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liche Gleis am Rangierbahnhof hak sich gesenkt. Der gesamte Vcchnverkehr über Vienenburg ist seit Sonn­tagnachmittag um 5 Uhr von der Reichsbahndirek­tion wieder freigegeben worden, mit Ausnahme der zerstörten Gütsrverkehrsstrecke VienenburgGrau­hof. ____________

Erhöhung der Gütertarife bei -er Reichsbahn.

Das Schicksal der Personentarife noch unbestimmt

Berlin, 10. Mal. (MTB.) Das Reichs­kabinett stimmte in seiner heutigen Sitzung der Vorlage der Reichsbahnverwaltung aus Aende- rung des Stückgut- sowie des Expreß- gut- und Gepäcklarifs zu Die beantragte Erhöhung der Wagenladungstarife und der Zeitkarten des Personenverkehrs wurde abgelehnt.

Zu dec vom Reichseisenbahnrat angeregten orga- nischen Erhöhung der personenlarife des allgemeinen Verkehrs wartet dos Reichskabinett das Ergebnis der Prüfung durch die Reichsbahn ab.

Also die Befürchtung, daß noch vor Anbruch des Sommers eine allgemeine Erhöhung der Personen­tarife der Reichsbahn in die Erscheinung treten könnte, hat sich nicht bestätigt. Vielmehr hat das Neichskabinett zunächst nur eine Aenderung der Tarife im Stückgut-, Expreßgut- und Gepäckverkehr genehmigt, es will dagegen den neuen Personen­tarif, der zur Zeit durch den Tarifausschuß der Reichsbahn ausgearbeitet wird, abwarten und dann e r ft zu der Frage Stellung nehmen, ob auch diese Tariferhöhungen genehmigt werden sollen. Die Reichsbahn selbst ist für eine Hinauf- setzung der Fahrpreise im Personenverkehr bisher nicht zu haben gewesen, weil sie sich davon keine Vorteile verspricht. Der Reichseisenbahnrat hat aber eine andere Stellung eingenommen und auch die Unterstützung des Reichsverkehrsministers gefunden. Für die Reichsbahn bedeutet der Beschluß des Reichskabinetts zunächst nur eine Einnahme- erhöhungum50bis60Millionen Mark. Es müssen aber noch Mehreinnahmen in Höhe von 90 bis 100 Millionen erzielt werden, um das Defi­zit der Reichsbahngefellschaft aus der Welt zu schaffen.

Die Lösung des Roggenproblems

Minister Schieles Programm

Berlin, 10. Mai. (ERB.) Reichsminister Schiele schreibt in derDeutschen Tageszeitung" über dieLösung des Roggenproblems". Bisher hat Deutschland selbst bei günstigem Ernteausfall noch eine Zufuhr an ausländischem Futter- get reibe von 2% Millionen Tonnen gehabt. Der Roggenüberschuß hat bisher höchstens 1,5 Millionen Tonnen betragen. Hieraus ergibt sich die Schlußfolgerung: Steigerung des Roggen­oerbrauches zur Viehfütterung unter Fernhaltung überflüssigen Export- ge t r e i b e s. Die Roggenfütterung bietet große Möglichkeiten. Der Motor für die Verwendung des Roggens darf nicht staatlicher Zwang, sondern braucht nur ausreichender Verfütterungsanreiz zu sein. Dieser liegt in einem zweckmäßigen Preisverhältnis von Roggen zu den anderen Futtergetreidearten, insbesondere Gerste und dem Mais. Dieses Preisoerhältnis ist inzwischen schon wesentlich zugunsten des Roggens beeinflußt wor­den. Außerdem kann durch das Brotgesetz ein Mehrverbrauch von Roggen für Nah­rungszwecke gesichert werden. Eine günstige Ernte darf nicht wieder wie im verflossenen Jahr zum Verhängnis der Landwirt­schaft werden. Die Regierung ist entschlossen, dieses Unheil abzuwehren, und scheut hierbei selbst vor dem Einsatz außergewöhnlicher Mittel nicht zurück

Oie Befreiung der W rifchast Moldcnhaner über die Reform der öffentlichen Verwaltung.

F o r st (Lausitz), 11. Mai. (ERB.) In Forst sprach Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer über finanztechnische Fragen. Die Realsteuern, ins­besondere die Gewerbesteuern, drohen den Mittelstand zu erdrücken, dazu kommt die über­mäßige Höhe der sozialen La st en. Erstes Ziel der Finanzpolitik muß es sein, den unerträg­lichen Steuerdruck zu mildern. Vorbedingung dafür ist eine bereinigte Kassenlage des Reiches. Neue Steuern sind zu diesem Zwecke unerläßlich. Durch Erhöhung der indirekten Steuern werden die erforderlichen Mittel be- schafft. Die von der Sozialdemokratie lange Jahre verfochtene Theorie von der unsozialen Wirkung indirekter Steuern hat sich überlebt. Für das Jahr 1931 liegt ein a u f 6 0 0 Millionen genau beziffertes Versprechen für eine Steuersenkung vor. Dieses Versprechen kann eingelöst werden und stärkt die Position des Reichs- finanzministeriums gegenüber unberechtigten er­höhten Anforderungen des Reichstages. Notwendig ist ferner eine Beschränkung des Etats- bewilligungsrechtes des Reichstages in dem Sinne, daß ein Ueberfchreiten der Regierungsoorfchläge unzulässig ist, wie es praktisch schon im Reichskabinett geübt wird. Für dieses Recht sowie für das Vetorecht des Reichsfinanzministers wird die Regierung mit aller Energie und Konse­quenz eintreten. Hand in Hand mit diesen Maß­nahmen muß eine vernünftige Sozialpol i- t i k gehen. Das Problem der Erwerbslosig­keit muß an der Wurzel gefaßt werden. Man muß die Wirtschaft beleben und Arbeit schaffen. Dazu soll das von Der Sozialdemokratie als reak­tionär bekämpfte Ost Programm helfen. Mit der allgemeinen Ausgabensenkung des Reiches muß parallel eine solche in den Ländern und Kommunen gehen. Angestrebt wird eine Aus- gabenoemunberung, Zusammenlegung von Behör­den, Beseitigung überflüssiger Dienststellen. Eine Rationalisierung ber Verwaltung muß sich aber auch auf die Länder und Kommunen er st recken. Geplant ist ferner die Erhebung einer bürgerlichen Abgabe im prozentualen Verhältnis zur Ge- werdesteuer. Damit ist man bei dem letzten großen Ziel ber Reichsreform angelangt. Der Dualismus PreußenReich muß bahin eine Lösung finden, daß Deutschland ein einheitlich regiertes Land wirb.

Eine Audienz bei Mussolini.

Oer Ouce über das deuisch-iialienische Verhältnis. - Das faschistische System eine autoritäre Demokratie. Auer der Faschismus kein Exportartikel.

Berlin, 10. Mai. (ERB.) DasB.T." ver­öffentlicht eine Schilderung feines Chefredakteurs über eine Audienzbei Mussolini in dessen Arbeitszimmer im Palazzo Venezia. Mussolini sprach realpolitisch, gar nicht phantastisch, gar nicht renornmistisch, gar nicht herausfordernd, gar nicht durch nationalistische Eitelkeit verblendet, mit sehr klarer Erkenntnis der gegenwärtigen Tatsachen. Der Volksführer konnte die an­feuernde Fanfare für nötig halten, der Staatsmann erwägt, prüft und überlegt sehr genau. Er beurteilte auch bie Beziehungen, die zwischen Ita­lien und Deutschland bestehen können, mit ruhiger Nüchternheit. Er sagte, er wünsche freund­schaftliche Beziehungen zu Deutschland, aber das Verhältnis zwischen Deutschland und Italien sei im Grunde gekennzeichnet durch einepolitische Indifferen z". Die Meinung herrsche vor, man könne eigentlich nur wenig gemeinsam tun.

Ich wünsche, wie ich schon gesagt habe, gute Beziehungen zu Deutschland, und gewiß gibt es Fragen, in denen wir zusammengehen können. In derAbrüstungsfrage bei­spielsweise auch in der Frage der ft o l o - nialmanbate mühte wenigstens der prin­zipielle Standpunkt der gleiche fein. Dann auf dem Gebiete des Güteraustausche», im Handelsverkehr. Italien ist vorwiegend ein landwirtschaftlicher Produzent, Deutschland hat seine große Industrie." Ich bemerkte:Unsere Agrarier würden da vielleicht nicht mitmachen wollen." Er für seinen Teil hielt es anscheinend nicht für unmöglich, über solche widerstände Hinwegzukommen.

Auf innerpolitische Fragen übergehend, meinte Mussolini:Ich bin auch Demokrat allerdings ein autoritärer Demokrat." Was hat man nicht alles über mich erzählt! Eigentlich kann es uns ganz gleichgültig sein, was man über uns sagt und schreibt. Man schafft die Tatsachen, das, was wir tun, d i e Leistungen, die wir vollbringen, nicht durch Wegleugnen aus der Welt Was wollen wir denn? Wir schaffen die moralische Ordnung, nicht eine Po- lizeiordnung, und es ist unsere Aufgabe, das ganze Volk damit zu durchdringen. Gewiß, wir können die Aufgabe in dieser Periode nur mit einer gewissen Strenge durchführen, aber auch das stellt man sehr übertrieben dar, und es ist

auch bereits eine Milderung erfolgt. Mit Polizei und Maschinengewehren zu regieren, das be­deutet nicht viel. Wir schaffen den Staat, das italienische Gefühl für den Staat. Früher gab es doch kein einheitliches Staats­gefühl. Jede Provinz, jede Gemeinde lebte im Grunde für sich Der Faschismus faßt das alles zusammen. Er schasst die Einheit, indem er das Volk mit dem faschistischen Staatsbewuht- sein erfüllt. Aber wir sind nicht, wie man be­hauptet, reaktionär. 3m Gegenteil. Man sehe sich unsere syndikalistische Gesetzgebung an, mit der die Zusammenfassung von Arbeit und Kapital verwirklicht wird. Sehr links­stehende Leute, die aus Deutschland zu uns ka­men, sind erstaunt gewesen über das, was hier geschaffen worden ist." Er wiederholte auch in diesem Zusammenhang das Wort von derauto­ritären Demokratie" und gebrauchte mehrfach den AusdruckOrdre Moral, im Gegensatz zu einem ungeistigen Polizeiregime. Hervorgehoben wird von Theodor Wolff, daß Mussolini jede Gemeinschaft mit seinen Nachahmern im Auslande ablehnt.

Ich kenne, so erklärte Mussolini, keinen Faschi­sten außerhalb Italiens, es gibt gar keinen ber italienische Faschismus ist etwas ganz ande­res, er ist, ich wiederhole es immer wieder, nicht reaktionär, er ist eine Demokratie, eine aulo- ritäre Demokratie. Ich habe einmal in einer Rede gesagt, daß der italienische Faschis­mus kein Exportartikel ist.

Heber die Freiheit der Presse, die Freiheit der Kri­tik befragt, sagte Mussolini:Es ist nicht richtig, wenn man sagt, eine Kritik dürfe es bei uns nicht geben und gebe es nicht. Allerdings, eine Kri­tik, bie sich gegen den Bestaub bes faschistischen Staates, gegen bas Regime bes Faschis­mus richtet, zu einem Umsturz aufreizen soll, er­laube ich nicht, unb sie wirb rücksichtslos un­terdrückt. Wenn man bas faschistische Regime beseitigen will, ben Staat, wie wir ihn aufbauen, bekämpft das zu dulden, lehnen wir ab. Aber davon abgesehen, akzeptieren wir bie Kritik, unb befonbers auf dem ökonomischen Gebiet, in wirt­schaftlichen Fragen äußert sie sich frei. Neulich bei ber Eröffnung bes Parlaments habe ich in meiner Rebe gesagt:Wir wollen gesetzgeberische Arbeit, keine Beweihräucherung. Das ist boch beutlich genug."

Deutsche Wahlerfolge in Schlesien.

Sechzehn deutsche Abgeordnete für den schle.ischen Sejm.

Kattowih, 12. Mai. (WTD. Funkspruch.) Bei ben gestrigen Wahlen zum schlesi­schen Sejm war die Wahlbeteiligung wesentlich stärker, als bei den im Herbste des Vorjahres und des Frühjahrs dieses Jahres durchgesührten Kommunalwahlen. Sie betrug fast durchweg 95 Prozent, obwohl kein Wahlzwang für die Sejmwahlen besteht. Trotz des Terrors konnte die Deutsche Wahlgemein­schaft nicht nur ihre Stimmenzahl behaupten, son­dern vielfach sogar steigern.

3n Kattowih waren um 2 Tlhr nachts 24 784 deutsche Stimmen gezählt gegenüber 24 424 im 3ahre 1928, obwohl noch fünf Wahlbezirke ausstanden. Die ländlichen Bezirke wiesen 50 Pro­zent Stimmengewinn, ja in einem außerordent­lichen Falle sogar einen Stimmenzuwachs von 500 Prozent auf.

Aach einer Meldung derPolska Zachodnia" sind im Wahlkreis! (Teschen, Bielitz, Pleh und Ryantt) vier Äanbijäten der deut­schen Wahlgemeinschaft und ein deutscher Sozialist, im Wahlkreis ll (Katto­wih) fünf Kandidaten der Deutschen Wahlge- meinschast, und im Wahlkreis 1 11 (Königs­hütte) sechs Kandidaten der deutschen Wahl­gemeinschaft als gewählt zu betrachten. Aach dieser Meldung würden 16 deutsche Abge­ordnete in den schlesischen Sejm einziehen, in dem bisher 14 deutsche Abgeordnete waren.

Die polnischen Parteien haben nach bisher vorliegenden Ergebnissen nicht beson­ders gut abgeschnitten. Die polnische Oppofttionsgruppe (Korfanth) konnte im großen unb ganzen ihren Stimmenstand bewah­ren. Bemerkenswert ist, daß die deutschen Sozialisten ebenfalls beträchtlichen Stimmenverlust zu verzeichnen haben, die wohc zu einem guten Teile den Kommunisten zugute gekommen sind, die auch in Oftoberschle- sien eine Stimmenzunahme buchen können. Die Splitterpartei der Hausbesitzer hat kläg- lia- Schiffbruch erlitten und wird wohl keinen Kandidaten durchbekommen, da ein Aufrechnen der Aeststimmen über den Wahlkreis hinaus (insgesamt 3) nicht möglich ist.

Die Mittelmeereise deutscher Kriegsschiffe.

Mailand, 10. Mai. Popolo d'Italia schreibt unter ber HeberschristDie wahre Entwaff­nung" u. a.: Der herzliche unb festliche Empfang, ber in ben sizilianischen Häsen den Mannschaften bes im Mittelmeer auf einer Runbfahrt befinblichen beuts chen Geschwabers seitens ber Behör­den unb ber Bevölkerung zuteil würbe, hat in eini­gen europäischen Hauptstäblen Mißtrauen unb Befürchtungen ausgelöst. Die Presse eines Mittelmeerstaates wollte baraus einige Schlußfol­gerungen für bie Zukunft ziehen. Niemanb aber hat baran gebucht, ben moralischen Wert dieser Empfänge zu unterstreichen. Italien war bie e r ft e Macht in Europa, bie bie Kriegsmentalität abge­streift hat, bie erste Macht, bie bie Geister entwaff­net unb bie erste Macht, bie ben Haß vergessen hat. Wenn bie Kundgebungen zu Ehren bes Besuches eines beutschen Schiffes in einigen italienischen Hä­fen außerhalb Italiens nicht in ihrer wahren Trag- weite gewertet worden sind, so bedeutet dies, daß anderswo die Kriegsmentalität aktiv und lebendig blieb. Darin unterscheiden wir uns von anderen Siegerstaaten. Wir fino die ersten, bie mit unseren ehemaligen Feinben normale Beziehungen unb freundschaftliche

Verbinbungen ausgenommen haben, bie ber Friedenszustand für alle als natürlich unb logisch hätte erscheinen lassen müssen. Mit Ungarn, mit Oe st erreich, mit den Bulgaren unb mit ben Türken war es so, was beshalb auch ganz lo- gisch erscheint, baß bie Bevölkerung unb Behörden italienischer Städte die Besatzung deutscher Kriegsschiffe mit herzlichen Sympathiekund­gebungen empfingen, die im lateinischen Meere jahrhundertelange Beziehungen zwischen zwei gro­ßen Zivilisationen wieder anbahnten und Zeugnis dafür ablegten, daß ber Krieg zwischen Italien unb Deutschland feit zwölf Jahren bcenbet ist.

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3n Athen gaben aus Anlaß des Besuches des deutschen Geschwaders die deutsche Kolonie und der Deutsche KlubPhiladelphia" im Kasino Glyfada am Meer ein Bankett zu 800 Gedecken, an dem die deutschen Offiziere und zahlreiche angesehene Persönlichkeiten teilnahmen. 3n Venedig veranstaltete das Präsidium der Internationalen Kunstausstellung einen großen Empfang zu Ehren des Konteradmi­rals Förster und der anderen Offiziere der in Venedig ankernden deutschen Kriegsschiffe Schlesien" undHessen".

Die Lynchjustiz in Texas.

Der Sturm aus das Gefängnis von Sherman.

London, 10. Mai. (TLl.) Der Gouver­neur von Texas gab demEvening Stan­dard" Einzelheiten, über die bereits gemeldete Lynchjustiz an einem Aeger bekannt. Der Gouverneur bestätigte, daß er der Ratio- nalgarbe Anweisung gegeben habe, den Aeger, wenn irgend möglich, vor der Lynchjustiz zu bewahren, bei der Abwehr der Menge aber nur Tränengasbomben und Gummiknüppel zu benutzen, keinesfalls je­doch von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. In Texas gelte das Recht, daß jeder Aeger, der der Beleidigung einer weihen Frau beschul­digt werde, der Lynchjustiz verfallen sei. Die Menge sei nach der ersten Abwehr durch die Truppen immer erregter geworden. Von Frauen sei Sprengstoff herbeigeschafft worden und eine Anzahl Männer habe sich darauf zum Gerichtsgebäude begeben, um die Tore in die Luft zu sprengen. Den Truppen fei es gelungen, die Menge mehrmals zurückzutrei­ben, aber nach einer Stunde sei sie zurückgekehrt und habe verstärkte Anstrengungen gemacht, den Aeger in ihre Gewalt zu bekommen. Don der Aationalgarde sei daraus eine blinde Salve ab­gegeben worden. Trotzdem sei es einem Teil der Menge gelungen, in das Gefängnis ein­zudringen. Der Aeger war bei dem An­griff auf das Gerichtsgebäude, um ihn zu schützen, in dem gepanzerten Tresor untergebracht worden, wo er vermutlich während des Brandes erstickte. Gegen Mitternacht drang die Menge in die Ruine des niedergebrannten Gebäudes ein. Die Tresortür wurde unter Zuhilfenahme von Dyna­mit und Azetylenschneidbrennern erbrochen und die Leiche aus dem zweiten Stockwerk des Gerichtsgebäudes in den Hof hinabge­worfen, was die Versammelten, zu denen auch viele Frauen gehörten, mit Iubelrusen und Händeklatschen begrüßten. Damit noch nicht genug, fesselte man die Leiche mit einer Kette an ein Auto, das sie durch die Straßen der Stadt schleifte. Die Leiche wurde dann auf einem öffentlichen Platz auf ein Kreuz gelegt, darüber mitPetroleumgetränkteKleiderge- Ieg t und angezündet. Der Gouverneur gab zu, daß es sich hier um eine der schlimmsten Lynchjustizfälle handele, die seit vielen Jahren zu verzeichnen gewesen seien.

Die Aationalgarde hatte vier Verletzte zu ver­zeichnen. Auch der Befehlshaber der Truppen

wurde ernstlich verletzt. Inzwischen sind Vcr-i stärkungen eingetroffen. Die A e g e r b e v ö l k e * rung von Sherman beginnt zu fliehen, da die Lage im Ort immer bedrohlicher wird. Die Straßen werden von den tobenden Pöbelmassen be­herrscht, die mit der E i n ä s ch e r u n g bergan*, zen Stadt drohen. Als Vorspiel wurde das Geschäft eines Aegers in Brand gesteckt, um als Scheiterhaufen für den Ermordeten zu dienen. Während der Aacht ist es zu verschiedenen Zu­sammenstößen zwischen der Aationalgarde und der Masse gekommen. Die Truppen gaben schließ­lich Feuer, wobei zwei Personen verwundet wurden.

Gandhis Nachfolger verhaftet.

Bombay, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) Gandhis Nachfolger, der 80jährige Abbas Tyabji und alle seine 59 Freiwilligen wurden chLUte früh in Navsari verhaftet, als sie ihren Marsch nach Dharsana angetreten hatten, wo sie bekanntlich das unter Staatskontrolle arbeitende Salzdepotin friedlicher Weise" stürmen wollten. Der Marsch nahm bei dem Dorf Karadi seinen Anfang, wo die Frei­willigen gelagert hatten, nachdem zuvor die üb­lichen Gebete verrichtet worden waren. Viele Ein­wohner der umliegenden Dörfer hatten sich eben­falls bei Karadi gelagert und während der Nacht Wache gehalten in der Erwartung, daß Polizei kommen werde. Während der Nacht geschah dies nicht, aber heute früh erschienen 300 bewaffnete Polizisten unter Führung des Vorstehers der Bezirkspolizei mit ungefähr sieben Autobussen und bezogen eine Stellung unweit Karadis. Der Ausbruch der 60 Freiwilligen zu ihrem kurzen Marsch gestaltete sich folgendermaßen: Abbas Tyabji und die Freiwilligen sangen Gandhis Lieblings- HymneEin Jünger des Gottes Vischnu ist, wer die Leiden der andern kennt" unb Frau Gandhi unb andere bemalten die Stirnen Tyabjis und seiner Freiwilligen mit Safranzeichen. Frau Gandhi feg, nete sie mit den Worten:Möge Gott euch Kraft geben, um die Regierung zu bekämpfen." Dann setzte sich Abbas Tyabji, begleitet von Frau Gandhi, um 6.15 Uhr in Bewegung, gefolgt von den Frei» willigen. Die Dorfbewohner schlossen sich an.

Aus aller Wett.

Strömender Regen

am ersten Hauptspieltag in Oberammergau.

Der erste Hauptspieltag in Oberammergau hatte ähnlich wie bie Generalprobe am Donnerstag: unter schlechtem Wetter zu leiden. Den ganzen Sonntag über regnete es, zeitweise goß es in Strömen. Trotz ber wenig ermutigenden Wit­terung gestaltete sich die Aufführung des Pas­sionsspieles zu eipem vollen Erfolg. Das HauS war bis auf ben letzten Platz besetzt. Die über* toiegenbe Mehrzahl der Besucher waren Aus* l ä n b e r. Die deutsche Sprache trat auf ben Straßen vollkommen in ben Hintergrund, man hörte f a st ausschließlich englisch.

Neuer Gemäldeskandal in Paris.

Nach der großen Bilderfälschungsangelegenheit Millet ist ein neuer Gemäldeskandal bekanntgewor­den. Es handelt sich um eine schwere Gaunerei, der der seit drei Jahrzehnten in Paris ansässige spa­nische Maler Picasso zum Opfer gefallen ist. Die­ser hatte seiner in Barcelona wohnhaften Mutter gegen 400 Jugendarbeiten, Zeichnungen, Malereien, Entwürfe anoertraut. Vor einiger Zeit erschienen bei dieser ein angeblicher spanischer Maler mit einem amerikanischen Liebhaber, um gegen eine Kaution von 1500 Peseten für wissenschaftliche Zwecke bie Bilderzu leihen. Frau Picasso fiel auch auf den Schwindel herein. Die Schwindler be­gaben sich sofort nach Paris, wo sie die Bilder einer bekannten Gemäldegalerie verkauften. Sie er­hielten dafür 200 000 Franken.

Heldentat eines Reichswehrsoldaten.

Am Sonntagfrüh kurz vor 5 Uhr fuhr ein mit drei Personen besetztes Magdeburger Per­sonenauto, das von dem anscheinend angetrun­kenen Besitzer gesteuert wurde, auf der sog. Holzbrücke auf den Bürgersteig, durchriß das Holz- gelänber der Brücke und stürzte, sich mehrfach über­schlagend, 12 Meter tief in bie alte Elbe hin- a b. Dort blieb es auf einer Sandbank auf der Längsseite liegen und lief f o schnell voll Wasser, daß die Insassen sich nicht selbst befreien konnten. Der (Befreite Michael vom Pionierbataillon 4, ber sich gerade auf dem Weg zur Kaserne befand, lief, als er das Unglück be­merkte, die steile Uferböschung hinab und sprang ins Wasser, schwamm an das etwa 10 Meter vom Ufer liegende und vom Wasser überspülte Auto heran. Er öffnete mit vieler Mühe - die durch den Wasserdruck festgehaltene Tür und zog die drei In- fassen des Autos, die sich in Erstickungsgefahr be­fanden, heraus, die dann von der Feuerwehr ans Ufer gebracht wurden.

Massenmorde in Ratibor.

In Ratibor wurde am Sonntagfrüh auf dem Prälatenweg hinter einem Park ber verheiratete Zuschneider Joseph Danes ermorbet auf* gefunöen. Die Leiche befanb sich in sitzender Stellung in bie Ecke eines Gartenzaunes gelegt unb wies dicht unter dem Herzen eine etwa fünf Zentimeter breite Stichwunde auf. Don der Leiche führte eine Breite Blutspur ungefähr 300 Meter die Oderpromenade entlang in Richtung auf eine Mühle, wo vermutlich nach vorausgegangenem Kamps das Verbrechen began­gen wurde. Da keine Schleifspuren festzustellen waren, ist anzunehmen, daß der Mörder sein Opfer bis zur Fundstelle getragen hat. Bei dem Toten fand man noch einen Geldbetrag in Höhe von zehn Mark vor. Die Hände des Ermordeten toa.en blutbefleckt Der von der Mordkommission angesetzte Polizeihund konnte eine sichere Spur nicht mehr aufnehmen. Der Mord muß bereits am Samstagabend gegen zehn iUjr ausgeführt worden sein. Um biefe Zeit wollen Leute aus dem Park Hilferufe gehört haben, denen sie jedoch feine weitere Bedeutung schenkten. Der Mord ähnelt in auffallender Weise einem anderen noch unaufgeklärten Vorfall, der sich am vergangenen Montag ereignet hat. Damals fand man in einem Weizenfeld unweit des Schühenhauses den 15jährigen Gymnasiasten Zeller gleichfalls mit einer tiefen S t ich* wunde unter dem Herzen in einer Blut* locfre tot auf. Eine breite Blutspur führte zu einem benachbarten Wege, wo sich ebenfalls eine Blutlache befand. Eine weitere schwere Bluttat wurde im Laufe der Aacht zum Sonn­tag in Niedane bei Ratibor verübt. Als ben bort ansässige verheiratete Kaufmann Alfred -R u s k e den Hof betrat, um aus einem Schup* Pen Kohlen zu holen, wurde er von einem unbekannten Mann angefallen und durch