Ausgabe 
11.11.1930
 
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Gegen die Tabaksteuererhöhung.

Im Hessischen Landtag hat der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Werner folgenden Antrag ein» gebracht:

Die von der Regierung Brüning geplante außer­gewöhnliche Erhöhung des Tabakzolls von 80 auf 4 0 0 Mark je Doppelzentner muß mit Rücksicht auf die verheerenden Folgen einer solchen Maßnahme für Hunderttausende von Unter­nehmern, Angestellten, Arbeitern, Händlern, Ver­tretern usw. entschieden bekämpft werden. Das Ergebnis für die Reichsfinanzen wird selbst bei einer so enormen Verteuerung des Rauchtabaks und der Zigarren sehr gering fein, weil der Verbrauch an Tabakwaren reißend abnehmen muß, wodurch natur, gemäß auch die Arbeitslosigkeit zu- nimmt. In Ansehung der großen Bedeutung der Tabakindustrie für das Hessenland beantrage ich einen Beschluß des Landtags, der die hessische Regierung auffordert, bei der Reichsregierung gegen die ge­plante Tabakzollerhöhung sofort energisch Ein- s pruch zu erheben.

in wirtschaftlichen Gründen bedingt und eine Seite des großen internationalen Arbeitslosen- problemS ist. Es ist deshalb eine Utopie, zu glauben, man könne durch schulorganisatvnsche Maßnahmen wie die Einschränkung der Zahl der Schulen diese Erscheinung beseitigen. Sie 'st not- gedrungen entstanden, weil die jungen Men­schen keine Hntertunft im Berufsleben fanben; sie wird von selbst verschwinden, wenn die Wirt­schaft wieder erstarkt uünd ein Angebot von Ar­beitskräften erheischt. Es ist ein übles politisches Kurpfuschertum, wenn man einen Volkswirtschaft- lichen Krankheitszustand dadurch peilen zu können wähnt, daß man an seinen schulischen Aus­wirkungen herumkuriert-

Wie steht es nun mit den Ersparnissen, die durch die neuen 2lbbaupläne erreicht werden sollen? Was würde für die Staatssinanzen etcha bei der Befolgung des radikalen Rezeptes des Landbundes gewonnen werden? Die Schüler der aufgehobenen Schulen würden zum Teil in andere höhere Schulen Hessens übertreten. Run sind aber bekanntlich infolge der früheren Sparmaß­nahmen die Klassen der höheren Schulen Hessens im Durchschnitt schon über das noch erträgliche Maß hinaus aufgesüllt. Ein Zustrom neuer Schüler würde also in den meisten Fällen zur Teilung von Klassen führen: die Ersparnis ist recht illusorisch. Das Ergebnis wäre auch ne­gativ, wenn die Schüler der abgebauten höheren Schulen in die Volksschulen übertreten würden, weil die Klassen der Volksschule ebenso überfüllt sind wie die der höheren Schule. Die Ersparnis wäre in diesem Falle noch aus einem anderen Grunde problematisch: dem Thüringer (I) Gut­achten des Reichssparkommissars ist zu entnehmen, daß der Zuschuhbedarf für die hessischen höheren Schulen, auf den Kopf der Bevölkerung ausge­schlagen, unter'dem Reichsdurchschnitt liegt, während der Alschußbedarf für die hessischen Volksschulen sich auf das Doppelte des Reichs­durchschnitts beläuft. Und wenn die ehemaligen Schüler einer abgebauten höheren Schule sich sofort einem Beruf zuwenden? Dann würde sich bei der heutigen Lage das Heer der Arbeits­losen noch vermehren, dem Staat würden neue Lasten erwachsen.

Auch vom sozialen Standpunkt auS sind die schwersten Bedenken gegen die vom Landbund empfohlene gewaltsame Methode zu erheben. Wer wäre der Leidtragende, wenn das Reh von höhe­ren Schulen, das sich fetzt über Hessen ausspannt. weitmaschiger würde? Der finanziell leistungs­fähige Vater würde auch dann nach kraft dieses Vorteils Mittel und Wege finden, seinem Sohn eine höhere Schulbildung zuteil werden zu lassen. Aber der finanziell Schwächere müßte oft darauf verzichten, sein Kind, das vie''"icht über beste An­lagen zu einer vertieften geistigen Bildung ver­fügt, einer höheren Schule zu^u, uhren. Der Vor­schlag, die Zahl der höheren Schulen zu vermin­dern, die jetzt über daS Land so verteilt sind, daß sie dem Begabten bei möglichst geringen finanziellen Aufwendungen seiner Eltern den Auf­stieg zur höheren Bildung ermöglichen, klingt wie ein Hohn aus den Artikel 146 der Reichsver- sassung, wie eine Verleugnung einer Grundidee des heutigen Staates.

Auf die Pläne der Regierung trifft dasselbe zu, toafl eben zu den Vorschlägen des Landbun­des gesagt wurde, soweit diese Pläne auf den Abbau von Schulen zielen. Den Absichten der Regierung, eine wettere und einschneidende Ver­minderung der Zahl der Lehrkräfte vorzunehmen, ist mit allem Rachdruck entgegenzuhalten, daß be­reits die Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre und dieses Jahres zu einer das Werk der Er­ziehung und des Unterrichts auf Schritt und Tritt hemmenden Höhe der Klassenbesuchsziffer und zu einer Ueberspannung der Belastung der Philolo­gen gesührt haben, die auf die Dauer nicht zu ertragen ist. Der hessische Philologe ist am Ende seiner Kraft. Wenn man ihm nun durch erneute Verminderung der Stellen noch mehr auf Würbet, dann muß darunter notgedrungen die Qualität und Intensität der Erziehungs- und Bildungs­arbeit leiden. Ein schematischer Stellenabbau führt zu einer Senkung der Bildungshöhe unseres Volkes.

Aus diesen Gründen lehnt die Berufsorganisa­tion der hessischen Philologen, der Hessische Phi­lologenverein, jeden schematischen und mechanischen Abbau im Bildungswesen ab. Dabei ist er durch­aus bereit, sinnvolle und gangbare Wege auffin­den zu Helsen, auf denen der Staat ohne Gefähr­dung der Bildungshöhe unseres Rachwuchses zu einer Ersparnis im höheren Schulwesen kommen kann. Einen solchen sinnvollen Wea stellt nach der Ueberzeugung des Hessischen Philologenver­eins die schärfere Betonung des Leistungsprin­zips der höheren Schule dar. Er hat auf Grund der Beratungen einer vor kurzem stattgefundenen Dertreterversammlung, die sich in einmütiger Ueberzeugung zu diesem Standpunkt bekannte, der Regierung Richtlinien unterbreitet, die eine wir­kungsvolle Möglichkeit zur Ausscheidung der für die höhere Schule ungeeigneten Schüler bieten und auf diese Weise zu einer organischen, aus der Bildungsaufgabe Der höheren Schule abgeleiteten Einsparung führen sollen.

In diesem Sinn leistet der hessische Pllologen- vereln positive Mitarbeit, um den Staatssinanzen jede zwecklose Belastung durch Ausgaben für das höhere Schulwesen zu ersparen. Sie sagt aber gleichzeitig vor aller Oeffentlichkit allen jenen schädlichen Bestrebungen schärfsten Kampf an, die nun zum vierten Male innerhalb kurzer Zeit die höhere Schule Hessens zum Gegenstand rein sche­matischer, in ihrem finanziellen Ergebnis recht zweifelhafter und dazu sozial bedenklicher Spar­maßnahmen machen.

(Stefantenpanif in London.

Aus Anlaß deS Lord-MayortageS sand am Montag in den Straßen Londons ein großer U m,z u g statt, der im Zeichen Der Weltreichs­tagung stand. An dem Festzug nahm auch eine Elefantengruppe teil Durch eine rot an- gestrichene Löwenfigur, die von Studenten ge­tragen wurde cheuten die Elefanten vlötzlich und gingen n*. erhobenen Rüsseln und unter lautem Trompeten gegen ihren vermeintlichen Feind los. Es entftanb ein riesiges Durch­einander. Die große Zuschauermenge flüch­tete, ebenso auch die Student en, die die Löwen­figur fallen ließen. Rund 50 Personen, zum größten Teil Frauen und Kinder, wurden in dem Gedränge verletzt. Ein Teil von ihnen mußte in Krankenhäuser überführt werden. Die Elefanten konnten schließlich wieder gebändigt werden. Schon vorher hatte sich an einer anderen Stelle ein ernster Zwischenfall ereignet, als einer der Elefanten plötzlich auf die Menge losglng, die entsetzt flüchtete. In diesem Fall lieh der Elefant seine Wul an einem Laternen­pfahl aus, bis er durch gütliches Zureden feines Wärters wieder beruhigt werden konnte. Die Elefanten nahmen zum erstenmal an dem all­jährlichen Umzuge teil. Sie sollten in ihrer bunten Aufmachung die Schätze Indien- ver­körpern. Die Zahl der Schaulustigen, die in den Londoner Straßen Ausstellung genommen hatten, ging in die Hunderttausende. Auch aus der Provinz waren große Menschenmassen her­beigeströmt, um sich Den Festzug anzusehen.

Strafkammer Gießen.

* G i e ß e n, 7. Rov. Auf dem hiesigen Wochen­markt wurde gelegentlich der Rahrungsmittelkon- trolle Butter beanstandet, die, wie die durch daS Chemische Untersuchungsamt vorgenommenc Un­tersuchung ergab, einen viel zu hohen Wasser­gehalt und dementsprechend einen zu geringen Fettgehalt hatte. Gegen den Verkäufer Der But­ter wurde wegen Vergehens gegen das Gesetz betreffend den Verkehr mit Butter usw. An­klage erhoben. Da das Amtsgericht Gießen den betreffenden Landwirt aus subjektiven Gründen reisprach, verfolgte die Staatsanwaltschaft gegen tiefes Urteil Berufung. In der heutigen Ver- Ijanblung kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß dem Angeklagten bei Anwendung der nötigen Sorgfalt der hohe Wassergehalt der Butter hätte

auffallen müssen. Unter Aushebung deS erst­instanzlichen Urteil- wurde et zu einer Geld­strafe von 20 Mk. evtl, zwei Tagen Hast ver­urteilt.

Wegen Diebstahls von zwei Windjacken war ein wiederholt vorbestrafter junger Mann durch da- Amtsgericht Bad-Rauheim zu zwei Mo­naten Gefängnis verurteilt worden. Seine gegen dieses Urteil verfolgte Berufung hatte inso­fern Erfolg, als dem Angeklagten der Diebstahl trotz erheblicher Verdachtsmomente nicht einwand­frei nachgewiesen werden konnte. Da seine Be­hauptung, er habe die Windjacke gesunden, nicht ausreichend zu widerlegen war, hielt das Gericht nur eine Fundunterschlagung für erwiesen und verurteilte ihnzuzweiWochenGefängniS.

Durch daS Amtsgericht Homberg war ein Kauf­mann wegen Betrug- zu 30 Mk Geldstrafe, evtl. 6 Tagen Gefängnis, verurteilt worden. Er hatte einem Landwirt versprochen, den ihm von diesem mltgcgetcnen Geldbetrag an dessen Gläu­biger abzullefern. In Wirklichkeit dachte er gar nicht daran, sondern war von vornherein gewillt, das Geld für sich zu behalten. Da der eigentliche Empfänger ihm noch einen größeren Geldbetrag schuldete. Das Gericht erblickte in diesem Ver­halten des Angeklagten ebenfalls eine betrü­gerische Handlungsweise und verwarf kostenfällig dessen Berusung.

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Durch kräftigen Baromctcranftieg über den briti­schen Inseln hat sich das Maximum des Hochdruck­gebietes nördlich oerlagert und zeigt über Irland annähernd 780 mm Luftdruck. Dadurch haben sich die Druckgegensäge erheblich verstärkt und die Iso­baren sind im Grenzgebiet zwischen hohem und tiefen Druck eng jufammengebrängt. Mithin werden unter lebhafter Lustbewegung kühle ozeanische Luft- massen nach Deutschland befördert, die besonders Im nördlichen Teil das Wetter ziemlich unbeständig gestalten. Mit dem noch anhaltenden Kaltluftzustrom wird zwar mit der Zeit das Hochdruckgebiet nach dem Festlande angesaugt, so daß für später eine Besserung zu erwarten ist. allerdings kommt es vor­erst noch zu wechselhaster Bewölkung, die durch Aufheiterung unterbrochen wirb; ganz vereinzelt finb leichte Schauer nicht ausgeschlossen. Die Ab­kühlung macht weitere Fortschritte.

Aussichten für Mittwoch: Wechselnde Bewölkung und Aufheiterung, weitere Abkühlung, vorübergehend auch leichte Schauer nicht aus­geschlossen.

Lufttemperaturen am 10. November: mittags 9,6 Grad Celsius, abends 7,3 Grad; am 11. November: morgens 6,7 Grad. Maximum 11,5 Grad, Minimum 5,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am W November: abends 8,4 Grad; am 11. November; morgen» 6,2 Grad Celsius. Niederschläge 0,6 mm.

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Eine Radpartie mit steifem Kragen und eilige-- $ schnürter Taille ... oh, köstliche Erholung! | Wo war da Freiheit der Bewegung? Wo Sinn för Zweckmäßigkeit? In dieser Zeit, wo alles {

unnatürlich alles verschroben war, kam man auf die Cigarette mit Mundstück. 30 Jahre später, wo alles sich frei bewegt alles zweck-* mäßig ist, raucht man ohne Mundstück,

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selbstverständlich ohne Mundstück J