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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.
Ur HO Erstes Blatt ISO. Fahrgang IHontag, 12. Illai 1950
GieMer Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Zenirumspoliiik in Preußen.
Ein befriedigendes Factt. - Warnung an die Sozialdemokratie im Reich. - Krisis der Weimarer Koalition.
1. Juli an verdoppelt werden. Aus sozialen Gründen werden aber den Wünschen des Zentrums entsprechend für den leistungsschwachen Hausbesitz Milderungen eingefügt werden Diese sollen denjenigen Hausbesitzern zugute kommen, die in ihrem eigenen Hause Wohnoder gewerbliche Räume benutzen. Auch für Wohnungen, die ohne Schuld des Hausbesitzers
Berlin, 11. Mai. (CAB.) Der »Sozial- , demokratische Pressedienst" brachte am 2. d. M. eine Rotiz aus der Feder »eines Zentrumsmannes". Darin hieh es u. a., dah »kaum ein Tag vergehe, ohne dah der von einem Privatmann herausgegebene sogenannte »Pressedienst der Zentrumspartei" nicht unter irgendeinem Vorwande einen Angriff gegen das Reichsbanner richte, dah diese Aeuherungen »unmahgebliche Auslassungen eines kleinen Zeitungsschreibers wären' usw. Wörtlich hieh es dann weiter: »Es kläfft nun schon seit Wochen, ohne dah sich auch nur eine mahgebende Instanz des Zentrums um sein Geschrei gekümmert oder gar danach gehandelt hätte. Tatsächlich denkt man im Zentrum gar nicht daran, den Zentrumsmitgliedern den Austritt aus dieser Organisation zu empfehlen, weil dieser Empfehlung niemand Folge leisten und man nur tauben Ohren predigen würde." _ _
Zu diesen Auslassungen erhält die »Derrn a n i a" aus Kreisen des g e s ch ä f t s s ü h r e n- den Reichsparteivorstandes der Deutschen Zentrumspartei nachstehende Erklärung: „Die Reichsparteileitung der Deutschen Zentrums- Partei legt Wert darauf, zu bekunden, dah dieser „Zentrumsmann" des Sozialdem. Pressedienstes keinerlei Mandat hat und haben kann, im Ramen der Reichsparteileitung oder irgendwelcher sonstiger Instanzen der Zentrumspartei zu sprechen oder deren Meinung zu interpretieren.
wenn der „Pressedienst der Deutschen Zentrumspartei" in der letzten Zeit verschiedentlich, und zwar nicht etwa unter irgendeinem Vorwand, sondern auf Grund besonderer Vorfälle, ernste und dringliche Mah -
leer stehen, sollen diese Milderungen eintreten. Der Umfang der Erleichterungen wird nach Ortsklassen gestaffelt. Die Regierungsparteien werden ein Initiativgesetz beantragen, das sofort nach Wiederzusam. mentritt des Landtages am 19.Mai dem Haupt- ausschuh überwiesen werden soll. Die Neuregelung wird sich in einer 4 - o.h.- Erhöhung der gesetzlichen Miete auswirken.
Zentrum und Reichsbanner.
Die Grubenkatastrophe bei Bienenburg.
Schienenstränge bei Vienenburg, wie zu einer Berg-
und Talbahn verzerrt.
n u n g c n an die Leitung des Reichsbanners hat ergehen lassen, so entsprach dieses Vorgehen den Intensionen der Parteileitung. Auch sie stellt mit grohem Bedauern fest, dah örtliche Reichsbannerorgani- sationen oder Redner in Reichsbannerversamm- lungcn, namentlich feit der Umbildung der Reichsregierung, ein Verhalten an den lag legen, das m i t einem überparteilichen Charakter in fchrof- fem widerfpruch stehl.
Die Reichsparteileitung der Deutschen Zentrumspartei hat bislang ihren Anhängern die Zugehörigkeit zur Organisation des Reichsbanners f r e i g e st e l l t. Sie hat von sich aus weder den Beitritt empfohlen noch von ihm abgeraten. Bei einer weiteren Entwicklung des Reichsbanners im Sinne einer ausgesprochen sozialdemokratischen Organisation würde sie allerdings diejenigen Folgerungen ziehen müssen und es auch tun, die sich nach gewissenhafter Prüfung der Sachlage für sie ergeben. Ob sie dann „tauben Ohren predigen" und „niemand" ihrem Rufe Folge leisten würde, das würde sich bann ja zeigen. Einstweilen wird es Sach- der Leitung des Reichsbanners sein, das Rotwendige zu tun, um den statutarisch vorgeschriebenen Charakter der Organisation allerorts auch dann sicherzustellen, wenn die Sozialdemokratie nicht mit den anderen im Reichsbanner heute noch vertretenen Parteien in einer Regierung ist. Irn Hinblick hierauf bestehen die Mahnungen und Warnungen des „Pressedienstes der Deutschen Zentrumspartei" zu Recht und sind keineswegs .ein Spiel auf eigene Fau st."
Berlin, 11. Mai. (WTB.) Das preuhische Zentrum trat heute im ehemaligen Herrenhaus zum 4. preuhischen Parteitag zusammen, auf dem Dr Heh als Vorsitzender der Landtagsfraktion den Bericht über die politische Lage in Preußen erstattete. Die sogenannte Länderkonferenz habe Klarheit darüber geschaffen, daß für eine Reuaufteilung des Reiches und Z ersch lag ung Preußens eine parlamentarische Mehrheit nirgends zu haben ist. Die Zentrumssraktion de« Landtages bleibe bei ihrer Ueberzeugung, daß es für Deutschland kein Segen wäre, wenn man versuchen wollte, an feiner Struktur etwas Wefentliches zu ändern. Der staatspolitische Aulbau der jungen preußischen Republik habe sich ruhig und stetig vollzogen. Bei der ewigen Un- ruhe im Reich sei es von unberechenbarer politischer Tragweite gewesen, dah die Kurve der politischen Linienführung in Preußen von Fieber- schwankungen so gut wie freigeblieben sei. Die preußische Zentrumssraktion orientiert sich grundsätzlich natürlich zunächst an den Verhältnis! en in Preußen selbst. Anderseits möchte ich allerdings auch keinen Zweisel darüber lassen, dah die Orientierung unserer Politik in Preußen ebenso gut durch andere Umstände beeinflußt werden kann.
3n weiten streifen der Zentrumspartei wird augenblirflid) die Frage erörtert, wie die preu- hifche Zentrumsfraktion sich zu der Oppofi- lion der Sozialdemokratie im Reich gegen das Kabinett Brüning zu stellen gedenke. Cs wird wohl nicht verkannt werden können, dah fowoht der Mangel an Verantwortungsgefühl bei der Sozialdemokratie im Reich, wie auch die rürf- fich« »lofe Form der Opposition, die seit Wochen in der ganzen sozialdemokratischen Presse getrieben wird, für das staatspolitische Zusammenarbeiten der jetzigen Koalition in Preuhen zum mindesten nicht förderlich ist.
Es muh durchaus anerkannt werden, dah der preuhische Ministerpräsident für die von uns erhobenen Beschwerden alsbald volles Verständnis bekundet hat. Ob seine Einsluhnohme nach dem Reich hin von Erfolg begleitet fein wird, bleibt abzuwarten. Der große Erfolg des Zentrums war das Konkordat. Der Zentrumspartei ist es hier zum ersten Male in ihrer stolzen Geschichte vergönnt gewesen, eine große parlamentarische Aktion in unmittelbarer Verbindung und in engster Gemeinsamkeit mit dem Heiligen Stuhl durchzukämpsen. Der sozialdemokratische Kultusminister in Preußen ist ein unbequemes Minus, wenn dies auch gegen das überragende Plus des Konkordates in den Hintergrund zu treten hat. Solange der deutsche Katholizismus sich eine starke politische Vertretung zu wahren versteht, dürste es ausgeschlossen erscheinen, daß man über die Respektierung berechtigter Ansprüche der katholischen Kirche zur Tagesordnung überzugehen versucht. Die Dolkspartei habe es sich selbst zuzuschreiben, wenn die bestehende Koalition förmlich zusammengeschweißt wurde gegen eine ziffernmäßig fast gleich starke Opposition. Zu stürzen sei sie nicht, es sei denn durch sie selbst. Andererseits könne sie auch nicht als ein vollbefriedigender Zu st and an- gesprochen werden. So wie die politischen Macht- Verhältnisse in Deutschland gelagert sind, wäre im allgemeinen die Form der Großen Koalition das Vernünftigste.
Zum Schluß kam der Abgeordnete Heh noch einmal auf die systematische Agitation der Sozialdemokraten gegen das Kabinett Brüning und aegen die Person des Reichskanzlers zu sprechen. Auch der preuhische Ministerpräsident Braun, gcwih ein Staatsmann von Format, habe sich mit Ernst aegen diese unpolitische Hetze gewandt, aber der Appell Brauns, der offenbar in erster Linie an die f031 al- demokratische Presse gerichtet worden sei, sei von dieser in keiner Weise befolgt worden.
Auch unsere Gutmütigkeit hat ihre Grenze. Wenn es der sozialdemokratischen Parteileitung nicht gelingt, ihre Presie auf eine einheitliche und gesunde Staatspoliiik umzu- flellen, bann können wir letzten Endes auch nicht mehr mitmachen. Es muh an dieser Stelle allen Ernstes betont werden, dah wir das Gefühl haben, als wenn die Koalition in Preuhen durch bie fozialbemokra- tifche Preffe auseinandergetrie- b e n werben folle.
Oie Deckung des Defizits in Preußen.
Bierprozentige Mietsteigerung.
Berlin, 10. Mai. Die interfraktionelle Sitzung der Regierungsparteien im Preußischen Landtag führte zu dem Ergebnis, daß der Vorschlag des Finanzministers zur Deckung des Etatsdefizits grundsätzlich Annahme fand. Die ®rUnvermögens ft euer wird also wahrscheinlich vom
Kann Vienenburg gereitet werben?
Berlin , 11. Mai. (CRB.) Zwischen der Preußischen Bergwerks- und Hütter-AG., der das durch ' den Wassereinbruch schwer beschädigte Kalibergwerk Vienenburg gehört, und dem zuständigen Ministerium finden eingehende Verhandlungen über das weitere Schicksal des Bergwerks statt. Auf die Rachricht von dem Unglück war der Generaldirektor der »Preussag , Geh Rat Röhrig, mit seinen technischen Mit
arbeitern sofort nach Vienenburg gefahren und hat unter Hinzuziehung von Vertretern des Oberbergamts und der Geologischen Landesanstalt persönlich die Verhältnisse untersucht. Rach seinen Berichten besteht die Hoffnung, wenigstens den Schacht!!! zu retten, eventuell auch Schacht II wieder in Betrieb zu setzen, da zunächst kein weiterer Einbruch von Wasser mehr festzustellen war Das Schicksal des Schachtes! ist weniger wichtig, da dieser Schacht schon seit längerer Zeit stillgelegt war^ Für den preußischen Staat, der Besitzer der Preußischen Bergwerks- und Hütten-AG. ist, stehen Mtllto-
nenwer te aus dem Spiel. Das Werk Vienenburg dürste in der Preussag-Bllanz nut etwa 15 Millionen Mark zu Buche stehen.
Von den Ingenieuren der Preussag sind Messungen und Untersuchungen der weiteren Umgebung Vienenburgs vorgenommen worden. Dabei hat sich herausgestellt, dah der Wasser- einbruch durch den Okerfluß verursacht worden ist, der in der Rähe des brockens entspringt, und der bei der Ortschast Wiedelah seit einigen Tagen versiegt ist. Offenbar hat
Querschnitt durch ein Kalibergwerk. (Ganze Schachte eines solchen Bergwerks bei Dienen, bürg wurden durch den Erdrutsch völlig unter Wasser gesetzt.)
das Flüßchen eine unterirdisch« Höhlung in der Rähe der Gruben ungefüllt, so daß das Wasser von dort sich einen Durchbruch nach dem Schacht I gesucht hat. Die Frage ist nun, ob es gelingen wird, eine Umleitung der Oker herzustellen oder die Ein- bruchssteue derartig nach unten hin abzudämmen, dah in Zukunft weitere Durchbrüche des Flusses vermieden werden können. Die Grubenleitung soll entschlossen sein, die Rettung der Schächte unter allen Umständen zu versuchen. Ob der Betrieb eingestellt werden muh oder aufrechterhalten werden kann, wird davon ab» hängen, ob die Riesenzuflüsse von Wasser sich sortsehen oder sich von selbst verstopfen. Die Veränderungen werden fortlaufend untersucht.
Daß ein Wassereinbruch in solcher Form auftreten'tonnte, kommt daher daß von den Anlegern des Bergwerks seinerzeit Fehler gemacht worden sind. Die Gesellschaft ist erst 1906 vom preußischen Staat übernommen worden. Heute würde man die Schächte ganz anders anlegen, als si« damals angelegt worden find. Die Preussag hat versucht, die Schächte gegen eventuelle Wassereinbrüche abzudichten. Der Wassereinbruch ist darauf zurückzuführen, daß der S a n d st e i n , der an sich die Wasserzuflüsse regelt und nicht mehr als höchstens fünf bis zehn Liter pro Minute durchlößt, von den Anlegern der Grube an mehreren Stellen verletzt worden war, so daß er nicht mehr genügend Schutz bot. Das Wasser drang bis in die tiefste Sohle durch und erreichte so nach Der- nichtung des Schachtes I auch die Schächte II und III. Der heutige Befund spricht dafür, daß sich die Wasserzugänge verstopft haben, daß es also gelingen wird, die Schächte II und III zu retten. Die Gefährdung des Eisenbahnbetriebes, die infolge des Unglücks herbeigeführt ist, kam daher, daß Erdfälle besonders im Bereich des Schachtes I eingetreten sind, die zu einer teilweisen Zerstörung der Güterbahnstrecke bei Vienenburg geführt haben. Man wird dazu Übergehen, die Strecken wieder freizugeben mit Ausnahme der Güterstrecke, die erst instandgesetzt werden muß. Die Belegschaft des Bergwerks wird in einer erheblichen Zahl bei den Abdichtungsarbeiten von Schacht III zu Schacht II, bei den Aufräumungsarbeiten und auf den benachbarten Werken der Preussag beschäftigt werden, so daß eine allgemeine Arbeitslosigkeit nicht befürchtet zu werden braucht.
Neuer Wafferembruch.
Berlin, 12. Mai. (CRB.) Die der „Montag" aus Bienenburg berichtet, ist nach den neuesten Feststellungen das Dasser in Schacht II des Kalibergwerkes wieder um etwa 80 cm gediegen. Auch ist auf der großen Einbruchstelle am Schacht I ein Nachschub von etwa 100 c b m Erde erfolgt. Man hat begonnen, an bet Einbruchstelle bas Erdreich durch Sprengfdjüffe zu lösen und in die liefe zu senken, um seslzuslellen, ob roei- tere Senkungen erfolgen. Die Brunnen im ganzen Kreise Bienenburg sind versiegt. Der Haupt- trichter an der Schachtstraße hat sich nach unten geöffnet Bon dem hineingestutzten Kraftwagen ist nicht mehr viel zu sehen. Am „Finkenherd" ist ein neuer Lrdstur; erfolgt Das ösL,


