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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr. 35 Zweites Blatt
Dienstag, N. Zebruar (YZO
Mister Korell über Hilfe für Gewerbe und Landwirtschaft.
Die Regierung steht und fällt mit ihrem Sparprogramm. — Kein Abbau lebenswichtiger Behörden in den Deinen Städten.
2n einer öffentlichen Versammlung im Saale des Cafä Leib, die gestern abend auf Einladung der Gießener Ortsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei stattfand, sprach der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft Karell über das Thema: ,.W i e kann dem Gewerbe und der Landwirtschaft geholfen werden?" Das starke Interesse in Unserer Bürgerschaft an diesem Dor- trage des Ministers bekundete sich einmal darin, daß Angehörige aller politischen Richtungen zugegen waren, zum andern ging es daraus hervor, daß der Saal volle Besetzung aufwies. Die Besucherzahl dürfte wohl mit etwa 600 nicht zu hoch geschätzt fein.
Nach kurzen Eröffnungsworten des Versammlungsleiters, Stadtschulrats Fischer, behandelte der Minister in etwa listundiger Rede fein Thema. Wahrend seiner Ausführungen kam es wiederholt zu mehr oder minder temperamentvollen Gegenäußerungen von andersdenkenden Zwischen» rufcrn, von denen einer — ein junger Mann aus Ober-Ingelheim, dessen ungehöriges Benehmen man uns Gießenern nicht zur Last legen kann — sich trotz zahlreicher Ermahnungen und scharfer Zurecht- Weisungen durch den Versammlungsleiter fortgesetzt so disziplinlos als Störer und Zwischenrufer be- merkbar machte, daß es schließlich zu einer erregten Szene kam, bei der dem jungen Burschen um ein Haar ein Kapitel aus dem Klopstock verabreicht worden wäre, wenn nid)t zwei Kriminalbeamte ein» gegriffen und den Störenfried aus dem Saale entfernt hätten. In der Aussprache kam es dann ebenfalls mehrfach zu scharfen Tönen, jedoch blieben alle Redner und die Versammlung in einem Rah» men, mit dem man sich abfinden konnte. Minister Korell konnte in seinem Schlußwort noch zu einer ganzen Reihe von Anregungen und Wünschen unbehindert Stellung nehmen. Die Versammlung fand erst eine Viertelstunde vor Mitternacht ihr Ende.
Minister Korell
wies in seiner Rede einleitend darauf hin. daß ihm als Wirtschaftsmin.ster natürlich das Wohl aller Berufsgruppen am Herzen liege. Er kam dann kurz auf die wirtschaftliche Lage der Beamtenschaft zu sprechen und nahm diesen Stand gegen ungerechte Kritik in Schutz, wobei er aber auch nicht unterließ, auf die gesicherte wirtschaftliche Stellung des Beamtenstandes mit kurzen Ausführungen einzu» gehen. Es erscheine ihm aber zweckmäßig, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit besonders auf die Notlage des Gewerbes und der Land» w i r t s cy a f t hinzulenken. Der Minister sagte hier» üb-’r u. a.:
Wenn von gewisser Seite ber Gedanke vertreten wird, daß das H a n d w e r k in der Konkurrenz mit dem Kroßgewerbe doch nicht lebensfähig fei und de-hglb auf dem Aussterbeetat stehe, so sage ich: das ist eine irrige Ansicht. Nach der letzten Berufszählung in 1925 beschäftigten die Mittel- und Kleinbetriebe noch 45 v. H. der Berufsangehörigen. Nach den neusten Erhebungen in 1928 sind aber wieder 95,4 v. H. aller Datriebe im Bekleidungsgewerbe, 88,3 v. H. im Nahrungsmittelgewerbe, 87 v. H. im Holz» und Schnitzgewerbe, 79 5 v. H. im Baugewerbe kleine Betriebe mit bis höchstens 5 Personen. Selbständige Betriebsinhaber gibt es 1,3 Millionen mit 8 Millionen Beschäftigte. Was wir für das Handwerk erreichen müssen, das ist bei der kommenden Reichssinanzreform die
Herabsetzung der Gewerbesteuer mit dem Ziele der endgültigen Beseitigung diesem zusätzlichen Einkommensteuer.
Vor allen Dingen müssen die hohen Schulden- ,yi n f e n ermäßigt werden. Die heutigen hohen Bankzinsen sind für das Gewerbe und auch für die Landwirtschaft einfach untragbar. Wollen wir billi
gere Zinsen, so müssen die Betriebe mehr Geld zurücklegen können. Wenn wir das eigene Betriebskapital nicht bekommen können, dann werden wir auch so schnell nicht von den hohen Bankzinsen und auch nicht von der ungeheuren Arbeitslosigkeit ab» kommen. Die Politik des Reichsbankpräsidenten muh ich dahin angreifen, daß er uns für unbedingt sichere und werbende Anlagen das Auslandsgeld sperrt. Als Hauptaufgabe zur Förderung des Gewerbes sehe ich die teilweise schon erreichte
Ucbertragung von Lieferungen von Seiten des Staats und der Gemeindeverbände an das
Handwerk.
Auch die Filialsteuer für solche Betriebe, die ihr Hauptgeschäft außerhalb Hessens haben, halte ich für durchführenswert. Ich bemühe mich in Abände- rung einer höchstrichterlichen Entscheidung, den A b - la tz von Waren mittels Autos von Frankfurt her nicht nur der Wanderge- werbe st euer, sondern auch der Wander» lager ft euer zu unterwerfen. Nach zweijährigem Kampf ist es uns auch gelungen, dafür zu sorgen, daß in Zukunft niemand mehr in Hessen die Gesellenprüfung und die Meisterprüfung machen darf, wenn er nicht mindestens 2 Jahre eine Meisterlehre durchgemacht hat. Eine andere wichtige Aufgabe ist die Bekämpfung der Schwarzarbeit, namentlich der Schwarzarbeit von Erwerbslosen. Ich weiß, daß viele Erwerbslose zusätzlich Arbeitslohn verdienen und damit anderen Arbeitern einen Teil ihres Brotes wegnehmen.
Bei der Besprechung der Not der Landwirtschaft, über die der Minister durch Dorträge in den Städten und Großstädten Aufklärung schaffen tol3, polemisierte er zunächst gegen die politische Haltung des Landbundes, insbesondere in den Zollfragen. Er führte dabei den ziffernmäßigen Rachweis, daß nicht nur der frühere Reichsernährungsminister und jetzige Landbundvorsitzende Schiele, sondern auch der jetzt amtierende demokratische Reichsernährungs- minister Dietrich höhere Zölle auf ausländische AgrarproduktezumSchuhe unserer Landwirtschaft durchsetzte. Der Redner hob dabei hervor, daß diese Erhöhung der Zollsätze nur durch die Zustimmung der Sozial- demokratie möglich war, die dafür keine Dor- Würfe, sondern Anerkennung verdiene. Cs sei dringend notwendig, in den Landwirt- schaftssragen zu einer Entgiftung der Atmosphäre zu kommen. Weiter sagte der Minister u. a.:
Ohne eine rentable Landwirtschaft ist die deutsche Volkswirtschaft erledigt.
Wir müssen Mehl- und Getreidezölle so sehen, daß Bäcker und Müller ihren rechten Lohn haben, doch müssen wir übertriebenen Gewinn scharf bestrafen. Wir müssen die heimische Produktion schützen durch Zölle gegen klimatisch bessergestellte Gebiete des Auslandes. Mir kommt es vor allen Dingen barauf an, daß der hessische Dauer in seiner Produktion sichergestellt wird. Dafür werde ich mich mit allen Kräften einsehen. Ich habe f. Z. auch den Teimahlungs- zwang für heimischen Weizen angeregt. Durch den energischen Protest der hessischen Regierung ist auch die Wiedereinführung der Wein steuer wahrscheinlich ein für allemal abgetan. Wir müssen auch zu
modernen Verkaufs- und Sortierungsmethoden kommen. Minister Dietrich will uns ein Rog - genbrotgefetj bringen, das das Weizengebäck etwas verdrängt. Deutschland muß Dreiviertel Millionen Tonnen Roggen mehr verbrauchen.
Der Minister beschäftigte sich hierauf u. a. in längeren Darlegungen unter Anführung eines
reichen Zifsemmaterials mit der Derschul - düng der Landwirtschaft und betonte dabei, daß die kleineren und mittleren landwirtschaftlichen ‘Betriebe in Hessen in bezug auf die Verschuldung am günstigsten daständen. Er warf dann noch einmal die Frage auf: „Wie kann der Landwirtschaft geholfen werden?", und antwortete, daß er kein alleingültiges Rezept geben könnte, nur einige Antworten könnte er geben.
Die Gesamtfrage kann nut gelöst werden für Gewerbe und Landwirtschaft, für die anderen Berufe und für die Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit einer Erleichterung unserer Steuerlasten und unserer auswärtigen Verpflichtungen. Er beschäftigte sich dann mit den Auswirkungen des Poungplanes, für dessen Annahme er eintrat, streifte dann — veranlaßt durch einen Zwischenruf — die Möglichleit schwerer innerer Konflikte mit wahrscheinlichen Unruhen durch den Ansturm von Rationalsozialisten und Kommunisten, und tat dabei den bemerkenswerten und immerhin recht eigenartigen Ausspruch: „Es (das heutige System) ist gerüstet aus unliebsame Ueberrafchungen (Zuruf: --Reichsbanner.), jawohl, durch das Reichsbanner, die Polizei, und leider kann ich einen dritten Faktor, den der Staat unterhält, in diesem Zusammenhang nicht mit erwähnen.'" (Diese sonderbare Bemerkung zielte offenbar auf die Reichswehr. D. Red.)
Am Schlüsse seiner Ausführungen wandte sich der Redner fnit einigen Sätzen dem
Sparprogramm der hessischen Regierung
zu. Er sagte in diesem Zusammenhang u. a.: Der von manchen Seiten empfohlene Anschluß an Preußen, oder der dezentralisierte Einheitsstaat werden nicht zu einer größeren Schonung der berechtigten he,fischen Interessen führen, als wir das im Budget und bei der Veröffentlichung des Gutachtens des Sparkommissars erklären werden.
Die hessische Regierung hat den willen, so lange es möglich ist das Eigenleben Hessens zu erhalten.
Für diese Ausgabe muh die Regierung aber nicht nur das Der trauen der Regierungsparteien, sondern auch ein gewisses Matz von "Bertrauen bei der Opposition Haden. Man darf nicht jede Sparmaßnahme einfach als unzweckmäßig ab- lehnen. Die hessische Regierung unter der Führung des Staatspräsidenten ist bet Heber- zeugung, daß sie steht und fällt mit den Maßnahmen, die sie jetzt für notwendig hält im Interesse des Landes Hessen. Was die hessische Regierung bei aller Sparsamkeit noch für möglich hält, kann sich sehen lassen gegenüber dem, was der Reichs- sparkommissar will. Runmehr gilt es, die hessische Bevölkerung vor eine schwere Belastungsprobe ihrer politischen Reise zu stellen, sie zu fragen, ob sie bereit ist, zuerst unter den deutschen Ländern ein Sparprogramm zu tragen, das soweit wie möglich hessisches Eigenleben erhält. Opfer werden gebracht werden müssen von Stadt und Land, von großen und kleinen Städten und Dörfern. Wir werden uns bemühen, diese Opfer und Lasten gerecht zu verteilen. Wir denken nicht daran, irgenbroeldje Städtchen zu ruinieren, indem wir ihnen lebenswichtige Behörden wegnehmen. Aber wir müssen auch den Entschluß zur Härte haben, und wir haben ihn.
Gehl der Landtag mit uns, dann glauben wir bis zu besseren wirtschaftlichen Verhältnisfen und höheren Steuereinnahmen die Existenz Hessens, seiner Universität, seiner Technischen Hochschule, seines Landestheaters, feiner Be
zirke und Städte gerettet ;« haben. Gehen das Volk und der Landtag aber nicht mit uns, dann legen wir unerschrocken unsere Ausgabe in die Hände anderer Männer, die es besser machen mögen als wir.
(Langanhaltender, lebhafter Beifall.)
Oie Aussprache.
Als erster Diskussionsredner sprach der Kaufmann Scheel, der einleitend daraus hinwies» daß die Stimmung in den Kreisen des Klein- randels, dem er selbst angehöre, geradezu verzweifelt sei. Er forderte mit Rachdruck, daß von den leitenden Stellen die grötzte Sparsamkeit angewandt werde, aber nicht nur bei den Nachgeordneten Behörden, sondern auch in den leitenden Aemtem selbst. Don dem Sparprogramm der Regierung hat der Redner keine gute Meinung, mit der er auch nicht Hinterm Berge hielt. Die kleinen .Steuerzahler hätten sich bisher mit vieler Mühe und Rot durchgebissen, wenn es aber so weitergehe wie bisher, dann müßten sie um sich beißen. Der Redner forderte weiter, daß Minister Korell mit scharfen Maßnahmen gegen den illegitimen Hausier- und Dertreterhandel vorgehen solle, daß insbesondere den auf diesem Gebiete tätigen Pensionsempfängern kein Wandergewerbeschein und auch keine Wander gewerbelarte ausgehändigt werden dürfe. Weiter empfahl er, die kleineren Geschäfte von der Eintragungspflicht in das Handelsregister zu befreien.
Postassistent Rorth erkannte an, daß der Minister eine gerechte Stellungnahme gegenüber der Beamtenschaft einnehme, betonte weiter, daß aber heute Männer in die Beamtenschaft hinein» gekommen seien, die ihrem Werdegang nach dort keinen Platz hätten, worunter wiederum das Berufsbeamtentum zu leiden habe. Weiter bekundete der Redner starkes Derständnis für did Röte und Sorgen des Gewerbes und der Landwirtschaft, wobei er insbesondere auf die starke Konkurrenz des Auslandes gegenüber unserer heimischen Landwirtschaft hinwies und hier ent» ' sprechende Abhilfsmahnahmen forderte.
Die Herren Etzel und Weigel aus Klein- Linden brachten persönliche Beschwerden aus dem Gebiete der Wohnungsbaufinanzierung vor, mit denen sie nach ihren Behauptungen bisher beim Ministerium für Arbeit und Wirtschaft nicht genügend Beachtung gefunden hätten. Der letztere Redner forderte zur Wohnungsbaufinanzierung u. a. die Erhöhung der Altmieten zugunsten der Mieten in neuen Häusern, ferner verlangte er die Heranziehung der Genossenschaften zur Gewerbesteuer.
Bäckerobermeister L oeber sprach zugleich als stellvertretender Dorsihender des Gießener Orts- g-werbevereins dem Minister Anerkennung dafür aus, daß er für das Handwerk alles tue, was in seinen Kräften stehe. Das mühten besonders die politisch auf anderem Boden stehenden Handwerker anerkennen. Obwohl der Minister das Herz auf dem rechten Fleck habe, werde dem Handwerk aber immer noch nicht geholfen, es gehe ihm noch nicht besser. Die Steuerschraube treffe das Handwerk nach wie vor schwer, besonders ungerecht sei die Gewerbesteuer. Der Redner wandte sich weiter dagegen, daß die Genossenschaften und die Konsumvereine dem selbständigen Gewerbe gegenüber steuerlich bevorzugt würden. Cs müsse verlangt werden, daß dem Gewerbetreibenden nicht die Existenz untergraben werde durch eine ungerechte Steuerpolitik. Handwerk und Gewerbe verlangten nichts Ungerechtes, sie forderten nur, daß jeder in gleicher Weise besteuert werde, sei er nun ein Gewerbe treibend e r, eine Genossenschaft, ein Konsumverein oder ein Warenhausbesiher. Der Redner bat den Minister, nach dieser Richtung hin sich mit aller Kraft einzusehen für Handwerk und Gewerbe, aber auch für die Landwirtschaft. Bisher sei dem selbständigen Mittelstand die von dem Minister als notwendig bezeichnete Kapitalbildung noch nicht möglich gewesen, dafür müsse durch eine andere Steuerpolitik die Grundlage geschaffen werden.
Gluck, Mozart, Brahms.
Zum bevorstehenden Etzmplionie-Konzert des Konzcrtvcrcins.
Auf die bedeutsame Wertgeltung von Glucks Ouvertüre zur Oper „Iphigenie in Aulis" hingewiesen zu haben, ist ein besonderes Verdienst Richard Wagners. Schon in seiner Dresdener Zeit hatte er die Glucksche Oper einer Bearbeitung unterzogen und sie in dieser Form erfolgreich zur Aufführung gebracht. Als man später während seines Züricher Aufenthaltes an R. Wagner herantrat, etwas von Gluck aufzu- führen, fiel seine Wahl auf das „vollendetste Instrumeataltonstück von Gluck", die Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis". Da Gluck mit den letzten Takten der Ouvertüre in die erste Szene der Oper überleitet, so hatte man schon früher der Ouvertüre für Konzertaufführungen einen besonderen Schluß angehängt, den man allgemein W. A. Mozart zuschrieb, dessen Verfasser aber in Wirklichkeit ein gewisser Iohann Philipp Schmidt war. Dieser willkürlich angefügte Schluß vermochte aber nicht dem künstlerischen Empfinden Wagners zu entsprechen: er griff deshalb auf das Eingangsthema der Ouvertüre zurück und führte mit diesem zu einem konzert- mäßigen Schluß der Ouvertüre, der somit der Gluckschen Gedankenwelt entsprach. Ucb.r diese vorgenommene Ergänzung äußerte sich R. Wagner in einem längeren Aufsatz. Er weist hier unter anderrn nach, daß die damalige Dirigenten- praxiS das Tempo des zweiten Teiles in ein Allegro umgewandelt habe, während Gluck, wie Wagner aus Grund der Pariser Original-Partitur festst.llt, das ursprüngliche Andantezeitmaß in der ganzen Ouvertüre beibehalte und die Temposteigerung durch Rotierung in kleineren Tiotemrcrten zum Ausdruck bringe. Den Inhalt der Ouvertüre erblickt er in folgenden Hauptpunkten: „l. ein Motiv des Anrufes aus schmerzlichem, nagendem Herzensleiden: 2. ein Motiv der Gewalt, der gebieterischen übermächtigen Forderung: 3. ein Motiv der Anmut, der jungfräulichen Zartheit: 4. ein Motiv des schmerzlichen, qualvollen Mitleidens." Die Instrumentation Glucks paßte Wagner der modernen Orchester- Praxis an. —
Als Solistin ist diesmal Paula Hegner gewonnen worden, die sich im Laufe der letzten Iahre im Gießener Musikleben schon wiederholt
als eine technisch überaus versierte, mit voller Musikalität erfüllte Klavierspielerin erwiesen hat. Ihre pianistische Laufbahn begann sie schon als 12jähriges Mädchen erfolgreich und verheißungsvoll mit einem Konzert in der Berliner Phil- harmome unter Edmund von Straub. Sie wird Mozarts aus der letzten Zeit des Salzburger Aufenthaltes stammendes und der französischen Pianistin Ieunehomme g.wdnetcs Klavierkonzert in Es»®ur (Köchel Rr. 271) spielen. Dieses Werk steht den späteren sog., großen Klavierkonzerten des Meisters in seiner geistigen Haltung durchaus g'eichwertig gegenüber; es zeigt symphonische Qlnlcg? und verzichtet auf die Virtuosität als Selbstzweck. Der Mittelsah in der Mollparallele verlegt starke Ausdrucksmomente ins Orchester (u. a. kanonische Führung der Diolinen) und gibt dem Klav er Gelegenheit zur Entfaltung der Kantabilität. In das Schluhrondo fügt sich eine Menuettepisode ein. —
Don ganz besonderem Interesse wird es fein, Brahms E-Moll-Symphonie vo.x demselben Orchester zu hören, das diese Schöpfung seiner Zeit zum ersten Male zum Erklingen brachte.
Die Sommermonate der Iahre 1884/85, die Brahms in Mürzzuschlag verlebte, waren nach Angaben seines Rotizkalenders der Qlrbeit an seiner IV. Symphonie in E-Moll gewidmet. Er gab mit diesem Werke den Höhepunkt seines symphonischen Schassens und ein Denkmal seiner persönlichen Weltanschauung. Er selbst nennt das Werk einmal eine „traurige Symphonie". In einem Briese an Hans von Bülow äußert er sich über den Charakter der Komposition ausführlich: „Ein paar Entre-actes aber liegen da — was man so zusammen eine Symphonie nennt. Unterwegs auf den Konzertfahrten mit den Meiningern habe ich mir oft mit Vergnügen aus- gemalt, wie ich sie bei Euch hübsch und behaglich probierte, und das tue ich auch heute noch — wobei ich nebenbei denke, ob sie weiteres Publikum kriegen wird! Ich fürchte nämlich, sie schmeckt nach dem hiesigen Klima — die Kirschen hier werden nicht süß, die würdest Du nicht essen." Und in der Tat wird das skeptische Urteil des Meisters über die Symphonie durch Aeutz rungen aus dem engsten Freundeskreise bestätigt. Fürs erste schien es, als sei den Leuten, die Brahmsens Gedankenwelt und seinem Schassen besonders nahestanden, der Blick für die Erkenntnis der
Gröhe des Werkes noch nicht ganz erschlossen. Frau von Herzogenberg, der er einen Teil der Partitur hatte zugehen lassen, erkennt wohl den durchgehenden Zug an, der aus „der Vielheit eine Einheit macht", aber es ist ihr, „als wenn eben diese Schöpfung zu sehr auf das Auge des Mikroskopikors berechnet wäre, als wenn nicht für jeden einfachen Liebhaber die Schönheiten alte offen dalägen, und als wäre es eine kleine Welt für die Klugen und Wissenden, an der das Dolk, das im Dunkeln wandelt, nur einen schwachen Anteil haben konnte... aber: Anfang und Ende zu reich mit Feinheiten bedacht, büßt etwas ein von seiner Macht." Klara Schumann will sich nicht erlauben, ein Urteil über das Werk zu fällen, ohne den Gesamteindruck durch eine Orchesteraufführung gehabt zu haben. Man erkennt wohl die sahtechnische Meisterschaft an, mit dem Werk selbst aber weiß man nichts Rechtes anzufangen. Als Brahms im engsten Freundeskreise die Symphonie mit IgnazBrüll zusammen auf dem Klavier vorspielte, war man nach dem Anhören des ersten Satzes um ein Urteil verlegen, bis Hanslick mit einem schweren Seuszer herausplatzte: „Den ganzen Sah über hatte ich die Empfindung, als ob ich von zwei schrecklich geistreichen Leuten durchgeprügelt würde." Als am Tage nach dieser Vorführung ein wohlwollender Freund Brahms Vorschläge für grundlegende Veränderungen des Werkes machte (u. a. sollte das Scherzo in den Papierkorb wandern), kam Brahms nach zweistündiger Unterredung zu nachstehendem Urteil: „Die Symphonie zurückzuziehen, habe ich keinen Grund. Was ich mir eingebrockt habe, werde ich ausessen. Die Schreier im Parterre sind mir Wurst, das übrige Publikum, unter uns gesagt, dito."
Das Werk wurde nach einer sehr gründlichen Einstudierung durch die Meininger unter Brahms Leitung zur Aufführung gebracht und bald darauf durch die Meininger in verschiedenen westdeutschen und holländischen Städten erfolgreich vorgeführt. Als die Wiener dann an eine Aufführung des Werkes herantraten, konnte Hanslick schreiben, datz das Werk schon eine kleine Triumphreise hinter sich habe. ‘Allerdings errang es in Wien nur einen Achtungserfolg, da man den Proben nicht die ausreichende Zeit unö die notwendige Sorgfalt gewidmet hatte. Heute müssen wir in dem Werke den Gipfelpunkt Brahmsscher Symphoüik erkennen: und das Urteil Hanslicks läßt feine Wertgestaltung am be
sten ersehen: „Die Symphonie verlangt vollendete Meisterschaft: sie ist der unerbittlichste Prüfstein und die höchste Weihe des Instrumentalkompo- nisten. In der Energie echt symphonischer Erfindung, in der souveränen Beherrschung aller Geheimnifse der Kontrapunktik, der Harmonie und Instrumentation, in der Logik der Entwicklung bei schönster Freiheit der Phantasie steht Brahms ganz einzig da. Diese Vorzüge finden wir in seiner vierten Symphonie vollständig wieder, ja, sie scheinennoch höherempor- z u w ach sen."
Um das Wesen dieses einzigartigen Werkes zu ergründen, hat sich eine ansehnliche Zahl von Auslegern bemüht. Fast jeder versuchte, dem rein musikalischen Geschehen eine Beziehung zu einer außermusikalifchen Einwirkung als Programm unterzulegen. So glaubt Max K a l b e ck , die grundlegende Anregung für das Werk in den Eindrücken zu sehen, die Brahms gelegentlich seiner Italienreisen, an den Stätten antiker Kultur in sich aufgenommen hatte, weil ihm persönlich das Verständnis für die Symphonie an den gleichen Stätten aufgegangen war. Zudem nimmt er an, daß die Lektüre der Tragödien des Sophokles in den Sommern der Iahre 1884 und 1885 sich bei Brahms in der Symvhonie ausgewirkt habe. Von anderer Seite hat man in Der Symphonie ein gewisses Programm erkennen und sie in die Rähe einer Reihe ähnlicher Werke rücken wollen, weil „sie zuweilen begeistert, lebendig aufflammend, vorherrschend aber wehmütig und ergriffen von alten Zeiten und dahingesunkenen Eefchlechtern erzähle." Brahms' Musik steht aber gerade der Programmusik äußerst fern. Vielmehr wird man in diesem schwermütigen Zug gerade den Riederschlag eines Lieblingsthemas Brahms', des Gedankens an die Vergänglichkeit, dem er zumal im Requiem und in seinen vier ernsten Gesängen nachhä'ngt, erkennen können. Ihm lag es nicht daran, etwas Außerpersönliches schildern zu wollen, sondern seine Musik wird zu Einblicken in fern eignes Inneres.
Der erste Sah wird in feinen Grundzügen beherrscht von zwei scharf voneinander kontrastierenden Themen, dem elegischen, balladenhasten Hauptthema und einem krafterfüllten, fast ritterlich zu nennenden Gegenthema, das mit seinem Kraftbewußtsein sich mit dem ersten in Widerspruch stellt. Richt die Durchführung des Satzes bringt die Entscheidung, sondern erst in der


