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Oberhessen.

Gemeinderatssihung in Grünberg.

4- Grünberg. 8. Juli. Der Gemeinde- r a t war in seiner letzten Sitzung vollzählig ver­sammelt. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Festsetzung der endgültigen Steuer- ausschläge für das Rechnun g s j a h r 1 92 9 und gleichzeitig der vorläufigen für 1930. Sn dem Schreiben des Kreisamts, das um die Festsetzung dieser Sähe ersucht, wird bemerkt, daß für die endgültige Veranlagung für Rj. 1929 be­züglich der Grundsteuer die seinerzeit als vor­läufig beschlossenen Sähe in gleicher Höhe über­nommen werden könnten, da nur unwesentliche Abweichungen im Steueraufkommen sich ergäben. Anders sei es dagegen bei der Festsetzung der endgültigen Steuersätze bei der Gewerbesteuer. Hier müsse ein bei der endgültigen Veranlagung für Rj. 1927 erlassener Betrag von 3060 Mark im Rj. 1929 hereingebracht werden, wodurch sich bei der endgültigen Veranlagung der Gewerbe­steuer für 1929 eine kleine Erhöhung der Steuer­sätze ergäbe. Aach kurzer Aussprache beschließt der Gemeinderat die endgültige Festsetzung der Steuerausschläge für Rj. 1929 in der vom Kreis­amt vorgcschlagenen Höhe' 1. Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen mit einem Steuerkapi­tal von 4 025 900 Mk. für je 100 Mk. Steuerwert 25 Pf. Steuer mit einem Aufkommen von 10 060 Mark. 2. Grundsteuer von landwirtschaftlich ge­nutzten Flächen mit einem Steuerkapital von 3 334 200 Mk. für je 100 Mk. Steuerwert 70 Pf. Steuer mit einem Aufkommen von 23 340 Mk., 3. Gewerbesteuer vom Gewerbekapital mit einem Steuerkapital von 928 500 Mk. für je 100 Mk. Steuerwerk 100 Pf. Steuer mit einem Auf­kommen von 9280 Mk. Der vorläufige Steuer­satz betrug hier für je 100 Mk. Steuerwert 80 Ps. Steuer mit einem Aufkommen von 7420 Mark. 4. Gewerbesteuer vom Gewerbeertrag bei einem Steuerkapital von 263 000 Mk. für je 100 Mark Steuerwert 400 Pf. Steuer mit einem Auf­kommen von 10 520 Mk. Hier war der vorläufige Steuersatz von je 100 Mk. Steuerwert 360 Pf. gewesen und erbrachte 9460 Mk. Die Gewerbe­steuerpflichtigen haben daher bei der endgültigen Veranlagung für Aj. 1929 rund 3000 Mk. Steuer mehr aufzubringen als nach der vorläufigen Veranlagung vorgesehen war. Die Sonder- gebäudesteuer wird mit dem höchstzulässigen Satz von 39,93 Prozent des staatlichen Steuersolls festgesetzt, da die Grundsteuer die staatlicherseits für die Gemeinden vorgesehenen Mindestsätze übersteigt. Ihr Aufkommen beträgt 11 770 Mk., so daß das Gesamtaufkommen der Gemeinde­steuern für Aj. 1929 den Betrag von 64 970 Mk. ergibt.

Gleichzeitig werden die vorläufigen Steuer­sätze für das Aj. 1 9 30 festgesetzt, die. bei der Grundsteuer die gleichen Sätze vorsehen, näm­lich 25 Pf. von je 100 Mk Steuerwert bei Ge­bäuden und Bauplätzen und 70 Pf. von je 100 Mark Steuerwert bei landwirtschaftlich genutzten Flächen, während die Gewerbesteuer gegenüber 1929 eine kleine Ermäßigung erfährt, nämlich 85 Pf. von je 100 Mk. Gewerbekapital und 380 Pf. von je 100 Mk. Gewerbeertrag. Die Sondergebäudesteuer wird aus dem gleichen Satze von 39,93 Prozent des staatlichen Steuersolls be­lassen. Das Gesamtaufkommen der Gemeinde­steuern nach der vorläufigen Veranlagung für Aj. 1930 ergibt den Betrag von 63 050 Mk., was der im Voranschlag eingestellten Summe ent­spricht.

Für das schon lange bestehende HotelZum Wilden Mann", das den Besitzer gewechselt hat, wird die Erteilung der Konzessionsüber­tragung auf den derzeitigen Inhaber befür­wortet.

An der Bismarck st raße hat ein Grund­stücksbesitzer eine Fläche von 256 Quadratmeter zu Straßengelände hergeben müssen- es wird ihm der städtischerseits für Straßengelände gezahlte Satz von 1,50 Mk. pro Quadratmeter zugespro­chen, eine Restparzelle von 47 Quadratmeter, die von seinem Grundstück auf die gegenüberliegende Seite gefallen ist, soll von ihm zu einem Preis von 3 Mk. für den Quadratmeter erworben werden.

Die Kündigung eines städtischen Kapitals bei einer hiesigen Genossenschafts­kasse und dessen Reuanlage bei einer Bezirks­sparkasse wird von einigen Gemeinderäten kriti­siert, und es wird gewünscht, daß auch gut geleitete Genossenschaftskassen auf Beschluß des Gemeinderats zur Anlage für Gemeindegelder gewählt werden dürften und nicht alle Gemeinde­gelder, wie sich nach Mitteilung des Beigeord­neten ergibt, laut staatlicher Anordnung in den unter staatlicher Aufsicht stehenden Sparkassen angelegt werden mühten.

Landkreis Gietzcn.

ck. Heuchelheim, 8. Juli. Der älteste Ge­sangverein Heuchelheims, der Gesangverein Teutonia", feiert am 12., 13. und 14. Suli sein 75jähriges Bestehen. Schon Anfang der vierziger Jahre war die erste Gründung des Vereins erfolgt, aber in den sturmbewegbem Jahren 1848/49 wurde er, da er sich den An­schauungen der Demokratie nicht verschloß, regie­rungsseitig wieder aufgelöst. Erst im Jahre 1855 kam es wieder zur Aeugründung, und dieses Jahr gilt als das eigentliche Gründungsjahr. Um die Gründung hatten sich hauptsächlich ver­dient gemacht der Zimmermeister Jakob Gil­bert, welcher auch der erste Dirigent des Ver­eins war, und der Glasermeister Jakob Hahn II., der jahrelang den Verein als erster Vorsitzender leitete. Im Jahre 1863 wurde gelegentlich eines Dundesfestes auf den Haagwiesen die erste Fahne cingeweiht. Diese wurde von dem Dirigenten Gilbert selbst entworfen und mit der Inschrift: Freiheit, Friede, Fröhlichkeit, hoffen wir zu jeder Zeit" versehen. Die Anfertigung der Fahne übernahm dessen Tochter Elisabeth. Aachdem der Dirigent Gilbert wegen geschwächter Gesundheit zurückgetreten war, übernahm Lehrer Wämser und nach diesem Lehrer H e l d t m a n n dessen Amt. Im Jahre 1872 übernahm dann das Dereinsmitglied Philipp Gorr IV. das Amt eines Dirigenten und behielt es 30 Jahre lang bis 1902. Mit ehernen Lettern steht der Renne dieses verdienstvollen Mannes in der Vereins­geschichte geschrieben. Von 1902 bis 1907 leitete sein Sohn Philipp den Verein. Aach dessen Weg­gang Lehrer Plvch bis 1908, Musiklehrer Dauer bis 1911 und von da ab der derzeitige Dirigent Herr Curths, Gießen. Als Vorsitzende leiteten in den verflossenen 75 Jahren den Ver­ein die Herren Jakob Hahn 11., Glasermeister, (1855 bis 1864); Wilh. K r ö ck, Werkmeister, (1864 bis 1869), Jakob Steinmüller, Fabrikarbei­ter, (1869 bis 1874); Johann Aesseldreher, Mehgermeister, (1874 bis 1886); I. PH. Reusch° l i n g, Schmiedemeister, (1886 bis 1893) ; Wilh. Sack II., Landwirt, (1892 bis 1897); Jak. Hart­mann II., Zimmermeister, (1897 bis 1901); Heinr. Rinn XVI., Schneidermeister, (1901 bis 1909),' Ludwig Rinn !., Landwirt, (1909 bis 1911); Georg Mandler, Schreinermeister, (1911 bis 1919); Aug. Engelhardt, Baumschulbesitzer, (1919 bis 1924); Adolf Schmidt, Mehgermeister, (1924 bis 1928), und von da bis heute Albert V o l k m a n n, Postschaffner. Don den Gründern lebt heute keiner mehr, aber eine stattliche An­zahl Mitglieder, die dem Verein über 50 Jahre die Treue gehalten haben, sind noch vorhanden. Es sind dies: Georg Volkmann, Wilhelm Rinn IV., Ferd. Vollmann, Georg A m e n d, Joh. PH. Kröck, Friedr. R e u s ch l i n g, Wilh. Ruppert, PH. Reu schling HI.. Heinrich Rinn VII., Ludwig Rinn XVI., Ludwig Sack III., Jak Kreiling VI., Ludw. Henkel- m ann V., Christ. Lenz, Philipp Bebling, Ludw. Kröck X., Ph. Kreiling VII., Jak. Rinn XXII.. und PH. S a ck IV., ein ehrendes Zeugnis für den Verein, das beweist, welch guter Geist stets in seinen Reihen geherrscht hat. Wie jeder Verein, hat auch die Teutonia schmerz­liche Verluste in dem Weltkriege zu beklagen. Sie verlor aus ihrer Sängerschar Ferd. ©er­nannt, Willi Hofmann, Wilh. Kreiling, Karl Germer, Albert Freitag, Wilhelm Rinn, H. Karl Rinn, Jakob Hofmann und Friedr. Wilh. Gorr. Eine von Mitglied Glaser­meister Ferd. Hahn entworfene und auch an­gefertigte Ehrentafel hält die Erinnerung an diese Wackeren wach. Soweit die Geschichte des Vereins. Heute, im Jahre seines 75. Geburts­

tages, steht der Verein mit seinen fast 200 Mit­gliedern an der Spitze der hiesigen Gesangvereine. Auch in seinen Leistungen befindet er sich dank der Führung seines langjährigen jetzigen Diri­genten auf beachtlicher Höhe. Bevorzugt wird von dem Verein das Volkslied und der leichtere Kunstchor. Eingedenk seines Wahlspruches:Frei­heit, Friede, Fröhlichkeit", sieht er die Erfüllung seiner Aufgabe nicht in der Erreichung der zu Wettsingen nötigen Spitzenleistungen, sondern er legt mehr Wert auf den Gesang, der der fröh­lichen Geselligkeit erst die richtige Weihe gibt.

§ Daubringen, 9. Juli. Seit der Anlage unserer Wasserleitung hat diese mit unver­mindertem Druck bis vor zwei Jahren gut gear- be tet. Seit dieser Zeit besteht großer Masser- mangel. Aur einige Ortsstraßen, die tiefer ge­legen sind, sind in der Lage, die nötige Wasser­menge entnehmen zu können. Bis heutzr ist die Leitung nur an zwei Stunden am Tage zur Wasserentnahme offen. Die Gemeindeverwaltung ließ in anerkennenswerter Weise an verschiedenen Stellen in unserer Gemarkung Bohrungen durch­führen, die auch endlich zu einer Quelle in un­mittelbarer Aähe des Dor es führten. Aach Mes­sungen des Kulturbauamtes Jieftcn soll die neue, nunmehr gefaßte Quelle bis zu 100 Kubikmeter täglich dem Ortswassernetz zuführen, woraus der seitherige Wassermangel gedeckt wird. Gegen­wärtig wird eine elektrische Pumpe durch die Jnstattationssirma Becker von Treis aufge­stellt. Im Vergleich zu den Rachkriegsjahren hat die Bautätigkeit in den letzten beiden Jahren bedeutend abgenommen. Während im Vorjahre noch drei Wohnhäuser gebaut wurden, so ist bis jetzt nur eines im Rohbau fertig- gestellt, bei einem andern in der Baufluchtlinie an der Staufenberger Straße ist der Anfang gemacht worden. Beide sollen noch vor Winter bezogen werden. Reben diesen Aeubauten wurden einige Um- und Anbauten vorgenommen. Im großen und ganzen kann in unserem Dorfe die Wohnungsnot als beseitigt angesehen werden.

v. Londorf, 9. Juli. Dieser Tage wurde die von Maurermeister K r e u d e r errichtete B a de­ll n st a l t eröffnet. Diese enthält Wannenbäder und Brausebäder und ist in hygienischer und gesundheitlicher Beziehung einwandfrei hergerich­tet. Es ist dadurch einem schon lange bestehenden Bedürfnis abgeholfen worden.

* Lich, 9. Juli. Der Licher Sommer­markt, einer der beliebtesten und besuchtesten Märkte unserer Stadt, wird am 23. Juli wieder in hergebrachter Weise begangen. Außer dem üblichen Schweine- und Krämermarkt ist mit dem Markt ein Handels- und Zuchtviehmarkt, Prä­miierung von hessischem Fleckvieh und Vogels­berger Vieh und Zuchtviehversteigerung (Bul­len) verbunden. Am gleichen Tage erfolgt auch die alljährlich stattfindende Auktion von Jähr­lingsböcken der Stammschäferei der fürstlichen Verwaltung in Lich. Es ist zu erwarten, daß zuchtviehsuchende Gemeinden, Handelsleute und sonstige Interessenten eine gute Gelegenheit zum Erwerb erstklassiger Tiere finden werden. Außer­dem Tombola, Volksbelustigung, Konzert und Tanz. Auf die im heutigen Anzeigenteil ver­öffentlichte Bekanntmachung sei besonders hin­gewiesen.

Kreis Friedberg.

ch Ost heim, 9. Juli. Der HausbergWet­tertal-Sängerbund, Mitglied des Hessi­schen und Deutschen Sängerbundes, hielt hier sein diesjähriges Wertungssingen ab, an dem sich 18 Vereine, darunter einige aus dem Kreise Gießen, beteiligten. In Verbindung damit feierte der hiesige GesangvereinGermania" das 75. Vereinsjubiläum Den Auftakt bildete eine Feier am Kriegerdenkmal, wo der Präsident des Vereins, sowie Pfarrer M 5 b u s von hier Ansprachen hielten. Cs folgte ein Kom­mers in einer eigens hergerichteten Festhalle. Am Sonntagmorgen fand in der Festhalle das Wer- tungsfingen statt. Am Aachmittag bewegte sich ein Festzug zum Festplah, wo der Bezirksvor­sitzende, Lehrer Breidenbach, von Hoch- Weisel, die Grüße des HausbergWettertal- Sängerbundes überbrachte. Das Ehrenmitglied des Vereins, Pfarrer M ö b u s , hielt die Fest­rede. Staatspräsident Adelung hatte dem Ver­

ein einen silbernen Pokal mit der entsprechenden Widmung gestiftet.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg, 9.Juli. Der heute abgehal­tene Schweinemarkt war mit 443 Stück Ferkeln befahren. Für 68 Wochen alte Ferkel wurden pro Kopf 2735 Mk., und für 813 Wochen alte wurden 3045 Mk. bezahlt. Ten­denz des Marktes mäßig. Der Geschäftsgang war schleppend, so daß Ueberstand verblieb.

Kreis Schotten.

V Gedern, 9. Juli. Zu dem gestern hier ab­gehaltenen Schweinemarkt waren 511 Tiere auf getrieben. Die Preise waren gedrückt, der Handel flott; sechs Wochen alte Ferkel kosteten 20 bis 25 Mark, sechs bis acht Wochen alte vis 35 Mark; Springer, je nach Qualität, 40 bis 42 Mark. Es blieb ein geringer Ueberstand.

Daten für Freitag, 11. Fuli

1657: König Friedrich I. von Preußen in Königs­berg geboren; 1700: Stiftung der Akademie der Wissenschaften in Berlin; 1897: der schwedische Ingenieur Salomon August Andree steigt auf Spitz­bergen im Freiballon zur Fahrt nach dem Nordpol auf und ist seitdem verschollen.

lSchluß des redaktionellen Teils.»

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Der Dunlop-Sieger auf dem Nürburg-Ring!

Im Kampf um denGroßen Preis von Deutsch­land für Motorräder" erzielte Walker auf Rudge- Whitworth eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 106,3-Stunden-Kilometer und blieb damit nur um 0,6-Stunden-Kilometer hinter dem Durchschnitt von Chiron, dem Sieger auf Dunlop im vorjährigen Wagenrennen zurück. Alle 9 Fahrer der 500-ccm- Klasse, die nach Zurücklegstng der Rennstrecke (15 Runden = 424,5 km) ans Ziel gelangten, fuhren Dunlop-Reifen. Walker, der Sieger, erreichte gleich­zeitig die schnellste Zeit des Tages und war damit der Gesamtsieger. In der 1000-ecrn-Klasse belegte eine Dunlop bereifte NSU=9Rafd)ine den zweiten Platz, während in den Klassen der 350 und 250 ccm die Klassensieger sämtlich Dunlop-Reifen fuhren. ___________________________________________2949v

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Bekanntmachung.

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Horbach, den 9. Juli 1930.

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