Ur. 60 (Elftes Blatt
180. Jahrgang
Mittwoch, 12. März 1930
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Die Illustriert, (Siebene» Famllienblütter
Heimat im Bild Die Scholle
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Annahme der Vounggesehe in Zweiter Lesung.
Das Zentrum stimmt zu, nachdem der Reichspräsident bestimmte Zusicherungen für die Durchführung der Finanzsanierung gegeben hat. - Auch das Liquidationsabkommen mit Polen wird angenommen.
Zm Reichstag konnten am Dienstag nun endlich die ersten Abstimmungen über die Pounggesetze steigen. Im Hause selbst herrschte eine drangvoll fürchterliche Enge, wie sie nur an großen Tagen zu beobachten ist, das Reichskabinett war fast vollzählig unter der Führung des Kanzlers erjchie nen. auch die Fraktionen hatten beinahe den letzten Mann auf die Beine gebracht Ebenso stark wie der Sitzungssaal waren auch die Tribünen besetzt. Verschiedene Diplomaten hatten es sich nicht nehmen lassen, dieser ersten Abstimmung über die Poungyesetze beizuwohnen, auch das Publikum hatte sämtliche Tribünenplätze mit Beschlag belegt Selbstverständlich fehlten die Vertreter der.in- und ausländischen Presse nicht, die auf der Pressetribüne Kopf an Kopf standen, so daß kaum eine Stecknadel zur Erde fallen konnte Die immer wieder hinaus- geschobenen Austimmungen begannen aber nicht unmittelbar nach der (Eröffnung der Sitzung Man ließ sich etwas Zeit und erledigte zunächst einige Kleinigkeiten, die die Tagesordnung schmückten Dann aber war der Augenblick gekommen, der von den Parteien eine klare Stellungnahme verlangte. Das Zentrum ließ erklären, daß es auf Grund der jüngsten finanzpolitischen Verhandlungen nun- mehr doch in der Lage sei, für die Pounggesetze zu stimmen. Lebhafte Aha!-Rufe auf allen Seiten des Hauses begleiteten diese Festellung. Die Bayerische Volkspartei dagegen ließ sich vom Zentrum nicht ins Schlepptau nehmen. Sie erklärte sich noch nicht für zufriedengestellt und verkündete Stimmenthaltung Dann begaben sich die Reichs- tagsdiener mit den Urnen in den Sitzungssaal hin- unter, sammelten die Karten ein Darauf erfolgte Auszählung Allzu groß war die Spannung allerdings jetzt nicht mehr, wobei Ueberajchungen nicht zu erwarten waren
Sitzungsbericht.
Berlin, 11. März. (D. D. Z.) Präsident Lobe eröffnet die Sitzung der Reichstags mit der Mitteilung von dem Eintritt des Abgeordneten Bart- schat (Dem.) an Stelle des ausaeschiedenen Abgeordneten Hellpach (Dem.). Der Wohnungs- ausschuß beantragt, die Rovelle zum Gesetz über den
Geldentwertunasansgleich bei bebauten Grundstücken
entgegen dem Einspruch des Reichsrcstes in der vom Reich tag beschlossenen Fassung nunmehr mit qualifizierter Mehrheit nochmals an- zunchmen. Es handelt sich dabei um den Rückfluß aus den Hauszins st euerhypo- theken und um die Verwendung dieser Mittel ausschließlich für den Wohnungsbau.
Abg. Lipinski (Soz.) erklärt als Berichterstatter, die Rückflüsse au8 den Hauszinssteuerhypotheken würden jährlich 1 2 0 b i s 150 Millionen ergeben, also einett recht erheblichen Betrag, mit dem der Wohnungsbau wesentlich gefördert werden könnte.
Abg. Troßmann (B. D. P.) äußert in TIebercinstimmung mit dem Reich ^ratseinspruch Bedenken gegen die Aufrechterhaltung des Reichstagsbcschlusses. Es sei zu befürchten, daß mit dieser Einschränkung der Befugnisse der Länder und Gemeinden der Wohnungsbau nicht gefördert, sondern gehemmt werde.
Abg. Tremmel (Ztr.) bezeichnet den Einspruch des Reichsrates als einen Versuch, die für den Wohnungsbau bestimmten Mittel a n - deren Zwecken zuzusühren. Das widerspreche dem Dolksintercsse. Der jetzt vom Reichsrat angefochtene Reichstagsbcschluß sei keineswegs ein Eingriff in die Rechte der Länder.
Der Ausschußantrag auf Ausrechterhaltung des früheren Reichstagsoeschlusses unter Zurück- weifung des Reichsratseinspruches wird dann in namentlicher Abstimmung mit 421 gegen 42 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Die bei solchen wiederholten Beschlußfassungen erforderliche qualifizierte Mehrheit ist damit erreicht. — Gegen 4-3'4 Uhr beginnen die
die Abstimmungen über die Houng-Gesehe.
Vorher verliest Abg. Dr. Brüning (Zentr.) folgende Erklärung des Zentrums: Da durch die neuerliche Entwickelung der Finanzverhandlungen, insbesondere aber auch durch die heute ab- gebenen bedeutsamen Erklärungen nunmehr d i e feste Gewähr gegeben ist, daß die die Voraussetzung für eine Zustimmung des Zentrums bildende sofortige Sicherung der Finanzen so erfolgen wird, daß rechtzeitig die erforderlichen Kasseneingänge fließen, hat sich die Zentrumssraktion in ihrer Mehrheit entschlossen, den vorliegenden Gesehen aus geiamtpolitischen Erwägungen ihre Zu- stimmung zu geben (Lärm und Lachen rechts) unter Erneuerung ihres Appells an alle zur Regierung stehenden Parteien, die zur Erreichung der unaufschiebbaren politischen Rotwendigkeit der Finanzsanierung erforderlichen Maßnahmen auf parlamentarischem Boden zu verwirklichen. (Unruhe rechts.)
Abg. Leicht (DVP.), der mit großer Heiterkeit vom Hause begrüßt wird, erklärt dann für
seine Fraktion. Da durch die neuerliche Entwickelung der Finanzverhandlungen zwar das Was, aber nicht das W i e uns genügend festgelegt erscheint, werden wir uns der Stimme ent- ) a [ t e u. (Allgemeine große Heiterkeit.)
Es folgt dann die namentliche Abstimmung über den Artikel 1 des Gesetzes über die Haager Konferenz. Darin wird dem Pariser Sachverständigenplan und den Vereinbarungen über iir Rhe nlan.räumung zugcsti.nmt Legen die Vorlage stimmen die Deutschnationalen, Rationalsozialiften, Eh.istlich-Rationale Arbeitsgemeinschaft, Wirtschaftspartei und Kom- muniften, während sich die Bayerische Volkspartei und die Deutsche Bauerirpartei der Stimme enthalten. Artikel 1 wird mit 263 Stimmen gegen 174 Stimmen bei 25 Enthaltungen angenommen.
Artikel 2, der die Rebenabkornrnen enthält, wird mit 261 gegen 173 bei 25 Enthaltungen angenommen.
In einfacher Abstimmung wird der Rest des Gesetzes angenommen unter Ablehnung der nationalsozialistischen Anträge, nach denen die Räu- mungsamnestie erweitert und die Rede des Außenministers Dr Eurtius öffentlich angeschlagen werden soll. Artikel 2 enthält die Zustimmung zur endgültigen Fassung des Sachverständigenplans und zu den Einzelvereinbarungen über die internationale Bank, die Moratoriums- tlaufel usw. Die Artikel 3 und 4 betreffen das deutsch-belgische Markabkommen und die Räu- mungsamnestie. Ein Antrag der Deutschnationalen, den verfassungsändernden Charakter der Vounggesetze festzustellen, wird abgelehnt.
Vor der Abstimmung über den Gesetzentwurf, der die Liquidationsabkommen mit den verschiedenen Mächten umfaßt, wird besonders in namentlicher Abstimmung entschieden über das in diesem Gesetzentwurf.enthaltene.deutsch-polnische Liquidati onsabkommen. Die Abstimmung ergibt die Annahme des Abkommens mit 224 gegen 206 bei 29 Enthaltungen. (Pfuirufe.) Mit 254 gegen 177 Stimmen bei 7 Enthaltungen wird das deutsch-englische Liqui-
dattonsa'okommen genehmigt. Auch die übrigen Liquidationsabkommen werden daraus angenommen.
Aus den amtlichen Abstimmungslisten ergibt sich, daß sich an der Abstimmung über den Gesetzentwurf über die Haager Konferenz, und zwar über den Artikel I, der die 3u ft immun g zum Voung-Plan und zur Rheinlandräumung vorsieht, drei Mitglieder der Fraktion der Deutschen Volkspartei nicht beteiligt haben und zwar die Abgeordneten v. Gilsa, H u e ck und K ö n g e t e r. Dom Zentrum haben sich die Abgeordneten Bornefeld - Ettmann und F e i k m a y r der Stimme ,enthalten, während der Abg. Dr. Föhr- Baden gegen die Voung-Gesetze gestimmt hat.
Bei der Abstimmung über das Polenabkommen haben sich die Abgeordneten Decker- ArnSberq und Gerig vom Zentrum, die Abgeordneten von Gilsa und Dr. Hugo von der Deutlchen Volkspartei, sowie der Abgeordnete Koch-Weser von den Demokraten nicht beteiligt - Der Stimme enthalten haben sich außer den Vertretern der Bayerischen Volkspartei, zwei volksparteiliche Abgeordnete, nämlich Dr. Becker- Hessen und ©ramm, sowie elf Abgeordnete des Zentrums, nämlich die Abgeordneten Crone-Münzebrock, Dr. Drees, Feilmayr, Hofmann-Ludwig Hafen, Dr. Klöckner, Dr. Krone, Reyses, Dr. Schreiber, Tremmel, Frau Weber und Wilkens. Gegen das Polenabkommen haben acht Abgeordnete der Deutschen Dolks- partei und 18 Abgeordnete des Zentrums gestimmt und zwar von der Deutschen Volks- Partei die Abgeordneten Günter, Dr. Hofs, Hueck, Janson, Köngeter, Dr. Leutheußer, Schmid-Düsseldorf und Dr. Schnee, vom Zentrum die Abgeordneten Beck-Oppeln, Blum- Krefeld, Dorneseld-Ettmann, Diez. Damm, Ehrhardt, Fahrenbrach, Dr. Föhr-Baden, Hartwig- Oppeln, Dr. Hermes, Jmbusch, Dr. Köhler, Reumann, Dr. Perlitius, Dr. Schetter-Köln, Schlack, Ulitzka und Warnke.
Ist die Regierungskrise vertagt?
Die Reichsreg erung hält an ihrem Jinanzprogramm fest. - Kein Ultimatum an die Vortöpartei.
Oer Reichspräsident greift ein
Die Zustimmung des Zentrums zum ?)oungvlan
Berlin, 11. März. (ERB.) Der Reichspräsident empfing heute mittag den Vorsitzenden dec Zentrumsfraktion des Reichtages Dr. Brüning, lieber die Unterredung wird aus Zentrumskreisen mitgeteilt, daß der Reichspräsident erkennen lieh, dah eine Annahme des goungplans mit einer nur geringen Mehrheit ihn vor die Frage stellen würde, ob der Joungplan erneut zum Volksentscheid gestellt werden soll Der Vorsitzende der Zentrumssraktion betonte, dah die Zentrumsfraktion aus vaterländischem verantwor- tungsbewuhlsein unbedingte Sicherheit dafür haben müsse, dah rechtzeitig die Gesetze zur Sicherung der Reichsfinanzen in Kraft treten. Der Reichspräsident erklärte darauf, bah er ö o n derselben Notwendigkeit überzeugt sei und dah er von allen oerfassungs- mähige n Mitteln Gebrauch machen werde, um die rechtzeitige Regelung der Finanzfragen zu verwirklichen.
Der Vorsitzende der Zenlrumsfraktion gab in einer daraus folgenden Sitzung der Fraktion von dem Inhalt dieser Unterredung mit dem Reichspräsidenten Kenntnis, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, befchloh das Zentrum bei der Reichstagsabstimmung über den Zoungplan nunmehr dem plan zuzu stimmen, da inzwischen von mah- gebendster Seile der Fraktion Sicherungen gegeben sind, dah die Finanzsanierung bis zum 1 April entsprechend den Forderungen des Zentrums durchgeführt wird.
Oos Finanzprogramm der Weimarer Koalition.
Fortfall der Hap talertragsstcuer. Besteuerung von Lurusgctränken. — Die Lteuer.cnknngcn.
Berlin, 11 März. (OB.) Das Finanzprogramm, auf das sich die vier Parteien der Weimarer Koalition geeinigt haben, schlieht sich in den wesentlichen Punkten dem Programm Mol- denhauers und der Reichsregierung an. Vie größte und wichtigste Verschiebung in dem Programm ergab sich aus der Notwendigkeit, mit
der Bayerischen Volkspartei eine andere Regelung der Biersteuererhöhung zu finden. Ferner haben sich, wie die „Germania" berichtet, die vier Parteien auf eine in dem ursprünglichen Finanzprogramm nicht vorgesehene Maßnahme von großer Bedeutung einigen können. Es ist nämlich gelungen, eine Vereinbarung darüber zu treffen, dah d i e Kapitalertrags st euer für festverzinsliche werte ab 1.Oktober beseitigt werde. Diese Mahnahme ist deshalb von groher Bedeutung, weil sie die Anlage des ausländischen Geldes in festverzinslichen werten erheblich erleichtert. Der durch diese Beseitigung ausfallende Betrag soll dadurch gedeckt werden, dah auch die erste Einfuhr, die bisher umsatzsteuerfrei war, von diesem Zeitpunkte an der Umsatz- ft e u e r unterliegt. Die Besteuerung der Mineralwässer hat den Wunsch auskommen lassen, auch Luxusgetränke mit einer geringen Steuer zu belegen bzw. die bereits vorhandenen Steuern zu erhöhen. So soll die S e 11 ft e u e r bei einem Flaschenpreis bis zu 10 Mark von einer Mark auf 1,50 Mark erhöht werden und in den höheren Preislagen von 1,50 auf 2 Mark. Ferner sollen Qualitätsweine in Flaschen in der Form einer O^meinöege- tränteffeuer mit einer geringen Steuer belegt werden Offene und billige weine werden von der Steuer nicht betroffen. Ueber diese beiden Punkte sind noch keine endgültigen Vereinbarungen getroffen. Es ist auch gelungen, über die sehr umstrittene Frage der gesetzlichen Sicher ft ellung der für 1931 geplanten Steuersenkungen durch eine von allen Parteien angenommene Formulierung Hinwegzukommen. Man kam dahin überein, für den (Etat des Jahres 1931 im ordentlichen haushalt Steuersenkungen in höhe von 600 Millionen Mark vorzunehmen, sofern bis zum 3 1. März 1931 weitere 5 0 0 Millionen Mark schwebende Schuld in langfristige Anleihen umgewandelt sind. Ferner soll die Reichsregierung im Einvernehmen mit dem Reichssparkommissar ein Sparprogramm ausarbeiten, das dem Reichstag vorgelegt werden soll.
Oie Regierung behalt die Initiai've.
Moldcnßauers Programm wird dem Rcichsrat vornelegt.
Berlin, 11. März. (VDI.) Gegen 3 Uhr nachmittags begannen im Reichstage die interfrahio- nellen Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern der sogenannten Weimarer Koalition. Demokraten und Zentrum (jähen in ihren oorangegangenen Fraktionssihungeu beschlos. sen, dem neuen Finan; plan jujuftira- m e n , während die Sozialdemokraten sich nur z u weiteren Verhandlungen bereit erklärten, ihre Bedenken gegen Einzelheiten, namentlich gegen die geplanten Steuersenkungen aber aufrechterhielten. Die Besprechung des Reichskanzlers mit den Parteiführern der Regierungsparteien ohne Deutsche Volkspartei war nur von kurzer Dauer. Der Reichskanzler nahm die Vorschläge dieser Parteien für das Deckungsprogramm entgegen und erklärte, die Vorschläge p r ü - sen zu wollen-
3n der Sitzung der vereinigten Ausschüsse des Reichsrates, in der mit der Beratung der neuen Steuergesehe begonnen wurde, erklärte der Reichsfinanzmini st er: Die Reichsregierung habe dem Reichsrat ihre Deckungsvorlage zur Beschlußfassung vorgelegt und nur diese Gesetzesvorlage sei Gegenstand der Verhandlungen. Er gebe diese Erklärung sowohl als Reichsfinanzminister wie auch im Kamen des Reichskanzlers ab, der ihn ausdrücklich zu ihr ermächtigt habe. Die Regierung werde die Vorlage, wenn sie durch den Reldjsraf verabschiedet sei, a v den Reichstag bringen Die zur Zeit im Gange befindlichen Besprechungen zwischen ei n- je Inen Parteigruppen hätten, wenn überhaupt, so lediglich für die Haltung der Parteien Im Reichstag Bedeutung. Die Regierung denke nicht daran, in dieser Frage d l e Führung aus der Hand z u geben.
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Der Film der Parlamentarischen Entwicklung zeigt durch diese Erklärungen heute wieder ein ganz anderes Bild: Rach allgemeiner Auffassung ist die Krise vertagt. Der Reichskanzler hat sich daraus beschränkt, den Bericht entgegenzunehmen, den die Vertreter der vier Parteien der Weimarer Koalition ihm über ihre Einigung erstattet haben. Er hat darauf verzichtet, der Deutschen Volkspartei diesen Vorgang offiziell zur Kenntnis zu bringen und damit die Krise im Augenblick vermieden. Die heutigen Abstimmungen bei der zweiten Lesung des Boungplanes haben außerdem gezeigt, daß der Voungplan auch bei der morgigen dritten Lesung glatt über die parlamentarische Bühne gehen wird, da die Bayerische Volkspartei, die sich heute der Stimmen enthalten hat, im Laufe des Abends erst über ihre endgültige Haltung Beschluß fassen will. Jedenfalls hat auch das Abstimmungsergebnis dazu beigetragen, daß die ganze Lage im Reichstag wesentlich ruhiger angesehen wird. Cs ist damit zu rechnen, dah der Moldenhauersche Finanzplan anfangs nächster Woche im Reichstag eingebracht wird. Es wird sich dann fragen, ob die Parteien der Weimarer Koalition schon bei der ersten Lesung ihr Programm entweder a l S Abänderungsanträge oder als Initial ivgesehentwurs vorlegen oder ob sie erst in oder nach den Ausschuhverhandlungen hervortreten. In parlamentarischen Kreisen beurteilt man diesen Zeitgewinn als ein günstige- Zeichen.
Oie Reichspolizeiftunde.
Tas Gaststättengcsetz im Reichstagsansfck uh.
Berlin, 11. März. (VDZ.) Bei der Weiter- Beratung des Gaststättengesetzes im Volkswirtfchaft- lichen Ausschuß des Reichstages wurde gegen den scharfen Protest Preußens der Beschluß erster Lesung b e ft ä t i g t, wonach im ganzen Reiche um 1 Uhr Polizeistunde sein soll. Die obersten Landesbehörden dürfen Ausnahmen zulasten. Für diese Vorschrift stimmten Sozialdemokraten, Zentrum, Kommunisten und die Abgeordneten Dr. Strachmann (Dnl.) und Dr. Mumm (Chr.-Rat.).
Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages hat sich also nicht dazu aufraffen können, seinen Beschluß über die Cin-Uhr-Reichspolizei- stunde rückgängig zu machen. Er hat ihn allerdings etwas abgemildert. In Zukunft soll die Ein-TIHr-Polizeistunde die äußerste Greirze sein, die aber überschritten werden kann, wenn besondere örtliche Verhältnisse eine Ausnahme rechtfertigen. Die oberste Landesbehörde oder die ihr untergeordneten Stellen sollen bestimmen.


