Gesetz über die Einschränkung des Personalauf- wandeS wird dangen abgelehnt, da es in die kommunale Beamtenschaft un-nötige Beunruhigung hineintragen würde. Eine Drosselung des Wohnungsbaues käme auf eine unerträgliche Äeubelaftung des Arbeitsmarktes heraus. Die Hauszinssteuer für den Wohnungsbau müsse dem örtlichen Aufkommen entsprechend zur Verwendung gelangen. Die Weiterführung der Geineindefinanzwirtschast sei nur möglich, wenn die volle Beweglichkeit der Cinnahmege- staltung gesichert würde. Dazu gehöre vor allem auch die Einführung des Zuschlags- rechtszurEinkommensteuer zum 1. April 1931. Auf diese Weise werde am besten die LIeberlastung der Realsteuern vermieden. Eine allgemeine schematisch« Senkung der Realsteuern hält der Städtetag aber nicht für möglich. Zusammenfassend verwies Dr. Mulert nochmals auf das Anwachsen der Wohlfahrtserwerbslosen. Die immer wieder geforderte Reuregelung der Krisenfürsorge und die Aeber- nahme des Gemeindefünftels auf das Reich müsse deshalb sofort geschehen. Grundforderung sei jedenfalls, daß die Gemeinden ihre Selb st Verantwortlichkeit behielten.
Oie Preissenkung.
Verhandlungen
im Reichsernährungsministerium.
Berlin. 8. Rov. (Wolff.) Die deutschen Däckerinnungen haben sich auf ihrer Tagung in Berlin mit der Frage der Senkung der Brotpreise besaht. Auf Grund ihrer Beratungen wurde dem Reichsernährungsministerium mitgeteilt, das) eine allgemeine Herabsetzung der Brotpreise im Reich zur Zeit nicht möglich sei, weil die Voraussetzungen hierfür — Senkung der Lohnunkosten, Soziallasten, Steuern und Werktarife — nicht gegeben seien. Eine einheitliche Festlegung der Bruttospanne für die Unkosten des Bäckereibetriebes bei der Drotherstel- lung sei für das ganze Reich nicht möglich. Infolgedessen haben sich die Bäcker auf eine durchschnittliche Druttospanne geeinigt. An Hand dieser Spanne werden nunmehr die bezirklichen und örtlichen Unkosten nachgeprüft, um die Unterschiede in den Brotpreisen der einzelnen Großstädte aufzuklären.
Im Anschluß an Verhandlungen mit dem Bäcker- und Fleischergewerbe und dem Milchhandel sanden im Reichs Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft Besprechungen mit der H a up t ge me i n sch a f t des deutschen Einzelhandels statt. Die erschienenen Vertreter deä Lebensmittelhandels legten dar, welche Preissenkungen auf verschiedenen Gebieten im Laufe der letzten Monate bereits einge- treten feien. Sie betonten den ernstlichen Willen, den Wünschen der Reichsregierung auf eine allgemeine Preis enkung auch ihrerseits im Rahmen des Möglichen Rechnung zu tragen. Sie werden dem Ministerium in den nächsten Tagen konkretes Material über die Preisbildung und die Höhe der Handelsspanne unterbreiten. Die Verhandlungen werden fortgesetzt-.
Oie Tabakzollerhöhung im Reichsrai.
Hessen wird dagegen stimmen.
Berlin, 8. Roo. (DDZ. Funkspruch.) Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrates traten am Samstagfrüh unter dem Vorsitz des Staatssekretär» Schäffer vom Reichssinon;minislerium zusammen. um die zum Finanzplan der Reichsregierung gehörende Novelle zur Tabak st euer zu beraten. Während die Zigarellensteuer nach den Mitteilungen des Reichsfinanzministeriums in den letzten Jahren schon mehrfach erhöht worden ist, waren Zigarren und andere Tabakwaren noch geschont worden. Die jetzige Novelle zur Tabaksteuer will diesen Unterschied zum Teil wieder ausgleichen, indem sie eine stärkere Belastung namentlich fürZigarren vorsieht. Infolgedessen machte sich in den Reichsratsausschüssen eine Opposition namentlich der bremischen und der badischen Reichsratsvertreter geltend. 3n beiden Staatsgebieten spielt die Zigarrenherstellung eine grohe Rolle. Es wurde darauf hingewiesen. datz die kartellierte und mit modernen Maschinen ausgerüstete Zigarettenindustrie eher eine starke Steuer tragen könne als die in zahlreiche Kleinbetriebe zersplitterte und daher viele Arbeiter beschäftigende Zigarrenindustrle.
Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrates beendeten am Samstag die erste Lesung der Tabak- sleueroorlage der Reichsregierung. (Eine zweite Lesung wird am Samstag, den 15. 71 o- vember, stattfinden.
*
Wie wir der amtlichen „Darmstädter Zeitung" entnehmen, hat das hessische Gesamtmini- st e r i u m beschlossen, datz Hessen im Interesse des heimischen Tabakbaues und der Tabakindustrie im Reichsral gegen dieLrhöhungderTabak- st e u e r stimmt.
Auch die Volkspartei gegen die Tabakzollerhöhung.
Berlin, 10.Rov. (DDZ.) Die Reichstags- frcrktion der DVP. hielt am Samstag im Reichstag eine Sitzung ab. Wie das DDZ.-Bureau hört, erstatteten zunächst die Wgeordneten Dau ch und Dingeldeh einen Bericht über die politische Lage und über ihre Besprechung mit dem Reichskanzler. Die Fraktion steht dem Reichskanzler nicht ohne Vertrauen gegenüber. Bei der Besprechung der einzelnen Steuerfragen, über die Abgeordneter Dr. Cremer berichtete wurden u. a. stärk st eBedenkengegendie Tabaksteuer geäußert. Es wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Einschrän- kung des Tabakkonsums zu einer erheblichen Vermehrung der Arbeitslosigkeit führen könne. Wie das VDZ.-Bureau weiter erfährt, erregte m der Fraktion eine Mitteilung äußerstes Befremden, wonach von interessierter Seite im Lande die Behauptung verbreitet sei die Fraktion habe sich für die Einführung der Arbeitszeitkürzung entschieden. Es wird dazu ausdrücklich versichert, bah sich kein einziges Mitglied der Fraktion in diesem Sinne ausgesprochen habe.
Die Gründung der Deutschen Staatspartei.
Oie Auflösung her Oemokratischen Partei. Höpker-Aschoff bereitet über den Weg zur Staatspartei.
Hannover, 8.Rov. (WTD.) Auf dem demokratischen Parteitag hielt der Ehrenvorsitzende der Partei, Bürgernreister Dr. Karl Petersen, Hamburg, eine Rede über das Thema „216- schiedvon derDemokratischenPartei, 12 Jahre der Arbeit für Deutschland."
Ter preußische Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff sprach über das Thema „Unser Weg zur Staatspartei." Er führte dabei u. a. folgendes aus: Aus dem Willen heraus, alle Staatsbürger zum gemeinsamen Widerstand gegen den Sozialismus und zum Kampf für geistige Freiheit zu vereinigen, ist die Staatspartei geboren worden. Ein Bündnis wesensverwandter Parteien und Gruppen hätte dieses Ziel erreichen können. Das Bündnis ist gescheitert an einem großen Irrtum.
1. Wir haben uns geirrt über die persönlichen Eigenschaften und die politischen Fähigkeiten der Führer der volksnationalenBeweg ung.
2. Wir haben uns geirrt über die voll^nationate Bewegung selbst. Diese Bewegung wurde gestärkt durch den Iungdeutschen Orden, und der Orden wollte nicht die Verwirklichung politischer Ziele, sondern er und vor allem auch seine bezahlten Angestellten der Bureaukratie wollten nichts als die Macht. Der Plan, Verbindung mit dem Lager der Deutschen Dolkspartei aufzunehmen, wurde vor und nach den Wählen, insbesondere aber vor der Verhandlung mit Herrn Dr. Scholz, durch die volksnationalen Führer auf das schärfste bekämpft, weil man fürchtete, alsdann innerhalb der neuen Partei an Bedeutung zu verlieren. Was wollen wir in der Deutschen Staatspartei? Wir bekennen uns zum nationalen Gedanken. Wir wollen den Frieden, aber den Frieden der Freiheit und nicht der Unterwerfung. Befreiung und Wiederaufrichtung der deutsch e n R a t i o n ist unter oberstes Ziel. Die Etappen auf dem Wege heißen: Beseitigung der Tributlasten, Grenzrevtsionen im Osten, Anschluß Oesterreichs, Sicherung der deutschen Minderheiten und Organisation des mitteleuropäischen Raumes. Wir bekennen uns zum demokratischen Gedanken und wollen, daß der Staat über alle konfessionelle Verknöcherung hinweg die deutsche Kul- turgemeinfchast als den Sinn jedes Bildungs- keseris betrachte. Wir bekennen uns zur Wirt- s^astsordnung d^s Privateigentums und beirachten es trotz aller Schlagworte als unsere Ausgabe, möglichst viele Menschen zu Besitzbürgern zu machen. — Rach dem Referat Höpker-Aschoffs wurde der Antrag des Parteivorstandes auf Auslösung der Deut- schenDemokratischenPartei uni) Uebcr- führung der Parteiorganisation in die Deutsche Staatspartei mit allen gegen 16 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen angenommen.
Oie Gründungsversammlung her Gtaaispariet.
ReichHfmanzrrunister Dietrich der neue Parteiführer.
Hannover, 9. Noo. (WTB.) In Hannover, wo am Tage vorher nach teilweise stürmischen Auseinandersetzungen mit großer Mehrheit die Auflösung der Deutschen Demokratischen Partei beschlossen worden war, hielt am Sonntag die Deutsche Staatspartei ihren Gründungsparteitag ab, den der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff eröffnete.
Reichsfinanznimister Dietrich
hielt eine Rede über „Ziele und Aufgaben der Staatspartei", in der er etwa folgendes ausführte: Im neuen Reichstag besteht noch eine Mehrheit für den heutigen Staat und seine Verfassung, aber es besteht keine Mehrheit für die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung, die Sozialdemokraten, Korn- muniften und Nationalsozialisten verwerfen. Die Grundursache dieser Erscheinung liegt in der Vermehrung der abhängigen Existenzen , die im übrigen politisch und wirtschaftlich heute vollkommen gleichberechtigt sind. Schlimmer hat die Inflation gewirkt, die Millionen Existenzen ihr Sparvermögen weggenommen hat und sie daher in der Zeit der Arbeitslosigkeit der größten Not aussetzt. Die Zusammenballung zu gewaltigen Syndikaten und Trusts, die ganze Erwerbszweige beherrschen, verbaut einer Menge nach Selbständigkeit drängender Existenzen den Weg nach oben. Die Reparationen, die in ihren Auswirkungen vollkommen unübersehbar sind, be- drohen die Existenzmöglichkeit der Nationen. Die Meinung, der Staat könne alle Leiden heilen, ist überspannt worden und droht den Staat zum Erliegen zu bringen. Schlimmer ist zur Zeit die geistige Verwirrung. Die alten Autoritäten sind gefallen. In Familie, in Schule und Kirche wurde vielfach ein negativer Geist gelehrt, der der heutigen Generation jede Einstellung zum Staat genommen hat. Meinungs- und Pressefreiheit sind entartet, Selbstdisziplin ist verloren gegangen. Der Eintritt der Frau in das politische Leben brachte ein neues unübersehbares Moment, und das verkehrte Wahlrecht hat verwirrend gewirkt. Falsche Beamtenpolitik und wirtschaftliche Korruption haben verheerende Folgen gehabt. Mit Schlagworten wie Marxismus und Antimarxismus kann die Lage nicht geändert werden. Monopolistische Syndikate kann der Staat nicht frei schalten und walten lassen.
3m übrigen aber ist die Erhaltung des selbständigen Unternehmertums und vor allen Dingen des Mittelstandes in Gewerbe, handel und Landwirtschaft die vordringlichste Aufgabe. Davon hängt auch das wohl und Wehe der Angestellten, Arbeiter und Beamten ab.
Auf geistigem und kulturellem Gebiet liegt das Zeitalter des Liberalismus hinter uns. Wir übernehmen aus ihm das Rechtder Geistes- u n d M e inungsfreiheitundderDuld- samkeit. Aber auf Freiheit hat nur Anspruch, wer sich die nötige Disziplin und Selbstbeschränkung auferlegt. Die wichtigste Aufgabe ist die Erziehung zur Volksgemeinschaft und zur staatsbürgerlichen Pflichterfüllung, Aur Staatsidee. Diese aber ist der Gedanke des deutschen Rational st aates. Jede andere Staatsidee zerreißt die Verbindung mit den von uns getrennt lebenden Europadeutschen.
Weil wir aber für die Staatsidee alle Dolks- genoffen brauchen, muß der Staat demokratisch sein. Dieser demokratische Rationalstaat wird dem deutschen Volke die Freiheit wieder erobern, tote wir hoffen, auf friedlichem Wege. Aber die Friedensidee ist überlagert von Ser Idee der Gerechtigkeit, und Friede kann es in Europa nur geben, wenn toe Gerechtigkeit siegt.
Der Redner verbreitete sich dann über seine Finanzpolitik, die ein Gebot der Rot sei, und die auch, soweit sie die Beamten treffe, nur zu verstehen sei aus der Tatsache, daß eben die Mittel zur W e i t e r g e w ä h r u n g der bisherigen Bezüge nicht ausreichten. Die Grundidee sei die Wieder- herstellung des Vertrauens und damit Belebung der Wirtschaft auf dem Binnenmarkt sowohl wie auf dem Weltmarkt. Die Reparationspolitik bezeichnete er als zwangsläufig.
Als der Redner die Rotwendigkeit der
Kürzung der veamtengehäller
als eine der Maßnahmen begründete, die die Zahlungsfähigkeit des Reiches, der Länder und Gemeinden erhalten solle, kamen von den De- amtenvertretern Rufe: „Aber das Kapital wird geschont" Minister Dietrich erinnerte darauf an diein der Inflation und mit dem De- visenkvmmissar gemachten Erfahrungen. Wenn jetzt abermals scharfe Dekrete gegen das Kapital ergehen, würde man erleben, was früher sich schon ereignete, nämlich, daß aus allen Volksschichten ein Sturm auf die Danken einsehen würde, und daß jedermann versuchte, sein deutsches Geld in fremde Währung urnzu- setzen. Der Redner gedachte der jüngsten Erfahrungen Frankreichs auf diesem Gebiete und fügte hinzu: „Ich will nicht um der augenblicklichen Popularität willen Fehler begehen, die. das deutsche Volk ruinieren können, und ich hoffe, daß nicht neue Stürme das in der letzten Zeit mühsam aufgebaute Sanierungswerk für Deutschland zerstören. (Lebhafter Beifall.) Wir hoffen aber auch, einen Weg gefunden zu haben, auf dem wir das Kapital, wenigstens der Menschen, die noch ein bescheidenes Staatsgefühl haben, aus dem Auslande wieder zurückbringen können. (Beifall.) Wenn wir bei der Kürzung der Deamtengehälter nicht g e st a f - feit haben, so liegen dem einige Erwägungen zugrunde, dabei auch die, daß gerade die oberen De amten, die eine lange Vorbildung haben müssen, sich darüber beklagen, daß sie bei der Gehaltserhöhung 1927 besonders schlecht weggekommen seien. Dei den Ministergehältern haben wir kräftige Abstriche gemacht. Ich habe nach 21 jähriger Dienstzeit sieben Jahre lang auf Gehalt und Pension verzichtet. Dei dieser meiner persönlichen Unabhängigkeit darf ich aber auch sagen: Eine schlechte Dehand- lung der führenden Leute im Rat führt mit der Zeit zur Plutvkrati e.“
Rach dem Reichsfinanzminister führte Reichs- tagsabgeordneter
Dr. Josef Winschuh
u. a. aus: Die Arbeit, die wir heute beginnen, wird nicht getragen vom Schwung eines Sieges. Sie kann ihre Kraft nur schöpfen aus der Ueber- zeugung, daß unsere Arbeit für Deutschland notwendiger ist denn je und aus dem selbstkritischen Willen zur Erneuerung. Dei unserer Arbeit dürfen wir nicht in den Fehler verfallen, zu rationalisiert und zu intellektuell zu werden. Wir müssen eine Politik aus dem Herzen und auS dem Glauben treiben, die nicht nur an die Vernunft, sondern stark an die Kraft des Gemüts appelliert. Die Staatspartei muh die lebende Drücke zwischen Volk und Staat werden. Um Rachtouchs zu gewinnen, müssen wir aber auch uns der Röte des Rachwuchses annehmen. Reben das Geben des Industriearbeiters, neben die sozialen Probleme der wachsenden Angestelltenschaft tritt als dritte soziale Frage immer stärker die Derufsnot und der Lebenskampf des deutschen fachlich und akademisch gebildeten Nachwuchses. Die Front der Kämpfer und Führer muß verjüngt werden, denn die nächsten Jahre werden im Zeichen eines scharfen Kampfes stehen. Unsere besondere Aufgabe ist es, die Hohlheit und Unfruchtbarkeit des politischen Radikalismus zu demaskieren und eine Reservestellung zu schassen für die verwirrten deutschen Menschen, die bald aus den extremen Lagern zurückfluten werden, dann aber auch eine erneuerte politische Siegfried-Stellung vorfinden «müssen.
Auch das Referat Winschuhs wurde mit lebhaftem Deifall aufgenommen. In der Diskussion nahmen mehr als 30 Redner das Wort. Die Satzungen fanden in der Form, wie sie vom Parteivorstand vorgeschlagen waren, im ganzen Annahme. Auf Vorschlag des Ministers Höpker- Aschoff wurde mit allen gegen 22 Stimmen darauf Dietrich zum Parteivorsitzenden gewählt. Der Parteitag bereitete dMi neuen Parteiführer eine brausende Kundgebung. Dietrich erklärte, daß er das Amt annehme. Mit einem Hoch -auf die deutsche Ration und die deutsche Republik und dem Gesang des Deutschlandliedes schloß der Parteitag.
Oeutschnaiivnale Gpar- anträge in Hessen.
Darmstadt, 8. Rov. (WHP.) Die deutsch- nationale Fraktion hat im Hessischen Landtag eine Reihe von Anträgen eingebracht, in denen u. a. darum ersucht wird, die Regierung möge innerhalb sechs Wochen den Entwurf einer Verfassungsänderung dahingehend vorlegen, daß 1. die Zahl der Landtagsabgeordneten von 70 auf 25 herabgesetzt werde, 2. daß neben dem Landtag (Volkskammer) noch eine berufsständische, aus 1 2 Mitgliedern bestehende Kammer gebildet werde. Letztere soll sich aus Vertretern der wichtigsten De- rufszweige: Arbeiterschaft, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Industrie, Handwerk, Beamten- schäft und anderen zusammensetzen. Die Vertreter sollen von den zuständigen Berufsorganisationen vorgeschlagen und vom Staatspräsidenten ernannt werden. Die berufsständische Kammer hätte das gleiche Recht, gegenüber Deschlüssen des Landtages, durch die der Staatshaushalt eine weitere Belastung erfährt, Einspruch zu erheben (Vetorecht). Wird innerhalb eines Jahres derselbe Beschluß vom Landtag zweimal gefaßt, und von der berufsständischen Kammer abgelehnt, so soll der Landtag das Recht haben, eins
Volksabstimmung hierüber herbeizuführ««. 3. Das W a h l a l t e r soll heraufgesetzt werden. Außerdem wird in einem sehr ausführlichen Antrag eine Reihe von Sparanträge gestellt. die sich zum Teil mit denen des Landbundes decken. Im Reichsral soll von der hessischen Regierung u. a. die Erhebung einer besonderen Reparationsabgabe gefordert werden. Außerdem soll die Zahl der öffentlichen Feste dem Emst der Zeit und der wirtschaftlichen Rotlage entsprechend möglichst eingeschränkt und die Genehmigung zur Abhaltung von Festveranstaltungen nur in besonderen Fällen erteilt werden. Während der Zeit des Vormittags- gottcsdienstes sollen öffentliche Veranstaltungen, an denen sich Behörden beteiligen, in Zukunft nicht mehr stattfinden.
Aus aller Well.
Schwere politische Zusammenstöße.
In Hilden bei Düsseldorf, wo es schon am Freitag zwischen Kommunisten undRa- tionalsozial isten zu schweren politischen Schlägereien gekommen war, hatten die Kommunisten für Sonntag zu einer grvhsn-S t rah en - kundgebung gegen die Rativnalsozialisten aufgerufen. Trotzdem die Polizei die Veranstaltung verboten hatte, rückten am Sonntagnachmittag aus Richtung Geeresheim, Benrath und Ohligs tommunistische Züge in die Stadt ein. Die; Hildener Polizei versuchte mit Tlnterstützung der Landjägerei die Umzüge aufzulösen. Die Beamten wurden jedoch derart bedrängt, daß sie schließlich von ihren Schußwaffen Gebrauch machen muhten, da von allen Seiten auf sie eingehauen wurde. Dabei wurden vier Personen, darunter eine unbeteiligte Frau, schwer verletzt. Auch mehrere Polizeibeamte erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen, davon einer einen Messerstich in den Unterleib. DaS aus Düsseldorf herbeigerufene Ueberfalltommando drängte die Kommunisten ins Hildener Volkshaus zurück, wo die Eingeschlvssenen nach Was-« f en durchsucht wurden. Einige Personen, bei denen man Gummiknüppel fand, wurden festgenommen, die übrigen nach Feststellung der Personalien wieder freigelassen. Erst gegen Abend war die Ruhe wieder soweit hergestellt, daß die Düsseldorfer Polizei abrücken könnte.
Gründung eines internationalen 3agdrates in Paris.
In Paris wurde ein internationaler Jagdrat ins Leben gerufen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ermittlungen über die verschiedenen Jagdregelungen zu zentralisieren, Statistiken zwischen den einzelnen Ländern auszutauschen, den Transitverkehr von Waffen zu erleichtern und schließlich eine internationale Verständigung zu schaffen, um die nütz- lichen Tiere zu schützen und die Wilderei an den Grenzen zu bekämpfen. Die Eröffnungssitzung, die unter dem Vorsitz des französischen Landwirtschafts. Ministers David stattfand, war von Vertretern von 17 verschiedenen Staaten besucht, wobei Deutschland durch den Herzog von Rati - b o r vertreten war. Nach Schluß der Sitzung wurden die Mitglieder der Vereinigung vom Präsidenten der Republik empfangen.
Gustav Frenfsen ;um Holsteiner Bombenlegerprozeh.
Der Dichter Gustav Frenfsen und die Vorsitzenden der Bauernbünde beider Dithmarschen, Hausbesitzer Thiessen und Johannsen jun., haben an Frau Heim, die Frau des in Altona zu s ieben Jahren Zuchthaus verurteilten Hofbesitzers Heim, ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Ein hartes Gesetz hat Ihren Mann zu einer Sühne verurteilt, die ihn ehrlos machen soll. Wir Unterzeichneten, gleich ihm aus alten Dithmarscher Familien, wollen Ihnen sagen, daß wir zwar die Unternehmungen Ihres Mannes, seinem schwer bedrohten Stande zu helfen, nicht billigen, daß wir aber fern davon find, sie ehrlos zu nennen, und daß wir also Ihren Mann weiterhin für einen der Unseren halten und achten werden."
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
3m Grenzbereich zwischen dem hohen und ttefen Druck ist die dem Laufe der Isobaren entsprechende westliche Luftströmung erhalten geblieben. Somit ist die gestern über den britischen Inseln lagernde Warmluft nach dem Festlande befördert worden und ruft bei Temperaturanstieg noch vielerorts Bewölkung hervor. Ganz vereinzelt werden auch Riederschläge gemeldet, jedoch alle nur leichterer Art. Es folgt jetzt kühlere Luft nach, was einen weiteren Aufbau des hohen Druckes zur Folge hat; dabei tritt vorerst noch wechselhafte Bewölkung auf, die sich aber nach und nach mehr auflösen wird.
Aussichten für Dienstag: De- wölkt oder dunstig mit Aufklaren ohne nennenswerte Riederschläge, etwas kühler.
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