ist, oder seine« Lehrers. Später hat er als ..unsichtbarer" Bühnenarbeiter — sür den japanischen Beschauer hinreichend „unsichtbar" gemach' durch schwarze Kleidung und schwarze Kapuze — bei offener Szene den Schauspielern behilflich zu sein, ihnen Sitzpolster unterzuschieben, ihre Kostüme in den schönsten Falten zu drapieren. „Leichen" beiseite zu schaffen, die Lampen zu regulieren. Hierbei, und indem er stets hilfsbereit im Schatten der großen Mimen hockt, hat er Gelegenheit genug, den Geist des noblen uralten japanischen Theaters durch alle Poren einzu- saugen, so daß er die erforderliche Begeisterung auforingen mag, um die schwere eigentliche Schule des Schauspielers durchzumachen, in welcher er neben Sprechen, Singen und Agieren noch Tanzen, Fechten und Akrobatik.
Der Natur der Asiaten gemäß erbt sich der Spielstil des großen Meisters im Lehrling fort wenn dieser mit etwa fünfzehn oder sechzehn Jahren dem Publikum als vollwertiger Schauspiele, vorgestellt wird, nimmt er den Familiennamen seines Vaters oder Meisters und einen poetischen Vornamen an, der ebenfalls unter denen der großen Meister der Vergangenheit ausgewählt wird. So gibt es heute z. B. für die ganz großen Schauspieler nur drei Namen: Ichikawa, Ichi- mura und Nakamura: und oft genug finde» man. daß ein Stück mit umfangreichem Per- fonenverreichnis ausschließlich von Nakamuras oder 3-j.,imura6 oder sonst einer einzigen Fa- » milk gespielt wird. 3a, es gibt Stücke, die seit alters nur von den Mitgliedern einer bestimmten Familie dargestellt werden dürfen. Das Spiel eines solchen Ensembles ist kein naturalistisches Spiegelbild des Lebens, sondern ein höchst stili- siertcs, ausgewogenes Werk, das einerseits an die Oper, anderseits an das Ballett gemahnt. Musik. Dichtung, Malerei, Schauspiel und Tanz sind im Kabuki zu einem Idealkunstwerk von selten gesehener Einheitlichkeit verschmolzen.
Ein Vertreter dieses Theaters ist auch T o k u - j i r o T s u t s u i, der nach einer triumphalen Tournee durch London, Paris und die anderen Großstädte Europas mit seinem Ensemble stach Deutschland kommt: nur daß er, geschickt und geschmackvoll wie er ist, dem europäischen Geschmack insoweit entgegenkommt, als er die weiblichen Nollen durch Schauspielerinnen darstellen läßt. Das eigentliche Kabuki kennt nur männliche Schauspieler: Frauenrollen wurden und werden von den Onnagata, den Frauendarstellern. gespielt. Das ist eine Maßnahme, zu der man sich bereits vor zweieinhalb Jahrhunderten entschloß, um die „moralische Anstalt" des Theaters auch tatsächlich moralisch reinzuhalten.
Das führende Theater des Kabuki ist dos Kabuki-Za in Tokio, das eine Bühne von 29 Meter Breite besitzt, wohl die größte Bühne der Welt. Merkwürdigerweise wird gerade dasjenige Theater Tokios, das den Namen Kaiserliches Theater trägt, zu Experimenten benutzt, allerdings zu Erperimenten ganz eigener Art. Man läßt da z. B. männliche Nollen durch weibliche Darsteller spielen, während die weiblichen Nollen durch Männer beseht werden: so wird ein heilloses Durcheinander erzeugt, durch das sich ein Fremder nicht mehr hindurchfindet. Man sagt, daß die weibcrseindliche Tradition des Kabuki in diesem Hous zugunsten einiger hochgestellten Frauenliebyaber durchbrochen wurde. Jedenfalls spielt das Kaiserliche Theater, das neben dem also vergewaltigten klassischen Theater hauvt- sächlich den billigen Schwank pflegt, künstlerisch eine ebenso geringe Nolle wie die drei oder vier anderen Theater ähnlicher Richtung, deren Parkett man daher auch hauptsächlich von Geishas bevölkert sieht, an die man Freikarten vergeben hat, damit irgendwoher „Leben in die Bude" kommt.
Ernster zu nehmen ist schon Kategorie 3 tm japanischen Theaterleben: das naturalistische moderne Theater, dos etwa dem Ibsentheater oder dem Hauptmanntheater deS beginnenden 20. Jahrhunderts entspricht. Man spielt da Problemstücke: Japaner im Kamps mit den Fragen, die ihnen die Entwicklung des Geistes und der Materie in den vergangenen Jahrzehnten vorlegt. Man spielt sie. da der Japaner ein geborener Schauspieler ist, gut. jedoch ohne jeden Stil, kraß naturalistisch und in der Allerweltssprache der Problemstücke unserer Zeit. Neben den japanischen Autoren spielt man dort auch sehr gern Tolstoi, Hauptmann Sudermann, selbst M e y e r - F ö r - sters „A l t - He i d e l be rg" hat dort noch entzücken können.
In einer engen Nebenstraße steht die Wellblechbaracke des „Kleinen Theaters" von Tokio, wird DaS ist die Dühne der gewagten Erperimente, da konnte man - ein Wagnis dos nur wenige, deutsche Theater. von den übrigen europäischen ganz zu schweigen, unternehmen würdenI — Wedekinds ..Frühlings Erwachen" völlig ungekürzt sehen, ferner Kaisers „Zweimal Oliver", E l a u d e l s „Tausch". Shaw, Toller und Hasenclever auf Japanisch. Dieselbe Truppe hat als bisher einzige in der Welt Remargues „ImWesten nichts Neues" dramatisiert zur Aufführung gebracht, die Zensur hat das Stück durchgelas- fen allerdings mit 97 Streichungen! Die Mitglieder dieser Truppe rekrutieren sich aus Studenten. Intellektuellen. Künstlern: ihre Tätigkeit ist rege, und alle Jahre werden Gastspiele in der Provinz unternommen.
Sagte ich nicht, das Theater sei ebenso zwiespältig, ebenso bunt und unfaßbar wie das ganze Leben in Japan? Dort spielt man noch tjon mittags bis mitternachts, vier bis fünf Stucke in einer Vorstellung, die Schauspieler gehen vor der Premiere an den Gräbern der von ihnen darzustcllenden Helden beten, damit von ihrem Geist ein Hauch auf sie komme, nach jedem Auftritt nehmen sic ein Dad, und sie fuhren diefelben Namen wie ihre Kollegen tm 17. oder 18. Jahrhundert, dort ist das Theater etn verlängertes Voschiwara: und hier wieder spielt man kühn die Stücke, an die selbst ein deutscher Theaterdirektor nicht ohne Scheu herangeht.
Was dos nun mit dem „Pferdefuß" auf sich hat? Der geringe japanische Schauspieler, der .Komparse", darf höchstens mit einem untalentierten Kollegen zusammen die vier Beine eines Dühnenpferdes aus Holz und Stoff mar- deren. Daher bezeichnet man gern die ganze D'lde spöttisch als „Pferdefüße". Aber wenn heute Nakamura Ganjiro oder ein an- öerer Fürst der japanischen Dühne Premiere hat, so lädt er die Botschafter, die Gesandten und andere prominente Fremde ein, und die höchsten unter ihnen empfängt er in der Garderobe. DaS
ist — durch die Allmacht der Kunst — aus den .Pferdefüßen' geworden, die man einstmals in trockenen Flußbetten ansiedelte, damit man sicher war wenn die Regenzeit kommt, wird man das Pack loSl
Rundfunkprogramm.
Sonnlag, 12. Oktober.
7 bis 8.15 von Homburg Hafenkonzert. 8.15 biS 9.15 Morgenfeier. 10 Orgelkonzert. 10.30. -Rhythmus, Musik und Erziehung", Vortrag von Iaques-Dalcroze 11 von Duisburg Rheinische Dichtertagung. 11.30: Stunde des Chorgesangs 12.55. Mittagsständchen. 14: Doktor Dolittles Abenteuer: Die schwimmende Insel. 15: Stunde des Landes 16: Nachmittagskonzert. 17: „Wein- herbst im Zobergäu" 18: „Rheinische Charakterbilder Joseph Görres". Vortrag von Privat- dozent Dr. Kurt Rheindorf. 18.25: „Rundfunt- oortrag und Rundfunkpublikum". 19.30 vorn Frankfurter Opernhaus Fidelio. 22.30: von Köln Letzter Teil des EndkampfeS um die deutsche Echwergewichtsmeisterschaft. 22.45 bis 0.30: Unterhaltungsmusik
Montag, 13. Oktober.
7.30 bis 8.30. Frühkonzert auf der Kino-Orgel. 11.30 von Hersfeld: Lullusfest. 13: Schallplattenkonzert. 16. Nachmittagskonzert. 18.05: „Wedekind-Erinnerungen", Vortrag von Universitäts- Professor Dr. Artur Kutscher, München. 18.35 Stunde der Bühne. 19.20: „Richter und Verteidiger", Gespräch zwischen Amtsgerichtsrot Dr. Alfred Unger, Berlin, und Rechtsanwalt Dr. Max Alsberg, Berlin. 19.50: Englischer Sprachunterricht. 20.15: Stunde der Kammermusik: Konzert des Roth-Quartetts 21.15: Phädra, Trauerspiel.
Dienstag, 14. Oktober.
7.30 bis 8.30. Frühkonzert. 12.20: MittagS- ständchen. 15: Hausfrouennachmittag. 16: Nach- mittogskon»ert. 18.05: „Freistaat Hessen und Süd- Westdeutschland", Vortrag von Minister Leuschner, Darmstadt. 18.35: „Von deutsch-evangelischer Missionsorbeit in Japan", Vortrag von Mis- sicns-Inspektor Pfarrer Devaranne. 19.05: „Buchstabe und Mensch — ein Kapitel für Rund- funkhörer und Radiosprecher." 19.30: Operettenkonzert. 20.15: Willy Duschhoff (Berlin) liest aus Balzac: „Oberst Chabert". 20.45: Beliebte Ouvertüren 21.30: Ferruccio Dusoni, Unterhaltungskonzert.
Mittwoch, 15. Oktober.
7.30 bis 8.30. Frühkonzert 12.20: Schallplattenkonzert 15: Stunde der Jugend. 16: Nachmittags- konzert. 18.05: „Was wird 1932 aus den Aufwertungshypotheken ?", Vortrag über den neuen Stand der Aufwertungsgesehgebung von Dr. Theo Dauer. 18 35: „Zum 2000. Geburtstag des römischen Dichters Vergil", Vortrag von Prof. Dr. Eugen Fehrle, Heidelberg. 19.05: „Landschaft und Mensch im Morgenlande", Dortrog von Ewald Danse. 19.30 von Leipzig. Rummelplatz, Hörspiel. 21: Italienischer Abend
Donnerstag, 16. Oktober.
7.30 bis 8.30. Von Gießen: Militärkonzert: erstes (hessisches) Grenadierbataillon des 15. Infanterie-Regiments. Gießen: Leitung. Obermusikmeister Löber. 12.20. Schallplattenkonzert: Sinfoniekonzert. 15.: Stunde der Jugend. 16: Nachmittogskonzert. 17.55: „Eine Diertelstunde Deutsch". 18.05. Zeitfragen. 18.35: „Detriebs- wirtschaftliche Fragen im Handwerk", Vortrag von Dr. Fochtmann. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Reportage aus dem Dürger- Hospital. 20: Sinfonie-Konzert. 20,45: Fantasien im Dremer Ratskeller. 21.30. Unterhaltungskonzert. 1 bis 2.30 Internationales Austauschprogramm.
Freitag, 17. Oktober.
7.30 bis 8.30 Frühkonzert. 12.20: Volkslieder der Nationen. 15: Erziehung und Dildung. 16: Konzert. 18.05: Buch und Film. 18.35: Aerzte- Vortrag. 19.05: „Gibt es Anhaltspunkte zur Feststellung der Studienbegabung?" Derufskund- licher Vortrag. 19.30 (Frankfurter Opernhaus): Der Tenor der Herzogin.
Samstag, 18. Oktober.
7.30 bis 8.30. Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Schulfunk: „Wie ein Landkreis verwaltet wird". 12.20: Schallplattenkonzert: Jacques Offenbach. 14.30: Stunde der Jugend 15.30: Von Groß-Gerau: Uebergabe des Gruppenwasserwerks „Gerauer Land". 16: Nachmittagskonzert. 18.05: „Politische Wandlungen im Weltkrieg", Vortrag von Dr. Paul Beyer. 18.30. „Erlebnisse aus der De- sahungszeit", Gespräch zwischen Paul Mewe und Paul Laven. 18.50: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Die Instrumente des Orchesters. 20: Aus Homburg v. d. H. Kabarett-Vorträge. 21: Der erste Schuß. 23 bis 0.30: Tanzmusik.
(Schluß des redaktionellen Teil».)
Eine unzulängliche, mangelhafte Verdauung bildet häufig den Ausgangspunkt zu ernsten Erkrankungen. Ein sicheres Arbeiten der Derdauungsorgane ist daher für die Erhaltung der Gesundheit unerläßlich. Verdau- ungvstörungen, Magenbeschwerden, Sodbrennen usw. können sofort durch ein einfaches Mittel beseitigt werden Das seit Generationen bekannte und noch immer unübertroffene „Bullrich-Salz" ist die beste Unterstützung für einen seine Funktionen nur mangelhaft ausübenden Magen. 6947v
Das Klima eines Landes ist bestimmend für feine kulturelle Entwicklung. Der beste Beweis hierfür ist wohl die Weltgeltung Europas, das zum größten Teile der gemäßigten Zone angehört Freilich bringt die gemäßigte Zone, besonders in ihrer nördlichen Breite, auch Unannehmlichkeiten. Zu ihnen gehört die Gefahr der Erkältung. Glücklicherweise hat der erfinderische Menschengeist auch hiergegen Schutz- und Heilmittel gefunden. Das Bekannteste sind wohl die echten „Kaiser'? Brust Caramellen", die es auch Menschen mit empfindlichen Atmungsorganen er möglichen, ohne besondere Gefahr für ihre Gesundheit über die rauhe Jahreszeit hinwegzukommen. __________________________________________6584 V
Persil billiger!
Das war eine Tat, die von sich reden macht! An jedem Doppelpaket spart die Hausfrau von jetzt ab einen ganzen Groschen extra und an dem Normal- pafet die Hälfte! Aber noch eins: Doppelter Nutzen winkt der Hausfrau, die Persil so gebraucht, wie es die Vorschrift will. d. h. ein Paket auf je drei Eimer Wasser, ohne jeden verteuernden Zusatz Nur einmaliges Kochen der Wäsche in kaltbereiteter Persillauge — das ist das ganze Geheimnis._______
Korpulenz macht alt
Korpulente und »um Starkwerden Veranlagte nehmen früh, mittags und abends 2-3 Toluba- Sterne, die in Apothebeken zu haben sind.
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(Ser in, Stahlegestochene unser mhrckat. —-5
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