Ausgabe 
11.10.1930
 
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Nr. 258 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzriger für Oberhessen)5amstag, 11. Oktober 1950

Oie weltwirtschaftliche Verflechtung.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin.

Die 11. Dölkerbundsversammlung hat mit zwei bemerkenswerten Aeußerungen über den Bolker- Eninb geschlossen. Pessimistisch sprach sich Lord Robert Cecil aus, bei dem vielleicht auch Per­sönliches mitsprach, denn er äußerte, er spräche vielleicht das letztemal im Völkerbünde, und er vermochte auch nicht, zum Teil durch eigene Schuld mit seinem Gedanken der Anpassung der Dölkerbundssahung an den Kelloggpakt ir­gendwelche Erfolge zu erzielen. Optimistisch glaubte der Präsident der Versammlung, der Rumäne T i t u l e s c u. sprechen zu können. Die Wahrheit scheint uns in der Mitte mit Rei- oung nach der pessimistischen Seite zu liegen. Vorwärtsgebracht hat der Völkerbund auch dies­mal sehr wenig, nichts Entscheidendes, und deutlicher als jemals ist ihm wohl gesagt gewor­den, daß dieAbrüstungsfrage sein,Zen- t r a l p r o b l e m ist, an dem er vollständig schei­tern kann. Aber zunächst ist er da, und Deutsch­land bleibt gar nichts anderes übrig, als in ihm» nach seinen Interessen und Rotwendigkeiten zu arbeiten. Und schließlich stellt er einen Mecha­nismus dar, der in der Lage sein soll oder sein kann, einen drohenden Krieg am Ausbruch zu hindern. Die Frage ist aber, ob die drohenden Konflikte: Frankreich-Italien u. a. überhaupt nach der alten Weise und an den Stellen aus­brechen werden, an denen die Völkerbundsmaschi­nerie ein immer engeres Gitterwerk von frieden­sichernden Paragraphen aufrichten möchte.

Die Einsicht für die Frage oder vielmehr in die Tatsache, dah sich die Welt ringsum in den letzten zehn Iahren gewaltig verändert hat, ist in Gens noch kaum vorhanden. Ausdruck dafür war in der letzten Zeit vor allem und eindring­lich das Ergebnis der deutschen Reichstagswahl. Diesem Ergebnis stand man in Genf ratlos und, was mehr ist, v ö l l i g verständnislos gegenüber. Dah an der Zu­nahme deS Radikalismus die Politik der anderen Seite zu einem sehr beträchtlichen Teile schuld ist, will man nicht einsehen. Dah in der deut­schen Reichstagswahl eine gewaltige wirtschaft­liche und soziale Verschiebung zum Ausdruck kam, indem über die Hälfte der deut­schen Reichstagswählcrsozialistisch" wählten, das kann man offenbar dort noch nicht ein­sehen, begreift man namentlich in Frankreich heute überhaupt noch nicht. Ein Beweis dafür ist zum Beispiel der letzte Artikel von Eduard H e r r i o t :Die europäische Lage, Paneuropa mit Hitler?" Gr läßt wohl die Einsicht erken­nen, dah jetzt in Deutschland eine Iugend heran­gekommen ist, schon wahlberechtigt, die den Krieg nicht mehr gesehen und nicht gekannt hat. Aber er dringt nicht tiefer ein in die Verände­rungen und Verschiebungen, deren Ausdruck diese Reichstogswahl war, und mit denen die Aus­einandersetzungen um Krieg und Frieden sich immer mehr auf verschiedene Ebenen verlegen.

Dos gilt nicht nur für Deutschland, wenn auch dieses besonders in einer Wirtschaftskrise ist, die immer tiefergreifend die ganze Lage bestimmt. Die Welt ist in einer solchen Krise. Wir kön­nen dieses Wort tatsächlich nehmen, seitdem zu der alten Unruhe in Ostasien und den Spannungen im Vorderen Orient jetzt die immer weiter um sich greifende revolutionäre Be­wegung in Südamerika gekommen ist. Wenn man aus Iapan auch wenig hört, so ist das noch kein Beweis dafür, dah nicht auch dieses Land von der Weltwirtschaftskrise heimgesucht sei. Die Krise aber ruft innerpolitische Spannun­gen wach oder löst sie aus, zwingt jedenfalls die Regierungen, sich mit der inneren Lage vornehm­lich zu beschäftigen, und macht sie mehr oder min-

Kronprinz Michael von Rumänien besichtigtdasdeutscheRiesenflugzeug038

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Links: Michael, der kleine Kronprinz von Rumänien, auf dem Bukarester Flugplatz. Rechts: Kronprinz Michael in der Führergondel des Riesen-Junkers-Flugzeugs.

der unfähig oder wenigstens schwach, eine über­legte, auf lange Sicht angelegte Außenpolitik zu betreiben. Das aber wird jetzt auf Monate hin­aus die Situation auch bleiben!

Trotzdem aber ist die Auhenpolitik nicht gewissermaßen aus Eis gelegt. Die Wirt- schoftsverhandlungcn in Genf haben zu greicharen Ergebnissen nicht geführt. Das konn­ten sie auch nicht. Aber sie haben die Rot­wendigkeit der Zusammenarbeit zur Ueberwindung der Krise deutlich gemacht, wie es Macdonald bei der Eröffnung der britischen Reichskonferenz sehr gut formuliert hat:Die Probleme der Weltwirtschaftskrise können von keinem Volk allein gelöst oder überwun­den werden. Ie weiter die Zivilisation fortschrei­tet, desto deutlicher wird, daß Wohlfahrt oder Armut eines Landes zugleich Wohlfahrt oder Armut anderer Länder bedingen." Das ist auch unser» Meinung, ist auch absolut richtig und muß für jede Regierung Deutschlands, von welcher Richtung sie auch komme, Richtschnur sein. Kein Land braucht notwendiger als Deutschland neben dem Entschluß und der Bemühung zur inneren Festigung die wirtschaftliche Zusammenar­beit mit den anderen, sowohl für die Wirt- schastsgesundung im allgemeinen, wie für die Be­freiung von den unwirtschaftlichen Tributlasten im besonderen.

Der Kalender für eine solche wirtschaftliche Zu­sammenarbeit ist ja nun nicht ganz klein. Eben hat die britische Reich skonfercnz be­gonnen, die ganz überwiegend eine Reichswirt- schaftskonfcrenz mit den bekannten Programmen sein wird. Am 14. Oktober soll eine neue Agrartonserenz der südöstlichen und östlichen Agrarstaatcn in Bukarest zusammentre­ten gerade diese Bewegung, die von Bu­karest und Warschau aus angeregt worden war, hat besonders auf die Genfer Wirtschaftsbe- sprcchungen eingewirkt. Am 14. Rovember be­ginnt die Wirtschaftstonferenz des Völkerbundes. Im Januar wird bei der Ratstagung die erste Tagung desStudien- komiteesfüreine europäische Union" eröffnet werden. Das ist eine ganze Reihe von

Zusammenkünften, also ein Zeichen der Ein­sicht und des Willens, daß zusammengearbeitet werden muß.

Freilich kommt dabei noch zweierlei in Be­tracht. Einmal: da die Weltwirtschastskrise nicht in allen Ländern gleichmäßig scharf, insonderheit Frankreich heute von ihr noch nicht betroffen ist, eine Klärung in der internationalen Handelspoli­tik noch längst nicht zur Genüge vorhanden ist, und Interessengegensätze und Machtgesichts- prnkte mit hereinspielen, ist das Tempo die­ser Konferenzarbeit viel zu langsam und zu gemächlich. Wer aus dem Lande höchster Wirtschaftsnot, wie Deutschland, kommt, wünschte immer wieder schärfere Töne, lebhaftere Far­ben, und wenn die anderen ihr das nicht geben, müssen die deutschen Vertreter eben das ihre tun. Denn es geht dabei doch auch um unsere Sache und um unsere Rot!

Das zweite ist: in diesen Erörterungen einer Zusammenarbeit gegen die Wirtschaftskrise fehlt vollständig Rordamerika. Wir hören aus Rordamerika Aeußerungen der Befriedi­gung, dah die Regierung Brüning ein wirklich energisches und umfassendes Arbeitsprogramm aufgestellt habe, ein durchgreifendes Sanierungs- Programm, mit dem die oft wiederholten For­derungen des Reparationsagenten wenigstens im Anfang erfüllt werden sollen. Man ist in Ame­rika ja auch bereit, Deutschland durch einen sogenannten Ueberbrückungskredit über die jetzige Lage hinwegzuhelfen. Darüber hinaus aberhören wir höchstens Betrachtungen, dah das Fallen der Rohstofspreise für Deutschland günstig fei, weil seine Einfuhr gröhtenteils aus Rohstoffen, seine Ausfuhr ans Fertig- oder Halbfabrikaten bestehe, und dah Deutschland die jetzige Krise schon überwinden werde. Das ist ganz schön, evenso wie ähnliche Aeußerungen der maßgebenden Londoner Presse. Aber schließlich müßte man sich in Amerika nun auch sagen, dah man auch selbst mit dieser Krise zusammenhängt. Die Arbeitslosigkeit im eigenen Lande lehrt das. Die Krise in Süd­amerika trifft Rordamerika ebenfalls, und in Europa, in Deutschland sind genug amerika­

nische Werte investiert, um Veranlassung zrt einer ilcbcrlcgung der Situation zu geben.

Es ist doch eine sonderbare Erscheinung, dah maßgebende Männer Owen D. Voung und Parker Gilbert meinen wir in erster Linie in mühseliger Arbeit einen Zusammen­hang zwischen der deutschen Repa­rationslast und den interalliierten Schulden hergestellt, daß sie in der B. I. Z. das vermittelnde Instrument des internationalen Kapitalismus unter amerikanischer Führung ge­schaffen haben und dah sie nun, obwohl drau­ßen und drinnen die Krisenzeichen sich mehren, ganz passiv dastehen, wie auch der Präsident der Vereinigten Staaten selbst. Da alle diese Männer die großen Zusammenhänge ohne jeden Zweifel übersehen, die durch den Sturz der Rohstvffpreise die Steigerung des Goldwertes, die Absatzstockung in Fertigfabrikaten, die land­wirtschaftliche Rot im eigenen Lande so deutlich werden wie irgendmoglich, wie gesagt, da diese Männer alles das begreifen, so bleibt für ihre Haltung immer nur die Erklärung:21 n g ft vor einer vorhandenen und beschränkten öffent­lichen Meinung, namentlich angesichts der kom­menden Wahlen zum Kongreß. Kann aber nicht bei diesen Wahlen gerade aus der wirtschaft­lichen Rot heraus für die herrschende republi­kanische Partei eine sehr unangenehme Ucber- raschung entstehen? Diese Sorge ist nicht un­sere Sache, wohl aber ist unsere und Europas Sache gar sehr, dah Rordamerika bei den 'Tier- Handlungen und Bemühungen, die Weltwirt- schaftsirise zu überwinden, nicht so abseits stehe wie bisher.

Wirtschaftskrise und Weltspartag.

Wer in einer Zeit größter Arbeitslosigkeit und des Darniederliegens der Wirtschaft vom Spa­ren spricht, muß auf den Einwand gefaßt sein, daß ein Hinweis auf das Sparen in solchen Zeiten nicht recht am Platze sei. Sparen könne erst dann in Frage kommen, wenn der notwen­dige Lebensunterhalt, das Existenzminimum, ge­sichert ist. Diesem Einwand läßt sich naturgemäß nicht viel Stichhaltiges entgcgenßalten, man kann nur sagen, daß in solch schweren wirtschaftlichen Zeiten der Rutzen einer rechtzeitig ge­übten Spartätigkeit, der Zweck des Spar- Pfennigs als Rotgroschen, offenkundig wird. Die starke Unsicherheit der wirtschaftlichen Konjunktur zwingt den einzelnen, etwas zur Siche­rung seiner Zukunft zu tun, und eine Sparrück­lage ist nun einmal die beste vorsorgliche Zu­kunftssicherung. Zweifellos wäre die Auswirkung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise noch fühl­barer, wenn nicht das in den letzten Iahren neu gebildete Sparkapital vielen einen gewissen Rückhalt geboten hätte und noch bietet.

Die Beziehungen zwischen Sparkapitalbildung und Wirtschaftskrise haben jedoch noch eine andere wichtige Seite. Von überallher ertönt der Ruf nach Kapital zur Ueberwindung des wirtschaftlichen Tiefstandes. Es wird Kapital zur Ankurbelung der Wirtschaft, zur Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms und zur Wiedereingliederung des Arbeitslosenheeres in das Erwerbsleben gefordert. Da genügend Ka­pital nicht zur Verfügung steht, müssen Kre­dite aus öffentlichen Mitteln, also letzten Endes aus Steuern, gewährt werden, ober man richtet den Blick auf das Ausland, das jedoch selbst unter Krisenerscheinungen zu leiden hat. So er­gibt sich von selbst die Rotwendigkeit der hei­mischen Kapitalbildung bei den inlän­dischen Sparinstituten: sie ist die geeignetste und billigste Form der Kapitalbeschaffung. Sie ge­währleistet auch die richtige Verwendung der Ka­pitalien an der richtigen Stelle.

So erweist schon diese kurze Uebcrlegung die Berechtigung des Weltspartages auch in diesem Iahre. Der Weltspartag soll zum Rach­danken über die Lebensfrage unserer Wirtschaft, die Sparkapitalbildung, anregen.

Tordenskjöld stapelt tief.

Don Harry Schreck.

Als das-nicht eben gewöhnliche Gefährt mit einem dröhnenden Rasseln vor dem in Glas und Metall schimmernden Verkaufsraum hielt, konnte der Geschäftsführer ein befremdetes Er­staunen nicht ganz unterdrücken. Gleichwohl schritt er, zu einem wohlerzogen erfreuten Lächeln entschlossen, auf den nicht weniger greifen als verkommenen Wagen zu, von dessen klappern­dem Trittbrett ein breiter, stiernackig gebauter Herr vorsichtig den Weg zur Bordschwelle suchte.

.Hallo", äußerte der stiernackige Herr,da wäre man wieder!"

Der Geschäftsführer gewahrte, daß ihm der Besucher nicht unbekannt war: er erinnerte sich, baß er vor zehn Tagen bei ihm in der Vester- brogade aufgetaucht war, um einen Scheiben­wischer zu kaufen und gleichzeitig eine doppelte Rummernschildbeleuchtung zu bestellen. Falls ihn sein Gedächtnis nicht irreführte, hatte der Käufer auch seinen Ramen angegeben: er hieß ... jawohl natürlich... er hieß ©mörrebaflcr; und auf jeden Fall war er aus Charlottenlund.

Anscheinend war der stiernackige Herr nicht allein gekommen.

Denn wie ein näheres Zusehen herausbrachte, bemühte sich eine schmächtige, aber sorgfältig gekleidete Gestalt aus der eingesunkenen Gruft des Führersitzes heraufzuklettern: als sie sich nicht ohne Mühe über die Mittellehne ge­schlängelt hatte, die kein Faustschlag aus ihrer Ruhelage zerrte, erwies sie sich als ein mürri­scher Graukopf, der besorgten Blicks um sein eigentümliches Fayrzeug k^rumstrich und mit einem Schraubenschlüssel zu werkeln begann...

Es ergab sich, daß dies Gebaren die unge­schminkte Heiterkeit des stiernackig gebauten Be­gleiters hervorrief und ihn zu der scherzenden Erkundigung verleitete, ob cs nicht vorteil­hafter wäre, die immerhin noch leidlich brauch­baren Reifen abzuhalftern und dann das Pflaster der Vesterbrogade beherzt in einen ame­rikanischen Wagenfrieohos zu verwandeln, auf dem fich der altfränkische Kasten samt seinem asthmatischen Motor vortrefflich ausnehmen werde.

Ein übellauniges Knurren antwortete auf den witzigen Antrag. Da sich der Angexedete offen­sichtlich immer mehr in seine Schraubereien ver­lor, blieb bei dem zu sprühenden Bemerkungen

Aufgelegten nichts anderes übrig, als einen geneigteren Zuhörer ausfindig zu machen:Eine Seele von einem Wagen ist das..zwin­kerte er wohlwollend dem ein wenig bekomme­nen Geschäftsführer zu,... eine treue Seele von Wagen, nicht' wahr? Verläßt ihren Be­sitzer, dem sie nun einmal gehört, durch ge­schlagene sechsundzwanzig Iahre nicht!"

Der Geschäftsführer gab zu, daß man das Treue nennen könnte.

Dennoch schien es ihm angemessen, nicht allzu unverhohlen an der scherzhaften Betrachtung Herrn Smörrebakkers teilzunehmen: man konnte nicht ahnen, zu welchem Bchufe der mürrische Schraubenschlüfselmensch nach Kopenhagen ge­fahren war: cs mochte vielleicht fein, daß er in feiner ländlichen Abgeschiedenheit den Ent­schluß gefaßt hatte, diese abgetakelten vier- der zum alten Eisen zu werfen und eine Limow- fine zeitgemäßeren Zuschnitts zu erwerben.

Leider sah sich diese Hoffnung schon im näch­sten Augenblick enttäuscht: auf die schüchterne Anfrage, ob der Herr vielleicht einige der letzten Modelle zwanglos zu besichtigen gedenke, schnaufte der Befragte ingrimmig vor sich hin, um dann unzweideutig zu verstehen zu geben, daß sich von ihm aus die gesamten sogenannten letzten Muster zum Henker hinscheren sollten, der sie ausnahms­los auf seinen Scheiterhaufen schmeißen und dort verbrennen dürfte.

Der stiernackige Herr Smörrebakker barst fast vor Vergnügen.

Sie sind wirklich ein tapferer Bursche, junger Mann", keuchte er den Geschäftsführer zwischen zwei lärmenden Lachausbrüchen an.Sie denken, daß der Herr hier einen neuen Wagen tauft...? Wenn Sie wüßten, was wir in Charlottenlund schon gelacht haben, als er gestern mit diesem Klepper ankam und vor dem Eisenbahnhotel abstoppte. Aber der kann es einem geben, ver­sichere ich Ihnen: ,ein Baron Tordensköld', sagt er, kann schließlich fahren, wie er will.'"

Aber aetoiß doch", lächelte der Geschäftsführer verbindlich.

He, und hat er nicht Recht?", grunzte der Fahrtgenosse,wer kann es sich heute erlauben, mit solch einem Gerümpel durch die Welt zu kreuzen? Ein Baron Tordenskjöld ... ganz richtig, ein Baron Tordenskjöld! Wenn unsereins das wagte, nicht wahr? Er wäre schon hopp und hin, wenn er bloß auf dem Kutscherbock da säße. Ueberhaupt, was braucht unsereins nicht alles, um sich durch fein Leben zu schlagen! Eigentlich

sollte man mit so einem alten Wagen froh feinI

Mittlerweile war der Baron Tordenskjöld mit seiner Schraubenschlüsselei ins Reine geraten. Er verstaute fein Handwerkszeug und gab die Erklärung ab, daß er einen elektrischen Zigarren­anzünder für sein Gefährt zu besehen wünsche. Als der Geschäftsführer ihm vorschlug, das Ge­forderte im Vorführraum zu betrachten, knurrte er zwar irgendetwas Unwirsches durch die Zähne: nichtsdestoweniger aber zeigte er sich bereit, dem höflichen Anerbieten zu folgen.

Bleiben Sie an keinem Wagen hängen!", witzelte Smörrebakker.

Aber ich darf Sie doch vielleicht ohne jede Verbindlichkeit Ihrerseits über den Vorteil unsres neuen Doppelvergasers unterrichten", äußerte der Geschäftsführer nicht ohne einige Hoffnung,sein doppeltes Ansaugrohr hat hier Anschluß an Die Motorgehäuse-Entlüftung. Uebrigens ist die Der- windungsfreiheit des Rahmens vorzüglich. Und dann müssen Sie bedenken: die Rahmenmittel­traverse! Dazu die verlängerte Motorhaube! Schließlich die Rockenwelle!"

Und was geht mich das an ...?, fragte Tordenskjöld ungerührt.

An Stelle der bislang üblichen Spindel mit gleitender Mutter verwenden wir neuerdings die in Kugeln gelagerte Globoidschnecke, in welche eine gehärtete Scheibe eingreift", wagte der Ge­schäftsführer noch hinzuzufügen.Iunger Marrn", fuhr ihm Tordenskjöld dazwischen,als Sie noch gar nicht geboren waren, habe ich mich schon aufs Lenken verstanden. Streichen Sie fich Ihre Glo- boidschnecke aufs Butterbrot und legen Sie die Rahmenmitteltraverse darüber!"

Gleichwohl war man unterdessen bei der Limou­sine angelangt, die nach den Bekundungen des Geschäftsführers den denkbar besten elektrischen Zigarrenanzünder vorzuweisen hatte.Stoßfreie Lenkung... auf dem Rürburgring zwölfmal be­währt ... unbegrenzt haltbare Farben... be­queme Polsterung", konnte sich der Geschäftsfüh­rer zu bemerken nicht enthalten.Diese Karre hält keine sechsundzwanzig Iahre aus. So viel ist gewißI", erwiderte Tordenskjöld trocken.

Machen Sie doch erst einen Versuch!", meckerte Smörrebakker.

Und wenn Sie mir das funkelnagelneue Dings da gegen meinen alten Kasten umtauschen woll­ten ich denke nicht daran", sagte Tordenskjöld, denn bei dem Tausch könnten bloß Sie gewinnen, junger Mann. Daß mein Wagen fein Diertel-

jahrhundert aushält, sehen Sie. Aber ich weiß nicht, wessen Ihr Ding da fähig ist."Gewiß, gewiß!", lächelte der Geschäftsführer,aber es käme doch nur auf eine kleine Probefahrt an. Wenn Sie vielleicht gleich jetzt einmal..."

Ein altes Auto ist mir lieber", sagte Torden- skjold schlicht.

Pasten Sie auf!, keuchte Smörrebakker^ den das Vergnügen an einem neuen spaßigen Einfall fast sprengte,wenn Sie erst einmal in einem richtigen Wagen hocken, kommen Sie überhaupt nicht mehr zurück und lassen uns Ihren Rump­ler auf dem Halse.. .1"Ich müßte ein schöner Dummkopf fein, knurrte Tordenskjöld,ich wäre doch hirnverbrannt, toenn ich Ihnen meinen Wa­gen auch nur als Pfand daließe."Hehe, wir werden schon aufpaffen, brüllte Smörre­bakker ...

*

Run.., bann paffen Sie auf, sagte Torden­skjöld, während die Geschäftsleitung den Wagen fahrfertig machen ließ,passen Sie recht ordent­lich auf!

Sechs Minuten Fahrt werden Sie bereits da­von überzeugen, daß diese Limousine sich ge­wissermaßen selbst bezahlt", lächelte der Geschäfts­führer.

Soll mich nicht wundern", murrte Torden­skjöld, indem er den Fuß wuchtig auf den Gas­hebel fetzte,mein eigner Wagen hat sich auch selbst bezahlt."

*

Als eine Viertelstunde herum war, fiel dem Geschäftsführer etwas ein. Er wandte sich an Herrn Smörrebakker:Kennen Sie ihn... hm... eigentlich gut?!

Er kam doch erst gestern nach Charlotten­lund!", antwortete Smörrebakker fröhlich.So. Unb woher wissen Sie denn, baß er Baron Torbenskjölb ist?"

Er hat es boch selber gesagt, meinte ber Stiernackige,und dann wer kann es sich sonst erlauben, mit solch einer Klapperbüchse herumzufahren?

Rach Verlauf einer weiteren halben Stunde beschloß der Geschäftsführer, die Polizei zu be­nachrichtigen. Als er den Fernsprecher anhob, murmelte Smörrebakker verstört:Daß es Hoch­stapler gibt, habe ich gewußt. Aber daß einer mit einem alten verkommenen Auto sozusagen tief­stapelt ..."Man kann sich heutzutage nicht ein­mal mehr auf die Ehrbarkeit eines alten Autos verlassen", bemerkte ber Geschäftsführer eisig, zumal wenn es als Pfand gelten fall.