünberg gegen 7 Uhr abends zu passieren, als sich gerade ein Zug quer über die von dem Angeklagten benutzte Fahrstraße be­wegte. Er fuhr derart nah« an diesen heran, txin baß Auto von der Lokomotive erfaßt und zurückgeschleudert wurde. Diese erlitt durch den Anprall keinerlei Schaden: der Zug fuhr weiter. 3mmerhin lag aber die Möglichkeit einer Ent­gleisung und damit eine Beschädigung des Transports nabe. Der Autosührer hätte an die­ser Stelle auch unbedingt eine derartig« Ge­fährdung als Folge seiner Handlungsweise vor­aussehen können. Er hätte rechtzeitig den Schie­nen entlangschauen müssen, dann hätte er auch rechtzeitig den Zug mit feinen bell leuchtenden Glühlichtlampen gesehen, sich darnach einrichten und sein Fahrzeug noch rechtzeitig zum Halten bringen können. Der Zusammenstoß wäre ver­mieden worden. So hat sich der Angeklagte aber des eingangs erwähnten Vergehens schul­dig gemacht. Er war noch unbestraft, auch fuhr er langsam und es dämmerte bereits: schlimme Folgen waren nicht eingetreten, daS Gericht er­kannte deshalb nur auf 2 5 M k. Geldstrafe.

Eine Beleidigung im SihungS- r a u m einer Behörde, der während der Verhandlung dem Publikum zugänglich ist. ist als eine öffentliche, und wenn sie zudem noch gegen einen Beamten mit B«?zug auf feine Amtstätigkeit begangen wurde, als eine öffent­liche Beamtenveleidigung anzusehen. 3m Fragefall geriet, während sich der Spruch- auSschuh zur Beratung zurückgezogen hatte, der Angeklagte mit einem Kontrolleur des Arbeits­amts im Sitzung-raum in Wortwechsel und nannte ihn im Verlauf desselben einen .Kujoneur" undSchikaneur", duzte ihn auch, ohne ihn näher zu kennen u. b-gl. m. Da er noch nicht vorbestraft war, auch in Erregung sich befunden haben mag, erhielt er nur eine Geld­strafe von 25 Bl f. Dem beleidigten Be­amten wurde die Befugnis zugesprochen, das Urteil zu veröffentlichen.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Mehr Pflegearbeiten auf den Friedhöfen!

Wie die unvollendeten städtischen Neubauten und die unvollendete Westanlage ein wenig schö­nes Bild geben, so zeigen auch die Friedhöse ein ähnliches. Mit den wenigen dort beschäftigten Leuten werden noch die Wege und Zugänge zu den Kaufgräbern einigermaßen in Ordnung ge­halten. Wie aber sieht es hinter diesen, in den Reihengräbervierteln aus? Hat man keine Ar­beitslosen, die hier beschäsiigt werden konnten? Oder könnte man die Grasflächen nicht an Reflek­tanten zum Abmähen geben? Bon den Angehöri­gen wird verhältnismäßig viel an den Gräbern getan. Muß denn jene Arbeit durch Samen- auswurs von den verschiedenen Gräsern immer erst unnötigerweise erschwert werden? Früher war es anders. Hvssentlich genügt dieser Hin­weis, um Abhilse zu schassen.

Schöne weihe Zahne.Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihnen meine größte Anerkennung und vollste Zufrieden- heit über dieChlorodont-Zahnpaste" zu übermitteln. Ick gebraucheChlorodont'^ schon sest Jahren und ich werde ob meiner schönen weißen Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen Gebrauch Ihrer Chlorodont-Zahnpaste" erreicht habe." C. Reichen, Schwerz, Amt Niemburg, Gaallieis. Chlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mk. bei höchster Qualität In allen Chlorodom- Verkaufsstellen gu haben.

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