Nr. 265 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Montag, 10. November 1950
Der König der Könige besteigt den Thron.
Aus dem Reich des Löwen von Juba. — Oie Enkel Salomons und der Königin von Saba.
Don unserem A. S.-Oonberbcridyterftatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Addis Abeba, Oktober 1930.
Unser Eonderberichterstatter schildert hier die Dorbereitungen zu der äugens blicklich in Addis Abeba stattfindenden acht- tägigen Krönungsfeier.
Addis Abeba, die Hauptstadt des einzigen christlichen Königreichs in Afrika, Ethiopien, schwelgt in Vorfreude. Ras Saffari, der König der Könige, wird zum König gekrönt, ein Ereignis, das für die Zukunft seines Landes, seine Fortschritte auf dem Wege der Modernisierung und seine Beziehungen mit der Außenwelt nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Er nimmt den Namen Haile Selassi I. an.
Abessinien, Abessinier? Die Untertanen des Königs der Könige protestieren, denn sie lieben das eine so wenig wie das andere. Ihr Land heißt Ethiopien und sie sind Ethiopier, wenn auch diese beiden Worte in ihrer Ursprungsbedeutung etwas Schwarzes, Dunkles bezeichnen wollen. Die Ethiopier find weder schwarz noch weih, fonbern einer dieser fonnengebräunten Dolksstämme, deren es soviel in Afrika gibt. Und doch darf man ihr Land nicht mit anderen Gegenden des afrikanischen Erdteils vergleichen, wo die äquatoriale Sonne das Leben fast zur Qual macht. Wit Recht nennen es die Touristen d i e afrikanische Schweiz wegen seiner äuherst malerischen Lage, seines auch für Europäer erträglichen Klimas und seiner bis über 4000 Meter ansteigenden Gebirgszüge. 3n der Tat eine wahre Schweiz in seinen großen Zügen, nur mit dem Unterschied, daß hier Elefanten, Giraffen, Löwen und Tiger, Hyänen und Schlangen prächtig gedeihen und jährlich eine Unmenge Vieh verschlingen, ja nicht einmal davor zurückschrecken, sich bis in unmittelbare Nähe der Cingeborenen-Sied- hingen zu wagen, wo schon mancher seine Unaufmerksamkeit mit dem Leben bezahlen muhte.
Vor 14 Jahren wehte noch eine Welle der Revolution durch das Land. Der damalige König Li j 'S af er wurde von den Aufständischen gefangengenommen und Z a o d i t u, die verstorbene Königin Abessiniens, bemächtigte sich des Thrones. Viermal verheiratet, trennte sie sich auch von ihrem vierten Gatten Ras Guksa, weil er nicht von königlichem Blute war. Der Thronfolger, Ras Taffari, darnils 26 Jahre alt, ein Neffe Zaoditus, hielt seine Stunde für gekommen und schlug sich selbst zum Regenten vor. Es gelang ihm, das Vertrauen verschiedener Chefs der einzelnen Stämme zu gewinnen, sich die Armee gefügig zu machen und auf diese Weise die Hoffnung des Landes zu werden. Schon 1928 bemühte er sich, den Thron an sich zu reihen, wurde aber von der Königin mit einer Provinz abgespeist. Um die drohende Gefahr abzuweisen, verhandelte Zaoditu mit ihrem geschiedenen Gatten, stellte ihn an die Spitze einer Armee und schickte ihn gegen Taffari. Eine furchtbare Schlacht entspann sich in der Nähe des Tsana-Sees, aus der Taffari an der Spitze eine- Heeres von 20 000 Mann als Sieger hervorging, nicht zuletzt dank des Eingreifens von drei Bombenflugzeugen, die die Streitmacht Guksas in die Flucht jagten. Guksa fiel, dah wenig später gelang es der Königin Zaoditu, sich des Regenten, der ihre Königswürde stets achtete, durch einen Handstreich zu bemächtigen und ihn im Schloß gefangen ju sehen. Seiner Frau, die heute an feiner Seite vom Jubel der Bevölkerung umgeben ist, gelang es durch eine äußerst mutige Tat, ihren Gatten zu befreien. In einem Panzerwagen durchbrach sie die Tore des Schlosses und rettete ihren Mann.
Am folgenden Tage erlag die Königin Zaoditu einer schweren Lungenentzündung. Ihre europäischen Aerzte konnten nicht verhindern, dah die
kranke Königin mit Flaschen kalten Weihwassers besprengt wurde, das man nicht abtrocknen darf. So trat der plötzliche Tod ein, der Anlaß zu den falschen Gerüchten eines Mordes gab. Seither regierte Ras Taffari, der nun gefront werden soll. Der Titel „König der Könige" (Negusse Regest) ist nicht eine einfache Ehrenbezeichnung. König Haile Selassi, der frühere Ras Taffari, ist der Herrscher über alle Könige Abessiniens, denen es vier oder fünf in den entlegensten Provinzen gibt, wo sie eine weitgehende Unabhängig- feit genießen, dennoch aber gegenüber der Zentralregierung in Addis Abeba gewisse Verpflichtungen haben.
Acht Festtage stehen bevor, acht Sage, während denen jeder Klaffen- und StamrneHhaß ruht und die Bevölkerung in Scharen der Hauptstadt zustrebt, um ihrem König zuzujubeln. In dreimonatiger harter Arbeit hat die Stadt ihr Kleid vollkommen gewechselt. Da, wo noch vor kurzem ausgefahrene, ungesäumte Wege von dem Getrampel der Esel und Pferde wiederhallten, ziehen sich heute breite Straßen und Alleen hin, die von fleißigen Händen unter pers nlicher Aufsicht und Leitung des Königs angelegt u.io zum Teil sogar gepflastert wurden. Elektrische Lampen in wechselnden Farben, die an den Girlanden rechts und links der Straßen angebracht sind, lassen die Stadt am Abend im bunten Glanz des Lichterscheins widerschimmern. Kostbare Triumphbogen, zum Teil aus Holz mit Tuch bespannt, zum Teil aus riesigen Marmorblöcken aufgebaut, vervollständigen das prächtige Bild, das sich in diesen Sagen den unzähligen Besuchern der Stadt und den Vertretern von 13 europäischen und außereuropäischen Mächten bietet. England, Deutschland, Belgien, Amerika, Aegypten, Frankreich, Griechenland, . Holland, Italien, Japan, Polen und Schweden werden an den Krönungsseierlichkeiten teilnehmen. Zwei königliche Prinzen aus Europa, der Prinz von Udine und der Herzog von Gloucester beweisen durch ihre Gegenwart das große Interesse, das England und Italien dem Reich des Negus entgegenbringen.
Die offiziellen Krönungsfeierlichkeiten beginnen am 1. November vormittags. Glockenschlag 10 11 hr künden die Böllerschüsse vom königlichen Schloß den Beginn des Festes an, das durch die Einweihung eines Denkmals zu Ehren des großen Vorgängers Saffaris, Menelik II., eröffnet wird. Ueberlebensgroh erhebt sich das Standbild Meneliks im Zentrum der Stadt, unmittelbar vor der Kathedrale Saint Georges, die in ihrem römischen Stil mit den schönsten Gotteshäusern Europas wetteifern kann. Abends um 10 Uhr begeben sich der König und die Königin barhäuptig in die Kathedrale, wo sie die Nacht betend verbringen. Jedem ist cs unter Sodesstrafe verboten, das Königspaar in seiner Andacht zu stören. Die offenen Märkte werden auf die Dauer der Feierlichkeiten geschlossen und die Leprakranken und Bettler ha- en Befehl erhalten, sich aus der Stadt zu entfernen. Die Krönung findet am folgenden Morgen in Anwesenheit des ganzen Hofes, sämtlicher ausländischen Diplomaten und der Abgesandten der verschiedenen Länder, sowie aller Stammes- sührer des Landes in der eigens dazu errichteten Kirche statt, die sich eng an die Kathedrale an- schließt. Der König und die Königin nehmen in einem ehemaligen Berliner Hofwagen Platz, der sechsspännig gesahren, die Bewunderung der Stadt erregt. Die sechs Pferde, die ein deutscher Kaufmann dem König verkaufte, kosteten nicht weniger als 100 000 Mark. Unter den unzähligen Geschenken, die dem König dargebracht wurden, seien nur je ein Flugzeug Frankreichs und Italiens erwähnt, ein prächtiges Diamantendiadem für die Königin, zahlreiche wertvolle Jagdgewehre und schließlich ein kostbares, altes
wesen sein —. in ihm den würdigen Nachfolger des großen Herrschers, des Löwen von Juda. Das Ausland betrachtet ihn als einen intelligenten, fortschrittlichen Mann, der in der Lage ist, dem an natürlichen Quellen so reichen Land eine große Entwicklung zu geben. Ruhig und ausdauernd zeichnet sich Ras Taffari durch außergewöhnliche Feinheit und Klugheit aus. Er hat cs verstanden, sich mit hochbegabten europäischen Beratern zu umgeben, deren Kenntnisse er, vereint mit den seinen, für das Wohl des Landes schon seit 14 Jahren, bisher nur gegen starke innere Widerstände, nun aber frei und unumschränkt verwendet.
ckcktzer-Tagung in Gießen.
Aus Anlaß des Verbandstages der ehemaligen 116er und des 10jährigen Bestehens der Vereinigung ehemal. L3R. 116 fand am Samstagabend eine Feier statt, die Mitglieder und zahlreiche Gäste im (Safe Leib vereinigte. Selbst die Kameraden aus Frankfurt, Mainz, Darmstadt usw. ließen cs sich nicht nehmen, anwesend zu sein. Der Saal war prächtig mit Fahnen geschmückt und bot für die Veranstaltung einen würdigen Rahmen. Kameradschaftlicher Geist herrschte an all den vollbesetzten Tischen.
Der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger LJR. Gießen, Herr Bopf, hieß die Kameraden und Gäste willkommen und begrüßte insbesondere die Vertreter des Offizierskorps unseres Bataillons. Generalmajor a. D. Mohr richtete Worte der Begrüßung an alle ehemaligen 116er. Zugleich erinnerte er an vergangene Zeiten, an das Leben in der Kaserne, an glückliche Stunden in der Militärzeit überhaupt, die von vielen als die schönste Zeit ihres Lebens bezeichnet wurde. Im weiteren Verlauf des Abends sprach Major a.D. von Eisenhardt-Rothe in einem zweistündigen Vortrag über „Die Kämpfe des 2. Hess. 3nf.- Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 um Fresnoy und le Quesnoy im Santerre von Mitte September bis Ansang November 1914“. Ausführlich referierte der Redner über die Mobilmachung, über
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Manuskript, das England dem König der Könige | zurückerstattet. Cs war nach der Schlacht von I Magdala im Jahre 1868 dem König Theodoros vom General Napier abgenommen worden. Die königliche Krone, die bei einem Goldschmied in London hergestellt wurde, kostete nicht weniger als eine Million Pfund Sterling. Das Zepter wurde in Frankreich verfertigt.
Schon jetzt sind die wenigen Fenster, die auf die Straße führen, durch die sich der Krönungszug zum Schloß begibt, zu fast unerschwinglichen Preisen vergeben. Die Truppen, die Spalier bilden, Haven zum ersten Male ihre neuen Kakiuni- formen nach europäischem Schnitt an, die etwas grotesk zu den unbekleideten Füßen aussehen. Der Krönungstag gipfelt in einem GaIa - A be n d , der sämtliche ausländischen Vertreter im königlichen Schloß vereinigt. Am folgenden Tag, am 3. November, gibt der König seinem Heer ein Festessen. Am 4. November findet ein Bankett zu Ehren der Cthiopifchen Prinzen und der Geistlichkeit statt. Am 5. November vereinigt c i n Pferderennen die hohen Würdenträger und ausländischen Delegationen, woran sich wiederum em Gala-Abend anschließt. Der 6. November ist einem königlichen Ausflug zur Burg Adisalem (neue Welt) Vorbehalten, während am 7. November eine große Trupvenrevue den Vorabend der Beendigung der Krönungsfeierlichkeiten an- kündigt. Am 8. November besucht der König in Begleitung der in- und ausländischen Gäste das Museum, in dem er vor kurzem alle königlichen Andenken gesammelt Hal. Ein Abschiedsbankett vereinigt dann noch einmal die ausländischen Vertreter und die hohen Würdenträger des Landes. Während der ganzen Tage wird die Stadt im Lichterglanz der Tausend und aber Tausend elektrischen Birnen stehen.
Ras Taffari wird nunmehr von allen inneren Feinden befreit regieren können. 3n ihm sehen seine Anhänger den Mann, den das Land braucht. Als Sohn des Ras M a k o n e n , des Besiegers der Italiener bei Adua, sehen die Ethiopier, d>o den alten König Menelik 11. verehrten — Menelik 1. soll in ferner Vergangenheit der Sohn der legendären Königin von Saba und Salomos gc-
Das Landvolk erhält seine Jahne zurück.
In Neumünster fand die feierliche Rückgabe der schwarzen Landoolkfahne statt, die seinerzeit bei den Unruhen durch die Polizei von Neumünster eingezogen worden war. 4000 Menschen sanden sich jetzt in Neumünster ein, um an der Friedensfeier der Fahnenrückgabe teilzunehmen.
Falsche Verbindung.
X5on Fedor v. Zobeltitz
Da ist mir neulich einmal eine niedliche Geschichte passiert. An einem Vormittage, an dem ich aus irgendwelchem Grunde in besonders gehobener Laune war, klingelte es an dem Sprechapparat auf meinem Schreibtisch. 3ch nahm das Rohr und rief hinein: „Hallo, wer dort?" Das mache ich immer so, ich nenne nie zuerst meinen Namen, sondern warte, bis der Anru er den seinen meldet.
Das geschah auch diesmal sofort. Eine frische Mädchenstimme antwortete: „Hier Ma ga, bist du es, Karl?" Nun heiße ich gar nicht Karl. Ich bin bei meiner Saufe mit fünf Vornamen beglückt worden, doch Kack rii^Lpi‘rr"n^er- *n meiner heiteren Morgens?glaubte ich mir den Scherz, mich umzutau.senp^ , rief zurück: „Jawohl, liebe Marga. Wie geht Fs dir denn?" „Ach Gott", hörte ich fie klagen, „ich habe Aerger. Denke dir, Vater will plötzlich nicht mehr, dah ich Modell stehe..." „Herrjey", rief ich, „aber warum denn nicht?" „Du kennst ja den alten Herrn. Er hat so manchmal seine Schrullen. Was ist schließlich dabei? Ich stehe doch nicht Akt sondern bloß Genre. Und es wird gut bezahlt. Alle Maler reihen sich um meine Nase..." „3a", sagte ich, „dein liebes sühes, kleines Näschen! .. “ 3etzt lachte sie und fragte: „Pinschern wir denn nun heute abend in den Kientopp?"
Und da fiel mir etwas Nettes ein. „Nein", antwortete ich, „das ist leider unmöglich. Ich bin nämlich zu einem Bierabend bei Fedvr v. Zodeltitz geladen weiht du, den Schriftsteller — du hast wohl schon mal etwas von ihm gelesen. 3ch habe übrigens auch eine Einladung für dich Du möchtest doch gleichfalls h.nkommen. Er läßt sehr darum bitten...“ „Aber ich kenn ihn ja gar nicht!" rief Marga... „Das schadet nichts", entgegnete ich. „Es Ist ein schon älterer Herr, auch verheiratet, aber es geht immer ganz lustig in seinem Hause zu. Du kannst ruhig kommen. Kommst du?“ „Na, wrnn du meinst. Ich amüsier mich auch gern einmal Wo wohnt denn dein Freund?“
Ich nannte <3trabe und Hausnummer. Da sagte sie: „Also abgemacht. Warum sprichst du heute bloh mit so tiefer Stimme, Karl?" „Ach", meinte ich, „ich Habs wohl ein bihchen im Halse. 3ch werde gurgeln..." „3a, das tu' nur", rief fie, .damit du am Abend frisch bist. Um wieviel Uhr
soll ich da sein?“ „Punkt neun, liebes Kind..." „Und was soll ich anziehen? Das Erdbeerfarbene?" „Gerade das, gerade das! Das kleidet dich am besten . .“ „Schönchen. Auf Wiedersehen, Karl Kuh...“ Den Schmatz hörte ich deutlich und gab ihn telephonisch zurück. Dann freute ich mich über den Ulk und erzählte ihn meiner Frau Die hat gottlob auch Sinn für Humor, war aber doch ein bißchen bedenklich. „Du kennst das Mädel ja gar nicht", sagte sie.. „Eben darum , antwortete ich. „Ich hä te auch etwas anderes antworten können, aber es fiel mir gerate nich.s besseres ein.“
Der Abend begann sehr hübsch An v erzig Gäste waren geladen, und sie tarnen alle. Ein lieber Freund führte sogar einen Fremden ein, seinen Mieter, einen bulgarischen Maler, der aber tadellos deutsch sprach, einen Professor Sitschew, einen charmanten jungen Mann. Bei dem Gewühl in meinen paar Zimmern konnte ich natürlich nicht scharf genug Ausschau halten nach F äulein Marga. die ich an ihrer Unbekanntheit ioiort erkennen muhte ein ganz kleines Paradoxon. Ater da schlängelte sich auf einmal eine allerliebst kleine Brünette in einem erdbeerroten Kleidchen an mich heran und fragte mit einer mir aus der Riem- brane meines Fernsprechers wohlbekannten Stimme. „Ach bitte, könnten Sie mir wohl die Wirtin des Hauses zeigen?" -
Nun wuhte ich natürlich sofort, wen ich vor mir halte, und entgegnete: „Sehr gern, Fräulein — ich bin nämlich der Ga te der Wirtin..." Jetzt lächelte sie unter hübschem Erröten, reichte mir die Patschhand und sagte: „Ich freue mich sehr und danke Ihnen bestens für Ihre Einladung. Ist Karl noch nicht da?" „Nein", antwortete ich, „der ist noch nicht da. Aber er wird schon kommen Er wird schon kommen. Er ist ja nie so recht pünktlich ..„Das weih der Himmel", erwiderte sie, „wenn man sich mit dem verabredet, kann man immer warten...“ Da schwirrte zufällig meine Frau vorüber. Ich hielt sie fest und stellte ihr Fräulein Marga vor, und selbstverständlich taten beide so. als freuten sie sich unbändig über die neue Bekanntschaft. Ich selbst als Wir. konnte mich leider nicht so um das junge Mädchen kümmern, wie ich es aus Herz und Sinnen heraus sonst gern getan hätte, aber da kam mir gerade der Herr Sitschew, der bulgarische Maler, in die Quere, und dem hing ich das Fräulein an. Er fing auch gleich Feuer. Er wich gar nicht mehr von ihrer Seite, er stürmte mit ihr das Büfett, und dann setzten sich beide an ein Tischchen hinter
einer spanischen Wand und plauderten sich gründlich fest.
In späterer Stunde streifte mich einmal Fräulein Marga. „Wo oleibt bloh der Karl?" fragte fie.. „Ich verstehe das auch nicht", gab ich zurück, „er muh im letzten Augenblick verhindert worden sein..." „Nun kann er schon bleiben, wo er ist", antwortete sie listig, „ich amüsiere mich auch ohne ihn...“
Diesen Eindruck ha'te ich selbst. Nachher wurde noch ge'anzt - um di schwe e Z p zu en.
Da schwankte der Bulgare d e kleine Marga im Boston und Sa.xgo /crum, ua > cs ei . iba war, und machte ordentlich eiiersüch'.ige -rügen, wenn einmal ein anderer sie holte. Sie war auch wirklich ein liebes anmutiges Geschöpfchen und gefiel allgemein, und oft genug wurde ich von diesem uht> jenem gefragt: „Wer ist denn das reizende Mädelchen da drüben?" „Ach, die da", pflegte ich ^ann zu a it Dorten .ja. die ist toirtl ch reizend, das ist F.äutein Ma-qa die Braut von meinem Freunde .<arl...“ Da nit begnügte man sich auch, denn i er Gesell schot rragt, man ja selten um einer erschöpfenden Antwort willen.
Beim allgemeinen 2lu bruch beea kte sie sich noch einmal sehr herzlich und fügte hinzu. „Aber was lagen Sie bloh zi Karl .“ Ich sagte gar nich s zu Karl, denn ich kannte ihn ja überhaupt nicht und lernte ihn auch nicht kennen, bis . . Eines Sages erhielt ich nämlich folgendes Briefchen
„Sehr geehrter Herr!
Der Lustspielfcherz, den oie sich mit Fräulein Marga machten ist so niedlich, dah ich Sie gelegentlich mit meiner persönlichen Aufwartung beglücken wollte. Ich bin für derlei sehr emp ä g'ich Aber cs ist etwas dazwi chen gekommen. An Fräulein Marga interenierte mich hauptsächlich das entzückende Näschen. Es kehrt auf verschiedenen meiner letzten Genrestücke wieder. Jetzt hat die junge Dame indessen einen Balkanwilden gefunden, dessen JntLressensphäre sich doch erbeblicf) über das Näschen hinaus zu er ft reden scheint. Die Bekanntschaft Fräulein Margas mit Ihnen entstammte^ der Aehnlichkeit unserer Telephon- nummem. Sollte es. was oei dex Eigenart unseres Fernsprechbetriebes nicht ausgeschlossen ist, einmal wieder so kommen: meine Jetzige heiht Lieselotte ..."
... Aus. Und nun sehe ich jeder neuen falschen Verbindung ohne Aerger entgegen. 3m Gegenteil, ich warte darauf.
Oer billiqste Platz: Orei Eier!
Die Kinos der englischen Stadt Tonbridge Wells (Grafschaft Kent) gerieten mit der Steuerbehörde in Streit und spielten der Obrigkeit einen gelungenen kleinen Ulk vor. Sie verzichteten auf die Eintritts- gelber in bar und verkauften die Karten für Trinkeier. Der billigste Platz kostete für Erwachsene drei Eier, für Kinder ein Ei Die Steuer versuchte wohl, die Gebühren „umzurechnen", jedoch ohne Erfolg. Man hätte nämlich nach jeder Karte ein Siebzehntel- Ei für Vergnügungssteuer und ein Dreizehnte! Ei für Umsatzsteuer in Abzug bringen müssen. Dieser „Eierologie" waren die Beamten allem Anscheine nach nicht gewachsen, und so leitete man die Friedensverhandlungen mit den schlauen Theaterdirektoren ein, die mit Versöhnung endeten. Die unvergeßlichen Eiertage von Tonbridge Wells sind ver- rauscht: Kinofreunde müssen wieder mit klingender Münze bezahlen ...
Öod)fd)i)lnacbnd)ten
Rektor und Senat der Technischen Hochschule zu Darmstadt haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Maschinenbau Herrn Otto Klemm, Direktor der ,,ellstofi-Fabrik Mann- heim-Walchof, in Würdigung seiner Verdienste um die Entwicklung der Zellstofiindustrie die Würde eines „Doktor-Ingenieurs ehrenhalber" verliehen. — Der Marburger Privatdozent, Bibliotheksrat an der dortigen Universitätsbibliothek, Dr. jur. et phil. Erich Auerbach, ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität daselbst ernannt worden: ihm wurde der durch den Weggang von Professor L. Spitzer erledigte Lehrstuhl der romanischen Philologie übertragen. — Der außerordentliche Professor Dr. phil. et med. Robert Fricke in OIFünfter hat den Ruf nach Greifswald angenommen und bereits seine Ernennung zum Abteilungsvorsteher am Chemischen 3nstitut der Universität Greifswald und zugleich zum ordentlichen Professor in der dortigen philosophischen Fakultät erhallen. — Der Privatdozent, Gerichtsassessor Dr. Ernst Cohn in Frankfurt ist vom Kultusminister für das Wintersemester 1930/31 mit der Vertretung der durch das Ausscheiden des Pros. K. A. Eckardt freigewordenen Professur für Bürgerliches und Handelsrecht an der Universität Kiel beauftragt worden.


