Ausgabe 
10.12.1930
 
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aufhörlich von Berlin bis vor der Tür von Evas kleinem Haus. Sie redete und redete, und Eva lachte manchmal laut auf. Sie war froh, daß sie fortan nicht mehr den ganzen Tag mit der alten Haushälterin allein sein würde. Denn bei Albert Go'ldener im Geschäft war sie nicht mehr.

Als die beiden Mädchen dann am Abend bei­sammen saßen, fing Paquita alles, was fte ge­päppelt, wieder von vorn an.

Daß wir uns noch einmal Wiedersehen wür­den, hätte ich nie geglaubt, Eva. Aber ich habe oft an Sie gedacht, und als mir Sennor Dueros Vertreter in seinem Auftrag den Vorschlag machte, Sie für einige Wochen zu besuchen, bin ich ihm um den Hals gefallen vor Freude und Begeisterung. Wissen Sie, ich bin doch mein Leb­tag nicht aus Barcelona herausgekvmmen, und nun sollte ich gleich so weit reisen dürfen und noch dazu auf anderer Leute Kosten. Sogar für meine Toilette hat mir Don Primo etwas anweisen lassen, und Taschengeld habe ich auch noch. Reichlich sogar." Sie seufzte drollig.Aber nun Sie mir sagten, Sie wären Don Primos Braut, ist mir ja alles verständlich. Ich habe natürlich so etwas geahnt, als ich herfuhr. Aber ich könnte mich selbst schütteln, weil ich Ihnen ein­mal erzählte, Montserrat Duero würde Don Primos Frau werden. Ich glaubte das sicher. Gott sei Dank, daß ich Sie beide dadurch nicht etwa getrennt habe."

Eva erwiderte ernst:In diesem Fall trugen Sie wirklich die Schuld, daß Primo und ich fast für immer getrennt wurden. Rur durch einen Zufall fanden wir noch zueinander."

Paquita blickte betroffen.

Wie leid tut es mir, beinahe so großes Lln- heil angerichtet zu haben", stotterte sie verlegen.

Eva nahm einen Augenblick ihre Hand.

Heute brauchen Sie sich deswegen keine Ge­danken mehr zu machen. Schlimmer war fast noch etwas anderes."

Sie erzählte von Hans Felsen, und Paquitas Augen wurden feucht.

Ob Sie Ihrem Jugendfreund wohl sehr wehe getan haben? Run, ich meine, es wäre meine Schuld, wenn er unglücklich wird."

Eva lächelte ein wenig.

Sie brauchen sich daran keine Schuld zu geben, und ich glaube auch, Hans Felsen wird über seinen Kummer wegkommen. Ich muhte jedenfalls so handeln, tote ich es tat, sonst

besitze*. die Führung an sich zu reißen. Gießen verschärfte als Antwort das Tempo und glich nach kurzer Zeit aus. Mit 1:1 wurden die Sei­ten gewechselt. Dach der Pause drängten die Gießener mit Macht, ohne jedoch verhindern zu formen, daß Raunheim in der 15. Minute das Ergebnis auf 2:1 stellte. Wenige Minuten später brachte eine aut getretene Ecke den Einheimischen den dritten Erfolg. Das Spiel nahm an Schärfe zu. Obwohl die Gäste zahlreiche Angriffe auf daS Tor der Einheimischen unternahmen, gelang es ihnen nicht, den Tornrann zu überwinden. Kurz vor Schluß konnte Raunheim zum viertenmal er­folgreich sein und damit den Sieg sicherstellen.

Heuchelheim I Dleder-Florskadt I 1:5.

Heuchelheim hatte sich den Bezirismeister des 6. Bezirkes, Rieder-Florstadt i zum Freundschafts­spiel verpflichtet. Die Gäste stellten eine flinke Elf, der die Heuchelheimer alles Können ent­gegensetzen mußten. Bis eine Viertelstunde vor Schluß führte wohl Heuchelheim 1:0, dann aber war der Widerstand der Einheimischen gebrochen und den Gästen gelang es noch fünfmal, erfolg­reich zu sein.

Wieseck I Oppenrod I 10:1.

Oppenrod kam einer Rückspieloerpflichtung in Wieseck nach und trat mit nur 10 Mann an. Wieseck gestaltete denn auch das ganze Spiel überlegen für sich und führt bei Halbzeit be­reits mit 5:0 Toren, während der Schtuhstand 10:1 lautete.

Vorher lieferten sich die dritte Iugend des Plahvereins und die Iugend Rödgens ein flottes Spiel, das die Wiesecker für sich entschieden.

Watzenborn I Leun I 4:0.

Um die Meisterschaft der zweiten Bezirksklasse standen sich die Gruppenmerster in Watzenborn

gegenüber. In einem scharfen Spiel, in dem die Einheimischen den Gästen technische Ueberlegen- heit zeigten, konnte Watzenborn viermal erfolg­reich fein, während den Gästen trotz aller An­strengungen jeder Erfolg versagt blieb.

Daunhelm Ib Gießen Ib 3:3.

Vor dem obigen Spiel standen sich die 6-Mann- schaften in einem Freundschaftsspiel, das unent­schieden endete, gegenüber.

Rüddingshaufen I Marburg II 2:0.

Der überaus glatte Boden lieh eine volle Ent­faltung der Kräfte nicht zu. Die einheimischen Rüddingshäuser konnten mit obigem Ergebnis das Spiel für sich entscheiden.

Sichertshausen I Irankeubach I 0:0.

Ein flottes Spiel. Trotz körperlicher Äeber- legenheit gelang es den Einheimischen nicht, die flinken Gäste zu schlagen.

Raunheim Iugend und Wetzlar Iu- aend lieferten sich in Raunheim, ein schönes Spiel, das die Einheimischen mit 2:1 Toren als Sieger sah.

Kurze Gporinoiizen.

Der Geschäftsführer der DT., Franz Breithaupt, vollendete am Montag sein 50. Lebensjahr.

Das Berliner Hallensportfest wurde aus technischen Gründen vom 1. auf den 8. Februar verlegt.

Im Eishockey-Rückspiel im Berliner Sportpalast am Sonntag siegte die englische Ra­tionalmannschaft über den Berliner Schlittschuh­club 2:1 (1:0, 0:1: 1:0) und konnte damit trtc Riederlage vom Vortage wieder wettmachen.

Vereinsgeraie-Wettkampf Großen-Lin-en-Krofdorf-Heuchelheim

Am Sonntag gelangte ein Gerätewettkampf der Turnvereine Großen-Linden, Krofdorf und Heuchelheim erstmalig in der geräumigen Turn­halle des Tv. Heuchelheim zur Durchführung. Den Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden der Heuchelheimer Turner schloß sich Herr Bürger­meister Kreiling an. Gauoberturnwart Will, der den Gau Hessen vertrat und der dem Wettkampf als Leiter Vorstand, erwiderte und hob hervor, daß es durch solche Werbeveranstal­tungen der DT. neue Freunde zu gewinnen gelte.

Der Wettkampf, der für unfern Gau insofern etwas Reues darstellte, als er nicht nur Turner einer Stufe (Meisterstufe) im Kampfe sah, son­dern daß er sämtliche Abteilungen eines Vereins auf den Plan brachte, war vom Tv. Heuchelheim sehr gut vorbereitet. Iede Mannschaft bestand aus Turnerinnen, Iugendturnern, Altersturnern und aktiven Turnern. Es wurden verlangt Kür­übungen an Reck, Darren und Pferd, sowie von je einer Turnerin und einem Turner eine selbstgewählte Freiübung. Als Kampfrichter fun­gierten Gaufrauenturnwart Paul (Gießen), De- zirlsturnwart Schüler (Wetzlar) und 2. Be- zirksturnwart Reuter (Gießen).

Hatte man auf einen der Vereine als sicheren Sieger getippt, so erwies es sich als trügerisch, denn infolge der Zusammensetzung der Mann­schaften verschob sich das Dlld fortwährend, zu­mal der Favorit durch zwei Versager lange ins Hintertreffen geraten war. Die Spannung wuchs und. steigerte sich, denn die Entscheidung konnte erst mit der letzten Hebung herbeigeführt wer- dtn. Der Kampf sah drei völlig gleichwertige Gegner, wie folgendes Ergebnis zeigt:

Turnverein Grohen-Linden 1. Sieger, 702 P.

Turnverein Heuchelheim 2. Sieger, 700 P.

Turnverein Krofdorf 3. Sieger, 693 Punkte.

Der siegenden Mannschaft gehörten an: Anna Weinandt, Luise Weiß, Walter Mehl, Kurt Faber, Otto Hofmann, Wilhelm Volk, Wilh. Weiß, Albert Leun, Fritz Weitershaus, Richard Seht.

Der Verlauf des sehr interessanten Kampfes zeigte folgende Sinzelleistungen:

Oer Dreizehnte.

Vornan von Anny von Panhuys.

Copyright 1929 by Verlag Bechthold Braunschweig

24 Fortsetzung Nachdruck verboten

Er blieb mitten auf der Straße stehen.

Der Don Iuan aus Spanien hat dir schon gesagt, du sollst seine Frau werden? O, das geht ja alles verteufelt schnell. Ich sehe ein, es hat keinen Zweck, Wetter um deine Gnade zu flehen. Also entschuldige die Störung."

Er zog seinen Hut wie vor einer Fremden.

Hans, sei doch vernünftig", bat sie, »wir kön­nen gute Freunde bleiben/

Er lachte böse:Dazu habe ich kein Talent."

Und dann war er fort, ehe sie auch nur noch eine Silbe hatte sagen können.

Ihr traten die Tränen in die Augen, ver­stimmt und traurig setzte sie ihren Weg fort.

Am nächsten Abend kam seine Mutter zu ihr, und sie erzählte ihr wahrheitsgetteu alles, was geschehen, sie sprach ehrlich von ihrem Empfin­dungen. Hans Felsens Mutter rang die Hände.

,..2ch habe gemeint, es könnte nicht möglich Tem, was mir Hans berichtete, und nun ver­hält es sich doch so. Um des Himmels willen, Eva, du machst uns ja alle lächerlich hier im Ort. Das geht einfach nicht, wie du cs dir denkst. Alle Welt weiß von eurer Verlobung, die Weihnachten offiziell werden soll."

Eva schüttelte den Kopf.

Wer ist denn .alle Weltt? Unsere Kleinstadt doch wahrhafttg nicht. Hans hat den Anstoß zum Bruch gegeben. Er hat meine Ehre angegriffen. Und ich bin froh, daß ich wieder frei geworden, denn jetzt weih ich, glücklich wären wir beide doch nicht geworden."

Hans Felsens Mutter sah sie groß an.

Mit meinem Iungen kann eine Frau nicht unglücklich werden", erklärte sie betont, und dann ging sie ohne Gruß.

Schade, dachte Eva seufzend, nun war die Verbindung mit den Rachbarn Wohl zu Ende. Es war ein Stückchen ihrer Kindheit und ersten Iungmädchenjahre, was damit zerbrach.

Sechs Tage später konnte sie schon Paquita Eascmovas m Berlin abhvlen, und die kleine dunkeläugige Spanierin war ganz närrisch vor Freude über das Wiedersehen. Sie schwatzte un­

Pferd: Großen-Linden 230, Krofdorf 232, Heuchelheim 225 Punkte. Krofdorf leicht in Füh­rung.

Barren: Grohen-Linden 239, Krofdorf 237, Heuchelheim 250 Punkte. Stand: Grohen-Linden und Krofdorf punktgleich 469 Punkte, Heuchel­heim steht mit 475 Punkten an der Spitze.

Freiübungen: Grohen-Linden 45, Krof­dorf 49, Heuchelheim 43 Punkte.

Reck (nur von den Turnern jeder Mannschaft bestritten): Grohen-Linden 188, Krofdorf 175, Heuchelheim 182 Punkte.

Als beste Turner erwiesen sich: Richard Seht, Tv. Grohen-Linden, mit 80 Punkten, Fritz Wei- tershaus, Tv. Grohen-Linden, 76 Punkte. Eduard Heyer und Karl Würtz, beide Tv. Krofdorf, je 74 Punkte, und Franz Reuschling, Tv. Heuchel­heim, 71 Punkte. Die beiden besten Altersturner waren: Albert Rinn, Tv. Heuchelheim, 79 P., und Fritz Dolkmann von demselben Verein, 77 Punkte. Die zwei besten Turnerinnen stellten Tv. Heuchelheim durch Emilie Reutschling (49 P.) und Tv. Krofdorf durch Klara Amend (48 P.). Bei den Iugendturnern Kurt Faber, Tv. Grohen- Linden (76 P.) und Heinrich Rinn, Tv. Heuchel­heim (71 P.).

Die Gesamtpunktzahlen der einzelnen Mann­schaften setzen sich folgendermaßen zusammen:

Großen-Linden: Turnerinnen 105 P.. Iugendturner 140 P., Alterstnrner 138 P., aktive Turner 319 P. (insges. 702 Punkte).

Heuchelheim: Turnerinnen 117 P., Iu­gendturner 139 P., Altersturner 156 P., aktive Turner 288 P. (insgesamt 700 Punkte).

Kr o fdorf: Turnerinnen 118 P., Iugend­turner 127 P., Qüterdturnet 141 P., aktive Turner 307 P. (insgesamt 693 Punkte).

Die zahlreichen Zuschauer folgten äußerst ge­spannt dem Kampfe, den ©auobertumtoart Will mit einer kurzen Siegerehrung ausllingen lieh Das Kampfgericht entledigte sich seiner Aufgabe in korrekter Weise. Der erste Vereins- geräte-Wettkampf dieser Art war ein voller Erfolg.

Oberheffen.

Landkreis (Rieften.

L, Wieseck. 9. Dez. Der G e m e i n d e r a i be­faßte sich gestern abend wiederholt mit der Fest­setzung der Kanalgebühren. Rachdem von verschiedenen Mitgliedern des Gemeinderats Vor­schläge gemacht waren und auch die Kommission Stellung dazu genommen halt.', gab Bürgermeister Schomber den Vorschlag der Kommission be­kannt. der dahin ging, vom Vermieter bzw. Haus­besitzer 10 Mark und vom Mieter 8 Mark zu erheben. In Frage kommen 390 Eigentümer und 210 Mieter. Gemeinderat Laudon schlug 8 Mk. bzw. 6 Mk. vor. Rachdem sich der Gemeinderat in Längerer Aussprache mit der Angelegenheit be­faßte, wurde ein Vorschlag des Gemeinderats Denner mit acht gegen fünf Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenommen, der dahingeht, dah die Kanalgebühren nicht auf Vermieter und Mieter umgelegt werden, sondern nur jeder Ka- nalanschluh bewertet werden soll. Die Ge­bäude mit einem Drandkassenwert bis 8000 Mk? sollen 12 Mk. Kanalgebühren einbringen, bis 15 000 Mk. Drandkassenwert 15 Mk. Kanatbeitrag und über 15 000 Mark Drandkassenwert 20 Mt. Kanalgebühren. Der Hauseigentümer bzw. Ver­mieter ist berechtigt, 40 Proz. der Kanalgebühren auf seine Mieter abzuwälzen. Durch diese Rege­lung hofft der Gemeinderat eine gerechte Grund­lage zur Erhebung der Kanalgebühren geschaffen zu haben, zumal die Kosten des Kanalbetriebes auf mindestens s/3 gleich 5000 Mark von den Ruhnießern getragen werden müssen. Der Kre­ditbewilligung von 3500 Mk. für die Winter­beihilfe stimmte der Gemeinderat einstimmig zu. Hierbei teilte Dürgermeister Schomber mit, dah für die Wohlfahrtsunlerstü"ten der Gemeinde Wieseck ungefähr dieselben Sätze angewandt wür­den, wie in Gießen. Auf eine frühere Anregung des Gemeinderats Denner, für die Unter* stühungsbedürftigen der Gemeinde durch Samm­lung innerhalb des Ortes die Rot lindern zu Helsen, soll erst später zurückgegriffen werden, da der Gemeinderat hofft, durch die Winterbeihttse der ersten Rot gesteuert zu haben. Ein Schrei­ben des Kreisamtes Giehen wegen Anschaffung einer Motorspritze wurde zur Kenntnis ge­nommen. Eine weitere Mitteilung überV olks- bildung der Erwerbslosen wurde dahin beantwortet, daß den Wiesecker Erwerbslosen ge­nügende Möglichkeiten zu ihrer Weiterbildung in Giehen geboten würden. Dem Gesuch des Adam D o b u s um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft wurde vom Gemeinderat entsprochen. Die Hundesteuer für 1931 wurde in der Hohe von 1930 festgesetzt.

LJ Groh en-Linden, 9. Dez. Der hiesige Kriegerverein veranstaltete am Sonntag­abend im Saale der Gastwirtschaft Schaum ein gut besuchtes Mili tärkonzert der Gießener Militärkapelle unter Leitung des Obermusik­meisters L ö b e r. Der erste Teil des Programms brachte Stteichmusik, während im übrigen Blas­musik geboten wurde. Äe starken Beifallskund­gebungen veranlaßten das Musilkorps zu meh­reren Zugaben.

t Treis a. d. Lda., 9. Dez. Am Sonntagabend fand im vollbesetzten Saale der Gastwirtschaft Will der diesjährige Familienabend des hiesigen Zweigvereins des Evangeli­schen Bundes statt, wobei Pfarrer Dr. Der- g 6r, Darmstadt, einen Vortrag überAdvents­lichter in dunkler Zeit" hielt, in dem er zu lebendiger (Betätigung des evangelischen Glaubens aufforberte. Gesangsdarbietungen des hiesigen Kirchengesangvereins, des Posaunenchors von Londorf und Deklamationen von Adventsgedich­ten durch die Konfirmanden rahmten den Vor­trag ein.

is. Steinbach. 9. Dez. Linser . Ort erhielt jetzt auch wieder eine Poststelle mit der Be­zeichnungSteinbach, Gießen-Lan d". Die Stelle wurde dem seitherigen Hilfsstellen­inhaber Ioh. Georg Gerhard übertragen. Die Gebühren für den Ortstarif gelten nur noch für Steinbach. Die Postsachen werden zweimal am Tage von Gießen aus mittels Postautos her­gebracht und morgens den Empfängern zugestellt, während sie mittags abgeholt werden können.

Dis Rentenempfänger erhalten nun ihrs monah lichen Auszahlungen ebenfalls in Steinbach. Dis Steuerung wurde allgemein begrüßt. In un* serer Kirche gelangte der FibnWunder der Schöpfung" zur Vorführung. Der Reinertrag soll für das neu zu errichtende Krüppelheim in Rieder-Ramstadt Verwendung finden.

D Lich, 9.Dez. Bei der Viehzählung am 1. Dezember wurden in unserer Stadt gezählt 166 (163) Pferde, 609 (545) Stück Rindvieh, 478 (614) Schafe, 795 (670) Schweine, 173 (146) Ziegen, 4698 (3547) Stück Federvieh, 14 (45) Bienenstöcke. Die in Klammern gesetzten Zahlen geben die vor­jährigen Zählergebnisse an.

Kreis Büdingen.

h. G e i tz - Ä i d d a, 9. Dez. Seit längerer Zeit erwies sich die Turnhalle des hiesigen Turnvereins als nicht mehr zweckmäßig. Der Verein verkaufte daher im letzten Sommer die alte Halle und begann sofort mit dem Reu­bau einer den Anforderungen entsprechenden ge­räumigen Halle, die nicht nur zur Abhaltung der Hebungen, sondern auch zu Feierlichkeiten des Vereins geeignet ist. Der Reubgu ist mit Unterstützung von GemeindeverwaltungT' Ein­wohnerschaft und Gönnern des Vereins so weit vollendet, daß er zu Weihnachten seiner Be­stimmung übergeben werden kann.

Kreis Schotten.

Q Rudingshain9. Dez. Eine Advents- feier ft unbe mit vielen Lichtbildern veranstal­teten am Sonntag die beiden Lehrer S chw arg und Fuhr. Rach einem Liedvortrag des Männer­gesangvereins führte Lehrer Schwarz die vie­len Gäste an Hand von Lichtbildern von der Hei­mat ausgehend in die weite Welt. Die herrlichsten Stadt- und Landschaftsbilder aus den verschie­denen Erdteilen zogen in buntem Wechsel vorüber. Rach einem gemeinsam gesungenen Heimatliede! sprach er dann über Weihnachtssitten und -ge* bräuche in aller Welt und zeigte besonders an Hand von guten Lichtbildern die Verbundenheit deS Auslandsdeutschtums mit dem Mutterlande. Der letzte Teil der Veranstaltung stand unter dem LeitgedankenEs weihnachtet im Gebirge". Bilder aus Dorf, Feld und Wald versetzten tn weih­nächtliche Stimmung.

Kreis Alsfeld.

Vockenrod, 8. Dez. Ein ungewöhnlich gün­stiges Ergebnis zeigt der Abschluß der hiesigen Feldbereinigung. Zur Zeit sind nur 5,70 Mark auf den Morgen an ungedeckten Kosten vor­handen. Allerdings sind in der Gemarkung bis­her noch keine Drainagen ausgeführt worden. Die hierfür erwachsenden Kosten werden von den Be­sitzern der an der Drainage beteiligten Flächen nach Maßgabe ihres Anteils getragen, so daß an der Kostenaufbringung nur diejenigen Land­wirte beteiligt sind, die den Vortell davon haben. Wenn sich der Betrag von 5,70 Mk. auch durch nachträgliche Arbeiten auch noch erhöhen wird, so wird er sich doch auf einer Höhe hallen, die bei den heutigen Zeiten als ungewöhnlich niedrig begeidjnet werden muh. Manche G«neinde sollte sich die Frage vorlegen, ob nicht auch für sie die Zeit gekommen wäre, sich die Vorteile der Feld­bereinigung zu sichern.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

CD Krofdorf, 10.Dez. Den Arbeiterinnen der drei hiesigen Zigarrenfabriken (Georgi, Gail und Rinn & Cloos) ist infolge der Zoll, und Steuer­erhöhung für Tabakfabrikate gekündigt worden. Die Kündigung soll um Weihnachten in Kraft treten, was für unser dörfliches Wirtschaftsleben einen schweren Schlag bedeutet. Morgen beginnt hier ein vom Kreis eingerichteter Haushaltungs­kursus für junge Mädchen unter Leitung der neuen Haushaltungslehrerin Frl. Kutt.

J Groß-Rechtenbach, 9. Dez. Der G e meinberat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, sämtliche Erwerbs lose zu den H o l z - fällungsarbeiten heranzuziehen. Sofern die Forstverwaltung dem Beschlüsse nicht nach­kommt, sollen die Holzfällungsarbeiten mit sofor­tiger Wirkung eingestellt werden

waren drei Menschen unglücklich geworden. Aber nun wollen wir nicht mehr davon reden, plau­dern wir ein bißchen von Barcelona."

Paquita war gern bereit dazu. Zum Schluß kam sie auf den Rosenmontag zu sprechen, der sich nun bald zum dritten Wale jährte.

Keine noch so winzige Spur hat sich inzwi­schen von dem Mörder gezeigt, erzählte sie, und man wird wohl nie erfahren, wer das Furchtbare getan hat."

Sie schüttelte sich in der Erinnerung an das grauenhafte Ereignis.

Eva dachte daran, daß sich nun doch eine Spur gezeigt, aber sie verriet nichts von dem, was sie wußte.

Am nächsten Morgen kam Paquita mit einem Bild an den Frühstückstisch. Sie hielt es Eva entgegen.

..Cs stand in dem Zimmer neben dem meinen, darf ich wissen, wer der Herr ist?"

Lieber Evas Stirn zog ein flüchtiger Schatten.

Das ist eine Photographie von Hans Felsen, nebenbei bemerkt: eine sehr gut getroffene."

Paquita stellte das Bild beiseite.

Verzeihung, ich wollte nicht wieder von dem Thema anfangen. Aber das Bild gefiel mir. Sie lachte mit blitzenden Zähnen.Ihnen liegt doch nichts mehr daran, nicht wahr? Schenken Sie es mir.

Aber Paquita, was wollen Sie denn mit dem Bild eines Ihnen fremden Herrn anfangen?" fragte Eva ein wenig belustigt.

Paquita lachte wieder.

Genau weiß ich es auch nicht. Ich habe doch keinen Rovio (Bräutigam), denn wer will denn so ein armes Ding wie mich, und wenn ich erst wieder daheim bin, bilde ich mir dann ein, das wäre mein Rovio, aber wir dürsten uns nicht heiraten. Er gefällt mir so gut. Sie war schon wieder bei dem Bilde.Er gefällt mir wirklich so gut. Wissen Sie, das nennt man Liebe auf den ersten Blick."

Eva mußte herzlich lachen. Paquita Casano­vas hatte wirllich drollige Ein falle, fand sie.

Ich darf es Ihnen leider nicht schenken, da e8 Hans Felsen eines Tages von mir zurückfvrdern könnte", entgegnete sie.

Paquita meinte treuherzig:Dann leihen Sie es mir wenigstens. Ich möchte es in meinem Zimmer aufstellen."

Meine alte Haushälterin könnte sich darüber wundern", wandte Eva ein.

Das schadet doch nichts, gab die andere ver­gnügt zurück,es ist ganz unterhaltsam, wenn man sich über etwas wundert."

Sie stellte das Dlld wirklich in ihrem Zimmer auf, imb die alte Haushälterin wunderte sich wirklich darüber. Was tat der dunkelhaarige Irr­wisch, dem zwei mordsgroße schwarze Augen im bräunlichen Gesicht bräunten, mit dem Bild von Hans Felsen? Wahrscheinlich hatte Eva Hirtberg nach dem Geschehenen das Bild gestört und es vorläufig der Spanierin ins Zimmer gestellt, dachte sie.

Paquita fror anfangs sehr, man mußte tüchtig ein heiz en. aber als der erste Schnee fiel, tappte sie hinaus in den Garten. Wie ein Kind freute sie sich über die dicht und dichter niederschweben- den Flocken.

Eva schaute ihr vom Fenster aus zu. Paquita hatte noch keinen Schnee gesehen, obwohl es auch in Spanien Schnee gibt, aber meist in den nördlicher gelegenen Tellen und in den Pyre­näen, die paar gelegentlichen Flocken, die in manchen Iahren auch 'm Barcelona niederwirbel­ten, geben kein Bild von der köstlichen reinen Weihe eines Schneefalles.

Paquita streckte die Hände nach den weißen Flöckchen aus und stiefelte vergnügt im Garten auf und ab. Plötzlich, als sie gerade am Rach- barzaun war, stand dort ein großer Herr, der mit deutlichem Staunen beobachtete, wie sie nach den Schneeflocken haschte. Sie ließ die Arme sin­ken und rief hinüber:La nievc es muy he mosa, verdaa?"

Er verstand sie nicht und schüttelle den Kopf.

Sie strahlte ihn an, denn das Original des Bildes, um das sie Eva gebeten, stand vor ihr.

Mit Zeichen erklärte sie ihm, der Schnee mache ihr Freude. Da mußte er lachen. Hub Paquita Casanovas fand, wenn er lachte, sah er noch besser aus, als wenn er ernst war. Sic be­griff Eva nicht Hans Felsen war doch hübscher als Primo Duero, stellte sie fest, und größer war er auch.

Große Männer waren ihr Ideal.

Sie blieb am Zaun stehen und sah den Mann jenseits nachdenklich an.

Hans Felsen sann: Wer mochte die kleine, etwas exotisch wirkende Dame nur sein? Solche Augen hatte er noch nie gesehen. Da waren überhaupt keine Augen, sondern dunkle Feuer­räder.

Er wollte vom Zaim Weggehen und tat es doch nicht.

(Fortsetzung folgt)