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Aus der Provinnalbauptstadi

Gießen, den II. Januar 1930.

^Kleinigkeiten/'

Es hat einmal jemand behauptet, daß der eigentliche Aerger im Leben nur van soge­nannten Kleinigkeiten herkäme. Das ist bei man­chen Menschen sicher der Fall. Wenn irgendwo ein Knopf abspringt, wenn man die Brille ver- Lrgt hat, wenn einem der Fug vor der Base wegfährt, oder bei anderen Anlässen kann einem tatsächlich die gute Laune verdorben werden. Aber nicht alle ärgern sich über solche kleinen Störungen. Wer Herr über seine Nerven ist und nicht überall Schikanen sehen will, der weih sic'' schon zu Helsen. Ein bihchen Ruhe unö Heber- Legenheit sorgen dafür, dah solche Unannehm l.chkeiten abgeschüttelt werden.

Aber das sind letzten CndeS Anlagen des ein­zelnem Wie wird die Sachlage aber, wenn wir durch Kleinigkeiten unfern Mitmenschen eine Freude bereiten können? Sollte davon nicht mehr Gebrauch gemacht werden? Es gibt solche Möglichkeiten in Hülle und Fülle. Da steigt in unfern Fug eine alte Dame ein, sie hat Gepäck und es wird ihr schwer, in den Wagen zu körn- neu. Ist cs da nicht eine Selbstverständlichkeit, dah wir aufstehen und ihr helfen? Gewiß, sagst du, das ist doch klar. Aber man kann auch be° erdachten, dah sich oft kaum jemand entschließen Pinn, einzugreifen. Ebenso ist es, wenn der Wagen überfüllt ist und ältere Leute stehen müffen. Für die jungen Leute ist das die beste Gelegenheit, sich hier nützlich zu zeigen, und s wiel ich bis jetzt in der Bahn gesehen habe t.nb ich komme viel herum, wird daven auch oft Gebrauch gemacht. Ich muh sagen, dah es mich immer angenehm berührt, wenn ein junger Mann »der ein Mädchen aufsteht und mich bittet, feinen Platz einzunehmen. DieseKleinigkeit" leitet dann oft ein Gespräch ein, und sehr leicht ticirb eine langweilige Fahrt dadurch aufs ange- mehmste verkürzt. Durch diese Gefälligke ten wcr- ten eigentlich stets beide Teile befriebigt. Wir feilten beshalb eifrig barauf bedacht fein, unfern Mitmenschen eine Freundlichkeit zu erweisen, lins selber wirb am meisten bamit gedient.

Diese Freundlichkeit braucht natürlich über ge­wisse Grenzen nicht hinauszugehen, sonst wurden manche selbstbewußte Leute sehr unangenehm, nnb wir Bescheidenen hätten das Nachsehen. ®t- $:ng es jenem Sachsen in der Eisenbahn nicht ebenso? Ein schlafender Engländer mit sehr lan­gen Beinen erlaubte sich, diese auf die Dank gegenüber zu legen. Daoei beschmutzte er die Pleiber des biederen Sachsen. Auf die Dorhal- Lungen, warum er sich das gefallen liehe, sagte er bescheiden:Ich kann doch nicht englisch sprechen I"

Du stehst am Postschalter, hast es vielleicht e ilig. Bor dir warten einige Kinder. Du denkst, die haben sicher Zeit, und drängst sie zurück. Das ist doch eine Kleinigkeit, meinst du? 3m Grunde genommen nicht. Denn gerade hier zeigt es |ii>. wie du zu deinen Mitmenschen stehst. Du würdest kaum wagen, einen andern Herrn zurück- z uschieben und dich selber an den Schalter zu stellen. Warum aber die Schwächeren, die Kin­der? Warten die Eltern zu Hause vielleicht nicht auch auf ihre Kinder? Wir können an öffentlichen Kassen, beim Kaufmann usw. immer wieder sehen, wie die Kleinen zurückftehen müssen. Das ist ein >1 rohes Unrecht. Hast du es wirklich eilig, bann behandle die Kinder wie Erwachsene und frage höflich, ob sie dich vielleicht vorlassen wollen. Du wirst erleben, dah sie gern einwilligen, sind anderseits auch dankbar für die freundliche Frage; denn sie fühlen ganz genau, wie wir sie be- h anbeln.

Bon meinem Fenster aus sah Ich neulich zu, tote ein dreijähriges Kind sich von seinen Spiel- [cmeraben entfernte, über die Strahe lief und dabei hinfiel. Es schrie entsetzlich. Eine vornehme Dame ging vorbei, schaute wohl nach dem Kind, lieh es aber liegen. 3ch wollte schon zornig auf- fepren, da sah ich, tote ein älterer Herr daher- tarn, das Kind aufhob und der Mutter, die in- z vischen erschien, übergab. Sie verhandelten noch e inige Minuten miteinander und gingen bann mit fneundlichem Abschied auseinander. Hätte es der jungen Dame etwas geschadet, wenn sie das Kind «aufgehoben hätte? 3a, das sind soKleinig- 1 feiten", von vielen kaum beachtet. 3m Grunde rtnommen zeigen sie uns aber doch ein treues Di l d des inneren Menschen.

Anderseits können aber auch gedankenlose Staublungen, die wir alsKleinigkeiten" be­

zeichnen, üble Folgen haben. Die Zeit bet Apfel­sinen naht jetzt heran, und wie lange wird's dauern, bann lesen wir in bet Zeitung, dah da und ba eine Frau ober ein Mann ausgeglitten ist unb sich Verletzungen zugezogen hat. 3ft cs denn so schwer, die Schalen in die Tasche zu stecken, wenn wir unbebingt die Apfelsinen auf der Strahe essen müssen? Hier sollten Eltern unb Lehrer immer wieder daraus hinwirken, bah bet Unfug des Hinwerfen s von Schalen endlich ein- gebämmt wird. Das ist ebenso felbstverstänblich, wie wir verlangen, dah unsere Kinder auf ben Rastplätzen fein Papier unb keine sonstigen Ab- fälle herumliegen lassen. Nichts wirkt unschöner als solch' verschandelte Natur.

So gibt es im alltäglichen Geben Hunderte vonKleinigkeiten", die uns wohl bann unb wann etwas Zeit kosten, auf bie wir aber un­bedingt Rücksicht nehmen müssen. Sich einfügen in geordnete Verhältnisse bedeutet noch lange nicht, dah wir alles anerkennen. D.

Tagung der evang. Kirchenregierung.

Die Kitchentegietung bet Evange­lischen Landeskirche trat am 9.3anuar zum ersten Male im neuen 3ahte zusammen. Als Vertreter für den verstorbenen Landeskirchenrat Betnbeck war Pfarrer Ausfelb (Gießen) erschienen. Zu Beginn sprach Prälat D. Dr. Diehl Worte der Begrüßung und gebuchte bes schweren Verlustes, der die Kirchenregierung durch ben Heimgang ihres Mitgliedes, des Gan- beskirchenrat; Bernbeck, betroffen hat. Nach Hinweis auf die schwierige Zeit, in der wir leben, unb bie Gage bet Gandeskirche, beutete er bie wichtigen Aufgaben an, die das neue Jahr der Kirchenteg'.erung stellen würde. Gegenstand bet Beratung unb Beschlußfassung waren alsdann: Neubesetzung von Pfatt st eilen und die Vorarbeiten für den Entwurf eines Gesetzes zur Förderung und Wahrung bet kirchlichen Ordnung, das von großer Be­deutung für das evangelisch-kirchliche Geben für längere Zeit hinaus sein dürfte.

Am Nachmittag trat bie erweiterte Kir- chentegierung zusammen, bie seinerzeit von dem Gandeskirchentag eigens für bie Auseinan­dersetzung mit bem Staate gebildet worden war. Der vom Ganbtag angenommene Schiedsver- t r a g zur Frage der Staatslei st ungen an bie Kirche wurde hierbei erörtert unb Beschlüsse wegen weiterer Behandlung der An­gelegenheit gefaßt.

(Siebener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 130 bis 170; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weihkraut IO bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinal 25 bis 35; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 70 bis 90; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 4'/» bis 5; Aepfel 10 bis 15; Dirnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 110 bis 140; Nüsse 50 bis 80; das Stück: frische Gandeier 17 bis 19; Kisteneier 16 bis 17; Tauben 70 bis 90; Blumenkohl 50 bis 100; Salat 35 bis 40; Endivien 15 bis 40; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Gauch 5 bis 15; Retticl 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40 Pfennig; der Zent­ner: Kartoffeln 3,80 bis 4; Wirsing 10 bis 12, Weihkraut 7 bis 8; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 10 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Kriegcrvercin Gießen: 65. Sti,tungs,est, 20Ufjr, im Cafo Geib. Eisenbahnfahrbeamtenverein: Winterfest, 20 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. G. R. G.: Generalversamm­lung, 20.30 Uhr, im Dootshause. Kavallerie­verein Gießen e. D.: Monatsdersammlung, 20.30 Uhr, Dereinslokol. Erste Reichäkurzschrist- gesettschaft Gabels berget" und Damenabtei- lung: Ordcntl. Generalversammlung, 20.30 Uhr, in derStadt Gich". 222er: Zusammenkunft, 20.30 Uhr, bei Böh. D. H. D.: Jahreshaupt- Versammlung, 20,30 Uhr, im Bayerischen Hof. Glchtsplelhaus Bahnhofstraße:Der Graf von Monte Christo"; auf der Bühne Gastspiel des Bariettkünstlers Sylvester Schäffer. Astoria- Gichtspicle:Das Panzerauto" undDie 3agö nach der Kassette".

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater:Das tapfere Schneiderleln", 15 bis 17.30 Uhr;Gräfin Mariza", 18 bis 21.30

Uhr. Gießener Konzertverein: Fünftes Kon­zert, Alma Moodie, 17 Uhr, Universitäts-Aula. Oberhessischer Kunstverein: Eröffnung der Ausstellung im Turmhaus am Brandplah. Physiologisches 3nftitut: DortragDie Funk­tionen des Nervensystems", 11.30 Uhr. DHC.: Wanderung, Abmarsch 10 Uhr, Ecke Wetzlarer Straße. Gichtspielhaus Dahnhofstraße:Der Graf von Monte Cristo"; auf der Bühne Gastspiel des Darietekünstlers Sylvester Schäffer; 11.15 Uhr, Kultur-FrühvorstellungPori" (ein Film aus afrikanischem Dusch). Astoria-Gichtspiele: Das Panzerauto" undDie 3agd nach der Kassette".

Aus dem S t ad t theater bu r eau wird uns geschrieben: Morgen wird das erfolg­reiche chenDas tapfere Schneiderlein" von Alois P r a s ch , Spielleitung Karl D o 1 ck, zum letzten Male gegeben. 18.30 Uhr findet eine große OperettenpremiLre statt. Die Operetten- gastfpiele Frankfurt am Main gastieren mit der Gräfin Mariza". Die zündende Musik der Kal- manschen Operette ist schon teilweise volkstümlich geworden.

Der Goethe-Dund wird, wie man uns schreibt, mit dem dritten Tag des zusam­men mit dem Stadttheater veranstalteten Kam- merspielzhllus seinen Mitgliedern wiederum einen hervorragenden Kunstgenuß bieten. Die Tanzkünstlerin Senta Maria aus München ist zu einem Tanzgastspiel (Tänze und Panto­mimen) eingeladen worden. Senta Marias Eigen­art ist die Einzelpantomime, getragen von einer starken, innerlichen Gestaltungscraft in der Be­wegung, die in ihrer Gndform weit über das hinausgeht, was gemeinhin noch heute unter Pantomime verstanden wird. Ihre Tanzgast- spiele gehören zu den interessantesten Veran­staltungen des künstlerischen Tanzes. Das Gast­spiel verdient allseitige Beachtung. (Siehe heu­tige Anzeige.)

Der neue ©tabtrat wird seine erste öffentliche Sitzung am Freitag nächster Woche, 17. 3anuar, 12 Uhr, im Sitzungssaal«: des Stadt­hauses Bergstraße abhalten. 3n der Hauptsache handelt es sich dabei um die Einführung und Ver­pflichtung der neuen Stadtratsmitglieder und um die Wahl zu den Ausschüssen und Deputationen des Stadtrates.

* Neubau einer Post-Kraftwagen- Halle. Das im Hose des Hauptpostamtes in der oberen Bahnhofstraße stehende Hintergebäude, das ursprünglich zum Unterstellen von Pferden und Wagen für den Fuhrwerksbetrieb diente, ist seit einigen Tagen vollständig niedergelegt worden. An seiner Stelle soll ein Neubau zum Unterstellen von Kraftwagen nebst Reparatur- werkstätte und Gagcr von Ersatzteilen erstehen. Mit Rücksicht auf die Dringlichkeit dieses Ge­bäudes sollen die Bauarbeiten mit Beschleuni­gung ausgeführt werden.

Die Museen sind am morgigen Sonntag zu gewöhnlichen Preisen geöffnet.

Oberhessischer Kun st verein. Mor­gen, Sonntag, 12. 3anuar, beginnt im Turm­haus am Brandplah die erste Ausstellung im neuen 3ahr. Die an ihr beteiligten Künstler stellen, abgesehen von Fräulein Clara Her­zog, Stuttgart, welche dieses Mal eine Kollek­tion verschiedenartiger Blumenstücke zur Schau bringt, zum ersten Male in unserer Stadt aus. Walter D e t e r m a n n, ein im 3ahre 1889 in Hannover geborener Künstler, welcher sich nach Vollendung seiner Studien in Dresden und Wei­mar an letztgenanntem Ort niedergelassen hat, ist mit Oelgemälden mannigfacher Art vertreten; neben deutschen Gebirgslandschaften, insbesondere aus der Rhön und solchen aus Südfrankreich, sind Porträts, ein weiblicher Akt, und Stilleben ausgestellt, von denen namentlich eine Clivia er­wähnt sei. Fritz Bender, ein junger, in Her­born beheimateter, auf der Akademie in Kassel ausgebildeter Künstler, bringt eine größere Zahl von Oelgemälden, Aquarellen und Zeichnungen, deren Motive teils seiner Heimat, Herborn und dem Westerwald, teils der dalmatinischen Küste entstammen, wohin ihn eine Studienreise geführt hat. E. Ackermann, München, stellt Feder­zeichnungen, sowie schwarze und farbige Holz­schnitte aus, welche schon in einer Reihe großer Städte gute Aufnahme gefunden haben. Die Aus­stellung ist Sonntags, Montags, Mittwochs und Freitags von II1, Mittwochs auch von 3--5 Uhr nachmittags geöffnet (Siehe gestrige An­zeige.)

Personalie. Der Rechtsanwalt Dr. Friedrich Knopfe! in Darmstadt wurde zmn

Notar mit dem Amtssitz in Bad-Nauheim als Nachfolger des verstorbenen Notars Stahl mit Wirkung vom 15. 3anuar ab ernannt.

* Neue Kurse in der Volkshoch­schule. Man schreibt uns: Die Brsuchsziffcr der Volkshochschule ist in diesem Wintersemester erfreulich hoch; sie übertrifft den Durchschnitt der letzten drei Winterhalbjahre bereits um etwa 35 Prozent. Dieses Ergebnis ist auäschließ- lich der starten Beteiligung an den wissenschaft­lichen Kursen zu verdanken; dagegen läßt der Besuch der Kurse für Musik, Zeichnen, Gym­nastik und sprachliche Fortbildung Wünsche offen. Wenn auch im allgemeinen von den Hörem die den ganzen Winter ausfüllenden, fünfzehn Abende umfassenden Kurse bevorzugt toerben, so hat die Volkshochschule doch auch denen Rechnung zu tragen, die sich nur auf kürzere Zeit binden wollen. Es dürste nicht genügend bekannt sein, daß schon seit mehreren Semestern geeignete Themen auch im Winter an nur zwei bis acht Abenden behandelt werden. Mehrere Kurse klei­neren Umfangs (bzw. selbständige Fortsetzungen) beginnen wieder in der kommenden Woche. Die Themen lauten:Du und dein Heim",Vom Wesen des Menschen",Betrachtung von Kunst­werken",Büdmäßige Photographie",Die Ver­erbungsregeln",Goethes Faust". (S. Anzeige.)

** Ehrung eines hessischen Gands­mannes. Ein Sohn unserer Stadt Gießen, der Bürgermeister Dr. P e p p l er in Pa'ewalk (Vor­pommern) konnte vor einigen Tagen seinen 50. Geburtstag begehen.-Aus diesem Anlaß wurden ihm von den Reichs- und Staatsbehörden, dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung von Pasewalk, sowie von den Freunden seines Hauses herzliche Ehrungen bereitet. 3n der Pase­walker Gokalpresse wird darauf hingewiesen, daß Bürgermeister Dr. Pep Pier feit 13 3ahren zum Wohle der Stadt Pasewalk gewirkt hat, und es wird dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß es ihm noch lange vergönnt fein möge, zum Segen der Stadt Pasewalk seines Amtes zu wal­ten. Bürgermeister Dr. Pep Pier ist ein Sohn des früheren Gerichtsvollziehers Georg P e pp - I e t, der von 1874 bis 1889 in Gießen, in der 7. Kompanie der 116er, zuletzt als Feldwebel, diente, dann 25 3ahre lang als Gerichtsvoll­zieher amtierte und der heute noch im Alter von nahezu 76 Jahren bei einer Tochter in Karls­ruhe lebt.

Kein städtischer Wohnungsbau mehr in Darmstadt.

WSN. Darmstadt, 10. Jan. Die Stadt Darmstadt hat bisher in sehr erheblichem Matze der Wohnungsnot durch Erstellung städ­tischer Wohnhäuser abzuhelfen gesucht und sich dabei mit erheblichen Schulden belastet, die durch die an sich gewiß nicht niedrigen Mieten auch nicht annähernd verzinst, geschweige denn amortisiert werden können. Die für den Woh­nungsbau verfügbaren Mittel aus der Haus­zins st e u e r , die in Hessen bisher schon ge­ringer geflossen sind, als in Preußen, sollen künftig noch weiter eingeschränkt wer­den und dürften durch die Mietzuschüsse an Er­werbslose und Sozialrentner beinahe aufgezehrt werden. Die Stadt Darmstadt wird daher den Wohnungsbau ass rein städtis che Angelegenheit beseitigen und lei­stungsfähige Organisationen zu Trägem dieser Aufgabe machen. Verhandlungen sind bereits mit der Deutschen Bau- und Siedlungsgemein­schaft (zinsfreies Bauen) und anderen genossen­schaftlichen Verbänden eingeleitet, so daß alsbald eine entsprechende Vorlage dem Stadtrat zugehen wird.

Wie wir auf Anfrage bei der Gießener Stadt­verwaltung erfahren, besteht auch für Gießen, da es mit wesentlich geringeren Einnahmen au8 der Hauszinssteuer rechnen mutz, im Jahre 19 30 keine Möglichkeit, ein städtisches Wohnungsbauprogramm (stadteigene Wohnungen, Wohnungen von Baugenossenschaf- ten und von Privaten) zur Durchführung zu bringen. Günstigstenfalls kann das Dauprogramm aus dem Jahre 1929 abgewickelt werden.

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Jahre Arbeit und Erfolge

liegen heute hinter uns. Immer war es in dieser Zeit für uns als die ältesten Automobil­werke der Welt selbstverständliche Tradition, führend zu sein in der Entwicklung des Kraft­fahrzeugs, nicht nur in der Erzielung höchster Qualität, sondern auch in der immer günstigeren Gestaltung des Verhältnisses zwischen Wert und Preis.

Unser Typenprogramm für das Jahr lYZO steht auf der vollen Höhe aller erprobten technischen Errungenschaften. Der wirtschaftliche geschmeidige Viersitzer TypStuttgart von 6800.- RM. an, der sechssitzige mittelstarke Gebrauchs­wagen von höchster Zuverlässigkeit TypMannheim, der kraftvolle schöne Achtzylinder TypNürburg von letztem Fahrkomfort, die Kompressormodelle als Hochleistungswagen von internationalem Format, sie alle sind das Ergebnis der umfassenden Erfahrungen aus viereinhalb Jahrzehnten, letzte Stufe technischer Entwicklung, höchster Wert zu günstigstem Preis.

Wenn Sie vor der Wahl Ihres Wagens stehen, so versäumen Sie nicht, unsere Modelle zu prüfen. Wir wollen Ihnen beweisen, daß es keine höhere Wertbezeichnung für ein Automobil

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