Nr. 289 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, (0. Dezember (930
Nicht nachgeben!
Don Albrecht Moralh, TR. d. X
Der ehemalige Reichswchrminister Dr. Gehler, b*r von Zeit zu Zeit in gedankenreichen Reden zeigt, daß er in der Zeit der Muhe durchaus nicht müßig ist, hat Dor einigen Tagen in einer Rede vor einem Auditorium, zu dem auch der Herr Reichspräsident gehörte, offen ausgesprochen, was mit ihm viele — die einen in Zrrcht, di« anderen in Hoffnung — denken: >.D i e Staatskrise ist da!"
Ist cs allein die Anwendung des Artikels 4 8 der ReichSverfafst.ng, des gewissermaßen letzten Mittels der Dcrfassung, was einen solchen Anspruch rechtfertigt? Der Artikel 48 ist im Laufe der letzten z:hn Iah re schon so manches Mal angewandt worden, ohne daß man von einer Staatskrise sprach, obwohl er doch nach seinen, Wortlaut nur angewandt werden kann, ..wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird". Unb wenn auch diesmal die Rotverordnung ungewöhnlich stark in allen ihren neun Abschnitten in das wirtschaftliche Leben eingreift, der Reichstag hat, von der einen Seite gelobt und von der anderen gescholten, Anträge auf Aufhebung der Notverordnung mit einer Mehrheit von 38 Stimmen ab gelehnt.
2st cs die Arbeitsunfähigkeit des Reichstages, die den Staat gefährdet erscheinen läßt? Zweifellos liegt darin ein ernstes Gefahrenmoment, und niemand weiß, was sich aus diesem Zustand — in Gutem oder in Bösem 7- entwickeln mag. Man soll aber auch nicht jedes Wort, was scheltend über diesen Reichstag gesagt wird, für bare Münze nehmen. Cs hat noch keinen Reichstag in Deutschland gegeben, über den nicht schreib- und redegewandte Zeitgenossen gehöhnt und gespottet haben. Daraus entwickelte sich regelmäßig eine allgemeine Heber* zeugung von der Unfähigkeit des jetzigen Reichstags. Cs kam der Schrei nach der Auflösung, es kam ein neuer Reichstag und das.Spiel begann von vorn. Ganz Pfiffige und ganz naive Mitbürger pflegten dann das Wahlrecht für den neuen Mißerfolg verantwortlich zu machen, und man klügelte Dutzende von Vorschlägen für ein neues Wahlrecht aus, die bei näherem Zusehen es immer zu der fatalen Erkenntnis kommen lassen, daß die Reformer weniger an Deutschland, als an die eigene Partei dachten. Don ähnlichen Gedankengängen pflegt freilich nur zu oft auch die Gegenseite auszugehen, die sowohl einer Auflösung eines Reichstages wie einer Reform des Wahlrechts widerstrebt. Menschliches, allzu Menschliches hüben und drüben. Keine Hoffnung, daß sich eine Zweidrittelmehrheit der Dolksver- trctung zu der einzigen Wahlrechtsreform bekennt, die geeignet wäre, ein Parlament der Würde und des Derantwortungsbewußtseirrs zu schaffen. Man braucht dazu nichts weiter als eine erhebliche Heraufsetzung des Wahlalters, oder doch mindestens eine Beseitigung des lächerlichen Zustandes, daß Menschen, die noch nicht einmal majorenn sind, für befähigt ansieht, über Wohl und Wehe des Staates abzustimmen.
Näher liegt cs. anzunehmen, daß der Krankheitszustand Deutschlands das Wort von der Staatslrise rechtfertigt. „Ventre affame n’a po- int d’oreilles", sagen unsere Nachbarn und haben recht. Hungernden, Verarmten, Verzweifelten ist schlecht Vernunft predigen. Dos Gedeihen von Bolschewismus, wie von Faschismus ist eine Magenfrage. Wohl uns, wenn ein Jahrzehnt des Drucks und der Demütigung im Volke echten deutschen Freiheitswillen aufflammen laßt; aber mit bloßer Begeisterung ist noch wenig getan, und Treitschke hat recht, wenn er daraus hinweist, daß es für ein Volk leichter sei, sich für eine Staatsidee zu begeistern, als jene Selbstbeherrschung zu finden, die für ein Volk dazu gehört, sich selbst zu regieren. Vorläufig sehen
Goethe-Bund.
Vortragsabend Hermann Ltehr.
Der zweite Vortragsabend des Gießener Goethe- Bundes in diesem Winter vermittelte die Bekanntschaft mit dem schlesischen Dichter Hermann Stehr, der, im Lebcnsraum und der Nachbarschaft Gerhart Hauptmanns groß geworden, aus landschaftlich fest umgrenztem Naturalismus in eine gediegene deutsche Erzählertradltion hineingewachsen ist.
Stehr begann seine Vorlesung mit der „Legende vom steinernen Mann", einer geruhsam anhebenden und besinnlich abklingenden Schilderung aus einem weltentlegenen Dorfbezirk seiner schlesischen Heimat. Der steinerne Mann ist ein uraltes Bildwerk im Walde bei der Hüttenguteo .Ewigkeit", ein anderer, minder volkstümlicher Rübezahl, in Stein erstarrt und doch wiederum vermenschlicht, ein Liebesgott und Götzenbild, dessen Dasein mit den mancherlei Schicksalen der umwohnenden Einheimischen auf eine merkwürdige, bald heitere, bald unheimliche und grauenerregende Art verknüpft ist.
Hm die so sonderbar vermenschlichte Mythenfigur des steinernen Mannes ranken sich, nur locker oder gar nicht miteinander verbunden, legendäre oder verbürgte Begebenheiten, die nicht ohne Spannung, nicht ohne Humor und auch nicht ohne eine gewisse dämonische Hintergründigkeit gestaltet sind. Der 'Bericht von der Entstehung oder Herkunft des Bildes ist verkettet mit einem kaum erklärlichen Hnglücksfall, daran schließt sich eine legendäre Episode aus dem siebenjährigen Kriege, volkssagenhafte Schilderungen eincÄ Liebeszaubers leiten über zu gespenstigen Szenen von Kindesmord. Verfolgung und Selbstvernichtung. Trotz der geringen Verbundenheit der einzelnen Motive hinterließ doch, für unser Empfinden, dte sehr bedachtsame und ausmalende Vorlesung dieser ersten Erzählung den stärksten Eindruck — als die entschiedenste Beglaubigung der dichterischen Kräfte in Hermann Stehr.
Rach einer kurzen Pause hörte man dann als zweites und letztes Stück die Erzählung „Der Feuersamen", die ebenfalls auf eine sagenhafte Heberlieferung zurückgreift, wiederum auf schlesischem Boden spielend, zur Zeit der Befreiungskriege. Die Geschichte berichtet, anknüpfend an das motivisch bedeutungsvoll eingeführte Naturereignis eines Meteorfalles, im Stil etwas an die Art der Dolkserzählungen erinnernd und stellenweise mundartlich gefärbt, vom jähen Verfall der Familie des schlesischen Webersohnes Thaddäus
wir nur, daß die Leidenschaften sich gegen die eigenen Volksgenossen kehren, und daß tagtäglich fast deutsches Blut von Deutschen vergossen wird. Vorläufig gibt es noch zu viele Blinde, die nicht sehen können oder nicht sehen wollen, was in mühseliger Arbeit seit dem Zusammenbruch Schritt für Schritt getan worden ist für unseres Volkes Wiederaufstieg. Des Lichtes Himmelsfackel ist nun einmal in der Hand der ewig Blinden eine gewisse Gefahr, und insofern ist das Wort von der Staatskrise ein Warnungs- lignaL
Dennoch soll man festhalten daS eine, daß Deutschland schon über schlimmere Zeiten hinweggekommen ist als die gegenwärtige, und daß es für jeden wahren Tatet* landSfreund, er mag politisch stehen wo er wolle, keine größere Gefahr als neuen Hmsturz, neue Kämpfe um die Staatsform gibt. Schlimmere Zeiten? Als Stresemann 1923 die Regierung übernahm, war die deutsche Währung vollkommen zerrüttet, waren die letzten deutschen Ersparnisse verloren, führten Hungerrevolten m fast allen großen Städten zu blutigen Zusammenstößen, glaubte der Ministerpräsident Zeigner in Sachsen den Sowjetstaat und glaubten die Separatisten im Rheinland die „freie" rheinische Republik aus- rufen zu können, standen Hitlers Scharen in Bayern an der preußischen Grenze, saßen die Franzosen nicht nur am Rhein, sondern auch an der Ruhr, und waren die Pläne Poincares zu einem Einmarsch der Polen und Tschechoslowaken und zu einem gemeinsamen Vormarsch mit den Franzosen fix und fertig. Eine spätere Geschichtsschreibung wird einmal würdigen, was allein mit der Stillegung der Notendruckmaschinen und durch die Einführung einer neuen Währung Stresemann und Helfferich und Luther geleistet haben. Die Staatskrise war uns zweifellos damals näher als jetzt. Die Reichstagswahlen im Mai 1924 allerdings zeigten ein starkes Anschwel- len der kommunistischen und nationalsozialistischen Stimmen. Aber schon im Dezember desselben Jahres verlor jede der beiden Parteien eine Million Wähler. Die Autorität der Reichsregierung, die das Steuer fest in der Hand behielt, hatte sich durchgeseht. Aus der Zeit der verschleierten Diktatur und der Cr- mächtigungsgesehe und des Artikels 48 kam der Staat unversehrt hinüber in eine ordnungsmäßige Gesetzgebung.
Alles, aber auch alles kommt darauf an, ob die Regierung Brüning dasselbe Maß von Festigkeit aufbringen wird, wie ihre Vorgänger vor sieben und sechs wahren. Vielleicht waren es Zweifel daran, die den früheren Reichswehrminister sein alarmierendes Wort von der Staatskrise aussprechen ließen, Zweifel, die auch nicht wenige Abgeordnete gehabt haben mögen, als sie am 6. Dezember die Anträge der Opposition auf Aufhebung der Notverordnung ablehnten. Die Mehrheit war ja weit entfernt davon, die so gerettete Notverordnung in allen, ihren Teilen für gut und richtig zu halten. Bestimmend für die Ablehnung war doch wohl zweifellos die Heberzeugung, daß eine Aufhebung der Notverordnung ein in seinen Auswirkungen nicht zu übersehendes Chaos und damit wirklich die Staatskrise geschafsen haben würde. Aber die Notverordnung, die nun Gesetz ist. wird, wenn sie unverändert bleibt, nicht das Ziel erreichen, das sich die Regierung in ihrem Finanz- und Wirtschaftsprogramm vom 30. September gesetzt hat, obwohl dieses Programm nicht einmal so umfassend ist, wie es die Begründung nennt, obwohl es allzusehr von vornherein den Charakter des Stückwerks trägt. Bei den Beratungen der dann aus Grund dieses Programms ein gebrachten Gesetzesvorlagen im Reichsrat ist noch so manches wieder preis- gegeben worden, was in den Ländern unbequem, aber zur wahren „Sicherung von Wirtschaft und Finanzen" unerläßlich war. Diese Nachgiebigkeit ist an sich noch gefährlicher, als die Verschlechterung der Notverordnung über-
Frenzel. Hier hätte ein wenig mehr Konzentriert heit im Dortrage und ein lebhafterer Redefluß die Wirkung des Gelesenen entschieden gesteigert. —
Die zahlreiche Hörerschaft dankte mit herzlichem Beifall. — y —
Wie Bismarck starb.
Der authentische Bericht seines Sohnes.
Bismarcks Briese an seine Braut und Gattin gehören zu den klassischen Werken deutscher Drief- kunst, und sehnlichst hat man darauf gewartet, daß diese Bekenntnisse und Plaudereien eines Liebenden zum Zwiegespräch würden. Run veröffentlicht Fürstin Herbert von Bismarck bei der Deutschen Derlagsanstalt in Stuttgart die „Drautbriefe der Für st in Johanna von Bismarck" und fügt diesen kostbaren Ergänzungen des Dismarckschen Liebesromans noch andere wichtige, bisher unbekannte Dokumente hinzu, neben einigen Briefen des Fürsten an seine Tochter Marie als wichtigstes eine authentische Aufzeichnung des Fürsten Herbert Bismarck über die letzten Tage und den Tod seines Daters. „Als ich am 22. Juli in Friedrichsruh ein traf", schreibt Fürst Herbert, „fand ich den Zustand meines Daters gegen den 9. Iuli verschlechtert. An diesem Tage war ich zuletzt dort gewesen und hatte mein Tatet eine längere Hmfahrt durch den Garten im Fahrstuhl gemacht: seitdem war Fieberzustand eingetreten, verbunden mit Somnolenz, Phantasieren und beschleunigter Atmung: geiftg war er aber regsam und teilnehmend und sprach beim Souper, das gleich nach unserer Ankunft serviert wurde, interessant und eingehend über Napoleon I. in Anknüpfung an das Buch der Duchesse d Albran- tes, in dem er in der letzten Zeit viel las. Er sagte, wie merkwürdig es wäre, daß der Militarismus nur durch Napoleon in die französische Nation gebracht wäre, um nie wieder zu verschwinden. Während der nächsten Tage blieb er in der Regel bis zum Abend im Tert, well das Aufstehen chm mühsam war und Schmerzen machte: ich ging häufig zu ihm, sprach mit chm, wenn er wach war, und sah viel in seinem Zimmer." Schweninger'), der immer auf einige Stunden hinkam, sah keine unmittelbare GefaA. „2lm 26., 22.35 Hhr, war Schweniger wieder da", heißt es weiter. „Am 27. mittags assistier.en er und ich dem Aufstehn, und mein Tater rafierte
•) Bismarcks Leibarzt.
Haupt. Denn di« Regierung steht erst am Anfang eines schwierigen Weges, und es fragt sich, ob man ihr die nötige Festigkeit zutrauen kann, wenn es nun an die Fortführung ihres Programms geht, wenn es darauf ankommt, die wirkliche Reichs» und Berwaltungs- reform durchzusühren. einen vernünftigen F i - nanzausgleich zwischen Reich. Ländern und Gemeinden herzustellen und die Reichsverfassung mit dem Ziele einer Sicherung der Berfas- s u n g zu reformieren. Heber das Jahr 1931 werden wir so wie über die Jahre 1923 und 1924 nur Hinwegkommen können, wenn Kanzler und Ka
binett jetzt, mit gleichem Führerwillen und gleichen Zührerqualitäten ausgestartet, sich vom Kurs nicht abdrängcn lassen. Das Kabinett ist nicht voll besetzt. Zwei TIimfler.cn sind verwaist. An die Stelle der mehr oder weniger abhängigen Staatssekretäre müßten verantwortliche Minister treten. Oer Augenblick zu einer Tervollständigung und vielleicht gar zu einer Hmbildung des Kabinetts ifl gekommen. Gin sehr ernster Augenblick. Gott gebe, daß für die richtigen T cm ter öic richtigen Männer gefunden werden, damit Reich und Tolk vor einer Staatskrise bewahrt bleiben.
SJ.-fport
Schwerathletik.
1. Kraft- und Sportklub 1893 Gießen Gaumeister im rNannfchaftsgewichthcben.
Kürzlich nahm ein Alsfelder Kampfrichter die Leistungen der Gießener Gewichlhebermannfchaft ab. Wie uns mitgeteilt wird, überbot die hiesige Mannschaft die Stiftungen der „Athletiksportvereini- gung 1888" Marburg um 15 Pflind. Gießen erreichte 2420 Pfund, Marburg 2405 Pfund. Die besten Einzelleistungen erzielte der Marburger Gari, welcher 130 Pfund einarmig und 170 Pfund beidarmig reißen konnte. Im beidarmig Stoßen erzielte er 220 Pfund.
Die Hebungen bestanden
aus einarmig
Reißen,
beidarmig Reißen unb beidarmig Stoßen.
IR.
II R.
II St.
Bantamgewicht. Sommerlad
80
100
120
Federgewicht: Funk
100
120
150
Leichtgewicht: Fink
105
130
170
Mittelgewicht: Meininger
110
120
170
Halbschwergewicht: Belloss
120
160
190
Schwergewicht: Forbach
115
160
200
630
790
1000
Fußballklub 1926 Großen-Buseck.
FL. Großen-Buseck — Teutonia Laubach 4:1.
Die Ligamannschaft des FC. Großen-Buseck bewies im Berbandsspiel gegen Teutonia gute Form. Die Mannschaft ging mit großem Kampfeseifer ins Spiel. Die Seiten wurden mit 1:0 für Buseck gewechselt, in der zweiten Spielhälfte errangen die Platzbesitzer noch drei Tore, denen die Laubacher nur ein verdientes Ehrentor entgegensetzen konnten. Großen- Buseck konnte mit diesem Spiel feine Position in der Tabelle wesentlich verbessern.
Zußball in Oaubnngen.
Daubringen I — Steinberg I 1:1.
Beide Mannschaften trafen sich am Sonntag in Daubringen zum fälligen Berbandsspiel. Sofort nach Anstoß entwickelte sich ein scharfer Kampf, bei dem Daubringen eine fühlbare Feldüberlegenheit bewies: Erfolge blieben jedoch aus, da Steinbach energisch verteidigte. Mit 0:0 wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause ergab sich das gleiche Bild. In der 30 Minute kam Daubringen durch einen Elfmeterball zum Führungstreffer, dem jedoch kurz darauf der Ausgleich folgte. Angefeuert von den Zuschauern ging Daubringen noch einmal zu einer Offensive über, ohne jedoch etwas zu erreichen. Schiedsrichter Busch (Butzbach) leitete korrekt.
Sportverein 1921 Ettingshausen.
Ettingshausen 1 — Ouerfborn I 1:0.
Die 1. Mannschaft von Ettingshausen empfing auf eigenem Platze die 1. Mannschaft von Ouerfborn unb schlug die Gaste dank deren aufopfernder Hintermannschaft nur knapp mit 1:0. Mit diesem Spiel hat sich der Sieger für die Gruppenmeisterschaft der Klasse A qualifiziert.
Sport der Schulen.
Obcrrealfchute Gießen — Gymnasium Dchlar.
Am Freitag tritt seit längerer Zeit die 1. Hand- battmannschafl der Oberrealschule wieder auf den Plan. Als Gegner hat sie sich das Gymnasium Wetzlar Dcrpflid)tet. lieber den Ausgang des Spieles kann man nichts voraussagen, da die Gießener -schüler in neuer Aufstellung spielen. Das Spiel findet auf dem BsB.-Platz statt.
Turngau Laon-Oünsberg.
hausen 1864 I — Steinbach I 3:3 (1:3).
Am Sonntag trafen sich die beiden Mannschaften in Hausen zu einem Freundschaftsspiel, das einen wcchselvollen Verlauf nahm. Die Gäste schossen in der ersten Halbzeit nach schöner Kombination drei Tore. Hausen war vom Pech verfolgt. Etliche Tor- - schüsse landeten an der Latte und nur einer erreichte sein Ziel. Zn der zweiten Halbzeit gelang es den Gastgebern, den Ausgleich zu erzwingen, ohne daß Steinbad) die Torzahl erhöhen konnte.
To. hausen 1. Jugend — 1900 1. Jugend 8:2.
Die erste Handballjugend des Tv. Hausen hatte am Sonntag die erste Jugend der Spielvereinigung Gießen zu Gast. Die beiden Mannschaften führten ein ansprechendes Spiel vor, das zur Halbzeit bereits 3:1 für Hausen stand. Trotz energifdjer Gegenwehr mußte der Gästetorwart noch fünfmal den Ball aus dem Netz holen, während sie selbst nur noch einmal erfolgreich sein konnten. Der Sieg der Turner war auf Grund ihres eifrigen Spieles verdient.
T. u. Spgbe. Rodheim I — To. Garbenteich 1 5:1.
Am Sonntag hatte die erste Mannschaft der Turn- und Sportgemeinde Rodheim die gleiche des Turnvereins ©arbentqd) zum fälligen Rückspiel zu Gast. Rodheirn trat in kompletter Ausstellung an unb brachte den ersatzgeschwächten Gästen eine empfind- liehe Niederlage non 5:1 Toren bei. Der Schiedsrichter war gerecht, ohne jedoch dem Spiel völlig gewachsen zu sein.
Reichswehr 1. Komp. Gießen I — Io. Londorf I 3:3.
Die beiden Mannschaften lieferten sich in Londorf ein flottes, wenn auch etwas hartes Spiel. Die Sol- baten konnten halb nach Beginn in Führung gehen, bet Ausgleichstreffer ließ jeboch nicht lange auf sich warten. Während der ersten Halbzeit vollzog sich bas gleiche noch einmal, so daß mit 2:2 die Seiten gewechselt wurden. Nach dem Wechsel konnte jede Mannschaft noch je einmal erfolgreich sein ”
Arbeiier-Turn- und Sportbund.
Nm die Bczirksmeifterschft.
Naunheim I — Gießen I 4:1.
Am Sonntag standen sich beide Gruppenmeister im Torspiel um die Bezirksmeisterschaft der ersten Klasse in Naunheim gegenüber. Während bi« Gäste mit Ersah antraten, stellten sich die Einheimischen dem Hnparteiischen komplett. Tont Anstoß ab setzte ein flottes Tempo ein und bereits nach wenigen Minuten gelang es dem Plah-
sich an dem gewohnten Fensterplatz mit so sicherer Hand, daß Schweninger ihm Komplimente darüber machte: mein Tater meinte, es sei doch mühsam mit all den kleinen Torbereitungen, und eigentlich eine überflüssige Leistung für ihn: ob er es nicht aufgeben sollte? Denn für sich täte er es nicht, nur für die anderen. Wir redeten ihm dringend zu, es für die Zukunft zu unterlassen." Am 28. lieh er sich zum Essen in den Salon schieben und trank sogar mit Erlaubnis Schwe- ningers Champagner.
„Der Wein stimmte ihn behaglich", berichtet der Sohn. „Die Flasche stand vor ihm, als Schweninger, nachdem sie zirkuliert hatte, sich den Rest eingoß, sagte er mit bedauerndem aber ergebenen Ausdruck, „wie schade, ich dachte, Sie würden mir noch ein Glas erlauben." Schweninger erwiderte, er habe durchaus kein Bedenken und gab ihm noch ein Glas aus einer neuen Flasche. Rach Tisch sah mein Tater auf dem alten Platz, las Zeitungen und in der „Albrantes" und verfiel dazwischen bei raschem Atem in vorübergehenden Schlummer, bei dem er lebhaft geträumt haben muh: denn er machte verschiedene Handbewegungen. unter anderen, als ob er einen Pfirsich schälte, und es fiel mir dabei die Zartheit unb Eleganz dieser Bewegung auf. Er rauchte drei Pfeifen, sprach dazwischen wiederholt mit den Anwesenden und hatte die letzte Pfeife kaum beendet, als Schweninger zum Schlafengehen mahnte, well er gegen Mitternacht nach Berlin fahren wollte: mein Tater fügte sich dieser Mahnung mit dem Ausdruck freundlichen Bedauerns, „weil er sich gerade behaglich und Neigung gefühlt hätte, noch im Salon zu bleiben.“ Das Zubettbringen ging ohne zu grohe Schwierigkeiten, wenn auch mit mühevollen Schiebungen und Hebungen oonftatten; als er endlich in die ihm bequeme Bektlage gebracht war, sagte er scherzend. „das würden selbst die Sozialdemokraten tadeln, wie man hier mit einem alten ehrbaren Herrn umgeht." Die Nacht verlief schlecht: am 30. war Bismarck sehr unruhig und atmete schwer, fast röchelnd. Dr. Chryfander hielt den Zustand für so bedenklich, bah an Schweninger telephoniert wurde, mit Extrazug zu kommen. Ein schwerer Anfall ging noch einmal vorüber. Wir hörten meinen Tater mit geschlossenen Augen häufig sprechen, meist leider unverständlich: klar waren einmal die Worte „ich bin zum Sterben bereit und bitte nicht um mein Leben" etwas über den Kaiser und die Frage „ist es schon lange her, dah Sultl (sein schwarzer Hund) tot ist?" Als Marie ihm die Stirn trocknete, sagte er: „Danke Marguerite". Bald nach 6 Hhr fragte ich Chry-
fander, ob er ihm nicht etwas einflöhen wollte, die Schwäche müsse bei bet mangelhaften Ernährung boch groß sein: feit brei bis vier Tagen hatte er an konsistenter Nahrung kaum bas To- Ium en eines Eßlöffels zu sich genommen. Chry- fanber stimmte zu unb bereitete in einem Glase Eigelb mit Kognak: wir richteten den Kopf mit Hilfe von Kiffen etwas auf, Chryfander brachte das Glas an den Mund und löffelte ein wenig hinein, indem er das Getränk nannte: mein Tater öffnete die Augen, schob den Löffel weg, rief „vorwärts", ergriff das Glas unb trank den Inhalt: bas war bas letzte Wort, bas er gesprochen: bann legte er ben Kopf zurück mit geschlossenen Tugen und atmete wie vorhin. Das war kurz nach 6.30 Hhr... Nach 9 Hhr versuchte Chry- sander durch-Aether-Einspritzungen die Lebenskräfte zu reizen, um sie bis zu Schweningers Ankunft zu erhalten, die Einführung der Spritze hatte einen Schmerzenslaut unb, soweit bies noch möglich war, Cntziehungsbewegungen zur Folge, so daß ich bat, diese Injektionen, die nichts nutzen konnten und scheinbar Schmerz hervor- tiefen, womöglich nicht fortzufehen. Hm 10 Hhr gab Chryfander eine starke Morphium-Injektion, es trat alsbald gleichmäßigeres langsameres Atmen und vollkommene Ruhe des Körpers ein; wir erwärmten die erkaltenden Hände mit heißen Gummiflaschen. Gegen 10.40 Hhr traf Schweninger ein, die Atemzüge wurden immer seltener: er hob das linke Augenlid, das Auge erschien nicht gebrochen, aber wie weit in die Ferne schauend, um 10.57 Hhr erfolgte der letzte Atemzug, nach langer Pause."
Sochschulnachnchten.
Der Ordinarius und Direktor der Augenklinik an der Universität Münster Dr. Aurel von Szily hat einen Ruf nach F r e i b u r g i. B als Nach, folger von Geheimrat Th. Arenfeld erhallen. — Der Ordinarius der klassischen Philologie an der Göt- t'nger Universität Professor Dr. Eduard Fraen- f e l hat einen Ruf nach Freiburg i. B. erhallen. — Der Bonner Romanist Professor Dr. Ernst Robert C u r t i u s, der einen Ruf nach ß e i p 3 i g als Nachfolger von Professor Ph. A. Becker erhalten hatte, hat sich entschlossen, in Bonn zu bleiben. — Der Professor der Volkswirtschaftslehre an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim Dr. Ernst Jenny hat einen Ruf an die Abteilung für Landwirtschaft Tetschen Liebwerd der deutschen Tech. Nischen Hochschule in Prag erhalten. Professor Jenny hat den Ruf abgelehnt.


